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Letzte Änderung für Artikel Jagdschloss Grunewald: 24.01.2006 03:05

Jagdschloss Grunewald

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Das Jagdschloss Grunewald ist der Ă€lteste noch erhaltene Schlossbau Berlins. Er steht am sĂŒdöstlichen Ufer des Grunewaldsees. Es gehört zum Ortsteil Berlin-Dahlem des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, wĂ€hrend der See selbst auf der Gemarkung des Ortsteils Grunewald im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf liegt.

Das Jagdschloss stammt aus den Jahren 1542/1543 und geht sehr wahrscheinlich auf PlĂ€ne des Baumeisters Caspar Theiss zurĂŒck. Auftraggeber war der brandenburgische KurfĂŒrst Joachim II. Hector. Im Stil der FrĂŒhrenaissance entstand ein GebĂ€ude, das den Namen Zum grĂŒnen Wald trug und dem gesamten Grunewald den Namen gab. Um 1800 ĂŒbernahm auch das Schloss die verkĂŒrzte Bezeichnung Grunewald. Durch Umbauten in der Zeit von 1705–1708 unter Friedrich I., dem ersten König in Preußen , erhielt das GebĂ€ude Überformungen durch Stilelemente des Barocks ; mit der AusfĂŒhrung war der Hofbaumeister Martin GrĂŒnberg beauftragt.

Verwaltet von der Stiftung Preußische Schlösser und GĂ€rten Berlin-Brandenburg wird das Jagdschloss seit 1932 museal genutzt. Es beherbergt neben zahlreichen GemĂ€lden von Cranach (d.Ä./d.J.) Werke der niederlĂ€ndischen und deutschen Malerei des 15. – 19. Jahrhunderts sowie den einzigen Schlosssaal in Berlin aus der Zeit der Renaissance. In einem NebengebĂ€ude ist seit 1977 eine Jagdzeugsammlung zu besichtigen.

Jagdschloss Grunewald
Jagdschloss Grunewald

Inhaltsverzeichnis

Der Bau von Jagdschlössern unter KurfĂŒrst Joachim II. Hector

Anfang des 16. Jahrhunderts begann KurfĂŒrst Joachim II. Hector in der Mark Brandenburg mit der Errichtung von Jagdschlössern in dem wald- und wildreichen Gebiet um Berlin und Cölln. Neben bereits vorhandenen einfachen JagdhĂ€usern, zumeist in Fachwerkbauweise, entstanden in Bötzow (spĂ€ter Oranienburg), in der „Teltower Heide“ mit Grunewald und in Köpenick Jagdschlösser im Stil der Renaissance sowie fĂŒr diese Zwecke umgebaute Burganlagen in Potsdam und Grimnitz bei Joachimsthal in der Schorfheide. Von diesen Schlössern aus der Zeit Joachims II. ist nur noch das Jagdschloss Grunewald erhalten.

Es lag rund 15 Kilometer von der kurfĂŒrstlichen Residenz entfernt, in der kurz zuvor in den Jahren 1538–1540 ein Renaissanceschloss in „Cölln an der Spree“ errichtet wurde, der VorgĂ€ngerbau des ab 1698 entstandenen, 1945 in großen Teilen zerstörten und 1950 durch Sprengung beseitigten Berliner Stadtschlosses. Ein Reitweg verband die Residenz Cölln mit dem Jagdgebiet in der „Teltower Heide“, ab 1792 „Spandauer Forst“, dem heutigen Grunewald. Ein TeilstĂŒck des Weges, die Straße Unter den Linden, fĂŒhrte vom Stadtschloss nach Westen in den ab 1527 angelegten kurfĂŒrstlichen Tiergarten. Von dort verlief der wegen des sumpfigen GelĂ€ndes als KnĂŒppeldamm angelegte Reitweg weiter in sĂŒdwestlicher Richtung, die heutige Budapester Straße und der KurfĂŒrstendamm.

Der Renaissancebau

Von der Burg zum Schloss

Die ehemals zur Absicherung des Einflussbereichs nach ökonomischen und strategischen Gesichtspunkten erbauten wehrhaften Burgen, die sowohl als Verteidigungsanlage als auch als Verwaltungs- und Wohnsitz dienten, boten durch die Weiterentwicklung der Handfeuerwaffen und Kanonen kaum noch Schutz und verloren so immer mehr an Bedeutung. Zudem hatte sich der territoriale Herrschaftsanspruch der Landesherren, wie der des KurfĂŒrsten von Brandenburg, gefestigt, deren grĂ¶ĂŸter innerer Gegner der Landadel war. Mit dem Ziel, bewaffnete Auseinandersetzungen zu vermeiden und AnsprĂŒche auf dem Rechtsweg zu klĂ€ren, wurde unter Kaiser Maximilian I. auf dem Reichstag zu Worms am 7. August 1495 ein Reichsgesetz zur Wahrung des „ Ewigen Landfriedens “ beschlossen, das jedoch nicht bei allen Adligen Beachtung fand.

Durch diese Entwicklung erfolgte an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert der Übergang von der Burg zum Schloss. Es begann eine Trennung der unterschiedlichen Bauwerke nach ihrer Zweckbestimmung. Neben eigens zur territorialen Verteidigung errichteten Befestigungsanlagen, wie beispielsweise die Zitadelle Spandau in der Mark Brandenburg, entstanden in den sich etablierenden europĂ€ischen Residenzen reprĂ€sentative Schlossbauten als Wohnsitz der FĂŒrsten, auf dem Land HerrenhĂ€user des Adels und Schlösser die eigens fĂŒr den Jagdaufenthalt konzipiert waren.

Schlosspartie am Grunewaldsee
Schlosspartie am Grunewaldsee

Beeinflusst durch die Renaissanceschlösser Chambord und Blois , des französischen Königs Franz I. , entwickelte sich eine rege BautĂ€tigkeit an den europĂ€ischen FĂŒrstenhöfen. Der Architekturstil der Renaissance, der in Italien seinen Ursprung hatte, wurde im nördlichen Europa vor allem dekorativ angewendet, wobei der Baukörper die traditionelle lokale Hausform behielt. Durch große Fenster, Balkone, Erker, hohe ZwerchhĂ€user , Schornsteine und Malereien, teilweise auch TreppentĂŒrme, ließen die prunkliebenden Bauherren die DĂ€cher und Fassaden ausschmĂŒcken. Mit dem Bau prachtvoller Schlösser und in den StĂ€dten reprĂ€sentativer BĂŒrgerhĂ€user sowie stĂ€dtischer Bauwerke, konnte der Reichtum und das KunstverstĂ€ndnis öffentlich dargestellt werden.

Das Jagdschloss „Zum grĂŒnen Wald“

Zum Bau eines Jagdschlosses im Waldgebiet der Teltower Heide, dem heutigen Grunewald, erwarb KurfĂŒrst Joachim II. von der Adelsfamilie von Spi(e)l ein GrundstĂŒck am sĂŒdöstlichen Ufer von „Spi(e)ls-See“, dem spĂ€teren Grunewaldsee, nordöstlich des Fleckens Dahlem. Direkt am Ufer ließ er fĂŒr Jagdaufenthalte ein Wasserschloss errichten, das er „Zum grĂŒnen Wald“ nannte.

Über dessen Aussehen sind keine zeitgenössischen Ansichten vorhanden. Lediglich ein vor 1700 erstellter Grundrissplan, der so genannte Renaissanceplan, die Auswertung alter, 1916 gefundener Bauakten und Ausgrabungen in den 1970er Jahren sowie eine anschließend erstellte Rekonstruktionszeichnung des GebĂ€udes, geben Auskunft ĂŒber die Gliederung der Schlossanlage.

Nach Auswertung des Renaissanceplans und der Bauakten der „KurmĂ€rkisch Brandenburgischen Amtskammer“, dann „KurmĂ€rkische Kriegs- und DomĂ€nenkammer“ aus den Jahren 1669–1737, wurde das Jagdschloss als ehemaliges Wasserschloss wiedererkannt. Bei heutiger Ansicht kaum vorstellbar. Der das GebĂ€ude umgebende Wassergraben wurde bereits 1709 zugeschĂŒttet, wobei das HofgelĂ€nde nach der Einebnung ein völlig neues Aussehen bekam. Außerdem erfolgten mehrere Absenkungen des Grunewaldsees im 19. Jahrhundert, um auf den Dahlemer Wiesen Torf stechen zu können, sodass der Wasserspiegel seit der Erbauungszeit des Schlosses bis heute rund 2,80 Meter tiefer liegt.

Der Renaissanceplan

Der so genannte Renaissanceplan, Grundriss vor 1700, angelegt als Wasserschloss
Der so genannte Renaissanceplan, Grundriss vor 1700, angelegt als Wasserschloss

Nach dem Grundrissplan stand das Haupthaus auf einer Plattform, die von einem Wassergraben und im Nordwesten vom Grunewaldsee umgeben war. Das GebĂ€ude hatte einen rechteckigen Grundriss mit zwei zur Seeseite hin angesetzten EckflĂŒgeln, die aber erst nach Joachims II. Tod 1571, in der Regierungszeit seines Sohnes KurfĂŒrst Johann Georg, durch den Architekten Graf Rochus von Lynar angebaut wurden. Über den Graben fĂŒhrte als einziger Zugang eine HolzbrĂŒcke von der Hofseite zum Schloss. Die NebengebĂ€ude wurden U-förmig um das HauptgebĂ€ude gruppiert. GegenĂŒber der Vorderfront im SĂŒdosten eine Mauer mit Wehrgang und einem runden Turm in der Mitte. Im Nordosten ein Raum zur Lagerung von Jagdzeug, eine Torstube, ein Eingangstor mit einer Arkade in VerlĂ€ngerung und eine daran anschließende KĂŒche. Im SĂŒdwesten die Kastellanwohnung und ein TorgebĂ€ude. Rechts und links flankierten das Haupthaus parallel zum Wassergraben hin offene GebĂ€ude die bis zum See reichten. Sie dienten zur Unterbringung der Jagdhunde, Pferde und Kutschen.

Obwohl sich die Schlossbauten der Renaissance nach außen öffneten, indem in der architektonischen Gestaltung auf Verteidigungsmöglichkeiten verzichtet wurde, lĂ€sst die Gesamtanlage aus der Erbauungszeit im Grunewald noch das wehrhafte „Feste Haus“ erkennen. Dem Standort am Ufer eines Sees, dem Wassergraben und den spĂ€ter angebauten EckflĂŒgeln, die an WehrtĂŒrme erinnerten, kam jedoch nur eine Ă€sthetische Bedeutung zu, sie waren lediglich schmĂŒckendes Element.

Rekonstruktion des Renaissancebaus

Die Bauakten enthielten Eintragungen einzelner Reparatur- und Umbaumaßnahmen, aus denen hervorging, dass die dekorativen Bauglieder aus der Renaissance wĂ€hrend eines 1705–1708 durchgefĂŒhrten Umbaus zum Teil in den 1709 zugeschĂŒtteten Wassergraben geworfen worden waren. Nach Ausgrabungen in den 1970er Jahren konnte anhand der gefundenen Bauteile eine Rekonstruktionszeichnung erstellt werden. Die Auswertung ergab, dass sich die GrundflĂ€che des Schlosses nicht verĂ€ndert hatte, wohl aber der Umriss. Das heute einheitlich dreigeschossige GebĂ€ude bestand ursprĂŒnglich aus einem zweigeschossigen Haupthaus mit den zur Seeseite hin dreigeschossigen turmartigen EckflĂŒgeln, einem achteckigen Treppenturm an der Vorderfront, ein so genannter Wendelstein und einem weiteren in der Verbindung zwischen dem Haupthaus zum westlichen EckflĂŒgel. Dem vorspringenden Eingangsbau, der an der hofseitigen Vorderfront noch vorhanden ist, waren zu beiden Seiten je ein eingeschossiger Nebenbau angegliedert. Durch große Fenster wurden die RĂ€ume gut belichtet. Ein schon in der SpĂ€tgotik angewandtes Bauteil sind die ebenfalls noch erhaltenen Erker an den EckflĂŒgeln zur Seeseite hin. Sie fehlten an fast keinem Bau des 16. Jahrhunderts. Neben ihrer Funktion als auflockernde Fassadendekoration betonten sie unter anderem die Wichtigkeit der dahinterliegenden InnenrĂ€ume.

Hirschrelief und Sandsteintafel am Eingangsbau
Hirschrelief und Sandsteintafel am Eingangsbau

Das Haupthaus und die EckflĂŒgel hatten mit Biberschwanz gedeckte SatteldĂ€cher und vermutlich eine 45–50 Grad Neigung. Die gleiche Eindeckung erhielten auch die achteckig gebogenen GlockendĂ€cher der TreppentĂŒrme, die so genannte Welsche Haube . Durch zahlreiche Schornsteine, Gauben und hohe ZwerchhĂ€user bekam die DachflĂ€che eine reich geschmĂŒckte Gliederung. Die Giebel des Hausdachs, der ZwerchhĂ€user und des Eingangsbaus hatten einen halb konkav , halb konvex geschwungenen Umriss, der so genannte „ Kielbogen “, beziehungsweise „EselsrĂŒcken“, eine eigentlich mittelalterliche, aus der SpĂ€tgotik stammende Bogenform, die heute in Grunewald nur noch am Eingangsbau vorhanden ist.

Über der EingangstĂŒr erinnert eine rechteckige Sandsteintafel unter einem „Hirschrelief“ an den Bauherrn. Die Worte der Inschrift sind abgekĂŒrzt und lesen sich mit der ErgĂ€nzung in Klammern wie folgt:

NOCH CHRIS(TI) . GEBVRT . M D . XXXXII . VN(TER) . (D)ER REGI(ERUNG) . DES KEISERTHMVMS CAR(LS) . V . HAT DER DVRCH(LAUCHTIGSTE) HOCHG(EBORENE) . FVRST . V(ND) . HER(R) HER(R) JOACH(IM) . DER . II . MARGGR(AF) . Z(U) . BRA(N)DE(NBURG) (DE)S . HEY(LIGEN) . RO(EMISCHEN) . REI(CHES) . ERCZCA(EMMERER) . V(ND) . KVR(FÜRST) . Z(U) . STE(TTIN) . POM(MERN) . D(E)R . CAS(SUBEN) . WEN(DEN) . IN . SCHLE(SIEN) . Z(U) . CHROS(SEN) . HERZCZ(OG) . BVR(GGRAF) . Z(U) . NVR(N)B(BERG) V(ND) . FVR(ST) . Z(V) . RV(EGEN) . DES . H(EILIGEN) . RO(EMISCHEN) . R(EICHES) . OB(ERSTER) . FELTHAVB(TMANN) . DIS . HAVS . ZUBAVEN . ANGE(FANGEN) . V(ND) . DEN . VII MARC(IUS) . DEN . ERS(TEN) . STEIN . GE(LEGT) . V(ND) . Z(UM) . GRVENEN . WALD . GENENT .

Bauherr und Baumeister

KurfĂŒrst Joachim II. war ein Landesherr seiner Zeit. Siegmar Graf zu Dohna charakterisierte ihn 1890 in seinem zweiten Band „KurfĂŒrstliche Schlösser in der Mark Brandenburg“ als einen FĂŒrsten „
durchdrungen von hohem SelbstgefĂŒhl mit ausgesprochener Neigung fĂŒr Glanz und Prachtentfaltung, sei es bei öffentlichem Auftreten, sei es durch Bauten
 .“

Joachim II. als Kurprinz, PortrĂ€t von Lucas Cranach d.Ä.
Joachim II. als Kurprinz, PortrĂ€t von Lucas Cranach d.Ä.

In der Regierungszeit Joachims II. hielt die Renaissancearchitektur auch in der Mark Brandenburg Einzug. Anregung fĂŒr die Gestaltung seiner Bauten erhielt er unter anderem bei seinem Vetter, dem sĂ€chsischen KurfĂŒrsten Johann Friedrich I., der 1533 durch den Baumeister Konrad Krebs das Schloss Hartenfels in Torgau errichten ließ. Nach dessen PlĂ€nen und in Anlehnung an das Torgauer Vorbild entstand ab 1538 das kurmĂ€rkische Residenzschloss in „Cölln an der Spree“. Mit dem sĂ€chsischen Baumeister Krebs kam auch Caspar Theiss nach Brandenburg, der mit der Bauleitung beauftragt wurde. Über seine Herkunft ist wenig bekannt. Ihm werden jedoch zahlreiche Renaissancebauten in der Mark zugeschrieben, bei deren Planung und Leitung er mitgewirkt hatte. Über der TĂŒr im Eingangsraum des Jagdschlosses findet sich sein Name auf einem Steinrelief, dem so genannten „Zecherrelief“. Die Steinlettern sind stellenweise zerstört, sodass die Inschrift nicht mehr vollstĂ€ndig entziffert werden kann. Die Darstellung zeigt die im kurfĂŒrstlichen Bauwesen wichtigsten MĂ€nner unter Joachim II., die Baumeister Caspar Theiss und Concz (=Konrad) Buntschuh sowie den Bildhauer Hans Schenk, genannt Scheutzlich, die den „Willkommenstrunk“ reichen.

Ob Caspar Theiss der Baumeister des Schlosses Grunewald war, lĂ€sst sich durch das Steinrelief nicht klĂ€ren, da nicht sicher ist, ob es schon in der Erbauungszeit des Schlosses an dieser Stelle seinen Platz bekam. Zweifel daran geben der 1705 erneuerte TĂŒrrahmen, der unter der Textplatte liegt und die leicht verschobene, nicht vertikal ĂŒbereinander hĂ€ngende Textplatte und das Bildrelief. Auch gibt es keine Dokumente die eine sichere Auskunft ĂŒber den Baumeister geben könnten. Durch seinen Bekanntheitsgrad und federfĂŒhrende Mitwirkung an zahlreichen Bauprojekten unter Joachim II., liegt die Vermutung nahe, dass Theiss das Jagdschloss Grunewald ebenfalls architektonisch gestaltete.

Der Umbau unter Friedrich I.

Aufstockung und VerÀnderung der Dachzone

Außer den EckflĂŒgeln, die unter KurfĂŒrst Johann Georg an das Haupthaus angesetzt wurden, sind keine grĂ¶ĂŸeren Umbaumaßnahmen durch die Nachfolger Joachims II. bekannt. Durch die gefundenen Bauakten sind Reparaturarbeiten erst unter dem Großen KurfĂŒrsten Friedrich Wilhelm wieder nachweisbar. Er gab 1669 Order „
das grĂŒnwaldtsche Jagdhaus alß welches zimblich eingegangen und baufĂ€llig worden, repariren undt wieder anfertigen lassen [zu] wollen.“ Die immer wiederkehrenden Bauerhaltungsmaßnahmen setzten sich bis in die KurfĂŒrstenzeit seines Sohnes Friedrich III. fort.

Außenansicht des Eingangsbereichs im SĂŒdwesten
Außenansicht des Eingangsbereichs im SĂŒdwesten

Der in diesen Jahren als Hofbaumeister in kurfĂŒrstlichen Diensten stehende Johann Arnold Nering starb 1695. Sein Nachfolger Martin GrĂŒnberg erhielt von dem nun seit 1701 als erster König in Preußen regierende Friedrich I. den Auftrag zur AusfĂŒhrung grĂ¶ĂŸerer Reparatur- und Modernisierungsarbeiten, denn das „Königl. Jagdthaus undt darbey stehenden GebĂ€uden [haben] eine HauptReparation höchst nöthig.“ Auch sei kein „
Inventario vorhanden.“ Das lĂ€sst vermuten, dass das Jagdhaus von der Hofgesellschaft in den ganzen Jahren nicht genutzt wurde.

Neben Umbauarbeiten im Innern erfolgte 1705 eine VerĂ€nderung der reich gegliederten Dachzone. Die SatteldĂ€cher der EckflĂŒgel und des Haupthauses mit seinen ZwerchhĂ€usern und Dachgauben wichen einem diese GebĂ€udeteile ĂŒberdeckenden Mansardwalmdach mit Giebelgauben an den LĂ€ngsseiten zur Belichtung der DachrĂ€ume. Zuvor wurde das Haupthaus und der Treppenturm an der Vorderfront aufgestockt und den dreigeschossigen EckflĂŒgeln angepasst. Der vorspringende Eingangsbau blieb erhalten, jedoch die beidseitig angrenzenden Nebenbauten abgerissen. Nach dem teilweisen Einbau neuer Fenster und Reparaturen an den Außenfassaden war der Umbau 1708 abgeschlossen. Dieses Ă€ußere Bild des GebĂ€udes hat sich bis heute weitgehend erhalten. Lediglich die Dachansicht Ă€nderte sich in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Giebelgauben bei erneuten Dachreparaturen durch Fledermausgauben ersetzt wurden.

Die Leitung der Bauarbeiten ĂŒbernahm bereits zwei Jahre zuvor Johann Heinrich Behr als Nachfolger des 1706 verstorbenen Martin GrĂŒnberg. Er ließ 1709 den mit Dachteilen und Bauschutt gefĂŒllten Wassergraben zuschĂŒtten und mit Rasensoden bepflanzen, den Hof pflastern sowie drei Lust- und AngelhĂ€uschen am See errichten.

Die InnenrÀume vor und nach dem Umbau

Die Modernisierungsmaßnahmen betrafen vor allem die InnenrĂ€ume. Einfache Stuckdecken wurden eingezogen, Kamine und Kachelöfen zur Beheizung der WohnrĂ€ume gemauert sowie Fußböden, Fenster und TĂŒren erneuert.

Grundriss  der Schlossanlage um 1790
Grundriss der Schlossanlage um 1790

Eine fĂŒr die Raumaufteilung in Schlössern aus der Erbauungszeit ungewöhnliche Lage ist die "Große Hofstube" im Erdgeschoss, da sich die FestsĂ€le in der Regel im Obergeschoss befanden. WĂ€hrend des Umbaus wurde der grĂ¶ĂŸte Raum des Hauses durch eine Trennwand in zwei Zimmer geteilt. In den 1970er Jahren konnte der Saal in seinen ursprĂŒnglichen Zustand versetzt werden und ist so der einzige Raum des Schlosses, der in etwa den Renaissancestil vermittelt. Durch Abbruch der Trennwand wurde eine ebenfalls den Raum teilende Doppelarkade mit einer SĂ€ule frei gelegt. Die 1705 eingezogene Stuckdecke verbarg die durch schwarz-weiße Deckenbemalung in Feldern gegliederte Kassettendeckenimitation. Auch der Fußboden aus ursprĂŒnglich roten Ziegelplatten konnte wiederhergestellt werden.

Beheizt wurde die Hofstube ursprĂŒnglich durch einen großen Kastenofen, von dessen Eisengussplatten nur vier erhalten blieben. Sie sind der einzige Rest der Innenausstattung aus der GrĂŒndungszeit des Schlosses Grunewald. Nach dem Renaissanceplan befand sich ein zweiter, etwas kleinerer Kastenofen in einem Raum auf der Ostseite des GebĂ€udes. Sie wurden beide wĂ€hrend des Umbaus 1705 durch Kachelöfen ersetzt. Die schmalen, lĂ€nglich in den Raum reichenden Kastenöfen standen mit einer Seite bĂŒndig an der Wand und ließen sich von einer Nebenkammer aus beheizen. Diese vom Ofentypus so genannten „Hinterlader“ waren teure Luxusartikel. Sie zeigen, welchen Stellenwert Joachim II. dem Jagdschloss beimaß, das sicherlich in seiner Zeit reprĂ€sentativ ausgestattet war, zumal der KurfĂŒrst als einer der grĂ¶ĂŸten Kunstförderer unter den Hohenzollern gilt.

Über die Nutzung der beiden RĂ€ume in den EckflĂŒgeln zur Zeit Joachims II. gibt es keine verlĂ€sslichen Angaben. Die zwei Zimmer und der beheizbare Raum auf der Ostseite des Hauses erhielten jedoch zusĂ€tzliche Ausstattungen durch Toilettenanlagen, so genannte „Priveter“ und waren deshalb sicher nicht ohne Bedeutung. Diese an der Außenwand des Hauses ĂŒber dem Wassergraben angebrachten „Abtritterker“, die von den RĂ€umen durch schmale TĂŒröffnungen erreichbar waren, wurden bei den Umbauarbeiten 1705 entfernt. Die zugemauerten WandflĂ€chen der ehemals 50 Zentimeter breiten TĂŒröffnungen kamen 1963 bei einer Neuverputzung des Hauses wieder zum Vorschein.

Gesamte Schlossanlage
Gesamte Schlossanlage

Nach dem Umbau 1708 wurden die RĂ€ume im östlichen Bereich dem Hegemeister zugewiesen. Zu den königlichen GemĂ€chern gehörte die geteilte Hofstube und der Raum im westlichen EckflĂŒgel, den Friedrich I. als Schlafzimmer nutzte. Die im ganzen Schloss am aufwendigsten gestaltete Stuckdecke, hat ovale und polygonale Kassettenfelder und ist reich geschmĂŒckt mit Muscheln und Blattwerk. Das Mobiliar des 18. Jahrhunderts ist nicht mehr vorhanden.

Zur Zeit Joachims II. lagen die PrivatgemĂ€cher des KurfĂŒrstenpaares im ersten Obergeschoss, das ĂŒber den Wendelstein an der Vorderfront erreichbar war. Wohn- und Schlafraum der KurfĂŒrstin befanden sich im östlichen Teil des Hauses, die Zimmer des KurfĂŒrsten im Westen. Ein grĂ¶ĂŸerer Raum in der Mitte, der ĂŒber einem Teil der Hofstube lag, diente wahrscheinlich als gemeinsames Speisezimmer. An diesem Raum und den Erkerzimmern wurden 1705 ebenfalls die Priveter abgebrochen. Bis heute erhalten sind die Erker an den EckflĂŒgeln, die vier Stufen höher liegen als der Raumfußboden. Unter Friedrich I. dienten die RĂ€ume im ersten Obergeschoss ab 1708 zur Unterbringung der JagdgĂ€ste und wurden laut einer Inventarliste von 1710 teilweise mit Schlafzimmermöbeln ausgestattet.

Vor der Aufstockung des GebĂ€udes befand sich im Bereich des zweiten Obergeschosses ein großer Dachboden mit zwei RĂ€umen im obersten Teil der dreigeschossigen EckflĂŒgel. Das Zimmer im Westturm gehörte zu den PrivatgemĂ€chern des KurfĂŒrsten Johann Georg und konnte vom darunter liegenden Erkerzimmer separat ĂŒber eine kleine, heute noch vorhandene Wendeltreppe erreicht werden. Die ZugangstĂŒren zur Treppe im ersten und zweiten Obergeschoss, mit ihren halbkreisförmigen AbschlĂŒssen, stammen noch aus der Renaissance. Eine dritte TĂŒr aus dieser Zeit ist am Zugang zu einem im Eingangsbau liegenden Zimmer, das vom ersten Obergeschoss erreicht werden kann.

In der Inventarliste wurde die eher bescheidene Möblierung des Schlosses Grunewald von nur neun Zimmern aufgefĂŒhrt, obwohl die Anzahl der RĂ€ume in dem dreigeschossigen GebĂ€ude viel höher lag. Das lĂ€sst vermuten, dass das zweite Obergeschoss noch nicht ausgestattet war. Da nur das Eigentum des Königs inventarisiert wurde, finden natĂŒrlich auch die WohnrĂ€ume des Hegemeisters keine ErwĂ€hnung.

Die Nutzung des Jagdschlosses Grunewald

Jagdleidenschaft und Anna Sydow (16. Jhdt.)

Bild:Joachim II. (Brandenburg).png Joachim II. war ein passionierter JĂ€ger, der seine Jagdschlösser oft nutzte. FĂŒr seine Jagdleidenschaft erhielt er mehrfach Tadel von seinen LandstĂ€nden, die ihm vorwarfen „
stehts im holze [zu] ligen und der jagdt [zu] gewarten
“, jedoch wenig Zeit fĂŒr die RegierungsgeschĂ€fte aufzubringen. Aber nicht nur die Landesherren suchten Zerstreuung in der Jagd. FĂŒr die gesamte Hofgesellschaft waren die Jagdveranstaltungen vor allem VergnĂŒgen und Zeitvertreib. Glanzvolle Feste machten sie zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Zur Unterbringung der GĂ€ste entstanden Jagdschlösser in den Revieren der FĂŒrsten.

Jagdschloss Grunewald war in der Zeit Joachims II. nicht nur Aufenthaltsort bei mehrtĂ€gigen Jagdveranstaltungen, sondern zwei Jahrzehnte auch stĂ€ndiger Wohnsitz seiner MĂ€tresse Anna Sydow, im Volksmund „die schöne Gießerin“ genannt und Frau des Vorstehers der kurfĂŒrstlichen GießhĂŒtte in Grimnitz. Um sie rankte sich nach ihrem Tod folgende Geschichte, die sie im Volksglauben zur Spukgestalt des Schlosses Grunewald machte.

Um der Eintönigkeit des Hoflebens zu entgehen, nahm auch die zweite Gemahlin des KurfĂŒrsten - Hedwig, Tochter des polnischen Königs Sigismund I. – mit ihrem Gefolge an den JagdvergnĂŒgungen teil. Bei einem Aufenthalt in Grimnitz 1551 brach der morsche Fußboden unter dem KurfĂŒrstenpaar weg. Joachim II. blieb zwischen den Balken hĂ€ngen und verletzte sich nicht. Die KurfĂŒrstin stĂŒrzte jedoch in die Tiefe, brach sich einen Schenkel und spießte sich an den aufgehĂ€ngten Geweihen im darunter liegenden Raum auf. Seit dem konnte sie nur noch an KrĂŒcken laufen. Den fĂŒr Joachim II. nicht mehr vorzeigbaren körperlichen Zustand seiner Gemahlin nahm er zum Anlass eine Verbindung mit Anna Sydow einzugehen. Mit ihr zeigte er sich nun in der Öffentlichkeit und verbrachte in ihrer Gesellschaft und dem gemeinsamen Kind oft viele Tage im Jagdschloss Grunewald. Nach Joachims Tod 1571 kam Anna Sydow auf Anordnung seines Sohnes KurfĂŒrst Johann Georg auf die Festung Spandau, wo sie 1575 verstarb. Im Volk festigte sich jedoch der Aberglaube, die UnglĂŒckliche sei in der Wand der kleinen Wendeltreppe im westlichen EckflĂŒgel lebendig eingemauert worden und spuke seitdem um Mitternacht im Schloss herum.

Nachlassendes Interesse am Jagdschloss (17. und 18. Jhdt.)

Das Jagdschloss Grunewald wurde ĂŒber viele Jahrzehnte vernachlĂ€ssigt und somit von den brandenburgischen KurfĂŒrsten nicht oder kaum genutzt. Durch die unter dem Großen KurfĂŒrsten Friedrich Wilhelm erfolgten Reparaturen war das GebĂ€ude zwar wieder benutzbar, jedoch ließ er sich nur wenige Kilometer sĂŒdwestlich von Grunewald entfernt, nahe seiner Residenz Potsdam 1683 mit Klein-Glienicke ein neues Jagdschloss errichten.

WirtschaftsgebÀude auf der Westseite des SchlossgelÀndes
WirtschaftsgebÀude auf der Westseite des SchlossgelÀndes
Ehemalige WirtschaftsgebÀude auf der Ostseite des SchlossgelÀndes
Ehemalige WirtschaftsgebÀude auf der Ostseite des SchlossgelÀndes

Auch fĂŒr seinen Sohn Friedrich I. spielte das Jagdschloss Grunewald nur eine untergeordnete Rolle. Die andauernden Schadensmeldungen fĂŒhrten trotzdem zur Anordnung der Modernisierungsmaßnahmen. Auch die NebengebĂ€ude erfuhren eine VerĂ€nderung. Der ursprĂŒnglich zum ehemaligen Wassergraben hin offene Stallbau auf der Westseite des Haupthauses wurde durch ein zweigeschossiges GebĂ€ude ersetzt. Im Erdgeschoss entstand Raum zur Unterbringung der Kutschen, im Obergeschoss erhielt der Kastellan eine Wohnung. Daran schloss sich zum See hin ein Pferdestall in Fachwerkbauweise an. Im Nordosten wurde die Arkade zwischen dem Eingangstor und der KĂŒche vermauert und vor der Mauer im SĂŒdosten entstanden neue Stallungen.

Wie viele seiner VorgĂ€nger war auch der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ein passionierter JĂ€ger. Er hat hĂ€ufig im Grunewald gejagt, das Schloss aber nie fĂŒr lĂ€ngere Aufenthalte genutzt. FĂŒr seine exzessiven Jagden favorisierte er das Waldgebiet um Königs Wusterhausen, dessen Herrschaft und Burg er schon als ZehnjĂ€hriger von seinem Vater Friedrich I. geschenkt bekam sowie eine „Bauernheide“ sĂŒdöstlich seiner Residenz Potsdam, die er 1725–1729 fĂŒr die Ausrichtung von Parforcejagden erschließen ließ – der seitdem so genannten Parforceheide. Im Mittelpunkt der Anlage entstand 1730 das Jagdschloss Stern. Bereits 1730 wurden erneute SchĂ€den am Dach des Haupthauses in Grunewald und baufĂ€llige AngelhĂ€uschen gemeldet. Seit 1734 wird in den Unterlagen die Bezeichnung „Schloss“ verwendet.

Mit dem Regierungsantritt Friedrichs des Großen 1740 verlor das Jagdschloss endgĂŒltig an Bedeutung. Im Gegensatz zu seinen Vorfahren – die Ausnahme bildete Johann Sigismund (1572–1619) – lehnte er die Jagd als Zeitvertreib ab. In der Schrift „Antimachiavell“, in der er schon in der Kronprinzenzeit seine Gedanken ĂŒber die Aufgaben und Ziele fĂŒrstlicher MachtausĂŒbung niederschrieb, bezeichnet er sie als ein VergnĂŒgen, das zwar den Leib stĂ€hlt, aber den Geist bricht und ungepflegt lĂ€sst. Am 22. Juni 1765 gab Friedrich der Große Order, das Jagdzeug des Berliner JĂ€gerhofes auf dem Friedrichswerder in einem NebengebĂ€ude des Jagdschlosses Grunewald zu lagern. Um das Berliner Inventar aufnehmen zu können, mussten die Stallungen im SĂŒdosten des Areals verlĂ€ngert werden. In dem neuen Jagdzeugmagazin fand das fĂŒr die verschiedenen Jagdarten erforderliche GerĂ€t Platz, jedoch nicht die Waffen, die in RĂŒst- und Waffenkammern untergebracht wurden.

Jagdschloss Grunewald 1788 von Johann Friedrich Nagel
Jagdschloss Grunewald 1788 von Johann Friedrich Nagel

Wie Friedrich der Große fand auch sein Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. kein Interesse an der Jagd. FĂŒr gelegentliche Aufenthalte ließ er im Jagdschloss drei RĂ€ume im ersten Obergeschoss möblieren. In seinem Auftrag entstand 1788 durch Johann Friedrich Nagel ein GemĂ€lde mit der Schlossansicht von Nordosten und nur noch einem erhaltenen AngelhĂ€uschen am Grunewaldsee, das um 1903 ebenfalls abgebrochen wurde. Es ist heute das erste Bilddokument des Jagdschlosses.

Wiederbelebung und Hubertusjagd (19. Jhdt.)

Friedrich Wilhelm III., seit 1797 auf dem preußischen Thron, nutzte das Jagdschloss ebenfalls nur fĂŒr gelegentliche Aufenthalte. Auch er fand kein VergnĂŒgen an der Jagd. In seiner Regierungszeit wurde Grunewald im Mai 1814 kurzzeitig zum Anziehungspunkt der Berliner Bevölkerung. WĂ€hrend der Napoleonischen Kriege ließ der französische Kaiser die Quadriga des Brandenburger Tores im Dezember 1806 als Beutegut nach Paris bringen. Nach der Schlacht um Paris Ende MĂ€rz 1814 und der Niederlage Napoleons , konnte sie wieder nach Preußen zurĂŒckgeholt werden. In Kisten verpackt stand das Werk des Bildhauers Johann Gottfried Schadows vor dem Weitertransport nach Berlin fĂŒr einige Tage in Grunewald.

Jagdschloss Grunewald Ansicht von SĂŒdosten. Wilhelm Barth 1832
Jagdschloss Grunewald Ansicht von SĂŒdosten. Wilhelm Barth 1832

In den Bauakten des „Königlichen Hofmarschallamtes“ finden sich weiterhin Aufzeichnungen verschiedener Reparaturarbeiten, die sich in den 1820er Jahren hĂ€uften und in dieser Zeit zu einer Neueindeckung des Haupthauses fĂŒhrten, wobei die Dachgauben aus dem Umbau von 1705 entfernt und durch fĂŒnf Fledermausgauben ersetzt wurden.

In den 1820er Jahren wuchs auch wieder das Interesse an dem Jagdgebiet im Grunewald. Durch die Söhne Friedrich Wilhelms III., die Prinzen Friedrich Wilhelm (IV.), Wilhelm (I.) und vor allem auf Betreiben Karls, kam es am 8. Februar 1828 zu einer Neubelebung der Parforcejagd, auch "Rote Jagd" genannt. Bis zur Aufgabe des Reviers Anfang des nachfolgenden Jahrhunderts fanden nun regelmĂ€ĂŸig Jagdveranstaltungen statt. Der jĂ€hrlichen Hubertusjagd am 3. November kam dabei besondere Bedeutung zu. An ihr nahmen StaatsgĂ€ste teil, wie 1864 der russische Zar Alexander II. aus dem Hause Romanow .

In Grunewald konnte unter dem seit 1861 als König in Preußen regierenden Wilhelm I. (ab 1871 Deutscher Kaiser) bereits 1863 die tausendste Parforcejagd gefeiert werden. Das Jagdschloss war inzwischen mit allerlei Möbeln und GebrauchsgegenstĂ€nden ausgestattet worden.

Museale Nutzung des Jagdschlosses (20. Jhdt. und heute)

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die Berliner den Grunewald und die Seenkette – den Hundekehle-, Grunewald- und Schlachtensee sowie Krumme Lanke – als Naherholungsgebiet. Zudem verkleinerte sich die ForstflĂ€che des Jagdreviers zunehmend durch das Anwachsen der Stadt Berlin, militĂ€rischer Anlagen, Eisenbahntrassen und Straßen, sodass einige Parforcejagden schon Ende des 19. Jahrhunderts in der Parforceheide und dem Jagdschloss Stern abgehalten wurden. In Folge kam es 1907 zur endgĂŒltigen Aufgabe des Grunewalds als Hofjagdrevier. Durch den so genannten Dauerwaldvertrag von 1915 zwischen dem Zweckverband Groß-Berlin und der preußischen Forstverwaltung wurden schließlich große Teile des Grunewalds als Naherholungsgebiet ausgewiesen.

Jagdschloss Grunewald um 1900
Jagdschloss Grunewald um 1900

Trotz der Entwicklungen ließ der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. zwischen 1901 und 1908 im Schloss einige zeitgemĂ€ĂŸe Modernisierungsmaßnahmen durchfĂŒhren. Neben Dachinstandsetzungen sind Einzelheiten der Renovierung nicht mehr nachweisbar, jedoch kamen Toiletten und BĂ€der in das Obergeschoss und durch den Abbruch einiger Kachelöfen entdeckte man die vier noch erhaltenen Eisengussplatten der Kastenöfen aus der Renaissance.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie wurde das Vermögen, der Grundbesitz sowie die Immobilien des Hauses Hohenzollern von der neuen Regierung zunĂ€chst konfisziert. Nach der Verabschiedung des „Gesetzes ĂŒber die Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Preußischen Staat und den Mitgliedern des vormals regierenden Preußischen Königshauses“, am 26. Oktober 1926, kam das Jagdschloss Grunewald in den Besitz des preußischen Staates und anschließend in die Obhut der 1927 gegrĂŒndeten preußischen „Verwaltung der Staatlichen Schlösser und GĂ€rten“. Sie richtete in dem GebĂ€ude 1932 ein Museum ein, mit Möbeln und GemĂ€lden des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Neben 29 bereits vorhandenen Bildern mit Jagdmotiven kamen 153 GemĂ€lde aus dem Bestand verschiedener Hohenzollernschlösser hinzu.

Die GemÀldesammlung

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs ĂŒberstand das Jagdschloss die starken Bombardierungen Berlins unbeschadet. Durch Kampfhandlungen in den letzten Kriegstagen erhielten einige Kunstwerke jedoch BeschĂ€digungen durch EinschĂŒsse und siebzehn GemĂ€lde fehlten nach PlĂŒnderungen durch Angehörige der sowjetischen Besatzungsmacht . Nur einige Bilder aus dem Beutegut kamen bis heute zurĂŒck, wie eine vermutlich alte Kopie des "SĂŒndenfall" von Jan Gossaert und die "Lucretia" von Lucas Cranach d.Ä., beide aus dem 16. Jahrhundert sowie das kleine Bild "Rauchende Frauen" des Leidener Malers Jan Steen aus dem 17. Jahrhundert.

Judith mit dem Haupt des Holofernes von Lucas Cranach d.Ä.
Judith mit dem Haupt des Holofernes von Lucas Cranach d.Ä.
Ankunft Kaiser Wilhelms I. zur Roten Jagd im Grunewald von Johann Carl Arnold und Herrmann Schnee
Ankunft Kaiser Wilhelms I. zur Roten Jagd im Grunewald von Johann Carl Arnold und Herrmann Schnee

Mit Genehmigung des amerikanischen Hauptquartiers fand am 16. Mai 1949 die Wiedereröffnung des Museums statt, das nach dem Krieg als erstes Berliner Kunstmuseum fĂŒr die Öffentlichkeit wieder zugĂ€nglich wurde. Durch ausgelagerte Kunstwerke des zerstörten Berliner Stadtschlosses und Schlosses Monbijou, konnte die Grunewaldsammlung noch einmal erweitert werden. Hinzu kamen unter anderem das Mittelbild eines FlĂŒgelaltars des frĂŒhen 15. Jahrhunderts, aus der 1750 abgebrochenen Stadtkirche in Cadolzburg, einige GemĂ€lde von Lucas Cranach d.Ä., wie "Judith mit dem Haupt des Holofernes" und von Lucas Cranach d.J. das Bildportrait des etwa fĂŒnfzigjĂ€hrigen Joachim II.. Heute sind neben wenigen Möbeln und Porzellanen ĂŒber zweihundert GemĂ€lde deutscher und niederlĂ€ndischer Maler des 15. – 16. Jahrhunderts ausgestellt.

Das Jagdmuseum

In dem ehemaligen Jagdzeugmagazin Friedrichs des Großen, im SĂŒdosten des Areals, konnte am 29. Januar 1977 ein Jagdmuseum eröffnet werden. Die ursprĂŒngliche Ausstattung ist in der 38 Meter langen Halle nicht mehr vorhanden. Neben JagdtrophĂ€en und GemĂ€lden mit Jagdmotiven sind in den Vitrinen vor allem Handfeuerwaffen , wie Radschlossgewehre und -pistolen aus dem zweiten Drittel des 16. bis ins 18. Jahrhundert ausgestellt. Davon stammen rund einhundert Radschlosswaffen aus dem Inventar des ehemaligen Berliner Zeughauses und ein großer Teil aus der Sammlung des Prinzen Karl von Preußen.

Das Schloss als Filmkulisse

Das Schloss diente bereits 1967 als Kulisse bei Aufnahmen fĂŒr die Edgar Wallace Verfilmung „Die blaue Hand“, mit Klaus Kinski in einer Doppelrolle, spĂ€ter als Drehort fĂŒr den Kinofilm „Die WildgĂ€nse 2“ sowie seit 1997 als Außenkulisse fĂŒr „ Schloss Einstein “ des KiKa (Kinderkanal von ARD und ZDF).

Quellen und Weblinks

Literatur

  • Staatliche Schlösser und GĂ€rten Berlin (Hrsg.): 450 Jahre Jagdschloss Grunewald 1542–1992, I. AufsĂ€tze, II. Aus der GemĂ€ldesammlung, III. Aus der Jagdsammlung. 1992 (keine ISBN)
  • Gert Streidt, Peter Feierabend (Hrsg.): Preußen Kunst und Architektur. Könemann VG mbH, Köln 1999 ISBN 3-89508-424-7
  • Siegmar Graf zu Dohna: KurfĂŒrstliche Schlösser in der Mark Brandenburg. Teil II., Berlin 1890/91 (S.173), Verlag Karl Siegismund, Berlin 1893 (keine ISBN)

Weblinks

Commons: Jagdschloss Grunewald – Bilder, Videos oder Audiodateien


Koordinaten: 52° 28â€Č 2″ N, 13° 15â€Č 41" O

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