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Letzte Änderung für Artikel Fichtenberg (Berlin): 27.01.2006 15:43

Fichtenberg (Berlin)

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Der Wasserturm von Otto Techow
Der Wasserturm von Otto Techow

Der Fichtenberg ist mit 68 Metern die höchste Erhebung im Berliner Stadtteil Steglitz. Der Berg trug bis zum 20. Oktober 1913 den Namen Kiefernberg, um den herum das 1242 erstmals erwĂ€hnte Dorf Stegelitze entstand, das zu Steglitz wurde. Ein imposanter Wasserturm steht als Wahrzeichen auf dem Gipfel des Berges. Die Gegend um den Berg galt schon im 19. Jahrhundert als eine bevorzugte Wohnlage mit entsprechendem Ambiente und auch heute zĂ€hlt sie noch zu den gediegenen Berliner Villenvierteln. DarĂŒber hinaus ist der Fichtenberg Quell des historisch und landschaftlich interessanten BĂ€kefließes.

Inhaltsverzeichnis

Geologie und FrĂŒhgeschichte

Eiszeit, Steinzeit und Eisenzeit

Geologisch ist der Fichtenberg Teil des Berlin-Brandenburger Teltow, einer flachwelligen HochflĂ€che mit einer bis zu 15 Meter dicken Schicht aus Geröll , Mergel und Sand , die die Wassermassen der abtauenden Gletscher zwischen der EndmorĂ€ne FlĂ€ming bzw. dem vorgelagerten Baruther Urstromtal und dem Berliner Urstromtal vor rund 15.000 Jahren im Brandenburger Stadium der Weichsel-Eiszeit hinterließen.

Fichtenberg, rechts Botanischer Garten
Fichtenberg, rechts Botanischer Garten

Als erhabener, trockener HĂŒgel am sumpfigen BĂ€ketal mit seinen fischreichen Seen war der Fichtenberg schon sehr frĂŒh ein bevorzugtes Siedlungsgebiet, wie der Fund von 8.000 bis 10.000 Jahre alten Steinbeilen aus der letzten Periode der Altsteinzeit bezeugt, aus der Zeit also, in der in diesem Raum gerade die letzte Eiszeit zu Ende ging. Menschen aus der mittleren Steinzeit hinterließen auf dem Berg Feuersteinmeißel . Bei Ausschachtungen auf dem KlinikumgelĂ€nde der Freien UniversitĂ€t, das unmittelbar an den heutigen BĂ€kepark grenzt, stießen ArchĂ€ologen auf ein Dorf aus der Eisenzeit vor rund 2.500 Jahren. Die bĂ€uerliche Siedlung lag auf einem Hang ĂŒber dem Fluss- und Sumpfgebiet und bestand aus PfostenhĂ€usern mit LehmwĂ€nden.

Slawen und Askanier

Nachdem im Zuge der Völkerwanderungen im 4. und 5. Jahrhundert die Sueben , der elbgermanische Teilstamm der Semnonen , bis auf wenige Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein, Schwaben , verlassen hatten, zogen im spĂ€ten 7. und 8. Jahrhundert slawische StĂ€mme in den vermutlich weitgehend siedlungsleeren und und waldreichen Raum ein. Die slawische Zeit ging mit der GrĂŒndung der Mark Brandenburg durch den Askanier Albrecht den BĂ€ren im Jahr 1157 und dem folgenden deutschen Landesausbau nach Osten zu Ende. Im Zuge der geschickten Siedlungspoltik der askanischen Markgrafen wurden weite Teile des BĂ€ketales erschlossen, neue Dörfer mit Kirchen entstanden in schneller Folge, einige bestehende slawische Siedlungen wurden ausgebaut.

DorfgrĂŒndung am Fuße des Fichtenberges

Zumindest der Sage nach kam dem Siedlungsruf der Askanier auch der möglicherweise namensgebende Herr von Stegelitze nach und grĂŒndete am sĂŒdöstlichen Fuß des Fichtenbergs ein Angerdorf mit seinem Gutshaus am Westausgang. Sicher ist, dass am Berg ein Dorf entstand, das als Stegelitze erstmals 1242 in einer Schenkungsurkunde von Heinrich von Stegelitze nachweisbar ist, in der er das Dorf Arnestrop ( Ahrensdorf ) dem Kloster Lehnin ĂŒbereignete. Ob seine Vorfahren tatsĂ€chlich GrĂŒndungsvĂ€ter waren und den Namen mitbrachten oder ob Heinrich von Stegelitze den Namen hier (oder frĂŒher) aus dem Slawischen ĂŒbernahm, ist unklar. Schlimpert ordnet Steglitz dem slawischen Tiernamen fĂŒr Stieglitz (Sceglica zu scegel) zu. Möglich ist auch eine Deutung als „Ansiedlung am Berghang", denn die hĂ€ufige Endung -itz entspricht der Ansiedlung und könnte mit stygl = Neigung, Abhang zusammengesetzt sein.

Das von dem Markgrafen zugewiesene Gebiet umfasste das spĂ€tere Schmargendorfer , Schöneberger und Mariendorfer Feld und erstreckte sich sĂŒdlich bis zum ehemaligen Birkbusch, einem besonders morastigen Gebiet an der MĂŒndung der Lanke ( Lankwitz ) in die BĂ€ke; Birkbusch und Lanke sind heute verschĂŒttet und nahezu vollstĂ€ndig ĂŒberbaut. Ebenfalls noch im 13. Jahrhundert grĂŒndeten FlĂ€mische Siedler wenige Kilometer flussabwĂ€rts das Dorf Lichtervelde (Lichterfelde), das 1870 zu Steglitz und mit Steglitz 1920 zu Berlin kam.

Lage und Wahrzeichen

Der HĂŒgel liegt zentral in unmittelbarer NĂ€he der Schloßstraße und grenzt direkt an den Botanischen Garten. Er ist heute derart eingebaut, dass er schwer wahrzunehmen ist, selbst wenn man benachbarte Straßen wie die Grunewaldstraße durchfĂ€hrt. Biegt man allerdings von der Grunewaldstraße in die Schmitt-Ott-Straße ab, geht es – fĂŒr Berliner VerhĂ€ltnisse – schnell „steil" bergan und nach dem „Gipfel" ebenso steil wieder hinunter in die Rothenburgstraße. In der Rothenburgstraße liegt auch die Fichtenberg-Oberschule ( Gymnasium ), die den Namen des Bergs trĂ€gt.

Villa Anna & Wasserturm
Villa Anna & Wasserturm

Den Gipfel krönt seit 1886 ein imposanter, 40 Meter hoher Wasserturm, den der Architekt und Landesbaurat Otto Techow entworfen hatte. Das Wahrzeichen des Berges wurde in jĂŒngerer Zeit vom Institut fĂŒr Meteorologie der Freien UniversitĂ€t genutzt, dient derzeit allerdings nur noch als Wetterstation .

GoldmarkmillionÀre und ein Papierkönig

Die bevorzugte, ruhige Lage des Fichtenbergs zog verschiedene prominente Personen an, wie zum Beispiel den Produzenten der Filme Metropolis und Der blaue Engel , Erich Pommer , der hier bis zu seiner Emigration im Jahr 1933 lebte. Die prĂ€chtigen Villen des Viertels waren schon frĂŒh mit FahrstĂŒhlen ausgestattet, in den GĂ€rten gab es riesige GewĂ€chshĂ€user. Und auch der Baumeister des Wahrzeichens selbst, Otto Techow, hatte hier gleich neben dem Wasserturm am Paul-Henckels-Platz 1884 sein eigenes, auch heute noch unversehrtes und viel bestauntes Heim, die Villa Anna, errichtet – ein verwinkelter Backsteinbau mit verspielten TĂŒrmchen, angelehnt an den Stil des benachbarten Wasserturms.

Der Schauspieler Andreas Grothusen , der seit rund 50 Jahren auf dem Berg wohnt, schreibt in seinem 2000 erschienenen Buch „Die dort Droben": Man hatte verschnörkelte PerdestĂ€lle, gerĂ€umige Eiskeller, Remisen fĂŒr die Kutschen, komfortable Garagen mit hauseigener BenzinzapfsĂ€ule fĂŒr die Maybachs und Horchs. Dass die GĂ€rten, darinnen Schwanenteiche, Pavillons, Grotten, Marmorstatuen und Kegelbahnen waren, zu Recht Parks genannt wurden, versteht sich. Anfangs hatten die Fichtenberger, DIE DORT DROBEN, auch noch aparten Rundumblick auf Berlins TĂŒrme, zur Stadt Charlottenburg, nach den Feldern Dahlems, dem Grunewald und das rasant wachsende Groß-Lichterfelde.

Die so bevorzugt domilizierten waren Professoren en masse, und Bankiers zu Hauf. National bekannte Verleger (Wasmuth und Sachs) und namhafte Literaten (Rudolf Paulsen, Otto zu Linde, Rudolf Pannwitz, Adolf Heilborn und Franz Kafka.) GlĂŒckhafte, zu GoldmarkmillionĂ€ren gewordene Erfinder (Carl Schliekeysen, der die Dampfziegelpresse erfunden hat und Max Krause, der sich seine Idee, Briefpapier in Portionen verpackt auf den Markt zu bringen, hatte patentieren lassen, und damit der deutsche Papierkönig geworden war).
(Anmerkung: Franz Kafka zog 1923 nach Berlin und starb ein Jahr spĂ€ter in Österreich.)

Anschließend zĂ€hlt Grothusen unter anderem Minister, Musiker, KirchenfĂŒrsten, weitere Schauspieler und Ägyptologen bis hin zum Schlagerstar der 50er Jahre, Bully Buhlan , auf, die auf dem Berg heimisch waren.

Quell des BĂ€kefließes

BĂ€ke im BĂ€kepark
BĂ€ke im BĂ€kepark

Der Fichtenberg ist Quelle der BĂ€ke, die am SĂŒdhang entspringt. Der Bach wird heute unterirdisch durch einen Teil des Steglitzer Zentrums gefĂŒhrt und tritt an der Haydnstraße zu Tage, um nach einem Verlauf von nur rund eintausend Metern durch den nach ihm benannten „BĂ€kepark" gegenĂŒber dem Hafen Steglitz in den Teltowkanal zu mĂŒnden. Vor dem Bau des Teltowkanals ( 1900 bis 1906 ) nahm die BĂ€ke die Wasser der gesamten sĂŒdlichen Berliner Randgebiete auf und durchfloss eine ehemalige eiszeitliche Schmelzwasserrinne , das „BĂ€ketal". Der Lauf fĂŒhrte vorbei an Lichterfelde, durch Teltow und Kleinmachnow und mĂŒndete zwischen Berlin-Zehlendorf und Potsdam-Babelsberg in den Griebnitzsee und damit in die Havel. Die einst wasserreiche BĂ€ke trieb mehrere MĂŒhlen an.

Das BĂ€ketal wurde zum großen Teil fĂŒr den Bau und Lauf des Teltowkanals genutzt, so dass die BĂ€ke weitgehend in diesem Kanal aufgegangen ist; zwei von ihr gebildete Seen wurden mit dem Kanalbau gleichfalls vernichtet. Neben dem kurzen Berliner TeilstĂŒck im BĂ€kepark gibt es sĂŒdlich des Teltowkanals noch ein rund drei Kilometer langes TeilstĂŒck der BĂ€ke, das durch den Kanal von seiner ursprĂŒnglichen Quelle Fichtenberg abgeschnitten ist und heute allein aus den Wiesen am Kleinmachnower Weinberg gespeist wird und am „Schwarzen Weg" beginnt. Dieses BĂ€kestĂŒck fĂŒhrt an der BĂ€kemĂŒhle mit einem romantischen, außen liegenden Wasserrad vorbei, dann durch den ehemaligen Schlosspark Kleinmachnow und mĂŒndet wenige Meter nach der Schleuse Kleinmachnow ebenfalls in den Teltowkanal.

Gleichwohl bildet die BĂ€ke auf diesem kurzen StĂŒck auch heute noch einen Teil der einst ausgedehnten abwechslungsreichen Landschaft aus: das seit 1995 als Naturschutzgebiet ausgewiesene „BĂ€ketal" (siehe dazu und zur folgenden Namensbestimmung ausfĂŒhrlich: BĂ€ke ).

Der am Fichtenberg entspringende Bach gab dem Teltow den Namen. Nach den Analysen von Gerhard Schlimpert geht das Wort Teltow auf den ursprĂŒnglichen germanischen Namen Telte der BĂ€ke zurĂŒck, der in der Slawenzeit das Suffix -ow (ov) (Tel-tova) erhielt und mit grĂ¶ĂŸter Wahrscheinlichkeit das Â»Land an der Telte« bedeutete.

Siehe auch: Liste der Berge und Erhebungen in Brandenburg und Berlin

Quellen, Verweise

Literatur

  • Andreas Grothusen, Die dort Droben - Menschen und HĂ€user des Steglitzer Fichtenbergs. Accurat-Verlag Berlin, 2000. ISBN 3-926-578-39-4
  • Max Philipp, Steglitz in Vergangenheit und Gegenwart , Kulturbuch Verlag, Berlin 1968
  • BĂ€ketal Kleinmachnow. Hrsg. GrĂŒne Liga, Förderverein Landschaftsschutzgebiet Buschgraben / BĂ€ketal e.V., 1992 (BroschĂŒre, 24 Seiten, Text Gerhard Casperson, keine ISBN-Angabe)
  • Herbert Lehmann, Das BĂ€ketal in vorgeschichtlicher Zeit, Verwaltungsbezirk Berlin-Steglitz (Hrsg.) 1953, BroschĂŒre
  • Gerhard Schlimpert, Brandenburgisches Namensbuch, Teil 3, Die Ortsnamen des Teltow , Hermann Böhlaus Nachf., Weimar, 1972. Zitat Seite 187, Name Steglitz Seite 289

Weblinks


Koordinaten: 52°27'23" N 13°18'42" O

Wikipedia

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