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Letzte Änderung für Artikel Buchbrunnen: 17.01.2006 00:25

Buchbrunnen

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Der Buchbrunnen im DreilÀndereck (Bayern/Oberfranken).

Inhaltsverzeichnis

Topografie

Das BrunnenhĂ€uschen des Buchbrunnens steht genau auf der Landesgrenze Deutschland und Tschechische Republik , im Grenzabschnitt III 5 zwischen dem GrenzĂŒbergang Schirnding und Neualbenreuth. Es liegt am SĂŒdwestabfall des Oberkunreuther Berges, dessen höchste Erhebung mit 656 m ĂŒ.NN auf tschechischem Hoheitsgebiet liegt. Der Buchbrunnen liegt in den Bayerischen Staatsforsten im Kohlwald, zustĂ€ndig ist nach der Forstverwaltungsreform vom 1. Juli 2005 der Forstbetrieb Waldsassen.

DreilÀndereck

Die Umgebung des Buchbrunnens kann als DreilĂ€ndereck bezeichnet werden, da hier einst drei politisch selbststĂ€ndige Herrschaftsgebiete zusammen kamen. In einem Protokoll aus dem 17. Jahrhundert steht folgendes geschrieben: „Aus dem Buch-Brunnen in Kohlwald entspringet das Buchbachlein, und scheidet solcher Bronnen drey Reynungen, Brandenburg, die Chur Pfaltz gegen Waldsassen und Eger.“

Zur Abmarkung einer Grenze dienten frĂŒher natĂŒrliche Gegebenheiten im GelĂ€nde wie Quellen, BĂ€che oder grĂ¶ĂŸere Felsen. Waren diese nicht vorhanden, legte man kĂŒnstliche Marken an, etwa SteinwĂ€lle, Erdvertiefungen (RaingrĂ€ben, Schlegelgruben) oder einen kĂŒnstlich aufgeworfenen ErdhĂŒgel (Schurf). Einzelstehende, markante BĂ€ume erhielten eingehauene Kreuze (Rainfichten, Rainbuchen), besonders hervorragende Steine erhielten ein Kreuz eingemeißelt. Ab dem 18. Jahrhundert wurden Grenzsteine gesetzt, oftmals auch mit Wappen versehen. Im Grenzverlauf zwischen dem AmeisenbĂŒhl bei Schirnding und dem Buchbrunnen standen nach alter Überlieferung sieben Steine, die mit dem brandenburgischem und dem egerischem Wappen verziert waren und die Jahreszahl 1562 trugen. Der Buchbrunnen wurde mit seiner Quelle und mit seinem kleinen Wasserlauf („BuchbĂ€chlein“) in den Grenzverlauf einbezogen.

Landesgrenze Böhmen/Tschechischen Republik

Beim Buchbrunnen steht der Grenzstein mit der Abschnittsnummer III 5. Der wuchtige Stein, in dem die Jahreszahl 1844 eingemeißelt wurde, ist zwar ein historischer Grenzstein, zeigt aber dennoch den heutigen Grenzverlauf an. Eingemeißelt sind die Buchstaben D B fĂŒr „Deutschland Bayern“, auf der gegenĂŒberliegenden Seite C S, wobei das S unleserlich ist. Die Initialen C S bedeuten „Cesko-Slovenska“. Der obere Teil der Breitseite wurde teilweise weggemeißelt und die neuen Initialen angebracht. Er enthielt vordem die einfache Aufschrift K:Böhmen und K:Bayern (K=Königreich). Nach dem Ersten Weltkrieg mussten diese Initialen weichen, da sie den politischen VerhĂ€ltnissen nicht mehr entsprachen, die Jahreszahl wurde belassen.

Die Initialen am Grenzstein befinden sich auf der Seite, die dem jeweiligen Staat zugewendet ist, sieht man das C, befindet ma sich auf tschechischem Hoheitsgebiet.

Historische Grenze Markgrafschaft bzw. Preußen-Oberpfalz

Beim Buchbrunnen begann im 15. Jahrhundert eine weitere „Staatsgrenze“, die in sĂŒdwestlicher Richtung verlief und die bis zum Jahr 1810 GĂŒltigkeit hatte, nun Grenze der Regierungsbezirke von Oberfranken/Oberpfalz ist. Sie war zunĂ€chst Grenze zwischen der Burggrafschaft ob dem Gebirg/Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth und dem Stiftland des Klosters Waldsassen, dem FĂŒrstentum Obere Pfalz und schließlich Bayern. Von 1791 bis 1806 waren hier Preußen und Bayern territoriale Nachbarn, wobei es schon seit Jahrhunderten zu stĂ€ndigen „Grenzirrungen“ und Grenzbegehungen kam. In einem Grenzvertrag vom 30. Juni 1803 wurde durch beide LĂ€nder der Grenzverlauf festgelegt und durch wuchtige Grenzsteine neu abgemarkt. Die Grenzsteine, die ab dem Buchbrunnen bis in den Raum von GroschlattengrĂŒn gesetzt wurden, sind teilweise noch vorhanden und tragen verschiedene Einmeißelungen. Auf der „preußischen Seite“ sehen wir die Buchstaben „P.r.“ (=Preußen), auf der „bayerischen Seite“ die Buchstaben „P.B.“ (= Pfalz-Bayern), auf der Schmalseite des Steines die fortlaufende Nummer.

Trinkwasser fĂŒr die Stadt Eger

Als zwischen 1890 und 1910 die Einwohnerzahl der Stadt Eger stark anwuchs, sah sich der Stadtmagistrat gezwungen, nach neuen Trinkwasserquellen - nicht nur auf tschechischem Gebiet - zu suchen. Die bayerische Forstverwaltung kam zu Hilfe und erwarb in oberpfĂ€lzischen Fluren der damaligen Gemeinden MĂŒnchenreuth und Pechtnersreuth (Landkreis Tirschenreuth) sechs Quellen. Das Königreich Bayern ĂŒbereignete diese dann der Stadt Eger. Hintergrund des „grenzĂŒberschreitenden Wassertausches“: die StĂ€dte Waldsassen und Tirschenreuth erhielten bisher schon Trinkwasser aus dem egerischem Gebiet des Tillenberges. So wurden auf oberpfĂ€lzer Seite sechs Quellen gefasst, das Wasser in Rohrleitungen in Richtung Buchbrunnen transportiert, wo vorher weitere Quellen eingespeist wurden. Von hier aus floss das bayerische Trinkwasser grenzĂŒberschreitend weiter bis nach Eger. Im Mai 1912 konnte die 14 km lange Anlage in Betrieb genommen werden.

Formalrechtlich ermöglicht wurde das Projekt durch einen Bescheid des Königlichen Bezirksamtes Tirschenreuth vom 8. Juli 1911. Durch die Fassung der Quellen und den dadurch eingetretenen Wasserentzug der Feisnitz wurden allerdings einige Triebwerkbesitzer, die die Wasserkraft dieses Bachlaufs nutzten, geschĂ€digt. Die Triebwerkbesitzer der HeiligenfurtermĂŒhle, BrandmĂŒhle, DollermĂŒhle, SiglmĂŒhle, LippertsmĂŒhle und GrĂŒnmĂŒhle erhielten von der Stadt Eger wegen des Entzugs von acht Sekundenlitern eine einmalige EntschĂ€digung von 530 bis 1510 Mark. Eine gĂŒtliche Einigung erfolgte auch mit verschiedenen GrundeigentĂŒmern, die sich im Fischereirecht oder bei der WiesenwĂ€sserung beeintrĂ€chtigt sahen. Sie erhielten eine einmalige EntschĂ€digung zwischen 20 und 150 Mark.

Das BuchbrunnenhĂ€uschen steht genau auf Quellstube des Buchbrunnens und sein Bau wurde damals durch die bayerische Forstverwaltung gefordert. Über dem Eingang des gemauerten HĂ€uschens steht der Name „BUCHBRUNN“. Links davon, auf deutscher Seite des GebĂ€udes, sehen wir das Wappen des Königreichs Bayerns. Rechts neben der Inschrift, auf tschechischem Territorium, ist das Wappen der Stadt Eger eingelassen. Im GebĂ€ude ist ein Wasserhahn, auch heute noch kann dort der Wanderer bestes Trinkwasser genießen!

Literatur

  • Hofmann, Erwin: Zwischen Bayern und Böhmen (Regensburg 1996)
  • Singer, Friedrich Wilhelm: Die Freistatt I (1985) und III (1986)
  • Zeidler, Kurt: Erweiterung der Egerer Wasserleitung 1912. In: Egerer Zeitung, Februar 1992, S. 24-26
  • Wasserversorgung der Stadt Eger: Beschluss des Kgl. Bezirksamtes Tirschenreuth vom 8. Juli 1911, Nr. 5464 (FGV-Bibliothek, Akt GewĂ€sserkunde.)

Karten

Weblinks

Bilder vom Buchbrunnen

Wikipedia

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