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Letzte Änderung für Artikel Erfurter Dom: 24.01.2006 10:14

Erfurter Dom

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Bekannte RĂŒckansicht des Erfurter Domes (links) und der Severikirche (rechts).
Bekannte RĂŒckansicht des Erfurter Domes (links) und der Severikirche (rechts).

Der Erfurter Dom (auch Marienkirche oder Propsteikirche Beatae Mariae Virginis genannt) ist der wichtigste und Ă€lteste Kirchenbau in Erfurt. Er diente nur kurze Zeit in der Mitte des 8. Jahrhunderts als Bischofssitz und war das gesamte Mittelalter ĂŒber bis in das frĂŒhe 19. Jahrhundert hinein Sitz des Kollegiatstifts St. Marien . Seit 1994 ist er wieder Kathedrale des neugeschaffenen Bistums Erfurt und Sitz des Domkapitels .

Inhaltsverzeichnis

Geschichte Erfurts im frĂŒhen Mittelalter

Erfurt war bereits im ThĂŒringischen und FrĂ€nkischen Reich ein wichtiges Machtzentrum. Schon Papst Gregor II. (715–731) hatte 724 die ThĂŒringer aufgefordert, dem hier missionierenden Bonifatius ein „Haus“ zu bauen. Angeblich ist man dieser Aufforderung bereits 725 nachgekommen. 741 / 42 bat Bonifatius den Papst Zacharias , die GrĂŒndung eines Bistums „an dem Erphesfurt genannten Ort, der schon seit langem eine Siedlung oder Burg (urbs) heidnischer Bauern war“ zu bestĂ€tigen. Gleichzeitig wurden auch noch die BistĂŒmer BĂŒraburg (spĂ€ter Fritzlar) und WĂŒrzburg eingerichtet. Die ErsterwĂ€hnung gilt als GrĂŒndungsdatum der Stadt Erfurt, obwohl Bonifatius ja schon eine volkreiche Siedlung vorgefunden hatte, was zum einen Bedingung fĂŒr die Einrichtung eines Bistums war und zum anderen die Ergebnisse der stadtarchĂ€ologischen Forschungen deutlich gezeigt haben.

Nur wenige Jahre spĂ€ter, wohl schon in den frĂŒhen 750er Jahren, spĂ€testens aber nachdem Bonifatius, Adolar und Eoban 754 das Martyrium in Friesland erlitten hatten, erfolgte die Auflösung des Bistums und die Eingliederung in das Bistum Mainz. Der erste Erfurter Bischof war wohl nicht Adolar, wie in der Legende berichtet wird, sondern der seit 751 / 52 in EichstĂ€tt wirkende Willibald von EichstĂ€tt . Aus dem Jahr 802 liegt die urkundliche Nennung einer karolingischen Pfalz vor, die mit einiger Sicherheit auf dem Erfurter Petersberg zu lokalisieren ist. 805 wurde Erfurt im Diedenhofener Kapitular Karls des Großen als Grenzhandelsplatz mit den Slawen bestimmt.

Baugeschichte der katholischen Domkirche Beata Maria Virginis

Vorromanische und romanische Zeit

Moderne Orgel im Erfurter Dom
Moderne Orgel im Erfurter Dom

Der erste VorgĂ€nger der heutigen Marienkirche wurde angeblich ab 752 durch Bonifatius errichtet; an welchem Ort und in welcher Form dies erfolgte, ist jedoch nicht bekannt. Bei archĂ€ologischen Untersuchungen anlĂ€sslich eines Orgeleinbaus wurde 1991 im Westen des Langhauses in 3 m Tiefe eine aus einfachem Mauerwerk errichtete West apsis angetroffen und ins 9. Jahrhundert datiert. Der AusgrĂ€ber Wolfgang Timpel hielt es sogar fĂŒr möglich, dass sie bereits zur ersten Kirche gehört und im 8. Jahrhundert errichtet worden war. Eine erneute Untersuchung ergab jedoch, dass diese Apsis erst aus jĂŒngerer Zeit, wohl dem 10. Jahrhundert , stammt.

St. Marien wurde 1117 erstmals urkundlich bezeugt und 1153 wurde vom Einsturz der Erfurter Hauptkirche, der major ecclesia, berichtet. 1154 erfolgte der Baubeginn einer spĂ€tromanischen Basilika auf dem Domberg. Man sollte jedoch weder als sicher annehmen, dass die Kirche des Bonifatius bis 1153 stand noch dass der Bau tatsĂ€chlich eingestĂŒrzt war. Viel wahrscheinlicher ist, dass Domherren und Mainzer Erzbischof eine neue Kirche errichteten, weil sie hinter dem Neubau der benachbarten St. Severi-Kirche und des Petersklosters , die bei einem Brand 1142 zerstört worden waren, nicht zurĂŒckstehen wollten. Möglicherweise hatte der Brand aber auch teilweise auf St. Marien ĂŒbergegriffen.

Der Bau ging schnell voran, da man bei den Bauarbeiten 1154 zwei Bestattungen aufgedeckt hatte, die als Überreste der heiligen Bischöfe Eoban und Adolar identifiziert wurden, was mit den bald darauf einsetzenden Spenden und Opfergaben wesentlich zur Baufinanzierung beitrug. Die Kirche war 1170 bereits benutzbar, da in diesem Jahr Ludwig III., der Sohn des Landgrafen Ludwig des Eisernen von ThĂŒringen, hier von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Ritter geschlagen wurde.

Auch die beiden Ă€ltesten AusstattungsstĂŒcke des Doms stammen aus dieser Zeit: der sog. Wolfram und die romanische Madonna aus Stuck, die beide um 1160 datieren. Bei dem Wolfram handelt es sich um die Bronze-Freiplastik eines LeuchtertrĂ€gers, die vermutlich in der Magdeburger GießhĂŒtte entstand und eine der Ă€ltesten freistehenden Bronze skulpturen in Deutschland ĂŒberhaupt ist. Der in einer ziselierten Inschrift auf den herabhĂ€ngenden GĂŒrtelenden zusammen mit seiner Ehefrau Hiltiburc genannte Stifter Wolfram ist sehr wahrscheinlich identisch mit einem Mainzer Ministerialen Wolframus scultetus, der 1157 zweimal in Urkunden erscheint.

FĂŒr den 20.Juni 1182 ist eine Weihe der Kirche ĂŒberliefert, bei der es sich wohl um die Gesamtweihe handeln dĂŒrfte, ohne dass zu diesem Zeitpunkt jedoch schon alle Bauarbeiten abgeschlossen waren. Dies belegen Nachrichten ĂŒber die Fertigstellung der TĂŒrme und eine erneute Weihe am 5. Oktober 1253 , die besonders in der Ă€lteren Literatur gern fĂŒr Abschluss des romanischen Baus in Anspruch genommen wurde. Es kann sich aber nur um eine Nach-oder Wiederweihe nach Um- oder Erweiterungsbauten handeln. Wahrscheinlich beziehen sie sich auf die Einwölbung des Sanktuariums , das mindestens bis 1238 flach gedeckt war.

Von dem romanischen Bau aus der zweiten HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts , einer Basilika mit kreuzförmigem Grundriss, haben sich noch die Unterbauten der TĂŒrme mit je zwei quadratischen Untergeschossen, die westlich anschließenden ChornebenrĂ€ume und Teile des Querhauses erhalten. Die darĂŒber liegenden Turmgeschosse, die in ein Oktogon ĂŒbergehen, stammen aus dem spĂ€ten 12. Jahrhundert und ersten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts. 1201 wurde der SĂŒd- und 1237 Nordturm fertiggestellt, beide spĂ€ter jedoch mehrfach verĂ€ndert bzw. sogar im 15. Jahrhundert neu aufgebaut.

Gotische Umbauten

„Erffurt die groß unnd gedechtnußwirdig statt ein haubt ThĂŒringer lannds“. Stadtansicht Erfurts aus der Schedelschen Weltchronik von 1493. Der Dom mit seiner Treppe ist links oben zu sehen.
„Erffurt die groß unnd gedechtnußwirdig statt ein haubt ThĂŒringer lannds“. Stadtansicht Erfurts aus der Schedelschen Weltchronik von 1493. Der Dom mit seiner Treppe ist links oben zu sehen.

Wie in anderen Dom- und Stiftskirchen wuchs in der Gotik das BedĂŒrfnis, die Kirche und besonders den Chor grĂ¶ĂŸer und heller zu gestalten, zumal der Platz nicht mehr fĂŒr alle Domkapitulare ausreichte. Deren Zahl war durch mehrere Stiftungen betrĂ€chtlich gestiegen und ĂŒber 100 Personen, an Feiertagen sogar an die 300 Kleriker nahmen am Gottesdienst teil.

Bereits in den 80er Jahren des 13. Jahrhunderts wurde daher begonnen, einen neuen grĂ¶ĂŸeren Chor mit polygonalem Abschluss anzufĂŒgen. 1290 erfolgte die Weihe der ersten ChorverlĂ€ngerung. Daraufhin wurde mit dem Ausbau des Mittelturms begonnen und dieser vor 1307 fertiggestellt. Er dient als Glockenhaus mit der berĂŒhmten Glocke Gloriosa, die erstmals 1251 geweiht wurde. Zwischenzeitlich wurde die Glocke mehrmals neu gegossen. Letzter Guss 1497 .

Doch schon bald reichte der Platz erneut nicht mehr aus. Deshalb schuf man im 14. Jahrhundert einen noch einmal wesentlich erweiterten Chor und stellte auch umfangreiche Bauarbeiten an der restlichen Kirche an. Der 1349 begonnene sog. Hohe Chor mit 5/8-Schluss wurde von dem Weihbischof von Constantia, Friedrich Rudolf von Stollberg, geweiht, der zwischen 1370 und 1372 amtierte.

Besonders hinzuweisen ist auf den spĂ€tgotischen GlasgemĂ€ldezyklus (etwa 1370–1420) im Hohen Chor, einem der besterhaltenen in Deutschland, und die ebenfalls noch weitgehend originale Raumausstattung des Chores. Das 1360 / 70 geschaffene ChorgestĂŒhl ist eines der umfangreichsten mittelalterlichen GestĂŒhle Deutschlands und qualitĂ€tsvoller als in mancher Bischofskirche.

Der Chor steht auf gewaltigen Substruktionen, die man bis 1329 fĂŒr die kĂŒnstliche Erweiterung des DomhĂŒgels nach Osten schaffen musste. Diese Unterbauten werden Kavaten genannt, was sich von lat. cavare = aushöhlen ableiten lĂ€sst. Im Mittelalter und Neuzeit wurden hier HĂ€user eingebaut, die im 19. Jahrhundert jedoch beseitigt worden sind. Das heutige Bild des Chors entstammt ebenfalls erst dieser Zeit, in der die Attika auf der Mauerkrone und die Fialen , die Heiligenskulpturen vor den Strebepfeilern und weitere Ausstattungsteile neu geschaffen wurden. Noch mittelalterlich ist dagegen die Außenkanzel an einem der Kavatenpfeiler. Mit dem Bau der Kavaten ist auch die Unterkirche – die Benennung Krypta ist nicht ganz korrekt – errichtet worden, die 1353 geweiht werden konnte. Die gotische Unterkirche war Andachtsraum und Prozessionsweg zugleich. Gesichert ist die Heilig-Blut-Prozession um den Chor. In dieser Funktion bedurfte sie keines direkten Zugangs von der Kirche, wohl aber zweier gegenĂŒberliegender TĂŒren fĂŒr die Prozession.

Portal des Erfurter Doms
Portal des Erfurter Doms

Zeitgleich zur Erbauung der Kavaten – um 1330 – wurde der Triangel-Portalvorbau am nördlichen Querschiffsarm als Haupteingang errichtet. Er zeigt die zwölf Apostel und den Zyklus der klugen und törichten Jungfrauen , flankiert von Ecclesia und Synagoge . Insgesamt ist diese Lösung ungewöhnlich, denn der Dom hat keine reprĂ€sentative Westfassade mit Portal, sondern man erlebt ihn von Nordosten her kommend. Dies liegt vor allem an dem begrenzten Platz auf dem DomhĂŒgel, den man sich noch mit der Severikirche teilen musste und der wichtigen mittelalterlichen Stadt östlich des Domes.

Aus dem Jahr 1452 stammt die Nachricht, dass der Einsturz des Langhauses drohte. Dies ist zwar nicht ganz unwahrscheinlich, da man ja immer noch das romanische Langhaus benutzte, aber es war wohl mehr der Wunsch nach einem Ă€hnlichen modernen Bau wie dem der benachbarten St. Severi-Kirche, der zu einem Neubau schreiten ließ. St. Severi hatte schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts nach einem Brand ein neues Langhaus erhalten.

1455 wurde das Langhaus endgĂŒltig abgerissen und mit dem Neubau einer spĂ€tgotischen Hallenkirche begonnen. Der Grund fĂŒr den Umbau liegt offenbar darin, dass die Stiftsherren mehr Platz fĂŒr die Gemeinde gewinnen wollten. Der eigenstĂ€ndige Anteil der bĂŒrgerlichen Bevölkerung an der Baufinanzierung wird aber auch nicht gering einzuschĂ€tzen sein. Die Kirche war bereits um 1465 wieder benutzbar, da von einer Fronleichnamsprozession durch das Westportal berichtet wird. Wann das Langhaus fertiggestellt war, ist nicht ĂŒberliefert. Das spĂ€tgotische Stern gewölbe im SĂŒdarm des Querhauses stammt wohl ebenfalls aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts und zeichnete vermutlich ehemals den Standort der Reliquien - Tumba der Hl. Adolar und Eoban aus (heute in der Unterkirche).

Die Klausuranlagen

Die Klausur sĂŒdlich des Doms ist heute dreiteilig und umschließt einen kleinen Kreuzhof. Der westliche und sĂŒdliche sind ĂŒbliche einschiffige KreuzgangflĂŒgel , der nördliche wurde mit dem Bau des spĂ€tgotischen Langhauses niedergelegt. Dagegen ist der östliche KreuzgangflĂŒgel als zweischiffige sog. Kunigundenhalle ausgebildet. Der Saal diente den Kapitelsitzungen und wurde wohl ungefĂ€hr gleichzeitig mit der Fertigstellung der TĂŒrme 1230 / 40 errichtet. Die ĂŒbrigen Teile der Klausur wurden abschnittsweise von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet und umgebaut, der OstflĂŒgel Mitte des 14. Jahrhunderts nachtrĂ€glich eingewölbt. Auch die KlausurgebĂ€ude wurden in der Folgezeit und insbesondere im 19. Jahrhundert stark verĂ€ndert.

Die Clemens- und Justuskapelle am OstflĂŒgel, ein einschiffiger, einjochiger Raum mit Sterngewölbe und 5/8-Schluss, wurde 1455 fertiggestellt und weicht ebenfalls in Achse nach Norden hin ab.

Die weitere Entwicklung des Kirchenbaus in der Neuzeit

Hochamt anlÀsslich der Bistumswallfahrt im Bonifatiusjahr auf den Domstufen
Hochamt anlÀsslich der Bistumswallfahrt im Bonifatiusjahr auf den Domstufen

Stadt und Kirche erlebten im DreißigjĂ€hrigen Krieg mehrfache Besitzerwechsel, zeitweise sollte das Stift sogar aufgehoben und den Jesuiten ĂŒbergeben werden, was jedoch durch das Kapitel verhindert werden konnte. Zwischen 1697 und 1706 wurde der gewaltige barocke Hochaltar geschaffen und im Chor aufgestellt, um den liturgischen Feiern einen pompöseren Rahmen zu geben und den Sieg des Mainzer Erzbischofs ĂŒber die evangelische Stadt nach außen zu demonstrieren. Der Mainzer Erzbischof verlor zunehmend das Interesse an dem Stift und ließ im 17. und 18. Jahrhundert kaum noch Erhaltungsarbeiten durchfĂŒhren. Nachdem 1717 die Turmhelme abgebrannt waren, wurde nur ein flaches Notdach aufgesetzt. WĂ€hrend der napoleonischen Kriege wurde der Domberg wie auch der Petersberg in eine Festung umgewandelt und der Dom durch französische Truppen als Pferdestall missbraucht. Bei der Beschießung in den Befreiungskriegen 1813 wurde die gesamte dichte Bebauung des Domberges mit den Kurien zerstört. 1803 und endgĂŒltig 1837 wurde im Zuge der SĂ€kularisierung das Domstift aufgelöst und diente fortan als Pfarrkirche. In dem nun preußischen Erfurt begann 1828 ein umfangreiches puristisches Restaurierungs - und Umbauprogramm, bei dem das spĂ€tgotische Walmdach 1868 zu einem niedrigeren Satteldach umgebaut wurde. Diese Maßnahmen waren um 1900 weitgehend abgeschlossen.

Im Jahr 1965 lag der Beginn erneuter umfangreicher Restaurierungsarbeiten. 1968 , 100 Jahre nach dessen Errichtung, wurde das neogotische Dach wieder abgebaut und durch ein dem spÀtgotischen Zustand entsprechendes neues Dach ersetzt. In den spÀten 1970er und 1980er Jahren bis 1997 wurde die Restaurierung der Kirche weiter fortgesetzt. 1994 wurde die ehemalige Marienstiftskirche zur Kathedrale des restituierten Bistums Erfurt erhoben.

Ausstattung

Glasfenster im Hochchor

Die 18 m hohen und bis 2,60 m breiten vierbahnigen Maßwerkfenster im Chor zeigen einen spĂ€tgotischen GlasgemĂ€ldezyklus , der von etwa 1370 bis um 1420 geschaffen wurde und zu den grĂ¶ĂŸten seiner Art in Deutschland gehört. 13 der 15 Fenster noch fast vollstĂ€ndig mittelalterlich erhalten, wobei von den ca. 1100 einzelnen Scheiben 895 mittelalterlich ist. Lediglich das nur in Resten erhaltene Ostfenster mit Szenen aus dem Marienleben und geringfĂŒgige Ausbesserungen der Zeit zwischen 1897 und 1911 ergĂ€nzen den Altbestand. Die beiden westlichen Fenster der SĂŒdseite sind, einem neuen Restaurierungskonzept folgend, in der Bildsprache des Mittelalters gehaltene Neuschöpfungen von Charles Crodel .

Rechts neben dem Scheitelfenster werden die Schöpfung und die Urzeit bis zum Turmbau zu Babel behandelt ( Genesis ), links die Passion Christi bis zur Auferstehung. Die SĂŒdseite zeigt die Geschichte der ErzvĂ€ter Abraham , Jakob und Josef , das letzte Fenster spĂ€tgotische heilige Jungfrauen (Tiefengrubenfenster), die Nordseite die Apostel und Apostelmartyrien sowie Heiligenlegenden der Hl. Katharina , Eustachius , Bonifatius und Helena .

Die Fenster wurden sukzessive nach dem Chorbau geschaffenen und können in drei Gruppen unterschieden werden: Die Ă€ltesten acht Fenster gehören der sogenannten kleinfigurigen Gruppe an (Eustachius-, Katharinen-, Apostel-Martyrien- sowie Passionsfenster an der Nordseite, Genesis-, Abraham-, Jakob- und Josephfenster an der SĂŒdseite). Sie zeichnen sich auch durch vorwiegend gedrungene Figuren mit großen Köpfen und HĂ€nden. Die Felder sind eng gefĂŒllt. Sie entstanden unter dem Einfluss böhmischer und sĂŒddeutscher Vorbilder und datieren zwischen etwa Ende der Chorbauzeit um 1370 und 1380. Die zweite Gruppe wird als Einzelfigurengruppe bezeichnet. Hierzu gehören das Apostelfenster an der Nordostseite des Polygons und das wahrscheinlich beim Hochaltareinbau entnommene und seitdem weitgehend verschollene zentrale Marienfenster der Ostseite. Die Gruppe wird charakterisiert durch auf einzelne Scheiben verteilte Heiligendarstellungen mit weich fallenden GewĂ€ndern unter VernachlĂ€ssigung der Körperlichkeit und krĂ€ftig ausgebildeter Binnenzeichnung. Sie entstanden zwischen um 1390 und um 1400. Zu den Fenstern der sogenannten großfigurigen Gruppe gehören das Bonifatius- und das Helenafenster (die beiden westlichen der Nordseite) und das Tiefengrubenfenster. Es nach dem gleichnamigen Domvikar benannt, der das Fenster stiftete und hierauf kniend dargestellt ist. Er ist 1403 urkundlich nachweisbar und deshalb kann auch das letzte Fenster auf diese Zeit datiert werden. Bei den beiden ersten Fenstern wird in Betracht gezogen, dass sie nach Dombrand 1416 vielleicht in grĂ¶ĂŸerem Umfang erneuert und erst etwa 1420 endgĂŒltig fertiggestellt wurden. Deutlich zeigt sich hier der ĂŒber Böhmen vermittelte Einfluss des „Weichen Stils“.

ChorgestĂŒhl

ChorgestĂŒhl des Erfurter Doms
ChorgestĂŒhl des Erfurter Doms

Der Chor besitzt neben den Fenstern auch noch seine weitgehend originale Raumausstattung. Mit in zwei Reihen hintereinander angeordneten 89 Sitzen aus Eichenholz ist das Erfurter ChorgestĂŒhl eines der umfangreichsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen GestĂŒhle in Deutschland, das original erhalten und qualitĂ€tvoller ist als in mancher anderen Bischofskirche. Es dĂŒrfte etwa 1360/70 geschaffen worden sein, da es so gut in die Architektur eingepasst ist, dass die Planung und AusfĂŒhrung parallel zum Bau des Chores erfolgt sein wird. 1829/30 und 1900 erfolgten ErgĂ€nzungen vor allem im Bereich der Baldachine, so dass deren ursprĂŒngliche AusprĂ€gung nicht mehr rekonstruierbar ist. Außerdem wurden 36 der 50 FrauenfigĂŒrchen der Zwischenbacken und andere Details ersetzt.

Wie in jeder Stiftskirche hatte jeder Chorherr seinen eigenen festen Platz im ChorgestĂŒhl („stallus in choro“), wobei streng nach Rang unterschieden wurde. In den hinteren, höher plazierten und viel reicher ausgestatteten StĂŒhlen hatten die maiores praebendati , die besser ausgestatteten Chorherren, ihren Platz. Darunter lagen die PlĂ€tze der minores praebendati, geringere Kleriker wie gewĂ€hlte Domherren im Wartestand und Vikare sowie SchĂŒler der Domschule. Letztere hatten oft ihre Namen eingeritzt, was in Ă€lterer Literatur hinsichtlich Datierung zu Verwirrung sorgte. Am prĂ€chtigsten und reichsten verziert ist die GestĂŒhlsreihe an Westseite des Chores. Auf jeder Seite liegen drei Sitze mit davorstehenden Pulten, die jedoch in der Form modern sind, nur die Wangen sind noch original. Hier saßen die DignitĂ€re oder PrĂ€laten , die WĂŒrdentrĂ€ger des Kapitels: der Propst , der in Personalunion auch Archidiakon war, Dekan , Kantor , Kustos , Scholaster , und auf dem sechsten Stuhl vielleicht der Senior oder Punctator oder ein Weihbischof .

Das Programm besteht aus einer typologischen GegenĂŒberstellung von Alten und Neuem Testament . Dazu kommen genrehafte Szenen und Fratzen und Wesen an ZwischenbĂ€nken und HandlĂ€ufen. Die StĂŒhle besitzen keine der sonst ĂŒblichen Misericordien („Erbarmen“), das heißt kleine Konsolen zum AbstĂŒtzen. Besonders reich ausgebildet sind die beiden großen Westwangen. Die sĂŒdliche zeigt einen rankenden, Rundformen bildenden Weinstock mit Szenen des Weinanbaus und der Weinlese ĂŒber einem Christuskopf zwischen zwei Fischen. Oben in neben kleinen vollplastischen Figur von Maria mit dem Kind ist in zwei Dreipaßarkaden der SĂŒndenfall dargestellt. Der Weinstock ist als Symbol Christi zu interpretieren, da der Wein das Blut Christi versinnbildlicht. Die Medaillons mit dem Weinbau sind damit Allegorien der Überwindung der ErbsĂŒnde durch das Opfer Christi. Die nördliche Westwange zeigt den Sieg des Christentums ĂŒber das Judentum im Kampf zwischen Ecclesia und Synagoge . Ein strahlender Ritter tritt gegen einen Reiter auf einer Sau an (siehe Judensau ). Wahrscheinlich steht diese Darstellung auch mit den 1349 /50 tobenden Pogromen gegen die Juden in Zusammenhang. Die darĂŒber befindlichen vier musizierenden Engel mit zeitgenössischen Musikinstrumenten und der König David mit der Harfe sowie drei musizierenden Begleitern feiern offenbar den Sieg der christlichen Kirche. Bei den Ostwangen sind im SĂŒden der heilige Christophorus als Jugendlicher und im Norden der sich erhĂ€ngende Judas Ischariot und ein höhnisch grinsendes Teufelchen im BaumgeĂ€st dargestellt. Deutlich sind ein QualitĂ€tsabfall und mindestens zwei HĂ€nde feststellbar, wobei das GestĂŒhl der Dignitare und hohen PrĂ€laten den besten Bildschnitzern anvertraut war.

Hochaltar

Altar im Erfurter Dom
Altar im Erfurter Dom

Der 16,5 m hohe und 13 m breite barocke Hochaltar wurde zwischen 1697 und 1707 angefertigt und wohl anstelle eines großen gotischen FlĂŒgelaltars aufgestellt. Er konnte Beginn des 21. Jahrhunderts erfolgreich saniert werden und erstrahlt befreit von Staub und Ruß in neue Glanz. Das Tabernakel trĂ€gt eine inschriftliche Datierung auf 1697 und wurde nach der chronikalischen Überlieferung 1706 aufgestellt. Der Meister des Altars ist unbekannt. Die Aufstellung erfolgte im Zusammenhang mit der Gegenreformation und ist Zeichen der Herrschaft des Mainzer Erzbischofs in Erfurt zu verstehen.

Er besteht aus einem hohen doppelgeschossigen Postament, das mehrfach verkröpft und mit seitlichen DurchgĂ€ngen versehen ist. Auf dem breiten, polygonal angeordneten Untergeschoss stehen SĂ€ulenpaare, die gedreht und mit Weinlaub umwunden sind. Sie tragen ein mĂ€chtiges GebĂ€lk mit reichem plastischen Dekor, das die Form des Postamentes wieder aufnimmt. Auf dem Postament stehen außen Plastiken der ApostelfĂŒrsten, links der Hl. Petrus , rechts der Hl. Paulus , danach links der Hl. Bonifatius und rechts St. Martin , der Patron des Mainzer Erzbistums, und an bevorzugter Stelle neben dem Altarbild die Bischöfe Adolar und Eoban. Auf dem oberen Postament stehen die vier Evangelisten . Nur in der in der Mittelachse besteht ein mit Sprenggiebeln versehener Aufsatz, der von einem Giebelfeld mit ovalem Medaillonbild bekrönt wird. Auf den Sprenggiebeln wiederum stehen Josef und Johannes der TĂ€ufer. Das Medaillonbild zuoberst flankieren die Erzengel Michael und Raphael .

Das untere Altarblatt zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige , wobei sich die Darstellung an das gleichnamige GemĂ€lde von Peter Paul Rubens anlehnt. Es stammt von dem in Erfurt zwischen 1736 und 1776 nachweisbaren Maler Jakob Samuel Beck und ersetzt wohl Ă€lteres GemĂ€lde. UrsprĂŒnglich war auch das GemĂ€lde der hl. Dreifaltigkeit im Aufsatz von Beck, heute hĂ€ngt hier ein barockisierendes Bild mit einer Schutzmantelmadonna von 1950 , in der sich damals lebende Zeitgenossen der Domgemeinde verewigen ließen. In der Kartusche wird ein VerkĂŒndigungsbild gezeigt. Die beiden Altarbilder konnten den großen Kirchenfesten entsprechend gewechselt werden („Theatrum sacrum“). An der SĂŒdwand des Chores hĂ€ngen „Kreuzigung“ und „Himmelfahrt MariĂ€â€œ (Anfang 18. Jahrhundert) und ein weiteres Bild von Beck, die „Anbetung der Hirten“ aus der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Der Altar ordnet sich trotz seiner MonumentalitĂ€t dem hochgotischen Chor unter und lĂ€sst bis auf das Achsfenster den Blick auf die Chorfenster zu.

Literatur

  • Klaus Mertens: Der Dom zu Erfurt (Das Christliche Denkmal, Sonderheft 4), Berlin 1975
  • Edgar Lehmann/Ernst Schubert, Dom und Severikirche zu Erfurt (Leipzig 1988)
  • Ernst Schubert, Der Dom zu Erfurt (Berlin 1992).
  • H. H. Forberg/G. Lucke, Der Dom zu Erfurt. Schnell KunstfĂŒhrer Nr. 18874 (Regensburg 1996)
  • Bornschein, Falko: Die Glasmalereien von Charles Crodel im Dom zu Erfurt (Leipzig 1999). - ISBN 3-361-00502-7 .
  • Forschungen zum Erfurter Dom, Arbeitsheft des ThĂŒringischen Landesamtes fĂŒr Denkmalpflege, Neue Folge 20 (2005), ISBN 3-937940-10-3

Weblinks

Wikipedia

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