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Letzte Änderung für Artikel Schwarzwasser (Mulde): 05.02.2006 21:15

Schwarzwasser (Mulde)

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Das Schwarzwasser (tschechisch Černá) ist ein rechter Nebenfluss der Zwickauer Mulde in Sachsen und Tschechien .

Es entspringt am Hinteren Fichtelberg (1206 m) im Erzgebirge, fließt zunächst in westliche Richtung und trägt bis zur böhmischen Grenze unweit von Gottesgab (Boží Dar) zunächst den Namen Seifenbächel.

Bei der nicht mehr existierenden Neumühle zweigt der Plattner Kunstgraben (Blatensky přikop) ab, der einst Wasser des Schwarzwassers den Bergwerken im Bergrevier Platten (Horní Blatná) am Plattenberg als Aufschlagwasser zuführte.

Oberes Schwarzwassertal bei der ehemaligen Ortschaft Zwittermühl (Háje)
Oberes Schwarzwassertal bei der ehemaligen Ortschaft Zwittermühl (Háje)  
(Blick nach Ryžovna (ganz links) und zum Plattenberg (ganz rechts))  

In der Tschechischen Republik lagen an dem Fluss früher noch die zum größten Teil nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung verschwundenen Orte Försterhäuser (Myslivny), Zwittermühl (Háje), Jungenhengst (Luhy) und Brettmühl (Pila).

Bei Wittigsthal , einem Stadtteil von Johanngeorgenstadt, fließt das Schwarzwasser wieder nach Sachsen und nimmt den von Breitenbach (Potůčky) kommenden Breitenbach (Blatensky potok) auf.

Am weiteren Lauf des Schwarzwassers, das nun in nördliche Richtung fließt, wurden seit dem 16. Jahrhundert wegen der hier vorkommenden Eisenerz lagerstätten zahlreiche Hammerwerke errichtet. Zain-, Zeug- oder Stabhämmer wurden in Wittigsthal, Erlabrunn und Breitenhof betrieben.

Bei Erlabrunn fließt der Steinbach zu, an dem seit dem 16. Jahrhundert ein reger Zinnseifenbetrieb geherrscht hatte.

In Antonsthal wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenhütte König-Anton-Hütte (kurz Antonshütte ) errichtet. Auch in Erla hat ein bekanntes Eisenhütten - und Walzwerk, der Erlahammer , gestanden.

Das Schwarzwasser durchfließt die Kreisstadt Schwarzenberg, wo das ebenfalls vom Fichtelberggebiet herkommende Pöhlwasser einmündet.

Kurz bevor sich der Fluss in Aue mit der Zwickauer Mulde vereint, befand sich an seinem rechten Ufer in dem Ort Niederpfannenstiel das bekannte Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel .

Blick ins Schwarzwassertal von der Straße zwischen Grünhain-Beierfeld und Bernsbach auf den Spiegelwald, Schwarzenberg, die Morgenleithe, Lauter und den Talkessel von Aue (von links)
Blick ins Schwarzwassertal von der Straße zwischen Grünhain-Beierfeld und Bernsbach auf den Spiegelwald, Schwarzenberg, die Morgenleithe, Lauter und den Talkessel von Aue (von links)

Geschichtliches

Schwarzwassertal bei Jungenhengst
Schwarzwassertal bei Jungenhengst
Das Schwarzwasser oberhalb von Potůčky
Das Schwarzwasser oberhalb von Potůčky

August Schumann schreibt im "Vollständiges Staats- Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen", 10. Band, Zwickau 1823 , S. 794-800 über das Schwarzwasser:

Das Schwarzwasser des Erzgebirges ... hieß bei den Sorbenwenden Czurnitz oder Schurnitz, von Czorny (jetzt Czerny) schwarz, und dieß gab Veranlassung, sowohl den Fluß Schwarzwasser, als die anliegende Stadt Schwarzenberg zu benennen.

Dieser Fluß, anfänglich böhmisch ..., gehört dann gänzlich zu Sachsen, und fast ausschließlich ins Kreisamt Schwarzenberg. Nächst unter Aue vereinigt er sich mit der nicht stärkern, ja sogar hinsichtlich des Flußgebietes etwas unbedeutendern Zwickauer Mulde, welche aber ihren Namen weiter fort behauptet.

Seinen Namen erhielt das Schwarzwasser im Gegensatz der Pöhl (ursprünglich Biela, d. i. Weißwasser), welche auch wirklich ein helleres Wasser führt, während daß des Schwarzwassers sehr in’s Kaffeebraune fällt - eine Eigenheit aller, über Granitblöcke jäh herabstürzender Flüsse, die besonders im Riesengebirge sehr auffällt, und auch im böhmischen Erzgebirge nicht selten ist. Die Pöhl verdünnt diese braune Farbe bei Sachsenfeld sehr merklich.

Die Quellen des Schwarzwassers liegen am westlichen Abhang des hintern Fichtelbergs, also in der Hirschpfalz, auf dem Centralpunct des Erzgebirgs, 3400 bis 3500 pariser Fuß über dem Meere, in einer moorigen Gegend nordöstlich von Gottesgabe . Dieses Städtchen durchfließt es, schon durch 2 Bächlein, deren eines eisenhaltig ist, verstärkt, und bildet noch kein Thal, sondern was man im Niederlande eine Aue nennen würde, hier aber, auf so rauher Höhe, nicht so nennen kann. Höher als jene Quellen liegen im Erzgebirge nur die der Zschopau, der Sehma und des, Ober-Wiesenthal von Unterwiesenthal scheidenden Bächleins; diese Wässer aber bilden bald ein tieferes Thal, während das Schwarzwasser, da es mit dem Hochgebirge parallel fließt, lange keinen merklichen Thalgrund erhält. In seinem westlichen Laufe bespühlt es den nördlichen Fuß des Spitzbergs, das Oertchen Seyffen und die böhmischen Forsthäuser, wo es sich in 2 Arme theilt. Der rechte, welcher der obere heißt, schlängelt sich weit durch flach ansteigende Berge hin, und nimmt 12 Bächlein auf, die am hintern Kaff, am Mückenberg u. s. w. entspringen. Den kürzern linken oder untern Arm verstärken nur 3 Wässerchen, weil ihn das eigentliche Hochgebirge (zwischen Gottesgabe, Aberthann und Platten) sehr nahe begleitet. Den von Gottesgabe nach Platten geführten Berggraben aber zerstörte die Fluth im Aug. 1661 .

Der obere Arm trifft das höchst einsam gelegene Oertchen oder die Eisenzeche Irrgang, unter dem bedeutenden Plattenberg aber das Dorf Hengst (Langenhengst), der untere hingegen am westlichen Fuß dieses Berges (den beide Arme als eine Insel umfließen) das Städtchen Platten. Nächst darunter, bei der Silbergrube Kaiser Karl, stürzt der obere Arm in den untern herab, und der Bach wendet sich, nachdem er hier 4 Mühlen getrieben, unter dem Namen des Breitenbachs nördlich, nachdem er 3 Stunden weit westlich geflossen, und bis zu etwa 2550 par. Fuß Meereshöhe herabgefallen ist. Er tritt aus seiner flachen und kahlen Niederung urplötzlich in ein waldiges, tiefes, schönes Thal ein, verstärKt durch ein aus Süden kommendes Bächlein. Bis hierher gieng auch ehedem die, bei Gottesgabe anhebende Flöße, welche 1540, da noch das ganze Schwarzwasser sächsisch war, Stephan Lenke für Platten anlegte.

Im Thale nun, welches rechts böhmisch, links sächsisch ist, treibt der Bach zwei kleine böhmische, zum Berggebiet Platten gehörige Blaufarbenwerke, welche älter als alle sächsi-schen sind, und stürzt Stufe zu Stufe, auf einigen Granitblöcken findet sich hier Veilchenmoos, und das Thal hat ein recht riesengebirgischen Ansehen. Plötzlich tritt der steile Fastenberg, den auch der aus Westen kommende Jugeler Bach bespühlt, in den Weg, und zwingt das, nun wieder sogenannte Schwarzwasser zu östlicher Ausbeugung. Es treibt noch das böhmisch-wittichsthaler oder breitenbacher Blaufarbenwerk, tritt gänzlich in Sachsen ein, wendet sich wieder nördlich, und scheidet Johanngeorgenstadts Höhe vom großen Hammerwerk und Bergflecken Wittichsthal, wo ein Bach es sehr verstärkt, der die Quellen des Rabengebirgs sammelte. Nach Betrieb einiger Mühlen tritt es abermals in ein tiefes, jedoch nicht so finstres Waldthal hinein, welches es zwischen 2 bis 300 Ellen hohen, zum Theil felsigen Bergwänden, und in vielen kleinen Krümmungen, jedoch im Ganzen nordöstlich, nach Schwarzenberg hinableitet. Dieses 3 Stunden lange Thal gehört ohne alle Fragen zu den schönsten und gandiosesten in Sachsen, und steht nur in gewisser Hinsicht den Felsengründen der sächs. Schweiz nach. Seine Einsamkeit unterbrechen anfangs nur die Haberlandsmühle, Täubners Haus und ein zweites Waldhaus, dann das Hammerwerk Breitenhof, bis beim Erlahammer vor Schwarzenberg ein volles reges Leben beginnt. Rechts steigt das vordre Rabengebirge, unterwärts aber das des Magneten- und Rothenbergs mächtig an; links sind die Höhen wenigr hoch, aber steiler, und häufig mit den sonderbarsten, 30 bis 60 Ellen hohen Felsengruppen besetzt, welche größtentheils eigene Namen haben, z. E. die Teufelskanzel, der Teufelstein u. s. w. Bis ¾ Stunde von Johanngeorgenstadt führen mehrere Stollen ins Gebirge. Mit mächtigem Rauschen stürzt der kleine Fluß von Stufe zu Stufe, oft 2 Ellen hoch, heran, und das braune Wasser contrastirt, wie im Riesengebirge, sonderbar gegen die weißen Granitblöcke. Der wildeste Punct ist beim Einfluß der, aus einem 300 Ellen tiefen labyrinthischen Waldthale in südöstlicher Reichtung herbeistürzenden Steinbach; hier drängen sich die Berge dicht zusammen, und an den Felsenspitzen hallt das doppelte Rauschen beider starken Wässer wieder. Weiterhin fällt rechts der Ortbach mit dem Breitenbrunner Wasser, links der Fellbach, der Stink- und Halsbach ein - kleiner Wässer hier nicht zu gedenken.

Von der sonderbaren Windung des Flusses und von den Felsen bei Schwarzenberg, wo jener das Drahtwerk, 2 Hämmer und 3 Mühlen treibt, s. d. Art. Schwarzenberg. Er tritt 1000 Schritt unter der Stadt plötzlich in die Sachsenfelder Aue ein, eigentlich eine Verlängerung des lieblichen Thales der Pöhl, welche (durch beide Mittweiden, den Schwarz- und Oswaldbach reich verstärkt) dem Schwarzwasser fast gleich kommt. Dieser Vereinigungspunct liegt gegen 1350 par. Fuß über dem Meere, also gegen 1200 Fuß unter jenem bei Platten; auf 4 ½ Stunden gewiß ein seltenes Gefälle!

Nun wendet sich der Fluß nach Nordwest, empfängt rechts in Obersachsenfeld das Beyerfelder, dann das Bernsbacher, ferner das Pfannenstiehler Grenzwasser, endlich beim Pfannenst. Blaubarbenwerke die Rumpelsbach, links besonders die Griese am Geresberg, der Dorfbach am Ende von Lauter, den Lumbach vor Aue, wo er sich, nachdem er Zelle der Länge nach, Aue nur am Ende bespühlt hat, in einem höchst reitzenden Thale, nach Laukner 1090 par. Fuß über der Nordsee, mit der Mulde vereinigt.

Aus der Sachsenfelder Aue kommt der Fluß rasch in ein enges felsiges Thal, welches unter Lauter eine, so zu sagen, grausenhafte Schönheit gewinnt, in welcher es aber dem Publicum nicht bekannt ist, weil kaum ein Fußsteig in demselben hinführt. Diese tiefe Einsamkeit desselben unterbricht nur ein einzelnes, nach Barnsbach gehöriges, auf den Charten fehlendes Haus am Pfannenstiehler Bache. Hohe Felsenberge schließen den vielfach gewundenen Grund ein, und bereiten immer erneuete schöne Ansichten. Ein ganz mit Eichen bewachsener Berg (im Erzgebirge eine seltene Erscheinung), eine natürliche Felsenhöhle, uralte Stollnmündungen, eingefallene Felsenklippen, die Cascaden des Flusses - Alles dieß fesselt die Aufmerksamkeit, und entschädigt den Wanderer für den mühevollen Weg durch das Thal, welches vielen der schönsten Parthien im Plauenschen Grunde gleich zu stellen ist, aber noch keine Beschreibung fand. Starke Waldungen bekleiden seine Bergwände, und wegen der Steilheit derselben wirft man die Scheite des geschlagnen Holzes, zum Theil über 100 Ellen hoch, von der Höhe in den Fluß herunter. Da aber viele am Felsen hangen bleiben, so bilden sich dadurch, so zu sagen, Klippen von Holz, welche zum Theil eine höchst sonderbare Ansicht gewähren. Dieses merkwürdige Thal öffnet sich beim Pfannenst. Blaufarbenwerk in eine, der Sachsenfelder ähnliche Aue, welche auch dem Städtchen diesen Namen gegeben hat, und zu den reizendsten, anmuthigsten Parthien des Erzgebirges gehört; ...

Nach obigen Angaben hat das Schwarzwasser überhaupt eine Ausdehnung von 10 ½ Stun-den, davon 3 ½ zu Böhmen allein gehören und 1 gemeinschaftlich ist, und gegen 2900 pariser Fuß oder 1360 Ellen Gefälle. Von Breitenhof an, wo es ein Fluß heißen kann, führen 11 Brücken darüber.

Wegen der vielen Hüttenwerke ist die Fischerei in demselben verhältnismäßig gering, wiewohl ehemals, besonders bei Sachsenfeld, die trefflichsten Forellen bis zu 9 Pfund schwer, und bei Aue ansehnliche Lachse gefangen worden sind; groß dagegen ist, ohne noch an eine Menge von Mahl-, Bretmühlen, auch einige Oelmühlen zu denken, des Wassers Nutzen im Betrieb von Kunstwerken. Denn es liegen daran die Kunstgezeuge des Johannes am rothen Berge, der Irrgangs, mehrerer Eisenwerke bei Johanngeorgenstadt u. s. w., ferner 3 kleine böhmische Blaufarbenwerke, und das treffliche sächsische bei Pfannenstiehl, der Schwarzenberger Drathhammer, die Hammerwerke Wittichsthal, Breitenhof und Erlahammer, drei Hämmer zu Schwarzenberg und Untersachenfeld, mehrere Werke bei Platten u. s. w. Durch die Nebenwässer des Flüsses aber werden noch 5 große Hammerwerke, 4 kleine Hämmer, ein wichtiges Drahtwerk, 3 Vitriolwerke u. s. w. in Umtrieb gesetzt.

Wichtig ist der Fluß noch durch die Holzflöße, indem jährlich 2600 Klafter 8/4liches Scheitholz, bestimmter- und ziemlich vieles unbestimmtermaßen, außerdem aber auch viel Stöcke geflößt werden. Jedes der 3 sächs. Hammerwerke erhält 350 Klafter, das Pfannenstiehler Werk gegen 1000 Klafter Scheite; die übrigen erhalten Schwarzenberg, Sachsenfeld, Beyerfeld, Bernsbach u. s. w. Man findet diese Flöße und die damit verbunden gewesene auf der Mittweide schon im J. 1571 im Gange; letztere war besonders ums J. 1669 stark, wo man die Waldungen am Erbisbach zu schlagen begann, und wo die landesh. Wälder der Erbisleite, des Kaffbergs, Hennebergs, der Hölle u. s. f. bis Gottesgabe hin auf 100.000 Schragen geschätzt wurden. Am Erbisbache selbst (an der kleinen Mittweide) gab manche Tanne über 10 Klafter Holz, um 1669 flößte man dessen 10.000 Schragen fort. Diese Flöße auf der Mittweide ist aber mit den meisten dortigen Hammerwerken zugleich ein-gegangen. Die Schwarzwasserflöße hat ihre Expedition in einem Privathause zu Schwarzenberg, und einen besondern Floßmeister. Das Holz kommt fast lediglich aus den Domainenwäldern, wird von den Holzhauern im Winter auf Handschlitten an die Flüsse gefahren, und im Frühjahr in das angeschwollene, doch nicht durch Floßteiche künstlich zu verstärkende Wasser aufgeworfen.

Das gesamte Flußgebiet des Schwarzwassers begreift 6 ¼ Quadratmeilen, und grenzt westlich mit dem der Mulde, östlich mit dem der Zschopau , nördlich ein wenig mit dem der Chemnitz, südlich mit einigen, zum Egergebiet gehörigen Flüßchen, besonders der Weißritz.

Literatur

Brückner, Jörg u.a.: Das Schwarzwassertal vom Fichtelberg zur Zwickauer Mulde in historischen Ansichten, Horb am Neckar 1993.

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