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Letzte Änderung für Artikel Schwabing (München): 18.01.2006 14:29

Schwabing (München)

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Stadtbezirk 4 Schwabing-West: Lage in München
Stadtbezirk 4 Schwabing-West: Lage in München
Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann: Lage in München
Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann: Lage in München
Siegestor Vorderseite
Siegestor Vorderseite
Siegestor in Schwabing, Rückseite
Siegestor in Schwabing, Rückseite

Schwabing ist ein Stadtteil im Norden Münchens. Er teilt sich heute auf in den Stadtbezirk 4 Schwabing-West und Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann, wobei eher der Bezirk 4 dem entspricht, was als typisch für Schwabing gilt.

Im Süden wird Schwabing durch die Maxvorstadt begrenzt, im Osten durch den Englischen Garten, im Westen durch Neuhausen und im Norden durch Milbertshofen, wobei der zum Stadtbezirk 12 Schwabing - Freimann gehörende Bezirksteil Freimann bis an die nördliche Stadtgrenze reicht. Ein erweiterter Schwabing-Begriff ergibt sich dadurch, dass viele Schwabinger Schlüssel-Adressen aus der Zeit der Schwabinger Bohème der Jahrhundertwende heute de facto im Stadtteil Maxvorstadt liegen.

Inhaltsverzeichnis

Schwabing

Das Dorf Schwabing (die Gründung "Svapinga" eines Svapo) wurde bereits 782 urkundlich erwähnt und ist damit erheblich älter als München selbst (Stadtgründung im 12. Jahrhundert). 1890 wurde das Dorf nach München eingemeindet.

Mit der Schließung der Universität in Landshut, gleichzeitigen Neugründung der Universität 1826 und der Kunstakademie 1885 durch die bayerischen Könige entwickelte sich zuerst München zur Kunststadt (die "Malerfürsten" Franz von Lenbach oder Franz von Stuck sind zu erwähnen) und im Gefolge davon später Schwabing zum Künstlerviertel Münchens. In den Künstlerkneipen verkehrten um die Wende zum 20. Jahrhundert Maler wie Ernst Ludwig Kirchner , Lovis Corinth oder Paul Klee und aus der Malervereinigung des "Blauen Reiter" Wassily Kandinsky , Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter , Marianne von Werefkin und Franz Marc. Auch Literaten sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hier besonders häufig anzutreffen: Schon Gottfried Keller hatte hier studiert (und beschrieb später ein Schwabinger Faschingsfest in seinem Roman "Der grüne Heinrich"), und König Max II. scharte gar eine ganze Dichterschule um sich, die "Krokodile". Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts lebten und arbeiteten Schriftsteller und Dichter der Moderne wie Heinrich Mann , Thomas Mann , Oskar Panizza , Rudolf Alexander Schröder, Ricarda Huch , Frank Wedekind , Gustav Meyrink , Rainer Maria Rilke , Ludwig Thoma , Josef Ruederer , Max Halbe , Annette Kolb , Stefan George , Karl Wolfskehl , Franz Hessel , Ina Seidel , Christian Morgenstern , Lion Feuchtwanger , Leonhard Frank , Joachim Ringelnatz , Lena Christ , Claire Goll , Oskar Maria Graf u.v.a. vorübergehend in Schwabing. Kein einziger von ihnen war geborener Schwabinger, nur drei waren Münchner (Morgenstern, Kolb und Feuchtwanger), nur vier weitere Altbayern (Thoma, Ruederer, Christ und Graf), alle anderen kamen aus dem "Reich" oder dem Ausland. Schwabing muss also attraktiv gewesen sein. Auch die Revolutionäre der 1919 niedergeschlagenen bayerischen Räterepublik , etwa Erich Mühsam und Edgar Jaffé sowie der später als Romanautor B. Traven bekannt gewordene Ret Marut wohnten in Schwabing; man sagt, sie hätten die ganze Revolution im Café Stefanie ausgeheckt. Wladimir Iljitsch Uljanow, der sich erstmals in Schwabing literarisch Lenin nannte, tauchte als bürgerlicher Herr Meier hier mit seiner Frau für einige Zeit unter. (Dass auch Adolf Hitler vorübergehend Schwabinger war, gereicht dem Viertel zwar nicht zur Ehre. Es ist aber nicht untypisch für Schwabing, dass auch ein Psychopath wie Hitler sich von der Szene angezogen fühlte, nach der Ermordung des Juden und Chefs der Räterepublik Kurt Eisner 1919 als Trauergast auf dessen Beerdigung erschien und im Café Stefanie um Verbündete warb.)

Bekannteste Künstlerkneipe in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg war der "Simplicissimus" in der Türkenstraße, heute unter dem Namen "Alter Simpl" noch am selben Ort. Joachim Ringelnatz war dort der "Hausdichter". Das Café Stefanie in der Amalienstraße war ein anderer wichtiger Treff. Das Schwabinger Satire-Blatt Simplicissimus aus dem Albert-Langen-Verlag mit seinem Signet, der roten Bulldogge, wurde zum Symbol für beißende Kritik an politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, Thomas Theodor Heine , Olaf Gulbransson , Bruno Paul , Eduard Thöny , Rudolf Wilke waren die berühmtesten dort tätigen Künstler. Die Kulturzeitschrift Die Jugend , verlegt von Georg Hirth , gab der deutschen Variante des Art Nouveau , dem Jugendstil , ihren Namen. Mit beiden Blättern (beide seit 1896) war das München der Prinzregentenzeit durch seinen Schwabinger Vorort im Zeitalter autoritärer Zensur mit Abstand der liberalste Ort Deutschlands, vor allem im Vergleich mit Berlin - auch wenn Schwabing zahlreiche Strafprozesse hervorbrachte, sei es wegen Gotteslästerung, Majestätsbeleidigung (des deutschen Kaisers) oder Abweichung von der herrschenden Sexualmoral. Die berühmteste Gestalt des klassischen Schwabing war die "holsteinische Venus", die Gräfin Fanny zu Reventlow (1871-1918, ihre Lebensdaten markieren exakt das neu errichtete deutsche Kaiserreich) aus Husum, die 1913 den schönsten Roman über Schwabing veröffentlichte, "Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil". Die Schwabinger Bohème-Szene fand jedoch mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs ein abruptes Ende. Vgl. dazu auch Joachim Ringelnatz' Autobiografie "Mein Leben bis zum Kriege".

Ein berühmter Ort blieb der Stadtteil trotzdem - mit zahlreichen Ereignissen; z.B. gab 1929 in der Tonhalle an der Türkenstraße der 13-jährige Yehudi Menuhin in kurzen Hosen sein allererstes Konzert und spielte die bis dahin nie gehörte C-Dur-Solosonate für Violine von Johann Sebastian Bach; nach dem 2. Weltkrieg, 1951, erschien der Gedichtband "In der Traumstadt" von Peter Paul Althaus , der München-Schwabing eine neue poetische Aura verlieh; der inzwischen sehr renommierte Schwabinger Kunstpreis wurde begründet; die "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" im Herzen Altschwabings, mit ihrem bekanntesten Mitglied Dieter Hildebrandt , gehörte zu den zwei/drei berühmtesten Kabaretts der Zeit nach dem 2. Weltkrieg , und noch das literarische Erstlingswerk von Gerhard Polt , das Radio-Hörspiel "Als wenn man ein Dachs wär in seinem Bau" (1977) ist im Schwabinger Quartier Latin um die Universität entstanden.

Die nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Nostalgie-Welle, die das alte Schwabing zu verklären und zugleich kommerziell auszubeuten versuchte, machte Schwabing vor allem zum Mode-Viertel, was die Miet- und Gastronomiepreise in horrende Höhen trieb. In den 1960er Jahren lebte und arbeitete die Münchner Künstlergruppe SPUR hier, und unter der studentischen Jugend kam es zu den so genannten "Schwabinger Krawallen" auf der Leopoldstraße, der Hauptachse Schwabings. Sie waren ein erster Auftakt zur europaweiten Jugendrevolte der 1960er Jahre , die sich gegen verstaubte Polit-Strukturen und wirtschaftswunderliches Geldgeprotze richtete: Ereignisse, die treu dem alten Geist notwendig in Schwabing stattfinden mussten.

In den letzten Jahren machen nun andere Stadtteile Münchens (etwa Haidhausen) und im Augenblick vor allem das Glockenbach - und Gärtnerplatzviertel Schwabing als Mode-Viertel den Rang streitig, auch das Westend entwickelt sich neuerdings in diese Richtung, während Schwabing mehr und mehr zum historischen Forschungsgegenstand wird.

Wappen der ehemaligen Stadt Schwabing

Im Zuge der Stadterhebung verlieh Prinzregent Luitpold am 29. Dezember 1886 , mitgeteilt durch die Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern am 8. Januar 1887 ein eigenes Stadtwappen.

Beschreibung: Im blauen Schild zwölf goldene Ähren, deren Halme von einem silbernen, zu einer Schleife verschlungenen Band zusammengehalten werden.

Nach der Eingemeindung in die kgl. Haupt- und Residenzstadt München 1890 besitzt der Stadtrat der Landeshauptstadt München sämtliche Rechte zur Verwendung und Führung des Wappens.

Freimann und Fröttmaning

Der heute mit zum Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann gehörende Stadtteil Freimann ist von modernen Zweckbauten wie dem Veranstaltungszentrum M,O,C geprägt. In Fröttmaning steht das neue Fußballstadion, die Allianz Arena. Daneben ist der Kunstpark Nord geplant, der den ehemaligen Kunstpark Ost beim Ostbahnhof ersetzen soll. Am Rande wird Fröttmaning durch die unter Naturschutz stehende Fröttmaninger Heide begrenzt.

Literatur

Helmuth Stahleder: Von Allach bis Zamilapark. Namen und historische Grunddaten zur Geschichte Münchens und seiner eingemeindeten Vororte. Stadtarchiv München, ed. München: Buchendorfer Verlag 2001. ISBN 3-934036-46-5

Weblinks

Siehe auch

Wikipedia

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