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Letzte Änderung für Artikel Hanse: 19.02.2006 23:00

Hanse

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Hanse ( althochdeutsch Hansa "Gruppe, Gefolge, Schar") - auch Deutsche Hanse oder dudische Hanse, lat. : HANSA TEUTONICA - ist die Bezeichnung f√ľr die zwischen Mitte des 13. Jahrhunderts (Gr√ľndung:1254) und Mitte des 17. Jahrhunderts bestehenden Vereinigungen deutscher Kaufleute mit dem Ziel, ihre wirtschaftlichen Interessen besonders im Ausland besser vertreten zu k√∂nnen. Aus ihr entstand der St√§dtebund der Hanse, in dem sich die Hansest√§dte zusammenschlossen und ihre Interessen gegen√ľber anderen Nationen sowie dem Kaiser vertraten. Die Farben der Hanse waren wei√ü und rot. Diese Farben finden sich auch heute noch in den Stadtwappen vieler Hansest√§dte.

In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren beinahe 200 See- und Binnenstädte Nordeuropas in der Hanse zusammengeschlossen.

Heute wird das Wort allgemein zur Bezeichnung eines Städtebundes gebraucht, der in Nordeuropa nicht nur auf wirtschaftlichem , sondern auch auf politischem und kulturellem Gebiet ein wichtiger Faktor war.

1241

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Hanse war √ľber lange Zeit eine politische Macht ersten Ranges, der es gelang, ohne eigene Souver√§nit√§t - ihre Mitglieder verblieben jeweils unter der Herrschaft unterschiedlicher, weltlicher und kirchlicher Gewalten - sogar siegreiche Kriege zu f√ľhren. Anfang und Ende der Hanse sind schwer zu bestimmen.

Die Anfänge

L√ľbeck im 17. Jahrhundert.
L√ľbeck im 17. Jahrhundert .
Das Holstentor in L√ľbeck um 1900.
Das Holstentor in L√ľbeck um 1900 .

Schon vor dem offiziellen Zusammenschluss gab es ‚Äď etwa seit dem 11. Jahrhundert ‚Äď deutsche Kaufmannsgenossenschaften, die im Ausland privilegiert waren. Die erste Genossenschaft dieser Art ist 1157 in London urkundlich belegt. In dieser schlossen sich K√∂lner Kaufleute zusammen und erwarben ein Grundst√ľck, den Stalhof. Diese Niederlassung war exterritorial.

In Visby auf der Insel Gotland entstand im Jahre 1161 eine Gilde , die Gemeinschaft der deutschen Gotlandfahrer. Sie war ein Zusammenschluss einzelner Kaufleute gleicher Herkunft, gleicher Rechtsgewohnheiten und √§hnlicher Handelsinteressen aus dem Nordwesten Deutschlands, von L√ľbeckern und aus Stadtneugr√ľndungen an der Ostsee. Visby avancierte zu einer Drehscheibe im Ostseehandel mit Hauptverbindung nach L√ľbeck. Diese Gilde der Kaufleute aus dem Heiligen R√∂mischen Reich, die sich gegenseitig Hilfe schworen, sollte zur Keimzelle der Hanse werden.

Als weitere Vereinigungen entstanden in Nowgorod um 1200 der Peterhof als Konkurrenz zum skandinavischen Gotenhof und die Tyske Brygge in Bergen . Diese Genossenschaften wehrten sich gemeinsam gegen Gefahren und aus ihrer Sicht unberechtigte Anspr√ľche, zum Beispiel aus dem Grundruhrrecht und dem Strandrecht . Die Hanse entwickelte sich von der urspr√ľnglichen Kaufmannshanse sp√§ter zur St√§dtehanse, bei der St√§dte einen gegenseitigen Bund bildeten.

Mitglied der Hanse konnte eine Stadt auf dreierlei Weise sein oder werden. Bis zur Mitte des 14.Jh. wuchsen die Städte durch die Teilnahme ihrer Kaufleute am hansischen Handel in die Gemeinschaft hinein. Seit der Mitte des Jh. stellten die Städte förmliche Aufnahme oder Wiederaufnahmeanträge. Einen dritten Weg in die Hanse beschritten vielfach die kleineren Städte, indem sie sich ohne besondere Formalitäten von einer der größeren Städte aufnehmen ließen. Ein Sonderfall blieb das rheinische Neuß, das 1475 durch kaiserliches Privileg in den Rang einer Hansestadt erhoben wurde.

Die Hanseeigenschaft ging verloren durch Nichtbenutzung der Privilegien, durch freiwilligen Austritt aus der Gemeinschaft oder durch den f√∂rmlichen Ausschlu√ü einer Stadt (Verhansung), der bei gravierenden Verst√∂√üen gegen die Prinzipien und Interessen der Gemeinschaft von der St√§dteversammlung vorgenommen werden konnte. Zu den Fragen, auf die sich keine eindeutige Antworten geben lassen, geh√∂rt auch die Frage, seit wann es die Hanse √ľberhaupt gibt. Es gibt kein Gr√ľndungsdatum der Hanse. Sie ist entstanden, gewachsen. Nicht einmal die Zeitgenossen scheinen klare Vorstellungen dar√ľber gehabt zu haben. Als sich der Rat der Stadt Bremen 1418 in einem Streit mit Hamburg an K√∂ln wandte, um eine Abschrift der Gr√ľndungsurkunde der Hanse bat, antworteten die K√∂lner, sie h√§tten vergeblich nach der geforderten Schrift van der fundatacien der Duytzschen hensze gesucht, w√ľrden aber weitersuchen und den Bremern die gew√ľnschte Abschrift schicken, sobald sie f√ľndig geworden seien. Den eigentlichen Beginn der Hanse gibt Philippe Dollinger mit der Neugr√ľndung bzw. dem Wiederaufbau L√ľbecks im Jahre 1159 an. Wichtige Voraussetzung f√ľr die Entstehung der Hanse war die Ostkolonisation, die Erschlie√üung des Ostseeraums, die Gr√ľndung L√ľbecks und die Bildung der Gotl√§ndischen Genossenschaft.

Hansetag

Der allgemeine Hansetag war das h√∂chste Leitungs- und Beschlussgremium der Hanse. Hansetage fanden je nach Bedarf, gew√∂hnlich auf Einladung L√ľbecks, statt, das 1294 als caput et principium omnium (Haupt und Ursprung aller) bezeichnet worden ist und als hovestad der Hanse im 14. und 15. Jh. mehrfach best√§tigt wurde. Besondere Rechte gegen√ľber den St√§dten der Hanse konnte L√ľbeck aus dieser Funktion jedoch nicht herleiten. Behandelt wurden auf dem Hansetag alle Fragen, welche das Verh√§ltnis der Kaufleute und St√§dte untereinander oder die Beziehungen zu den Handelspartnern im Ausland betrafen. Der Idee nach sollten die Beschl√ľsse f√ľr alle Mitglieder verbindlich sein. Aber der Hansetag besa√ü keine den St√§dten √ľbergeordnete Zwangsgewalt. Die Verwirklichung der Beschl√ľsse hing vom guten Willen der St√§dte ab; allein in ihrem Ermessen lag es, Beschl√ľsse des Hansetages mitzutragen oder eigene Wege zu gehen. Sie f√ľhlten sich deshalb auch nur gebunden, wenn sich die Beschl√ľsse mit den eigenen lokalen Interessen deckten, andernfalls verweigerten sie ihre Mitwirkung, z.B. die Weigerung Dortmunds, sich dem 1367 in K√∂ln geschlossenen, f√ľr die Geschichte der Hanse so folgenreichen Kriegsb√ľndnis der wendischen, preu√üischen und einiger niederl√§ndischen St√§dte gegen den d√§nischen K√∂nig Waldemar IV. anzuschlie√üen. In einem Schreiben an die in L√ľbeck versammelten Ratsendboten stellte die Stadt fest, sie habe die Kriege der Seest√§dte noch nie unterst√ľtzt und wolle das auch jetzt nicht tun. Umgekehrt lie√üen 1388 die √ľbrigen Hansest√§dte, selbst die westf√§lischen, Dortmund allein, als dessen Souver√§nit√§t in der Gro√üen Fehde auf dem Spiel stand und es von den versammelten Heeren des K√∂lner Erzbischofs und des Grafen von der Mark bedroht war. √Ąhnliche Beispiele gibt es zuhauf.

Die Bl√ľtezeit

Carta marina der Ostsee, 1539
Carta marina der Ostsee , 1539

Zwischen etwa 1350 und 1400 stand die Hanse als nordeurop√§ische Gro√ümacht da. 1356 schloss sich ein unter der Leitung L√ľbecks stehender lockerer St√§dtebund offiziell zum Bund van der d√ľdeschen hanse zusammen. Die deutsche Hanse war auch nach dieser offiziellen Gr√ľndung eher frei organisiert, hatte keine Verfassung und keine Mitgliederlisten, keine dauerhafte eigenst√§ndige Finanzgebarung oder Beamte.

Ihren Kern bildeten etwa 70 St√§dte, weitere 130 waren locker assoziiert. So dehnte sich der Einflussbereich der Hanse √ľber ein Gebiet aus, das von Flandern bis nach Reval reichte und dabei den gesamten Ostseeraum bis hin zum Finnischen Meerbusen umfasste. Wichtigstes nichtst√§dtisches Mitglied war der Deutsche Orden .

Die Beschl√ľsse der Hanse wurden ab 1356 an so genannten Hansetagen mit einfacher Mehrheit gefasst.

Die so erreichte Vormachtstellung der Hanse in Nord- und Ostsee erregte vor allem den Widerstand D√§nemarks : 1361 kam es im Ersten Hanse-D√§nemark-Krieg zum Kampf gegen den d√§nischen K√∂nig Waldemar IV. , der die Rechte der Hanse einschr√§nken wollte. Der urspr√ľnglich nur wirtschaftlichen Interessen dienende Bund erhielt durch die gegen die Bedrohung des D√§nenk√∂nigs geschlossene K√∂lner Confederation am 19. November 1367 , der die St√§dte zum Kriegsb√ľndnis mit Schweden und Norwegen gegen D√§nemark zusammenschloss, auch hohe politische Bedeutung. Der siegreiche Ausgang dieses Zweiten Hanse-D√§nemark-Krieges brachte der Hanse mit dem Frieden von Stralsund 1370 eine ungew√∂hnliche Machtstellung. Die K√∂nigswahl in D√§nemark wurde abh√§ngig gemacht von der Zustimmung der Hanse. (Diese Option wurde allerdings von der Hanse nicht wahrgenommen.)

Die Hanse bew√§hrte sich auch im Kampf gegen den Seer√§uberbund der Vitalienbr√ľder, der 1402 mit der Hinrichtung durch Enthauptung ihres Anf√ľhrers Klaus St√∂rtebeker in Hamburg endete.

Der Versuch des d√§nischen K√∂nigs Erichs VII. , Skandinavien aus der Abh√§ngigkeit zu l√∂sen und die Einf√ľhrung des Sundzolls, f√ľhrte 1420 bis 1435 zu einem neuerlichen Krieg, in dem D√§nemark wieder unterlag und der 1435 mit dem Frieden von Vordingborg beendet wurde.

Niedergang der Hanse

Der Machtverlust der Hanse begann mit dem Erstarken der landesherrlichen Territorialgewalten im Ostseeraum , durch die die St√§dte den Interessen der regierenden F√ľrsten untergeordnet wurden. Ein anderer, sp√§terer Grund war die Entdeckung Amerikas , die den bisher dominierenden Ostsee-Westsee ( Nordsee ) Handel nun in √ľberseeische Gebiete ausdehnte. Dabei ging nicht etwa das Handelsvolumen der Hanse im eigentlichen Sinne zur√ľck, wohl entstanden jedoch m√§chtige Konkurrenten, die die Bedeutung der Hanse f√ľr die einzelnen St√§dte - und Kaufleute - schw√§chten.

Schon 1441 musste die Hanse die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Niederl√§nder anerkennen, nachdem Br√ľgge als wichtigstem Kontor der Hanse mit Antwerpen ein m√§chtiger Konkurrent erwachsen war und sich die Niederlande zus√§tzlich mit den D√§nen als den "Herren des Sunds " verb√ľndet hatten. Zudem entstand Uneinigkeit zwischen den St√§dten √ľber den Umgang mit den Niederl√§ndern: W√§hrend die wendischen St√§dte durch das Erstarken des holl√§ndischen Handels st√§rker bedroht waren und zu einer unvers√∂hnlichen Politik dr√§ngten, konnten der Deutsche Ritterorden, K√∂ln und die livl√§ndischen St√§dte ihren eigenen Interessen entsprechend mit einer konzilianteren Politik besser leben.

Der Frieden von Utrecht (1474) beendete den 1470 begonnenen gemeinsamen Kaperkrieg der Städte des Wendischen und Preußischen Viertels gegen England und sicherte die Privililegien des Londoner Stalhofs und den hansischen Tuchhandel.

Der endg√ľltige Niedergang der Hanse begann 1494 mit der Schlie√üung des Kontors in Nowgorod durch Iwan III. . Mit der Verlagerung des Au√üenhandels nach √úbersee verlor die Hanse, die aufgrund ihrer Monopolstellung nicht viel Notwendigkeit gesehen hatte, sich Neuerungen gegen√ľber zu √∂ffnen, im 15. und 16. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Mitgliedsst√§dte ging immer mehr zur√ľck. 1669 hielten die letzten in der Hanse verbliebenen St√§dte, L√ľbeck, Hamburg, Bremen, Danzig, Rostock, Braunschweig, Hildesheim, Osnabr√ľck und K√∂ln den letzten Hansetag in L√ľbeck ab, wobei die drei erstgenannten den Schutz der im Ausland befindlichen Kontore √ľbernahmen.

1684 forderte Kaiser Leopold die L√ľbecker Hanse zur Geldhilfe f√ľr den Krieg gegen die T√ľrken auf.

Mit Beginn des 17. Jahrhunderts war der stolze und m√§chtige St√§dtebund der Hanse nur noch dem Namen nach ein B√ľndnis. Der Drei√üigj√§hrige Krieg , 1618 - 1648 , brachte die v√∂llige Aufl√∂sung. Ein Vorschlag Spaniens , eine Hanseatisch-Spanische Compagnie , die den Handel nach den neuen spanischen Kolonien in Mittelamerika betreiben sollte, scheiterte an den protestantisch-katholischen Glaubensgegens√§tzen. Auf den Hansetagen 1629 und 1641 wurden Hamburg, Bremen und L√ľbeck beauftragt, das Beste zum Wohle der Hanse zu wahren. Das Kontor in Bergen wurde 1775 , der Stalhof, Steelyard in London 1858 verkauft. Das 1540 von Br√ľgge nach Antwerpen verlegte Kontor im Osterling-Haus ging 1863 in die H√§nde der belgischen Regierung √ľber. Der Peterhof in Nowgorod war bereits 1494 bei der Eroberung Nowgorods durch Iwan III. , genannt Kalita, zerst√∂rt worden.

Organisation

Der Hauptort L√ľbeck, im Sp√§tmittelalter nach K√∂ln die zweitgr√∂√üte Stadt Deutschlands und neben Rom, Venedig, Pisa und Florenz eine der f√ľnf Herrlichkeiten des Reiches, gem√§√ü Edikt von Kaiser Karl IV. vom 20. Oktober 1375 , war Appellationsgericht f√ľr alle Hansest√§dte, die nach eigenem L√ľbischen Recht zu richten hatten.

Schifffahrt

Kraweel Lisa von L√ľbeck
Kraweel Lisa von L√ľbeck

Die Verbindung von Land und Seeverkehr in einer Organisation war der entscheidende Schritt in die Zukunft, die der Hanse schlie√ülich die monopolartige Vorherrschaft in Handel und Transport auf Nord- und Ostsee bringen sollte. Neue Verkehrwege auf dem Wasser wurden allerdings bis weit ins 14. Jh. von der Hanse nicht erschlossen, man √ľbernahm vielmehr die von Friesen, Sachsen, Engl√§nder und Skandinavier erschlossenen Verkehrswege. Die Handelspartner und Schiffer wurden verdr√§ngt, oft unter dem Anschein fairer Vertr√§ge unter gleichberechtigten Partnern. Beispielhaft daf√ľr ist das Privileg Heinrichs des L√∂wen an die Gotl√§nder von 1161. Als diese sich weigerten, mit den Kaufleuten aus dem gerade wieder gegr√ľndeten L√ľbeck (1159) als Handelspartner zu akzeptieren, vermittelte Heinrich und gestand den Gotl√§ndern in seinem Gebiet die gleichen Rechte zu, wie sie die Gotl√§nder den deutschen auf ihrer Insel einr√§umen sollten. Nun konnten die Kaufleute aus Visby , die bis dahin den Zwischenhandel auf der Ostsee beherrschten, ihre Waren allenfalls bis L√ľbeck bringen, der direkte Weg weiter ins Binnenland blieb ihnen versperrt. Ein weiterer Vorteil der Hanseschifffahrt war eine gewisse Rechtssicherheit gegen√ľber Konkurrenten, ein entwickeltes Seerecht, das Fragen der Befrachtung, der Bemannung, der Verh√§ltnisse an Bord, des Verhaltens im Seenotfall usw. regelte. Die Rechtssicherheit f√ľr Hanseschiffe, vor allem im Ausland, war grundlegend f√ľr das reibungslose Funktionieren der Verkehrorganisation. Auch Fragen der technischen Schiffssicherheit und der Seef√§higkeit der Schiffe wurden sehr ernst genommen, ebenso wie der Schutz der Handelschiffe vor Piraterie . Die Schiffer fuhren deshalb meist im Verband in Fahrtgemeinschaften von zwei und drei Schiffen, und ab 1477 mussten gr√∂√üere Hanseschiffe je 20 Bewaffnete an Bord haben. Gegen Kaperungen sch√ľtzten diese Ma√ünahmen jedoch nicht immer.

Kontore

Die Deutsche Br√ľcke (Bryggen) Handelskontor in Bergen
Die Deutsche Br√ľcke (Bryggen) Handelskontor in Bergen

Kontore der Hanse waren in Nowgorod , Bergen (Bryggen), London (Stalhof) und Br√ľgge ; an ihrer Spitze standen gew√§hlte Olderm√§nner und Beisitzer. Ihre Aufgabe war es, den Schutz der kaufm√§nnischen Interessen gegen√ľber den ausw√§rtigen M√§chten wahrzunehmen, zugleich aber auch, die Einhaltung der den Kaufleuten zugestandenen Freiheiten durch die Kaufleute selbst zu √ľberwachen, zu deren Befolgung diese sich bei der Aufnahme in die Kontorgemeinschaft eidlich verpflichten mussten. Ferner gab es Statuten, die das Zusammenleben der Kaufleute und Fragen des √∂rtlichen Handels regelten, es gab eine eigene Kasse, es gab ein eigenes Siegel. Aber die Kontore galten nicht als Mitglieder der Hanse.

Hansekaufleute

Georg Giese, 34 Jahre, Kaufmann aus Danzig im Londoner Stalhof an seinem Arbeitsplatz (1532)
Georg Giese , 34 Jahre, Kaufmann aus Danzig im Londoner Stalhof an seinem Arbeitsplatz (1532)

Der auf sich allein gestellte, das volle Risiko tragende, nur auf eigene Rechnung Handel treibende Kaufmann war in der Hanse des 14. Und 15. Jh. der Ausnahmefall. Der typische Hansekaufmann des sp√§ten Mittelalters war Mitglied einer oder mehrerer Handelsgesellschaften . Seit dem 12. Jh. sind die einfache Selschop, eine kurzfristige Gelegenheitsgesellschaft, bei der ein Kaufmann auf die Handelsreise Kapital oder Ware eingibt, Risiko und Gewinn geteilt wurden, und die Sendeve, das Kommissionsgesch√§ft, bei dem der Gewinn des beauftragten Kaufmanns durch festen Lohn oder einer Provision ersetzt wurde und der Auftraggeber das alleinige Risiko trug. Bei dem am h√§ufigsten vorkommenden Typ der freien Gesellschaft brachten zwei oder mehr Partner Kapital in gleicher oder unterschiedlicher H√∂he ein; Gewinnaussch√ľttung und Verlustzuweisung erfolgten je nach Anteil. Es gab neben den aktiven Gesellschaftern, h√§ufig auch mehrere stille Teilhaber. Gew√∂hnlich blieb die Dauer der Gesellschaft auf wenige Jahre befristet. Gerade die gr√∂√üeren Hansekaufleute mit Handelsbeziehungen zwischen Ost und West waren in mehreren solcher Gesellschaften vertreten, um das Risiko besser zu verteilen. Bei der Wahl der Gesellschaftspartner spielten verwandtschaftliche Beziehungen immer eine gro√üe Rolle.

Dollinger stellt in Die Hanse einige dieser Kaufleute schlaglichthaft heraus: Den Hamburger Kaufmann Winand Miles , Johann Wittenborg aus L√ľbeck ob der Tragik seiner Biographie, den Dortmunder Tidemann Limberg ob seiner Skrupellosigkeit, den deutschst√§mmigen Stockholmer Johann Nagel ob seiner Assimilationskraft, die europaweit agierenden Br√ľder Veckinchusen f√ľr die unterschiedlichen Erfolgsvarianten einer interfamili√§ren, kaufm√§nnischen Zusammenarbeit, den L√ľbecker Hinrich Castorp als Beispiel f√ľr den nahezu klassischen Hansekaufmann seiner Zeit und die Gebr√ľder Mulich als Beispiel des Einbruchs der Hansekaufleute in den oberdeutschen Handel. Im Bild haben Hans Holbein der J√ľngere mit seinen Portr√§ts der Hansekaufleute im Londoner Stalhof und Jacob van Utrecht den Kaufmann des beginnenden 16. Jahrhunderts in seiner Arbeitsumgebung und mit den notwendigen Utensilien des erfolgreichen Kaufmanns der Zeit festgehalten.

Beispiel f√ľr den erfolgreichen Hansekaufmann des 17. Jahrhunderts ist sicher der L√ľbecker Thomas Fredenhagen, der trotz ver√§nderter Handelsstr√∂me noch von L√ľbeck aus sehr erfolgreich weltweit im Wettbewerb mit Bremern und Hamburgern agierte.

Treuhänder und Erben

Wo immer die Hanse als Bezugspunkt st√§dtischer Traditionen beschworen wird, gelten die Hanseaten als weltoffen, urban, n√ľchtern und zuverl√§ssig, aristokratisch-reserviert und steif. L√ľbeck, Hamburg und Bremen werden mit solchen Klischees gern verbunden. Die St√§dte nahmen den Begriff Hansestadt allerdings erst im 19. Jh. in ihren Staatstitel auf - √ľber eineinhalb Jahrhunderte nachdem die Hanse bereits erloschen war.

Hansaplatz und Hansaport

Die Hanse wird den positiven Erscheinungen der Geschichte zugerechnet. Wo immer eine Stadt einst der Hanse angeh√∂rt hat, scheint dies ihr Ansehen zu heben, und l√§sst sich damit werben. Pl√§tze, Stra√üen und Bauten erinnern daran: Hansaplatz, Hansastra√üe, Hanseatenweg, Hansahof, Hanse-Viertel, Hansaport um nur Beispiele aus Hamburg und L√ľbeck anzuf√ľhren. Zahlreiche √∂ffentliche und private Bauten und Firmen beschw√∂ren vermeintliche Hansetradition und f√ľhren Bezeichnungen wie Hanse, Hansa, hanseatisch oder hansisch zum Bestandteil ihres Namens. Das weist oft auf ihren Sitz oder ihre Zust√§ndigkeit hin, etwa im Fall des Hanseatischen Oberlandesgerichts, Hanseatischen Versicherungsanstalt von 1891, oder Deutsche Lufthansa. Zumeist dient es jedoch als eine Art G√ľtesiegel .

Neue Hanse

1980 wurde in Zwolle die ‚Äěneue Hanse‚Äú als Lebens- und Kulturgemeinschaft der St√§dte √ľber die Grenzen hinweg gegr√ľndet. Ihr Ziel ist neben der F√∂rderung des Handels auch die F√∂rderung des Tourismus.

siehe auch: Deutsche Marine (Geschichte)

Seit den 1980er Jahren werden wieder Hansetage der Neuzeit in ehemaligen Hansestädten abgehalten. Allerdings steht dabei vor allem die kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit von Kommunen auf der Tagesordnung. Besonders auf eine Einbindung der zuvor im Ostblock gelegenen Hansestädte wird viel Wert gelegt.

Auf dem Hansetag in Stade 1994 beschlossen die damals rd. 100 Hansest√§dte aus 10 L√§ndern (Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Niederlande, Norwegen, Schweden, Polen, Ru√üland und Deutschland) als gemeinsames Projekt im Rahmen einer Solidarit√§tsaktion aller Hansest√§dte, die St. Nikolaus-Kathedrale im Hansehof von Nowgorod zu restaurieren. Die Federf√ľhrung in dieser Angelegenheit haben die St√§dte Visby (S) und Bergen (N) √ľbernommen. Insgesamt werden rd. 750.000 ‚ā¨ von Deutschland, Holland, Belgien, Norwegen, Schweden, Finnland und den Baltischen Staaten aufzubringen sein. Die Arbeiten haben im Sommer 1994 begonnen.

Bedeutung

Die mittelniederdeutsche Sprache der Hanse, die eine Lingua franca des Mittelalters war, beeinflusste die Entwicklung der skandinavischen Sprachen deutlich.

Ziel der Hanse war neben dem Schutz der Kaufleute die Sicherung von Handelsvorteilen, die sie sich vor allem durch den Verhansung genannten Boykott eines Hafens oder Landes zu verschaffen wusste. Die Dokumente der Hanse bezeugen auch, dass der Schutz vor Piraten und Räubern auf dem Land ein wichtiges Anliegen der Hanse war.

Ber√ľhmte Schiffe

Ein Hansekoggen. Im ausgehenden 14. Jahrhundert wurden die Koggen mehr und mehr vom ähnlichen Holk, danach vom Kraweel abgelöst.
Ein Hansekoggen. Im ausgehenden 14. Jahrhundert wurden die Koggen mehr und mehr vom ähnlichen Holk , danach vom Kraweel abgelöst.

Siehe auch

Literatur

  • J√∂rgen Bracker (Hrsg.): Die Hanse ‚ÄĒ Lebenswirklichkeit und Mythos, 2 Bde., Hamburg 1989. Katalog der Ausstellung des Museums f√ľr Hamburgische Geschichte in Hamburg 24. August-24. November 1989. Teils hochinformativ.
  • Philippe Dollinger: Die Hanse, 5. Auflage, Stuttgart 1998. Mit Abstand die beste Gesamtdarstellung.

Weblinks

Wikipedia

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