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Letzte Änderung für Artikel Kurmainz: 14.01.2006 16:57

Kurmainz

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Kurmainz war das Territorium der Kurf├╝rsten und Erzbisch├Âfe von Mainz im Heiligen R├Âmischen Reich . Er geh├Ârte mit Kurk├Âln und Kurtrier zu den drei geistlichen Kurf├╝rstent├╝mern. Den drei rheinischen Erzbisch├Âfen stand zusammen mit den Pfalzgrafen bei Rhein, den Markgrafen von Brandenburg, den Herz├Âgen von Sachsen und den K├Ânigen von B├Âhmen seit dem 13. Jahrhundert das alleinige Recht zur Wahl des r├Âmisch-deutschen K├Ânigs und Kaisers zu. Seit 1512 geh├Ârte Kurmainz dem Kurrheinischen Reichskreis an.

Erzbischof Peter Aspelt von Mainz, Grabmal im Dom zu Mainz. Der Kirchenf├╝rst ist in voller Amtstracht dargestellt. ├ťber dem damals noch glockenf├Ârmigen Messgewand, der Kasel, tr├Ągt er als Zeichen seiner erzbisch├Âflichen W├╝rde das kreuzgeschm├╝ckte wei├če Pallium. Die drei K├Ânige stellen die von ihm gekr├Ânten Johann von B├Âhmen, Heinrich VII. und Ludwig den Bayern dar. Die K├Ânige sind kleiner dargestellt, um den Erzbischof als Hauptperson herauszustellen. Die architektonische Umrahmung zeigt gotische Formen.
Erzbischof Peter Aspelt von Mainz, Grabmal im Dom zu Mainz. Der Kirchenf├╝rst ist in voller Amtstracht dargestellt. ├ťber dem damals noch glockenf├Ârmigen Messgewand, der Kasel, tr├Ągt er als Zeichen seiner erzbisch├Âflichen W├╝rde das kreuzgeschm├╝ckte wei├če Pallium. Die drei K├Ânige stellen die von ihm gekr├Ânten Johann von B├Âhmen , Heinrich VII. und Ludwig den Bayern dar. Die K├Ânige sind kleiner dargestellt, um den Erzbischof als Hauptperson herauszustellen. Die architektonische Umrahmung zeigt gotische Formen.

Inhaltsverzeichnis

Das Gebiet des Kurf├╝rstentums und des Erzbistums Mainz

Die Grenzen des Kurf├╝rstentums und des Erzbistums stimmten geographisch nicht ├╝berein. Im Kurf├╝rstentum (dem Erzstift ) war der Mainzer Erzbischof reichsunmittelbarer F├╝rst und damit weltlicher Herrscher, im Erzbistum geistlicher Oberhirte.

Den geistlichen Aufsichtsbereich des Mainzer Erzbischofs umfasste in seiner Eigenschaft als Metropolit die Mainzer Kirchenprovinz , dazu geh├Ârten im Hochmittelalter die Suffraganbist├╝mer Worms, Speyer, Konstanz, Stra├čburg , Augsburg, Chur, W├╝rzburg, Eichst├Ątt, Paderborn und Hildesheim.

Das Erzbistum Mainz war ein zusammenh├Ąngendes Gebiet und reichte vom Hunsr├╝ck ├╝ber den n├Ârdlichen Odenwald, den Vogelsberg bis nach Einbeck und an die Saale .

Das Kurf├╝rstentum Mainz (Kurmainz) war im Gegensatz zum Bistum stark zersplittert und umfasste nach dem Stand von 1787

  1. das Untere Erzstift, wozu Mainz, einige Orte s├╝dlich der Stadt, den Rheingau, die Gegend um Bingen, das Amt Oberlahnstein und ein langer Gebietsstreifen nord├Âstlich von Mainz, der sich von H├Âchst am Main in den Taunus hinein bis hin zur Burg K├Ânigstein erstreckte, geh├Ârten und
  2. das Obere Erzstift, das hei├čt ein Rechteck von Seligenstadt im Norden ├╝ber die Bergstra├če und den Odenwald bis Heppenheim und Walld├╝rn im S├╝den, zweigeteilt durch den Main, mit der Verwaltungshauptstadt Aschaffenburg.

Dazu kamen noch einige hessische ├ämter, der Erfurter Staat, der Eichsfelder Staat sowie Anteile an den Grafschaften Rieneck (im fr├Ąnkischen Kreis) und K├Ânigsstein (im oberrheinischen Kreis), an der Grafschaft Gleichen und an der Niederen Grafschaft Kranichfeld.

Die Fl├Ąche des Kurf├╝rstentums betrug insgesamt 6150 km┬▓, die Einwohnerzahl 350.000. In der Stadt Mainz selbst lebten 30.000 Menschen.

Die historische Entwicklung von Kurf├╝rstentum und Erzbistum

Das Mainzer Erzbistum wurde 780 /81 endg├╝ltig begr├╝ndet. Bis zum 13. Jahrhundert war seine Entwicklung gekennzeichnet durch den stetigen Aufstieg des Mainzer Erzbischofs zum ersten geistlichen und weltlichen Reichsf├╝rsten.

Das Sp├Ątmittelalter war die Phase der Territorialisierung beziehungsweise des Ausbaues der Besitzungen des jetzt Kurstaates und Erzbistums, die erst mit dem Zusammenbruch in der Mainzer Stiftsfehde 1462 endete.

In der Zeit der Reformation erlitt Mainz die schwersten territorialen Verluste, die es w├Ąhrend der Gegenreformation und des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges nur geringf├╝gig wieder ausgleichen konnte.

Vom Westf├Ąlischen Frieden bis zur S├Ąkularisierung 1803 ver├Ąnderte sich der Kurstaat in territorialer Hinsicht nicht mehr. Es kam zur Erstarrung und damit auch zum endg├╝ltigen Verlust seiner fr├╝heren reichspolitischen Bedeutung.

Die Bev├Âlkerungsgruppen im Kurstaat

In Kurmainz lassen sich vier Bev├Âlkerungsgruppen nachweisen. Die zahlenm├Ą├čig gr├Â├čte Gruppe waren die Bauern, die sich in einem abh├Ąngigen Status befanden. Alles Ackerland, das sie bebauten, geh├Ârte den privilegierten St├Ąnden, das hei├čt in diesem Fall dem Kurf├╝rst, dem Domkapitel , den Kl├Âstern und Reichsrittern, die aus den verschiedenen Steuern, die Bauern zu leisten hatten, vor allem dem Zehnten, ein lukratives Einkommen bezogen.

Die zweifellos einflussreichste Bev├Âlkerungsschicht waren die Reichsritter , die als Angeh├Ârige des Adels in Kurmainz konkurrenzlos waren. Au├čer ihnen gab es nur noch den Dienstadel, der aber zum B├╝rgertum gerechnet wurden. Die Reichsritter waren reichsunmittelbar , das hei├čt nicht der Souver├Ąnit├Ąt und Jurisdiktion des Kurf├╝rsten untergeordnet, sondern unterstanden direkt dem Kaiser. Die meisten Kurf├╝rsten nach der Reformation geh├Ârten selbst diesem Reichsritterstand an. Als privilegierter Stand waren die Reichsritter von jeglichen Steuern und Abgaben befreit. Ihnen waren alle vierundzwanzig Pfr├╝nden des Domkapitels, etwa 130 Beamtenstellen im Kurf├╝rstentum, dazu etwa f├╝nfundsechzig Ehrenposten am Mainzer Hof, hohe Posten beim Milit├Ąr sowie die Besetzung der kurf├╝rstlichen Leibgarde ausschlie├člich vorbehalten.

Die letzten hier zu nennenden Bev├Âlkerungsgruppen sind die B├╝rger und die Beisassen beziehungsweise Tolerierten, die sich haupts├Ąchlich in den St├Ądten, vor allem in Mainz, konzentrierten.

Zum B├╝rgertum z├Ąhlten die Kaufleute, Gesch├Ąftsleute und Handwerksmeister, also Mitglieder einer Zunft , da nur diese das B├╝rgerrecht bekamen. Die B├╝rger hatten besondere Rechte und Privilegien, beispielsweise pers├Ânliche Freiheit, sie brauchten keine Fronen und keinen Milit├Ąrdienst zu leisten und konnten zu st├Ądtischen K├Ârperschaften gew├Ąhlt werden. Unter Beisassen und Tolerierten, letztere waren die Protestanten und Schutzjuden , verstand man die Zugewanderten in Mainz, die sich auf bestimmte Zeit und auf Widerruf dort niederlassen und ihren Beruf aus├╝ben durften, aber kein B├╝rgerrecht erlangen konnten.

Die Wirtschaft

Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens des Kurf├╝rstentums Mainz stand die Stadt Mainz. Mainz war weniger Fabrikantenstadt wie Frankfurt, als eher Verteilungszentrum f├╝r Waren. Um die Stadt herum lag fruchtbares Gebiet, und eine ausgiebige landwirtschaftliche Produktion lieferte Tabak, Hanf, Hirse, Fr├╝chte, N├╝sse und vor allem Getreide f├╝r den Export. Ebenfalls exportiert wurde Holz aus den W├Ąldern von Taunus und Spessart. Erw├Ąhnenswert in diesem Zusammenhang ist auch das Rheingau als bestes Weinanbaugebiet in Deutschland. Die Stadt Mainz besa├č zusammen mit K├Âln seit 1495 das Stapelrecht , das den Handel auf dem Rhein betraf.

G├╝ter, die die Stadt passierten, mussten ausgeladen und drei Tage zum Verkauf angeboten werden, ehe sie wieder in Mainzer Schiffe eingeladen und zu ihrem endg├╝ltigen Ziel transportiert werden durften. Die Kurf├╝rsten waren sehr an der Aufrechterhaltung dieses Privileges interessiert, da es ihnen die dabei anfallenden Geb├╝hren als Einnahmen f├╝r die Staatskasse sicherte.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde die st├Ądtische Wirtschaft noch von den Handwerksz├╝nften beherrscht, die aber seit 1462 schon dem f├╝rstlichen Absolutismus unterlegen waren. Ein vom Kurf├╝rsten ernanntes Mitglied des Stadtrates, ab 1782 zwei Polizeikommissare, mussten bei allen Versammlungen der Z├╝nfte anwesend sein. Keine Entscheidung konnte ohne Zustimmung des Kurf├╝rsten getroffen werden. Somit waren die Z├╝nfte im Grunde nur noch Staatsorgane. Insgesamt wurde Mainz, unter anderem durch Abschaffung der st├Ądtischen Freiheiten nach 1462, wirtschaftlich von Frankfurt in den Hintergrund gedr├Ąngt.

Erst mit der merkantilistischen Politik des Kurf├╝rsten Johann Friedrich Karl von Ostein (1743-1763) erfuhr der Handel eine Wiederbelebung. Zwischen 1730 und 1790 war sowohl ein wirtschaftlicher Aufschwung als auch ein Bev├Âlkerungswachstum in Kurmainz zu verzeichnen.

Kurf├╝rst und Domkapitel

Die Stellung des Kurf├╝rsten im Reich

Neben seinen Funktionen im Mainzer Kurf├╝rstentum und Erzbistum kam dem Kurf├╝rsten noch eine herausgehobene Stellung im R├Âmischen Reich zu. Er war Vorsitzender des Kurf├╝rstenkollegiums , das hei├čt er berief die sechs anderen Kurf├╝rsten zur Wahl des neuen K├Ânigs nach Frankfurt am Main ein. Dort hatte er den Vorsitz bei der Wahl des K├Ânigs und den Beratungen ├╝ber die Wahlkapitulation . Auch nahm er die Weihe und Salbung des neuen Kaisers vor. Dar├╝ber hinaus war der Mainzer Kurf├╝rst Erzkanzler und Kopf der Reichskanzlei, formal auch wichtigster Mann im Reichstag . Er ├╝bte die Kontrolle ├╝ber das Reichstagsarchiv aus und hatte eine besondere Position beim Reichshofrat und Reichskammergericht inne. Als kreisausschreibender F├╝rst und Direktor oblag ihm die Leitung des kurf├╝rstlich-rheinischen Kreises . Die meisten dieser Funktionen jedoch hatten eher repr├Ąsentativen Charakter, als dass sie dem Kurf├╝rsten politisches Gewicht verliehen.

Siehe auch Kr├Ânung der r├Âmisch-deutschen K├Ânige und Kaiser

Das Mainzer Domkapitel

Das Mainzer Domkapitel hatte 24 Pfr├╝nden und ein eigenes Herrschaftsgebiet, das direkt dem Kaiser unterstellt war und f├╝r das es dem Kurf├╝rsten nicht verantwortlich war. Das Gebiet schloss gro├če L├Ąndereien ein, unter anderem die Stadt Bingen und 7 weitere bedeutende Ortschaften. Dar├╝ber hinaus hatte das Kapitel auch L├Ąndereien im Kurf├╝rstentum selbst und in anderen F├╝rstent├╝mern. Diese Besitzungen sicherten dem Domkapitel gro├če Eink├╝nfte, die sch├Ątzungsweise ein F├╝nftel des Gesamteinkommens des Mainzer Erzstifts ausmachten.

Die Mitglieder des Kapitels hatten zum Teil aber noch andere Eink├╝nfte, die sich daraus ergaben, dass sie in weiteren Kapiteln oder Kollegiatsstiften sa├čen oder weltliche ├ämter im Kurf├╝rstentum, die f├╝r sie reserviert waren, innehatten.

Beherrscht wurde das Domkapitel von den Reichsrittern. Seine Mitglieder mussten einem der drei Reichsritterkreise, das hei├čt dem fr├Ąnkischen, schw├Ąbischen oder rheinischen, angeh├Âren und nachweisen, dass ihre 16 Ururgro├čeltern alle deutschen ritterlichen Ursprungs waren. Die L├╝cken im Domkapitel wurden gef├╝llt durch Kooptation , das hei├čt Ernennung der Anw├Ąrter durch Kanoniker und Kurf├╝rst. In der Praxis f├╝hrte dieses Verfahren dazu, dass immer wieder Verwandte ernannt wurden und das Kapitel von einer kleinen Gruppe von Familien beherrscht wurde. Die Hauptaufgabe des Domkapitels war die Wahl des Erzbischofs und Kurf├╝rsten sowie die Regierung des Kurstaates beim Tode eines Kurf├╝rsten bis zur Wahl des neuen. Sein Haupteinfluss wurde gesichert durch die Wahlkapitulationen , in denen jeweils alte und neue Privilegien des Domkapitels festgelegt wurden und auf die der jeweilige Kurf├╝rst bei seinem Regierungsantritt vereidigt wurde.

Die Wahlkapitulationen

Die Wahlkapitulationen waren die Verfassung des Kurf├╝rstentums, insofern man hier ├╝berhaupt von einer solchen sprechen kann. Ihre vollst├Ąndigste Form erreichten sie mit der capitulatio perpetua von 1788 , aufgesetzt vom Kapitel anl├Ąsslich der Wahl des Koadjutors (= Amtsgehilfen) Dalberg. Diese (jedoch nie in Kraft getretene) Kapitulation war als eine Art Staatsgrundgesetz vorgesehen, das nicht nur der Erzbischof und Kurf├╝rst, sondern auch Diener und Beamte beschw├Âren sollten. Inhaltlich war der Anspruch des Kapitels festgelegt, die St├Ąnde des Kurf├╝rstentums zu sein; seit dem Bauernkrieg von 1524/25 gab es in Kurmainz keine Landst├Ąnde mehr.

Dar├╝ber hinaus war festgehalten, dass der Kurf├╝rst ohne Zustimmung des Kapitels kein Land ver├Ąu├čern oder verpf├Ąnden und keine Schulden machen konnte. Er war zur Erhaltung der katholischen Religion und Bevorzugung von Katholiken bei der Besetzung von Beamtenstellen, Aufrechterhaltung guter Beziehungen zum Papst und der Verbindung mit den Habsburgern sowie zur Beseitigung von Glaubensabtr├╝nnigen, also H├Ąretikern , verpflichtet. Die Wahlkapitulationen verschafften dem Kapitel jedoch kein legislatives Veto. Nur in finanziellen Angelegenheiten, also Steuern, Steuererhebungen, Schaffung neuer Steuern, war seine Zustimmung n├Âtig.

Im 18. Jahrhundert haben die Wahlkapitulationen insgesamt an Bedeutung verloren, da sie 1695 vom Papst beziehungsweise 1698 vom Kaiser offiziell verboten worden waren. Jedoch konnte Kurf├╝rst Lothar Franz von Sch├Ânborn (1695-1729), der in diesem Fall offensichtlich auf Seiten des Kapitels stand, ein p├Ąpstliches Schreiben erwirken, durch das Mainz vom Verbot der Wahlkapitulationen ausgenommen wurde. Als 1774 vor der Wahl des Kurf├╝rsten Friedrich Karl Joseph von Erthal erstmals der Einfluss dieses Verbotes sp├╝rbar wurde, ging das Domkapitel dazu ├╝ber, eine offizielle Hauptkapitulation auszuarbeiten und dazu eine Art geheime Nebenkapitulation, in der alle Artikel zusammengefasst waren, die m├Âglicherweise ein Einschreiten des Papstes oder Kaisers provoziert h├Ątten.

Zentralbeh├Ârden und Verwaltung

Der Hofrat

Der Hofrat hatte 1790 insgesamt 49 Mitglieder und besch├Ąftigte sich mit dem Kriminalwesen, dem Rechtswesen, Finanzangelegenheiten, Werbegesch├Ąften, Religionsangelegenheiten, dem Polizeiwesen und der Verwaltung. Der Kurf├╝rst war zwar der Pr├Ąsident des Hofrates, hat aber im 18. Jahrhundert nie mehr an den Sitzungen teilgenommen, sondern verkehrte indirekt mit der Beh├Ârde durch Beamte der Geheimen Kanzlei, die gleichzeitig Mitglieder des Hofrates waren. Die Entscheidungsgewalt hatte allein der Kurf├╝rst inne, der Hofrat hatte nur seine Befehle auszuf├╝hren.

Der Geheime Rat

Dieses Gremium, das den Charakter privater Zusammenk├╝nfte hatte, diente dem Kurf├╝rsten zur Besprechung von mehr oder weniger geheimen Angelegenheiten im Kreise weniger Vertrauter. Dazu z├Ąhlten einige R├Ąte und hohe Hofbeamte. Das Aufgabengebiet des Geheimen Rates war vorrangig die Au├čenpolitik. Von den drei├čiger Jahren des 18. Jahrhunderts an verlor der Geheime Rat jedoch an Bedeutung. An seine Stelle trat die Geheime Konferenz, zu deren Beratungen die h├Âchsten Beamten verschiedener Ressorts zusammentraten.

Die Hofkammer

Die Hofkammer war f├╝r die gesamte Finanzverwaltung zust├Ąndig, das hei├čt sowohl f├╝r die Einnahmen und Ausgaben f├╝r den pers├Ânlichen Haushalt und Hof des Kurf├╝rsten als auch f├╝r die der Landesverwaltung. Nur um au├čerordentliche Auflagen zu erheben, ben├Âtigte der Kurf├╝rst die Zustimmung des Kapitels; ansonsten konnte er die Gelder nach eigenem Ermessen verwenden, wenn er den Zweck, den er jeweils angeben musste, einhielt.

Das Beamtentum

Die Beamten des Mainzer Staates wurden in patriarchalischer Art behandelt. Die h├Âchsten Beamten wurden sehr hoch besoldet, die ├╝brigen dagegen niedrig, was dazu f├╝hrte, dass die Untertanen f├╝r die Inanspruchnahme der Beh├Ârden sehr hohe Geb├╝hren errichten mussten, die den Beamten als Nebeneinnahmen dienten. So hatten die Beamten nicht nur das Staatsinteresse, sondern auch den eigenen Nutzen im Auge, worunter die Verwaltung zu leiden hatte. Das Domkapitel sicherte sich im Laufe der Entwicklung des Kurstaates mit Hilfe der Wahlkapitulationen hohe Posten und damit Einfluss auf die Verwaltung, so dass zumindest nichts ohne sein Wissen geschehen konnte. Insgesamt gesehen brachte der Verwaltungsapparat trotz einiger struktureller M├Ąngel allein dem Kurf├╝rsten Vorteile, der damit ├╝ber ein Instrument verf├╝gte, dem das Kapitel nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatte.

Das Verh├Ąltnis zwischen Kurf├╝rst und Domkapitel im entstehenden Absolutismus

Die reichsunmittelbare Stellung der Domherren, die Existenz der Wahlkapitulationen und die Tatsache, dass ihnen bestimmte ├ämter im Staat vorbehalten waren, sicherte dem Kapitel Privilegien, Immunit├Ąten und Einfluss auf die Politik. Man h├Ątte sich in jedem Fall einem tyrannischen Kurf├╝rsten widersetzen k├Ânnen. Dies alles f├╝hrte aber auch zu einem gewissen Dualismus zwischen Kurf├╝rst und Domkapitel im Hinblick auf die Macht im Kurstaat. In der Praxis traf aber wohl allein der Kurf├╝rst und sein engster Beraterkreis die politischen Entscheidungen. Regelm├Ą├čige Steuereinnahmen und ausgedehnte G├╝ter erm├Âglichten ihm zumindest eine relativ unabh├Ąngige Innenpolitik.

Als Beamte in der Verwaltung mussten die Domherren den Befehlen des Kurf├╝rsten Folge leisten, um ihre Stellung nicht zu verlieren. Sie waren also dort eher gezwungen, sich dem Kurf├╝rsten unterzuordnen, als dass sie es sich h├Ątten leisten k├Ânnen, die Interessen des Kapitels allzu stark zu vertreten. Dies traf vor allem dann zu, wenn es die Domherren anstrebten, Familienmitglieder in der Verwaltung unterzubringen.

Auf der anderen Seite stammten Kurf├╝rst und Domkapitel meist aus der gleichen Gesellschaftsschicht und damit Interessengruppe. Insofern galt Ausgleich und M├Ą├čigung als Verhaltensregel zwischen beiden und war auch Voraussetzung f├╝r den Erhalt der Regierungsform. Die Kurf├╝rsten hatten ein hauspolitisches Interesse, m├Âglichst viele Verwandte im Kapitel unterzubringen, von denen vielleicht einer die Nachfolge antritt und damit die eigene Regierungsweise stabilisiert. Mit diesem Ziel konnten die Kurf├╝rsten sich nicht r├╝cksichtslos ├╝ber die Interessen des Domkapitels hinwegsetzen.

Zwischen Kurf├╝rst und Domkapitel existierte quasi eine Symbiose, beide waren voneinander abh├Ąngig, beide versuchten die Macht des anderen einzuschr├Ąnken, wobei man im 18. Jahrhundert jedoch eine Dominanz der Kurf├╝rsten, besonders der aufgekl├Ąrten, feststellen kann, vor allem da ihnen allein der Beh├Ârden- und Beamtenapparat als Machtinstrument zugute kam. Vielleicht trifft die Bezeichnung Wahlmonarchie am besten auf das Kurmainz dieses Jahrhunderts zu.

Erw├Ąhnenswert in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass sowohl Kurf├╝rst als auch Domkapitel in der Regel Unterst├╝tzer der habsburgischen Monarchie waren, da Kurmainz als geistliches Territorium vom ├ťberleben des Reiches abh├Ąngig war. Dies wiederum gab den Habsburgern die M├Âglichkeit, haupts├Ąchlich durch finanzielle Mittel, Einfluss auf die Wahl des Mainzer Kurf├╝rsten zu nehmen.

Die letzten Mainzer Kurf├╝rsten im 18. Jahrhundert

Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1729-1732)

Da Franz Ludwig, der im vorigen Kapitel erw├Ąhnte Koadjutor, nur drei Jahre als Kurf├╝rst regierte, l├Ąsst sich seine Politik schwer charakterisieren. Er zehrte im wesentlichen von der Arbeit seines Vorg├Ąngers. Besonders zu erw├Ąhnen sind hier nur Reformen zur Verbesserung der Priester- und Richterausbildung. Mit dem Domkapitel gab es keine Konflikte, da es die Wahlkapitulation vorher mit ihm abgesprochen und die Einhaltung somit sichergestellt hatte.

Philipp Karl von Eltz-Kempenich (1732-1743)

Philipp Karl von Eltz war Domkantor in Mainz und wurde 1732 mit kaiserlicher Empfehlung zum Kurf├╝rsten gew├Ąhlt. Er verfolgte einen traditionell habsburgischen Kurs und hatte sich sehr f├╝r die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion eingesetzt, die in ├ľsterreich die Erbfolge regelte. Erst als er 1742 durch seine Stimme die Wahl des bayerischen Kurf├╝rsten Karl Albrecht zum deutschen Kaiser entschied, verschlechterte sich das Verh├Ąltnis zu ├ľsterreich. Philipp Karl hatte zwei Jahre lang das Collegium Germanicum in Rom besucht und besa├č dadurch eine wesentlich bessere geistliche Ausbildung als andere Kurf├╝rsten. Dies zeigte sich vor allem darin, dass er seine geistlichen Pflichten intensiver wahrnahm. Auch in weltlichen Angelegenheiten konnte er eine zwanzigj├Ąhrige Erfahrung als Regierungspr├Ąsident vorweisen. Hervorzuheben ist hier speziell der Abbau der Schuldenlasten des Kurstaates.

Johann Friedrich Karl von Ostein (1743- 1763)

Mit Johann Friedrich begann in Mainz die Zeit des aufgekl├Ąrten Absolutismus. In der Praxis war jedoch nicht er der Herrscher im Kurf├╝rstentum, sondern sein Kanzler Friedrich Graf von Stadion, der schon unter den zwei Vorg├Ąngern Johann Friedrichs hohe ├ämter innegehabt hatte. Stadion war beeinflusst von der franz├Âsischen Aufkl├Ąrung, was sich in seinen Reformen niederschlug.

Er wollte das Kurf├╝rstentum auf den gleichen Stand mit den weltlichen Staaten des Reiches bringen. Dazu konzentrierte er sich vor allem auf die Wirtschaft, die sehr unter den franz├Âsischen Milit├Ąroperationen im Rheinland 1740-1748 gelitten hatte. Zur Belebung des Handels gr├╝ndete er 1746 den Mainzer Handelsstand, k├╝mmerte sich um den Ausbau der Hauptverkehrsstra├čen, den Bau neuer Warenh├Ąuser, die Einrichtung eines dauernden Weinmarktes und zweier j├Ąhrlich stattfindender Messe sowie um die Verbesserung des Geldverkehrs. Das Handelszentrum begann sich wieder von Frankfurt nach Mainz zu verlagern.

Auch die Kirche blieb von Reformen nicht verschont. 1746 wurde ein Tilgungsgesetz erlassen, durch das verhindert werden sollte, dass weltlicher Grundbesitz in kirchliche H├Ąnde ├╝berging. Dazu wurde die R├╝ckf├╝hrung von kirchlichem Besitz in weltliche H├Ąnde gef├Ârdert.

Weitere politische Ma├čnahmen w├Ąhrend der Regierungszeit Johann Friedrichs und seines Kanzlers waren die Verbesserung der elementaren Schulausbildung und des sozialen Systems sowie die Schaffung eines einheitlichen kurmainzischen Landrechts (1756).

Emmerich Josef Freiherr von Breidbach zu B├╝rresheim (1763-1774)

Emmerich Josef war der bedeutendste Mainzer Kurf├╝rst des 18. Jahrhunderts . Unter seiner Herrschaft wurden die Prinzipien der Aufkl├Ąrung in allen Bereichen konsequent gesetzt. W├Ąhrend er in der Wirtschaft die merkantilistische Politik seines Vorg├Ąngers nur fortsetzte, es gab keine fundamentalen Wirtschaftsreformen, konzentrierte er sich um so mehr auf die Reformierung des Bildungswesens. Er bem├╝hte sich vor allem um die Verringerung des klerikalen Einflusses, insbesondere der Jesuiten , die die Universit├Ąten und Gymnasien beherrschten. Dies gelang aber erst mit der totalen Aufl├Âsung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. im Jahre 1773.

Um den Gymnasien und Universit├Ąten eine finanzielle Basis zu verschaffen, ordnete Emmerich Josef die Aufhebung von Kl├Âstern, Beschlagnahmung ihres Besitzes und die Einschr├Ąnkung s├Ąmtlicher Privilegien an. Dies f├╝hrte 1771 zum Streit mit dem Domkapitel, das seinerseits den Verlust von Besitz und Privilegien f├╝rchtete, aber sich letztlich dem Kurf├╝rsten beugen musste. Diese Ma├čnahmen dienten der Verbesserung der Lehrerausbildung, der Einrichtung neuer F├Ącher, vor allem naturwissenschaftlicher und praktischer, durch die die Kinder nicht nur mehr zu aufrichtigen Christen, sondern auch zu n├╝tzlichen B├╝rgern erzogen werden sollten, wobei letzteres im Vordergrund stand.

Zusammen mit den anderen beiden rheinischen Erzbisch├Âfen versuchte Emmerich Josef zwischen 1768 und 1770 den Einfluss des Papstes auf Angelegenheiten seines Erzbistums zu reduzieren. Dieser Versuch scheiterte jedoch an der Uneinigkeit der drei Erzbisch├Âfe, der fehlenden Unterst├╝tzung des Kaisers und der mangelnden Bereitschaft des Papstes, Konzessionen zu machen.

Insgesamt war unter der Regierung Emmerich Josefs wie auch schon unter der seines Vorg├Ąngers eine Verweltlichung des Kurf├╝rsten in seiner Politik zu beobachten, sowie eine sch├Ąrfere Trennung zwischen seiner erzbisch├Âflichen und seiner landesherrlichen Funktion.

Von seiten der Untertanen, die noch traditionell mit der Kirche verbunden waren, aber auch von seiten des Kapitels, das sich in seiner Stellung gemindert sah, mussten die Reformen als antiklerikales Vorgehen und als Bedrohung f├╝r die katholische Religion angesehen werden. Deshalb begann das Kapitel in der Zeit nach Emmerich Josefs Tod bis zur Wahl des neuen Kurf├╝rsten die Reformen r├╝ckg├Ąngig zu machen.

Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802)

Friedrich Karl war in fr├╝herer Zeit F├╝hrer der Konservativen und vom Kapitel in der Absicht gew├Ąhlt worden, den gerade begonnenen reaktion├Ąren Kurs fortzusetzen. Kaum zum Kurf├╝rsten erhoben kehrte Friedrich Karl jedoch zum aufgekl├Ąrten Absolutismus seiner Vorg├Ąnger zur├╝ck. Er f├╝hrte Reformen im Schulwesen durch, reorganisierte die Universit├Ąten durch Einf├╝hrung neuer F├Ącher, s├Ąkularisierte zur Finanzierung kl├Âsterlichen Besitz, um neben n├╝tzlichen B├╝rgern auch ein effizientes Beamtentum heranzuziehen. Auch Protestanten und Juden waren jetzt zum Studium zugelassen.

Der Protest des Kapitels war nicht mehr so energisch wie fr├╝her, da inzwischen dort auch j├╝ngere Leute vertreten waren, die mit den Prinzipien der Aufkl├Ąrung vertrauter waren. Andere Reformen aus der Zeit Karl Friedrichs waren die Kirchenreform, das hei├čt die Abschaffung ├╝berkommener Zeremonien, Einschr├Ąnkung der Wallfahrten, Einf├╝hrung der deutschen Sprache in bestimmten Messen, eine Verbesserung der Priesterausbildung, Anordnung zur Aufhebung der Leibeigenschaft und Verbesserung der Landwirtschaft sowie soziale Ma├čnahmen.

Der Staat versuchte also, in alle Bereiche der Gesellschaft endg├╝ltig einzudringen und dort die Initiative zu ergreifen. Abgesehen vom Widerstand des Kapitels und des Volkes, denen die Reformen zu weit gingen, war auch das b├╝rokratische System ├╝berfordert. Es gab Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung der Reformen, die zum Teil daran scheiterten, dass die Verwaltung die Verordnungen nicht ausf├╝hren konnte.

Das Ende des Kurf├╝rstentums und Erzbistums Mainz

1790/91 kam es in Mainz zu Studenten-, Handwerker- und Bauernaufst├Ąnden sowie zum Zuzug franz├Âsischer Emigranten infolge der Revolution von 1789. Im Jahre 1792 flohen Kurf├╝rst und Domkapitel nach Aschaffenburg, die Stadt Mainz wurde durch Frankreich besetzt. Nach dem Zwischenspiel der Mainzer Republik und der R├╝ckeroberung durch vereinte deutsche Truppen wurde sie 1797 im Frieden von Campo Formio mit den linksrheinischen Gebieten des Kurstaates Teil Frankreichs.

Im rechtsrheinischen Teil des Erzstifts ├╝bernahm 1802 der 1787 zum Koadjutor gew├Ąhlte Karl Theodor von Dalberg die Regierung, nachdem Friedrich Karl resigniert hatte. Das Domkapitel bestand zwar noch weiter, hatte aber keinen politischen Einfluss mehr. Das infolge des Konkordates von 1801 neu festgelegte Bistum Mainz wurde dem Bischof Joseph Ludwig Colmar ├╝bergeben.

Siehe auch

  • Liste der Erzbisch├Âfe von Mainz

Literatur

  1. Blanning, T.C.W., Reform and Revolution in Mainz 1743-1803, Cambridge 1974
  2. Diepenbach, W. und Stenz, Carl (Hrsg.), Die Mainzer Kurf├╝rsten, Mainz 1935
  3. Stimming, M., Die Wahlkapitulationen der Erzbisch├Âfe und Kurf├╝rsten von Mainz 1233-1788, G├Âttingen 1909
  4. Rauch, G., Das Mainzer Domkapitel in der Neuzeit, Teil 1, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung f├╝r Rechtsgeschichte, Kan.Abt. LXI, Bd. 92, Weimar 1975, S. 161-227
  5. Liebeherr, I., Das Mainzer Domkapitel als Wahlk├Ârperschaft des Erzbischofs, in: Br├╝ck, A. (Hrsg.), Willigis und sein Dom, Festschrift zur Jahrtausendfeier des Mainzer Doms, Mainz 1975, S. 359-391
  6. Hollmann, Michael, Das Mainzer Domkapitel im sp├Ąten Mittelalter (1306-1476), Mainz 1990
  7. J├╝rgensmeier, Friedhelm, Das Bistum Mainz, Von der R├Âmerzeit bis zum II. Vatikanischen Konzil.Frankfurt am Main, 1989
  8. Ders. u.a., Kirche auf dem Weg. Das Bistum Mainz. Hefte 1-5, Stra├čburg 1991-1995

Weblinks

   
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