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Letzte Änderung für Artikel Grunewaldseenkette: 20.01.2006 08:16

Grunewaldseenkette

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Die Grunewaldseenkette oder auch Grunewaldrinne ist eine Kette von Seen in den Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Die Kette verbindet als eiszeitliche Glaziale Rinne in nordöstlicher Richtung Havel (Großer Wannsee) und Spree, dabei werden die „große“ und die „kleine“ Seenkette unterschieden. Daneben gibt es eine kleinere Nebenrinne entlang des Volksparks Wilmersdorf in östliche Richtung. Die Geschichte der Seen und die Entwicklung der Niederungen schreibt ein StĂŒck Berliner Stadtgeschichte. Dieser Beitrag stellt eine Übersicht ĂŒber einige der wichtigsten Aspekte dar, die in den teilweise sehr ausfĂŒhrlichen EinzelbeitrĂ€gen vertieft werden.

Inhaltsverzeichnis

Geologie und Lage

Glaziale Rinnen

Verlauf 1885 Schlachtensee-Spree, noch ohne kĂŒnstliche Seen
Verlauf 1885 Schlachtensee-Spree, noch ohne kĂŒnstliche Seen

Die Seen liegen in zwei Schmelzwasserrinnen der letzten Eiszeit , deswegen wird die Grunewaldseenkette geologisch treffender auch als Grunewaldrinne bezeichnet. Diese stellt eine Glaziale Rinne dar, das sich vor rund 15.000 Jahren im „Brandenburger Stadium“ der Weichsel-Eiszeit herausgebildet hatte und die sandig-lehmige HochflĂ€che des Teltow durchschnitt. Durch Absenkung des Grundwasserspiegels liegt der Riemeistersee bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts trocken. Durch Brunnenanlagen und Wasserentnahmen zur Versorgung der Stadt fielen der Wasserspiegel des Schlachtensees um zwei und der des Grunewaldsees um einen Meter. Die Feuchtgebiete der beiden „Fenns“ und des „Luchs“ sowie die Uferbereiche der Seen konnten nur dadurch gerettet werden, dass – in Umkehr der natĂŒrlichen Fließrichtung – seit 1913 zusĂ€tzlich Havelwasser aus dem „Großen Wannsee“ in die grundwassergespeiste Seenkette gepumpt wird. Erst in jĂŒngerer Zeit fĂŒhren gezielte Maßnahmen zu einer ersten Erholung des Grundwasserspiegels in Teilen des Berliner Urstromtals.

Die Ketten und ihre Seen

Die „große Grunewaldseenkette“ verlĂ€uft in östlicher Randlage zum Grunewald und beginnt rund 500 Meter sĂŒdlich des Strandbads Wannsee mit dem heute trockenen „Nikolasgraben“, der zum sĂŒdlichsten See der Kette, dem Nikolassee fĂŒhrt. Den Nikolassee verbindet die - heute gleichfalls trockene - Niederung der Rehwiese mit dem Schlachtensee, es folgen die Krumme Lanke, der weitgehend zum Riemeisterfenn verlandete „Riemeistersee“ und die Kanalverbindung im Langen Luch zum Grunewaldsee. Vom Grunewaldsee fĂŒhrt der „Hundekehlegraben“ durch das Hundekehlefenn zum Hundekehlesee (die nebenstehende historische Karte bezeichnet einen Teil des Schlachtensees als „Fennsee“).

Die sich anschließende „kleine Grunewaldseenkette“ verlĂ€uft durch bebautes Stadtgebiet und besteht aus den 1889 fĂŒr die Villenkolonie Grunewald durch Aushebung von Mooren kĂŒnstlich angelegten Seen Dianasee und Koenigssee, die bereits bestehenden GewĂ€sser Halensee sowie Lietzensee und endet im Bereich des Schlosses Charlottenburg an der Spree. UrsprĂŒnglich waren die kĂŒnstlichen Seen nicht öffentlich zugĂ€nglich, da die GrundstĂŒcke bis ans Ufer reichten. In den letzten Jahren wurden durch Freigabe öffentlicher GrundstĂŒcke und Ankauf von Uferstreifen an allen Seen ZugĂ€nge geschaffen.

Eine weitaus kleinere und kĂŒrzere Nebenrinne verlĂ€uft vom Rathaus Schöneberg in Ost-West-Richtung senkrecht zu der großen und kleinen Kette. Diese Rinne begann ursprĂŒnglich am Schöneberger Nollendorfplatz. Das östlichste GewĂ€sser bildet heute der Ententeich im Rudolph-Wilde-Park, dem sich nach Westen der Volkspark Wilmersdorf anschließt, der zum Teil auf dem ab 1915 zugeschĂŒtteten Wilmersdorfer See angelegt ist und zu dem auch der Fennsee kurz vor dem Berliner Stadtring (A 100) gehört. Beide Parks zusammen bilden einen rund 2,5 Kilometer langen und rund 500 Meter breiten innerstĂ€dtischen GrĂŒnzug, der mit seinem Niederungscharakter und sanft geschwungenen Wiesen den geologischen Ursprung als eiszeitliche Rinne noch heute sichtbar macht.

Die Nebenrinne setzt sich nach ihrer Unterbrechung durch die Stadtautobahn, SportplĂ€tze, Sommerbad Wilmersdorf und einige bebaute StraßenzĂŒge in den kĂŒnstlich angelegten GewĂ€ssern Hubertussee und Herthasee fort, die 1889 beim Bau der Villenkolonie Grunewald in ehemaligen Fenngebieten ausgehoben wurden. Nach dem Herthasee trifft diese Nebenrinne am Koenigssee senkrecht auf die Hauptrinne.

Übersicht Verlauf

Naturschutz und Fenn

Sehr gut lĂ€sst sich die „Rinne“ der Seenkette an der trockenen „Rehwiese“ erkennen, deren langgestreckte Niederung gemeinsam mit dem benachbarten Nikolassee seit 1960 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Noch eine Schutzstufe höher als Naturschutzgebiet angesiedelt sind „Riemeisterfenn“ und „Langes Luch“ zwischen Krumme Lanke und Grunewaldsee sowie das anschließende „Hundekehlefenn“. In den teilweise morastigen Feuchtgebieten der Schutzzonen bestehen Reste wertvoller AuenwĂ€lder , wĂ€hrend die Umgebung von den typischen hohen KiefernbestĂ€nden des trockenen und nĂ€hrstoffarmen Teltowbodens geprĂ€gt ist.

Der im Teltow hĂ€ufige Flurname „ Fenn “ oder auch „Fenne“ bezeichnet nach Hermann Teuchert einen versumpften oder vertorften Binnensee oder Teich ohne festen Boden und nach Agathe Lasch und Conrad Borchling mit Gras oder Röricht bewachsenes Sumpf-, Moorland, sumpfiges Weideland, beide Zitate hier wiedergegeben nach Gerhard Schlimpert. Der Begriff hat einen niederlĂ€ndischen Ursprung und geht auf die Besiedlung des FlĂ€ming durch Flamen zurĂŒck, die bereits in der zweiten HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts zum Landesausbau der gerade gegrĂŒndeten Mark Brandenburg vom ersten Markgrafen Albrecht dem BĂ€ren und seinem Sohn und Nachfolger Otto I. ins Land gerufen worden waren ( Moor im niederl. Veen).

Slawen und Zisterzienser

Villa in der Burgunderstraße, nahe Rehwiese
Villa in der Burgunderstraße, nahe Rehwiese

Wie die Etymologie des ursprĂŒnglichen Namen „Slatsee“ fĂŒr den Schlachtensee oder archĂ€ologische Funde am spĂ€ter wĂŒst gefallenen Dorf „Crumense“ an der Krummen Lanke zeigen, bestanden im Gebiet der Seenkette slawische Siedlungen. Soweit sie nicht wĂŒst fielen, gingen die slawischen Orte nach der GrĂŒndung der Mark Brandenburg im Jahr 1157 und dem anschließenden Landesausbau der Askanischen Markgrafen nach und nach in deutsche Verwaltung ĂŒber. Eine wichtige Rolle spielte bei dieser Entwicklung das einflussreiche und vermögende Zisterzienser Kloster Lehnin, das seinen Kernbesitz in der Zauche bis in den nördlichen Teltow ausdehnte. Mitte des 13. Jahrhunderts, rund 70 Jahre nach GrĂŒndung des Klosters, kauften die Mönche mehrere Dörfer in dieser Region mit den Seen Nikolassee, Schlachtensee und Krumme Lanke (siehe dazu die jeweiligen Seen).

Die Wohngebiete entlang der Grunewaldrinne, die teilweise die Namen der Seen tragen, zĂ€hlten und zĂ€hlen auch heute zu den besonders bevorzugten Berliner Villenvierteln. Die Entwicklung der Seen und ihrer BesitzverhĂ€ltnisse, die Aushebung von Fenns und die Anlage von neuen Seen, die ZuschĂŒttung des Wilmersdorfer Sees und die Gestaltung der innerstĂ€dtischen Parks im ehemaligen Wilmersdorfer-Schöneberger Fenn spiegeln einen Auschnitt der Geschichte in den sĂŒdwestlichen Berliner Bezirken Nikolassee, Dahlem, Grunewald, Halensee, Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg wieder.

Quellen

Literatur

  • Gerhard Schlimpert, Brandenburgisches Namensbuch, Teil 3, Die Ortsnamen des Teltow , Hermann Böhlaus Nachf., Weimar 1972. EnthĂ€lt die etymologische Ableitung einiger Seennamen der Kette. Zitate zum Begriff „Fenn“ Seite 74, ferner zum Fenn Seite 38.

Weblinks


Koordinaten: 52° 28â€Č N, 13° 16â€Č O

Wikipedia

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