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Letzte Änderung für Artikel Haus Nassau: 24.01.2006 19:38

Haus Nassau

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Das Haus Nassau ist ein Adelsgeschlecht von europĂ€ischer Bedeutung, dessen AnfĂ€nge bis ins 10. Jahrhundert reichen und das zunĂ€chst als Grafen von Laurenburg an der Lahn auftritt. Der 1093 genannte Dudo von Laurenburg gilt als vermutlicher Stammvater des Hauses. 1159 wird die wenige Kilometer flussabwĂ€rts gelegene Burg Nassau Sitz des Geschlechts, das sich seither nach dieser Burg nannte. Die Grafen von Laurenburg und Nassau erweitern unter den BrĂŒdern Arnold I. (1124-48) und Rupert I. (1124-52), dessen Sohn Walram I. (1167-98) sowie Walrams Sohn Heinrich II. , dem Reichen (1198-1247) stetig ihren Besitz im Raum zwischen Taunus und Westerwald an der unteren und mittleren Lahn. Vor 1128 erwerben sie die Vogtei des Klosters Worms, welches in der Gegend zahlreiche Rechte besaß und können somit eine Verbindung zwischen ihrem Erbe an der unteren Lahn und ihrem Besitz um Siegen schaffen. Diese Verbindung wird Mitte des 12. Jahrhunderts gefestigt mit dem Erwerb der so genannten Hessisch-ThĂŒringischen Reichslehen, nĂ€mlich der Herborner Mark, der Kalenberger Zent und des Gerichts Heimau (Löhnberg). Eng damit verbunden war die so genannte "Herrschaft zum Westerwald", die ebenfalls zu dieser Zeit in nassauischen Besitz gelangt. Ende des 12.Jahrhunderts kann mit dem Reichshof Wiesbaden ein wichtiger StĂŒtzpunkt im SĂŒdwesten erworben werden.

Heinrichs II. Söhne Walram II. und Otto I. teilen 1255 ihre Lande in zwei Teile und ihr Haus in zwei Linien, die nach ihnen Ottonische und Walramische Linie genannt werden. Grenzlinie war im wesentlichen die Lahn, wobei Otto den nördlichen Landesteil mit den StĂ€dten Siegen, Dillenburg, Herborn und Haiger und Walram den sĂŒdlich des Flusses gelegenen Teil der Grafschaft mit Weilburg und Idstein erhĂ€lt. Beide Linien werden in den nĂ€chsten Jahrhunderten vielfach geteilt (s.u.). Die Könige der Niederlande stehen in weiblicher Folge der ottonischen Linie, die Großherzöge von Luxemburg in weiblicher Folge der walramischen Linie. Da nach deutschem Adelsrecht nur die mĂ€nnliche Erbfolge gilt, ist das Haus aus dieser Sicht erloschen.

Inhaltsverzeichnis

Die Ottonische Linie (1255-1890)

Die Ottonische Linie wird nach Graf Ottos Tod 1289 zunĂ€chst von dessen Söhnen gemeinsam gefĂŒhrt und 1303 geteilt in

  • Nassau-Dillenburg (1303-28), fĂ€llt an Siegen
  • Nassau-Hadamar, Ă€ltere Linie (1303-94), fĂ€llt an Dillenburg
  • Nassau-Siegen , ab 1328 Nassau-Dillenburg (1303-41), geteilt in
    • Nassau-Beilstein, Ă€ltere Linie (1341-1561), fĂ€llt an Dillenburg
    • Nassau-Dillenburg, Ă€ltere Linie (1341-1606)

Die Àltere Dillenburger und die Bredaer, spÀter Oranische Linie

Nassau-Dillenburg erwirbt unter Johann I. (1362-1416) und seinen Söhnen 1386 die Grafschaft Diez, 1403/04 Breda und 1420 durch Erbschaft die Grafschaft Vianden . Unter der Regierung Johanns IV. (1442-75) verlagert sich der Schwerpunkt der Herrschaft mehr und mehr in die niederlĂ€ndischen Besitzungen. Diese fallen seinem Sohn Engelbert II. (1475-1504) zu, wĂ€hrend dessen Bruder Johannes V. (1475-1516) Dillenburg erhĂ€lt. Da Engelbert keine Erben hinterlĂ€sst, folgt ihm sein Neffe, Johanns V. Sohn Heinrich III. (1504-38), der den Einfluss Nassaus in den Niederlanden noch erheblich ausweiten kann. Durch die Heirat mit Claudia von Chalons und Orange erhĂ€lt er das FĂŒrstentum Oranien in SĂŒdfrankreich; beider Sohn Renatus (1538-44) fĂŒhrt als erster Nassauer den Titel "Prinz von Oranien".

Heinrichs Bruder Wilhelm , genannt der Reiche (1516-59) erbt das Dillenburger Land, fĂŒhrt dort bis 1536 die Reformation ein und grĂŒndet in Herborn eine reformierte, universitĂ€tsĂ€hnliche Hochschule, die so genannte "Hohe Schule". Als die Bredaer Linie erneut erlischt, tritt wieder der Ă€lteste Dillenburger Prinz das dortige Erbe an. Es ist Wilhelms des Reichen Sohn Wilhelm der Schweiger (1545-84). Er ist der „Wilhelmus von Nassauen“ des gleichnamigen Volkslieds und spĂ€teren niederlĂ€ndischen Nationalhymne. Als Statthalter der Niederlande fĂŒhren er und seine Söhne Philipp Wilhelm (1609-18), Moritz (1618-25) und Friedrich Heinrich (1625-47) diese im Befreiungskrieg von 1568-1648 in die UnabhĂ€ngigkeit und erringen mit seinem Urenkel Wilhelm III. , dem „letzten Oranier“ 1688 die englische Krone. Sein niederlĂ€ndisches Erbe fĂ€llt an die Linie Nassau-Diez (siehe unten).

Der jĂŒngere Bruder Wilhelms von Oranien, Johann VI. genannt der Ältere von Dillenburg (1559-1606), kann nach dem Erlöschen der Ă€lteren Beilsteiner Linie 1561 wieder die gesamten ottonischen Stammlande, d.h. die deutschen Besitzungen, in seiner Hand vereinigen. Nach seinem Tod wird das Land jedoch erneut geteilt und es entstehen die Linien

  • Nassau-Hadamar, jĂŒngere Linie (1607-1711), 1629 katholisch, 1650 gefĂŒrstet, 1711 geteilt, 1743 ganz an Diez
  • Nassau-Siegen , (1607-23), 1623 geteilt in
    • Nassau-Siegen , reformierte Linie (1623-1734), 1664 gefĂŒrstet, fĂ€llt an Siegen (katholisch)
    • Nassau-Siegen , katholische Linie (1623-1743), 1652 gefĂŒrstet, 1743 an Diez
  • Nassau-Dillenburg, (1607-20), von Beilstein beerbt
  • Nassau-Beilstein, jĂŒngere Linie, ab 1620 Nassau-Dillenburg, jĂŒngere Linie (1607-1739), 1652 gefĂŒrstet, 1739 an Diez

und

  • Nassau-Diez (1607-1890)

Die Linie Nassau-Diez und das Haus Oranien

Die Linie Nassau-Diez beginnt mit Johanns VI. Sohn Ernst Casimir (1607-1632), der seit 1620 Statthalter von Friesland, seit 1625 auch von Groningen und Drenthe ist. Er hĂ€lt sich fast ausschließlich in den Niederlanden auf, wie auch seine Nachfolger Wilhelm Friedrich (1632-1664), der 1655 in den ReichsfĂŒrstenstand erhoben wird, Heinrich Casimir (1664-1696) und Johann Wilhelm Friso (1696-1711). Letzterer wird 1702 von Wilhelm III. von England zum Generalerben der oranischen Linie eingesetzt; seine Nachkommen tragen seit 1713 den Titel "Prinzen von Oranien ", sie sind seit 1747 Erbstatthalter der Vereinigten Provinzen und seit 1815 Könige der Niederlande , von 1815 bis 1890 auch Großherzöge von Luxemburg . 1806 verlieren sie die Herrschaft ĂŒber ihre deutschen LĂ€nder, als die vereinigten FĂŒrstentĂŒmer Diez, Dillenburg, Hadamar und Siegen an das napoleonische Großherzogtum Berg und im Wiener Kongress an die walramische Linie Nassau-Weilburg fallen (siehe unten). Die ottonische Linie stirbt zwar 1890 mit König Wilhelm III. (1849-90) im Mannesstamm aus, da in den Niederlanden jedoch die weibliche Thronfolge anerkannt wird, existiert das Haus Nassau-Oranien dort noch heute.

Die Walramische Linie (1255-1912)

Ihr entstammt Walrams II. Sohn Adolf von Nassau (1277-98), der 1292 zum deutschen König gekrönt wird. Ihm folgen seine Söhne Rupert (1298-1304) und Gerlach I. (1305-61). 1328 fĂ€llt die Herrschaft Merenberg, 1353 SaarbrĂŒcken durch Heirat an das Haus. 1355 wird die Linie zwischen Gerlachs Söhnen Adolf I. (1344-70) und Johann I. (1344-71) geteilt in

  • Nassau-Wiesbaden-Idstein (1355-1480), 1480 wieder geteilt in
    • Nassau-Idstein, Ă€ltere Linie (1480-1509), fĂ€llt an Wiesbaden
    • Nassau-Wiesbaden, (1480-1605), erbt 1509 Idstein, fĂ€llt an Weilburg

und

  • Nassau-Weilburg-SaarbrĂŒcken, (1355-1442); 1442 wieder geteilt in
    • Nassau-SaarbrĂŒcken, Ă€ltere Linie, (1442-1574), 1547-59 geteilt, 1574 an Weilburg
    • Nassau-Weilburg, Ă€ltere Linie (1442-1627)

Graf Philipp III. (1523-59) fĂŒhrt 1526 die Reformation in seinem Land ein. Die SaarbrĂŒcker Linie fĂ€llt 1574 an Weilburg zurĂŒck und so kann Philipps III. Enkel Ludwig II. (1593-1627) 1605 mit dem Erbe der Wiesbaden-Idsteiner Linie wieder alle walramischen Linien in seiner Hand vereinigen. Nach seinem Tode wird das Land erneut geteilt, es entstehen die Linien

  • Nassau-Idstein, jĂŒngere Linie (1629-1721), fĂ€llt an Ottweiler
  • Nassau-SaarbrĂŒcken, jĂŒngere Linie (1629-40), geteilt in
    • Nassau-SaarbrĂŒcken (1640-1723), fĂ€llt an Ottweiler
    • Nassau-Ottweiler (1640-1728), erbt 1721 Idstein, 1723 SaarbrĂŒcken, fĂ€llt an Usingen
    • Nassau-Usingen, (1640-1816), 1688 gefĂŒrstet, erbt 1728 Idstein, Ottweiler und SaarbrĂŒcken, wird 1735 geteilt in
      • Nassau-Usingen-SaarbrĂŒcken (1735-97), fĂ€llt an Usingen
      • Nassau-Usingen (1735-1816), 1806 HerzogswĂŒrde; mit Weilburg vereinigt und 1816 von diesem beerbt

und

  • Nassau-Weilburg, jĂŒngere Linie (1629-1912)

Die jĂŒngere Weilburger Linie und das Herzogtum Nassau

Die Linie erhĂ€lt 1688 unter Johann Ernst (1675-1719) die FĂŒrstenwĂŒrde, die jedoch erst sein Sohn Karl August (1719-53) 1739 annimmt. Dessen Enkel Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg (1789-1816) vereinigt sein Land mit Nassau-Usingen 1806 zu einem Gesamtstaat, den er gemeinsam mit Friedrich August von Nassau-Usingen (1803-16) regiert. Gleichfalls werden die Residenzen von Usingen und Weilburg nach Wiesbaden in das Schloss Biebrich verlegt. Im gleichen Jahr treten die beiden Staaten dem Rheinbund bei, wobei Friedrich August als Oberhaupt des Hauses die HerzogswĂŒrde erhĂ€lt und das Herzogtum Nassau entsteht. FĂŒr den Verlust der linksheinischen Landesteile (SaarbrĂŒcken) an Frankreich wird das Land territorial erheblich vergrĂ¶ĂŸert. 1813 und endgĂŒltig im Wiener Kongress kommen die FĂŒrstentĂŒmer Diez, Hadamar und Dillenburg der oranischen Linie hinzu, wodurch erstmals seit 1255 alle deutschen nassauischen LĂ€nder - mit Ausnahme Siegens - wieder in einer Hand vereinigt sind. Erbe beider verbliebenen walramischen Linien - der Usinger und der Weilburger - ist Wilhelm von Nassau-Weilburg, der als Wilhelm I. (1816-39) Regent des Herzogtums wird. Regierungssitz ist Wiesbaden, das schon seit 1734 usingische Residenz war. Wilhelms Sohn Adolf V. (1839-66) verliert jedoch sein Land nach dem Deutschen Krieg 1866 an Preußen . Nachdem das Haus Oranien-Nassau in den Niederlanden im Mannesstamm ausstirbt (siehe oben), wird Adolf 1890 auf Grund eines 1783 geschlossenen Erbvertrages Großherzog von Luxemburg . 1912 erlischt mit dem Tod seines Sohnes Wilhelm IV. von Luxemburg (1905-1912) zwar auch die walramische Linie im Mannesstamm; ĂŒber die weibliche Thronfolge besteht die Linie Nassau-Weilburg jedoch dort noch heute.

Siehe auch

  • Liste der nassauischen Herrscher
  • Stammtafel von Nassau-Oranien
  • Oranien

Literatur

  • Even, Pierre: Dynastie Luxemburg-Nassau. Von den Grafen zu Nassau zu den Großherzögen von Luxemburg. - Luxemburg, 2000
  • Gensicke, Hellmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes. - Wiesbaden, 1999
  • Stammtafeln zur Geschichte der europĂ€ischen Staaten, Neue Folge. - Frankfurt

Weblinks

Wikipedia

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