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Letzte Änderung für Artikel Skulptur.Projekte: 17.02.2006 13:55

Skulptur.Projekte

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Skulptur Blickst du hinauf und liest die Worte von Ilya Kabakov (1997)
Skulptur Blickst du hinauf und liest die Worte von Ilya Kabakov (1997)

Die Skulptur.Projekte sind eine internationale Skulptur -Ausstellung im westf├Ąlischen M├╝nster, die seit 1977 im Abstand von 10 Jahren stattfindet, jeweils parallel zur documenta in Kassel. Dabei werden K├╝nstler nach M├╝nster eingeladen, die an einem selbst gew├Ąhlten Ort innerhalb der Stadt eine Skulptur erstellen. Viele der Werke sind nach den 100 Tagen Ausstellungszeit von der Stadt oder von Firmen gekauft worden und bereichern das Stadtbild der Westfalenmetropole permanent.

Inhaltsverzeichnis

Das Konzept

Bei den Skulptur.Projekten l├Ądt die Stadt M├╝nster international renommierte K├╝nstler ein, in situ zu arbeiten. Dabei wird die Frage nach der Beziehung von Kunst, ├Âffentlichem Raum und urbanem Umfeld gestellt. Die K├╝nstler suchen sich den Standort ihrer Skulptur selbst aus. Soweit m├Âglich, sollen die Arbeiten innerhalb des Promenadenrings stehen. Mit dieser einzigen Vorgabe soll gew├Ąhrleistet werden, dass auch ausw├Ąrtige Besucher die M├Âglichkeit haben, sich eine Vielzahl von Skulpturen anzusehen.

Die Leitung der Ausstellung liegt derzeit bei dem Leiter des Westf├Ąlischen Landesmuseums f├╝r Kunst und Kulturgeschichte, Prof. Klaus Bu├čmann, der Kurator ist Prof. Kasper K├Ânig . Tr├Ąger der Ausstellung sind die Stadt M├╝nster, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das Landesmuseum. Unterst├╝tzung wird au├čerdem von der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Westf├Ąlischen Wilhelms-Universit├Ąt gew├Ąhrt. Daneben gibt es eine Reihe von Sponsoren aus der lokalen Wirtschaft.

Die bisherige Skulptur.Projekte fanden jeweils in den folgenden Zeiten statt:

  • 1977: Vom 3. Juli bis zum 13. November
  • 1987: Vom 14. Juni bis zum 4. Oktober
  • 1997: Vom 22. Juni bis zum 28. September. W├Ąhrend dieser Ausstellung sollen ca. 500.000 Besucher sich mit den Arbeiten auseinandergesetzt haben.

Die n├Ąchste Ausstellung ist f├╝r den Sommer 2007 geplant.

Nach den 100 Tagen der Ausstellung l├Ąuft der Pachtvertrag mit dem Eigent├╝mer des Gel├Ąndes aus, auf denen die Skulpturen aufgestellt waren. Das Konzept sieht eigentlich vor, die Skulpturen dann abzubauen und den K├╝nstlern zur├╝ckzugeben. W├Ąhrend der vergangenen Skulptur.Projekte erwarben jedoch die Stadt M├╝nster, der Landschaftsverband oder das Landesmuseum einen Teil der Arbeiten und stellten sie permanent aus. So bereichern heute zahlreiche Arbeiten das Stadtbild der Westfalenmetropole. Andere Arbeiten, bei denen keine Einigung ├╝ber die permanente Ausstellung erzielt werden konnte, stehen zum Beispiel in Hamburg, Berlin oder London .

Bedeutung der Skulptur.Projekte f├╝r die Stadt M├╝nster

Seit der zweiten Ausstellung 1987 sind die Skulptur.Projekte ein wichtiger Teil der Au├čendarstellung der Stadt M├╝nster geworden; vor allem profitierte der Bekanntheitsgrad der Stadt im Ausland stark. Dies ist der starken Werbekampagne zu verdanken, die 1987 gestartet wurde. So wurden nicht nur Journalisten von Amerika bis Asien eingeladen, es wurde auch ein Werbemobil zur documenta VIII nach Kassel geschickt, sp├Ąter auch zur Baseler Kunstmesse Art. Zu einer regelrechten Tourismusattraktion wurde die Ausstellung 1997. Am Er├Âffnungswochenende waren s├Ąmtliche Hotels der Stadt (3100 Betten) ausgebucht. Laut Pressesprecher der Skulptur.Projekte kamen mehr ausl├Ąndische als deutsche G├Ąste zur Schau. Von dem Kurzf├╝hrer zur Ausstellung 1997 wurden drei Auflagen zu je 10.000 Exemplaren gedruckt. Die Gesamtzahl der Besucher wird auf ca. 500.000 gesch├Ątzt. Positiv f├╝r die Au├čendarstellung der Skulptur.Projekte und damit der Stadt ist, dass Arbeiten, die in M├╝nster entstanden sind, in die ganze Welt verkauft wurden und dort nun permanent Werbung machen.

Als Zeichen f├╝r die Resonanz bei ausl├Ąndischen Besuchern, die zu einem Gutteil auch aus Fernost sowie den USA anreisen, darf auch gelten, dass die japanische Wikipedia eher einen Artikel ├╝ber die Skulptur.Projekte hatte als die deutsche.

Verh├Ąltnis der M├╝nsteraner zu der Ausstellung

Das Verh├Ąltnis der als konservativ und bodenst├Ąndig geltenden M├╝nsteraner zu ihrer Kunstausstellung hat sich ├╝ber Jahre stark gewandelt. So empfanden viele B├╝rger die Arbeiten und das gesamte, zu diesem Zeitpunkt neuartige Konzept der Skulptur.Projekte als Schandfleck in der historischen Stadt. Teilweise ging dies soweit, dass die K├╝nstler nur unter Polizeischutz arbeiten konnten.

Dies ├Ąnderte sich bis zur n├Ąchsten Ausstellung zehn Jahre sp├Ąter nur unwesentlich, besonders umstrittene Projekte wie Trunk waren auch nicht hilfreich bei der Bildung einer positiven Meinung. Aber bereits im Laufe der Ausstellung wandelte sich das Klima, als die Presse sehr positiv ├╝ber die Ausstellung berichtete und Vergleiche zur documenta zog. Im ├ťbrigen war auch der finanzielle Aspekt wichtig: die Ausstellung zog viele Touristen an, die der Wirtschaft in M├╝nster auch einiges an Geld zuflie├čen lie├čen.

Die Beziehung der M├╝nsteraner zur Ausstellung in den zehn Jahren bis 1997 hatte sich deutlich verbessert. Nicht ganz unwesentlich f├╝r die gesteigerte Akzeptanz d├╝rfte gewesen sein, dass zum Beispiel die Giant Pool Balls von 1977 inzwischen zum Markenzeichen der Stadt geworden waren und auch andere Skulpturen das Stadtbild deutlich pr├Ągten. Dazu waren viele der umstrittensten Werke l├Ąngst aus der Stadt verschwunden.

Die Ausstellungen

Die Ausstellung im Jahre 1977

Vier der geplanten neun Arbeiten der Skulptur.Projekte 1977 waren am Aasee beheimatet, der ein Jahr vor der Ausstellung auf seine heutige Form vergr├Â├čert worden war.

Permanente Ausstellung

Die Poolballs von Claes Oldenburg am Aasee
Die Poolballs von Claes Oldenburg am Aasee

Die wohl bekannteste Skulptur des Jahres 1977 waren die Giant Pool Balls von Claes Oldenburg. Er verteilte auf Zeichnungen, Aquarellen und Fotomontagen gigantische Billardkugeln ├╝ber die ganze Stadt. Schlie├člich wurden drei dieser Betonkugeln (Durchmesser 3,5 Meter) an den Aaseeterrassen aufgestellt. Sie befinden sich seit 1987 im Besitz der Stadt und z├Ąhlen seitdem zu den bekanntesten Arbeiten, die bisher im Rahmen der Skulptur.Projekte entstanden.

Joseph Beuys lie├č unter dem Titel Unschlitt/Tallow einen exakten Nachbau des Fu├čg├Ąngertunnels am Hindenburgplatz in M├╝nster mit Stearin ausgie├čen und zerschnitt den entstehenden Block dann willk├╝rlich in 23 Teile. Die Schnittst├╝cke wurden im Lichthof des Landesmuseums ausgestellt. Heute ist das Werk - welches Beuys dem Landesmuseum als Schenkung anbot - Teil der Sammlung Marx in Berlin.

Ohne Titel von Donald Judd
Ohne Titel von Donald Judd

Ebenfalls permanent in M├╝nster steht ein Werk von Donald Judd , das keinen Titel tr├Ągt. Am Aasee nahe dem Allwetterzoo schuf er zwei konzentrische Ringe aus Beton. Der innere Ring hat dabei eine H├Âhe, die von 90 cm auf 2,10 Meter ansteigt, und einen Durchmesser von 13,50 Meter. Der ├Ąu├čere Ring beh├Ąlt seine H├Âhe von 60 cm bei und misst 15 Meter im Durchmesser. Auf den sanft abfallenden Wiesen stellt das Werk laut Judd ein topografisches Regulativ dar.

Ulrich R├╝ckriem schuf mit seinem Beitrag Dolomit, zugeschnitten eine Wand aus neun Steinen. Sie steht an einem Weg, auf dessen anderer Seite sich die Petrikirche befindet. Die neun Steine, in ihrem H├Âhenverh├Ąltnis zueinander zu- und abnehmend, bilden so zusammen mit Strebepfeilern am Wegesrand gegen├╝ber einen Zwischenraum des Weges zum Kirchenbau. Die Skulptur war von 1977 bis 1981 ausgestellt. Seit 1986 ist diese Arbeit im Besitz der Stadt M├╝nster und geh├Ârt nun gleichfalls zu den permanent ausgestellten Arbeiten.

Tempor├Ąre Ausstellung

Michael Asher stellte w├Ąhrend der 1977er Skulptur.Projekte einen Caravan an insgesamt 19 verschiedenen Pl├Ątzen auf. Er wollte mit der Aufstellung eine Konfrontation zwischen nomadischem (der Caravan) und festem Wohnen (die H├Ąuser in der direkten Umgebung) hervorrufen. Richard Serra stellte zwei 13,40 x 2,08 x 3 Meter gro├če Stahlw├Ąnde paarweise angeordnet auf dem Hindenburgplatz aus. Laut Serra gibt es keine etablierten Muster oder zu erwartenden Regungen des Publikumsbewu├čtseins.

Weitere tempor├Ąre Ausstellungen wurden erstellt von Carl Andr├ę , Richard Long und Richard Serra. Auf Grund von ├ťberschreitungen des Budgets konnte der Beitragsvorschlag von Bruce Nauman dagegen nicht realisiert werden.

1987

1987 war ein Etat von ca. 15.000 DM f├╝r jedes zu realisierende Projekt veranschlagt worden. Dieser Rahmen wurde jedoch von einigen K├╝nstlern weit ├╝berschritten. Bei einigen dieser eigentlich zu teuren Skulpturen sprangen Sponsoren aus der regionalen sowie ├╝berregionalen Wirtschaft und teilweise auch offizielle Stellen. Zu den Sponsoren, die die Realisierung dieser Arbeiten f├Ârderten, z├Ąhlten unter anderem die italienische Botschaft, das Wiener Bundeskunstministerium) sowie die WestLB und IBM Deutschland. Insgesamt konnten durch Sponsoren 600.000 DM f├╝r die 1987er Skulptur.Projekte beigesteuert werden. Das gesamte Budget der Ausstellung betrug 1,5 Millionen DM. Je 300.000 DM trugen die Stadt M├╝nster, der LWL und die Kunststiftung NRW.

Insgesamt 61 K├╝nstler schufen Vorschl├Ąge f├╝r Skulpturen, von denen einige jedoch auf Grund von Budget├╝berschreitungen nicht realisiert wurden. Auch Joseph Beuys begann ein Projekt in den Rieselfeldern (eine Baumbepflanzung), verstarb jedoch vor der Fertigstellung.

Permanente Ausstellung

Skultpur Ein Schiff f├╝r M├╝nster
Skultpur Ein Schiff f├╝r M├╝nster

Das wohl bekannteste Projekt der Ausstellung 1987 ist Ein Schiff f├╝r M├╝nster von Ludger Gerdes . Am Horstmarer Landweg, zum Zeitpunkt der Ausstellung ein unbebautes Wiesengebiet, entstand eine 43 Meter lange in die L├Ąnge gezogene k├╝nstliche Insel, die von einem Wassergraben umrahmt wurde. Die Insel in Form eines Schiffes, deren Mauern mit Sandstein eingefasst sind, zeigt mit dem Bug genau Richtung Innenstadt. Ein Holzpavillon mit zwei Pappeln imitiert die Br├╝cke des Schiffes. Die Skulptur wurde der Stadt 1987 vom K├╝nstler geschenkt.

Im Sommer 2005 wurden 200 m┬│ Schlamm aus dem Graben entfernt, da das Schiff sonst fast wie gestrandet gewirkt h├Ątte.

Keith Haring realisierte mit dem Red Dog for Landois eine Skulptur, die am ehemaligen Gel├Ąnde des Zoos steht und seinem Gr├╝nder Hermann Landois gewidmet ist. Sie stellt einen zweidimensionalen stilisierten, feuerroten Hund aus Stahl dar, der sein Maul bellend gen Himmel erhebt. Damit wollte Haring gegen den dort entstandenen B├╝rohausneubau protestieren. Laut Haring ist er ein spielerischer Protest gegen blinden Fortschritt und ein Denkmal f├╝r die Imagination. Nachdem die Skulptur, die eine Leihgabe der Galerie Hans Meier aus D├╝sseldorf war, ├╝ber zehn Jahren in M├╝nster ausgestellt war, steht sie inzwischen nicht mehr an dem Platz, dem sie gewidmet war.

Das gegenl├Ąufige Konzert im Zwinger
Das gegenl├Ąufige Konzert im Zwinger

Ein zuerst nur tempor├Ąr installiertes Projekt von Rebecca Horn im Zwinger (Das gegenl├Ąufige Konzert) stellt eine Symbiose zwischen der Natur und dem dort geschehenen Unrecht w├Ąhrend der Zeit des Nationalsozialismus dar. Mit flackernden ewigen Lichtern, metallenen, rhythmisch klickenden H├Ąmmern und einem stetigen Wassertropfen, der zw├Âlf Meter tief in eine Zisterne f├Ąllt, schafft Horn eine beklemmende Atmosph├Ąre in dem ehemaligen Gef├Ąngnis, in dem die Gestapo Hinrichtungen durchf├╝hren lie├č. Zur nachfolgenden Skulptur.Projekte 1997 wurde das Werk leicht ver├Ąndert wieder installiert. Die nun permanente Ausstellung enttabuisierte den Ort und machte die Installation eines Mahnmals, in welches die Skulptur heute fest eingebunden ist, dort m├Âglich.

Kirschens├Ąule von Thomas Sch├╝tte
Kirschens├Ąule von Thomas Sch├╝tte

Am Harsewinkelplatz lie├č Thomas Sch├╝tte die Kirschens├Ąule errichten, eine S├Ąule aus Sandstein, auf der er zwei leuchtend rote Kirschen platzierte. Die S├Ąule stellt eine Anspielung auf den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Durch den Sandstein wirkt sie ├Ąlter als sie ist. Dies l├Ąsst sie ├Ąhnlich wie die Stadt M├╝nster wirken, die 1945 zu 90% in Schutt und Asche lag und heute im Stil des sp├Ąten Mittelalters gl├Ąnzt. Auch die nicht ganz stimmigen Proportionen der S├Ąule unterst├╝tzen dies. Die Farbe der Kirschen, ein Symbol der Moderne auf der ÔÇ×historischenÔÇť S├Ąule, soll um die Wette strahlen mit dem Lack der Autos, die auf dem 1987 als Parkplatz genutzten Harsewinkelplatz standen.

R├ęmy Zaugg versetzte die vorhandenen Bronzeskulpturen ÔÇ×Knecht mit PferdÔÇť und ÔÇ×Magd mit StierÔÇť wieder an den Eingang der Stadt an die Bundesstra├če 54. Dort hatten sie um 1912 die in die Stadt zum Markt ziehende Landbev├Âlkerung begr├╝├čt. Heute hei├čen sie Besucher der Stadt am Eingang des gro├čen Kreisverkehrs am Ludgeriplatz willkommen. Die Umsetzung l├Âste heftige Debatten ├╝ber die historische Identit├Ąt der Stadt aus und ├╝ber die Eingriffe, die die Moderne vorgenommen hat, besonders als bekannt wurde, dass der urspr├╝ngliche Aufstellungsort durch zahlreiche Verschiebungen in Vergessenheit geraten war.

Lothar Baumgarten installierte Drei Irrlichter in den K├Ąfigen am Turm von St. Lamberti, in denen 1535 die Leichnahme der T├Ąufer ├Âffentlich ausgestellt wurden. Heute flackern bei Nacht in den K├Ąfigen drei Lichter, als Erscheinung von drei Seelen oder inneren Feuern, die keine Ruhe finden k├Ânnen.

Tempor├Ąre Ausstellung

Reiner Ruthenbeck lie├č im Lichthof des Altbaus des Landesmuseums eine 14x2,4 Meter gro├če Fahne aus Wollstoff an einem 5,6 Meter hohen Fahnenmast aufh├Ąngen. Die auf dem Boden liegenden Teile drapierte er um eine Gruppe Fahrr├Ąder, eine Hommage an die Fahrradstadt M├╝nster .

Richard Serra platzierte auf dem Ehrenhof des Erbdrostenhofes zwei Plastiken aus insgesamt 24 Tonnen Stahl (Trunk - Johann Conrad Schlaun Recomposed). Die zwei Stahlplatten, gew├Âlbt wie das Geb├Ąude von Johann Conrad Schlaun und in der H├Âhe bis zur Unterkante der Balkone reichend, waren hochkant aufgestellt, dazwischen ein Hohlraum. Die Skulptur, die 1987 massiven Protest seitens der Bev├Âlkerung ausl├Âste, steht seit 1988 in St. Gallen .

Thomas Struth projizierte in seinem Nachtprojekt w├Ąhrend der Ausstellung nachts bis 1 Uhr klassische Vorstadtarchitektur auf die Fassaden in der Innenstadt.

Schwarzer Block vor dem Rathaus von Hamburg-Altona
Schwarzer Block vor dem Rathaus von Hamburg-Altona

Sol LeWitt platzierte einen 1,75 x 5,20 x 1,75 Meter gro├čen schwarzen Betonblock so vor dem Schloss, dass der Blick auf das Eingangsportal versperrt wurde. In dem hinter dem Schloss gelegenen Botanischen Garten platzierte er eine wei├če Pyramide, die sich in einer Linie zu Block und Eingang befand. Laut Ikonografie sind dies die Symbole von Tod und Leben. Im offiziellen Katalog zur Skulptur.Projekte firmierte dieses Werk noch als White Pyramid/Black Form, jedoch wurde der Block vom K├╝nstler kurze Zeit sp├Ąter mit dem Zusatz Dedicated to the missing Jews versehen. Dieses Mahnmal widmete sich damit nicht nur den ermordeten, sondern auch den fehlenden Juden, also den ungeborenen Kindern der w├Ąhrend der Zeit des Nationalsozialismus umgekommenen Juden. Der Platz vor dem Schloss, das heute Sitz der Westf├Ąlischen Wilhelms-Universit├Ąt ist, sollte symbolisieren, dass diese fehlenden Menschen dort h├Ątten studieren oder lehren k├Ânnen. Der Plan, diese Skulptur am selben Ort permanent aufzustellen, scheiterte am Widerstand der Universit├Ąt. Heute steht sie zur Erinnerung an die dortige ehemalige j├╝dische Gemeinde vor dem schneewei├čen Rathaus von Hamburg-Altona. Auch die Pyramide wurde abgebaut und befindet sich im Besitz der Stadt Hamburg.

Richard Deacon verwirklichte an zwei Enden einer Stra├če zwei schlangenartige Skulpturen (Like a Snail A und B), die aus Holz und verzinktem Stahl bestehen. Heute stehen sie in der Londoner Tate Gallery.

Pressestimmen

Die Skulptur.Projekte erweckten Interesse in der Medienlandschaft der ganzen Welt. So verglichen mehrere Zeitungen die M├╝nstersche Ausstellung mit der documenta, die Wiener Zeitung Die Presse schrieb: Gemessen an der documenta 8 in Kassel ist das zweite Ausstellungs-Gro├čunternehmen des heurigen Sommers in Deutschland ÔÇ×Skulptur.Projekte in M├╝nster 1987ÔÇť das konsequentere.. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung kommentierte in diese Richtung: M├╝nster hat geschafft, was Kassels documenta mit ihrer lauthals verk├╝ndeten ÔÇ×sozialen DimensionÔÇť und ihrem Freiluft-Skulpturenprojekt nicht gelungen ist: Man erf├Ąhrt den Reiz und die Geschichte der Stadt mit neuem Bewusstsein.

Auch das Wall Street Journal zog Vergleiche mit Kassel:

Hier, anders als in Kassel, ist man erschlagen von dem Respekt f├╝r die Umgebung, den fast alle K├╝nstler an den Tag gelegt haben. Obwohl es hier sehr wenige Skulpturen gibt, die in und aus sich als herausragend bezeichnet werden k├Ânnen, ist das Erlebnis, die St├╝cke zu finden und betrachten, die ├╝ber die ganze Stadt und ihre Randbezirke verstreut sind, au├čerordentlich vergn├╝glich.

Andere Zeitungen besch├Ąftigten sich mit der Beziehung der M├╝nsteraner zu ihrer Ausstellung. Die Bauwelt schrieb: Ob die M├╝nsteraner es nun selbst zu sch├Ątzen wissen oder nicht: Sie sind zu beneiden um eine in jeder Hinsicht einzigartige Ausstellung. So abwechslungsreich, so qualit├Ątsvoll und so einleuchtend gab es andernorts Kunst im ├Âffentlichen Raum selten zuvor.
Laut Capital hatte sich die Beziehung seit der ersten Skulptur.Projekte zwischen der Ausstellung und den M├╝nsteranern jedoch wesentlich verbessert: Mit gemischten Gef├╝hlen, jedoch eher stolz sehen die M├╝nsteraner zu, wie ihre Stadt aus aller Welt die Freunde neuer Kunst anlockt.

Die Qualit├Ąt der Arbeiten wurde unter anderem kommentiert vom Genfer Journal de Gen├Ęve: Den besten Arbeiten ist es gelungen, die Besonderheiten der Stadt zu begreifen, das Flair der ├Ârtlichen Begebenheiten zu respektieren. [...] Wichtig zu sagen, dass die Ausstellung ├╝ber die ganze Stadt ausgedehnt ist und eine Rundtour einen guten Tag zu Fu├č dauert. Wenn man nicht die Fahrr├Ąder vorzieht: Man kann sie leihen, und alle Welt tut es auch.

1997

Das Gesamtbudget lag 1997 bei umgerechnet drei Millionen Euro, getragen von Stadt, LWL, der Kunststiftung NRW und einigen Sponsoren.

Insgesamt wirkten 76 K├╝nstler in 73 Gruppen an der Skulptur.Projekte 1997 mit.

Permanente Ausstellung

Das Pier in den Aasee dient als Erholungsplattform
Das Pier in den Aasee dient als Erholungsplattform

Jorge Pardo baute auf Grund des fast v├Âlligen Fehlens von Stegen einen ca. 40 Meter langen Pier in den Aasee hinein. Sein Ende besteht aus einer asymmetrischen Aussichtsplattform mit einem offenen, sechseckigen Pavillon. Er besteht komplett aus Holz des kalifornischen Redwood .
Der Zugang zum Steg wurde ab dem Sommer 2005 durch Gitter versperrt, im Dezember wurden schlie├člich die ersten Meter der Planken abgetragen, da das Holz morsch geworden war und das Betreten laut der Stadt M├╝nster nicht mehr sicher war. Eine Restauration ist geplant, die daf├╝r notwendigen 55.000 Euro sollen durch Sponsoren aufgebracht werden.

100 Arme der Guan-yin, hier ohne die ehemals angebrachten Arme
100 Arme der Guan-yin, hier ohne die ehemals angebrachten Arme

Ebenfalls in der Stadt verblieben ist die Skulptur 100 Arme der Guan-yin von Huang Yong Ping . Auf einer Verkehrsinsel s├╝dlich der St. Ludgeri-Kirche am Marienplatz steht ein rundes Ger├╝st in der Form eines Flaschentrockners, statt der Flaschen waren w├Ąhrend der Ausstellung jedoch 50 Arme angebracht, die profane Dinge wie Besen und Haken hielten. Einerseits ist die Skulptur ein Bezug auf die buddhistische G├Âttin Tausendarmige Guan-yin, andererseits aber auch auf das Kruzifix von St. Ludgeri, dessen Jesusfigur bei einem Bombenangriff w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs beide Arme verlor.
Da die Statue nach dem Ende der Ausstellung im Rahmen der Skulptur.Projekte keine Arme mehr hatte, wurden beim K├╝nstler Ende 2005 f├╝r rund 19.000 Euro neue, witterungsbest├Ąndige Arme in Auftrag gegeben.

Permanent installiert wurde Blickst Du hinauf und liest die Worte von Ilya Kabakov in unmittelbarer N├Ąhe zu den Betonringen der Skulptur.Projekte 1977. Es ist ein ÔÇ×Poetischer SendeturmÔÇť. Auf den Querstreben in 13 Metern H├Âhe sind aus d├╝nnem Draht Buchstaben geformt. Sie ergeben den Text: Mein Lieber! Du liegst im Gras, den Kopf im Nacken, um dich herum keine Menschenseele, du h├Ârst nur den Wind und schaust hinauf in den offenen Himmel - in das Blau dort oben, wo die Wolken ziehen - das ist vielleicht das Sch├Ânste, was du im Leben getan und gesehen hast. Die Skulptur wurde vom Landesmuseum gekauft.

Der Text der Skulptur Blickst du hinauf... von Ilya Kabakov
Der Text der Skulptur Blickst du hinauf... von Ilya Kabakov

Der K├╝nstler Herman de Vries umbaute einen wilden Garten mit seinem aus 20.000 Backsteinen bestehenden Sanctuarium (lat: heiliger Raum). Aus allen vier Himmelsrichtungen gibt es ovale ├ľffnungen, die den Betrachter zum Hineinschauen einladen. Auf dem Fries des nach einer traditionellen Mauertechnik aus dem 18. Jahrhundert gebauten ÔÇ×RundtempelsÔÇť ist ein Text in Sanskrit eingraviert: om. dies ist vollkommen. das ist vollkommen. vollkommen kommt von vollkommen. nimm vollkommen von vollkommen, es bleibt vollkommen.

Tempor├Ąre Ausstellung

Martin Kippenberger hat mit Metro-Net. Subway around the world auch in M├╝nster einen Teil seines weltweiten, fiktiven U-Bahnnetzes aufgebaut (andere Stationen sind auf der Insel S├Żros , in Dawson City und in Kassel zur documenta X). An der Kreuzschanze installierte er einen U-Bahn-Entl├╝ftungsschacht, aus dem in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden das Ger├Ąusch einer vorbeifahrenden Bahn ert├Ânt. Dies wirkt besonders ironisch, da M├╝nster ob der vielen Fahrradfahrer und der beschr├Ąnkten Gr├Â├če der Stadt keine Verwendung f├╝r eine U-Bahn h├Ątte.

Wolfgang Winter und Berthold H├Ârbelt haben vier Informationsst├Ąnde aus Flaschentransportkisten errichtet. In den Kastenh├Ąusern waren gepolsterte Kisten als Sitzm├Âbel aufgestellt, f├╝r Besucher lagen Stadtpl├Ąne und Informationen zu den Standorten aller Skulpturen aus.

Rachel Whitereads Untitled (Books) im Landesmuseum ist eine aus Gips gegossene Negativform eines B├╝cherregals mitsamt der darin stehenden B├╝cher. Die Zweideutigkeit der Arbeit besteht darin, dass in diesem Regal nicht die B├╝cher sichtbar sind, sondern der normalerweise unsichtbare verstaubte Raum, der keine B├╝cher enth├Ąlt.

Nam June Paik schuf eine der bekanntesten Skulpturen der Skulptur.Projekte 1997, die 32 cars for the 20th century: play Mozart's Requiem quietly: Er ordnete 32 komplett in silber gehaltene Automobile der Baujahre 1920, 1930, 1940 und 1950 vor dem f├╝rstbisch├Âflichen Schloss zu vier Gruppen an, jeweils zu einer geometrischen Figur. Die Autos enthielten statt Motor und sonstigem Interieur Elektronikschrott wie alte Fernseher und Radios, aus einigen klang leise Mozarts Requiem .

Karin Sander hatte die Vorgabe, f├╝r ihre Skulptur einen Ort im Zentrum der Stadt zu w├Ąhlen, w├Ârtlich genommen. Sie lie├č den Schwerpunkt der Stadt bestimmen. Diesen Punkt, der ca. einen Kilometer s├╝dlich des St.-Paulus-Doms in der Von-Kluck-Stra├če 34/36 liegt, markierte sie mit einem roten Kreis vom Durchmesser 1,3 Meter, der exakten Fehlertoleranz der Messung.

Georg Herold h├Ąngte bei seiner Skulptur bent poetry, w. up! im Schlossgarten ca. 250 rote Dachlatten so an Stahlseilen an B├Ąumen auf, dass sie ein Labyrinth ergeben. Auf der Unterseite der Latten notierte er Zitate aus der Literatur-, Kunst- und Philosophiegeschichte.

Nicht realisiert wurde das Projekt von Gabriel Orozco , der in Anlehnung an den Jahrmarkt Send ein Riesenrad zur H├Ąlfte im Hindenburgplatz versenken wollte. Ebenfalls nicht realisiert werden konnte ein Projekt von Charles Ray , der einen Baum so pflanzen wollte, dass er sich, bewegt von einem Mechanismus unter der Erde, in zwei Stunden einmal um sich selber dreht.

Pressestimmen

Im Jahr 1997 schrieben auch Deutschlands gr├Â├čte Zeitungen und Magazine ├╝ber die Skulptur.Projekte. Der Spiegel schrieb in seiner Ausgabe 22/1997 unter anderem: Das Pionierprojekt Skulpturen hat es in M├╝nster zu Popularit├Ąt gebracht ÔÇô und sprengt nun alle Gattungsgrenzen. (...) W├Ąhrend die Kasseler Schaur├Ąume noch fest verschlossen sind, w├Ąren in M├╝nster die Vorbereitungen schon darum kaum geheimzuhalten, weil sie zumeist im Freien stattfinden. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete wieder ├╝ber die Ausstellung und kam zu einem Ergebnis, das vor allem den Verantwortlichen sowie Sponsoren gut gefallen haben d├╝rfte: Die Kunst der M├Âglichkeiten - Die dritte ÔÇ×Skulptur.ProjekteÔÇť - Schau ist der beste PR-Coup, den M├╝nster haben kann

Auch wurden wieder Vergleiche zur documenta gezogen, die 1997 in ihre X. Saison ging. Die S├╝ddeutsche Zeitung sahen in M├╝nster erneut den Sieger (Zehn Jahre sind keine Epoche - Die Skulptur-Projekte in M├╝nster stehlen der documenta mit Phantasie und Witz die Schau.), auch Die Woche kommentierte ├Ąhnlich: Lieber 99 Tage M├╝nster als 100 Tage Kassel! Die Gro├čausstellung SKULPTUR.PROJEKTE versucht sich in der Konkurrenz zur Dokumenta - mit erheblichem Erfolg. Sogar die Illustrierte Bunte brachte einen Bericht, ├╝berliess die Wertung aber dem Leser selber: Magic M├╝nster ÔÇô die ganze Stadt ein Kunstwerk. Die documenta bekommt Konkurrenz: M├╝nster wird f├╝r drei Monate Europas Skulpturen-Hauptstadt.

├ťber die Philosophie der Ausstellung schrieb die Berliner taz: Nach M├╝nster werden keine Werke bestellt sondern K├╝nstler eingeladen. Des weiteren gab es Berichte unter anderem in der Los Angeles Times , in El Pais aus Madrid , der New York Times und der franz├Âsischen Le Monde

Die geplante Ausstellung 2007

Die Ausstellung 2007 geht vom 16. Juni bis zum 30. September, die Kuratoren sind Kaspar K├Ânig und Brigitte Franzen . 2007 werden etwa 35 K├╝nstler eingeladen, Skulpturen im ├Âffentlichen Raum zu entwerfen. Unter den elf K├╝nstlern, die im Sommer 2005 bereits feststanden und die bereits Vorarbeiten in M├╝nster geleistet haben, sind unter anderem Rosemarie Trockel, Andrea Fraser und Isa Genzken. Im Vorfeld der Skulptur.Projekte werden au├čerdem s├Ąmtliche in den letzten 30 Jahren von der Stadt erworbenen Arbeiten begutachtet und, soweit erforderlich, restauriert. Das ist bei einigen Arbeiten n├Âtig , da sie unter anderem mit Graffiti beschmiert wurden. Die Stadt M├╝nster wird ca. 1,5 Millionen Euro in das Projekt flie├čen lassen, zus├Ątzlich stellt der LWL eine Million Euro zur Verf├╝gung. Auch das Land Nordrhein-Westfalen hat ├╝ber die Kunststiftung Unterst├╝tzung signalisiert, der Bund ├╝ber die Kulturstiftung des Bundes .

Literatur

  • Klaus Bu├čmann, Kasper K├Ânig, Florian Matzner: Zeitgen├Âssische Skulptur, Projekte in M├╝nster 1997, Ostfildern: Hatje Cantz Verlag, 1997, ISBN 3775706496
  • Rainer Schnettler: Ausstellung von Skulptur im ├Âffentlichen Raum. Konzeption, Vermittlung, Rezeption am Beispiel der ÔÇ×SkulpturÔÇť 1977 in M├╝nster und der ÔÇ×Skulptur Projekte in M├╝nster 1987ÔÇť, Frankfurt am Main: Lang, 1991. ISBN 3631438788

Weblinks

Wikipedia

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