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Letzte Änderung für Artikel Homberger Synode: 11.02.2006 20:24

Homberger Synode

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Philipp der GrossmĂŒtige
Philipp der GrossmĂŒtige

Die Homberger Synode fand 1526 in Homberg/Efze statt. An ihr nahmen Vertreter der Geistlich- und der Weltlichkeit der Landgrafschaft Hessen teil, um die Notwendigkeit der EinfĂŒhrung des protestantischen Glaubens in jenem Territorium zu besprechen. Initiator der Versammlung war der damalige Landgraf Philipp I..

Inhaltsverzeichnis

Anlass

Auf dem Reichstag zu Speyer im Jahr 1526 hob Kaiser Karl V. das Wormser Edikt, das er fĂŒnf Jahre zuvor auf dem Reichstag zu Worms erlassen hatte, auf. Es verbot die Verbreitung der Lehren Martin Luthers . Somit gewĂ€hrleistete er nun den FĂŒrsten die Wahl, welchen Glauben sie in ihrem FĂŒrstentum zum gesetzmĂ€ĂŸigen erheben wollen ( cuius regio, eius religio ). Der Landgraf hatte das Recht eigenstĂ€ndig die Religion in seinem Territorium festzulegen, doch er hielt sich an die biblischen Lehren, die besagen, dass wichtige Entscheidungen stets von den „ Aposteln und Ältesten“ diskutiert werden. Somit berief er eine Synode in der Homberger Kirche St. Marien ein, auf der die FĂŒhrenden der Grafschaft die Möglichkeit einer neuen reformierten Kirchenordnung besprechen sollten. Homberg war zur damaligen Zeit Knotenpunkt vieler Handelswege und bot zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem hatten auch schon in den Jahren 1508 , 1509 , 1514 und 1518 Landtage in der prachtvollen Kirche stattgefunden, so dass die Wahl Hombergs als Austragungsort keineswegs zufĂ€llig war. Zu den geladenen zĂ€hlten PrĂ€late , Äbte , Ordens- und Weltgeistliche , die Ritterschaft und die Vertreter der StĂ€dte .

Vorbereitungen

Landgraf Philipp plante neben der Reformation auch weitere Neuordnungen. So wollte er die kirchlichen Vermögen neu einrichten und das Pfarr-, Armen- und Schulwesen reformieren. Zur Seite stand ihm bei diesem Unterfangen sein französischer Berater Franz Lambert von Avignon . Dieser teilte mitunter Philipps Ansicht, man mĂŒsse auch die Meinung der weltlichen und geistlichen StĂ€nde einholen. Am 5. Oktober lud Philipp die geschicktesten Konventspersonen der Klöster ein, um am 20. Oktober an der Synode in der Homberger Kirche St. Marien teilzunehmen. Am Tag darauf folgten Einladungen an die Altaristen ( Kaplan oder Vikar ) und Pfarrer , die durch BĂŒrgermeister , StadtrĂ€te und Rentmeister ĂŒberbracht wurden.

Die Einladung hatte folgenden Wortlaut:

„Liebe Getreuen, wir haben vor, mit allen unseren Untertanen Geistlichen und Weltlichen Standes, in den Christlichen Sachen und Zwyspalten durch Gnade des AllmĂ€chtigen zu handeln und uns darzu endlich und eintrĂ€chtiglich entschlossen; begehren wir darum an Euch ernstlich, ihr wollet das allen Pfarrherren und Altaristen in eurem Ambt ansagen und verkĂŒndigen, daß sie auf negsten Samstag nach Galli zu Homberg in Hessen einkommen, geschickt, ob sie wollen Grund und Wissenschaft nach Göttlicher Geschrift anzeigen. Das wollen wir uns also verstehen. Datum Cassel, Samstag nach Francisci anno 26.“

Franz Lambert hatte den Auftrag bekommen GrundsĂ€tze fĂŒr das Homberger GesprĂ€ch zu verfassen. Er nannte seine Thesen Paradoxa, was wohl von den WidersprĂŒchen zwischen der alten und der neuen Ordnung herrĂŒhrt. Am 10. Oktober erhielten die Klöster eine weitere Einladung, dass sie sich schon am 19. Oktober in Homberg einfinden sollten, um zu Lamberts Thesen, die noch nirgends bekannt gemacht worden waren, Stellung zu nehmen. Nach der Synode veröffentlichte er sie in einem Buch mit kurzen ErlĂ€uterungen. Es handelte sich um 158 Thesen und 47 AnhĂ€nge, die in 23 Gruppen unterteilt wurde. Jede Gruppe trug eine adĂ€quate Überschrift, die den Inhalt zusammenfassen verdeutlichen sollte. Zudem enthielt die in Latein abgefasste Schrift (Lambert war des Deutschen nicht mĂ€chtig) eine ausfĂŒhrliche Einleitung und ein kurzes Fazit.

Lamberts Thesen – Themen der Synode

Der folgende Abschnitt beschreibt die wichtigsten Thesen Lamberts. Er soll verdeutlichen, worĂŒber damals entschieden werden sollte. Die 23 Überschriften werden Tituli genannt.

Titulus 1: Alle MissbrĂ€uche mĂŒssen abgestellt werden, und wodurch
Die Kirche sollte nach Gottes Wort regiert werden, da es nur auf diese Weise mit rechten Dingen zugehen könnte. Die MissbrÀuche sollten daher abgestellt werden, indem alles nach seinem Wort gerichtet werden sollte.

Titulus 2: Durch wen die Verbesserung der MissbrÀuche erfolgen muss
Die Bischöfe der Kirchen galten als Diener des Wortes und standen daher in der Pflicht die Regeln so zu Ă€ndern, dass sie mit Gottes Wort ĂŒbereinstimmten. Die FĂŒrsten sollten ihnen dabei helfen und sollten sicherstellen, dass auch weiterhin danach gelebt wurde. Dies sollten sie mit „starker Hand“ tun.

Titulus 3: Wer Richter ist in Glaubensdingen
Die Kirche sollte in Glaubensfragen entscheiden, da sie den direkten Draht zu Gott hatte. Die weltlichen Obrigkeiten sollten darauf achten, dass diese Anleitungen auch befolgt wurden.

Titulus 4: Von der Kirche Gottes und der Synagoge Satans
Der christlichen Gemeinde gehören all die an, die einen Glaube, einen Geist, eine Taufe, einen Gott, einen Mittler (Jesus) und ein Wort (Bibel) haben. Auf wen diese Beschreibung nicht zutrifft, gehört zur Gemeinde des Bösen, die Christus Synagoge des Satans nennt.

Titulus 5: Von den SchlĂŒsseln Christi und seiner Kirche
Die drei SchlĂŒssel Christi sind die Gewalt Christi, mit der er in seine Kirche aufnimmt und aus ihr vertreibt, der Geist Christi, mit dessen Hilfe die Geheimnisse der Schrift Gottes erschlossen werden, und das Evangelium, das der SchlĂŒssel zum Himmelreich sein soll. Diese drei SchlĂŒssel waren von Menschen erdacht und sollten abgeschafft werden.

Titulus 6: Vom wahren Priestertum
Die Hohepriester sollten abgeschafft werden, da Christus das alleinige Haupt der Kirche ist.

Titulus 7: Vom immerwÀhrenden Opferdienst der Kirche Gottes
Der Opferdienst stellt die bestĂ€ndige Kreuzigung und Tötung des alten Menschen, damit er in Christus erneuert wird. Dieser Opferdienst galt als ĂŒberaus nĂŒtzlich, da er schon seit Jahrhunderten Ketzer ausrottet.

Titulus 8: Vom Abendmahl und von der Messe
Das Abendmahl, das zuvor als abermalige Opferung Christi galt, was die Reformatoren als ketzerisch und gottlos empfanden, sollte fortan nur noch als Erinnerung an dieses Ereignis abgehalten werden. Zudem sollte die Messe in der Landessprache gehalten werden, damit auch diejenigen, die nicht dem Lateinischen mÀchtig sind, sie verstehen können.

Titulus 9: Vom falschen und fleischlichen Priestertum
Die Meinung, Priester in Folge von Salbungen als höherstehend anzusehen, galt als ĂŒberholt.

Titulus 10: Von den Bildwerken und Bildern oder Abgöttern
Sofern Bilder nicht angebetet werden, sind sie erlaubt. Ist dies jedoch der Fall, sollen sie vernichtet werden.

Titulus 11: Von den Dienern der Kirche, ihrer Stellung und den Pflichten der GlÀubigen gegen sie
Bischöfe und Diakone sollen sich nur auf ihr geistliches Amt konzentrieren und nicht weltliche Ämter annehmen.

Titulus 12: Von dem gottlosen Zölibat und dem heiligen Ehestand
Das Verbot fĂŒr Mönche und Nonnen, nicht heiraten zu dĂŒrfen, sollte nicht weiter zulĂ€ssig sein.

Titulus 13: Von dem Fegefeuer

Titulus 14: Von den Zeremonien

Titulus 15: Von den aberglĂ€ubischen Weihungen des Wassers , Brotes , der FrĂŒchte und alldergleichen

Titulus 16: Von der Tempel , AltÀre und Menschen Weihungen und Salbungen
Die Weihung von Kirchen wird als unsinnig angesehen und soll die Menschen nur tÀuschen.

Titulus 17: Von den BegrÀbnissen
Das Einziehen in das Himmelreich ist nicht abhÀngig vom Ort des BegrÀbnisses, sei es nun ein Friedhof oder ein gewöhnliches Feld.

Titulus 18: Von dem Bekenntnis des göttlichen Namens und der Art zu singen

Titulus 19: Von der Taufe
Die Taufe gilt als Zeichen fĂŒr die Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Schon kleine Kinder sollen getauft werden, sogar solche mit Behinderungen.

Titulus 20: Von dem wahren und falschen Gottesdienst

Titulus 21: Daß Gott allein durch den einigen FĂŒrsprecher und Mittler Jesus Christus angerufen werde.
Wenn man Hilfe erhalten will, soll man nicht irgendwelche Heilige anbeten, sondern denjenigen, der ihnen ihre Heiligkeit verlieh, also Gott.

Titulus 22: Von dem Glauben , der Gerechtigkeit und deren FrĂŒchten und der Freiheit der GlĂ€ubigen.
Es soll den GlÀubigen freigestellt sein, wie sie sich zu kleiden oder wann sie zu fasten haben, weil sÀmtliche EinschrÀnkungen eine ungehinderte Auslebung des Glaubens und der NÀchstenliebe unmöglich machen.

Titulus 23: Vom Mönchtum
Es gibt keine Sekten , da die Kirche in einem Wort, einem Gott, einem Mittler und einem Wort vereinigt ist.

Diese Thesen hatte Lambert innerhalb von drei Wochen erarbeitet. Aus ihnen spricht keine tiefe Gelehrsamkeit, aber eines wird stark verdeutlicht: die Konfrontation mit den AltglĂ€ubigen und die BegrĂŒndung einer Neuordnung, deren Grundlage die Bibel sein soll. Einer seiner einflussreichsten Helfer beim Erstellen der Paradoxa war Adam Krafft , einer der wichtigsten Berater Philipps.

Verlauf

Stadtkirche St. Marien
Stadtkirche St. Marien

21. Oktober

Die Synode begann am Sonntag , den 21. Oktober in der Homberger Stadtkirche. Neben den Geladenen waren sicherlich auch einige neugierige Homberger BĂŒrger anwesend. Die Eröffnungsrede hielt im Namen des Landgrafen der Kanzler Johann Feige . Er sagte, dass in Fragen der Religion eine Verwirrung entstanden sei, da einige Landeskinder die neue Lehre eingenommen hĂ€tten, andere jedoch nicht. Daher habe man es wie in der „Urgemeinde“ zu handhaben und eine Versammlung der GlĂ€ubigen einzuberufen, die den rechten Sinn erforschen solle. Die Vertreter der Geistlichkeit und der StĂ€nde hĂ€tten nun das von Kaiser Karl V. verliehene Recht, das Problem nĂ€her zu diskutieren. Als Grundlage diene die Paradoxa von Lambert, zu denen sich jeder Ă€ußern dĂŒrfe, jedoch stets freundlich und christlich. Zudem hatte der Landgraf allen Anwesenden freies Geleit zugesichert. Die Thesen Lamberts werden zunĂ€chst auf Latein von ihm selbst und danach fĂŒr alle Nichtkundigen der lateinischen Sprache auf Deutsch von Adam Krafft vorgetragen. In der darauf folgenden Aussprache sollten alle Lateinkunden sich an Lambert, alle anderen hingegen an Krafft wenden.

Danach verlas, erlĂ€uterte und begrĂŒndete Lambert aus der Bibel seine GrundsĂ€tze zur Reformation, was mehrere Stunden in Anspruch nahm. Am Nachmittag folgte Kraffts Übersetzung des Ganzen. Im Anschluss forderte er zu Gegenmeinungen auf, doch lediglich der Franziskanerguardian aus Marburg, Nikolaus Ferber , meldete sich zu Wort und erbat eine Besprechung mit dem Landgraf fĂŒr den nĂ€chsten Tag. Damit war der erste Tag der Synode beendet.

22. Oktober

Die Synode wurde am Montag , den 22. Oktober um sieben Uhr fortgesetzt, indem Lambert abermals seine 23 SĂ€tze verlas und danach diejenigen, die ihm widersprechen wollten, zur Wortmeldung aufforderte. ErwartungsgemĂ€ĂŸ erhob sich Nikolaus Ferber, der im Vorfeld schon angekĂŒndigt hatte, Lamberts Schriften genĂŒgend widerlegen zu können. Anstatt mit Lambert oder Krafft zu diskutieren, erklĂ€rte er, es wĂ€re nicht der richtige Ort fĂŒr Verhandlungen und er wĂŒrde sich ohnehin nur an den Landgraf wenden. Darauf folgte eine zweistĂŒndige Rede des Franziskanerguardians, in der er erklĂ€rte, dass zur Einberufung einer Synode und Veranlassung einer Kirchenordnung nur die Kirche, der Papst und die Bischöfe ermĂ€chtigt wĂ€ren. Zudem ermahnte er den Landgraf, da Kaiser, Papst sowie einige UniversitĂ€ten die lutherische Lehre als ketzerisch verdammt hĂ€tten.

Kanzler Feige widersprach dem, indem er auch der weltlichen Obrigkeit das Recht auf die Ausrichtung von Synoden zusprach. Er begrĂŒndete dies mit MissbrĂ€uchen und Abgötterei innerhalb der Kirche und brachte als Beispiele ungeistliche Hoffart , Ehr- und Geldsucht und VerkĂŒndigung eines verfĂ€lschten und unchristlichen Glaubens. Am Ende seiner Wortmeldung forderte Feige Ferber dazu auf, sich Lamberts Thesen anzuschließen. Dieser jedoch verweigerte und berief sich weiterhin auf Christus und Paulus , laut denen HĂ€retiker und Laien nicht befugt wĂ€ren solch eine Disputation zu veranstalten. Zudem versuchte er sĂ€mtliche Geistliche auf seine Seite zu bringen, indem er Philipp vorwarf Zwietracht zu stiften und geistliche GĂŒter entgegen des Stifterwillens verwenden zu wollen.

Landgraf Philipp ergriff daraufhin das einzige Mal wĂ€hrend der gesamten Synode das Wort und wies Ferbers VorwĂŒrfe ruhig und gelassen zurĂŒck und ermahnte ihn, in einer Disputation, in der der Glauben die Grundlage wĂ€re, ausschließlich mit der Bibel vereinbare Argumente zu verwenden. Doch auch dadurch fand sich Ferber nicht zu einer Begegnung bereit. Erst als Lambert am Nachmittag triumphierend und höhnisch feststellte, dass keiner, der dem Franziskanerorden angehörte, den Kampf wagte, lockte er Ferber aus der Reserve . Dieser verlas aufgebracht seine 100 SĂ€tze (Assertiones), die jedoch kaum Anklang fanden, da sie den geforderten schlĂŒssigen schriftlichen Beweis nicht erbrachten und zahlreiche Beleidigungen enthielten, die sich gegen Lambert richteten. Am Ende des Tages rief Ferber noch einmal zum Widerstand gegen Lamberts Thesen und gegen ihn selbst auf, woraufhin er um sein Leben fĂŒrchtete und das vom Landgraf zugesicherte freie Geleit in Anspruch nahm.

Der letzten Gelegenheit seine Meinung gegen Lamberts Thesen kundzutun, kam niemand nach, sodass der zweite Tag mit einem Dankgebet und einer biblischen Auslegung (Lukas 1, 68) beendet werden konnte.

23. Oktober

Der letzte Tag der Homberger Synode war Dienstag , der 23. Oktober , zu dem es nur sehr unzureichende Aufzeichnungen gibt. Allerdings hat sich an diesem Tag ein weiterer Geistlicher auf eine Disputation mit Lambert eingelassen und zwar der Pfarrer aus Waldau zu Kassel, Magister Johannes Sperber. Jedoch soll Lambert ihn dermaßen ĂŒberlegen widerlegt haben, dass laut der Quellen jeder Mitleid mit dem Pfarrer hatte. Nach dieser Abfertigung wurden einige der vornehmsten Geistlichen ausgewĂ€hlt, die den Auftrag bekamen, eine Reformationsordnung fĂŒr die Landgrafschaft Hessen auszuarbeiten.

Ergebnis

Das Ergebnis der Homberger Synode war im Grunde die Einberufung einer Kommission, die eine Kirchenordnung fĂŒr die Landgrafschaft Hessen erarbeiten sollte, was auf den ersten Blick als recht mager erscheint. Jedoch zielte Philipp auf weit mehr ab: So wollte er mit der Homberger Synode den Vertretern der Geistlichkeit und der StĂ€nde die Notwendigkeit einer Reformation vor Augen fĂŒhren, was ihm offensichtlich gelungen war, da mit Ausnahme einer Gegenstimme (Ferber) alle Anwesenden dem EinfĂŒhren einer neuen Ordnung zustimmten. Zudem stellte die Homberger Synode eine der ersten auf reformatorischem Boden ĂŒberhaupt dar, womit sie auch als Vorbild fĂŒr nachfolgende galt. Unter FĂŒhrung Lamberts arbeitete die ausgewĂ€hlte Kommission die „Reformatio ecclesiarum Hessiae“ innerhalb von zwei Monaten bis Dezember 1526 aus, die mit vollem Wortlaut hieß:

„Reformation der Kirchen Hessens auf dem Grund des Wortes Gottes als der sichersten Richtschnur angeordnet auf der HochwĂŒrdigen durch den GnĂ€digsten FĂŒrsten der Hessen, Philipp, unter eigener Beteiligung des Durchlauchten FĂŒrsten 1526 zu Homberg abgehaltenen Synode.“

Diese neue Kirchenordnung enthielt 34 Kapitel mit 195 SĂ€tzen. Sie sah die Predigt als Grundlage der Verbreitung des protestantischen Glaubens. An einem bestimmten Sonntag sollte eine Versammlung aller Pfarrer einberufen werden, auf der zu entscheiden hatten, ob sie sich dem reformatorischen Denken anschlössen oder es ablehnten. Wer zustimmte, sollte in ein Verzeichnis eingetragen, wer ablehnte, als Heide bezeichnet werden. Die Gemeinden sollten einen Pfarrer zu ihrem leitenden FĂŒhrer wĂ€hlen, den man fortan Bischof nannte. Ihre Aufgabe war auch die AusĂŒbung der Kirchenzucht. Weitere BeschlĂŒsse sollten auf einer jĂ€hrlichen Synode in Marburg besprochen werden, an der alle Bischöfe mit ausgewĂ€hlten Sydonalen sowie deren weltliche Herren teilnahmen. Zudem sollten auf jeder dieser Synoden drei Visitatoren gewĂ€hlt werden, die jede Gemeinde besuchen und die Arbeit des Bischofs prĂŒfen sollten. Weitere VorschlĂ€ge waren die Auflösung der Klöster, die Stiftung von HospitĂ€lern , die Eröffnung von allgemeinen Schulen , UniversitĂ€ten und Stipediatenanstalten.

Kritik

Es gab nicht nur positive Stimmen zur Synode und der Kirchenordnung. So lehnte zum Beispiel Luther die neue Kirchenordnung ab. Er bezeichnete sie als einen „Haufen Gesetze mit so mĂ€chtigen Worten, da sie ihm weder an Umfang noch an RadikalitĂ€t gefiel. Er schrieb dem Landgraf einen Brief, indem er verlauten ließ, dass er die Kirchenordnung in dieser Form nicht akzeptieren wĂŒrde. Seinen Brief an Philipp schloss er mit folgenden Worten:

„Darum ist mit Furcht und Demut vor Gott zu verfahren und dieses Maß zu halten: kurz und gut, wenig und wohl, nicht zu hastig und stetig fort. Danach, wenn sie einwurzeln, wird des Zutuns mehr folgen als von nöten ist.“

Damit macht er deutlich, dass er eine schrittweise EinfĂŒhrung der Kirchenordnung bevorzugen wĂŒrde. Philipp folgte Luthers Rat und fĂŒhrte die „Reformatio“ nicht ein, sondern verwirklichte zunĂ€chst nur einige ihrer Vorhaben. Dieses Verfahren hatte auch politische GrĂŒnde, da er es sich nicht mit seinem engsten Bundesgenossen, dem KurfĂŒrstentum Sachsen, verscherzen wollte, wo Luthers Wort als maßgebend galt.
Zudem wurde ihm vorgeworfen den protestantischen Glauben nur annehmen zu wollen, um sich selbst zu bereichern, da er damit von der Steuerpflicht befreit wĂ€re, die er fĂŒr den Papst aufzubringen hatte.

Folgende Ereignisse

Landgraf Philip befolgte Luthers Rat und verzichtete auf die EinfĂŒhrung der neuen Ordnung, nicht aber auf die EinfĂŒhrung der Reformation in seinem Territorium. Wie von Luther geraten setzte er nur einige Forderungen durch, wie die SĂ€kularisierung der Klöster. Die Auflösung der Klöster sorgte nicht fĂŒr allzu großen Unmut, da das Volk grĂ¶ĂŸtenteils klosterfeindlich gesinnt war und auch schon viele Mönche und Nonnen die Klöster verlassen hatten. Das gewonnene Geld der Klöster investierte Philipp in die GrĂŒndung der UniversitĂ€t Marburg , die die erste reformatorisch inspirierte UniversitĂ€t ihrer Zeit war. Auch damit hatte er Luthers Rat von Anfang Januar 1527 ĂŒber eine langsame Entwicklung und eine gezielte Bildung das Volk mit den Zielen der Reformation vertraut zu machen, sich zu Herzen genommen und fĂŒr die nötigen Institutionen gesorgt. Weitere Ziele der 1526 ausgearbeiteten Kirchenordnung wurden in den folgenden Jahren erreicht. So wurde 1531 mit der Kirchendienerordnung das Amt des Superintendenten eingefĂŒhrt. 1532 folgten die die Gottesdienst-Ordnung und die Hessische Kirchenordnung, die jedoch auch nie eingefĂŒhrt wurde. Noch zu erwĂ€hnen seien die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung und die Kasseler Kirchenordnung von 1539 .

Bedeutung

Gedenktafel an der Homberger Marienkirche
Gedenktafel an der Homberger Marienkirche

Über die Homberger Synode von 1526 und ihre Bedeutung gehen die Meinungen weit auseinander. Der Verfasser der „Paradoxa“, Franz Lambert von Avignon, erschien die Synode als „heilige Synode, ehrwĂŒrdig und christlich und wert, allerorten nachgeahmt zu werden.“ Der hĂ€rteste Gegner vor Ort, Nikolaus Ferber, spricht hingegen von einer „tragedia“ und findet damit im Gegensatz zum Jesuit Schmitt noch wohlwollende Worte, der sie kurz als „Affensynode“ bezeichnet. Dennoch galt die Kirchenordnung, die den Gemeinden die volle Verantwortung ĂŒber Gottesdienst, Predigt und Lehre ĂŒbertrug, im feudalistischen Deutschland als besonders modern. Erstmals wurde der Versuch unternommen, ein ganzes Land an einer grundsĂ€tzlichen Glaubensentscheidung teilnehmen zu lassen. Dieser demokratische Zug der Synode gewann in Ă€hnlichen Versammlungen spĂ€terer Jahre auch ĂŒber Deutschlands Grenzen hinaus an Bedeutung. Die Homberger Synode genießt in diesem Zusammenhang einen Vorbildstatus. Die GrundzĂŒge der „Reformatio“ kamen spĂ€ter vor allem in streng reformierten Kirchen Frankreichs , der Schweiz , Hollands und Schottlands zu tragen, wodurch die Homberger Synode nicht nur an gesamtdeutscher, sondern auch an europĂ€ischer Bedeutung gewann.

Heute

Heute erinnern vor allem zwei Dinge in der Homberger Kirche an das historische Ereignis: zum Einen das prĂ€chtige Reformationsfenster im Chor , das die Reformatoren Luther und Zwingli sowie Landgraf Philipp darstellt, zum Anderen eine Gedenktafel, die neben dem um 1374 von Tyle von Frankenberg gestifteten Schmuckportal an der Außenwand der Kirche angebracht ist.

Literatur

  • Bodo FĂ€cke: Die Homberger Synode von 1526. Die Reformation in Hessen. Homberg/Efze 2001. ISBN 3-9803582-5-9
  • Julius Friedrich: Die Entstehung der Reformation Ecclesarium Hessiae von 1526. Eine kirchenrechtliche Studie. Gießen 1905
  • Rainer Haas: Lamberts „Paradoxa“ und die hessischen Kirchenordnungen. In: Pierre Fraenkel (Hrsg.): Pour retrouver Francois Lambert. Bio-bibliographie et Ă©tudes. Baden-Baden 1987
  • Gerhard MĂŒller: Franz Lambert und die Reformation in Hessen. Marburg 1958
  • Gerhard MĂŒller: Die Synode als Fundament der Evangelischen Kirche in Hessen. In: Jahrbuch der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung 27. 1976. S. 129-146
  • Wilhelm Schmitt: Die Synode zu Homberg und ihre Vorgeschichte. Festschrift zur 400-Jahrfeier der Homberger Synode. Homberg 1926
  • Emil Weber: Die EinfĂŒhrung der Reformation in Hessen (Die Synode von Homberg 1526) und der Franziskaner Nikolaus Herborn. Kassel 1907
  • Fritz Wolff (Hrsg.): Religion und Staat. Die Reformation in der Landgrafschaft Hessen. Fuldatal 1996
  • William J. Wright: The Homberg Synod and Philipp of Hesse’s Plan for a new Church-State Settlement. In: The Sixteenth Century Journal 4. 1973. S. 23-46

Weblinks

Wikipedia

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