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Letzte Änderung für Artikel Bauernkriegspanorama: 26.12.2005 22:23

Bauernkriegspanorama

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Das Bauernkriegspanorama ist ein monumentales Panoramabild ├╝ber den Bauernkrieg (Titel des Kunstwerkes: Fr├╝hb├╝rgerliche Revolution in Deutschland) des Leipziger Malers und Kunstprofessors Werner T├╝bke . Es befindet sich in einem eigens daf├╝r errichteten Geb├Ąudekomplex , dem Panorama-Museum, auf dem Schlachtberg bei der th├╝ringischen Kleinstadt Bad Frankenhausen am Fu├če des Kyffh├Ąusergebirges . Das Werk entstand in den Jahren 1976 bis 1987, urspr├╝nglich zum Gedenken an den Deutschen Bauernkrieg und den Bauernf├╝hrer Thomas M├╝ntzer . Mit einer Fl├Ąche von 1.722 Quadratmetern z├Ąhlt es zu den drei gr├Â├čten Tafelbildern der Welt. Lediglich die Schlachtenbilder von Moskau ( Schlacht von Borodino , 1912) und Plewen (Bulgarien, 1977) sind noch um drei m┬▓ gr├Â├čer.

Panorama-Museum in Bad Frankenhausen
Panorama-Museum in Bad Frankenhausen

Inhaltsverzeichnis

Daten und Fakten

Der zylindrische Rundbau aus Betonfertigteilen , der das Gem├Ąlde umfasst, ist ca. 18 m hoch und hat einen Au├čendurchmesser von knapp 44 m.

Die Leinwand (und damit das Bild selbst) ist 123 m lang und 14 m hoch. Sie wog unbemalt ungef├Ąhr 1,1 Tonnen und ist zwischen einem oberen und einem unteren Stahlring mit je knapp 40 m Durchmesser gespannt. Gewebt wurde sie in einem St├╝ck im Textilkombinat Sursk in der ehemaligen UdSSR . Der damalige Kulturminister der DDR, Hans-Joachim Hoffmann , der sich sehr f├╝r das Projekt einsetzte, hatte die Leinwand pers├Ânlich in der Sowjetunion bestellt.

Ein ortsans├Ąssiger Autosattler n├Ąhte die beiden Enden passgenau zusammen und pr├Ąparierte die L├Ąngsseiten f├╝r die Ringe. Nach der Aufspannung versah ein sowjetisches Spezialistenteam die Leinwand mit einer Grundierung nach einer alten russischen Geheimrezeptur.

T├╝bke f├╝llte die 1.722 Quadratmeter messende wei├če Fl├Ąche mit mehr als 3.000 einzelnen Figuren. Die gr├Â├čten davon sind ├╝ber 3 Meter hoch.

Der Maler selbst musste die Arbeiten zeitweilig unterbrechen und seinen Kollegen die Ausf├╝hrung ├╝berlassen, weil die ├ťberanstrengung einen Muskelri├č im Daumen hervorgerufen hatte.

Das Bild ist durch einen umlaufenden Graben und Gel├Ąnder vom Besuchersaal getrennt, um Ber├╝hrungen und Besch├Ądigungen zu verhindern. Es wird bei den F├╝hrungen von einer gr├Â├čeren Zahl gedimmter Scheinwerfer beleuchtet, w├Ąhrend der Saal selbst im Halbdunkel bleibt. Somit kann sich die plastische Wirkung des Rundbildes optimal entfalten.

Bildmotiv

Bildbeschreibung

Entgegen den Intentionen der Auftraggeber (siehe Geschichte) schuf T├╝bke das Abbild einer ganzen Epoche, der Renaissance , das in der Literatur h├Ąufig mit "teatrum mundi" (Welttheater) umschrieben wird. Er beschr├Ąnkte sich dabei keineswegs auf eine zeitlich oder r├Ąumlich genau bestimmbare Momentaufnahme, geschweige denn die getreue Wiedergabe realer historischer Ereignisse, noch auf die schwerpunktm├Ą├čige Betonung einzelner Aspekte. Neben den durchaus auch auftretenden historischen Figuren wie M├╝ntzer und Luther hat der Maler eine Vielzahl allegorischer Anspielungen auf Ereignisse (auch anderer Epochen), vor allem aber auf ureigene menschliche ├ängste, auf Aberglauben , apokalyptische Vorstellungen und biblische Themen in seiner gewaltigen suggestiven Bildersprache visualisiert. Daneben nahm er zahlreiche Anleihen bei zeitgen├Âssischen Gem├Ąlden und Holzschnitten. Au├čerdem hat er sich selbst, als angesichts der schier ├╝bermenschlichen Aufgabe von Selbstzweifeln geplagten Menschen, an einigen Stellen verewigt und damit den Entstehungsprozess seines Werkes dokumentiert.

Das Zentrum der Darstellung ÔÇô den Ausschnitt, der bei den meisten Abbildungen des Gem├Ąldes wiedergegeben wird ÔÇô bildet das Panorama der Schlacht von Frankenhausen selbst, mit Thomas M├╝ntzer im Mittelpunkt. W├Ąhrend rings um M├╝ntzer noch die K├Ąmpfe toben, h├Ąlt dieser die Flagge der Bundschuhbewegung bereits gesenkt ÔÇô er wei├č, dass seine Sache verloren ist. Schon n├Ąhert sich ihm der Tod mit dem Dudelsack. M├╝ntzer ist hier also nicht der strahlende Held, als den ihn die SED-F├╝hrung gern gesehen h├Ątte, sondern ein m├╝der, gebrochener Mann.

Durch eine Hecke vom Schlachtgeschehen abgetrennt, hat T├╝bke im selben Teil des Bildes bedeutende Pers├Ânlichkeiten der Zeit um einen Brunnen herum gruppiert, darunter Albrecht D├╝rer und Martin Luther .

T├╝bke bezeichnete Albrecht D├╝rer und Lucas Cranach den ├älteren als seine k├╝nstlerischen Vorbilder und verband in seinem Stil eigene Techniken mit unverkennbaren Anleihen an die Alten Meister und (speziell f├╝r dieses Monumentalwerk) an zeitgen├Âssischer Darstellungsweise. In mehrj├Ąhriger Vorbereitung hat er sich mit intensivem Quellenstudium in die Vorstellungswelt und k├╝nstlerische Darstellung dieser Epoche zwischen ausgehendem Mittelalter und fr├╝her Neuzeit eingearbeitet.

Obwohl es gr├Â├čere Rotunden gibt, gilt T├╝bkes Werk als einzigartig. Es ist nicht eine bildhaft-dokumentarische Momentaufnahme in der Art eines typischen "Schlachtengem├Ąldes", sondern kann als metaphorische Gesamtdarstellung in einem Panorama als Prototyp eines eigenen Genres gelten.

Interpretation

Eine kompetente Interpretation ist unverzichtbar, um das Werk als Gesamtdarstellung einer ganzen Epoche und dar├╝ber hinaus zeitlose Verbildlichung menschlicher Beziehungen und Emotionen zu erfassen.

Es gibt heute zwei verschiedene Interpretationsans├Ątze zu dem Gem├Ąlde. Die eine geht davon aus, dass T├╝bke durch seine Darstellung eine Allegorie auf die zum Scheitern verurteilte DDR geschaffen habe. So wie Thomas M├╝ntzer einsehen muss, dass seine Vision von einer besseren Zukunft f├╝r die einfache b├Ąuerliche Landbev├Âlkerung gescheitert ist, so sei auch die Vision der DDR-F├╝hrung von einem sozialistischen Staat gescheitert, in dem der Mensch das Ma├č aller Dinge sei. Eduard Beaucamp , Kunstkritiker der FAZ und einer der fr├╝hen F├Ârderer von T├╝bke im Westen, urteilte :

"Das th├╝ringische Bauernkriegspanorama (1976 bis 1987) ist keine didaktische Gro├čillustration, sondern eine historische Parabel menschlicher Irrungen und Wirrungen mit Durchblick auf gesellschaftliche Unruhen, Umbr├╝che und Glaubensk├Ąmpfe der Moderne, auf eine Welt nicht im Aufbruch, sondern im Taumel einer Sp├Ątzeit: Weltgeschichte vollzieht sich als Weltgericht. </br>
All diesen Auftragsbildern liegt ein tiefer Dissens zum ideologischen DDR-Parteiprogramm zugrunde. Mit der "Erbe"-Debatte lie├čen sich die Projekte bem├Ąnteln und rechtfertigen. In fast allen seinen "Historienbildern" hat T├╝bke seine skeptische, ja geschichtspessimistische Anschauung und nicht das Fortschritts-Wunschbild der DDR entfaltet - die Auffassung von einer Wiederkehr des Gleichen, das aber niemals das Gleiche ist." (FAZ, 29. Mai 2004)

Die zweite Deutungshypothese geht von einer generellen Verg├Ąnglichkeit allen Seins aus - eine Sichtweise, die durch den Charakter des Gem├Ąldes als Rundbild unterstrichen wird. Diese Betrachtungsweise beschr├Ąnkt sich nicht nur auf den Misserfolg der Bauernaufst├Ąnde unter Thomas M├╝ntzer - die historische Parallele, auf die man sich in der DDR berief -, sondern generell auf alle gesellschaftlichen Prozesse zu dieser und anderen Zeiten. Nicht nur f├╝r M├╝ntzer und seine Bauernheere ist alles verloren, sondern auch f├╝r Adel, Kirche und B├╝rgertum. Gerd Lindner, Direktor des Panorama-Museums, deutet das Gem├Ąlde so:

"Ich glaube, das Werk ist zeitlos, weil der Maler ein Geschichtsbild entwickelt hat, das sehr subjektiv ist. Auf den Punkt gebracht k├Ânnte man sagen, er zeigt die ewige Wiederkehr des Gleichen, die sozialen Grundprobleme bleiben die gleichen, das ist die Grundaussage des Bildes, dargestellt in einer totalen Form, d.h. in einer Kreisform ohne Anfang und Ende, so dass die Geschichte als Kontinuum erscheint, ohne lineare H├Âherentwicklung, was im eklatanten Widerspruch zum offiziellen Geschichtsbild der DDR stand."

Christina Tilmann ( Tagesspiegel , 29. Mai 2004) meinte nach dem Tod Werner T├╝bkes:

"Es ist ein Karneval , ein Maskenfest, aber auch immer ein zutiefst pessimistischer Totentanz auf den Tr├╝mmern der Zivilisation, den Werner T├╝bke inszeniert. Voller Bewunderung f├╝r die Meisterschaft der Vorfahren, aber gleichzeitig durchdrungen von dem melancholischen Bewusstsein, dass diese Bl├╝te der Zivilisation l├Ąngst vorbei ist, abgel├Âst durch eine barbarischere Epoche."

Geschichte

Historischer Hintergrund

Seit 1524 kam es in S├╝dwestdeutschland vielerorts zu Aufst├Ąnden der Bauern, die bald auch auf Th├╝ringen ├╝bergriffen. In Nordth├╝ringen war die wichtigste Identifikationsfigur der Bauern der rebellische Prediger Thomas M├╝ntzer ( 1489  -  1525 ), der anfangs die gleichen Ziele wie Martin Luther verfolgte. Jedoch ging er bald auf Distanz zu diesem und nannte den Reformator in einer Schm├Ąhschrift "das geistlose sanftlebende Fleisch in Wittenberg ". Luther, der gewaltsame Umsturzversuche als gottesl├Ąsterlich empfand, antwortete 1525 mit einem Pamphlet "gegen die m├Ârderischen Rotten der Bauern". Im Mai des gleichen Jahres wurde einer der letzten gro├čen Bauernaufst├Ąnde am Fu├če des Kyffh├Ąusers blutig niedergeschlagen. M├╝ntzer wurde gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet.

Politischer Hintergrund

Offizieller Auftraggeber des Gem├Ąldes war das Kulturministerium der DDR , das damit einen Beschluss des SED - Politb├╝ros umsetzte.

Anfang der 1970er Jahre fand mit dem Ende der Ulbricht -├ära auch ein Wandel der kulturpolitischen Doktrin der SED statt. Mehr Vielfalt und Akzeptanz auch nicht ausschlie├člich dem Realsozialismus verpflichteter Kunst sollte einerseits das internationale Ansehen heben, andererseits auch die Vereinnahmung historischer Gestalten und Ereignisse als "revolution├Ąre" Vorg├Ąnger des "ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden" erleichtern, deren Verm├Ąchtnis nun durch die DDR als nat├╝rlicher Erbe verwirklicht sei.

Thomas M├╝ntzer wurde zum bedeutendsten Fr├╝hrevolution├Ąr Deutschlands stilisiert, die Bauernaufst├Ąnde des fr├╝hen 16.Jahrhunderts gem├Ą├č der geschichtsphilosophischen Auffassungen von Karl Marx zum Teil einer "fr├╝hb├╝rgerlichen Revolution" erhoben, die den ├ťbergang vom Feudalismus zum Fr├╝hkapitalismus einleitete. Die Verehrung Thomas M├╝ntzers dr├╝ckte sich zum Beispiel darin aus, dass er ab 1975 auf der 5- Mark -Banknote der DDR zu sehen war.

Die Idee

Vor diesem Hintergrund plante die SED im Hinblick auf den 450. Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges f├╝r 1975 ein gro├č angelegtes Gedenkjahr, um ihrem Alleinanspruch auf M├╝ntzers Erbe geb├╝hrenden Ausdruck zu verleihen. Auf einem Plenum der SED 1972 wurde erstmals der offizielle Antrag eingebracht, auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen eine Panorama-Gedenkst├Ątte zum Andenken an die dort geschlagene Bauernschlacht und ihren Anf├╝hrers M├╝ntzer zu errichten. Der SED-F├╝hrung schwebte ein monumentales, heroisierendes Schlachtengem├Ąlde in der Tradition der typischen Gigantomanie kommunistischer Heldenverehrung vor. Als Vorbild dienten die zahlreichen Panoramagem├Ąlde des 19. und fr├╝hen 20. Jahrhunderts , insbesondere ein russisches Panoramagem├Ąlde, das 1912 zum 100. Jahrestag der Schlacht von Borodino entstanden war und 1962 in einem eigens errichteten Rundbau am Ort der Schlacht untergebracht wurde.

Nach mehrj├Ąhrigen Diskussionen, fachlichen Expertisen durch Historiker und Kunstsachverst├Ąndige, ├änderungsvorschl├Ągen, erneuten Debatten usw. entschied der beauftragte Kulturminister, den Streit zu beenden. Entgegen den Vertretern des sozialistischen Realismus' gab er nun doch ein von diesen abgelehntes Panoramabild in Auftrag - der zugeh├Ârige Bau war bereits in Arbeit.

Das Projekt

F├╝r ein solches Vorhaben kamen nur die besten K├╝nstler in Betracht. Konkret wurde der international angesehene Werner T├╝bke als geeignet erachtet. T├╝bke nahm den Auftrag nach einiger Bedenkzeit an, stellte aber unmissverst├Ąndliche Bedingungen: Er bliebe der einzige Auftragnehmer und er w├╝rde kein dokumentarisch korrektes Bilddokument einer Schlacht schaffen, sondern ein k├╝nstlerisches Monumentalwerk mit umfassender Verallgemeinerung. Vor allem aber habe ihm niemand ins k├╝nstlerische Konzept und seine Ausf├╝hrung hineinzureden. Ohne die Akzeptanz seiner k├╝nstlerischen Autonomie w├╝rde er nicht malen.

Die Zeit dr├Ąngte, es war 1975. T├╝bkes "Ultimatum", das jedem weniger bedeutenden K├╝nstler der DDR zum Verh├Ąngnis h├Ątte werden k├Ânnen, wurde weitgehend akzeptiert. Dadurch entstand das Gem├Ąlde nicht im "offiziellen" Stil des sozialistischen Realismus , sondern in dem von T├╝bke gepflegten magischen Realismus .

Die Ausf├╝hrung

1976 lie├č sich der Maler als Rektor der Leipziger Kunsthochschule beurlauben und begann, parallel zum intensiven Quellenstudium der Renaissancezeit, erste Skizzen und kleinere Bilder als Entw├╝rfe anzufertigen. Bereits 1978 wurde die Leinwand angeliefert. 1979 folgte, wie konzipiert und im Vertrag auch fixiert, die Arbeit an der 1:10-Modellfassung, der eigentlichen Originalversion. Das auf 5 Holztafeln von je 2,46 m L├Ąnge und 1,39 m H├Âhe gemalte Werk befindet sich heute in Berlin. 1982 spannten und pr├Ąparierten 54 Arbeiter die Leinwand auf. Danach zeichneten insgesamt f├╝nfzehn K├╝nstler die Konturen aus der Modellfassung auf 900 Quadrate aus Klarsichtfolie, die anschlie├čend fotografiert wurden.

Die Fotos wurden mit beweglichen Tageslichtprojektoren im Ma├čstab von 1:10 auf die Leinwand projiziert und die vergr├Â├čerten Konturenzeichnungen mit einer blassen Temperafarbe festgehalten. Diese Arbeit beanspruchte drei Monate.

Die f├╝nfzehn K├╝nstler absolvierten im folgenden Jahr eine Art Training, bei dem sie T├╝bkes Stil exakt kopieren lernen und sich zudem durch ├ťbertragung von Vorstudien auf immer gr├Â├čere Fl├Ąchen die Technik f├╝r die Gro├čleinwand aneignen sollten. F├╝nf Maler wurden schlie├člich vom Meister ausgew├Ąhlt. 1983 stie├čen sie nach und nach zu T├╝bke, der inzwischen schon eine kleinere Fl├Ąche als Referenz allein bemalt hatte. Auf f├╝nf Stockwerke hohen fahrbaren Ger├╝sten arbeiteten die sechs Maler ├╝ber vier Jahre lang in Schichten und auch am Wochenende. Durch die st├Ąndige ├ťberbeanspruchung seines rechten Armes kam es bei T├╝bke w├Ąhrend der Arbeiten zu einem Muskelriss im Daumen, wodurch er zu l├Ąngeren Pausen gezwungen wurde. Am 7. August 1987 vollendete Werner T├╝bke schlie├člich seinen Teil des Gem├Ąldes, am 11. September beendete der letzte Mitarbeiter seine Arbeit, und am 16. Oktober setzte Werner T├╝bke schlie├člich seine Signatur auf das fertige Werk. Einer der ersten, die das Werk kurz vor seiner Fertigstellung sehen konnten, war im Herbst 1987 der Historiker Golo Mann . Er schilderte seine Eindr├╝cke wie folgt:

"Der Schreiber dieser Zeilen hatte das Gl├╝ck, den Rundbau auf dem H├╝gel bei Frankenhausen im Oktober des Jahres 1987 zu besuchen, einige Wochen bevor Werner T├╝bke, nach zw├Âlfj├Ąhriger Arbeit, sein Werk als vollendet bezeichnete, anderthalb Jahre bevor es der ├ľffentlichkeit gelegentlich einer Feier zug├Ąnglich gemacht werden wird. Wir waren zu dritt, mit zwei freundlichen Erkl├Ąrern. Danach durften wir noch das Ehepaar T├╝bke begr├╝├čen. Der Meister war tief ersch├Âpft, soviel sp├╝rte man, sehr erholungsbed├╝rftig, aber gl├╝cklich wohl auch. Was konnte ich ihm sagen? Kaum mehr, als was ich in das G├Ąstebuch schrieb: "Voll Bewunderung und Staunen." Betritt man das riesige Gew├Âlbe, sieht man steil nach oben, so wird man zun├Ąchst von etwas wie Schwindel erfasst. Dann versucht man sich zu orientieren; wozu eine Stunde niemals ausreichen kann. Es ist eine Welt, die sich da auftut; Menschenwelt im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Hatte der Meister Vorbilder, so waren es Maler eben jener Zeit; keineswegs die Historien-Maler des neunzehnten, die gar so schlecht auch nicht waren, mit denen sich aber jeder Vergleich verbietet. ├ťberhaupt versagt hier das blo├če Wort. Realismus? Ja, doch, der auch. Man sieht die Qual eines aufs Rad Geflochtenen. Man sieht Henker und Geh├Ąngte. Man sieht das ├╝ppige Leben, Lust und Wollust neuen, reich gewordenen B├╝rgertums. Stimmig ist auch hier eine Druckerwerkstatt mit von der Partie: Wirklichkeit und Symbol der neuen Gro├čmacht. [...]
Aber wer unter jener Kuppel auf dem Frankenberg steht, dem Gem├Ąlde ohne Anfang, ohne Mitte und ohne Ende, der Schau, in welcher Symbole wie der berstende Turm von Babylon oder ein Regenbogen hoch ├╝ber dem Schlachtengewimmel sich mit historischen Figuren vers├Âhnen, dem wird die Zaubermacht der Kunst f├╝r einen Moment alle Theorie als grau in grau erscheinen lassen." (Golo Mann: Bauernkriegspanorama: Erster Besuch.)

Er├Âffnung

Das Jahr 1989 war anl├Ąsslich des 500. Geburtstages Thomas M├╝ntzers von der Staatsf├╝hrung zum Thomas-M├╝ntzer-Jahr erkl├Ąrt worden. Daher wurde die Gedenkst├Ątte ÔÇ×Fr├╝hb├╝rgerliche Revolution in DeutschlandÔÇť mit dem monumentalen Panoramabild des Nationalpreistr├Ągers der DDR, Prof. Werner T├╝bke, am 14. September dieses Jahres offiziell er├Âffnet. Zuvor waren Ausschnitte des Gem├Ąldes bereits auf einem f├╝nfteiligen Briefmarkensatz erschienen, den die Deutsche Post der DDR am 22. August herausgegeben hatte.

Die h├Âchste Politprominenz der DDR blieb der Einweihungsfeier weitgehend fern. Als rangh├Âchste Politiker nahmen teil: Kulturminister Hoffmann , einer der wichtigsten F├Ârderer des Projektes, sein Gegenspieler Kurt Hager und Margot Honecker in Vertretung ihres erkrankten Mannes. Erich Honecker kann auch als stiller Schirmherr des Panoramas angesehen werden. Wenige Wochen nach der Er├Âffnung zwang das Volk in einer friedlichen Revolution seine F├╝hrung (und damit den Auftraggeber des Bildes) dazu, selbst nur noch Geschichte zu sein.

Stimmen und Reaktionen

Vor allem wurden die ├╝berdimensionierten Ausma├če des im Auftrag der Regierung entstandenen Bildes kritisiert, da sie in keinem Verh├Ąltnis zur wirtschaftlichen Lage der DDR zu seiner Entstehungszeit st├╝nden. Gro├če Teile der Bev├Âlkerung sahen das Bild zu dieser Zeit als pures Propagandamittel der Herrschenden an, die damit ihr idealisierendes Geschichtsbild von den Bauernkriegen propagieren wollten. Demgegen├╝ber steht die Ausf├╝hrung dieser Idee durch Werner T├╝bke, dessen Darstellungsweise eben nicht den Vorstellungen der Politiker entspricht.

Schon kurz nach der Errichtung hatte der zugeh├Ârige Rundbau vom Volksmund den respektlos-ver├Ąchtlichen Spitznamen ÔÇ×ElefantenkloÔÇť erhalten. Andere Bezeichnungen lauteten ÔÇ× Gasometer ÔÇť und ÔÇ× Silo ÔÇť. Das millionenschwere Prestigeobjekt erschien der Bev├Âlkerung angesichts des sich st├Ąndig versch├Ąrfenden Mangels in allen Lebensbereichen als purer Hohn und Zynismus der Herrschenden. Von Kritikern wurde ÔÇô und wird auch heute noch ÔÇô angef├╝hrt, durch das kostspielige Kunstprojekt seien mehrere andere Projekte in der Region gestrichen worden, unter anderem eine Turnhalle in Sangerhausen. Bef├╝rworter des Projekts verweisen hingegen auf die Devisen, die T├╝bke durch den Verkauf seiner Bilder ins Ausland eingebracht habe.

Diese Kritik erstreckte sich nat├╝rlich auch auf den ÔÇô teilweise ungerechtfertigt, teils berechtigt ÔÇô so titulierten ÔÇ×Staatsk├╝nstlerÔÇť von Gnaden der SED. T├╝bke selbst ├Ąu├čerte sich jedoch auch nach der Wende rundum zufrieden ├╝ber sein bekanntestes Werk. Weiterhin betrachtete er sich nach eigener Aussage auch nicht als K├╝nstler der DDR und schon gar nicht als Staatsk├╝nstler, sondern als au├čerhalb der DDR-Kunst stehend.

Heutige Bedeutung

Nach dem Ende der DDR war die Zukunft des Panorama-Museums infolge der bereits w├Ąhrend der Arbeiten T├╝bkes entstandenen Kritik in der Bev├Âlkerung ungewiss. Es wurde sogar eine Schlie├čung des Museums diskutiert, die jedoch durch Sachverst├Ąndige im Erfurter Kunstministerium abgewendet werden konnte.

Seit 1992 wurde das Konzept des Panorama-Museums ├╝ber das Zeigen des Monumentalgem├Ąldes hinaus auf den Zusammenhang mit ├Ąhnlichen Kunstwerken einerseits und dem Gesamtwerk Werner T├╝bkes andererseits erweitert. Haupttr├Ąger des Museums ist heute der Freistaat Th├╝ringen. Zu etwa 30 Prozent kann sich das Museum aus eigenen Einnahmen finanzieren. Mit j├Ąhrlich etwa 120.000 Besuchern zieht es ein so gro├čes Publikum an wie nur noch wenige andere Gem├Ąlde in Deutschland.

Als einer von 20 "kulturellen Ged├Ąchtnisorten" in den neuen Bundesl├Ąndern wurde das Panorama-Museum in das " Blaubuch " der Bundesregierung aufgenommen.

Literatur

  • T├╝bke, Werner (1985): "Zur Arbeit am Panoramabild in Bad Frankenhausen (DDR)", Zeitschrift f├╝r Schweizerische Arch├Ąologie und Kunstgeschichte (ZAK) 42 (4), 303 - 306.
    • diese informative Ausgabe bietet einen ├ťberblick zur Panoramenmalerei weltweit und im historischen Vergleich
  • Mei├čner, G├╝nter (1989): Werner T├╝bke theatrum mundi ┬╗Fr├╝hb├╝rgerliche Revolution in Deutschland┬ź. Dresden: VEB Verlag der Kunst (beim Museumsladen bestellbar) [1]
    • 18 Kunstdrucke vom Bauernkriegspanorama mit Erl├Ąuterungen von Dr. Mei├čner
  • Mei├čner, G├╝nter und Murza, Gerhard (1995): Bauernkrieg und Weltgericht. Leipzig: Seemann, 65 S.
    • enth├Ąlt Aufnahmen vom Originalgem├Ąlde in eindrucksvollen Bildausschnitten, verbunden mit einer detaillierten Interpretation der verschl├╝sselten Bildinhalte.
  • Behrendt, Harald (2002): Das Panoramabild in Bad Frankenhausen. "Fr├╝hb├╝rgerliche Revolution" von Werner T├╝bke. Seine Ideen-, Entstehungs-, Deutungs- und Vermittlungsgeschichte. Kiel: Univ., Diss., Mikrofiches, 299 Bl., grafische Darstellung
  • weitere Monografien und Bildb├Ąnde zum Thema erh├Ąlt man auch per Versand beim Museumsladen des Panorama Museums [2]

Filmografie

  • (1987): ÔÇťT├╝bkes theatrum mundiÔÇŁ. (60 Min.) Produktion: DEFA . Text: G├╝nter Mei├čner
    • im Museumsladen erh├Ąltlich [3] ; dokumentiert die Entstehungszeit von Museum und Gem├Ąlde mit einer einf├╝hrenden Bildinterpretation.
  • (1988): "Schlacht am Bild" (20 Min.) Regie: Ted Tetzke. Produktion: DEFA
    • im Museumsladen erh├Ąltlich [4] ; Dokumentation der Entstehung des Monumentalbildes mit Interviewpassagen von Werner T├╝bke.
  • (1991): "Werner T├╝bke. Vom Abenteuer der Bildfindung." (60 Min.) Reportage. Regie: Reiner E. Moritz. Produktion: RM Arts
    • der Filmtitel verwendet einen Begriff in T├╝bkes Aufsatz von 1985

Weblinks

Weitere historische Panoramagem├Ąlde (Auswahl)

chronologische Reihenfolge
  • Schlacht am Bergisel 1809 in Innsbruck, ( ├ľsterreich )
  • Panorama von Rac┼éawice in Breslau (Wroc┼éaw, Polen ), zeigt den Sieg der polnischen Armee ├╝ber die russische in der Schlacht bei Rac┼éawice 1794
  • Schlacht bei Waterloo in Waterloo ( Belgien )
  • Schlacht von Borodino , Moskau , 1912 fertiggestellt
  • Bourbaki-Panorama in Luzern, ( Schweiz )
  • Kreuzigung Christi in Einsiedeln, ( Schweiz )
  • Wocher-Panorama in Thun, ( Schweiz )
  • Mesdag Panorama in Scheveningen ( Holland ) von Hendrik Willem Mesdag
  • Jerusalem Panorama Kreuzigung Christi in Alt├Âtting ( Deutschland )
  • Feszty Panorama in ├ôpusztasz├ęr ( Ungarn )
  • Cyclorama in Atlanta , (USA)
  • Wolgograd , (Russland)
  • Plewen , (Bulgarien), 1977 fertiggestellt
  • Murtenschlacht Panorama , wurde tempor├Ąr bei der Expo 2002 in Murten ( Schweiz ) pr├Ąsentiert und zeigt die Schlacht bei Murten


Koordinaten: 51┬░ 22ÔÇ▓ 12" n. Br., 11┬░ 6ÔÇ▓ 15" ├Â. L.

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