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Letzte Änderung für Artikel Herrenkrugpark: 22.01.2006 19:47

Herrenkrugpark

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Der Herrenkrugpark ist ein stĂ€dtischer Park der Stadt Magdeburg. Bild:Herrenkrugpark (im sĂŒdlichen Teil).JPG

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Park liegt am östlichen Ufer der Elbe im Magdeburger Stadtteil Herrenkrug und erstreckt sich parallel zum Fluß in Nord/SĂŒd-Richtung.

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Herrenkrugparks war ursprĂŒnglich stark bewaldet und vom sich stetig verĂ€ndernden Lauf der Elbe geprĂ€gt. Bereits in frĂŒher Zeit kam es zu starken Rodungen .

Das GelĂ€nde befand sich im Besitz der Stadt Magdeburg und wurde durch den Magistrat wirtschaftlich zur Beweidung, Heu- und Holzgewinnung genutzt. Aufgrund hĂ€ufiger DiebstĂ€hle beschloss der Rat 1676 die Errichtung eines WĂ€rterhauses. Das Haus wurde jedoch auch zu einem Wirtshaus und wurde vor allem von den auf der Landstraße Magdeburg - Burg Reisenden genutzt. Diese Wirtshaus wurde Neuer Krug oder, da es sich im Besitz der Ratsherren befand, Herrenkrug genannt. Dieser Name blieb bis heute. Neben der Schankwirtschaft wurde auch Unterkunft angeboten. Weitere Aufgaben des jeweiligen PĂ€chters war die Betreuung einer FĂ€hre , die FĂŒhrung einer Meierei und die FĂŒhrung der stĂ€dtischen Liegenschaft.

1722 wurde eine Verpachtung gegen Höchstgebot vorgenommen. Die bewirtschaftete FlĂ€che nahm stark zu. Ende des 18. Jahrhunderts wurden 12,5 Morgen Ackerland, 360 Morgen Wiesen und 300 Morgen Forst ( Eichen und RĂŒstern ) mit 3 Feuerstellen bewirtschaftet.

Um 1780 begann man mit der Anpflanzung eines Akazien haines . Es wurden auch erste Alleen aus Linden und Pappeln angelegt. Bei den Pappel handelte es sich um kanadische Pappeln und sechs Reihen italienische Pyramidenpappeln . Einige der gepflanzten Linden stehen noch heute.

Von 1791 bis 1803 hatte der Oberamtmann Steinkopf aus Klein Ottersleben das GelÀnde gepachtet und wirtschaftete sehr erfolgreich. Zu seiner Zeit befanden sich dort 865 bewirtschaftete ObstbÀume.

Nach 1808 herrschte Krieg. Das alte Wirtshaus verfiel und wurde 1813 auf Befehl des französischen Gouverneurs der französisch besetzten Stadt Magdeburg abgerissen. An dessen Stelle entsteht das SchĂŒtzenhaus der PfĂ€lzer Kolonie. Zwischen 1807 und 1814 waren wieder umfangreiche Rodungen erfolgt, die dem GelĂ€nde sehr geschadet hatten, der Stadtkasse jedoch 17.000 Reichstaler einbrachten. Der Hain und die Lindenallee waren jedoch nicht betroffen.

Ab 1815 gab es PlĂ€ne durch den Stadtbaumeister Harte im Herrenkrug einen englischen Park anzulegen, wobei jedoch auch ein großer Obstbaumbestand vorgesehen war.

Der Magdeburger OberbĂŒrgermeister August Wilhelm Francke beauftragte im Januar 1818 Regierungsrat Clemens mit dem Entwurf einer Parkanlage, der dann bereits ab FrĂŒhjahr 1818 umgesetzt wurde. Der Herrenkrug entwickelte sich zum Ausflugsziel mit Schankwirtschaft und Konzerten. Holzgewinnung, GemĂŒse- und Obstanbau hatten jedoch innerhalb des Parks auch weiterhin eine große Bedeutung. Der Ausbau des Parks dauert bis 1824 . Neben Pappeln wurden vor allem auch Birken , Espen und Eichen gepflanzt. Es wurden auch BewĂ€sserungsgrĂ€ben angelegt, die durch SchöpfrĂ€der mit Elbwasser und mittels Windrad mit Brunnenwasser versorgt wurden.

Im Park beschĂ€ftigte man sich auch mit der ZĂŒchtung von Gehölzen. Bis heute ist ein 1820 gezĂŒchteter Zierapfel Malus x Magdeburgensis erhalten, gezĂŒchtet aus Malus dasyphylla und Malus spectabilis .

1824 gab Peter Joseph LennĂ© OberbĂŒrgermeister Francke bereits erste Empfehlungen fĂŒr die weitere Gestaltung des Parks. 1829 erhielt LennĂš einen entsprechenden Auftrag. 1829/ 1830 erfolgten Arbeiten nach LennĂ©s Vorgaben. Es wurde im sĂŒdwestlichen Teil des Parks Durchblicke zu markanten Punkten (Magdeburger Dom, Klosterbergegarten sowie drei Kirchen) geschaffen.

Im Nordteil des Parks wurde eine BirkenwĂ€ldchen angelegt. LennĂ©s Vorgaben fĂŒr diesen Bereich wurden jedoch im wesentlichen nicht umgesetzt.

1836 / 1837 erfolgte zum Schutz vor den Hochwassern der Elbe eine Eindeichung des GelÀndes.

Ab 1839 nahm Rudolf Schoch maßgeblich Einfluß auf die Gestaltung des Parks, wobei er wiederum Auslichtungen durchfĂŒhren ließ.

1843 / 1844 wurde das SchĂŒtzenhaus der PfĂ€lzer Kolonie abgerissen und durch ein vom Stadtbaumeister Friedrich Wilhelm Wolff entworfenes klassizistisches Gesellschaftshaus ersetzt, welches zum zentralen GebĂ€udekomplex des Parkes wurde. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das GebĂ€ude, obwohl es im 2. Weltkrieg unzerstört geblieben war, abgerissen.

In den Jahren von 1849 bis 1863 verschwanden die letzten Pappelalleen. Neben neuen Kirschplantagen im SĂŒden, veranlaßte Wolff 1860 die erneute Wiederherrichtung der Domallee (Blickachse zum Magdeburger Dom).

1862 trat Paul Niemeyer auf Empfehlung LennĂ©s die Stelle als fĂŒr die Parks der Stadt zustĂ€ndigen Inspektors an. Er ließ die WegefĂŒhrung im Park verĂ€ndern und nahm starke VerĂ€nderungen an den Gehölzen vor. 1866 erfolgte die Errichtung des Borussia - Denkmals .

1874 wurde im sĂŒdwestlichen Teil des Parks vom Lehrer und Botaniker Christoph Wilhelm Ebeling ein botanischer Schulgarten gegrĂŒndet, der ab 1877 an 24 Schulen Pflanzen lieferte. 1904 wurde dem 1902 verstorbenen Ebeling im Herrenkrugpark ein Denkmal gesetzt. Ein botanischer Schulgarten bestand im Park, ab 1902 an neuer Stelle, bis 1946 . Dann wurde diese Gebiet militĂ€risch genutzt. Heute ist das Gebiet wieder zugĂ€nglich. Es fallen dort ungewöhnliche nicht einheimische Pflanzen auf.

Ab 1882 verkehrte eine Straßenbahn zum Herrenkrugpark, zunĂ€chst als Pferdebahn, ab 1886 dann als Dampftrambahnlinie und schließlich seit 1900 als elektrische Straßenbahn.

1887 wurde das Parkrestaurant erbaut, welches 1903 / 1904 nochmals erweitert werden mußte.

Ab 1890 war Johann Gottlieb Schoch als Gartendirektor tĂ€tig. Schoch plante die Einbeziehung des benachbarten Waldgebietes Biederitzer Busch als Stadtwald in die Anlage. Die Maßnahmen zur Umsetzung der Idee blieb jedoch seinem Nachfolger Wilhelm Lincke vorbehalten, der ab 1903 ein umfangreiches Wegesystem in den Bereichen außerhalb der Parkanlage (Wiesenpark) anlegen ließ. Erst 1926 war der Wiesenpark fertig gestellt. Das Vorhaben der Anlegung eines sĂŒdlich gelegen Wildparks kam ĂŒber Planungen nicht hinaus.

Zu dieser Zeit war der Herrenkrugpark ein Arboretum . Über die vergangenen Jahrzehnte waren fremde Hölzer gesammelt worden. Im Jahr 1900 befanden sich im Park 616 Laubgehölz- und 66 Nadelgehölzarten.

1907 wurde direkt östlich des Parks die Pferderennbahn des Magdeburger Rennvereins in betrieb genommen. Bereits seit 1838 hatten zuvor auf der dortigen Wiese Pferderennen statt gefunden.

Im 2. Weltkrieg hatte der Park, auch durch Luftangriffe, gelitten. Unter dem Betriebsdirektor des stĂ€dtischen GrĂŒnanlagenbetriebs Helmut Lorenz kamen Park und Rennbahn in der DDR wieder in einen gepflegten Zustand. Das Parkrestaurant und die GebĂ€ude verfiehlen jedoch. Der Wiesenpark und die nĂ€here Umgebung wurde zum MilitĂ€rgelĂ€nde der sowjetischen StreitkrĂ€fte.

Nach dem Ende der DDR wurden die GebĂ€ude saniert und die militĂ€rischen FlĂ€chen berĂ€umt und fĂŒr die Parkbesucher wieder nutzbar gemacht.

Inventar des Parks

  • Borussia
In Erinnerung an die Befreiung Magdeburgs von französischer Fremdherrschaft wurde 1864 eine Borussia-Denkmal gestiftet und 1866 aufgestellt. Die Kosten (1547 Taler) stammten aus dem Hundesteueraufkommen. Auf einem Sockel mit der Inschrift Zum GedĂ€chtnis der Befreiung Magdeburgs von der Fremdherrschaft am 24. Mai 1814. Gestiftet 1864. Errichtet 1866 stand eine Frauengestalt mit Adler auf dem Kopf, Siegerkranz in der einen und Speer in der anderen Hand. UrsprĂŒnglich war nur ein Adler auf der SĂ€ule vorgesehen. Der Grundstein fĂŒr das Denkmal wurde am 24. Mai 1864, 50 Jahre nach dem EinrĂŒcken preußischer Truppen in Magdeburg, gelegt. Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde die Statue Opfer von SchieĂŸĂŒbungen. Der Sockel befindet sich heute noch an seinem Platz. Etwa zeitgleich war die Statue der Flora aufgestellt worden. Diese ist jedoch verschwunden.
Ebeling-Gedenkstein
Ebeling-Gedenkstein
  • Ebeling-Gedenkstein
FĂŒr den Lehrer und Botaniker Christoph Wilhelm Ebeling , der im Herrenkrugpark 1874 einen botanischen Schulgarten begrĂŒndet hatte, wurde 1904 dieser Gedenkstein mit der Inschrift Ebeling 1829 - 1902 errichtet. 1991 erfolgte eine Restaurierung.
  • Graf von Schwerin-Gedenkstein
Am 9. August 1934 ehrten die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung der Dendrologischen Gesellschaft ihren 1934 verstorben PrÀsidenten Dr. Fritz Graf von Schwerin mit diesem Gedenkstein.
Kugelsonnenuhr
Kugelsonnenuhr
  • Kugelsonnenuhr
Friedrich Wilhelm Wolff ließ zum Ende seiner Amtszeit als Stadtbaumeister am Schnittpunkt der Domallee und des Deichs eine Kugelsonnenuhr aufstellen. Diese trĂ€gt als Inschriften:
Auf diesem wĂŒst gelegenen Lande der vormaligen Meyerei Herrenkrug ward im Jahre 1818 auf Veranlassung des OB Francke mit Bewilligung des Gemeinderaths, zur Erholung und ERheiterung fĂŒr die Bewohner Magdeburgs dieser Park angelegt. Unter der Aufsicht und Leitung der Garten-Deputation ist dieser Park seit dem Jahre 1818 ausgefĂŒhrt, erweitert und gepflegt von dem Stadtbaumeister Wolff mit den KunstgĂ€rtnern Minding und Erich. Dieses Denkmal ist gesetzt von dem St.B. Wolff beim Ablauf seiner 56jĂ€hrigen Dienstzeit im Jahre 1861. C. Schönberg fecit.
1989 erfolgte eine Restaurierung der Kugelsonnenuhr.
  • Löwe
1845 wurde eine gusseiserne Löwenplastik aufgestellt. Mit der Plastik wurde der OberbĂŒrgermeister Francke geehrt, der in besonderem Maße fĂŒr den Herrenkrugpark gewirkt hatte. Gestiftet wurde der Löwe von dem Magdeburger Buchdrucker Friedrich August Heinrich Faber . Neben den Initialen des Stifters trĂ€gt die Plastik die Widmung:
Dank ihm, der aus dem Kleinen das Große,
der aus dem Schönen das Schönere schuf.
Dank ihm, der Erz und Stein ĂŒberdauert,
der sich vom Enkel zum Enkel vererbt.
Ihm tönt aus Luft und Wald das Lied der Freude.
Ihm schmĂŒckt sich rings die Flur mit ihrem Feyerkleide.

Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Löwe von sowjetischen Soldaten entwendet, bereits kurze Zeit spÀter aber wieder am alten Platz aufgestellt. 1989 erfolgte eine Restaurierung der Plastik.

  • Sandsteinbank FÜR FAULE
Die Bank stammt aus dem Jahr 1819 und trĂ€gt die Inschrift FÜR FAULE. Hierbei handelt es sich um ein Akrostichon mit der Bedeutung "FÜr unglĂŒckliche Ruhe, FĂŒr Alte Und Leidende Erholung".
  • Sonnenuhr
Der Sockel der Sonnenuhr stammt von 1818 und soll ursprĂŒnglich vergoldet gewesen sein. 1991 wurde von der Bildhauerin Martina Seffers ein neues Ziffernblatt angefertigt. Es trĂ€gt jedoch weiterhin die alte Aufschrift ZĂ€hle nur die heiteren Stunden.

Gehölzsammlung

Die Parkanlage stellt zugleich eine Gehölzsammlung dar. Unter anderem befinden sich im Herrenkrugpark folgende Gehölze:

Bergahorn , Blutahorn , Blutbeerahorn , Eschenahorn , Feldahorn , Französischer Ahorn , Pontischer Ahorn , Rottraubiger Ahorn , SchneeballblĂ€ttriger Ahorn , Silberahorn , Spitzahorn , Streifenahorn , Tatarischer Steppenahorn , Weinahorn , Zuckerahorn , Amberbaum , Amur-Korkbaum , Baum-Hasel , Bitternuß , Blutbuche , Gemeine Eibe , Iberische Eiche , EiblĂ€ttrige Esche , Goldesche , FĂ€rbereiche , Gemeine Esche , Eßkastanie , Flatterulme , Gelbholz , Geweihbaum , Ginkgo , Götterbaum , Graupappel , Sandbirke , HĂ€ngebuche , Hainbuche , Holzbirne , Japanische LĂ€rche , AbendlĂ€ndischer Lebensbaum , Magnolie , Gurken-Magnolie , BreitblĂ€ttrige Mehlbeere , Echte Mehlbeere , Schwedische Mehlbeere , Österreichische Schwarzkiefer , Platane , Pyramideneiche , Robinie , KleinblĂ€ttrige Robinie , Rotbuche , Roteiche , Balkan-Roßkastanie , Rote Roßkastanie , Sachalin-Kirsche , Scharlacheiche , Scheeglöckschenbaum , Schnurbaum , Schwarznuß , Silberlinde , Silberpappel , Sommerlinde , Stieleiche , Traubeneiche , Traubenkirsche , Tulpenbaum , Urweltmammutbaum , Vogelkirsche , GefĂŒlltblĂŒhende Vogelkirsche , Chinesischer Wachholder , Walnuß , Weymouthskiefer , Zerreiche , Zierapfel ( Malus x magdeburgensis ), Zirbe , Zuckerbirke , Nordamerikanischer ZĂŒrgelbaum

Literatur/Quelle

  • Gisela Hoke: Herrenkrug : die Entwicklung eines Magdeburger Landschaftsparks. 1991


Koordinaten: 52° 09â€Č 04.99″ N, 11° 40â€Č 37.12″ O

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