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Letzte Änderung für Artikel Sebastian Kneipp: 14.02.2006 11:31

Sebastian Kneipp

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Sebastian Kneipp
Sebastian Kneipp

Sebastian Kneipp (* 17. Mai 1821 in Stephansried; ‚Ć 17. Juni 1897 in W√∂rishofen) war ein bayerischer Priester und Hydrotherapeut . Er ist der Namensgeber der Wasserkur bzw. des Wassertretens und Begr√ľnder der Kneipp-Medizin . In seiner Lehre vertritt er mit den 5 S√§ulen den ganzheitlichen Ansatz der Medizin, bei dem K√∂rper, Geist und Seele im Gleichgewicht stehen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 im schw√§bischen Stephansried geboren. Sein Vater, Xaver Kneipp, war Weber , er hatte zwei Halbschwestern und zwei leibliche Schwestern. Seine Familie war arm, so dass er beim Vater am Webstuhl oder als Viehhirte des Dorfes aushelfen musste. Von 1827 bis 1833 besuchte Sebastian Kneipp die Dorfschule in Stephansried und von 1833 bis 1839 die Sonn- und Feiertagsschule in Ottobeuren. Nachdem sein Elternhaus abbrannte und somit seine Ersparnisse in der H√∂he von 70 Gulden verloren gingen, verlie√ü er den Heimatort und fand eine Anstellung als Knecht in Bad Gr√∂nenbach. Ein weitl√§ufiger Verwandter, Kaplan Dr. Matthias Merkle, nahm sich Kneipp an und unterrichtete ihn in Latein und bereitete ihn aufs Gymnasium vor. 1844 wurde er in das Gymnasium zu Dillingen aufgenommen. 1848 begann er ein Studium der Theologie in Dillingen und erf√ľllte somit seinen Kindheitswunsch. W√§hrend dieser Zeit lernte er auch Christoph Ludwig Koeberlin kennen.

Die Entdeckung der Wasserkur

1849 erkrankte Kneipp an Tuberkulose und wurde von seinem behandelnden Arzt praktisch aufgegeben. Er entdeckte zufällig das Buch "Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers" von Johann Siegmund Hahn , welches ihm ermöglichte sich mittels einer Wasserkur selbst zu heilen. Teile dieser Kur beinhalteten Tauchbäder in der eiskalten Donau.

1850 erhielt er einen Freiplatz am Georgianum in M√ľnchen und setzte dort sein Studium fort. T√§gliche Wasseranwendungen waren inzwischen zum festen Bestandteil seines Lebens geworden. Er las B√ľcher √ľber Wasseranwendungen, besuchte den "Verein der Wasserfreunde" und erfuhr dort von Prie√ünitz und Gr√§fenberg, die schon seit 30 Jahren mit Wasser kurierten.

1852 bestand er die ärztliche Untersuchung zur Priesterweihe . Sein Mitstudent Langmeyer fiel aber durch. Kneipp behandelte ihn heimlich mit einer Wasserkur, so dass er letztendlich doch zugelassen wurde. Daneben behandelte er auch andere Kommilitonen erfolgreich. Am 6. August 1852 weihte man ihn zum Priester. Er bekam eine Stellung als Kaplan in Boos (Schwaben).

Erste Widerstände

Im Februar 1853 kam es zur ersten Anzeige wegen "Kurpfuscherei", da er eine cholerakranke Magd mit heißen Wickeln behandelt hatte. Zwar erhielt er eine Polizeistrafe von zwei Gulden wegen "Vergehens gegen das Kurierverbot", ironischerweise stellte er aber auch dem urteilenden Richter eine Kuranweisung gegen Gicht aus.

1854 klagte ein Apotheker aus Babenhausen Kneipp wegen "Gewerbebeeintr√§chtigung und Sch√§digung" an. Kneipp legte dem Gericht dar, er habe stets nur Menschen behandelt, die nach jahrelanger Behandlung bei √Ąrzten und Apothekern keine Hilfe gefunden h√§tten oder die einfach kein Geld h√§tten, sich einen Arzt zu leisten. Er musste daraufhin eine Erkl√§rung unterschreiben, "f√ľrder auch solchen Ungl√ľcklichen nicht mehr zu helfen, die angeblich keine √§rztliche Hilfe mehr fanden". Im selben Jahr brach eine Cholera epidemie in M√ľnchen aus und verbreitete sich in ganz Oberbayern und Schwaben . Kneipps Vater war eines der ersten Todesopfer der Cholera in Stephansried. Als die Krankheit auch in Boos ausbrach, handelte Kneipp gegen die Unterlassungserkl√§rung und heilte zweiundvierzig erkrankte Personen. Der Generalvikar beim Bisch√∂flichen Ordinariat wurde aufmerksam und zog Erkundigungen √ľber ihn ein. In der Bev√∂lkerung nannte man Kneipp den "Cholera-Kaplan". So wurde er Ende 1854 nach Augsburg versetzt.

Ankunft in Wörishofen

Im Mai 1855 wurde er Beichtvater eines Dominikanerinnenklosters in Wörishofen. Unter seinem Einfluss änderte sich dort das Leben. Die Nonnen mussten auf dem Feld arbeiten und er machte aus der klösterlichen Landwirtschaft einen Großbetrieb. Unterdessen kamen immer mehr Hilfesuchende nach Wörishofen, zunehmend auch aus wohlhabenderen Kreisen.

Wörishofen wird zum Kurort

Im folgenden Jahrzehnt gab es während der Sommer nun in Wörishofen zunehmend mehr Kurgäste. Die örtliche Gastronomie entwickelte sich allmählich und es wurden Gasthäuser errichtet. Kneipp wurde auch mehrere Male von schulmedizinischer Seite verklagt wegen seiner umstrittenen Methoden.

Als 1871 Wilhelm von Preu√üen deutscher Kaiser wurde, wurde Kneipps Freund und F√∂rderer Prof. Dr. Merkle Abgeordneter im Reichstag . Mittlerweile hatte auch in Deutschland die Landflucht eingesetzt. Das veranlasste Kneipp, sein erstes Buch zu schreiben, in dem er eine Lanze f√ľr die Landwirtschaft brach.

1873 traf bei Kneipp ein Schreiben Merkles ein, in dem dieser mitteilte, dass r√ľckwirkend zum 1. Januar 1873 auch in Bayern die Kurierfreiheit gelte. Jedoch √Ąrztevereinigungen und medizinische Kreise der Hochschulen wandten sich gegen das neue Gesetz, Kneipp r√ľckte ins Zentrum dieser Diskussion. Trotz der Kritik an Kneipp kamen immer mehr Kurg√§ste nach W√∂rishofen.

1883 kam Dr. Bernhuber, ein junger Arzt aus T√ľrkheim, nach W√∂rishofen und sprach mit Kneipp, blieb aber skeptisch. 1884 kam er wieder, dieses Mal mit der Bitte hospitieren zu d√ľrfen. Kneipp bot ihm spontan die Zusammenarbeit an und Bernhuber ging darauf ein. Sie f√ľhrten nun die t√§gliche Sprechstunde gemeinsam. Kneipp verfasste zu dieser Zeit auch "Meine Wasserkur". Das Buch erschien dann 1886 und sollte sein Standardwerk werden.

Im August 1889 gab es 4.000 Heilsuchende in W√∂rishofen. Es kamen so viele G√§ste, dass diese teilweise in umliegenden D√∂rfern untergebracht werden mussten. Kneipp schrieb ein zweites Buch mit dem Titel "So sollt ihr leben!". Im Herbst dieses Jahres lie√ü sich Prinz Rupprecht von Bayern, der als Chef des 10. Regiments nahe Augsburg im Man√∂ver war, von Kneipp G√ľsse verabreichen. Ihm folgten weitere Adelige und hohe Geistliche.

Es wurden immer mehr Badehäuser in Wörishofen errichtet. Im Sommer 1890 waren 6.000 Gäste in Wörishofen. Kneipp hielt nun täglich öffentliche Gesundheitsvorträge, in denen er sich gegen die moderne, krankmachende Lebensweise aussprach.

Am 14. Dezember 1890 gr√ľndete der Verleger Ludwig Auer aus Donauw√∂rth den ersten Kneipp-Verein. Kneipp selbst war Ehrenpr√§sident. Schon einen Monat sp√§ter brachte Auer die erste Ausgabe der heute noch monatlich erscheinenden Kneippbl√§tter (heute: Kneipp-Journal, Hrsg. Kneipp-Bund e.V., Bad W√∂rishofen) heraus.

Im Dezember 1890 trat B√ľrgermeister Birk, der gegen den Ausbau W√∂rishofens zum Kurort war, von seinem Amt zur√ľck. Sein Nachfolger Augustin Huber war ein Bef√ľrworter Kneipps, so dass nun auch mit Unterst√ľtzung des Gemeinderates der Kurbetrieb organisiert wurde. B√ľrgersteige und eine Wasserleitung wurden angelegt. Kneipp bestand vehement auf der Einrichtung einer karitativen Abteilung und legte Wert darauf, dass mittellose Kranke und Waisenkinder weiterhin kostenlos behandelt wurden.

Kneipp wird europaweit bekannt

In den n√§chsten Jahren bereiste Kneipp in Begleitung von Pfarrer Aloys St√ľckle fast ganz Europa. Eine seiner Reisen f√ľhrte ihn auch nach Ungarn , wo er Erzherzog Joseph von √Ėsterreich und Ungarn behandelte. Dieser war es dann auch, der sich ein Jahr sp√§ter beim Papst in Rom f√ľr Kneipp einsetzte.

Im August 1892 traf Dr. Alfred Baumgarten in Wörishofen ein. Dieser wurde mit Zustimmung des Kneippvereins als bleibender Badearzt mit fixem Gehalt und der Verpflichtung, arme Patienten kostenlos zu behandeln, eingestellt.

Zwei Monate sp√§ter trafen Prior Bonifaz Reile und die ersten Pater der Barmherzigen Br√ľder aus Neuburg ein. Die Barmherzigen Br√ľder spielten nun eine immer gr√∂√üere Rolle bei der Unterst√ľtzung Kneipps. Das Kurhaus unter der Leitung von Prior Reile entwickelte sich mehr und mehr zum Mittelpunkt des Kurbetriebes. Kneipp hielt seine Sprechstunden nun dort. Immer mehr Br√ľder wanderten zu und so kam es endlich zur v√∂lligen Entlastung der Dominikanerinnen, womit dann auch der letzte Einwand des Bisch√∂flichen Ordinariats beseitigt war. Im Jahr 1893 z√§hlte W√∂rishofen insgesamt 33.130 Kurg√§ste sowie √ľber 100.000 "sonstige Zul√§ufer und Passanten".

Audienz beim Papst

Ende 1893 wurde Kneipp von Papst Leo XIII. zum " Monsignore " ernannt, heute die ehrende Bischofs-Anrede. Im darauffolgenden Jahr reiste Kneipp nach Rom und erhielt eine Audienz beim Papst. Der Papst ließ sich von Kneipp behandeln und schenkte ihm zum Abschied eine goldene Medaille.

Hetze gegen Kneipp

1894 wurde der "Internationale Verband der Kneipp√§rzte" unter Vorsitz von Dr. Alfred Baumgarten gegr√ľndet. Ende des Jahres erschien in Zusammenarbeit mit Dr. Baumgarten "Mein Testament". Trotz aller Erfolge h√∂rten die Anfeindungen nie auf. In den vergangenen Jahren war es zu mehreren Brandstiftungen in W√∂rishofen gekommen, auf das Kurhaus, die Redaktion der Kneippbl√§tter und weitere Einrichtungen. Die Presse, insbesondere die "Augsburger Abendzeitung" und die "Leipziger Volkszeitung", hetzten gegen Kneipp, warfen ihm Profitgier und sogar die "Verwahrlosung der zur Pflege anvertrauten Kinder" vor.

Die letzten Jahre

Im Sommer 1894 zeigte Kneipp erste Anzeichen von Schw√§che. Er erholte sich und ging bereits im Herbst 1896 wieder auf Vortragsreise. Anfang 1897 jedoch war er schon so angegriffen, dass er seine Wasserg√ľsse nicht mehr selbst vornehmen konnte. Man stellte einen schnell wachsenden Tumor im Unterleib fest, der auf die Gef√§√üe dr√ľckte. W√§hrend er krank im Bett lag, stritten sich bereits die "Laienbewegung" und die "√Ąrztefraktion" um sein Erbe. Kneipp selbst verbrachte nun die meiste Zeit in seinem Zimmer und lie√ü sich mit Wasseranwendungen behandeln. Zahlreiche √Ąrzte kamen zu ihm und untersuchten ihn, jedoch lehnte er die einzig hilfreiche Methode, eine Operation, ab. Er starb am 17. Juni 1897.

Wirkung nach dem Tod

Unter dem Dachverband des Kneippbundes existieren heute in Deutschland √ľber 660 Kneippvereine mit ca. 160.000 Mitgliedern. Die B√ľcher von Sebastian Kneipp erreichten Millionenauflagen und werden auch heute noch verlegt. Im Jahre 1920 erhielt W√∂rishofen das Pr√§dikat "Bad" verliehen. Neben Bad W√∂rishofen gibt es in Deutschland noch zahlreiche weitere Kneippkurorte. Die Kneipp-Medizin und Kneippkur werden heute auch von der Schulmedizin anerkannt und als begleitende Therapie eingesetzt.

Quellen und Literatur

  • Eugen Ortner: Sebastian Kneipp ‚Äď Seine Lebensgeschichte Ehrenwirth Verlag, 12. Auflage 1994, ISBN 3-431-02659-1

Verfilmungen

  • Im Jahr 1958 verfilmte der Regisseur Wolfgang Liebeneiner das Leben des Kneipp unter dem Titel Der Wasserdoktor, mit bekannten Schauspielern wie Carl Wery, Paul H√∂rbiger und Gerlinde Locker .

Siehe auch

  • Humoralpathologie , Kneipp√ĄRZTEbund , Kneippkur

Weblinks

Wikiquote: Sebastian Kneipp ‚Äď Zitate

Wikipedia

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