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Letzte Änderung für Artikel Reichsburg Kyffhausen: 21.01.2006 18:12

Reichsburg Kyffhausen

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Barbarossaturm in der Oberburg um 1900
Barbarossaturm in der Oberburg um 1900
Burgkapelle der Unterburg
Burgkapelle der Unterburg

Die Ruinen der Reichsburg Kyffhausen liegen auf einem 800 m langen östlichen AuslĂ€ufer des KyffhĂ€usergebirges bei Bad Frankenhausen in ThĂŒringen, unweit der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. In direkter NĂ€he liegen die Gemeinde Tilleda und der Ortsteil Sittendorf von Kelbra . Mit einer Höhe von etwa 457 m ĂŒber NN erhebt sich der Bergvorsprung rund 200 m ĂŒber der Goldenen Aue.

Bei der Reichsburg handelt es sich um drei einzelne, durch AbschnittsgrĂ€ben voneinander getrennte mittelalterliche Befestigungen. Diese drei Burgen werden als Ober-, Mittel- und Unterburg bezeichnet. Bei einer LĂ€nge von ĂŒber 600 m und einer Breite von ca. 60 m bilden sie gemeinsam eine der grĂ¶ĂŸten Burganlagen Deutschlands . Zusammen mit dem Burgmuseum und dem KyffhĂ€userdenkmal ist die Burg eines der am stĂ€rksten besuchten touristischen Ziele in Deutschland, das besonders durch die Barbarossa- oder KyffhĂ€user sage weithin bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Burgen

Lage der Burg in Deutschland
Lage der Burg in Deutschland

Die Besiedlung des Berges in ur- und frĂŒhgeschichtlicher Zeit

Die Besiedlung des nach SĂŒden, Osten und Norden hin steil abfallenden Burgberges setzte nach Ausweis der archĂ€ologischen Funde möglicherweise bereits im Neolithikum ein, doch könnten die geborgenen SteingerĂ€te, sogenannte Schuhleistenkeile , auch erst in mittelalterlicher Zeit als Abwehrmittel gegen Blitzschlag hierher verbracht worden sein. Keramik - und Metallfunde der Bronzezeit stammen vermutlich aus zerstörten GrabhĂŒgeln auf dem weithin sichtbaren Bergsporn. In mehreren Ausgrabungsschnitten in der Oberburg wurden 1937/38 die Reste einer Befestigung aus der Ă€lteren Eisenzeit ( Hallstatt D – LatĂšne A (B) /„ ThĂŒringische Kultur “ des 6./5. Jahrhunderts v. Chr.) angetroffen. Eine Steintrocken mauer verlief weiter talabwĂ€rts als die mittelalterlichen Mauern. Den vorgeschichtlichen Siedlungsresten nach zog sich die besiedelte FlĂ€che weit den Hang hinunter. Aus der bis zu einem halben Meter starken Kulturschicht mit zahlreichen Keramikfunden stammt auch der Fund einer Lage verbrannten Getreides . Ein solcher Fund wird meist als Überrest kultischer Handlungen gedeutet. Diese Deutung ist jedoch nicht eindeutig gesichert.

Die AnfĂ€nge der mittelalterlichen Burg bis zur ersten Zerstörung 1118

Die AnfĂ€nge der Burg sind weitgehend ungeklĂ€rt, da die schriftlichen Quellen zur Burg erst spĂ€t einsetzen und insgesamt spĂ€rlich sind. Ihre Errichtung wird aber zweifellos in einem engen Zusammenhang mit der Verwaltung und Sicherung des umfangreichen Reichsgutes im sĂŒdlichen Harzvorland und der Goldenen Aue und dem Schutz der nur zwei Kilometer entfernt gelegenen Pfalz Tilleda stehen.

Zum Jahr 1118 wird in den schriftlichen Quellen bereits von einer Zerstörung des castrum etiam Cuphese durch den sĂ€chsischen Herzog Lothar von Supplinburg berichtet. Diese erfolgte im Zuge der Auseinandersetzungen mit König Heinrich V. , den sogenannten SachsenaufstĂ€nden. Diese Nachricht ist zugleich die erste schriftliche ErwĂ€hnung der Burg . Ihre Errichtung dĂŒrfte damit bereits im 11. Jahrhundert wohl in der Regierungszeit des deutschen Königs Heinrich IV. erfolgt sein, im Bereich der Oberburg nach Ausweis der Funde eventuell sogar bereits im spĂ€ten 10. Jahrhundert .

Kyffhausen als staufische Reichsburg

Nach der Zerstörung 1118, die sich auch in einer bei den Ausgrabungen an mehreren Stellen in der Unterburg angetroffenen Brandschicht zeigte, erfolgte ein rascher und umfangreicher Wiederaufbau wohl schon in der Regierungszeit König Lothars von Supplinburg, der unter Friedrich I. Barbarossa abgeschlossen wurde. Ob Barbarossa wĂ€hrend seiner Aufenthalte in der Pfalz Tilleda wie 1174 auch auf der Reichsburg Kyffhausen weilte, kann nur vermutet werden. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebten die drei unmittelbar aufeinanderfolgenden Burgen den Höhepunkt ihrer Bedeutung. Dieser dokumentiert sich zum einen in der Zahl und QualitĂ€t der in dieser Zeit errichteten GebĂ€ude und zum anderen in den zahlreichen und qualitĂ€tsvollen Metallfunden wie zum Teil vergoldeten Bronze- und KupfergegenstĂ€nden aus der Oberburg, der offenbar die Funktion einer Kern- oder Hauptburg zukam. Allerdings sind fĂŒr diese Zeit keine Herrscheraufenthalte mehr bezeugt. In den Quellen werden fĂŒr die Mitte des 12. Jahrhunderts bis zur ersten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts lediglich Reichsministerialen wie die spĂ€teren Herren von Mildenstein genannt, die die Burg und das Tafelgut verwalteten.

Die bereits durch die Verwendung des Konglomeratschichten fĂŒhrenden KyffhĂ€user- Sandsteines blassrot erscheinenden Mauern hatten in der Stauferzeit mindestens zweimal zusĂ€tzlich rotfarbige PutzschlĂ€mme erhalten. Nachdem solche dĂŒnnen Putze bereits bei den Untersuchungen in den 30er Jahren an den Ringmauern der Ober- und Unterburg beobachtet worden waren, konnten sie 1995 erneut und nun auch an anderen GebĂ€uden im Burgbereich, insbesondere an der Burgkapelle der Unterburg, nachgewiesen werden. Der Farbe Rot , die auch andere Reichsburgen und Bauten Kaiser Friedrich I. Barbarossas wie das Augustinerchorherrenstift in Altenburg, die sogenannten „ Roten Spitzen “, auszeichnete, kam eine besondere symbolische Bedeutung zu. Sie sollte den kaiserlichen Bauherren signalisieren und wird die Wirkung der Burg auf dem unbewaldeten, abgeholzten BergrĂŒcken enorm gesteigert haben.

Die Burg im spÀten Mittelalter

Kruzifixus (Pilgerzeichen?) von der Unterburg
Kruzifixus (Pilgerzeichen?) von der Unterburg

Bereits am Ende des 13. Jahrhunderts verlor die Burg ihre strategische Bedeutung fĂŒr das Königtum und erlebte in der Folgezeit mehrfache Besitzerwechsel. Nachdem die Grafen von Rothenburg als Inhaber der Burggrafschaft ausstarben, ĂŒbertrug König Rudolf von Habsburg dem Grafen Friedrich V. von Beichlingen das Amt des königlichen Burggrafen . Im Jahr 1375 mussten die Grafen von Beichlingen die Burg Kyffhausen von den ThĂŒringer Landgrafen aus dem Haus Wettin zu Lehen nehmen. Aber bereits 1378 verpfĂ€ndete der Landgraf von ThĂŒringen die Burgen Rothenburg und Kyffhausen fĂŒr 970 Mark an die Grafen von Schwarzburg. Trotz des vereinbarten RĂŒckkaufrechts kamen beide Burgen nicht mehr in den Besitz der Landgrafen von ThĂŒringen. 1407 erhielten die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt das Lehen ĂŒber die Burg und lösten somit die Grafen von Beichlingen ab.

In der DĂŒringischen Chronik des Johannes Rothe (gest. 1434) wird Kyffhausen als „wustes sloz“ bezeichnet. Lediglich in der Unterburg wurde die Kapelle nochmals wiederhergestellt und 1433 als Wallfahrtskapelle „Zum heiligen Kreuz“ geweiht. Davon zeugen neben dem Bau selbst auch mehrere Bestattungen und die Funde von Pilgerzeichen . SpĂ€testens mit der Reformation verlor auch dieses regionale Wallfahrtzentrum an Bedeutung und der Berg wurde bis zum Bau des KyffhĂ€userdenkmals lediglich durch einen seit dem 15. Jahrhundert betriebenen Steinbruch genutzt.

Die Nutzung des GelÀndes in der Neuzeit

Im Zusammenhang mit der weiteren Verbreitung der Barbarossa -Sage z. B. in einem 1519 erschienenen VolksbĂŒchlein steht das mehrmalige Erscheinen sogenannter „falscher Friedriche“. Am bekanntesten ist der Auftritt eines Schneiders aus Langensalza im Jahr 1546 , der sich als Kaiser Friedrich ausgab und in den Ruinen der Burg „residierte“.

Bereits im Zeitalter der Klassik , noch mehr aber in der Romantik entwickelte sich die Ruine zu einem touristischen Anziehungspunkt. 1776 wanderten Johann Wolfgang von Goethe und Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar auf dem KyffhĂ€user. Im frĂŒhen 19. Jahrhundert wurde der KyffhĂ€user auch zum Symbol fĂŒr die Freiheitsbestrebungen und die Schaffung eines deutschen Nationalstaats . 1817 veröffentlichte Friedrich RĂŒckert sein Gedicht „Der alte Barbarossa“, das zum schulischen Allgemeingut wurde und mit dem der KyffhĂ€user noch weitere Bekanntheit erlangte. Zwischen 1846 und 1848 fanden an der Ruine der Burg Burschenschaftstreffen statt. Durch den Bau des KyffhĂ€userdenkmals 1890 - 1898 auf der Oberburg wurden deren Reste zu einem großen Teil zerstört.

Bis zur Novemberrevolution 1918 in Deutschland gehörte die Reichsburg Kyffhausen zum FĂŒrstentum Schwarzburg-Rudolstadt, danach zum Freistaat ThĂŒringen .

Die archÀologischen Ausgrabungen 1934-1938

Freilegung der KyffhÀuser-Unterburg durch den Reichsarbeitsdienst 1934-36
Freilegung der KyffhÀuser-Unterburg durch den Reichsarbeitsdienst 1934-36

1934 hatte der Deutsche Reichskriegerbund ( KyffhĂ€userbund ) als Besitzer des GelĂ€ndes begonnen, die beim Bau des KyffhĂ€userdenkmals unbeschĂ€digt gebliebenen Teile der mittelalterlichen Reichsburg Kyffhausen freizulegen und zu konservieren, um sie der Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu machen. In dem Zusammenhang wurden archĂ€ologischen Ausgrabungen in der Unter- (1934-36) und in der Oberburg (1937-38) notwendig, die unter der Leitung des Staatlichen Vertrauensmanns fĂŒr die vor- und frĂŒhgeschichtlichen BodenaltertĂŒmer ThĂŒringens, Prof. Dr. Gotthard Neumann und seiner Assistenten vom Germanischen Museum der UniversitĂ€t Jena durchgefĂŒhrt wurden. Die 1938 abgeschlossenen Freilegungsarbeiten erfolgten unter Einsatz des Reichsarbeitsdienstes und zahlreicher freiwilliger Helfer und wurden unter großen Zeitdruck ausgefĂŒhrt. Abstriche bei der wissenschaftlichen QualitĂ€t der Ausgrabungen waren daher unvermeidlich, doch erbrachten diese Grabungen trotzdem wesentliche Erkenntnisse ĂŒber die Bauentwicklung und Ausstattung der Burgen im Mittelalter.

Im Verlaufe der Grabungen kam es mit Vertretern des Reichskriegerbundes zu erheblichen Differenzen bei der Interpretation der entdeckten vorgeschichtlichen Befestigungs- und Siedlungsreste. Außerdem versuchten Heinrich Himmler und die 1935 von diesem gegrĂŒndete „ Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V. “ zunehmend, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. WĂ€hrend die ur- und frĂŒhgeschichtlichen Funde und Befunde 1940 durch die AusgrĂ€ber ausfĂŒhrlich vorgelegt wurden, stehen die archĂ€ologische Aufarbeitung der mittelalterlichen Baugeschichte und die Vorlage der zahlreichen und zum Teil herausragenden mittelalterlichen Funde bis heute noch aus.

Die Burg in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts bis heute

Nach den Freilegungen in den 30er Jahren wurden die Ruinen gesichert und teilweise wieder aufgemauert. Am Ende des Zweiten Weltkrieges gab es angeblich PlĂ€ne, das Denkmal zu sprengen, was auch die Burgruine stark in Mitleidenschaft gezogen hĂ€tte. Im Zusammenhang mit der noch einmal verstĂ€rkten touristischen Nutzung fanden auch in der DDR -Zeit bestĂ€ndige Sicherungsarbeiten an den Ruinen und dem Denkmal statt, die seit 1990 noch einmal verstĂ€rkt werden konnten. In dem Zusammenhang wurden in den letzten Jahren erneut kleinere Ausgrabungen und Notbergungen sowie Bauforschungen insbesondere am Barbarossaturm durchgefĂŒhrt.

Die wissenschaftliche Bearbeitung der Baugeschichte der Burgen lag bis 1961 in den HĂ€nden des bekannten Burgenforschers Herrmann WĂ€scher . Inwieweit seine Überlegungen zum Bauablauf, Berechnungen zum Bauumfang und zur Bauleistung und Rekonstruktionsversuche noch GĂŒltigkeit haben, kann erst nach einer ausfĂŒhrlichen Vorlage der archĂ€ologischen Funde und Befunde unter Einbeziehung der neueren archĂ€ologischen und baugeschichtlichen Untersuchungen entschieden werden.

Beschreibung der Burganlage

Die gesamte Anlage gliedert sich in drei einzelne, ehemals in sich geschlossene Burgen. Sie werden als Ober-, Mittel- und Unterburg bezeichnet.

Plan der KyffhÀuserburgen (nach WÀscher 1962)
Plan der KyffhÀuserburgen (nach WÀscher 1962)


Die Oberburg

KyffhÀuserdenkmal im Bereich der Oberburg
KyffhÀuserdenkmal im Bereich der Oberburg

Die Oberburg ist - anders als von Hermann WĂ€scher angenommen - die Ă€lteste der drei Anlagen. Sie ist nach einer Auswertung der keramischen Funde durch Wolfgang Timpel schon in der ersten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts, möglicherweise sogar bereits im 10. Jahrhundert entstanden. Beim Bau des KyffhĂ€userdenkmals wurde sie zu ĂŒber zwei Drittel zerstört. Erhalten blieben mehrere herausragende mittelalterliche Bauten im Westen. Besonders hervorzuheben ist dabei der quadratische Bergfried , der sogenannte Barbarossaturm. Der an der Außenschale des 3 m starken Mauerwerks mit Buckelquadern versehene Turm ist heute noch 17 m hoch erhalten, seine ursprĂŒngliche Höhe soll 30 m betragen haben. Wie bei nahezu allen Bergfrieden wird noch heute hĂ€ufig davon ausgegangen, dass er den Burgherren als letzte ZufluchtsstĂ€tte diente. Dabei handelt es sich jedoch um einen gern gepflegten Mythos der Ă€lteren Burgenforschung . Seine eigentliche Bedeutung war neben der Verteidigungsmöglichkeit die Funktion als Symbol fĂŒr Herrschaft und Macht. ZusĂ€tzlich kommt hier noch eine Wohnfunktion hinzu, die sich durch zwei Wohngeschosse mit Kaminen sowie Aborterkern zeigt. Um den Bergfried konnten mehrere FundamentzĂŒge und Mauern ergraben und erhalten werden, die unter anderem einen dreigeteilten Hauptwohnbau („ Palas “) an der SĂŒdseite und einen KĂŒchenbau an der Nordwestseite vermuten lassen. Erhalten geblieben sind weiterhin Reste der Ringmauer und das sogenannte „Erfurter Tor“, ein einfaches romanisches Kammertor ohne zusĂ€tzliche Verteidigungsanlagen aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts , das gut mit Ă€hnlichen Toranlagen auf der Runneburg bei Weißensee oder der Eckartsburg vergleichbar ist.

Bergfriedstumpf in der Unterburg
Bergfriedstumpf in der Unterburg
Bergfried der Oberburg
Bergfried der Oberburg

Bei den Arbeiten am KyffhĂ€userdenkmal wurde auch der verschĂŒttete Burgbrunnen wiederentdeckt, der 176 m tief in den Fels getrieben ist und zu den tiefsten Brunnen auf mittelalterlichen Burganlagen in Mitteleuropa gehört. Die Brunnenröhre hat einen Durchmesser von knapp ĂŒber 2 m. Er wird durch Sickerwasser und nicht, wie zuweilen noch zu lesen, durch Grundwasser gespeist. Der Ablauf ĂŒber eine Felsspalte hĂ€lt den Wasserstand konstant auf 9 m. Er wurde in der Zeit von 1934 bis 1938 bei den archĂ€ologischen Ausgrabungen von insgesamt 4.500 mÂł Schutt und Unrat gereinigt. Wann der Brunnen angelegt wurde, kann nicht sicher bestimmt werden, doch ist von einer Entstehung erst in der letzten Ausbauphase der Burg auszugehen. Zuweilen wird jedoch auch eine Bauzeit von 1140 bis 1180 angenommen, die mit der Bedeutung der Burg zu dieser Zeit begrĂŒndet wird, aber bislang ohne Vergleich bleibt und damit eher unwahrscheinlich scheint.

Der Brunnen ist heute beleuchtet und es können zuvor erworbene Steine aus dem örtlich anstehendem Sandstein hineingeworfen werden. Ein Korb unterhalb des Wasserspiegels fĂ€ngt die Steine auf und ermöglicht ihre Bergung zurĂŒck an die TagesoberflĂ€che.

Die Mittelburg

Von der bereits im spĂ€ten Mittelalter und in der frĂŒhen Neuzeit durch einen Steinbruch fĂŒr MĂŒhlsteine zerstörten Mittelburg sind nur Reste des ehemaligen Mauerwerks erhalten. Hierzu gehören Teile eines rechteckigen und eines runden Turms. Aussagen zu Alter, Bauablauf und Funktion sind daher kaum noch möglich. Heute stellt sie sich als eine romantische, wildzerklĂŒftete Felsschlucht dar, die schon 1776 Goethe faszinierte. Durch den Steinbruch ebenfalls freigelegt wurden EinschlĂŒsse von verkieseltem (versteinertem) Holz. Einige dieser 300 Millionen Jahre alter StammstĂŒcke sind auch vor dem Burgmuseum zu finden.

Die Unterburg

Am besten erhalten ist die erst in den 30er Jahren wieder freigelegte und zum Teil neu aufgemauerte Unterburg mit einer nahezu geschlossenen und bis in eine Höhe von 10 m erhaltenen Ringmauer und einem weiteren einfachen Kammertor mit gut erhaltenen Torwangen. In der Unterburg sind Mauer- und Fundamentreste von Wohn- und WirtschaftgebĂ€uden aus verschiedenen Bauphasen der Burg freigelegt. In dem durch eine Quermauer abgetrennten westlichen Teil steht der Stumpf des Bergfrieds mit 11 m Durchmesser. Im hinteren Teil hat sich neben der im 15. Jahrhundert erneuerten Kapelle ein zweiter Turm ( Wohnturm ?) erhoben. Da ein mĂ€chtiger Brandhorizont, der in nahezu der gesamten Unterburg bei den Freilegungen angetroffen wurde, mit den Zerstörungen im Jahr 1118 in Zusammenhang zu bringen ist, muss sie zu dieser Zeit bereits bestanden haben. Sie dĂŒrfte jedoch nicht wesentlich vor den 12. Jahrhundert gegrĂŒndet worden sein.

Literatur

  • Wolfgang Timpel: Die mittelalterliche Keramik der KyffhĂ€userburgen. In: Paul Grimm: Tilleda. Eine Königspfalz am KyffhĂ€user. T. 2. Die Vorburg und Zusammenfassung. Schriften zur Ur- und FrĂŒhgeschichte 40. Berlin 1990. S. 249 f. ISBN 3050004002 .
  • HansjĂŒrgen Brachmann: Zum Burgenbau salischer Zeit zwischen Harz und Elbe. In: Horst-Wolfgang Böhme (Hrsg.): Burgen der Salierzeit. 1. In den nördlichen Landschaften des Reiches. Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Forschungsinstitut fĂŒr Vor- und FrĂŒhgeschichte 25. Sigmaringen 1992. S. 97-148, hierzu S. 118-120, 129 f. Kat.-Nr. 2-3. ISBN 3-7995-4134-9 .
  • Karl Peschel: Höhensiedlungen der Ă€lteren vorrömischen Eisenzeit nördlich des ThĂŒringer Waldes. In: Albrecht Jockenhövel (Hrsg.): Ältereisenzeitliches Befestigungswesen zwischen Maas/Mosel und Elbe. Internationales Kolloquium am 8. November 1997 in MĂŒnster anlĂ€sslich des hundertjĂ€hrigen Bestehens der Altertumskommission fĂŒr Westfalen. Veröffentlichungen der Altertumskommission fĂŒr Westfalen 11. MĂŒnster 1999. S. 125-158, hierzu bes. S. 134 u. 139, Abb. 10 u. 150. ISBN 3402050366 .
  • Holger Reinhardt: Zum Dualismus von Materialfarbigkeit und Fassung an hochmittelalterlichen Massivbauten. Neue Befunde aus ThĂŒringen. Burgen und Schlösser in ThĂŒringen 1996, S. 70-84.
  • Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in ThĂŒringen. 430 Burgen, Burgruinen und BurgstĂ€tten. Gudensberg-Gleichen 2000. S. 166-172. ISBN 3861346311 .
  • Ralf Rödger/Petra WĂ€ldchen: KyffhĂ€user. Burg und Denkmal. Schnell KunstfĂŒhrer 2061. 10. Aufl. Regensburg 2002. ISBN 3795457912 .
  • Dankwart Leistikow: Die Rothenburg am KyffhĂ€user. In: Burgen und frĂŒhe Schlösser in ThĂŒringen und seinen NachbarlĂ€ndern. Forschungen zu Burgen und Schlössern 5. MĂŒnchen, Berlin 2002. S. 31-46. ISBN 3422062637 [Trotz des Titels hier auch kurz zusammenfassend zur Reichsburg Kyffhausen mit einer umfangreichen Bibliographie.]
  • Heinrich Schleiff: Denkmalpflege an den KyffhĂ€user-Burganlagen und dem Kaiser-Wilhelm-National-Denkmal von 1990-2003. In: Aus der Arbeit des ThĂŒringischen Landesamtes fĂŒr Denkmalpflege 1. Arbeitsheft des ThĂŒringischen Landesamtes fĂŒr Denkmalpflege N.F. 13,1 . Erfurt 2003. S. 122-128. ISBN 3910166938 .

Weblinks


Koordinaten: 51° 24' 46" N, 11° 06' 30" O

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