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Letzte Änderung für Artikel Mainz-Gonsenheim: 14.02.2006 08:49

Mainz-Gonsenheim

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St. Stephan inmitten des alten Ortskerns (vom Draiser Berg aus fotografiert)
St. Stephan inmitten des alten Ortskerns (vom Draiser Berg aus fotografiert)

Mainz-Gonsenheim, im Folgenden nur noch Gonsenheim genannt, ist ein Stadtteil der Landeshauptstadt Mainz in Rheinland-Pfalz. Mit knapp ĂŒber 20.000 Einwohnern ist Gonsenheim der grĂ¶ĂŸte der Mainzer Vororte und nach der Ober- und Neustadt der drittgrĂ¶ĂŸte Stadtteil der Landeshauptstadt.

Die Geschichte von Gonsenheim reicht bis in die SpĂ€te Jungsteinzeit (2800 bis 2400 v.Chr.) zurĂŒck. Bedeutung als Siedlungsort gewann Gonsenheim mit der GrĂŒndung einer frĂ€nkischen Siedlung im 6. Jh. n.Chr., die sich vor allem aufgrund der fĂŒr den Ackerbau gĂŒnstigen Lage schnell weiterentwickelte. 1938 wurde Gonsenheim zwangseingemeindet und damit Teil von Mainz.

Heute ist Gonsenheim trotz seiner fast 70-jĂ€hrigen Zugehörigkeit zu Mainz in Teilen immer noch dörflich geprĂ€gt. Es gibt neben dem alten Ortskern rund um St. Stephan und dem Renaissance-Rathaus die zu Beginn/Mitte des letzten Jahrhunderts entstandenen Villen- und Arbeiterviertel, das Hochhausviertel, das rund 6.000 Menschen Wohnraum bietet, das Gewerbegebiet "Am Hemel" und zu alledem noch reichlich Natur: Das botanisch deutschlandweit bedeutende Naturschutzgebiet "Großer Sand" und Teile des Lennebergwaldes, des grĂ¶ĂŸten zusammenhĂ€ngenden Waldgebietes in Rheinhessen.

Trotz oder gerade wegen seiner VielfÀltigkeit ist Gonsenheim reich an traditionellem Vereinsleben und modernen Festen und hat innerhalb von Mainz, ebenso wie viele der Nachbarvororte, eine eigene und ausgeprÀgte IdentitÀt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mit der ersten urkundlichen ErwĂ€hnung von Gunsenheim am 30. Mai 775 weist Gonsenheim eine ĂŒber 1200-jĂ€hrige, gut dokumentierte Ortsgeschichte auf. Aber Spuren menschlicher TĂ€tigkeiten und Ansiedlungen lassen sich bis in die spĂ€te Jungsteinzeit zurĂŒckverfolgen.

FrĂŒhzeit

Funde von vorzeitlichen Menschen in Gonsenheim lassen sich bis in die SpĂ€te Jungsteinzeit (2800 v.Chr. bis 2200 v.Chr.) zurĂŒckdatieren. Eine ĂŒberregionale Bedeutung fĂŒr die Vorgeschichte Gonsenheims dĂŒrfte der Beildepotfund in der Gewann Auf dem KĂ€strich (heute: "An der Ochsenwiese") in der NĂ€he des Gonsenheimer Bahnhofes haben. Hier fand man 1850 in den fĂŒr Gonsenheim typischen SanddĂŒnen 5 polierte flache Prunkbeile aus Jadeit, die der SpĂ€ten Jungsteinzeit zugeordnet werden können. Diese Prunkbeile waren damals von hohem materiellem Wert und wurden wahrscheinlich aus den Seealpen importiert. Aus der Zeit der HĂŒgelgrĂ€berkultur (1600 -1300/1200 v. Chr) gibt es in Gonsenheim einige Grabfunde aus HĂŒgelgrĂ€bern; die hierzu gehörenden Siedlungen konnten bislang noch nicht lokalisiert werden.

Siedlungsspuren von Menschen in Gonsenheim lassen sich erstmals in die SpĂ€te Bronzezeit (Urnenfelderzeit, ca. 1200 bis 750 v.Chr.) datieren. Aus dieser Zeit gibt es gesicherte Siedlungsfunde im westlichen Gonsbachtal. Diese Siedlungsspuren datieren in die spĂ€te Urnenfelderzeit bzw. sogar schon in die frĂŒhe, ab 750 v. Chr. beginnende so genannte Ältere Eisen - oder Hallstattzeit . Mit der Hallstattzeit ist eine deutliche Zunahme der Siedlungen im Mainzer Stadtgebiet verbunden, so auch in Gonsenheim. Es wurden Siedlungsspuren sowohl der Ă€lteren wie auch der jĂŒngeren Hallstattzeit gefunden, so z. B. am unteren Hang des Gleisbergs oder am MĂŒhlweg.

In der JĂŒngeren Eisen- bzw. La-TĂšne-Zeit (ca. 450 v.Chr. bis 15 v.Chr.) scheint das Gonsbachtal nach derzeitigem Wissensstand wieder unbesiedelt gewesen zu sein. Es blieb einer keltischen Siedlung der spĂ€teren La-TĂšne-Zeit in Mainz-Weisenau vorbehalten, Keimzelle und Namensgeber fĂŒr das römische Moguntiacum zu werden.

Römer

Zur Zeit der Zugehörigkeit von Moguntiacum zum römischen Imperium befand sich die Römerstraße Moguntiacum-Bingium (Bingen) in der NĂ€he von Gonsenheim. Am Gleisberg konnte eine Villa rustica mit zahlreichen Bau- und Kleinfunden wie z. B. Mosaikfußböden, Wandverputz, Reste eines römischen BadegebĂ€udes sowie einer dazu gehörenden Wasserleitung nachgewiesen werden. Zahlreiche weitere Kleinfunde wie MĂŒnzen, Terrakotten, GlasgefĂ€ĂŸe in vielen Ortsteilen sowie das Vorhandensein römischer BrandgrĂ€ber im Bereich des heutigen Gewerbegebietes belegen die PrĂ€senz der Römer in Gonsenheim.

Nach dem Zusammenbruch des Limes in der Mitte des 3. Jh. n. Chr., spĂ€testens ab dem 4./5. Jh. n. Chr. dĂŒrfte die römisch-keltische Landbevölkerung von Gonsenheim in die besser befestigte Stadt Moguntiacum geflohen sein.

Franken

Trotz der umfangreichen vorfrĂ€nkischen Geschichte wird die GrĂŒndung einer dauerhaft bewohnten Siedlung Gonsenheim in frĂ€nkische Zeit datiert. GrĂŒnder dĂŒrfte wahrscheinlich ein frĂ€nkischer Adeliger namens Gunzo gewesen sein, der im Bereich des heutigen Gonsenheim ein grĂ¶ĂŸeres Gehöft als Keimzelle fĂŒr die spĂ€tere Siedlung grĂŒndete. OrtsgrĂŒndungen mit der Namensendung "-heim" sind typisch fĂŒr SiedlungsgrĂŒndungen im Zuge der so genannten frĂ€nkischen Landnahme, die im spĂ€ten 5. bis 7. Jh. stattfand. Gonsenheim reiht sich hier in die ebenfalls in diesen Zeitraum datierten OrtsgrĂŒndungen anderer Mainzer Vororte wie Hechtsheim, Bretzenheim, Ebersheim oder Laubenheim ein.

Bereits 775 wurde Gonsenheim als "Gunsenheim" in einer Urkunde der Abtei Lorsch erstmals urkundlich erwĂ€hnt (Urkunde Nr. 1090 vom 30. Mai 775). Beurkundet wurde eine Schenkung eines gewissen Teurath, der dem Kloster Lorsch 5 Joch Ackerland und eine Wiese in der Gemarkung Gunsenheim ĂŒberschrieb. Weitere, teils umfangreiche Schenkungen an verschiedene Klöster (u. a. Lorsch und Fulda) folgten, vor allem in der karolingischen Zeit, als Gonsenheim ein "Königsgut" war.

Mittelalter

Die Mainzer Mauerbauordnung, die im 10./11. Jh. entstand, weist auf die mittelalterliche Verflechtung von Gonsenheim mit Mainz hin. Gonsenheim gehörte im Mittelalter einer Gruppe von 35 privilegierten Dörfern im Umfeld von Mainz an. Diese durften, ohne den ĂŒblichen Marktzoll zu entrichten, in der Stadt handeln, und die Bewohner Gonsenheims konnten in Kriegszeiten in das befestigte Mainz flĂŒchten. Im Gegenzug verpflichteten sie sich zum Unterhalt von 3 "Stadtzinnen", was besagte, dass ihnen die Unterhaltung und Verteidigung eines Teils der Mainzer Stadtmauer unterstand.

Gonsenheim entwickelte sich im Mittelalter kontinuierlich weiter. Obwohl es viele verschiedene LehensgĂŒter vor allem kirchlicher Art in Gonsenheim gab, erlangten die KurfĂŒrsten aus Mainz jedoch nie die Ortsherrschaft. Sie wurden allerdings als Landesherren anerkannt und besaßen damit einige Rechte wie etwa die hohe Gerichtsbarkeit, die Erhebung der Schatzung oder die Verpflichtung der BĂŒrger zum Kriegsdienst. Die Herrschaft ĂŒber den Ort ĂŒbte der Dompropst aus, der wiederum AmtmĂ€nner (ab 1350 bĂŒrgerliche Beamte) bestellte.

Inschrift am Gonsenheimer Rathaus mit dem Wappen von Georg Friedrich von Greiffenklau Volraths
Inschrift am Gonsenheimer Rathaus mit dem Wappen von Georg Friedrich von Greiffenklau Volraths

1350 wurden erstmals die GonsbachmĂŒhlen erwĂ€hnt. Von den acht MĂŒhlen gehörten alleine vier zu Gonsenheim. FĂŒr das Jahr 1365 wurden fĂŒr Gonsenheim ca. 160 Einwohner gezĂ€hlt, eine fĂŒr damalige Zeiten verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig große Einwohnerzahl. 1401 wurde erstmals die Ortskirche "St. Stephanus" in einem GĂŒterverzeichnis erwĂ€hnt. Der St. Petersstift Mainz besaß hier in direkter Nachbarschaft Weinberge. Über das Mittelalter bis in die Neuzeit wurde die Kirche St. Stephan immer weiter aus- und teilweise sogar komplett umgebaut, bis sie zu Anfang des 20. Jh. die heutige GrĂ¶ĂŸe erreichte, die ihr den Namen Rheinhessendom eintrug. Von St. Stephan ausgehend wuchs Gonsenheim im 16. Jh. vor allem lĂ€ngs der "langen Ortsstraße", der heutigen Mainzer Straße. Im Jahr 1615 wurde durch den Dompropst und spĂ€teren Mainzer KurfĂŒrsten Georg Friedrich von Greiffenklau Volraths das Gerichts- und Rathaus erbaut. Der prachtvolle und reprĂ€sentative Renaissancebau mit Erker, Treppenturm und Rollwerkgiebel wurde zusammen mit der direkt benachbarten Ortskirche St. Stephan zum Zentrum von Alt-Gonsenheim.

Den 30-jĂ€hrigen Krieg ĂŒberstand der Ort relativ unversehrt. FĂŒr das Jahr 1665 werden ca. 400 Einwohner angegeben, die in nĂ€chsten Jahr ausbrechende Pestepidemie soll aber die Einwohnerzahl fast halbiert haben. Weitere Seuchen fĂŒhrten 1729 zur EinfĂŒhrung der 14 Nothelfer -Wallfahrt. ZusĂ€tzlich wurde eine Vierzehn-Nothelfer-Kapelle im Gonsenheimer Wald errichtet, die in der 1894 / 95 wiedererbauten Form auch heute noch wichtiger Teil der Gonsenheimer Kirchengeschichte ist.

Im Zuge kurmainzerischer ReformbemĂŒhungen in der Bildungs- und Schulpolitik erhielt Gonsenheim 1779 ein Schulhaus als Anbau zum Rathaus. Allgemein gilt das 18. Jh. fĂŒr Gonsenheim und die Mainzer Vororte als eher friedliche Zeit, wĂ€hrend dieser in Gonsenheim vor allem der Gartenbau (GemĂŒse- und Obstanbau) zu hoher BlĂŒte gelangte und ein wichtiger Versorgungsfaktor fĂŒr Mainz wurde. Mit der Französischen Revolution und dem Vordringen der französischen Revolutionsarmee unter General Custine 1792 brach allerdings gegen Ende des Jahrhunderts auch fĂŒr die Gonsenheimer eine neue Zeit an.

Neuzeit

Denkmal des Gonsenheimer Napoleonvereines
Denkmal des Gonsenheimer Napoleonvereines

Am 18. und 19. Oktober erreichten die Spitzen der französischen Revolutionsarmee auch die Mainzer Vororte. Zwar wurde auch in Gonsenheim ein „ Freiheitsbaum “ errichtet, ansonsten hielten sich die Gonsenheimer aber politisch zurĂŒck, ganz im Gegensatz zu den Einwohnern von z. B. Weisenau oder Bretzenheim/Zahlbach. 1795 beherbergte Gonsenheim alleine 7.000 französische Soldaten. Ab 1798 gehörte es wie Mainz bis 1814 zu Frankreich bzw. ab 1800 zu dem neugegrĂŒndeten französischen DĂ©partement du Mont-Tonnerre (Donnersberg). Am 30. September 1804 wurde das weitlĂ€ufige GelĂ€nde des Großen Sandes erstmals fĂŒr ein (fĂŒnfstĂŒndiges) MilitĂ€rmanöver in Anwesenheit von Napoleon benutzt. Weitere Manöver bis in die Gegenwart sollten dort folgen.

Auch Gonsenheimer kĂ€mpften fĂŒr Napoleon in der Grande ArmĂ©e . Von 40 eingezogenen Gonsenheimern fielen 11 in Napoleons Kriegen . Überlebende Veteranen grĂŒndeten zum Andenken an diese Zeit einen Napoleonverein und setzten 1839 mit dem Napoleonstein in der „Pfarrer-Grimm-Anlage“ ein Veteranendenkmal.

1815 zĂ€hlte Gonsenheim ca. 1.200, 1843 sogar ca. 2200 Einwohner. Der Ort gehörte nun - nach dem RĂŒckzug der Franzosen im Januar 1814 und dem Wiener Kongress 1814 / 15 - zu Rhein-Hessen und zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt . Die konservative Politik des Großherzogtums stand bald im Gegensatz zu den seit der französischen Zugehörigkeit eher liberal geprĂ€gten Rheinhessen. In Gonsenheim fĂŒhrte dies zu einer aktiven Rolle in der MĂ€rzrevolution 1848/49. Im Gasthaus "Zum Goldenen Stern" agierten zwei der bedeutendsten Köpfe der Mainzer Liberalen: Dr. Ludwig Bamberger und Dr. Zitz. Zusammen mit einem Rheinhessischen Freikorps zogen unter ihrer FĂŒhrung auch Gonsenheimer "FreiheitsmĂ€nner" in den Kampf in die benachbarte (bayerische) Pfalz. Am 14. Juni 1849 unterlag das Korps allerdings im Kirchheimbolandener Schlossgarten den ĂŒberlegenen preußischen KrĂ€ften unter dem spĂ€teren Kaiser Wilhelm I.

Die "Breite Straße" in Mainz-Gonsenheim mit ihren typischen BĂŒrgerhĂ€usern vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jh.
Die "Breite Straße" in Mainz-Gonsenheim mit ihren typischen BĂŒrgerhĂ€usern vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jh.

Ungeachtet dieser turbulenten Zeiten wuchs Gonsenheim als Ort weiter, wenn auch nicht so stark wie die Arbeitervororte Weisenau und Mombach . Der Entstehung der "Hinteren Grabenstraße", folgte die der "Finther Straße", "Palmen" und der "Unteren Mombacher Straße". 1866 vernichtete ein Großbrand die alten Glocken von St. Stephan aus dem 16. und 17. Jh.. Gleichzeitig endete eine Cholera-Epidemie, die 10 % der Bevölkerung getötet hatte. 1870 / 71 zogen wieder Gonsenheimer in den Krieg: Im Deutsch-Französischen Krieg fielen von den 59 Gonsenheimer Soldaten 5 MĂ€nner.

EndgĂŒltig in die Neuzeit kam Gonsenheim 1871 mit der Eröffnung der Ludwigsbahn (Mainz-Alzey) und der Anbindung an das Eisenbahnnetz. 1892 wurde zudem die Dampfbahn von Mainz ĂŒber Gonsenheim nach Finthen eröffnet. Anfang des 20. Jh. erhielt Gonsenheim auch Gas- und Wasserleitungen und eine Kanalisation. Gas- und Wasserwerke entstanden, die elektrische Straßenbahn hielt 1907 im Anschluss an die Mombacher Linie Einzug. Elektrischen Strom bekam Gonsenheim 1910 . 1909 errichtete der Flugpionier Jakob Goedecker ( 1882 - 1957 ) in Gonsenheim eine Flugzeugfabrik. Flugplatz und Flugzeughalle befanden sich damals am Großen Sand, einem idealen FliegergelĂ€nde.

Die Bevölkerung wuchs langsam aber konstant von ca. 4.880 Einwohnern 1905 auf ca. 6.200 Einwohner im Jahr 1920 . Da auch in Gonsenheim wie im Nachbarort Mombach Arbeiter protestantischen Glaubens zuzogen, wurde 1903 am Ende der „Breiten Straße“ eine evangelische Kirche erbaut.

1895 avancierte Gonsenheim mit der Stationierung des Nassauischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 27 zum Garnisonsort. Über viele Jahre hinweg gab es im Großen Sand die so genannten Kaisermanöver oder -paraden, das letzte Mal 1913 . Kaiser Wilhelm II. nahm diese ab, wenn er in Wiesbaden zur Kur anwesend war. 1937 wurde die Kathen-Kaserne fertig gestellt.

Am 1. April 1938 wurde Gonsenheim schließlich aus militĂ€rpolitischen GrĂŒnden nach Mainz eingemeindet. Die weit ĂŒber 1000-jĂ€hrige Geschichte als eigenstĂ€ndiges Dorf im Vorfeld von Mainz ging somit zu Ende, obwohl sich Gonsenheim und die Gonsenheimer auch fast 70 Jahre spĂ€ter noch einiges von diesem Erbe bewahren konnten.

Gonsenheim heute

Mit der Eingemeindung Gonsenheims nach Mainz endete zwar die Geschichte Gonsenheims als eigenstÀndiger Ort, aber das Leben verÀnderte sich vorerst nicht allzu sehr. Gonsenheim blieb weiterhin ein bÀuerlich geprÀgter Ort.

Im 2. Weltkrieg wurde Gonsenheim mehrfach bombardiert, die Zahl der zivilen Opfer betrug fast 600 Einwohner. Am 21. MĂ€rz 1945 endete fĂŒr Gonsenheim die Zeit des Nationalsozialismus , die amerikanischen StreitkrĂ€fte marschierten ein. Da Gonsenheim in der unmittelbaren Nachkriegszeit zur französisch besetzten Zone gehörte, hatte der Ort von 1946-48 eine französische Besatzung. Ab 1949 wurden wieder amerikanische StreitkrĂ€fte stationiert die fast 50 Jahre in Gonsenheim bleiben sollten. Diese ĂŒbernahmen die 1938 gebaute Kathen -Kaserne, die fortan unter dem Namen " Lee Barracks " firmierte. Amerikanische Soldaten, ihre Familien und ihre Wohnsiedlungen sowie das an der Grenze zu Mombach gelegene "Panzerwerk" sollten fĂŒr die nĂ€chsten Jahrzehnte das Gonsenheimer Ortsbild mit prĂ€gen.

Im Laufe der Nachkriegszeit ging die ursprĂŒnglich dominierende Landwirtschaft in Gonsenheim immer mehr zurĂŒck. DafĂŒr entstand mit dem Gewerbegebiet "Am Hemel" ein neuer, wirtschaftlich lebendiger Gonsenheimer Ortsteil, an dem sich mehr und mehr Vertreter von Dienstleistung, Handwerk und Industrie ansiedelten.

Ende der 60er Jahre wurde im Rahmen des Autobahnausbaues rund um Mainz (A 60, der so genannte Mainzer Ring) die A 643 quer durch das Naturschutzgebiet Großer Sand Mainz gebaut. Sie stellte den Autobahnanschluss in Richtung Rhein nach Wiesbaden her. 1972/73 wurde zunehmend Mainzer Wohnraum in die Außenbezirke verlegt, so auch nach Gonsenheim. Es entstanden die HochhĂ€user in der Elsa-BrĂ€ndström-Straße, die Wohnraum fĂŒr 6000 Menschen aufwiesen, gleichzeitig aber auch der "soziale Brennpunkt" Gonsenheims werden sollten. Aus verwaltungstechnischen GrĂŒnden trat Gonsenheim 1989 die Bezirke Hartenberg und MĂŒnchfeld ab, die zu einem eigenen Mainzer Stadtteil Hartenberg-MĂŒnchfeld wurden.

Nach dem Abzug der amerikanischen StreitkrĂ€fte in den 90er Jahren wurden grĂ¶ĂŸere FlĂ€chen, vor allem im Bereich der ehemaligen "Lee Barracks" frei. Das bislang letzte grĂ¶ĂŸere Gonsenheimer Projekt dort, der Wohnpark "Am Gonsenheimer Sand", sorgte fĂŒr Wohnraum fĂŒr weitere 4000 Menschen.

Ortsverwaltung

Rathaus

Die Ortsverwaltung Gonsenheim ist im so genannten Gonsenheimer Rathaus, einem Renaissancebau aus dem Jahr 1615 , untergebracht.

Ortsverwaltung Mainz-Gonsenheim

Pfarrstr. 1

55124 Mainz


Telefon: (06131) 41842 / 44651(OV)

Telefax: (06131) 466165

ortsverwaltung.gonsenheim@stadt.mainz.de

Ortsvorsteherin und Ortsbeirat

Seit den Wahlen zum Ortsbeirat 2004 sind folgende Parteien im Ortsbeirat vertreten:

  • CDU (7 Sitze)
  • SPD (3 Sitze)
  • GRÜNE (2 Sitze)
  • FDP (1 Sitz)
  • Die Republikaner (1 Sitz)

Ortsvorsteherin ist Sabine Flegel (CDU)

Stellvertreter: 1. Wolfgang Oepen ( FDP ) 2. Mathias Huber (CDU)

Kommunale Einrichtungen

  • Gonso - Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum - Mainzer Straße 2, Telefon 06131/44280
  • Stadteiltreff Elsa-Brandström-Straße - Am Sportfeld 7 g, Telefon 06131/687501
  • StadtteilbĂŒcherei Mainz-Gonsenheim, Maler-Becker-Schule, Schulstraße 7 Telefon 06131/41747

Wappen und Namensentwicklung

Ortswappen an der Hauswand des 400 Jahre alten GĂ€nsehofes
Ortswappen an der Hauswand des 400 Jahre alten GĂ€nsehofes

Das Wappen von Gonsenheim zeigt im Wappenschild auf rotem Untergrund einen goldenen GĂ€nsefuß. Bei Ă€lteren Ortswappenabbildungen ist manchmal noch St. Stephan als Wappenhalter zu sehen. Es handelt sich hier um ein so genanntes "redendes Wappen", dessen Motiv Bezug auf die spĂ€tmittelalterlich-neuzeitliche Namensform (hier: Gans, GĂ€nse) nimmt. Mit der historischen Namensentstehung "Heim des Gunzo" (siehe Geschichte: Frankenzeit) hat das Wappenmotiv demnach nichts zu tun. Gleiches gilt im Übrigen auch fĂŒr die anderen frĂ€nkischen OrtsgrĂŒndungen Bretzenheim, Hechtsheim, Laubenheim.

Die Namensentwicklung des Ortsnamens Gonsenheim:

  • Gunsenheim (775)
  • Gunt(z)inheim (779)
  • Gunsanheim (788)
  • Gunsenum (1200)
  • Gonsenheim (ab dem 17. Jh.)

Entwicklung der Einwohnerzahl

  • 1365: ca. 160 Einwohner
  • 1665: ca. 400 Einwohner
  • 1800: ca. 1.100 Einwohner
  • 1808: ca. 1.200 Einwohner
  • 1816: ca. 1.450 Einwohner
  • 1843: ca. 2.200 Einwohner
  • 1861: ca. 2.600 Einwohner
  • 1905: ca. 4.880 Einwohner
  • 1920: ca. 6.200 Einwohner
  • 1949: ca. 12.780 Einwohner
  • 1985: ca. 24.000 Einwohner 1
  • 1994: ca. 18.000 Einwohner
  • 2004: 20.296 Einwohner

1 (1989 gibt Gonsenheim den Hartenberg und das MĂŒnchfeld als eigenstĂ€ndigen Stadtbezirk ab)

Schulen & Weiterbildung

Maler-Becker Schule
Maler-Becker Schule
  • Maler-Becker Schule (Grundschule)
  • Martinusschule (Grundschule) (Webseite)
  • Grund- und Hauptschule "Am Gleisberg" (Grund-/Hauptschule)
  • Kanonikus-Kir-Realschule (Realschule)
  • Gymnasium Gonsenheim (Webseite)

Am Standort "Bruchspitze" ist ausserdem noch der Fachbereich III der Fachhochschule Mainz mit den wirtschaftswissenschaftlichen StudiengÀngen vertreten. Im Studienangebot des Fachbereich III finden sich folgende StudiengÀnge:

  • Betriebswirtschaft
  • Wirtschaftsrecht
  • Aussenwirtschaft (International Business)
  • Krankenhauswesen
  • Gesundheits- und Sozialökonomie

mit jeweils vielfÀltigen Studienschwerpunkten sowie eine Reihe von Teilzeit- und WeiterbildungsstudiengÀnge wie MasterstudiengÀnge oder Berufsintegrierende Studienmöglichkeiten.

Ebenfalls vertreten ist die Volkshochschule Mainz mit ihrer Außenstelle Gonsenheim.

Vereine und Gruppierungen

Gonsenheim weist ein reichhaltiges Vereinsleben auf. Neben teilweise ĂŒber 150 Jahre alten Vereinen, welche die alten, dörflich geprĂ€gten Traditionen reprĂ€sentieren, gibt es auch zahlreiche NeugrĂŒndungen in allen Bereichen des Vereinslebens. Nicht zu vergessen sind auch die Fassenachtsvereine, die in der Mainzer Fassenachtshochburg Gonsenheim ebenfalls eine lange Tradition haben. Die Koordination dieser vielfĂ€ltigen Vereinslandschaft ĂŒbernimmt der Vereinsring Gonsenheim, der u. a. auch fĂŒr das gemeinsam gestaltete Sommerfest in der Pfarrer-Grimm-Anlage zustĂ€ndig ist.

Die folgende Liste zeigt lediglich eine Auswahl der Gonsenheimer Vereine und Gruppierungen:

Landwirtschaft & Gewerbe

  • Gonsenheimer Bauernverein e.V.
  • Gewerbeverein Gonsenheim e.V.

Musikvereine

  • MGV "CĂ€cilia" Gonsenheim

Der MVG CĂ€cilia wurde bereits 1845 gegrĂŒndet und ist der zweitĂ€lteste Gonsenheimer Verein

  • MGV "Einigkeit" Gonsenheim
  • MGV "Heiterkeit" 1884 e.V.
  • Kath. Kirchenchor St. Stephan
  • Sacro Pop Gruppe "Domino" - Chor & Band

Sportvereine

  • Turngemeinde 1861 Gonsenheim
  • Turngesellschaft 1899 Gonsenheim
  • Handballclub Gonsenheim
  • SV 1919 e.V. Gonsenheim
  • Reit- & Fahrverein 1929 Gonsenheim

Der Reit- und Fahrverein Gonsenheim richtet jedes Jahr ĂŒber die Osterfeiertage sein großes Reitturnier im Gonsenheimer Wald aus. Das Turnier zĂ€hlt zu den ersten Veranstaltungen der Turniersaison mit ĂŒberregionaler Bedeutung.

  • Volkssportverein "Wanderfreunde" Mainz 1971 e.V.
  • B.S.C. Mainz Athletics

Der Baseballklub Mainz Athletics spielt in der ersten Bundesliga.

Fastnachtsvereine

  • C.V. Kleppergarde 1877 e.V. Gonsenheim
  • C.V. "Eiskalte BrĂŒder" 1893 e.V. und Grenadiergarde
  • Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) 1892 e.V.
  • Gonsenheimer FĂŒsilier-Garde 1953 e.V.
  • Die Gonsbachlerchen

Die Gonsbachlerchen mit Joe Ludwig und Herbert Bonewitz als aktiven Mitgliedern gehörten zum Urgestein der Mainzer Fassenacht und waren mit dabei bei dem TV-Start der Fernsehfassenacht 1956.

Fördervereine

  • Schöneres Gonsenheim e.V.
  • Förderverein fĂŒr die Renovierung und Instandhaltung der Pfarrkirche St. Stephan in Mainz-Gonsenheim - Rheinhessendom e.V.
  • Förderverein fĂŒr die finanzielle und ideelle UnterstĂŒtzung der Gemeindearbeit in St. Petrus Canisius in Mainz-Gonsenheim
  • Förderverein Wildpark Mainz-Gonsenheim
  • Förderverein des kath. Kindergartens von St. Stephan

Weitere Vereine und Interessensgruppen

  • Heimat- und Geschichtsverein Gonsenheim

Der Heimat- und Geschichtsverein Gonsenheim bietet ein umfangreiches Aktionsprogramm (Exkursionen, VortrĂ€ge) an und betreibt seit mehreren Jahren ein sehenswertes Heimatmuseum (Standort: Budenheimer Straße).

  • Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg Stamm St. Stephan Mainz-Gonsenheim
  • Katholische Junge Gemeinde (KJG)

Gastronomie

Internationale KĂŒche in Mainz-Gonsenheim: Spanische Bodega
Internationale KĂŒche in Mainz-Gonsenheim: Spanische Bodega

Von den alten Gonsenheimer DorfgaststĂ€tten gibt es bis heute noch die GaststĂ€tte „Zur Krimm“. „Die Krimm“ wurde ursprĂŒnglich gegrĂŒndet um die Schaulustigen, die zu Manövern und MilitĂ€rĂŒbungen am nahe liegenden „Großen Sand“ kamen, zu bewirten. Nach dem Anschluss von Gonsenheim an die "Ludwigsbahn" wurde die Krimm ein vor allem fĂŒr Mainzer Stadtbewohner beliebtes Ausflugslokal mitten im Gonsenheimer Wald. Ebenso nach wie vor geöffnet ist das Gasthaus „Zur Port“ in der Klosterstrasse, das bereits 1877 gegrĂŒndet wurde. Das Gasthaus „Zur Ludwigsbahn“ in der ehemaligen Hauptstraße 72 (heute Mainzer Straße) stammt ebenfalls aus dem 19. Jh. und wurde, nach kurzer Pause, als Hotel-Pension und GaststĂ€tte 2003 neueröffnet. Der Name „Ludwigsbahn“ kommt von der 1871 von der Hessischen Ludwigsbahngesellschaft gebauten Bahnstrecke Mainz-Alzey.

Gonsenheim bietet heute einen breiten gastronomischen Querschnitt an. Neben gutbĂŒrgerlicher KĂŒche findet man Restaurants, GaststĂ€tten und Imbiss-Stuben mit indischer, griechischer, italienischer, spanischer, tĂŒrkischer, asiatischer und mediterraner KĂŒche. Zunehmend entdeckt auch die gehobenere Gastronomie die Bedeutung Gonsenheims in direkter NĂ€he zur Mainzer Innenstadt.

Feste

In dem seit alters her katholisch geprĂ€gten Gonsenheim wird nach wie vor das traditionelle Kirchweihfest gefeiert, wie dies in dörflichen Gegenden Brauch ist. Dazu kommt die "Kerb", die frĂŒher von dem jeweiligen "Kerbejahrgang" vorbereitet wurde, und die von einem Jahrmarkt auf dem Juxplatz begleitet wird.

Das alle zwei Jahre stattfindende Parkfest, welches 2003 zum ersten Mal stattfand, hat das frĂŒhere Rathaus- und Höfefest in der Mainzer Straße abgelöst. Das Parkfest, bei dem sich die meisten Vereine und Gruppierungen Gonsenheims beteiligen, findet in der Pfarrer-Grimm-Anlage sowie in der benachbarten Kirchstraße statt. Ebenfalls zur Tradition geworden ist der Adventsmarkt am 1. Adventswochenende, getragen von Gonsenheimer Vereinen, Gruppierungen, Schulen und KindergĂ€rten an gleicher Stelle. Zu diesen "offiziellen" Veranstaltungen kommen noch die Straßenfeste verschiedenster Gonsenheimer Straße und deren Anwohner, so z. B. in der Engelstraße oder der Elsa-BrĂ€ndström-Straße mit ihren Hochhausquartieren.

Übersicht

  • Fastnachtsumzug und nĂ€rrischer Rekrutenumzug (Fastnacht-Samstag)
  • Reitturnier des Gonsenheimer Reit- und Fahrvereins (Ostersamstag bis -montag)
  • Kinder- und SĂ€ngerwaldfest des Gesangsverein CĂ€cilia im Gonsenheimer Wald/Wendelinusheim (Pfingstmontag)
  • FrĂŒhlingsfest auf dem Juxplatz (2. Wochenende im Mai)
  • Erdbeerfest (Juni)
  • Parkfest in der Pfarrer-Grimm-Anlage (Juli)
  • Kerb auf dem Juxplatz (August)
  • Sommerfest St. Stephan auf dem PfarrheimgelĂ€nde (1. Septemberwochenende)
  • Adventsmarkt in der Pfarrer-Grimm-Anlage (1. Adventswochenende)

Gonsenheimer Fastnacht

Als Fastnachtshochburg in Mainz wird in Gonsenheim selbstverstĂ€ndlich auch die Fastnacht entsprechend gefeiert. Gonsenheim kann zwar keinen so respektablen Zug wie der Nachbarvorort Mainz-Finthen aufweisen, aber es findet die in den Vororten ĂŒbliche RathauserstĂŒrmung sowie ein Rekrutenumzug der Gonsenheimer Vereine statt.

Gonsenheimer Fassenachtvereine haben eine große Tradition. Der Ă€lteste Verein ist der C.V. Kleppergarde 1877 e.V. Gonsenheim. UrsprĂŒnglich von Gonsenheimer Landwirten und Fuhrleuten als "Sparverein Kleppergarde" gegrĂŒndet, nannte sich der Verein 1952 zum 75-jĂ€hrigen VereinsjubilĂ€um um. Der zweitĂ€lteste und grĂ¶ĂŸte Fassenachtsverein vor Ort ist der Gonsenheimer Carneval Verein 1892 e.V. (GCV). Der ursprĂŒngliche GrĂŒndungsname lautete auch hier "Spar- und Karnevalsverein Schnorreswackler". Der GCV ist einer der vier Vereine, welche die Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz" tragen. Der GCV heißt auch Schnorreswackler: Die GrĂŒndungsvĂ€ter im Jahre 1892 hatten allesamt in bester wilhelminischer Tradition prĂ€chtige SchnurrbĂ€rte (umgangssprachlich: Schnorres), welche laut zeitgenössischen Aussagen im Eifer des Gefechtes in der Kampagne durchaus heftig in Bewegung geraten konnten. 1946 entstand aus Mitgliedern der Gonsenheimer Turngesellschaft 1899 (TGS 1899) heraus die Gruppe der Gonsbachlerchen rund um Joe Ludwig und Herbert Bonewitz. Ab 1953 auch im Fassenachtsgeschehen des GCV aktiv, waren die Gonsbachlerchen durch ĂŒber 1500 Auftritte bundesweit sehr bekannt.

Da der GCV keine eigene Garde hat, kooperiert der Verein mit der 1953 gegrĂŒndeten Gonsenheimer FĂŒsilier-Garde im Rahmen der so genannten "NĂ€rrischen Achse". Die ĂŒber 700 Mitglieder umfassende Garde (die grĂ¶ĂŸte eigenstĂ€ndige Garde in Mainz) weist alles auf, was zur Mainzer Saal- und Strassenfassenacht aufgeboten werden kann: Offiziers- und Amazonencorps, ein moderner Musikzug, großes Reitercorps, Fahnen- und Majorettencorps, Kadettencorps, eine Ehrenlegion sowie Gardeballett, Showdance und Kinderballett. Gardeuniform und Regimentsfahne lehnen sich wage an das historische Vorbild, dem ehemaligen Hessen-Kasseler-FĂŒsilier-Regiment Nr.80, das im PfĂ€lzischen Erbfolgekrieg 1689 in Gonsenheim stationiert war, an. Der Gardemarsch der FĂŒsiliergarde ist der alte Gardemarsch des bis zum 1. Weltkrieg in Mainz stationierten Infanterie-Regiment Nr.117.

Ein Jahr nach dem "Spar- und Karnevalsverein Schnorreswackler", 1893, wurde der Carnevalverein Eiskalte BrĂŒder gegrĂŒndet. Laut Überlieferung fand die GrĂŒndungssitzung im Winter im Hinterzimmer einer Gonsenheimer Gastwirtschaft statt - mit nicht funktionierendem Ofen. Der Vereinsname war somit schnell geboren. Besonders am Herzen liegt den Eiskalten BrĂŒdern der lokale Bezug zu Gonsenheim, der sich besonders in der beliebten Sitzung "Alt Gunsenum" ausdrĂŒckt.

Bereits vor dem 2. Weltkrieg bildete das katholische kirchliche Umfeld den NĂ€hrboden fĂŒr vielfĂ€ltige fastnachliche AktivitĂ€ten. So entstanden aus der Marianischen Kongregation heraus Fastnachtssitzungen im kleinen gesellschaftlichen Rahmen. Nach Verboten in der NS Zeit wurde die Tradition in den 50er Jahren in der GaststĂ€tte SĂ€ngerheim und seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in der großen Turnhalle fortgesetzt. Seit Anfang der 80er Jahre findet jĂ€hrlich die traditionelle Pfarreifastnacht als ökumenische Sitzung der 3 Gonsenheimer Pfarreien St. Stephan, St. Petrus Canisius und der ev. Gemeinde statt. In diesen Sitzungen wurde die erste intensive Nachwuchsarbeit betrieben aus der viele Gonsenheimer FastnachtsgrĂ¶ĂŸen wie GCV Ballett, und vielerlei Aktive des GCV und der FĂŒsiliergarde erwuchsen.

Sehenswerte GebÀude

Rathaus Gonsenheim und St. Stephan im alten Ortskern
Rathaus Gonsenheim und St. Stephan im alten Ortskern

Rathaus Gonsenheim

Erbaut 1615 vom Dompropst und spĂ€teren Mainzer KurfĂŒrst Georg Friedrich von Greiffenklau Volraths als Gerichts- und Rathaus. Bauelemente wie Rollwerkgiebel, Erker und das steinerne TreppentĂŒrmchen weisen auf den Baustil der spĂ€teren Renaissancezeit hin. Zu den angegebenen Öffnungszeiten des Rathauses kann das Innere des GebĂ€udes besichtigt werden. An jedem 2. Donnerstag im Monat finden im reprĂ€sentativen Barocksaal auch Hochzeiten statt.

St. Stephan aus einer ungewöhnlichen Perspektive
St. Stephan aus einer ungewöhnlichen Perspektive

St. Stephan

Die katholische Ortskirche St. Stephan wurde das erste Mal urkundlich 1401 erwĂ€hnt. Bei mehreren Neu- und Umbauten, zuletzt 1906 , erhielt die Kirche im neugotischen Stil ihre heutige imposante Form mit ĂŒber 62 m LĂ€nge des Kirchenschiffes und den beiden fast 60 m hohen KirchtĂŒrmen. Da sie damit die grĂ¶ĂŸte Landkirche in Rheinhessen war, wurde St. Stephan bald als „Rheinhessendom“ bezeichnet. 2006 feiert der „Rheinhessendom“ sein 100-jĂ€hriges JubilĂ€um.

Evangelische Kirche

Mitten auf einer Verkehrsinsel am Beginn der "Breiten Straße" gelegen, wurde diese erste evangelische Kirche in Gonsenheim 1903 erbaut.

Vierzehn-Nothelfer-Kapelle

Die Kapelle wurde 1729 aufgrund eines GelĂŒbdes der Gonsenheimer im Gonsenheimer Wald erbaut. Die jetzige Bauform der 14 Nothelfer Kapelle beruht auf der Neuerbauung im Jahr 1895. Die Kapelle liegt am Ende der Kapellenstraße am Rand des Gonsenheimer Waldes. Der Gonsenheimer Wildpark und das im Wald gelegene Wendelinusheim sind jeweils nur einige Minuten zu Fuss entfernt.

St. Petrus Canisius

Die katholische Pfarrkirche St. Petrus Canisius in Gonsenheim wurde im Jahr 1956 erbaut. Die Kirche steht als eines der frĂŒhesten Zeugnisse moderner Architektur unter Denkmalschutz.

DenkmÀler

Napoleonstein

Das "Denkmal der unter den Fahnen Napoleons gefallenen Gonsenheimern" (so die Hauptinschrift) wurde 1839 von dem Gonsenheimer Napoleonverein aufgestellt und nochmals 1926 renoviert. Das Denkmal steht in der Pfarrer-Grimm Anlage direkt an einem der Hauptwege. Ein weiteres Denkmal dieser Art gibt es noch in Hechtsheim und wurde dort 1834 aufgestellt. Das Denkmal ist aus roten Sandstein und mit dem "napoleonischen N" und umgebenden Sternen geschmĂŒckt, die mit Gold ĂŒberzogen sind. Aufgelistet werden die Gefallenen, und die Armeeeinheiten (so u. a. auch die berĂŒhmte "Alte Garde"), zu denen sie unter Napoleon gehört haben.

Offensichtlich wurden die napoleonischen FeldzĂŒge, an denen ca. 40 junge Gonsenheimer teilnehmen mussten, von den zurĂŒckgekehrten Veteranen im nachhinein nostalgisch verklĂ€rt und blieben, inklusive dem Andenken an die gefallenen WaffenbrĂŒder, in positiver Erinnerung

KriegsdenkmÀler

Fassenachts-Denkmal der "Schnorreswackler"
Fassenachts-Denkmal der "Schnorreswackler"

Das Denkmal des Nassauischen Feld-Artillerie-Regiment Nr.27 Oranien, welches an die Gefallenen des in Gonsenheim stationierten Artillerieregiments erinnert, steht in der Pfarrer-Grimm Anlage. Das Denkmal wurde 1933 zur 100-Jahrfeier des Regimentes aufgestellt. Das wenige Meter entfernt stehende Denkmal des Ludwigvereins (ein Verein Großherzoglich-Hessischer Beamter aus Gonsenheim) von 1863 erinnert an die Zugehörigkeit der Gonsenheimer zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt und wurde spĂ€ter um die Namenslisten der im Ersten Weltkrieg gefallenen Gonsenheimer ergĂ€nzt.

Ein weiteres Kriegerdenkmal, das allgemein der Gefallenen der Weltkriege gedenkt, befindet sich einige Meter entfernt an der Breiten Straße, Ecke Juxplatz.

Der Schnorreswackler

Das Fassenachtsdenkmal wurde vom Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) 2003 errichtet und steht heute vor der Gonsenheimer Volksbank an der Breiten Straße. Die Figur reprĂ€sentiert die "nĂ€rrische Achse" gleich dreier Gonsenheimer Fassenachtsinstitutionen: Der Mann mit dem imposanten Schnurrbart steht fĂŒr den Gonsenheimer Carneval Verein, auch die "Schnorreswackler" genannt. Der Spatz mit Hut reprĂ€sentiert die "Gonsbachlerchen", die von 1946 bis 1992 aktiv waren. Der an friederizianische Vorbilder angelehnte Helm mit der nĂ€rrischen Zahl 11 steht fĂŒr die 1953 gegrĂŒndete Gonsenheimer FĂŒsiliergarde.

Natur

Lennebergwald

FrĂŒhlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) im Lennebergwald
FrĂŒhlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) im Lennebergwald

Der Lennebergwald wird bei der Mainzer Bevölkerung im Allgemeinen nur als "Gonsenheimer Wald" bezeichnet. Er gehört zu einem ca. 700 ha großen WaldstĂŒck, dem grĂ¶ĂŸten in Rheinhessen und schließt sich westlich des Großen Sandes an. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Waldgebietes gehört allerdings zur Nachbargemeinde Budenheim.

Der Lennebergwald zeichnet sich durch relativ sandigen Boden und damit verbunden einer gewissen Trockenheit sowie hohen Bodentemperaturen aus. Der sandige Boden hĂ€lt auch nur wenig NĂ€hrstoffe bereit. Dies begĂŒnstigt vor allem Kiefern und Eichen sowie eine typische Trockenrasenflora, die auch teilweise im Naturschutzgebiet "Mainzer Sand" wiederzufinden ist. In seiner Form ist der Lennebergwald eher untypisch in Deutschland, wo BuchenmischwĂ€lder vorherrschen. Aufgrund seiner ökologischen wie botanischen Bedeutung ist der gesamte Lennebergwald vom Land Rheinland-Pfalz unter Naturschutz gestellt worden.

Der Lennebergwald bietet der umgebenden Bevölkerung eine Vielzahl von Möglichkeiten. Es wird geschĂ€tzt, dass jedes Jahr rund eine Million Menschen mit insgesamt 90.000 Hunden den Lennebergwald zu Erholung aufsuchen. Es gibt ausgewiesene Wander- und Reitwege und Sportpfade sowie Strecken fĂŒr Jogger, Nordic Walker und Mountainbiker. GrillhĂŒtten werden vom zustĂ€ndigen Forstamt betreut, das auch ĂŒber den Wald und seine Flora und Fauna informiert.

Großer Sand

Das BinnendĂŒnengebiet des "Großen Sand" nimmt aus botanischer und geoökologischer Sicht eine ĂŒberregionale Bedeutung ein. Nach der letzten Eiszeit und dem ZurĂŒckweichen des Eises vor ca. 12.000 Jahren blieb in Deutschland eine weitgehend baumlose KĂ€ltesteppe zurĂŒck. Mit zunehmender ErwĂ€rmung des Klimas kam es zu einer Wiederbewaldung und die Steppengebiete verschwanden in Deutschland vielerorts bis auf wenige Relikte. Eines davon ist der "Große Sand" in Mainz, wo sich auf einem Gebiet von heute ca. 90 ha die Restflora aus der Steppenperiode erhalten hat. Das Überdauern dieser speziellen Nacheiszeitflora wurde begĂŒnstigt durch die besonderen Bedingungen im Mainzer Becken: Sandiger und damit nĂ€hrstoffarmer Boden, geringe Niederschlagsmengen (Ăž 560 mm/Jahr) und hohe Sommertemperaturen. Diese Rahmenbedingungen trugen dazu bei, dass es hier zu keiner nennenswerten Wiederbewaldung kam. Auch fĂŒr Landwirtschaft oder Gartenbau eignete sich das Gebiet nur bedingt.

Der Mainzer "Große Sand" wurde erstmals unter Napoleon als GelĂ€nde fĂŒr ein fĂŒnfstĂŒndiges prachtvolles MilitĂ€rmanöver genutzt (welches die Gonsenheimer sehr beeindruckt hatte). Weitere Kaiserparaden und -manöver folgten vor allem unter Kaiser Wilhelm II., der hier von 1898 bis 1913 jĂ€hrlich zum Manöverbesuch weilte. Im beginnenden 20. Jh. wurde der Große Sand auch als Flugplatz genutzt. Vor allem Jacob Goedecker, Flugpionier und Flugzeugkonstrukteur, hatte hier seine Fabrik und TestgelĂ€nde. 1909 landete hier Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff.

Bereits 1938 wurde das GelĂ€nde unter Naturschutz gestellt, 1994 kam das bis dahin von der US-Army intensiv fĂŒr MilitĂ€rmanöver genutzte Gebiet "Mainzer Sand II" hinzu, ebenso der angrenzende Gonsenheimer Wald. Der Große Sand ist fĂŒr Besucher nur auf einem freigegebenen Rundwanderweg, teilweise auf Holzbohlen ĂŒber dem Erdboden, zugĂ€nglich. Trotzdem ist dieses Gebiet heute mit seiner Ă€ußerst seltenen Sandflora stark gefĂ€hrdet, es wird ein RĂŒckgang vieler Arten verzeichnet. In den vergangenen Jahrzehnten ist das Gebiet des Großen Sandes sukzessive geschrumpft, große Teile wurden zur Wohnbebauung oder fĂŒr die Anlage von TennisplĂ€tzen freigegeben. Es ist ungeachtet der Schutzmaßnahmen fraglich, ob das verbliebene kleine StĂŒck ĂŒberlebensfĂ€hig ist.

Von der vielfĂ€ltigen Flora des "Großen Sands" sei an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl der seltensten Pflanzen wiedergegeben:

  • Sand-Radmelde (Kochia laniflora, Chenopodiaceae) - (vom Aussterben bedroht)
  • Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens, Orchidaceae) - (Stark gefĂ€hrdet)
  • BĂŒschel-Gipskraut (Gypsophila fastigiata, Caryophyllaceae) - (Stark gefĂ€hrdet)
  • KegelfrĂŒchtiges Leimkraut (Silene conica, Caryophyllaceae) - (Stark gefĂ€hrdet)
  • FrĂŒhlings-Adonisröschen (Adonis vernalis, Ranunculuaceae)- (Stark gefĂ€hrdet)
  • Sand-Lotwurz (Onosma arenaria, Boraginaceae)- (vom Aussterben bedroht), kommt in Deutschland nur noch in wenigen Exemplaren hier vor.
  • Rote Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea, Asteraceae) - (vom Aussterben bedroht)

Gonsbachtal

Gonsbachtal mit St. Stephan im Hintergrund
Gonsbachtal mit St. Stephan im Hintergrund

Das Gonsbachtal war bereits vor mehreren tausend Jahren aufgrund seiner guten BewĂ€sserungs- und Anbaumöglichkeiten fĂŒr menschliche Ansiedlungen attraktiv. Heute wird im Gonsbachtal immer noch GemĂŒsebau betrieben, dies allerdings in einem bescheidenem Rahmen. Nach einer teilweisen Kanalisierung und Zubetonierung des Gonsbachs und der UferrĂ€nder in den 70er Jahren wird eine Renaturierung heute von der Stadt Mainz projektiert.

Der Gonsbach zieht sich durch den ganzen sĂŒdlichen Ortsteil. Von Finthen her kommend, schlĂ€ngelt sich der kleine Bach quer durch die Kleingartenanlagen und GemĂŒsefelder im vorderen Gonsbachtal, durch den alten Ortskern und unterhalb der Kanonikus-Kir-Realschule entlang Richtung Mombach und Neustadt. Einige der alten MĂŒhlengebĂ€ude entlang des Gonsbachs sind immer noch zu sehen wie z. B. die KriegersmĂŒhle oder die SchneidersmĂŒhle. An der sog. Gemarkungsgrenze zu Finthen liegt die WildbachbrĂŒcke, ehemals Zugang zur KönigsmĂŒhle, eines der wenigen mittelalterlichen Bauwerke im Bereich.

Wildpark

Tierpark beim Lennebergwald
Tierpark beim Lennebergwald

Der Gonsenheimer Wildpark wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von der Mainzer JĂ€gerschaft gegrĂŒndet. UrsprĂŒnglich wurden nur Wildschweine und Hirsche gehalten. Nachdem zwischenzeitlich die Leitung an die Stadt Mainz ĂŒbergegangen war, kamen in den 70er Jahren weitere KĂ€fige und Volieren fĂŒr kleinere Raubtiere (Fuchs, Luchs) und Vögel (Fasane, Tauben) hinzu. Der Wildpark wurde schnell zu einem Attraktionszentrum in Gonsenheim. Weitere Tiergehege und Anlagen wie z.B. das Haustiergehege oder die Wasservogelanlage kamen hinzu.

Nachdem der Wildpark gegen Ende des letzten Jahrhunderts eigentlich erweitert und unter modernen ökologischen und tierhalterischen Aspekten neu geplant werden sollte, steht mittlerweile aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt Mainz die Schließung des Parks zur Diskussion. Zur Erhaltung des Gonsenheimer Wildparks, der pro Jahr mehrere hundertausend Menschen anzieht, hat sich im Herbst 2002 der Förderverein Wildpark Mainz-Gonsenheim e. V. gegrĂŒndet, dessen Arbeit bereits erste Erfolge aufweisen kann.

Bedeutende Gonsenheimer

Carl Zuckmayer

Geboren am 27.12. 1896 in Nackenheim vor den Toren Mainz. Nachdem die Familie im Jahr 1900 nach Mainz zog, war der junge Carl Zuckmayer hÀufiger in Gonsenheim als Erntehelfer zugange und wohnte dort bei Familie Becker im "Gonsenheimer Hof" (Becker XXXIX). Bei Kriegsausbruch wollte Carl Zuckmayer als Freiwilliger unbedingt zur Kavallerie. Bei den in Mainz stationierten Dragonern wÀre er allerdings nur mit eigenem Pferd genommen worden. So trat Zuckmayer notgedrungen bei dem (mit Pferden bespannten) Nassauischen Feld-Artillerie-Regiment Nr.27 Oranien in Gonsenheim ein und begann damit den Ersten Weltkrieg als Gonsenheimer Rekrut.

Über seine Zeit in Gonsenheim schrieb Carl Zuckmayer auch in seiner Autobiographie "Als wĂ€r's ein StĂŒck von mir".

Ferdinand Becker

Gedenktafel fĂŒr den Maler Joseph Ferdinand Becker am frĂŒheren Gasthaus "Zum Goldenen Stern" in Gonsenheim
Gedenktafel fĂŒr den Maler Joseph Ferdinand Becker am frĂŒheren Gasthaus "Zum Goldenen Stern" in Gonsenheim

Joseph Ferdinand Becker wurde 1846 in Gonsenheim geboren. Er starb bereits 1877 in MĂŒnchen. Seine Eltern besaßen die Gastwirtschaft "Zum Goldenen Stern" in direkter Nachbarschaft zum Rathaus. Ferdinand Becker, in Gonsenheim besser bekannt als der "Maler Becker", erlangte seinerzeit in Kunstkreisen einen gewissen Ruf als Kirchen- und Genremaler. Verwandte von Ferdinand Becker leben noch heute in Gonsenheim. Die "Maler Becker-Grundschule" und die "Maler Becker-Straße" in Gonsenheim sind nach ihm benannt. Seine GrabstĂ€tte befindet sich auf dem Gonsenheimer Waldfriedhof.

Jacob Goedecker

Jacob Goedecker stammte aus einer angesehenen Mainzer Familie und kam 1882 in Warschau zur Welt. Im Rahmen eines Maschinen- und Schiffsbaustudiums, unter anderem in Aachen, lernte er dort Professor Hugo Junkers kennen. Goedecker beschĂ€ftigte sich nach dieser Begegnung intensiv mit Flugzeugkonstruktion und -bau. 1909 grĂŒndete er die "J. Goedecker Flugmaschinenwerke", die zuerst ihren Sitz in Walluf im nahen Rheingau, spĂ€ter am "Großen Sand" in Gonsenheim hatte. Schon kurz danach erzielte Goedecker mit seinen Eigenkonstruktionen, u. a. der berĂŒhmten "Taube", große Erfolge. In seiner 1911 gegrĂŒndeten Flugschule lernten viele spĂ€ter berĂŒhmte Flieger ihr Handwerk, u. a. auch Anthony Fokker , der spĂ€ter Chefpilot bei den Goedeckerschen Flugwerken wurde. In Gonsenheim wurden Eindecker, Doppeldecker und auch Wasserflugzeuge gebaut. Ein Flugzeug von Goedecker war 1912 das erste militĂ€risch in Deutschland genutzte Flugzeug ĂŒberhaupt. Seine Flugmaschinenwerke beschĂ€ftigten zu diesem Zeitpunkt bereits 120 Menschen.

Im Ersten Weltkrieg kamen viele Doppeldecker der neuen deutschen FliegerstreitkrĂ€fte aus Goedeckers Fabrik. Nach dem Ersten Weltkrieg stagnierte Goedeckers Fabrik, da die französischen Besatzungsmacht seine Arbeit stark einschrĂ€nkte. 1957 starb Jacob Goedecker. Ein Gedenkstein an der Elbestraße in Gonsenheim (in Höhe der Canisiuskirche) erinnert an den Flugpionier und seine Arbeit am Großen Sand, der sich damals bis in dieses Gebiet erstreckte.

Gertrude Degenhardt

Gertrude Degenhardt, * 01.10. 1940 in New York , deutsche Lithografin und Zeichnerin, lebt und arbeitet in Mainz-Gonsenheim. Gertrude Degenhardt wuchs in Berlin auf. Seit 1956 lebt sie in Mainz, wo sie ab 1966 als freischaffende Malerin und Graphikerin arbeitet. Ihre Zeichnungen und Radierungen tragen ihre individuelle, unverwechselbare kĂŒnstlerische Handschrift. Wer ihren ureigenen Stil kennt und lesen kann, wird leicht in ihren Figuren den ein oder anderen Zeitgenossen wieder erkennen. Ihr jĂŒngst verstorbener Mann Martin Degenhardt ist wohl das meist wieder zu findende Motiv. Mit Nadel und Kupferplatte, aber auch mit dem Zeichenstift, stellt sie ihre Mitmenschen verfremdet und skurril und trotzdem gut erkennbar dar.

Literatur

  • Gonsenheimer JahrbĂŒcher, Jahrgang 1-x, Hrsg.: Heimat und Geschichtsverein Gonsenheim e.V., Mainz, 1992-
  • Gonsenheimer Fotos. Die 50er Jahre; Angelika Schulz-Parthu; Leinpfad Verlag, 2001, ISBN 3-9807711-1-3
  • Gonsenheimer Geschichte und Geschichten; Peter Krawietz; Eggebrecht-Presse KG, Mainz, 1986, ISBN 3-87195-060-2
  • Gonsenheim - Die Ă€ltesten Besiedlungsspuren bis zur urkundlichen ErwĂ€hnung; ArchĂ€ologische Ortsbetrachtungen Band 4, Ronald Knöchlein, Verlag Philipp von Zabern, 2004, ISBN 3-8053-3406-0
  • Die Mainzer Stadtteile; Claus Wolf; Emons Verlag, 2004, ISBN 3897053616

Weblinks

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Koordinaten: 50° 0' 5" N 8° 12' 30" O

   
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