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Letzte Änderung für Artikel Moritzburg (Halle): 16.02.2006 15:02

Moritzburg (Halle)

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Moritzburg, Burgtor.
Moritzburg, Burgtor.
Moritzburg, Altes Burgtor an der Nordseite.
Moritzburg, Altes Burgtor an der Nordseite.
Moritzburg, Nordostturm, Studentenklub.
Moritzburg, Nordostturm, Studentenklub.
Moritzburg, SĂŒdostturm, Galerie.
Moritzburg, SĂŒdostturm, Galerie.
Moritzburg, TĂŒr im NordflĂŒgel.
Moritzburg, TĂŒr im NordflĂŒgel.
Moritzburg, Burghof.
Moritzburg, Burghof.
Moritzburg, Westruine.
Moritzburg, Westruine.

Die Moritzburg ist ein befestigtes Schloss in Halle (Saale). Im Jahre 1484 erfolgte die Grundsteinlegung fĂŒr die spĂ€tere Residenz der Magdeburger Erzbischöfe. Sie wurde im Stil der FrĂŒhrenaissance errichtet und ist heute eines der imposantesten Bauwerke der Saalestadt Halle. Seit dem 19. Jahrhundert beherbergt sie vor allem ein Kunstmuseum mit ĂŒberregionaler Ausstrahlung.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Die Geschichte der Moritzburg ist eng mit der Geschichte der Stadt Halle verbunden. Bereits im 13. Jahrhundert gelang es der starken PfÀnneraristokratie, die Stadt durch den Kauf von Freiheiten und Privilegien immer mehr vom Einfluss des Landesherren, dem Erzbischof von Magdeburg, zu befreien. 1263 hatte Halle praktisch schon die politische Autonomie erreicht.

Im 15. Jahrhundert entwickelte sich aus den wichtigen Handwerksinnungen eine Opposition , die nach Sitz und Stimme im Rat strebte, der vom alten stĂ€dtischen Patriziat , den PfĂ€nnern, beherrscht wurde. Die Opposition verbĂŒndete sich mit dem Landesherren und öffnete 1479 den erzbischöflichen Truppen die Stadttore. Nach kurzer Gegenwehr zog der erst 14jĂ€hrige Erzbischof Ernst von Wettin in die Stadt ein. Den Untergang der stĂ€dtischen Freiheit besiegelte die auf dem Calber Landtag 1479 erlassene Regimentsordnung. Der Beschluss lautete: ... sondern Verzug bei oder in Halle ein festes Schloss zu erbauen, um die Stadt besser in Gehorsam, UnterwĂŒrfigkeit und Ruhe zu erhalten.

Baugeschichte

UnverzĂŒglich wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Im April 1479 begannen erste Vermessungsarbeiten. Die Suche nach einem passenden Standort gestaltete sich aber aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit als schwierig. Man fand ihn dann nicht mehr außerhalb, sondern unter Einbeziehung der Stadtmauer auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Judendorfes im Nordwesten der Stadt. In einer festlichen Prozession am 25. Mai 1484 legte Erzbischof Ernst persönlich den Grundstein zu seiner neuen Residenz, einem festen Schloss, das nach dem Schutzpatron des Landes, St. Mauritius , Moritzburg benannt wurde. Ernst von Wettin und, die PlĂ€ne erweiternd, sein Nachfolger Albrecht von Brandenburg haben mit der Moritzburg erstmals in Deutschland ein Residenzprogramm entwickelt.

Die Moritzburg zeigt Formen der ausklingenden Gotik . Doch der fast regelmĂ€ĂŸige Grundriss , das einheitliche Geschossniveau und die reprĂ€sentative Wirkung der horizontal betonten Fassaden belegen, dass es sich um eine frĂŒhneuzeitliche Anlage handelt. Die Moritzburg kombiniert die Begriffe Festung und Schloss . Sie vereint die reprĂ€sentativen WohnbedĂŒrfnisse und den Wehrzweck.

Die Bauleitung hatte zu Beginn der aus Ostpreußen stammende Peter Hanschke inne. Andreas GĂŒnther, Generalbaumeister der ErzbistĂŒmer Mainz und Magdeburg, legte ab 1533 erweiterte WĂ€lle und Schanzen und wohl auch die niedrigen runden Bastionen an der Ostseite an. Der Entwurf fĂŒr die Magdalenenkapelle wird Ulrich von Smedeberg zugeschrieben.

Am 25. Mai 1503 konnte Erzbischof Ernst in den Imposanten Bau einziehen. Seine ARX INSUPERABILIS (unĂŒberwindliche Festung) finanzierte er vor allem aus den 1479 eingezogenen SolgĂŒtern der halleschen PfĂ€nner. Der Bau hatte, so verkĂŒndete Ernst auf dem Landtag 1507 gegenĂŒber den StĂ€nden , ĂŒber 150.000 Gulden gekostet.

Das Schloss

Beschreibung

Den Grundriss bildet ein fast regelmĂ€ĂŸiges Viereck von etwa 72 mal 85 Metern SeitenlĂ€nge. Als Baumaterial wurde fĂŒr die Moritzburg vor allem Bruchstein verwendet. Ein 20 bis 25 Meter breiter und 10 Meter tiefer, frĂŒher sumpfiger Graben umgibt die SĂŒd-, Ost- und Nordseite. Die Westseite war durch ein gestaffeltes Zwingersystem zur Saale hin geschĂŒtzt.

Der Innenhof , groß genug fĂŒr Festlichkeiten, Prozessionen oder Ritterspiele, ist auf das Niveau der Straßen der Stadt aufgeschĂŒttet.

  • WestflĂŒgel

Der WestflĂŒgel ist die Haupt- und Schauseite der Burg. Seine Obergeschosse waren zu prĂ€chtigen Hallen ausgebaut. Die Gewölbe des oberen Untergeschosses werden heute vom Museum fĂŒr Ausstellungen genutzt. Dort befanden vermutlich auch die RĂ€ume fĂŒr die Besatzung. DarĂŒber lagen, heute zum grĂ¶ĂŸten Teil Ruine, zwei Geschosse: die erzbischöflichen Prunk- und StaatsgemĂ€cher. Im nördlichen Teil befanden sich die WohnrĂ€ume des FĂŒrsten und die erzbischöfliche Bibliothek . Äußerst bemerkenswert ist das nur noch rudimentĂ€r erhaltene Treppenhaus in der Mitte der Hoffront. Es handelt sich hier um eine der ersten Treppen im deutschsprachigen Raum ĂŒberhaupt, die in den Baukörper hineingreift und nicht außen vorgebildet ist.

  • NordflĂŒgel

Im NordflĂŒgel der Burg lag der ursprĂŒngliche Hauptzugang. Er ist noch heute durch ein sehr schönes Wappenfries erkennbar. Dieser Zugang wurde 1616 aufgegeben und vermauert. Über den Kellergeschossen lagen zwei Stockwerke, die als Kanzlei fĂŒr die Beamten und als Archiv dienten. AnlĂ€ĂŸlich des 200jĂ€hrigen Bestehens der halleschen UniversitĂ€t wurden 1894 Fecht- und TurnsĂ€le eingebaut und bis 1990 fĂŒr den Sportunterricht genutzt. Neben den WohngebĂ€uden war die Schlosskapelle die wohl wichtigste Bauaufgabe an der Moritzburg, auch wenn der Baubeginn erst zwei Jahre nach dem Einzug im Jahre 1505 zu datieren ist. 1509 wird sie Maria Magdalena geweiht.

  • Ostseite

In der Mitte der Ostseite befindet sich der Eingangsturm zur Stadt hin. Der Turm war ein Wohnturm mit einer Kapelle im untersten Geschoss. Um einen direkten Beschuss der Toranlage zu verhindern, wurde die Einfahrt in einem leichten Bogen gebaut. Der OstflĂŒgel bestand ursprĂŒnglich aus einem schmalen zweistöckigen Wehrgang . Das untere Geschoss war mit Arkadenbögen geöffnet und mit Schießscharten ausgestattet. Im Jahre 1777 wurde fĂŒr die preußische Garnison im nördlichen Teil das barocke , nach der Funktion „Lazarettbau“ genannte GebĂ€ude auf den alten Grundmauern des Wehrgangs errichtet. Die sĂŒdöstliche Bastion wurde 1913 fĂŒr das Museum ausgebaut. Im nordöstlichen Turm befindet sich heute der Studentenclub „Turm“. (siehe Weblinks!)

  • SĂŒdseite

Die SĂŒdseite ist heute nicht mehr original erhalten. Hier befanden sich die WirtschaftsgebĂ€ude, die KĂŒche außerdem die Wohnung des Burghauptmanns und die lebensnotwendigen Brunnen. Die Stallungen sind ebenfalls hier zu vermuten. In dem hohen Gewölbe unter der Hofebene war von 1582 bis 1680 die erzbischöfliche MĂŒnzstĂ€tte eingerichtet. Auf den Grundmauern des in Fachwerk ausgefĂŒhrten WirtschaftsgebĂ€udes wurde 1901 bis 1904 das Talamt als Museumsneubau wiedererrichtet. Das ursprĂŒnglich am Hallmarkt stehende und bereits 1881 wegen Straßenerweiterungen abgerissenen Talamt, konnten in dem Neubau zwei PrunkrĂ€ume, das Gerichts- und das Festzimmer, wieder eingebaut werden. Das Talamt der Halloren, 1594 bis 1607 erbaut, war der Sitz des Salzgrafen und des Talgerichtes sowie das Zunfthaus der Halloren.

Geschichte

Die Regierungszeit des Bauherren, Ernst von Wettin, ist zum einen durch den Sieg ĂŒber Halle 1479, zum anderen auch durch seine vielfĂ€ltige Förderung der neuen Residenzstadt charakterisiert.

  • AnfĂ€nge bis zur Reformation

Sein Nachfolger, der 1513 gewĂ€hlte Albrecht von Brandenburg war der glanzvollste und gleichzeitig tragischste Landesherr in Halle. Als Erzkanzler des Reiches, Kardinal , Erzbischof und KurfĂŒrst von Mainz, Erzbischof von Magdeburg, und Administrator von Halberstadt stand er mit seiner Lieblingsresidenz, der Moritzburg, im Brennpunkt der europĂ€ischen Geschichte. 1517 holte er den berĂŒchtigten Dominikanermönch Tetzel in die Moritzburg und veranlaßte einen grenzenlosen Ablasshandel . Er finanzierte damit seine große Reliquiensammlung das sogenannte „Hallesche Heiltum“. Das in der Burgkapelle aufgestellte und dann in den Dom ĂŒberfĂŒhrte Heiltum umfasste nach intensiver Sammlung 353 Reliquiare mit 21.484 Einzelreliquien, darunter 42 ganze Körper von Heiligen. Der ideelle und materielle Wert war unschĂ€tzbar. Es war die bedeutendste Sammlung dieser Art in Deutschland. Nach der Durchsetzung der Reformation in Halle gab Albrecht die Stadt verloren und zog sich nach Mainz zurĂŒck.

WĂ€hrend des Schmalkaldischen Krieges wurde die Moritzburg von kaiserlichen Truppen besetzt. Am 10. Juni 1547 zog Kaiser Karl V. nach seinem Sieg in der Schlacht bei MĂŒhlberg in Halle ein. Sein HeerfĂŒhrer, Herzog von Alba , besetzte die Moritzburg.

  • DreißigjĂ€hriger Krieg

Im DreißigjĂ€hrigen Krieg zogen die Stadt Halle und die Moritzburg immer wieder Truppen an. Im Oktober 1625 besetzte Wallenstein die Stadt und die Festung. Nach der Niederlage von Breitenfeld zog sich Tilly , von den Schweden verfolgt, zunĂ€chst in die Moritzburg zurĂŒck. Im September 1631 erschien der Schwedische König Gustav Adolf vor Halle und konnte die Stadt und die Moritzburg kampflos fĂŒr lĂ€ngere Zeit besetzen. Mit dem Frieden von Prag 1635 erkannte der Kaiser den Herzog August von Sachsen-Weißenfels als neuen Administrator an. WĂ€hrend einer erneuten Belagerung durch die Schweden brach am 6. Januar 1637 ein Feuer in der Burg aus. Die gesamten oberen Stockwerke der West- und Nordseite sowie die Kapelle wurden zerstört. Die Besatzung kapitulierte daraufhin. Am 19. MĂ€rz 1639 sprengten sĂ€chsische Truppen die SĂŒdwest-Bastion mit einer am Fundament angebrachten Mine um die jetzt schwedische Besatzung zur Aufgabe zu zwingen, was drei Tage spĂ€ter dann auch geschah. August, der Sohn des sĂ€chsischen KurfĂŒrsten wurde daraufhin als Administrator eingesetzt. Er setzte bei seinem Vater Johann Georg von Sachsen durch das die sĂ€chsischen Truppen die Festung rĂ€umten um der Burg ihre strategische Anziehungskraft zu nehmen. Ein NeutralitĂ€tsvertrag zwischen August und den Schweden hielt den weiteren Krieg von Halle ab. Die Moritzburg wurde nicht wieder aufgebaut nur die Kapelle wurde zum Teil rekonstruiert, so das sie wieder fĂŒr Gottesdienste nutzbar war.

  • Die Moritzburg kommt an Brandenburg / Preußen

Mit dem Tode Augusts im Jahre 1680 fiel Halle durch die Bestimmungen des WestfĂ€lischen Friedens an Brandenburg. 1686 erhielten die in Halle angesiedelten Hugenotten fĂŒr ihre Gottesdienste die Kapelle im Torturm der Moritzburg. Am 26. Oktober 1690 konnte die Gemeinde die Magdalenenkapelle in Besitz nehmen.

Im Jahre 1717 bekam das preußische Anhaltische Regiment mit etwa 3.500 Soldaten die Moritzburg. Vor der Anlage entstand ein Paradeplatz , auf dem der Feldherr FĂŒrst Leopold von Anhalt-Dessau, der Alte Dessauer, die Soldaten drillte.

Sowohl im SiebenjĂ€hrigen Krieg als auch in den Befreiungskriegen diente die Moritzburg als Lazarett . Die Gewölbe wurden spĂ€ter an eine Bierbrauerei verpachtet und die Kapelle, von der französischen Gemeinde bis 1808 genutzt, diente als Lagerhalle. Der preußische Staat kaufte die Ruine fĂŒr 24.800 Taler in den Jahren 1847 bis 1852 von den PĂ€chtern zurĂŒck.

Ein fĂŒr die Geschichte der Denkmalpflege interessantes Projekt war der geplante Neubau der Anlage fĂŒr die UniversitĂ€t der Stadt Halle von Karl Friedrich Schinkel . Der Plan scheiterte jedoch an den Kosten.

Seit 1900 hat sich der bauliche Zustand der Anlage bedrohlich verschlechtert. 1897 trat die preußische Provinz Sachsen den Ost-, SĂŒd- und WestflĂŒgel an die Stadt fĂŒr ein neues Museum ab. Durch Spenden der halleschen BĂŒrger wurden zwischen 1901 und 1913 das Talamt, der sĂŒdliche Wehrgang, der Torturm und die SĂŒdbastion fĂŒr ein Museum ausgebaut und neu errichtet.

  • Zweiter Weltkrieg bis Heute

Im Zweiten Weltkrieg dienten die tiefen Gewölbe der Anlage als Luftschutzbunker fĂŒr die Bevölkerung und die Gauleitung der NSDAP . Im Keller wurden auch wertvolle Portale und Architekturteile eingelagert.

1951 bis 1954 konnten die oberen Gewölbe des WestflĂŒgels ausgebaut werden. Im Untergeschoss des WestflĂŒgels entstanden 1964 bis 1967 ein kleines Kammertheater und ein Restaurant. 1972 bis 1973 entstand in der Nordost-Bastion ein Studentenclub und im Rundsaal spielte lange Zeit das Kabarett Die Kiebitzensteiner. Seit den neunziger Jahren finden Rekonstruktionsarbeiten an der Moritzburg statt. Im Oktober 2003 wurde ein Architekturwettbewerb fĂŒr den Neubau bzw. Erweiterungsbau der AusstellungsrĂ€ume der Moritzburg ausgeschrieben. (siehe Weblinks!)

Die Maria-Magdalenen-Kapelle

Die Maria-Magdalenen-Kapelle ist das kĂŒnstlerische Kleinod der Moritzburg. Das trotz des kleinen Grundrisses von 14 x 23 m und der Höhe von 15 m gerĂ€umig wirkende Innere steht mit seiner Gestaltung in der Tradition des obersĂ€chsischen spĂ€tgotischen Sakralbaus . Als Wandpfeilerkirche ausgebildet, erheben sich ĂŒber dem auf Stichbogenarkaden ruhenden Emporenumgang frei stehende, die Gewölbe aufnehmende Rundpfeiler . Der Saalraum mit dreiseitigem Ostabschluss und emporenartigem Umgang befindet sich im östlichen Teil des NordflĂŒgels.

An der Nordwand befindet sich die Gedenktafel fĂŒr die Weihe 1514 mit dem Wappen des Kardinals Albrecht V. von Brandenburg flankiert vom heiligen Mauritius und der heiligen Maria Magdalena .

Ein eigens fĂŒr die Kapelle entworfenes Wappen an der Westwand ĂŒber der Empore , neben den Konsolenstein mit dem Zugang zum Bischofsstuhl, datiert die Fertigstellung fĂŒr Erzbischof Ernst auf 1509 , wenngleich die pĂ€pstliche Konfirmation erst Jahre spĂ€ter eintraf. Die zur Heiltumskirche bestimmte Kapelle wurde großzĂŒgig ausgestattet. So gab es ursprĂŒnglich 20 AltĂ€re , die in dem Kapellenkranz verteilt waren. 29 Personen waren fĂŒr den Gottesdienst vorgesehen.

1637 bĂŒĂŸte die Maria-Magdalenen-Kapelle ihr Gewölbe ein das nach einer notdĂŒrftigen Instandsetzung nach dem DreißigjĂ€hrigen Krieg von 1894 bis 1899 rekonstruiert wurde. Am 26. Oktober 1690 feierte die Hugenottengemeinde hier ihren ersten Gottesdienst, und 1705 wurde der erste Prediger der Französisch-Reformierten Gemeinde in Halle, Jean Vimielle, in der Kapelle bestattet.

Die baufĂ€llige Magdalenenkapelle war seit 1805 Heu- und Strohmagazin nach der Schlacht bei Jena und AuerstĂ€dt 1806 sogar Lazarett . Bei einer Besichtigung der Moritzburg 1817 war der preußische Kronprinz Wilhelm so beeindruckt, dass er zum bewiesenen Förderer des Wiederaufbaus der Burg wurde. Ab 23. Oktober 1822 wurde die Moritzburg mit der Maria-Magdalenen-Kapelle auch von den preußischen Baubehörden als Denkmal ausgewiesen.

EntwĂŒrfe fĂŒr die Wiederherstellung und Neuausstattung der Kapelle gab es ab 1888 . Der Umbau zur UniversitĂ€tskirche , Anlass war der 200. Jahrestag der UniversitĂ€t (gegrĂŒndet 1694 ), erfolgte in den Jahren 1898 bis 1899. Die historische Ausmalung, die neugotische Ausstattung mit dem Kanzelaltar und die Orgel stammen ebenfalls aus der Zeit der Wiederherstellung. 1963 wurde die Orgel gereinigt und in ihrer Klangstruktur verĂ€ndert. 1990 entschloss sich die Evangelisch-Lutherische Gemeinde zu einem Orgelneubau in dem vorhandenen, denkmalgeschĂŒtzten GehĂ€use. Sie wurde noch im selben Jahr geweiht.

Die drei Chorfenster sind im Stile des spĂ€ten Historismus gestaltet. AnknĂŒpfend an die Bildfenstertradition des 14. Jahrhunderts fĂŒllt ein reiches architektonisches Rahmenwerk die großen Fensteröffnungen. Waren das Kirchenwappen und die Weihetafel Zeugnisse aus der GrĂŒnderzeit der Kirche, so bot das neue Gewölbe Platz fĂŒr 3 x 5 neue Wappenschilder. Die Schlusssteine im Ost joch , Mitteljoch und Westjoch sind mit den Wappen der Hohenzollern, der halleschen UniversitĂ€t mit ihren FakultĂ€ten und dem Wappen der Provinz Sachsen versehen.

Heute ist die Kapelle Gottesdienstort und Heimstatt zweier kirchlicher Gemeinden: der evangelischen UniversitÀtskirchengemeinde und der Evangelisch-Lutherische Gemeinde Halle/Saale zu St. Magdalena.

Stiftung Moritzburg / Staatliche Galerie Moritzburg Halle

Die Galerie wurde als stĂ€dtisches Museum fĂŒr Kunst und Kunstgewerbe im Jahre 1885 gegrĂŒndet. Die bescheidene Sammlung - zur Eröffnung umfasste sie 10 GemĂ€lde – konnte unter anderem 1899 durch den Ankauf der Hellwegschen SĂŒdseesammlung und vor allem durch Schenkungen vergrĂ¶ĂŸert werden.

Mit dem Einzug in den Museumsneubau 1904 war die GrĂŒndungsphase abgeschlossen. 1924 erfolgte die das Museum prĂ€gende Erwerbung von 24 expressionistischen Werken aus der Sammlung Rosy Fischer. Unter der Leitung des Direktors Alois Schardt erhielt das Museum 1929 als eines der ersten ĂŒberhaupt eine elektrische Beleuchtung.

1931 vollendete Charles Crodel im damaligen Gymnastiksaal der UniversitÀt, der heutigen Crodel-Halle , den Wettlauf der Atalante und des Hippomenes (vollendet am 21. November 1931; zerstört 26. Oktober 1936).

FĂŒr einen Auftrag der Stadt holte Schardt den Bauhausmeister Lyonel Feininger nach Halle, der sich sein Atelier im Torturm der Moritzburg einrichtete. Die berĂŒhmte Serie seiner Halle-Bilder wurde 1931 geschlossen fĂŒr das Museum angekauft. Durch andere Erwerbungen unter anderem von Franz Marc und Oskar Kokoschka , erarbeitete sich das Museum in der Moritzburg einen legendĂ€ren Ruf.

Mit der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten und der Diffamierung der expressionistischen Kunst als „ Entartete Kunst “ geriet diese Sammlung in Gefahr. FĂŒr die gleichnamige Propagandaschau in MĂŒnchen und den spĂ€teren Verkauf ins Ausland wurde die Sammlung der klassischen Moderne beschlagnahmt. Damit verlor das Museum seine herausragenden Werke.

Bereits im Juli 1945 beschloss der hallesche Magistrat , die ehemaligen BestĂ€nde zurĂŒckzuerwerben. Bis 1949 gelangen bedeutende Erwerbungen. Am 7. Oktober 1948 konnte das Museum wieder offiziell öffnen. Mit der Auflösung der Landesgalerie Sachsen-Anhalt 1952 erhielt das Museum den Namen Staatliche Galerie Moritzburg. Seit 1996 trug das Museum den Namen Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt und seit 2004 wurde es in eine Stiftung , die Stiftung Moritzburg, ĂŒberfĂŒhrt. (siehe Weblinks!)

Sammlung der GemÀlde

Sie umfaßt etwa 2800 Arbeiten. Neben den Schwerpunkten Expressionismus, sozialkritische Kunst, Kunst der DDR ist auch die Malerei des 19. Jahrhunderts vertreten. Das Museum besitzt darĂŒber hinaus Werke der spĂ€tgotischen Kunst sowie der Malerei des 17. Und 18. Jahrhunderts.

Graphisches Kabinett

Im Mittelpunkt steht die deutsche Graphik des 20. Jahrhunderts mit expressionistischer und konstruktivistischer Kunst . Arbeiten von KĂŒnstlern der DDR sind umfassend dokumentiert. Eine eigene Gruppe Bildhauerzeichnungen , FlugblĂ€tter des 15. bis 19. Jahrhunderts sind ein weiteres spezielles Sammelgebiet. Das Graphische Kabinett umfasst ĂŒber 30.000 Werke.

Sammlung Plastik

Diese Sammlung beinhaltet etwa 700 Werke vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Schwerpunkt ist die figĂŒrliche deutsche Plastik des 20. Jahrhunderts. Arbeiten von Lehmbruck , Kolbe und Kogan wurden schon frĂŒh erworben. Werkgruppen und bedeutende Einzelwerke von Barlach , Gaul, Klinger , Marcks und Marc zeigen Strömungen und Tendenzen in der deutschen Bildhauerei. Daneben verfĂŒgt das Museum ĂŒber einen guten Bestand mittelalterlicher Schnitzplastik aus dem mitteldeutschen Raum.

Sammlung des Kunsthandwerks

Schon 1914 konnte eine kleine Qualitative Sammlung an venezianischen, hollĂ€ndischen und deutschen GlĂ€sern, an rheinischen und mitteldeutschen Steinzeug, an französischen, hollĂ€ndischen und deutschen Fayencen sowie an ThĂŒringer und Meißner Porzellan prĂ€sentiert werden. Ein Schwerpunkt der Sammlung sind hallesche Arbeiten. Der Kern der Sammlung der Goldschmiedekunst bilden Werke hallescher Goldschmiede aus der Zeit um 1700 .

LandesmĂŒnzkabinett Sachsen-Anhalt

Seit 1950 eine eigenstĂ€ndige Abteilung der Galerie. Es wird ein Bestand von etwa 80.000 MĂŒnzen , Medaillen und Geldscheinen verwahrt. Besonderen Rang haben die Mansfelder MĂŒnzen und Medaillen, die GeprĂ€ge der Grafen zu Stolberg und die anhaltischen MĂŒnzen, Medaillen, Orden , Ehren- und Logenzeichen. Mehr als 4.000 StĂŒcke belegen die MĂŒnz- und Geldgeschichte Brandenburg-Preußens.

Sammlung Fotografie

Die Sammlung wurde durch die Schenkung des Nachlasses des Fotografen Hans Finsler 1986 gegrĂŒndet. Sammelgebiet ist kĂŒnstlerische Fotografie der klassischen Moderne und der Gegenwart.


Die Stiftung Moritzburg zeigt wechselnde Ausstellungen vornehmlich zur zeitgenössischen bildenden Kunst und zum gegenwĂ€rtigen Kunsthandwerk sowie zur klassischen Moderne. StĂ€ndig kann nur eine kleine Auswahl aus den Sammlungen des Museums prĂ€sentiert werden. 1990 erhielt die Galerie den Nord- und WestflĂŒgel zur Nutzung. In den nĂ€chsten Jahren wird sich so fĂŒr das grĂ¶ĂŸte Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt die AusstellungsflĂ€che deutlich vergrĂ¶ĂŸern.

Allgemeines

Die Moritzburg war die letzte, der in großer Zahl gebauten Burgen entlang der Saale . Die Stadt Halle besitzt mit der Burg Giebichenstein und der Moritzburg, die Ă€lteste und die jĂŒngste aller Saaleburgen.

Die Stiftung Moritzburg / Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt wurde in das im Jahre 2001 erschienene Blaubuch aufgenommen. Das Blaubuch ist eine Liste national bedeutsamer Kultureinrichtungen in Ostdeutschland und umfasst zur Zeit 20 sogenannte kulturelle LeuchttĂŒrme. Die Auswahl der KulturstĂ€tten erfolgte auf Initiative des Bundeskulturministeriums (Beauftragte/r der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien) in Abstimmung mit den ostdeutschen Kultusministern.

Literatur

  • Ulf DrĂ€ger: Moritzburg Halle/Saale. Schnell & Steiner Regensburg, 1995
  • Andreas Stahl: Die Moritzburg in Halle. Schnell & Steiner, Regensburg 2002 ISBN 3795414806
  • Michael Rockmann: Ein „höchst stattliches Bauwerk“ – Die Moritzburg in der hallischen Stadtgeschichte 1503 – 2003. mdv, Halle 2004 ISBN 3898122484
  • Heinrich Nickel (Hrsg.): Die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg zu Halle. Stekovics, Halle 1999 ISBN 3932863356
  • Autorenkollektiv: Staatliche Galerie Moritzburg Halle. Stiftung Moritzburg, Halle 1994 ISBN 3861050560

Die Stiftung Moritzburg besitzt einen eigenen Verlag und verfĂŒgt ĂŒber ein umfangreiches Verlagsprogramm zu diversen kĂŒnstlerischen und kunsthistorischen Themen. Außerdem werden regelmĂ€ĂŸig Kataloge von eigenen Ausstellungen und Werkschauen veröffentlicht.

Weblinks

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