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Letzte Änderung für Artikel Erzgebirge: 20.02.2006 01:19

Erzgebirge

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Das Erzgebirge ( tschechisch : KruĆĄnĂ© hory) bildet die natĂŒrliche Grenze zwischen Sachsen und Böhmen . Knapp nördlich der Kammlinie verlĂ€uft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien . Die höchsten Erhebungen sind Fichtelberg (1215 m ĂŒ.NN) und Keilberg (tschech. KlĂ­novec) (1244 m ĂŒ. NN). Das westliche Erzgebirge gehört mit seinem oberen Teil dem Naturpark Erzgebirge/Vogtland an. Das östliche Erzgebirge steht als LSG Osterzgebirge unter Landschaftsschutz.

Lage des Erzgebirges
Lage des Erzgebirges

Inhaltsverzeichnis

Topografische Beschreibung

Das Gebirge ist etwa 150 km lang und durchschnittlich 40 km breit. Östlich schließt sich das Elbsandsteingebirge, westlich das Elstergebirge und der sĂ€chsische Teil des Vogtlandes an. SĂŒdlich des Osterzgebirges liegt das Nordböhmische Becken , gegenĂŒber das Böhmische Mittelgebirge . SĂŒdlich des Westerzgebirges liegen Ohƙegraben (Egergraben) und Duppauer Gebirge . Nach Norden hin ist die Grenze unscharf, weil das Erzgebirge - als eindeutigster Vertreter der Pultschollengebirge - sehr flach abfĂ€llt. Geologisch lĂ€ĂŸt sich diese Grenze zwar feststellen - sie befindet sich wesentlich weiter nördlich auf der Höhe des Collmberges. Topographisch aber ist sie schwer zu definieren, da es keine klare landschaftliche AusprĂ€gung gibt. Man bezeichnet diese landschaftliche Übergangszone, die zwischen Zwickau und Chemnitz liegt, auch als Erzgebirgsvorland. Untergliedert wird das Gebirge meist in das West- und das Osterzgebirge, getrennt durch das Tal der Flöha. Seltener ist das Westerzgebirge noch einmal zusĂ€tzlich in West- und Mittelerzgebirge aufgeteilt.

Quellgebiet der Freiberger Mulde bei Moldau (Tschechien) im Osterzgebirge
Quellgebiet der Freiberger Mulde bei Moldau (Tschechien) im Osterzgebirge
Motiv an der Joachimsthaler Straße bei Breitenbrunn/Erzgeb.
Motiv an der Joachimsthaler Straße bei Breitenbrunn/Erzgeb.

Der Tradition folgend zĂ€hlt Zwickau noch zum Erzgebirge, Chemnitz liegt knapp außerhalb dessen und Freiberg wird wiederum dazugerechnet. Die mutmaßliche Grenze des Erzgebirges lĂ€uft dann sĂŒdwestlich Dresdens auf das Elbsandsteingebirge zu. Nördlich des Erzgebirges geht die Landschaft allmĂ€hlich in das SĂ€chsische HĂŒgelland und das SĂ€chsische Elbland ĂŒber. Die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland ( Sachsen ) verlĂ€uft meist nördlich des Erzgebirgskamms . Das Erzgebirge innerhalb der Mittelgebirgsschwelle zĂ€hlt einerseits zum Böhmische Masse genannten Gebirgsstock , der außerdem aus OberpfĂ€lzer Wald, Böhmerwald, Bayerischem Wald, Lausitzer Gebirge, Isergebirge , Riesengebirge und den innerböhmischen Gebirgen besteht. Gleichfalls bildet es mit OberpfĂ€lzer Wald, Böhmerwald, Bayerischem Wald, Fichtelgebirge, Frankenwald, ThĂŒringer Schiefergebirge und ThĂŒringer Wald einen ypsilonförmigen Gebirgskomplex, der zwar keinen Eigennamen trĂ€gt, klimatisch aber recht einheitlich zu bewerten ist.

Bemerkenswerte Erhebungen

siehe auch: Liste der Berge in Sachsen

Wichtige FlĂŒsse

siehe auch: Liste der GewÀsser in Sachsen

Klima

Das Klima der Erzgebirgs-Kammlagen ist rauh. Das obere Erzgebirge wird oft scherzhaft mit dem weiteren Beinamen "SĂ€chsisches Sibirien" bezeichnet. Die Temperaturen liegen das ganze Jahr ĂŒber erheblich niedriger, als man es vom Tiefland her gewohnt ist. Der Sommer ist merklich kĂŒrzer, kĂŒhle Tage sind auch in dieser Jahreszeit hĂ€ufiger. Die von Nordwest nach SĂŒdost ansteigende Pultscholle des Gebirges, die ein lang anhaltendes Abregnen als Stauregen bei West - und Nordwestwetterlagen ermöglicht, ruft eine im Vergleich zum Tiefland fast doppelt so hohe Niederschlagsmenge und eine mĂ€chtige und in vielen Jahren im Winter bis in den April anhaltende Schneedecke hervor. Die Kammlagen des Erzgebirges gehören zu den schneesichersten Gebieten der Mittelgebirge. Es können Föhnwinde , aber auch der so genannte Böhmische Wind bei besonderen SĂŒdwetterlagen auftreten. Aufgrund dieses Klimas und der großen Schneemengen gibt es bei Satzung im Bereich der Grenze zu Böhmen auf knapp 900 m ĂŒ. NN ein natĂŒrliches Latschen-Kiefern-Gebiet . Zum Vergleich: In den Alpen kommen Latschen erst ab 1.600 - 1.800 m ĂŒ.NN vor.

Mitteltemperatur Fichtelberg Oberwiesenthal Annaberg Chemnitz Leipzig
in °C				
Januar            -5,3        -4,0           -2,3     -1,2     0,2
Juni	          11,3        13,6           15,4     16,6    18,7
Jahr	           2,8         4,7            6,4      7,9     9,3
Mittlere 
Niederschlagssumme Fichtelberg Oberwiesenthal Annaberg Chemnitz Leipzig
in mm				
Januar	             85	         83	        74       43	  37
Juni	            123	        120	       112       90	  75
Jahr	           1094	       1073	       982      701      560
Temperaturdiagramm Erzgebirge
Temperaturdiagramm Erzgebirge
Niederschlagsdiagramm Erzgebirge
Niederschlagsdiagramm Erzgebirge

Geologische Beschreibung

Im oberen Westerzgebirge bei Oberwildenthal
Im oberen Westerzgebirge bei Oberwildenthal

Das Erzgebirge zĂ€hlt erdgeschichtlich zum Variszischen Gebirge und ist ein Pultschollengebirge , was durch eine ganze Reihe von FlusstĂ€lern, deren FlĂŒsse zur Mulde bzw. direkt zur Elbe entwĂ€ssern, durchschnitten wird. Es entstand durch einseitige Anhebung einer Scholle. Auf deutscher Seite steigt das Gebirge langsam an, auf tschechischer Seite fĂ€llt es steil ab. Sehr gut beobachten kann man dies auf dem MĂŒckentĂŒrmchen in einer Höhe von 807,5 m NN (tschechisch: Komáƙí vĂ­ĆŸka ) (östlich von Zinnwald auf tschechischer Seite), welches sich genau auf der Kante des Pultes befindet. Dem Erzgebirge nördlich vorgelagert, westlich von Chemnitz und um Zwickau liegt das, jedoch nur in geologischer Hinsicht bekannte, Erzgebirgische Becken . Hier befinden sich SteinkohlelagerstĂ€tten , in denen der Bergbau bereits aufgelassen worden ist. Ein Ă€hnliches, jedoch kleineres Becken mit aufgelassenen SteinkohlelagerstĂ€tten, das Döhlener Becken , befindet sich sĂŒdwestlich von Dresden am Nordrand des Osterzgebirges. Es bildet den Übergang zur Elbtalzone und ist gleichfalls vorwiegend in geologischer Hinsicht bekannt.

Das Erzgebirge ist geologisch als eines der weltweit am besten erforschten Gebirge zu sehen.

Wichtige vorkommende Gesteine : Glimmerschiefer , Phyllite und Granite mit Kontakthöfen im Westen, Basalt als Reste im Pleßberg (Plesivec), Scheibenberg, BĂ€renstein, Pöhlberg, Geisingberg sowie Gneise und Quarzporphyr (Kahleberg) im Osten. Die Böden , die im westlichen und mittleren Teil des Gebirges aus verwittertem Granit bestehen, bestehen aus Grus und werden schnell ausgelaugt. Phyllite ergeben einen lehmigen Boden. Schnell verwitternde Gneise im Osten des Gebirges ergeben einen leichten Boden. Die Bodennutzung besteht auf den UntergrĂŒnden aus Granit und Quarzporphyr aus Wald , auf den Gneisböden ist der Anbau von Flachs in frĂŒheren Jahrhunderten, spĂ€ter Roggen , Hafer und Kartoffeln bis in hohe Lagen möglich gewesen und betrieben worden. Heute ist die ĂŒberwiegende Nutzung WeidegrĂŒnland . Mehr und mehr trifft man aber naturnahe Bergwiesen an.

Wirtschaftsgeschichte

Darstellung des historischen Bergbaus auf dem Annaberger Bergaltar (1522)
Darstellung des historischen Bergbaus auf dem Annaberger Bergaltar (1522)
Nachbau eines Pferdegöpels und Huthauses in Johanngeorgenstadt
Nachbau eines Pferdegöpels und Huthauses in Johanngeorgenstadt
Technisches Museum Frohnauer Hammer
Technisches Museum Frohnauer Hammer

Mit dem Beginn der Besiedelung des Erzgebirges im 12. Jahrhundert wurden schließlich auch die ersten Silbererze in der Umgebung des heutigen Freiberg entdeckt. Berggeschrey erhob sich. Nahezu zeitgleich wurden auch die ersten Zinnerze am SĂŒdfuß des Erzgebirges entdeckt. Zinnkörner (Graupen) wurden im Seiffenbergbau gewonnen und gaben der böhmischen Bergstadt Graupen (tschech. Krupka) ihren Namen. Mit der weiteren Besiedlung des Erzgebirges wurden im 15. Jahrhundert schließlich neue, reiche Erzvorkommen um Schneeberg , Annaberg und St. Joachimsthal (JĂĄchymov) entdeckt. Seit der zweiten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts hielt auch die Glasfabrikation Einzug, als Ă€ltester GlashĂŒttenstandort gilt Ulmbach . Dieser holzintensive Wirtschaftszweig verlor jedoch mit der Zunahme des Bergbaus, der dem gegenĂŒber privilegiert war, an Bedeutung.

Das Zweite Berggeschrey erhob sich und löste eine gewaltige Besiedelungswelle aus. In kurzer Folge entstanden im ganzen Erzgebirge neue, planmĂ€ĂŸig errichtete BergstĂ€dte in der NĂ€he weiterer neu entdeckter Erzvorkommen. Typische Beispiele dafĂŒr sind die StĂ€dte Marienberg , Oberwiesenthal, Gottesgab (BoĆŸĂ­ Dar), Sebastiansberg (Hora Sv. Ć ebestiĂĄna), Platten (HornĂ­ BlatnĂĄ), und Johanngeorgenstadt. Dabei wurden zu dieser Zeit nur die Silber - und Zinnerze wirtschaftlich genutzt. Der Reichtum Sachsens wurde schließlich zu jener Zeit begrĂŒndet. Als MĂŒnzmetall wurde Silber vor Ort in den BergstĂ€dten zu Geld verarbeitet, berĂŒhmt geworden sind die in Joachimsthal geprĂ€gten (Joachims-)Thaler. Dieser Erzbergbau kam im 17. Jahrhundert weitgehend zum Erliegen. Durch den jetzt sehr stark zurĂŒckgehenden Bergbau, mussten sich die Erzgebirger neue Erwerbszweige suchen. Viele Einwohner waren in dieser Zeit schon in der Textilproduktion tĂ€tig. Da diese aber nicht zum Lebensunterhalt reichte, machten Sie sich Ihre FlexibilitĂ€t und Handwerklichkeit zu Nutze und siedelten die Holzwaren- und Spielzeugherstellung vor allem im Osterzgebirge an. Nach der Erfindung des Kobaltblaues lebte der Bergbau jedoch erneut auf. Vor allem in Schneeberg wurde nun Kobalt gefördert, der in den staatlichen Blaufarbenwerken zu Kobaltblau verarbeitet wurde. Es gelang das Produktionsgeheimnis fĂŒr lange Zeit zu wahren, so daß die Blaufarbenwerke fĂŒr ca. 100 Jahre das Weltmonopol innehatten. Ab ca. 1820 wurde in Johanngeorgenstadt auch Uranerz abgebaut, welches zur Farbenherstellung verwendet wurde. Noch reichere Vorkommen an Uranerz befanden sich jedoch in Joachimsthal. Doch gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau dann langsam zum Erliegen. Die immer kostenintensivere Wasserhaltung fĂŒhrte bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zum stĂ€ndigen RĂŒckgang der Ausbeuten trotz des Ausbaus der GrĂ€ben- und Röschensysteme fĂŒr die ZufĂŒhrung des erforderlichen Aufschlagwassers vom Kamm des Gebirges, wie zum Beispiel der Revierwasserlaufsanstalt des Freiberger Reviers oder dem Reitzenhainer Zeuggraben und dem Vortrieb tieferer Erbstolln. Nur wenige Gruben konnten ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum Ausbeute zahlen. Zu ihnen gehörte die HimmelsfĂŒrst Fundgrube bei Erbisdorf, die 1818 mit der Herausgabe ihres ersten Ausbeutetalers auf eine 50-jĂ€hrige kontinuierliche Gewinnphase zurĂŒckblickte, die bis 1848 andauerte. Durch reiche ErzanbrĂŒche wurde spĂ€ter die Himmelfahrt Fundgrube zur ertragreichsten Freiberger Grube im 19. Jahrhundert. Auch der Vortrieb des Rothschönberger Stollns als grĂ¶ĂŸten und bedeutendsten sĂ€chsischen Stolln, der der EntwĂ€sserung des gesamten Freiberger Reviers diente, konnte diese Entwicklung aufhalten. Noch vor der Fertigstellung dieser technischen Meisterleistung wurde 1871 im Deutschen Reich die GoldwĂ€hrung eingefĂŒhrt. Der dadurch einsetzende rapide Verfall des Silberpreises fĂŒhrte zur UnrentabilitĂ€t des gesamten erzgebirgischen Silberbergbaus, an dieser Situation konnten auch kurzzeitige reiche AnbrĂŒche einzelner Gruben oder der staatliche Aufkauf sĂ€mtlicher Freiberger Gruben und deren Einbringung in das 1886 gegrĂŒndete Staatsunternehmen der Oberdirektion der Königlichen Erzbergwerke nichts mehr Ă€ndern. 1913 wurden die letzten Silberbergwerke stillgelegt und das Unternehmen aufgelöst.

Zur Rohstoffgewinnung in den Kriegsjahren des 1. und 2. Weltkrieges wurde der Bergbau im Erzgebirge nochmals intensiviert. Dabei kam es wĂ€hrend des Dritten Reiches auch zur Wiederaufnahme des Silberbergbaus. Danach siedelte sich Holzwaren - und Spielzeugherstellung vor allem im Osterzgebirge an. Die Uhren industrie hat in GlashĂŒtte einen Schwerpunkt. Im Westerzgebirge waren wirtschaftliche Alternativen Maschinenbau und Textilindustrie . In den Jahren vor 1945 galten die Bergwerke in Joachimsthal als einzige Uranerzgrube der Welt. An Joachimsthaler Uran wird die RadioaktivitĂ€t durch Marie Curie entdeckt. Ende der 1930er Jahre wird schließlich nach der Entdeckung der Kernspaltung das Uranerz auch fĂŒr militĂ€rische Zwecke interessant. Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland 1938 wird die gesamte Produktion von Uran fĂŒr die Entwicklung von Kernwaffen beschlagnahmt. Nach dem Einsatz der amerikanischen Atombombe in Japan 1945 beginnt auch die Sowjetunion fieberhaft mit der Entwicklung solcher Waffen. Unmittelbar darauf beginnt unter dem Tarnnamen Wismut A.G. die Förderung von Uranerz fĂŒr die Sowjetunion im gesamten Erzgebirge. Zum dritten Mal in der Geschichte des Erzgebirges strömten Tausende von Menschen ins Erzgebirge, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Schwerpunkte des Abbaues waren Johanngeorgenstadt, Schlema und Aue. Auch im böhmischen Joachimsthal wurden die UranerzlagerstĂ€tten restlos fĂŒr die Sowjetunion ausgebeutet. Bis 1991 wurden Uranerze dann noch in Aue-Alberoda und Pöhla abgebaut. Der seit 1168 in Freiberg betriebene Bergbau wurde nach 800 Jahren schließlich 1968 beendet. In Altenberg und Ehrenfriedersdorf betrieb man bis 1991 Erzbergbau auf Zinnerz , Bleierz und Zinkerz . Die VerhĂŒttung dieser Erze fand in Freiberg bis Anfang der 1990er Jahre statt. Im westerzgebirgischen Pöhla wurden bei Erkundungsarbeiten in den 1980er Jahren fĂŒr die SDAG Wismut neue, reiche ZinnerzlagerstĂ€tten gefunden. Die damals entstandenen Versuchsabbaue gelten heute als die grĂ¶ĂŸten Zinnkammern in Europa. In Sankt Egidien befand sich ein Standort fĂŒr NickelverhĂŒttung . Ein weiterer bekannter Ort des Erzabbaus ist Seiffen. Das Dorf im Osterzgebirge ist heute Mittelpunkt der Holzwaren - und Spielzeugherstellung. Hier werden RĂ€uchermĂ€nner, Nussknacker, Schwibbögen , Weihnachtspyramiden und Spieldosen aus Holz gefertigt. Bei Zwickau, Lugau/Erzgeb., Oelsnitz/Erzgeb. sowie bei Freital wurde bis in das vorletzte Drittel des 20. Jahrhunderts Steinkohle abgebaut.

Das bis vor ĂŒber 800 Jahren ( 11. Jahrhundert ) noch vollstĂ€ndig mit Wald (Miriquidi) bestandene Gebirge ist durch Bergbau und Besiedlung fast vollstĂ€ndig zur Kulturlandschaft umgestaltet worden. Bis in hohe Lagen des Gebirges ist die Bevölkerungsdichte hoch und mit Oberwiesenthal liegt im Erzgebirge die höchstgelegene Stadt Deutschlands. Nur in den relativ unzugĂ€nglichen, klimatisch ungĂŒnstigeren Kammlagen, findet man noch grĂ¶ĂŸere zusammenhĂ€ngende Waldgebiete, die allerdings seit dem 18. Jahrhundert forstwirtschaftlich genutzt werden ( Monokultur von Fichten ). Bedingt durch den hohen Bedarf des Bergbau und HĂŒttenwesens an Grubenholz und Brennstoffen erfolgten seit dem 12. Jahrhundert großflĂ€chige Abholzungen, auch die landesherrlichen WĂ€lder konnten dem wachsenden Holzbedarf nicht mehr decken. Zum Erhalt der WĂ€lder wurde seit dem 18. Jahrhundert die Verwendung von Kohle als Brennstoff gefördert und im 19. Jahrhundert schließlich anbefohlen. In den 1980er Jahren wurden bei Altenberg und bei Reitzenhain erste Anzeichen von Waldsterben festgestellt, doch bereits seit dem 19. Jahrhundert waren örtliche SchĂ€den an den WĂ€ldern durch HĂŒttenrauch sichtbar geworden.

Tourismus

Erzgebirge bei Altenberg im Winter
Erzgebirge bei Altenberg im Winter

Als am Ende des 19. Jahrhunderts auch das obere Erzgebirge durch die Eisenbahn erschlossen wurde, entwickelte sich der Fremdenverkehr. BerggasthĂ€user wurden auf den höchsten Erhebungen errichtet und Skisportler entdeckten schon damals die schneesicheren Kammlagen. Heute sind die aus dieser Zeit stammenden mit Dampflokomotiven betriebenen Schmalspurbahnen beliebte Touristenattraktionen. Mit der Fichtelbergschwebebahn entstand 1924 die erste Seilschwebebahn in Deutschland, die bis auf den heutigen Tag Besucher auf den höchsten Berg Sachsens bringt. Mit dem Kammweg wurde schließlich einer der ersten Fernwanderwege geschaffen. Dieser fĂŒhrte einst vom Hainberg bei Asch ĂŒber das Erzgebirge, die Böhmische Schweiz und das Lausitzer Gebirge bis zur Schneekoppe im Riesengebirge . Heute existiert nicht nur ein dichtes Netz von Wanderwegen, sondern auch ausgedehnte Loipennetze und Abfahrtspisten fĂŒr den Wintersport. Mit der Skimagistrale Erzgebirge/KruĆĄnĂ© hory gibt es dabei eine deutsch/tschechische Skiwanderstrecke ĂŒber den gesamten Erzgebirgskamm.

In Anlehnung an die historische Silberstraße wurde nach 1990 eine, zwischen Zwickau und Dresden das ganze Erzgebirge durchquerende, Touristenstraße geschaffen, die alle bedeutenden SehenswĂŒrdigkeiten erschließt. Zu diesen gehören neben Besucherbergwerken, Bergbaulehrpfaden und einer Vielzahl von technischen und heimatkundlichen Museen vor allem die mittelalterlichen Stadtzentren der alten BerstĂ€dte und ihre bedeutenden Sakralbauten wie der Freiberger Dom, die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz oder die Schneeberger St. Wolfgangskirche.

In der Advents- und Weihnachtszeit ist das Erzgebirge mit seinen Traditionen, den weitbekannten WeihnachtsmĂ€rkten und großen Bergparaden ein beliebtes Reiseziel fĂŒr Kurzurlauber.

Seit 2004 wird durch den Tourismusverband Erzgebirge die ErzgebirgsCard angeboten. Mit dieser Karte können ĂŒber 100 Museen und andere SehenswĂŒrdigkeiten kostenlos besichtigt werden.

Annaberg-Buchholz, St.Annenkirche
Annaberg-Buchholz, St.Annenkirche

Bevölkerung

Im Erzgebirge leben je nach dessen genauer Abgrenzung zwischen 800.000 und ĂŒber 1,2 Millionen Menschen. Zu den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten gehören Freiberg (42.000), Annaberg-Buchholz (23.000) und Aue (19.000), sowie Teplice (55.000), Chomutov (55.000), Most (68.000) und Karlovy Vary (52.000) auf tschechischer Seite. Bereits seit mehreren Jahrhunderten gehört es zu den am dichtesten besiedelten Gebirgsregionen Europas, was primĂ€r auf seine Tradition als Erzabbaugebiet zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte befinden sich mehrheitlich am SĂŒdhang des Erzgebirges. Auf deutscher Seite nimmt die Bevölkerungsdichte vom Westerzgebirge (Kreis Aue-Schwarzenberg), mit seinen vielen kleineren StĂ€dten, hin zum lĂ€ndlichen Osterzgebirge bestĂ€ndig ab. Die Bevölkerung hat seit der Wiedervereinigung um durchschnittlich 10% bis 15% abgenommen, was auf die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage zurĂŒckzufĂŒhren ist. Im Jahr 2004 betrug die Bevölkerungsdichte etwa 210 Einwohner je kmÂČ (etwa Bundesschnitt), welche auf Grund der Abwanderung und eines starken SterbeĂŒberschusses aber weiter fallen kann.

Religion

Etwa 42% der Bevölkerung des deutschen Erzgebirges gehören der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche an. Zudem sind aber auch weitere christliche Kirchen, wie die Römisch-Katholische Kirche und vor allem verschiedene christliche Freikirchen wie die Evangelisch-methodistische Kirche , teilweise stark vertreten. Die böhmische Seite des Gebirges ist hingegen vorrangig katholisch geprÀgt.

Kultur

Die Kultur des Erzgebirges wurde vor allem durch den, seit dem Mittelalter betriebenen, Bergbau nachhaltig geprĂ€gt. Der Besucher erkennt dies bereits bei seiner Ankunft durch die hier alltĂ€glich benutzte BegrĂŒĂŸungsformel "GlĂŒck Auf!". Das Erzgebirge hat seinen eigenen Dialekt , das Erzgebirgische, das an der Schnittstelle von Oberdeutsch zu Mitteldeutsch steht und deshalb nicht einheitlich ist.

Überregional bekannt sind auch die vielfĂ€ltigen erzgebirgischen WeihnachtsbrĂ€uche , insbesondere in Form von traditionellem Weihnachtsschmuck wie RĂ€uchermĂ€nnchen , Weihnachtspyramiden, Schwibbogen oder Bergmanns- und Engelfiguren. Vor allem im Oberen Erzgebirge verwandeln sich in der Weihnachtszeit die StĂ€dte und Dörfer mit ihren geschmĂŒckten Fenstern in ein Lichtermeer. Aber auch die ĂŒberall zu Weihnachten stattfindenden Christmetten ziehen durch ihren Bekanntheitsgrad verschiedenerorts viele Besucher an.

Musikalische Botschafter des Erzgebirges waren zu Anfang des 20. Jahrhunderts Anton GĂŒnther und Hans Soph . Erzgebirgische Mundartlieder wurden auch spĂ€ter durch viele Heimatgruppen verbreitet. Zu den bekanntesten zĂ€hlten die Preßnitzer Musikanten , Geschwister Caldarelli , Zschorlauer Nachtigallen sowie Joachim SĂŒĂŸ und sein Ensemble. Heute sind es vor allem De Randfichten, die erzgebirgisch gesungene Lieder bekannt machen.

Interessant ist auch die erzgebirgische KĂŒche, die reich an Traditionen ist.

siehe auch: Liste der Landschaften in Sachsen

Literatur

  • Harald HĂ€ckel, Joachim Kunze: Unser schönes Erzgebirge. 4. Aufl. HĂ€ckel 2001. ISBN 3980368009
  • NN: Erzgebirge, Vogtland, Chemnitz. HB Bildatlas, Heft Nr. 171. 2., akt. Aufl. 2001. ISBN 3616062713
  • Bernd Wurlitzer: Erzgebirge, Vogtland. Marco Polo ReisefĂŒhrer. 5., akt. Aufl. Mairs Geographischer Verlag 2001. ISBN 3829700059
  • NN: Kompass Karten: Erzgebirge West, Mitte, Ost. Wander- und Radwanderkarte. GPS kompatibel. 1:50.000. Kompass Verlag 2002. ISBN 3854919549
  • NN: Das Gesicht der Erde, Band I, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1970

Weblinks

Wiktionary: Erzgebirge – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Wikipedia

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