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Letzte Änderung für Artikel Wenden: 17.02.2006 11:16

Wenden

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Wenden (lat. Venedi, auch Elbslawen) ist der alte deutsche Name fĂŒr alle Slawen .

Er leitet sich von dem Name der Venedi ab, der fĂŒr verschiedene Völker Verwendung fand und mit dem Erscheinen der Slawen von mittelalterlichen Autoren auch fĂŒr das ihnen unbekannte Volk verwendet wurde. Wie auch der "Völkername" "Welsche" zeugt er von einem gewissen Distanzbewusstsein von Germanen und spĂ€ter Deutschen gegenĂŒber ihren Nachbarn.

Speziell bezeichnet der Name Wenden oder Winden diejenigen Westslawen , die vom 7. Jahrhundert an große Teile Nord - und Ostdeutschlands ( Germania Slavica ) bewohnten. Analog dazu existiert in Österreich das heute negativ konnotierte Adjektiv windisch zur Bezeichnung der Slowenen bzw. ihrer Sprache , siehe: windische Sprache .

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seit dem spĂ€ten 6. Jahrhundert und im 7. Jahrhundert wanderten Slawen in die oben genannten Gebiete der Germania Slavica ein. Dabei wurden in der Zeit um 600 und in der ersten HĂ€lfte des 7. Jh. zunĂ€chst die Gebiete entlang der Elbe und unteren Saale aufgesiedelt. Ab dem Ende des 7. Jh. und verstĂ€rkt im 8. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung der nördlich davon liegenden Regionen bis zur Ostsee . Zu einer Herausbildung von "StĂ€mmen" und "StammesverbĂ€nden" ( Ethnogenese ) kam es erst in Folge der Landnahme in den neu erschlossenen SiedlungsrĂ€umen. Einen Höhepunkt der westslawischen Entwicklungsgeschichte stellt die frĂŒhe "Staatsbildung" der Obodriten im Raum des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs im 11. Jahrhundert dar. Mit DĂ€nen und Deutschen kĂ€mpften die Slawen um die Vorherrschaft im sĂŒdlichen Ostseeraum und unterlagen schließlich. Selbst auf der dĂ€nischen Insel Lolland soll es zeitweilig slawische Ansiedlungen gegeben haben.

Im Laufe der mittelalterlichen Ostkolonisation ab dem 11. Jahrhundert , verstĂ€rkt aber erst im 12. Jahrhundert und 13. Jahrhundert , kam es zu einer Verschmelzung der Elbslawen mit den neuzugewanderten deutschen Siedlern und zur Herausbildung von sogenannten "deutschen NeustĂ€mmen" der Brandenburger, Mecklenburger, Pommern , Schlesier und Ostpreußen (Die Ostpreußen sind jedoch nicht aus Deutschen und Wenden, sondern aus Deutschen, den baltischen Pruzzen und den Masowiern entstanden.). Die slawische Sprache verschwand jedoch nicht plötzlich und nicht ĂŒberall, sondern wurde in einem jahrhundertelangen Prozess - nicht selten durch Restriktionen (Gebrauchsverbote) - zurĂŒckgedrĂ€ngt. Noch Martin Luther schimpfte ĂŒber die "wendisch sprechenden" Bauern in der Gegend von Wittenberg. In einigen Gebieten wie im niedersĂ€chsischen Wendland (s. auch Drawehn ) oder in der brandenburgisch-sĂ€chsischen Lausitz konnten die Slawen ihre kulturelle EigenstĂ€ndigkeit und Sprache jedoch bis weit ins 18. Jahrhundert bzw. bis heute bewahren.

Ein recht widersprĂŒchliches Schicksal hatten die slawischen bzw. slawischsprachigen (nicht-polnischen!) Bevölkerungsteile in den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945 (im sĂŒdlichen Ostpreußen und in Oberschlesien). Sie sind nach 1945 im polnischen Volk aufgegangen oder aber definieren sich nunmehr - sich der Polonisierung widersetzend - als deutsche Minderheit, mitunter auch einfach als "Schlesier". Die Wissenschaft hatte diesen Zustand der nichteindeutigen Volkszugehörigkeit frĂŒher "schwebendes Volkstum" genannt: Diese Menschen waren der Abstammung nach eher Slawen, bedienten sich aber nur noch teilweise der slawischen Sprache (oft nur als "Haussprache"), fĂŒhlten sich aber eher als Deutsche. Der zuletzt "eingedeutschte" slawische Stamm waren die sogenannten Slowinzen im östlichen Pommern, die um 1900 ihre slawische Sprache verloren hatten. Nach 1945, als die deutsche Provinz Pommern östlich der Oder an Polen fiel, sollten ihre Nachfahren zunĂ€chst "polonisiert" (= als eigentliche Slawen ins polnische Volk integriert) werden. Da sie sich dem aber widersetzten, weil sie sich inzwischen lĂ€ngst als Deutsche fĂŒhlten, ließ man sie schließlich in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen.

Religion und Kultur der Elbslawen

Bis in das 11. und 12. Jahrhundert hinein waren die nördlichen Elbslawen von heidnischen (nicht-christlichen) Kulten dominiert. WĂ€hrend zunĂ€chst Heilige Haine und GewĂ€sser als Kultorte verehrt wurden, bildeten sich im 10. und 11. Jahrhundert allmĂ€hlich ein Priestertum und KultstĂ€tten heraus, die oft auch ĂŒberregionale Bedeutung hatten. Beispiele sind hier die Tempelburgen in Kap Arkona (RĂŒgen) und Rhetra . Wichtige slawischen Gottheiten waren Radegast und Triglaw . Die Götter der Götterwelt anderer slawischer Völker existierten auch hier, jedoch bildeten sich stĂ€rker als anderswo Stammesgottheiten heraus. Oftmals verĂ€nderten alte Götter ihre Bedeutung.

Die Slawen im Elb-Saale-Gebiet und in der Lausitz gerieten schon frĂŒher unter den Einfluß der christlichen Kirche. 968 wurde das Erzbistum Magdeburg mit den Suffragen Zeitz, Merseburg und Meißen eingerichtet und die Christianisierung weiter vorangetrieben.

Elbslawische Sprachen und Dialekte

Jahrhundertelang war das Deutsche Reich östlich von Elbe und Saale zweisprachig. Neben den deutschen Dialekten wurden noch lange Zeit westslawische Dialekte gesprochen. Erst im 15. Jahrhundert starb das Wendische auf der Insel RĂŒgen aus, erst im 18. Jahrhundert im Hannoverschen Wendland . Der zuletzt "eingedeutschte" (=vollstĂ€ndig assimilierte) slawische Stamm der Slowinzen im östlichen Pommern verlor seine slawische Sprache etwa um 1900. Die sorbische Sprache der Lausitzer Sorben ist das einzig noch verbliebene wendische Idiom, das jedoch auch vom Aussterben bedroht ist. (Man schĂ€tzt die Zahl der Sorbischsprecher heute auf 20.000 bis 30.000 Menschen, um 1900 noch etwa 200.000.) Oft wird heute die Bezeichnung wendisch als synonym fĂŒr sorbisch verwendet.

Elbslawische StÀmme und StammesverbÀnde

In Quellen aus dem ostfrĂ€nkisch-deutschen Reich werden eine große Zahl von StĂ€mmen und StammesverbĂ€nden insbesondere seit dem 8. Jahrhundert genannt. Die grĂ¶ĂŸten VerbĂ€nde waren die der Abodriten, Wilzen und die Sorben (von Nord nach SĂŒd). Jedoch bleibt hĂ€ufig unklar, was sich hinter diesen Namen verbirgt. Es dĂŒrfe sich jedoch nicht um festgefĂŒgte, homogene und scharf umrissene Gruppierungen gehandelt haben, wie im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert zumeist angenommen wurde. Vielmehr ist von recht mobilen Gruppierungen auszugehen, die in ihrer Zusammensetzung und Abgrenzung relativ flexibel waren.

In der Beschreibung des so genannten Bayrischen Geographen (Geographus Bavarus) aus der Mitte des 9. Jahrhunderts mit spĂ€teren Überarbeitungen und ZusĂ€tzen werden die zu dieser Zeit bekannten StĂ€mme und die Zahl der ihnen zugehörigen civitates - Siedlungskammern mit einer zentralen Burganlage und zugehörigen Siedlungen und kleinere Befestigungen - genannt (Völkertafel von St. Emmeram ).

  • Wilzen (seit dem Ende des 10. Jh. auch Liutizen, Lutizen ) mit vier TeilstĂ€mmen:
    • Kessiner an der unteren Warnow
    • Zirzipanen zwischen Recknitz, Trebel und Peene
    • Tollenser östlich und sĂŒdlich der Peene am Tollensesee
    • Redarier sĂŒdlich und östlich des Tollensesees und an der oberen Havel
  • Drevanen im Hannoverschen Wendland
  • Bethelici / Belczem
  • Smeldinger
  • Morizani [nördlich der SaalemĂŒndung an der Elbe] mit 11 civitates
  • Heveller / Stodoranen im mittleren Havelgebiet und Havelland mit 8 civitates
  • Sprewanen an der unteren Dahme und Spree
  • Sorben im Elb-Saale-Gebiet mit mehreren "TeilstĂ€mmen" wie Colodici und Suisler bzw. Kleinregionen (pagi) wie Chutici und Plisni (um Altenburg), Neletici (um Wurzen ), Quesici (um Eilenburg) und Neletici (um Torgau), die aber erst im 10. Jh. in den Quellen begegnen.

Das Gebiet der Sorben umfasste laut dem Bayrischen Geographen etwa 50 civitates.

In den mittelalterlichen Quellen werden deutlich von den Sorben geschieden die

  • Daleminzier/Glomaci an der Elbe und in der Lommatzscher Pflege
  • Nisanen um Dresden
  • Milzener in der Oberlausitz rund um Bautzen ca. 50 km in der West-Ost-Achse westlich beginnend bei den Burkauer Bergen westlich von Kamenz und in der Nord-SĂŒd-Achse sich ĂŒber ca. 20 km ersteckend, nördlich begrenzt durch eine sumpfige, unfruchtbaren Ebene und sĂŒdlich durch das Lausitzer Bergland.
  • Besunzanen um Görlitz
  • Lusitzi in der Niederlausitz

Böhmen und Oberpfalz

In der Oberpfalz ist der Name " Windisch " nicht nur als Familienname anzutreffen, sondern ist auch Bestandteil des Namens der Stadt Windischeschenbach in der Oberpfalz . Bis nach Böhmen und in die Oberpfalz waren wĂ€hrend der großen Völkerwanderung heimatsuchende „Windische“ (die Wenden) gekommen und hatten ein nur spĂ€rlich besiedeltes Gebiet angetroffen.

Ortsnamen

Folgende Orte und Ortsteile in Deutschland nehmen direkt auf ihren wendischen Ursprung Bezug:

  1. Wenden in Braunschweig, Niedersachsen
  2. Wendeburg bei Braunschweig, Niedersachsen
  3. Wehnde im Eichsfeld, ThĂŒringen
  4. Wenden, in Ebhausen, Baden-WĂŒrttemberg
  5. Wendenschloß in Berlin-Köpenick
  6. Wendesse in Niedersachsen
  7. Wendezelle in Niedersachsen
  8. Wendhausen in Lehre, Niedersachsen
  9. Wendisch Baggendorf in Mecklenburg-Vorpommern
  10. Wendisch Evern in Niedersachsen
  11. Wendischhorst (Altmarkkreis Salzwedel) in Sachsen-Anhalt
  12. Wendisch Priborn in Mecklenburg-Vorpommern
  13. Wendisch Rietz in Brandenburg
  14. Wendisch Waren in Mecklenburg-Vorpommern
  15. Wendischbaselitz in Sachsen
  16. Wendland in Niedersachsen
  17. Wendschott in Wolfsburg, Niedersachsen
  18. Windischenbach, Gemeinde Pfedelbach, Baden-WĂŒrttemberg
  19. Windischeschenbach in Bayern ( Oberpfalz )
  20. Thalwenden in ThĂŒringen
  21. Wendischbrome in Nettgau, Sachsen-Anhalt
  22. Wendenborstel in Steimbke, Niedersachsen
  23. Wenden in Stöckse, Niedersachsen
  24. Geiselwind in Bayern
  25. Abtswind in Bayern
  26. Burgwindheim in Bayern
  27. Wendsee in Brandenburg an der Havel (Brandenburg)
  28. WĂŒnschendorf (DĂŒrrröhrsdorf-Dittersbach)

Daneben entstammt ein großer Teil der Ortsnamen in Ostdeutschland der slawischen oder wendischen Sprache. Die bekanntesten Beispiele sind Berlin und Leipzig.

Siehe auch

Wiktionary: wenden – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Literatur

  • Christian LĂŒbke: Das östliche Europa. Die Deutschen und das europĂ€ische Mittelalter. Berlin 2004, ISBN 3886807606
  • Sebastian Brather: ArchĂ€ologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im frĂŒh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. Berlin u.a. 2001 (ErgĂ€nzungsbĂ€nde zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde , 30), ISBN 3110170612
  • Alfried Wieczorek, Hans-Martin Hinz (Hrsg.): Europas Mitte um 1000. Stuttgart 2000, ISBN 3806215456 , ISBN 3806215448
  • Christian LĂŒbke: Slaven zwischen Elbe/Saale und Oder. Wenden - Polaben - Elbslaven? Beobachtungen zur Namenwahl. In: Jahrbuch fĂŒr die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. 41/1993, S. 17-43

Weblinks

Wikipedia

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