fair-hotels . Ein Service wie gemalt
Reiseführer Übersicht Deutschland Österreich Schweiz Bauwerke nach Stil

Werbung

Letzte Änderung für Artikel Jagd: 17.02.2006 15:40

Jagd

Wechseln zu: Navigation, Suche

Jagd bezeichnet das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Erlegen und Aneignen von Wild. Wo die Jagd gesetzlichen Regelungen unterliegt oder die Jagdgebiete nur von bestimmten Personenkreisen genutzt werden d√ľrfen, wird die unerlaubte Jagd als Wilderei bezeichnet.
Unter "Erlegen" versteht man das gezielte Töten von Wild.

"Der November", Joachim von Sandrart, √Ėl auf Leinwand, 1643
"Der November", Joachim von Sandrart , √Ėl auf Leinwand, 1643

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben und Motive

Die Jagd erfolgte urspr√ľnglich aus verschiedenen Gr√ľnden:

  • Nahrungsgewinnung
  • Gewinnung von Tierteilen aller Art (wie zum Beispiel Felle , H√∂rner , Geweihe, etc.)
  • Freizeitgestaltung

In neuerer Zeit kam als weitere Gr√ľnde hinzu:

  • Wirtschaftliche Gr√ľnde au√üerhalb der Jagd (beispielsweise Bestandsregulierung, um Wildsch√§den in der Forst - und Landwirtschaft zu verhindern)
  • √Ėkologische Gr√ľnde (Populationsdynamik, Nat√ľrliches Gleichgewicht, Ersatz der ausgerotteten Beutegreifer, Seuchenbek√§mpfung)

Auch heute sind die genannten Motive weiterhin nebeneinander zu finden. Jedoch ist dar√ľber hinaus ein wesentlicher Bestandteil der Jagd die Hege. Dazu geh√∂ren beispielsweise auch F√ľtterungen von Wildtieren in Notzeiten und die Anlage von Wild√§ckern, womit der nat√ľrliche Nahrungsengpass im Winter und somit der Verbi√ü im Wald verringert werden soll. Diese Vorgehensweise bleibt nicht ohne Kritik (siehe Absatz: Kritik). Weiterhin werden im Rahmen der Hege jedoch auch Ma√ünahmen ergriffen die allgemein den Zielen des Naturschutzes dienen, wie etwa Ma√ünahmen zum Schutz wertvoller Biotope , Biotopverbesserungen (etwa durch Anlage von Hecken) und Renaturierungen. Seit die Jagd nicht mehr Teil der Schaffung der Nahrungsgrundlage ist, wird sie als Hobby angesehen (Jagdsport).

Geschichte und Tradition

Bild:Hennequin und Herman von) Br√ľder (Pol Limburg 008.jpg

R√Ęj√Ę R√Ęm Singh II. auf der Jagd (Indien, ca. 1830)
R√Ęj√Ę R√Ęm Singh II. auf der Jagd (Indien, ca. 1830)

Ursprung

Schon in der Altsteinzeit wurde von Menschen gejagt - " J√§ger und Sammler " ist die g√§ngige Bezeichnung f√ľr Menschen dieser Zeit. Die Jagd diente haupts√§chlich zur Nahrungsversorgung und lieferte neben Fleisch wertvolle tierische Nebenprodukte wie Knochen und Felle .

Mit der zunehmenden Sesshaftigkeit und damit verbundenen Domestizierung von Tieren trat die Jagd als Lebensgrundlage in weiten Teilen der Bev√∂lkerung zunehmend in den Hintergrund. Schon in den antiken Hochkulturen wurde die Jagd als Freizeitvergn√ľgen betrachtet. Sie wurde zunehmend nur noch von einem kleinen Teil der Gesamtbev√∂lkerung ausge√ľbt. Doch gab es jagdbezogene Kulte f√ľr Gottheiten, denen das Jagen besonders geheiligt war - so die griechische Artemis und die r√∂mische Diana . Auch die katholische Kirche hat eigens einen Patron der J√§ger, den Hl. Hubertus .

Bis im Mittelalter wurde die Jagd immer mehr zum Privileg des Adels , sowie staatlicher und kirchlicher W√ľrdentr√§ger . Aus dem Mittelalter stammt auch die Unterscheidung in "hohe Jagd" - die dem Adel vorbehaltene Jagd auf Hochwild - und "niedere Jagd" auf kleinere Tiere wie Hasen und Federwild ( Niederwild ). Bezirke in denen das Jagdrecht alleine dem K√∂nig zustanden werden als Wildbann bezeichnet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Jagd bzw. der J√§ger auch als "Parforce" bezeichnet.

Heute wird die Jagd in Deutschland vorrangig von privaten J√§gern ausge√ľbt. Das Jagdrecht ist fest mit dem Grundbesitz verkn√ľpft, so dass in Jagdgenossenschaften zusammengeschlossene Grundbesitzer das Jagdaus√ľbungsrecht auf Zeit an Dritte verpachten. Daneben existiert auch ein reger Jagdtourismus ins Ausland. In den Staats- und Landesforsten wird das Jagdrecht durch die Forst√§mter ausge√ľbt und zum Teil ebenfalls weiterverpachtet.

Brauchtum - Jäger in Märchen und Geschichten

Auch in Deutschland existiert ein jagdliches Brauchtum mit verschiedenen jagdlichen Br√§uchen, unter anderem wird eine J√§gersprache gepflegt. Die traditionelle gr√ľne Bekleidung ist jedem bekannt und kaum mehr wegzudenken. Die jagdlichen Traditionen werden in der J√§gerschaft aktiv gepflegt und finden sich auch h√§ufig in der Praxis.

Wie wenige andere Berufsgruppen sind die J√§ger in zahlreichen M√§rchen und Geschichten mystifiziert worden. In den (nord- und mitteldeutschen) M√§rchen und Geschichten treten sie vor allem als edele Gestalten auf. In M√§rchen sind sie es oft, die am Ende die Wende zu guten herbeif√ľhren oder besiegeln (zum Beispiel Rettung vor dem "b√∂sen Wolf").

Auch in den Heimatfilmen der 50er Jahre traten Jäger oft als edle Kavaliere auf und traten damit die Nachfolge der Rittersgestalt in mittelalterlichen Geschichten an.

Dagegen werden die J√§ger oder Jager in s√ľddeutschen, besonders in bayerischen Volkserz√§hlungen oft negativ dargestellt. Der Wald geh√∂rte im Empfinden des Volkes allen. Somit wurde das Wildern als legitim angesehen. Dies gilt vor allem f√ľr Lieder und Geschichten aus der Zeit des Absolutismus. Dort wird oft der Konflikt zwischen den "Wildsch√ľtzen" (Wilderer) und den J√§gern als Gehilfen der verhassten absolutistischen Obrigkeit beschrieben. W√§hrend die Wildsch√ľtzen alles mit den Armen teilende, tapfere M√§nner dargestellt werden, werden die J√§ger als feige und hinterr√ľcks beschrieben. Besonders deutlich kommt das in dem bayerischen Lied vom Sch√ľtzen Jennerwein zum Ausdruck (Vgl. Die Legende Jennerwein ).

Jagdarten

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedenste Jagdarten entwickelt, welche jeweils in speziellen Situationen bzw. bei der Jagd auf bestimmte Tierarten am geeignetesten sind. Die wichtigsten sind:

Einzeljagd

  • Suche: Mit Hilfe eines Hundes "durchsucht" man Felder oder Waldabschnitte um fl√ľchtendes Wild erlegen zu k√∂nnen. Diese Jagdart findet meist auf Hasen, Kaninchen oder Federwild statt. Sie wird von einem einzelnen oder einer kleineren Gruppe von J√§gern ausge√ľbt. Daf√ľr ben√∂tigt man kurzjagende Hunde oder Vorstehhunde.
  • Ansitz: Beim Ansitz wartet ein J√§ger still an einer Lichtung oder √§hnlichem, h√§ufig auf einem Hochsitz. Wild, welches vorbeizieht, kann so in Ruhe beobachtet werden, bevor entschieden wird, ob geschossen wird. Die Beunruhigung ist minimal. Beim Ansitz wird haupts√§chlich auf Rehwild, Raubwild und Hochwild gejagt.
  • Pirsch: Hierbei begeht der J√§ger vorsichtig und leise das zu bejagende Gebiet, er "pirscht". Dabei kann Spuren gefolgt werden, um Wildtiere aufzusp√ľren. Besonders erfolgsversprechend ist diese Jagd bei Neuschnee, da hier die frischen Spuren besonders gut zu sehen sind.

Gemeinschaftsjagd

  • Treibjagd: Eine Gemeinschaftjagd, bei der mehrere Treiber und Hunde das Wild hoch fl√ľchtig machen. Treibjagden werden meist auf offenen Fl√§chen auf Hasen und anderes Niederwild, au√üer Rehwild ausge√ľbt.
  • Dr√ľckjagd: Bei einer Dr√ľckjagd gehen mehrere Treiber - meist ohne Begleitung von Hunden - durch das zu bejagende Gebiet um die Wildtiere in Bewegung zu bringen und aus den Einst√§nden zu "dr√ľcken". Das Wild wird im Gegensatz zur Treibjagd nicht durch laute Ger√§usche und Hundegebell aus ihren Einst√§nden getrieben. Das Wild kommt auf den nat√ľrlichen Wechseln auf die wartenden J√§ger zu. Diese Art der Gemeinschaftsjagd erzeugt weniger Stress bei den Wildtieren. Die J√§ger warten in der N√§he dieser Einst√§nde an zuvor festgelegten St√§nden auf das Wild. So wird zumeist Schwarzwild und Reh- und Rotwild bejagt.
  • Bewegungsjagd: Bei dieser Jagdform, √§hnlich der Dr√ľckjagd, wird weitr√§umiger abgestellt. Das Wild wird nur soweit beunruhigt, dass es seine Einst√§nde verl√§sst und m√∂glichst vertraut und langsam auf den Sch√ľtzen zuzieht. Das erleichtert den J√§gern die gezielte Selektion und das Wild wird weniger beunruhigt. Diese Jagdart wird in gro√üen Revieren oder revier√ľbergreifend auf alle Hochwildarten, Rehwild und Raubwild genutzt.

Weitere Jagdarten

Darstellung einer Beizjagd in den Tr√®s Riches Heures um 1415. Es zeigt den Ausritt einer eleganten Gesellschaft zur Falkenjagd. Die lange Stange, die der Falkner mit sich f√ľhrt, diente zum Aufschrecken der V√∂gel
Darstellung einer Beizjagd in den Tr√®s Riches Heures um 1415. Es zeigt den Ausritt einer eleganten Gesellschaft zur Falkenjagd. Die lange Stange, die der Falkner mit sich f√ľhrt, diente zum Aufschrecken der V√∂gel
  • Fangjagd: Die Jagd mit Fallen. Diese wird in den Fang durch Lebendfallen und durch Totschlagfallen unterschieden. In Deutschland gibt es strenge Gesetze, die diese Jagdform regeln. In den meisten Bundesl√§ndern muss der J√§ger eine zus√§tzliche Pr√ľfung f√ľr einen Fallenschein ablegen. In anderen L√§ndern wie Russland sind die Regelungen anders. Professionelle Fallensteller unternehmen oft gro√üe Touren und kommen erst nach Tagen wieder an den Ort. Falls das Tier schon l√§nger tot ist, ist nur noch das Fell - um das es meist prim√§r geht - brauchbar.
  • Hetzjagd: Das Hetzen von Wild mit Pferd und Hundemeute ist in Deutschland seit langem verboten. Auch in England wurde diese sehr umstrittene Jagdart nach Protesten im Juni 2004 per Gesetz verboten.
  • Beizjagd : Die Jagd mit Greifv√∂geln durch Falkner.

In verschiedenen Regionen haben sich dar√ľber hinaus unterschiedliche Jagdtraditionen herausgebildet:

  • In England gab es bis zum Verbot im Juni 2004 die traditionelle Fuchsjagd zu Pferd, in Schottland wurde diese bereits fr√ľher abgeschafft.
  • In Afrika wird seit Kolonialzeiten die Gro√üwildjagd (Safari) betrieben.
  • In Stadtgebieten (z.B. auf Friedh√∂fen, aber auch auf Privat- oder Firmengrundst√ľcken oder Flugh√§fen) wird zudem zur Sch√§dlingsbek√§mpfung Tauben oder Niederwild nachgestellt. Dies geschieht oftmals im Auftrag von Grundst√ľckseigent√ľmern oder der Stadtverwaltung und muss von der Jagdbeh√∂rde genehmigt werden.

Recht

Deutschland

Jagdrecht

Nach Art. 75 Abs. 1 Nr. 3 des Grundgesetzes hat der Bund das Recht zur Rahmengesetzgebung auf dem Gebiet der Jagd. In Aus√ľbung dieser Gesetzgebungskompetenz hat der Bund das Bundesjagdgesetz (BJagdG) erlassen. Daneben existieren in allen Bundesl√§ndern Landesjagdgesetze. Auch das Europarecht hat indirekten Einfluss auf das bundesdeutsche Jagdrecht, z.B. durch die Vogelschutzrichtlinie oder die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Das Bundesjagdgesetz ist zwar das Nachfolgegesetz des Reichsjagdgesetzes von 1934, die jagdfachlichen Inhalte jedoch gehen viel weiter zur√ľck: Die Grundlagen stammen aus dem preu√üischen Ministerium f√ľr Landwirtschaft, Dom√§nen und Forsten zur Amtszeit des Sozialdemokraten und J√§gers Otto Braun als Minister (1918-1921). Weitere Vorbilder waren die reformierten Jagdgesetze von Polen, Rum√§nien und das stark auf Naturschutz ausgerichtete britische Kolonial-Jagdrecht. Konkret veranlasst und durchgesetzt hat das Reichsjagdgesetz dann der preu√üische Ministerpr√§sident und sp√§tere Reichsj√§germeister Hermann G√∂ring . Eigentlicher Spiritus rector des Gesetzeswerkes, mit dem die Jagd in Deutschland erstmals einheitlich geregelt wurde, war jedoch der Jagdfunktion√§r Ulrich Scherping (1889 - 1958), der seit 1933 als Jagdreferent in der preu√üischen Staatsforstverwaltung wirkte.

Im Vorwort des Reichsjagdgesetzes waren die "ideologiegepr√§gten, teils von Hermann G√∂ring selbst beigesteuerten Passagen konzentriert", so der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages, der sich mit der Herkunft des Bundesjagdgesetzes eingehend besch√§ftigt hat. Deshalb sei das Vorwort im BJG komplett gestrichen worden. Weitere Einzelheiten zur Entstehung des Reichsjagdgesetzes und seiner Bedeutung f√ľr das heutige Bundesjagdgesetz finden Sie in der entsprechenden Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages. ( [1] )

1952 wurde das RJG nach formellen und redaktionellen √Ąnderungen in bundesdeutsches Recht √ľberf√ľhrt. Die Tatsache, dass das Bundesjagdgesetz das Nachfolgegesetz des Reichsjagdgesetzes ist, dient Jagdgegnern h√§ufig als Angriffspunkt. Wie die Auswertung des Wissenschaftlichen Dienstes belegt ‚Äď zu Unrecht.

Nach deutschem Recht ist das Jagdrecht untrennbar mit dem Grundeigentum verkn√ľpft. Die Aus√ľbung des Jagdrechts ist jedoch nur in Jagdbezirken erlaubt und auch dort, mit Ausnahme der Jagd zur Sch√§dlingsbek√§mpfung , nur au√üerhalb von "befriedeten Bezirken" (zum Beispiel Wohngegenden, G√§rten, etc.) Alle Grundfl√§chen innerhalb eines Jagdbezirks geh√∂ren diesem an.

Die Jagdbezirke sind entweder Eigenjagdbezirke, oder gemeinschaftliche Jagdbezirke. In letzteren sind mehrere Grundst√ľcke zu einem gen√ľgend gro√üen Jagdbezirk zusammengeschlossen. Die zugeh√∂rigen Grundbesitzer sind zur Mitgliedschaft in Jagdgenossenschaften (einer K√∂rperschaft √∂ffentlichen Rechts ) gezwungen. Ein gemeinschaftlicher Jagdbezirk ist √ľblicherweise mindestens 150 ha gro√ü. Besteht ein solcher, so steht das Jagdaus√ľbungsrecht der Jagdgenossenschaft, also der K√∂rperschaft, zu, die die Aus√ľbung anderen per Verpachtung √ľberlassen kann, aber nicht muss. Es k√∂nnen auch Teilbezirke verpachtet werden, wenn jeder verbleibende Teil f√ľr sich gen√ľgend gro√ü ist. Verpachtet wird also nicht etwa ein Grundst√ľck, sondern ausschlie√ülich das Recht zur Jagdaus√ľbung innerhalb eines Jagdbezirks.

Im Bundesjagdgesetz und den Landesjagdgesetzen sowie weiteren Gesetzen (Waffengesetz) und Verordnungen sind dar√ľber hinaus vielf√§ltige Regeln und Beschr√§nkungen zur Jagdaus√ľbung festgehalten. Dies umfasst unter anderem Vorschriften zu Jagd- und Schonzeiten, jagdbaren Tieren und erlaubten Jagdmethoden. So darf beispielsweise bis auf einige Ausnahmen (L√§ndergesetze), wie z.B. f√ľr die Jagd auf Schwarzwild , nicht nachts gejagt werden. Erw√§hnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass zahlreiche Wildarten seit vielen Jahren ganzj√§hrig geschont (keine Jagdzeiten haben). Sie werden dennoch nicht dem Jagdrecht entzogen, um sie in der aktiven Hegepflicht der J√§ger zu belassen.

Wilderei bezeichnet die Verletzung fremden Jagdrechts oder Jagdaus√ľbungsrechtes.

J√§gerpr√ľfung

Gustave Courbet, "Die Beute" oder "Jagd mit Hunden", √Ėl auf Leinwand, 1857
Gustave Courbet , "Die Beute" oder "Jagd mit Hunden", √Ėl auf Leinwand, 1857

Die Jagd aus√ľben d√ľrfen nur Personen, welche zuvor einen Jagdschein erworben haben. Dieser setzt eine Pr√ľfung voraus, die sich aus den Fachbereichen Wildtierkunde, Wald- und Landbau, Waffenkunde, √Ėkologie, Jagd- und Waffenrecht sowie dem Schie√üen zusammensetzt. Die Pr√ľfung unterteilt sich in einen m√ľndlichen, einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Die Ausgestaltung der Pr√ľfungen ist in den jeweiligen Landesjagdgesetzen geregelt und obliegt zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Niedersachsen den Kreisj√§gerschaften in Zusammenarbeit mit der Unteren Jagdbeh√∂rde bei den Kreisverwaltungen. Neben Multiple-Choice-Fragen k√∂nnen dies auch Fragen mit frei zu formulierenden Antworten sein. Hinzu kommt eine Schie√üpr√ľfung. Die praktische Pr√ľfung ist in der Regel ein Reviergang, bei dem Fragen m√ľndlich beantwortet werden und jagdliche Situationen eingesch√§tzt werden m√ľssen. In einigen Bundesl√§ndern ist gesetzlich ein vorausgehender 1-j√§hriger Lehrgang bzw. ein in der Dauer verk√ľrzter Intensivkurs vorgeschrieben. Dieser Lehrgang mit abschlie√üender Pr√ľfung wird unter J√§gern als "gr√ľnes Abitur" bezeichnet. In Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ist es jedoch auch m√∂glich, ohne den Besuch eines Lehrgangs die J√§gerpr√ľfung abzulegen.

√Ėsterreich

In √Ėsterreich gilt das germanische Jagdrecht(Revierjagd). Es besagt, dass das Aus√ľben der Jagd untrennbar mit dem Besitz von Grund und Boden verbunden ist. Jagdgesetze werden auf Landesebene beschlossen und ge√§ndert. Es gibt demnach neun verschiedene Jagdgesetze, die sich aber gr√∂√ütenteils decken. Das mit dem Jagdrecht eng verbundene Waffengesetz ist hingegen Bundesgesetz. Mit Ausnahme von Fl√§chen zur "landwirtschaftlichen Wildtierhaltung" sind alle Gebiete bejagbare Fl√§chen. Es sind jedoch auch Fl√§chen vorhanden, auf denen "die Jagd ruht", wie zum Beispiel in Umgebung von H√§usern beziehungsweise D√∂rfern, auf Friedh√∂fen, √∂ffentlichen Stra√üen usw.).

Bejagbare Fl√§chen teilen sich in Eigenjagden, (mindestens 115 ha Fl√§che)zusammenh√§ngende Gemeindejagden (mindestens 500 ha Fl√§che) und Sonderjagdgebiete (Gemeindejagden unter 500 ha Fl√§che). In Eigenjagden ist der Eigent√ľmer von Grund und Boden √ľblicherweise auch Jagdaus√ľbungsberechtigter. Gemeindejagden werden meist durch √∂ffentliche Versteigerung an Jagdgenossenschaften oder Jagdgesellschaften (=Verein zum Zwecke der Aus√ľbung der Jagd) vergeben, auch eine Vergabe an Einzelpersonen oder juristische Personen ist m√∂glich, aber selten.

Schweiz

In der Schweiz wird die Jagd durch ein Bundesgesetz √ľber die Jagd und den Schutz wildlebender S√§ugetiere und V√∂gel geregelt(aus dem Jahr 1986). Das eidgen√∂ssische Jagdgesetz ist ein Artenschutzgesetz. Es stellt Schutz vor Regulierung und jagdliche Nutzung. F√ľr den Artenschutz ist der Bund zust√§ndig, Regulierung und Nutzung der Wildpopulationen werden in kantonalen Jagdgesetzen geregelt. So ist gew√§hrleistet, dass beim Jagdbetrieb auf die regionalen Eigenheiten hinsichtlich der vorkommenden Wildarten, Lebensr√§ume, Probleme und Traditionen R√ľcksicht genommen wird.

Die Schweiz kennt zwei verschiedene Jagdsysteme. In den Patentkantonen kann der J√§ger im ganzen Kantonsgebiet, mit Ausnahme der Jagdbanngebiete, jagen. Dabei ist festgelegt, welche und wie viele Tiere er w√§hrend der kurzen Jagdzeit erlegen darf. Die J√§ger bezahlen j√§hrlich Patentgeb√ľhren. In den Revierkantonen verpachten die politischen Gemeinden das Jagdrecht an Jagdgesellschaften. Diese entrichten daf√ľr einen Pachtzins. Eine Ausnahme bildet der Kanton Genf. Hier ist die Jagd staatlich besoldeten Wildh√ľtern vorbehalten.

Kritik

Kritik an der Jagd in Deutschland und √Ėsterreich

Demonstration gegen die Jagd auf dem Pariser Platz in Berlin
Demonstration gegen die Jagd auf dem Pariser Platz in Berlin

Verst√§rkt wird eine st√§rkere Ausrichtung der Jagd an √∂kologischen Kriterien gefordert. So wird beispielsweise argumentiert, durch Wildf√ľtterung , Wild√§cker und andere Hegema√ünahmen werde massiv in das √Ėkosystem eingegriffen und dadurch ein unnat√ľrliches Wachstum der Wildpopulationen beg√ľnstigt ( Populationsdynamik ). Dagegen wird eingewendet, tats√§chlich sei die Natur eben nicht unber√ľhrt, da sie besonders in der mitteleurop√§ischen Kulturlandschaft st√§ndigen menschlichen Eingriffen unterliege. Daher m√ľsse der Mensch regulierend eingreifen und das nat√ľrliche Gleichgewicht k√ľnstlich erhalten. Der Anspruch, "das nat√ľrliche Gleichgewicht" bestimmen und erhalten zu k√∂nnen, wird jedoch von Wissenschaftlern in der Regel zur√ľckgewiesen. Weder gibt es ein objektiv richtiges nat√ľrliches Gleichgewicht, noch kann man die extrem komplexen Beziehungsgef√ľge einfach gezielt regulieren.

Nicht-Fachleute sind zuweilen der Meinung, dass (unter anderem) durch die Nahezu-Ausrottung des Wolfes in gro√üen Teilen Europas der Rot-, Reh- und Damwild-Bestand so stark angestiegen ist, dass die Populationen durch gezielte Bejagung kontrolliert werden m√ľssen. Manche halten dagegen, dass der vermeintliche (nur das Rehwild hat in Verbreitung und Individuenzahl zugenommen, auch das Rotwild ist in weiten Teilen Europas ausgerottet, Damwild kam in Zeiten hoher Wolfsdichte in Europa noch gar nicht vor) Populationsanstieg durch gezielte F√ľtterungen gef√∂rdert wurde, um besonders kapitale Troph√§en erzielen zu k√∂nnen.

Dem ist allerdings entgegenzusetzen, dass Schwarzwild in den letzten Jahren einen starken Zuwachs zu verzeichnen hatte, der ohne die Jagd, nicht nur diverse Vorg√§rten sondern auch die Landwirtschaft in einigen Gebieten bedrohen w√ľrde. F√ľtterungen f√ľr Schwarzwild dienen prim√§r dazu, gef√§hrdete landwirtschaftliche Kulturen dadurch zu sch√ľtzen, dass die Tiere abgelenkt werden,bzw. die Jagd auf Schwarzwild zu erleichtern.

Weitere Kritikpunkte sind das gezielte Aussetzen von Tieren f√ľr die Jagd (z.B. Fasan), die Vergiftung von Wildtieren (z.B. Seeadler) durch Bleimunition oder die angebliche Seuchenbek√§mpfung, mit der insbesondere die Jagd auf den Fuchs legitimiert werden soll.

√úber m√∂gliche √∂kologische Kriterien herrscht jedoch zwischen und auch innerhalb der sich zudem teilweise √ľberschneidenden Gruppen der J√§ger, Waldbesitzer, Landwirte sowie der Tier- und Natursch√ľtzer heftiger Streit. Ernsthafte Jagdgegner und - kritiker distanzieren sich jedoch i.d.R. zudem ausdr√ľcklich von gewaltsamem Aktionismus gegen J√§ger, da ein Ablehnen der Gewalt gegen Tiere in keinem Fall Gewalt gegen Menschen rechtfertigen w√ľrde. Dennoch kommt es immer wieder zu F√§llen, in denen Jagdgegner den Jagdbetrieb st√∂ren bzw. unterbinden oder jagdliche Einrichtungen zerst√∂ren. Immer wieder verbreitete Berichte, nach denen Jagdgegner Hochsitze so pr√§parieren, dass sie erst beim Besteigen zusammenbrechen, stellen sich bei Nachfrage bei den zust√§ndigen Beh√∂rden jedoch regelm√§√üig als unwahr heraus.

Manche Tiersch√ľtzer verweisen zudem darauf, dass die Jagd im allgemeinen oder zumindest auf bestimme Jagdarten mit dem Tierschutz nicht vereinbar sei. In Deutschland steht der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz . Andererseits genie√üt das Jagdrecht als Ausfluss des Eigentumsrechts besonderen grundgesetzlichen Schutz, was aber einen Grundeigent√ľmer nicht gestattet, die Jagd auf seinen eigenen Grund und Boden zu verbieten. Vielmehr wird er in eine Jagdgenossenschaft gezwungen, was nach einem Urteil des Europ√§ischen Gerichtshofes f√ľr Menschenrechte im Falle der allerdings rechtlich nur schwer vergleichbaren franz√∂sischen Jagdgenossenschaften gegen das Eigentumsrecht und die Versammlungsfreiheit verst√∂√üt. In Luxemburg wurde 2004 vom dortigen Obersten Gerichtshof auf Grund luxemburgischen Rechts die Zwangsmitgliedschaft in den "Jagdsyndikaten" nach deutschem Vorbild aufgehoben. In der Rechtsprechung ist allgemein anerkannt, dass eine nach den Grunds√§tzen der Weidgerechtigkeit ausge√ľbte Jagd nicht den Straftatbestand der Tierqu√§lerei erf√ľllt und auch sonst nicht gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen verst√∂√üt, wie von manchen Jagdkritikern behauptet wird. Die so genannte ‚ÄěWeidgerechtigkeit" ist allerdings ein unbestimmter Rechtsbegriff, der sehr unterschiedlich ausgelegt werden kann. Zudem versto√üen viele Jagdpraktiken vor allem deswegen nicht gegen das Tierschutzgesetz, weil dieses die Jagd von zahlreichen Bestimmungen ausnimmt. (z.B. Verbot, ein Tier auf ein anderes zu hetzen oder das Verbot, ein Wildtier auszusetzen, das nicht an das Klima angepa√üt ist).


Auff√§llig sind weiterhin bis zu √ľber 800 (Jagd-)Unf√§lle pro Jahr, bei denen Menschen ernsthaften Schaden erleiden, in sehr seltenen F√§llen sogar get√∂tet werden. Die Dunkelziffer d√ľrfte indes noch wesentlich h√∂her liegen. Die Gr√ľnde liegen meistens im zu legeren Umgang mit der Waffe und der mangelnden Umfeldbeobachtung vor dem Schuss.

Die oft von J√§gerseite gebrachte Argumentation im Sinne der 'nachhaltigen' Jagd ist nicht v√∂llig unumstritten, denn der auf das Werk von Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645 ‚Äď 1714) zur√ľckgehende Begriff aus dem Sylvicultura Oeconomica ‚ÄěDie Naturm√§√üige Anweisung zur Wilden-Baum-Zucht‚Äú (1713) l√§sst sich in seinem Grundsatz nicht ohne weiteres auf Wildtiere √ľbertragen. Soweit der formulierte Gedanke der ‚Äěnachhaltigen Nutzung‚Äú auf heutige Wildtierbest√§nde einschlie√ülich der V√∂gel Anwendung finden soll, so muss das Jagdwesen eine grunds√§tzliche √Ąnderung erfahren. Es existieren verschiedene neuere Modelle f√ľr nachhaltige Jagd (z.B. Maximum/Optimel Sustainable Yield), die jedoch eher theoretischer als praktischer Natur sind.

Ferner wird die Jagd von einigen Menschen als ‚ÄěBlutsport‚Äú abgelehnt, da die Freude am T√∂ten von Tieren, bzw. der Spa√ü am T√∂ten von leidensf√§higen und schmerzempfindlichen Lebewesen als Hobby und Freizeitbesch√§ftigung nicht (mehr) mit den Grunds√§tzen unserer Zivilisation und Kultur zu vereinbaren sei. Die Jagd erf√ľlle keinen praktischen Nutzen, da die moderne Wissenschaft bereits die meisten Argumente der J√§ger widerlegt habe. Im Gegensatz zu der landl√§ufigen Meinung, dass die Jagd angewandter Naturschutz sei, schade diese der Natur wesentlich mehr, als dass sie dem Naturschutz in irgendeiner Weise dienlich w√§re - wobei hier√ľber in der sehr heterogenen Gemeinde der Umwelt-, Tier-, Arten- und Natursch√ľtzer keine Einigkeit besteht. Auch ist bei der Ablehnung der Jagd ein starkes Stadt/Landgef√§lle zu beobachten. Desweiteren gibt es in den verschiedenen Jagdverb√§nden √ľber die grunds√§tzliche Bejahung der Notwenigkeit der Jagd hinaus keine Einigkeit, so stehen sich √ĖJV und DJV (in dem √ľber 90 % der J√§ger Mitglied sind) mit ebenso mit unvereinbaren Positionen gegen√ľber.

Die Jagd stellt f√ľr gl√§ubigen Christen nicht unbedingt ein Paradoxon dar. Auch wenn, einigen Quellen zufolge, der Schutzheilige der J√§ger, der Heilige Hubertus (Gedenktag 3. November), der Jagd nach einer Erscheinung abschwor und vom √ľberzeugten J√§ger zum Nichtj√§ger wurde. Andere Quellen berichten, dass der vorher wilde und z√ľgellose Hubertus nachdem ihm ein Kruzifix zwischen dem Geweih eines wei√üen Hirschen erschien, sich zum christlich-gem√§√üigten (er war vorher Heide und lie√ü sich nach der Erscheinung taufen), zum weidgerechten J√§ger wandelte. Daher dient er noch heute allen J√§gern, Christen wie nicht Christen als Vorbild der M√§√üigung und zum Ansporn, gem√§√ü der j√§gerlichen Losung, "...dem Sch√∂pfer im Gesch√∂pfe [zu] ehren."

Jagdtourismus

Ber√ľhmte Jagdgebiete waren und sind zum Beispiel bei Rominten oder in der Schorfheide. Der Jagd- Tourismus in die oft naturbelassenen Jagdgebiete in der Slowakei , in Polen (vor allem s√ľdliches Ostpreu√üen und Pommern), im Baltikum (Kurland), in Rum√§nien , der Ukraine oder in Russland , aber auch in die entferntesten Regionen der Welt, hat viele Freunde, so dass die Kommerzialisierung der dortigen Jagd zwar einerseits Gelder beschafft, andererseits aber in vielen Gebieten durch √úbernutzung die Wildbest√§nde stark reduziert wurden und so zunehmend die Erwartungen der Jagdtouristen nicht in vollem Umfang erf√ľllt werden.

Anders sieht das jedoch auf so genannten Jagdfarmen in Afrika aus. Diese meist ehemaligen Rinderfarmen dehnen sich auf f√ľr Europ√§er unvorstellbare Fl√§chen aus, sind regelm√§√üig eingez√§unt, und garantieren dem J√§ger den gew√ľnschten Jagderfolg. Mit den Geldern wird dort meist staatlich geregelt der Wildschutz auch f√ľr nicht freigegebene Wildarten finanziert.

Literatur

  • Heribert Kalchreuter: Die Sache mit der Jagd. Franckh-Kosmos Verlag 2003, ISBN 3-44-009323-9
  • Herbert Krebs: Vor und nach der J√§gerpr√ľfung. BLV Verlagsgesellschaft, M√ľnchen 2003, ISBN 3-405-16372-2
  • Fritz N√ľ√ülein: Das praktische Handbuch der Jagdkunde. BLV Verlagsgesellschaft, M√ľnchen 2002, ISBN 3-405-16456-7
  • Jos√© Ortega y Gasset: Meditationen √ľber die Jagd. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1998, ISBN 3-421-01262-8
  • Ferdinand von Raesfeld: Das deutsche Weidwerk. Unver√§nderter Reprint der Erstausgabe von 1914, Verlag Paul Parey, Hamburg 1996, ISBN 3490144120
  • Thomas Winter: Jagd - Naturschutz oder Blutsport?. Winter-Buchverlag, Passau 2003, ISBN 3-00-012219-2

Siehe auch

Weblinks

Die hier aufgef√ľhrten Web-Links stellen nur einen kleinen Ausschnitt der im Internet verf√ľgbaren Informationen dar; Weitere Verweise befinden sich beim Open Directory Project .

Wikiquote: Jagd ‚Äď Zitate
Wiktionary: Jagd ‚Äď Wortherkunft, Synonyme und √úbersetzungen
Commons: Jagd ‚Äď Bilder, Videos oder Audiodateien

Verbände

Zeitungen & Zeitschriften

Ausbildung

Jagdkritiker und Jagdkritik

Geschichte und Geschichten

Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Rechtsthemen !

Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Jagd aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Jagd verfügbar.

fair-hotels. Ein Service der
VIVAI Software AG
Betenstr. 13-15
44137 Dortmund

Tel. 0231/914488-0
Fax 0231/914488-88
Mail: info@vivai.de
Url: http://www.vivai.de