fair-hotels . Ein Service wie gemalt
Reiseführer Übersicht Deutschland Österreich Schweiz Bauwerke nach Stil

Werbung

Letzte Änderung für Artikel Heraldik: 03.02.2006 17:06

Heraldik

Wechseln zu: Navigation, Suche

Heraldik (auch Heroldskunst) bedeutet Wappenwesen und umfasst die Bereiche Wappenkunde, Wappenkunst und Wappenrecht. Als Disziplin der Geschichtswissenschaft geh├Ârt sie zu den historischen Hilfswissenschaften . Als ihr wissenschaftlicher Begr├╝nder f├╝r den deutschsprachigen Raum gilt Philipp Jacob Spener .

Wichtige Grundlagen f├╝r die historische Heraldik bilden neben wenigen erhaltenen Originalschilden, Siegel ( Sphragistik ) auch Wappenverzeichnisse der Herolde, die sie auf Grund Ihres Amtsbereiches oder zu besonderen Anl├Ąssen angelegt hatten. Auch Exlibris (Buchbesitzerzeichen) aus dem sp├Ąten Mittelalter, die zu dieser Zeit vorwiegend als Wappen ausgef├╝hrt wurden, dienen der Heraldik als Forschungsgrundlage.

Ehedem wurde die Aufsicht ├╝ber die Wappenf├╝hrung von Wappenherolden ausge├╝bt, an deren Spitze ein "Wappenk├Ânig" stehen konnte (heute noch in Gro├čbritannien ). Die Wappenkunde besch├Ąftigt sich mit dem Aufbau von Wappen, deren Bedeutung und der Bedeutung der einzelnen Teile und Symbole der Wappen.

Die Wappenkunst im heraldischen Sinne geht auf das 12. Jahrhundert zur├╝ck. Dem europ├Ąischen Wappenwesen vergleichbar sind die Mon Japans .

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Schon aus pr├Ąhistorischer Zeit ist bekannt, dass verschiedene St├Ąmme ihre Kultur auch in ihrem ├äu├čeren repr├Ąsentierten, neben verschiedener Kleidung und Kopfschmuck auch in den bevorzugten Farben und Symbolen, darunter besonders Tiersymbole oder stilisierte Gottheiten. Diese ├Ąu├čeren Unterschiede gen├╝gten, die Stammeszugeh├Ârigkeit der Krieger auch im Feld zu erkennen.

Diese Art ├╝bertrug sich auf die ersten gro├čen Zivilisationen. Es war Brauch, dass die Krieger und besonders die Heerf├╝hrer der V├Âlker Babylons, Persiens und Chinas auf ihre Schilde und Fahnen verschiedene Zeichen und Figuren setzten. Auch auf den Schilden der alten Griechen finden sich verschiedene Tiere wie L├Âwen, Pferde, Hunde, Eber oder V├Âgel. Und auch die Legionen und Kohorten Roms hatte ihre eigenen Symbole und Insignien.

In dieser Zeit hatten die bildlichen Elemente auf den Schilden jedoch vornehmlich dekorative und apotrop├Ąische Funktion. Entscheidend waren in den gro├čen Schlachten die Feldfarben der Standarten , Wimpel und Kleidung der Krieger, um sie auch aus gro├čer Entfernung unterscheiden zu k├Ânnen. Die Feldfarben konnten jedoch f├╝r jeden Feldzug, prinzipiell sogar f├╝r jede Schlacht, neu festgelegt werden - ganz ├Ąhnlich wie Fu├čballmannschaften zu jeder Saison und jedem Spiel verschiedene Trikotfarben w├Ąhlen k├Ânnen.

Aus den variablen Feldfarben gingen sp├Ąter die fest zugeordneten Flaggen hervor. Auch heute haben milit├Ąrische Verb├Ąnde neben den Staatsflaggen noch eigene Kriegsflaggen, Farben und Symbole. Aus den verschiedenen Schildformen, Schildfarben und aufgelegten Schildsymbolen der Kriegerverb├Ąnde gingen dann sp├Ąter die Schildwappen hervor.

Mittelalter

Mit dem aufkommenden Feudalismus des Mittelalters w├Ąhlten die Herrscherh├Ąuser eigene Symbole aus. Bei den gro├čen Feldz├╝gen konnten dabei Dutzende Adelsh├Ąuser gemeinsam ausziehen, und ihre R├╝stungen hatten zunehmend weniger Gestaltungsunterschiede aufzuweisen. So wurden die Farben und Symbole auf den Schilden zunehmend wichtiger, und man kombinierte mehrere Farben in einfachen geometrischen Formen.

Bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts waren diese Farben und Symbole jedoch personengebunden. Es war dem Tr├Ąger ├╝berlassen, welche Symbole er w├Ąhlte oder ob er sie, wom├Âglich mehrfach im Leben, wechselte. Aus dem 11. Jahrhundert ist uns auch der Teppich von Bayeux ├╝berliefert, der eine einzigartige Sammlung von Schilden und Flaggen einiger angels├Ąchsischer und normannischer Krieger zeigt, die an der Schlacht von Hastings (1066) teilnahmen.

Fr├╝he Form eines Topfhelms
Fr├╝he Form eines Topfhelms

Zu dieser Zeit von Wilhelm dem Eroberer trugen auch die K├Ânige noch leichte R├╝stungen, die in den folgenden Jahrhunderten immer schwerer wurden, und die offenen Helme wurden durch Topfhelme ersetzen, die dadurch aber auch das Gesicht des Tr├Ągers verbargen. Die Kreuzz├╝ge schlie├člich f├╝hrten dazu, dass sehr viele F├╝rstenh├Ąuser gemeinsam in die Schlacht zogen, und bildeten einen wesentlichen Grund zur Entfaltung der Heraldik.

Vielleicht als Folge des Wirrwarrs im ersten Kreuzzug (1096-1099) fanden danach Erbschilde weite Verbreitung. Schon die neuen Kreuzfahrer des zweiten Kreuzzuges (1147-1149) empfanden es als Ehre, wenn sie das gleiche Zeichen auf dem Schild f├╝hren durften wie ihre Vorfahren unter den ersten Kreuzfahrern. Auf allen sp├Ąteren Kreuzz├╝gen prangten dann die Wappenzeichen weithin sichtbar auf den Schilden, auf Brust und R├╝cken, bis hin zu den Pferdedecken und den Wimpeln der Lanzen.

Einen weiteren Grund lieferten die Ritterturniere der friedlichen Zeit des Mittelalters, die zugleich Waffen├╝bung und Schaustellung war. Die K├Ąmpfe waren stark ritualisiert. Wer in einem Zweikampf verlor, der verlor dabei oft Pferd und R├╝stung, eine damals sehr teure Angelegenheit. Unter der Vollr├╝stung des fr├╝hen 12. Jahrhunderts konnte man die Ritter kaum erkennen, daher trugen die Turnierteilnehmer ihr eigenes Wappen oder das ihres Lehensherrn auf den Schilden. Erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts durften auch Ritter aus niederem Adel ein eigenes Wappen tragen.

Die Wappen aus dieser Anfangszeit der Heraldik im 12. Jahrhundert hatten noch fast durchweg praktische Funktion. Sehr wichtig war dabei die Blasonierung der Zeichen, mit denen eintreffende Ritter bei den Turnieren ausgerufen wurden. Nach dem Ruf des Herolds konnte dann jedermann auch ger├╝stete Ritter einem Haus zuordnen. Die beschriebenen Farben und Elemente zeigten dabei auch die Verwandtschaftsverh├Ąltnisse der H├Ąuser auf, und einige Wappensymbole wurden so bekannt, dass sie mit eigenen Kurznamen belegt wurden.

Renaissance

Wappen des Johann Tscherte (cz. Teufel), Albrecht D├╝rer, um 1521, Hamburger Kunsthalle, im Stil der Renaissance
Wappen des Johann Tscherte ( cz. Teufel), Albrecht D├╝rer, um 1521, Hamburger Kunsthalle, im Stil der Renaissance

Die Bedeutung der Ritterturniere schwand mit der aufkeimenden Renaissance, die z├╝gige Verbreitung der Feuerwaffen im 16. Jahrhundert setzten dann der Auseinandersetzung mit Schild, Lanze, R├╝stung und Schwert ein schnelles Ende. Einziges ├ťberbleibsel blieb das Ringelstechen - eine ungef├Ąhrlichere Variante des mittelalterlichen Tjostens , bei dem schon K├Ânige t├Âdlich verletzt worden waren.

Die Wappen hatten mittlerweile jedoch auch eine hoheitliche Funktion bekommen. Die meisten Ritter des Mittelalters waren Analphabeten, die Kenntnis der Wappensymbole erlaubte ihnen jedoch die Zuordnung von Dokumenten. Ende des 13. Jahrhunderts entstand so das Amt des Herolds, der die Namen, Titel und Wappen kennen musste.

Das aufkeimende Wappenwesen ├╝bertrug sich auf andere Bereiche, und wurde neben der milit├Ąrischen Funktion f├╝r juristische Formen genutzt - die Wappen prangten auf Siegeln, Palastportalen, Stadttoren und Festungswehren. Auch mit dem Ende der Ritterszeit wurde dies fortgef├╝hrt. Befreit von manchen praktischen Notwendigkeiten wurden die Darstellungen kunstvoller und viele Wappen wurden mit Sagen ihrer Entstehung unterlegt.

Der Barock schlie├člich f├╝hrte zu ├╝berbordenden Wappen, neben den Schilden zeigten sie Wappentr├Ąger und wurden begleitet von Helmen und Wappenmantel. Die ├ťbernahme der Heraldik in Indien zeigt dann stark ├╝berladene Wappen, die kaum mehr die praktische Funktion der Erkennbarkeit auf gro├če Entfernungen haben. Die heraldischen Elemente verloren ihren Eigenwert und wurden zum Teil wieder rein dekorativ eingesetzt.

Neuzeit

Auch wenn die Kreise der Wappenberechtigten sich immer wieder erweiterten, so dr├╝ckten sie dennoch weiterhin Vorrechte aus, die dem Inhaber zugestanden wurden. Nach Fortfall der Wappen verleihenden Monarchen garantierte die Aufnahme in die Wappenrolle, dass niemand anderes das gleiche Symbol tragen durfte. Dies stellt einen wichtigen Vorl├Ąufer der Schutzmarken der b├╝rgerlichen Zeit dar.

Nach deutschem Recht darf heute jede nat├╝rliche oder juristische Person ein eigenes Wappen w├Ąhlen und f├╝hren - vor der willk├╝rlichen F├╝hrung durch Andere ist es dann analog dem Namensrecht im B├╝rgerlichen Gesetzbuch gesch├╝tzt. In ├ľsterreich hingegen ist es nur Gebietsk├Ârperschaften (dem Bund, den L├Ąndern und den Gemeinden) erlaubt, ein Wappen zu f├╝hren, wenn auch Wappen als Markenzeichen gesch├╝tzt werden k├Ânnen.

Auch viele englische zum Knight geschlagene Personen besitzen ihr eigenes Wappen, wie beispielsweise Elton John und Paul McCartney .

Aufbau des Wappens

Allein der einfarbige Wappenschild kann bereits ein vollst├Ąndiges Wappen sein. Erg├Ąnzt mit einem Helm (teilweise mit Halsschmuck (Helmkleinod)) mit Helmdecken und einer plastischen Helmzier wird es als Vollwappen bezeichnet. Ein Wappen des Hochadels besitzt meist sogar Schildhalter, einen Wappenmantel bzw. regierende Monarchen ein Wappenzelt .

Grunds├Ątzlich kann das Wappen durch senkrechte und waagerechte Linien in Felder aufgeteilt werden. Bei der Einteilung durch waagerechte Linien wird das obere Drittel als "Schildhaupt", das mittlere Drittel als "Mittelstelle" und das untere Drittel als "Schildfu├č" definiert. Bei der Einteilung durch senkrechte Linien wird die (vom Betrachter aus) linke Seite als "rechte Flanke", die Mitte als "Herzstelle" und die (vom Betrachter aus) rechte Seite als "linke Flanke" bezeichnet Der Austausch von "rechts" und "links" entsteht dadurch, dass die Wappen aus Sicht des Wappentr├Ągers beschrieben (blasoniert) werden.

Die linearen Einteilungen des Schildes durch gegeneinander gesetzte Farben und Metalle werden als Heroldsbilder bezeichnet. (Der Begriff Heroldsst├╝ck wird teilweise parallel dazu verwendet, dient andererseits aber auch zur weiteren Differenzierung in die eigentlichen Heroldsbilder, d. h. ein- oder mehrfache Schildteilungen und Heroldsst├╝cke, d. h. Balken, Schr├Ągbalken, Pf├Ąhle, durchgehende Kreuze u.├Ą.) Gegenst├Ąndliche Darstellungen nennt man Gemeine Figuren. Diese Gemeine Figuren werden wiederum unterteilt in "nat├╝rliche" - das sind zum Beispiel Menschen, Tiere (auch Fabeltiere) und Pflanzen; sowie in "k├╝nstliche", wie Bauwerke, Waffen, Werkzeuge und weitere Alltagsgegenst├Ąnde wie z. B. ein Schl├╝ssel. Durch die Kombination aller dieser Elemente ergibt sich eine gro├če Vielfalt an Wappenmotiven.

Beizeichen sind kleinere Zeichen, die in manchen F├Ąllen auch auf einer bestimmten Person zur├╝ckzuf├╝hren sind. Der Faden, ist ein schmaler, ├╝ber den Wappenschild gezogener Schr├Ągbalken, welcher schr├Ągrechts vom rechten Obereck nach dem linken Untereck gezogen eine j├╝ngere oder Nebenlinie, schr├Ąglinks einen unehelich Geborenen (Bastard, daher Bastardfaden) aus dem Geschlecht bezeichnet. Wenn der Faden gek├╝rzt wird, hei├čt er Einbruch (rechter oder linker) und hat als solcher seine Stelle im Herzen des Schildes. Viele Wappen - besonders in Spanien - haben auch einen kontrastfarbenen Schildrand, der wiederum mit kleinen Figuren belegt sein kann (Bsp. Verbandsgemeinde in Rheinland-Pfalz). Ein weiteres Beizeichen ist der Turnierkragen, der besonders in der englischen Heraldik zur Differenzierung von Familienmitgliedern benutzt wird.

Heraldische Farbgebung

Nach traditionellen heraldischen Regeln sollten Wappen auch hinsichtlich der Farbgebung einfach gehalten werden. Die Gesamtheit der verwendeten Farbt├Âne nennt man heraldische Tinkturen, da abweichend vom allgemeinen Sprachgebrauch die heraldischen "Farben" nicht Gelb und Wei├č einschlie├čen, die nur bei der gemalten oder gedruckten Wiedergabe der beiden "Metalle" Gold und Silber erscheinen.

Heraldische Tinkturen

F├╝r Wappendarstellungen wird nur ein eng begrenztes Sortiment an Farbwerten verwendet, die in der Blasonierung benannt werden k├Ânnen. Variationen wie Lichtblau, K├Ânigsblau, Tiefblau sind bei Einzeldarstellungen (etwa ├╝ber einem Portal ) durchaus zul├Ąssig, heraldisch ma├čgeblich bleibt jedoch alleine das "Blau". Bei einer Ver├Âffentlichung einer Wappensammlung wie dem Inhalt einer Wappenrolle werden f├╝r alle Wappen die genannten Nennfarben mit gleichem Farbton abgedruckt. Da der Druck mit mehreren Farben urspr├╝nglich sehr aufw├Ąndig war, setzte sich ein einheitliches System von Schraffuren durch, so dass die bildliche Ver├Âffentlichung von Wappen auch im Schwarz-Wei├č-Druck immer richtig gelesen werden k├Ânnen.

Die Metalle der Heraldik:

  • Gelb / Gold (or (frz.)/Or (engl.)): gepunktet
  • Wei├č / Silber (argent/Argent): leeres Feld

Die Farben der Heraldik:

  • Rot (gueules/Gules): senkrechte Linien
  • Blau (azure/Azure): waagrechte Linien
  • Schwarz (sable/Sable): gegittert oder ganz schwarz
  • Gr├╝n (sinople/Vert): Diagonale Linien von links-oben zu rechts-unten;

Andere Farbgebungen werde gemieden, und treten meist nur f├╝r untergeordnete Bestandteile von Wappen auf. Eine abweichende Tinktur bei gemeinen Figuren wird gern als "in nat├╝rlich Farben" blasoniert, womit die der Farbton meist hinreichend bestimmt ist, etwa bei Fell (braun), Haut (rosa), oder Mauern (grau).

Auch f├╝r diese Farbgebung hat sich eine einheitliche Schraffur durchgesetzt:

  • Purpur (pourpre/Purpure): Diagonale Linien von rechts-oben zu links-unten
  • Braun : Diagonale Linien (links-oben zu rechts-unten) auf senkrechte Linien
  • Grau : gestrichelte senkrechte und gestrichelte waagrechte Linien
  • Fleischfarben : gestrichelte senkrechte Linien
einige Pelzwerke: 1 Hermelin, 2 Wolkenfeh, 3 Zinnenfeh, 4 Eisenhut, aus Meyers Konversationslexikon 1888
einige Pelzwerke: 1 Hermelin, 2 Wolkenfeh, 3 Zinnenfeh, 4 Eisenhut, aus Meyers Konversationslexikon 1888

Heraldische Farbregel

Die heraldische Farbregel besagt: In einem Wappen d├╝rfen Metalle nicht an Metalle grenzen, Farben nicht an Farben. Durch das gegeneinander Setzen von Metallen und Farben in einem Wappen wird eine starke Kontrastwirkung erreicht, die das Wappen schon aus gro├čer Entfernung erkennbar macht. Musterbeispiele von diese Regel missachtenden Wappen f├╝hren viele studentische Verbindungen.

Die Farbregel gilt in der Vexillologie auch f├╝r Fahnen , so beispielhaft in der franz├Âsischen Trikolore . Sie wird hier aber mehrheitlich ├╝bergangen. Ein Musterbeispiel daf├╝r ist das deutsche "Schwarz-Rot-Gold" : Zwei Farben, "Schwarz" und "Rot", sto├čen hier regelwidrig aufeinander.

Die Pelzwerke k├Ânnen sowohl mit Metallen und Farben gemeinsam verwandt werden, sie sind ihnen gegen├╝ber "neutral". Pelzwerke sind Musterformen, die sich auf Wappen befinden. Hierzu z├Ąhlen u.a. Eisenhutfeh, Wolkenfeh, Hermelin, Zinnenfeh, Kr├╝ckenfeh, K├╝rsch, Pfahlfeh, Wogenfeh, Sturzfeh, Schmetterlingsfeh und Gegenfeh.

Schildformen und Helme

Beeinflusst durch die Entwicklung der Waffentechnik und Kunststile ├Ąnderte sich auch die Darstellung der Wappen im Verlauf der Jahrhunderte:

Die fr├╝heste verwendete Schildform ist der vom 12. Jahrhundert bis ins 14. Jahrhundert verwendete Dreieckschild (Beispiel: Essen), dessen Seiten nach au├čen gebogen sind. Der zugeh├Ârige Helm ist der Topfhelm, der teilweise mit einem Stoff├╝berzug versehen ist.

Im 13. Jahrhundert entstand der Halbrundschild, der f├╝r die Wappendarstellungen mehr Raum bot. Insbesondere mehrfeldrige Wappen, die nun aufkommen, ben├Âtigen den gr├Â├čeren Raum in der unteren Wappenh├Ąlfte. Der aus dem Topfhelm hervorgegangene K├╝belhelm ist bereits mit stoffbahnenartigen Helmdecken versehen, die nur in geringem Ma├če eingeschnitten sind.

W├Ąhrend des 14. Jahrhunderts wandelte sich der K├╝belhelm zu dem in Turnieren getragenen Stechhelm , dessen Helmdecken nun schon st├Ąrker eingeschnitten und eingerollt sind. Im 15. Jahrhundert kam der Kolbenturnierhelm auf, welcher in der Heraldik auch als B├╝gel- oder Spangenhelm bezeichnet wird. Die Helmdecken sind nun nicht mehr als Stoffbahnen erkennbar, sondern ├Ąhneln ornamentalem Laubwerk.

Die Wappendarstellungen zeigen mehr und mehr unheraldische (d. h. von den tats├Ąchlich gebrauchten Schilden abweichende) Schildformen: die Tartsche , ein im Turnier gebrauchten Schild mit Einschnitt auf der (heraldisch:) rechten Seite, der so genannten Speerruhe, den symmetrischen, langezogenen Ro├čstirnschild , der vor Allem in Italien gebr├Ąuchlich war, u.a..

Schlie├člich verschwindet der eigentliche Schild in den ├╝berbordenden Rahmen der Barock- und Rokkokozeit und wird mit Schildhaltern, Wappenm├Ąnteln und -zelten sowie anderem Zubeh├Âr umgeben.

Diese Periode wird als Verfallszeit der Heraldik bezeichnet. Erst die Wiederentdeckung des Wappenwesens w├Ąhrend der zweiten H├Ąlfte des 19. Jahrhunderts f├╝hrte zu einer neuen Bl├╝tezeit der Heraldik. Namhafte K├╝nstler wie z. B. Otto Hupp verwendeten f├╝r Ihre Wappendarstellungen Formen des 13. bis 15. Jahrhunderts .

Detailliert wird diese Entwicklung in: Walter Leonhardt, Das gro├če Buch der Wappenkunst, M├╝nchen 1978 gezeigt. Hier werden Wappendarstellungen in gro├čer Zahl und in einem "klassisch-modernen" Stil gezeigt.

Heroldsbilder

Verschiedene Formen von Schildtopographien: 1 Geteilt, 2 Gespalten, 3 und 4 Mischform von 1 und 2, 5 und 6 Geviert, 7 und 8 schr├Ąg geteilt. Nach Meyers Konversationslexikon 1888
Verschiedene Formen von Schildtopographien: 1 Geteilt, 2 Gespalten, 3 und 4 Mischform von 1 und 2,
5 und 6 Geviert, 7 und 8 schr├Ąg geteilt. Nach Meyers Konversationslexikon 1888

Viele Wappen bestehen oft aus nur zwei bis vier Farben. Diese sind entweder geteilt (s. Bild 1 bzw. 7 u. 8),gespalten (s. Bild 2), gepf├Ąhlt (Pfahl, drei senkrechte Felder), gebalkt (Balken, drei waagrechte Felder), geviert (s. Bild 5 u. 6), geachtet (acht gleich gro├če Felder), geschacht (mehrere gleich gro├če Felder), gekreuzt (Kreuz), ein Deichsel (Y-Form), Hauptpfahl (T-Form), gest├Ąndert (geviert und schr├Ąg geviert), gewellt (Wellenlinien), ein Sparren (Nach oben deutende V-Form), mit Zinnen gespaltet, Zick-Zack , ein Faden (d├╝nner Balken) oder im Schneckenschnitt.

Hierzu siehe: Blasonierung

Gemeine Figuren

Wappentiere

Ein Gro├čteil der Gemeinen Figuren machen Tiere aus. Diese Tiere, Wappentiere genannt, symbolisieren eine Eigenschaft, die der Wappennutzer hat oder ausstrahlen m├Âchte. Sehr beliebt sind L├Âwen , B├Ąren , Leoparden, Adler , Kraniche, Delphine, Widder oder Stiere, aber auch Fabelwesen wie der Greif, das Einhorn , der Drache , der Doppeladler und der Lindwurm . In Kommunal- und Territorialwappen werden h├Ąufig Tiere verwendet, die in der Region als heilig angesehen werden oder oft vorkommende oder symbolische Landestiere sind.

Weitere Gemeine Figuren

Neben Menschendarstellungen geh├Âren zu den gemeinen Figuren auch Pflanzen wie die Rose , die Lilie (Fleur-de-Lis) oder die "starke" Eiche . Oft sind gemeine Figuren auch Bauwerke oder Gegenst├Ąnde aus einer Legende oder aus der Religion wie z. B. der Schl├╝ssel (Bremen) oder der Bischofsstab (Basel).

Gestaltungsregeln

Um ein Wappen eindeutig erkennbar zu machen sollte die Anzahl der Farben, Felder und Figuren m├Âglichst gering sein und die Figuren sollten den Schild weitgehend ausf├╝llen: "Weniger ist Mehr".

Ebenso ist die "Farbregel" zu beachten: von zwei Feldern eines Wappens sollte jeweils eines in einer "Farbe" das andere in einem "Metall" tingiert sein. Diese Regel gilt auch f├╝r das Schildfeld und eine aufgelegte gemeine Figur.

Eine typische M├Âglichkeit der Heraldik, die Anzahl der Wappenmotive zu erweitern ist die Tingierung in ge-(ver-)wechselten Farben, d. h. der Schild ist z. B. geteilt und eine aufgelegte Gemeine Figur, oder ein weiteres Heroldsbild, weist jeweils die Farbe des gegen├╝berliegenden Feldes auf.

Der Schild kann nicht nur mit geraden Linien in Felder geteilt werden, sondern auch mit beliebig geformten so genannten Schnitten : z.B. im Wellenschnitt geteilt, im Zinnenschnitt gespalten, ein Doppelwolkenbord, durch Zahnschnitt abgetrenntes Schildhaupt u.s.w.

F├╝llen Gemeine Figuren nicht den gesamten Schild aus, ist anzugeben an welcher Stelle sie sich befinden. Dazu werden Bezeichnungen verwendet, die sich h├Ąufig an den Heroldsbildern orientieren: Hauptstelle, Fu├čstelle, rechte oder linke Flanke, Herzstelle u.s.w.

Siehe auch: Blasonierung

Wappenarten

Wappen Berlins mit Mauerkrone

B├╝rgerliche Wappen sind Wappen von B├╝rgern, die keinen Adelstitel oder ├Ąhnliches besitzen. Es wird der (geschlossene) Stechhelm und der Wulst genutzt. Beispiel: Martin Luther .

Das Adelswappen ist ein Wappen, welches adligen Familien zugeh├Ârt. Seit 1450 darf das Adelswappen als einziges einen B├╝gel- oder Spangenhelm tragen. Heute benutzt man auch oft eine Krone. Die Rangkronen bestimmen den Adelsgrad. Man unterscheidet ein einfaches Adelswappen und ein doppeltes Adelswappen. Beispiele: Otto von Bismarck (einfach), von Beneckendorf und von Hindenburg (doppelt).

Stadtwappen der Stadt Essen. Ein Allianzwappen

Allianzwappen (Ehewappen, Heiratswappen) entstehen bei Verbindungen zweier Wappen, zum Beispiel durch Heirat von wappentragenden Adligen oder St├Ądten, um ihre Zusammengeh├Ârigkeit zu symbolisieren. Beispiele: Essen und Brandenburg an der Havel. Das Bayerische und das Baden-W├╝rttembergische sind ein Konglomerat aus verschiedenen Wappen.

In Stadtwappen befinden sich gew├Âhnlich keine Helme oder ├Ąhnliche Zus├Ątze, jedoch oft Mauerkronen. Fast jede Stadt besitzt ein Stadtwappen (kommunale Heraldik).

Staatswappen sind die Wappen von Nationen. Sie k├Ânnen alles erdenkliche beinhalten, sogar zwei Kronen gleichzeitig (Bsp. Luxemburg ).

├ähnlich sind die Landeswappen, die den einzelnen Bundesl├Ąnder geh├Âren. Viele besitzen Schildhalter, d.h. Figuren, die das eigentliche Wappen halten. Zusammen mit dem eigentlichen Wappenschild, der Helmzier (z.B. eine Krone) bilden sie das vollst├Ąndige Wappen. Fast jede Nation besitzt ein Staatswappen. Einige wenige, (Frankreich, einige ehem. franz. Kolonien) verwenden kein Wappen im eigentlichen Sinn, sondern ein Staatssiegel. In einigen wenigen L├Ąndern, z.B. den Vereinigten Staaten von Amerika , f├╝hren staatliche Organisationen kreisrunde Symbole (badges) anstatt eines Wappens (z.B. Adler mit gekreuzten Pfeilen).

Sprechende Wappen (Redende Wappen) sind Wappen, deren Darstellungen auf den Namen des Tr├Ągers Bezug nehmen.

Weitere Wappenarten: Familien-, Territorial-, Herrschafts-, Geschlechts-, Zunft-, Haus-, Kirchen-, Kloster-, Vereins- und Amtswappen.

Begriffe der Heraldik

Abaiss├ę, Blasonierung

Wappenrolle

Wappen sollten aus Nachweisgr├╝nden in einer Wappenrolle registriert werden. Neben der formalen Pr├╝fung der Wappengestaltung, wird hier auch festgestellt, ob das Wappen nicht bereits von Anderen gef├╝hrt wird.

Eine dieser Wappenrollen f├╝r Deutschland wird durch den Verein Der Herold Verein f├╝r Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin gef├╝hrt. Weiterhin gibt es als Schwesterverein des "Herolds" den gemeinn├╝tzigen Heraldischen Verein "Zum Kleeblatt" von 1888 zu Hannover. Er f├╝hrt die Nieders├Ąchsische Wappenrolle (NWR).

Auf Schloss Alsbach wird die Rhein-Main-Wappenrolle gef├╝hrt.

Siehe auch

Weblinks

Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Heraldik aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Heraldik verfügbar.

fair-hotels. Ein Service der
VIVAI Software AG
Betenstr. 13-15
44137 Dortmund

Tel. 0231/914488-0
Fax 0231/914488-88
Mail: info@vivai.de
Url: http://www.vivai.de