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Letzte Änderung für Artikel Grunewaldsee: 16.02.2006 13:32

Grunewaldsee

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Der Grunewaldsee liegt im Westen des Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am Rande des Grunewalds. Der See mit einer FlĂ€che von etwa 175.000 Quadratmetern gehört zur Glazialen Rinne der Grunewaldseenkette. Im Norden schließt sich das Naturschutzgebiet Hundekehlefenn und der Hundekehlesee an, nach SĂŒdwesten folgen in der Seenkette die beiden Naturschutzgebiete Langes Luch und Riemeisterfenn und danach die Krumme Lanke.

Am See liegt mit dem Jagdschloss Grunewald von 1542 das Ă€lteste Schloss der Stadt und das einzige Zeugnis der Berliner FrĂŒhrenaissance . Ein Teil des Uferbereiches ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und gleichzeitig bildet der Grunewaldsee das beliebteste Berliner Auslaufrevier fĂŒr Hunde – ein fortwĂ€hrender Interessenkonflikt und Zankapfel in der Stadt. WĂ€hrend der See selbst vollstĂ€ndig im Ortsteil Grunewald des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf liegt, gehören ein Teil des sĂŒdöstlichen Ufers, das Jagdschloss sowie das historische Jagdrestaurant und Hotel „Paulsborn" zum Ortsteil Dahlem des Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Grunewaldsee am SĂŒdufer
Grunewaldsee am SĂŒdufer

Inhaltsverzeichnis

Jagdschloss Grunewald und Paulsborn

Jagdschloss Grunewald
Jagdschloss Grunewald

Namensgeber Jagdschloss

Namensgeber fĂŒr den See ist das Jagdschloss Grunewald, das KurfĂŒrst Joachim der II. 1542 errichten ließ. Noch heute gibt die erhaltene Sandsteintafel von 1542 ĂŒber der TĂŒrumrahmung unter dem gleichfalls noch vorhandenen Hirschrelief Auskunft ĂŒber den Namen. Die Inschrift besteht aus vielen AbkĂŒrzungen, die in der folgenden Wiedergabe in Klammern ergĂ€nzt sind:

...V(ND) DEN.VII MARC(IUS). DEN . ERS(TEN) STEIN . GE(LEGT) . V(ND) . Z(UM) GRVENEN . WALD . GENENT.

Hirschrelief ĂŒber der Sandsteintafel
Hirschrelief ĂŒber der Sandsteintafel

Nach diesem Haus „Zum GrĂŒnen Wald", spĂ€ter „aufm GrĂŒnwald", wurde der See als der „Grunewaldsche See" (Lageplan von 1792) benannt. Der umgebende Wald hieß nach Dokumenten 1542 und noch 1698 „Teltowische Heide" (nach dem Teltow), auf dem Lageplan von 1792 „Spandauer Forst" (Königliches Spandausches Forst Revier) und nahm erst um 1800 den heutigen Namen „Grunewald" an, der wiederum zum Ende des 19. Jahrhunderts auf die entstehende gleichnamige Kolonie, den heutigen Ortsteil „Grunewald" ĂŒbertragen wurde.

Übersicht Schlossgeschichte

Jagdschloss und See
Jagdschloss und See

Das Jagdschloss Grunewald von 1542 war bis in das 17. Jahrhundert hinein von einem Wassergraben umgeben und ursprĂŒnglich als Wasserschloss angelegt. Errichtet wurde es mit hoher Wahrscheinlichkeit unter der Leitung der kurfĂŒrstlichen Baumeister Caspar Theiss und Hans Schenk . Als Verbindung vom Grunewaldsee zum Berliner Stadtschloss legten die Baumeister durch das seinerzeitige Sumpfgebiet einen KnĂŒppeldamm an, den Ursprung des heutigen KurfĂŒrstendamm. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ Friedrich I., der erste König in Preußen, das Renaissance-Schloss umbauen und erweitern. Die barocke Gestaltung kam 1708 zum Abschluss, die umgebenden WassergrĂ€ben wurden zugeschĂŒttet und bepflanzt.

Ausstellungen heute

Als der Grunewald 1904 als Hofjagdrevier aufgegeben wurde, fand das Schloss als Museum eine neue Nutzung. In den 1960er und 70er Jahren erfolgte nach intensiven Forschungen zu den alten BauplĂ€nen eine umfassende und detailgetreue historische Restaurierung und kurz vor der Jahrtausendwende zum 450-jĂ€hrigen JubilĂ€um eine Renovierung. Heute finden sich im Schloss Ausstellungen zur Baugeschichte und Geschichte der Hohenzollern und die mit weiteren Werken ergĂ€nzte umfangreiche GemĂ€ldesammlung der KurfĂŒrsten, deren Schwerpunkte auf der niederlĂ€ndischen Malerei des 17. Jahrhunderts und auf altdeutschen Meistern liegen. Das „Jagdzeugmagazin" enthĂ€lt eine zugĂ€ngliche Jagdsammlung mit Originalen, die weitgehend aus den BestĂ€nden des Zeughauses Berlin stammen, da die Ausstattung des Grunewalder Zeughauses verschwunden ist. (Siehe Hauptartikel: Jagdschloss Grunewald.)

Paulsborn
Paulsborn

Paulsborn

Auch das in der Nachbarschaft weiter sĂŒdlich am See im Jahr 1800 angelegte Gehöft und spĂ€tere Forsthaus Paulsborn ist sehenswert. 1871 weihte Kaiser Wilhelm I. hier ein Gasthaus ein, 1905 erhielt Paulsborn den heute noch bestehenden GaststĂ€ttenbau in prĂ€chtiger Neurenaissance, mit vielen Anspielungen auf das Jagdschloss. Antike GemĂ€lde, bleiverglaste Fenster, SĂ€ulen und Geweihlampen vermitteln eine nostalgische AtmosphĂ€re.

Hydrogeologie und Ökologie des Sees

Wasserspiegel

Heute fĂ€llt die Vorstellung schwer, dass das von Land umgebene und ein StĂŒck ĂŒber dem See liegende Jagdschloss ursprĂŒnglich ein Wasserschloss gewesen ist und nur ĂŒber eine BrĂŒcke zugĂ€nglich war. Der Spiegel des Grunewaldsees lag in der Mitte des zweiten Jahrtausends rund zwei Meter höher als heute und wurde mehrfach abgesenkt, beispielsweise schon um 1800, um auf den Dahlemer Wiesen Torfstiche zu ermöglichen. Der Verbindungskanal zum Langen Luch und Riemeisterfenn stammt aus dieser Zeit und fĂŒhrte das Wasser zur Krummen Lanke ab. Weitere Spiegelabsenkungen erfuhr der See durch die Grundwasserentnahmen , die seit Beginn des 20. Jahrhunderts zur Versorgung der rasant wachsenden Bevölkerung im Großraum Berlin mit Trinkwasser erfolgen. Da auch die Grundwasserspiegel im Berliner Raum sanken, erfolgt eine Speisung des ursprĂŒnglich allein grundwassergespeisten Sees zusĂ€tzlich ĂŒber Wasser aus der Regenkanalisation , was zu Problemen mit der WassergĂŒte fĂŒhrt.

Lesser Ury: Kiefer gegen Abendhimmel am Grunewaldsee, 1890er Jahre
Lesser Ury : Kiefer gegen Abendhimmel am Grunewaldsee, 1890er Jahre

Naturschutzgebiet

Als Teil des Forstes gehört das gesamte Gebiet zum Landschaftsschutzgebiet Grunewald. Der sĂŒdliche Teil des Grunewaldsees mit seinen Uferbereichen ist zudem seit 1988 auf einer FlĂ€che von 9,6 Hektar als Naturschutzgebiet mit der Typisierung „GewĂ€sser/Moor" ausgewiesen. Es gehört zum grĂ¶ĂŸten Teil zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und mit einem kleinen Teil zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf. In den Uferzonen dominieren Pflanzen, die feuchte und nasse Standorte bevorzugen und in einigen wenigen Bereichen gibt es Reste von ErlenbruchwĂ€ldern . Wie die Uferbereiche fast aller GewĂ€sser der Grunewaldseenkette mit Ausnahme des Nikolassees sind auch die Uferbereiche des Grunewaldsees nur sehr spĂ€rlich mit Röhricht bewachsen, so dass sich kaum Fischarten finden, die zu den so genannten Krautlaichern gehören. Im Grunewaldsee ĂŒberwiegen Aale , Schleie , Hechte , Karpfen , Welse und aus der Familie der Barsche die Zander . Erst durch die Pflegemaßnahmen der jĂŒngeren Zeit gelingt es, in dem geschĂŒtzten Gebiet den SchilfgĂŒrtel zu wiederzubeleben.

Beliebtestes Berliner Hundeauslaufgebiet

Interessenkonflikte

Die Maßnahmen des Naturschutzes, die Interessen der Schlossbesucher, der BadegĂ€ste und Wanderer geraten regelmĂ€ĂŸig in Konflikt mit den Interessen der Hundebesitzer. Die Uferwege des Grunewaldsees und des nördlich folgenden Hundekehlefenn bis hin zum Hundekehlesee bilden ein offizielles und das beliebteste Hundeauslaufgebiet in Berlin – Nichtberliner können sich vermutlich nur schwer ein Bild von der kleinen Völkerwanderung machen, die an sonnigen sommerlichen Sonn- und Feiertagen den See umrundet. Die sĂŒdlichen Uferzonen im Schutzbereich sind mit ZĂ€unen gesichert, ansonsten haben die Hunde freien Auslauf auch im Uferbereich und baden gerne im See. FĂŒr Zweibeiner erließ der Senat von Berlin im Oktober 2003 wegen zu hoher Schadstoffbelastungen ein Badeverbot.

Überlegungen des Bezirksamtes, extra gekennzeichnete Hundebadestellen einzurichten, um BelĂ€stigungen von BadegĂ€sten an den anderen Badestellen zu vermeiden, konnten nicht umgesetzt werden, obgleich bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hier eine eigene Hundebadestelle ausgewiesen war. Diese befand sich erst am Ufer zwischen Wirtshaus und Schloss, nach Umkehrung der Fliessrichtung (durch Einspeisung am SĂŒdende) wurde sie an das Nordende gegenĂŒber der Nacktbadestelle (Bullenwinkel) verlegt.

Reaktionen BVV und Bezirksamt

Nordende zum Hundekehlefenn
Nordende zum Hundekehlefenn
Zwischen See und Hundekehlefenn
Zwischen See und Hundekehlefenn

Im April 2004 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf, die Hundeauslaufgebiete grundsĂ€tzlich aufrecht zu erhalten und richtete zur Lösung der Probleme Appelle an die Konfliktparteien. Das Amt teilte dazu mit: Das Bezirksamt hĂ€lt die sehr starke Nutzung und Belastung des kulturhistorisch wertvollen wie ökologisch sensiblen Bereichs um den Grunewaldsee fĂŒr Ă€ußerst problematisch. Insbesondere ist sie mit dem Status als Landschaftsschutzgebiet, dem Naturschutzgebiet im sĂŒdwestlichen Bereich ..., den Erfordernissen des Jagdschlosses Grunewald und den Interessen anderer Erholungssuchender nicht vereinbar. Es nimmt die in der Anhörung des Umweltausschusses am 05.02. von den Berliner Forsten und Nachbarn beschriebenen ökologischen SchĂ€den und Nutzungskonflikt ernst. Die BVV konnte sich letztlich lediglich zu einem Ersuchen an die ĂŒbrigen elf Berliner Bezirke durchringen, durch die Eröffnung weiterer oder Ausweitung bestehender Hundeauslaufgebiete fĂŒr Entlastung am Grunewaldsee zu sorgen - allein das Bezirksamt Pankow reagierte und richtete, zeitlich befristet, eine kleine FlĂ€che im Mauerpark am Prenzlauer Berg ein.

Hundelobby in Berlin

Berlin verfĂŒgt traditionell ĂŒber eine starke und in vielen Gruppen und VerbĂ€nden organisierte Hundelobby , die in verschiedensten Druckwerken und Pressemitteilungen erfolgreich fĂŒr den Erhalt des Hundeauslaufgebietes ohne EinschrĂ€nkungen kĂ€mpfte und kĂ€mpft. In einer Mitteilung vom 2. Januar 2001 begrĂŒĂŸte beispielsweise der „Tierschutzverein fĂŒr Berlin und Umgebung Corporation Tierheim Berlin" einleitend in der „guten Nachricht“ den Beschluss zum bald wieder möglichen Hundetransport im öffentlichen Nahverkehr der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), um dann zu Überlegungen, die Uferwege aus dem Auslaufgebiet herauszunehmen, festzustellen:

Die schlechte Nachricht trifft wieder mal all jene, die sich wirklich MĂŒhe geben, ihren Hund artgerecht zu halten und fĂŒr einen Spaziergang im Hundeauslaufgebiet Grunewaldsee tĂ€glich lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Wer einmal zugeschaut hat, wie glĂŒcklich und ausgelassen Dutzende Hunde ... hier toben, spielen, im Wasser planschen, kann nur die HĂ€nde ĂŒber dem Kopf zusammenschlagen, wenn nun gefordert wird, dieses Hunde-Dorado zu beschneiden.

Um dieses Eldorado zu erhalten, appellieren die TierschĂŒtzer abschließend eindringlich auch an das eigene Klientel, in den angrenzenden Schutzzonen die Vorschriften zu beachten und die Hunde dort anzuleinen.

Quellen

Literatur

  • Hartwig Schmidt, Zur Baugeschichte des Jagdschlosses Grunewald I. Der Renaissance Bau. Seine Rekonstruktion nach den Ergebnissen der Ausgrabungen von 1974-1979. In: Staatliche Schlösser und GĂ€rten (Hrsg.), 450 Jahre Jagdschloss Grunewald, Teil I, AufsĂ€tze, Berlin 1992. (Drei Begleithefte zur 450-Jahre-Ausstellung 1992, ohne ISBN.) Zitat/Wiedergabe GrĂŒndungsinschrift Seite 12; Lageplan von 1792 Seite 119
  • Regine Hanemann, JĂŒrgen Julier, Zur Baugeschichte des Jagdschlosses Grunewald II. Von 1708 bis zur Gegenwart. In ... ebendort ..., Zitat Paulsborn Seite 74
  • Gerhard Schlimpert, Brandenburgisches Namensbuch, Teil 3, Die Ortsnamen des Teltow , Hermann Böhlaus Nachf., Weimar, 1972, zur Entwicklung des Begriffs „Grunewald" Seite 88

Weblinks


Koordinaten: 52° 28â€Č N, 13° 16â€Č O

   
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