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Letzte Änderung für Artikel Hessen-Nassau: 12.02.2006 17:22

Hessen-Nassau

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Die preußische Provinz Hessen-Nassau bestand von 1868 bis 1944 . Die Provinz umfasste den nördlichen und westlichen Teil des heutigen Bundeslandes Hessen, sowie Teile von Rheinland-Pfalz und entstand aus den 1866 von Preußen annektierten LĂ€ndern Kurhessen, Nassau und Freie Stadt Frankfurt. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte waren Frankfurt am Main, Kassel (Provinzhauptstadt) und Wiesbaden. Die Provinz hatte eine FlĂ€che von 15.700 kmÂČ und (1905) gut zwei Millionen Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Gebiet und Bevölkerung

16.845 kmÂČ; 2.688.922 Einwohner (Mai 1939)

Insignien

Wappen Flagge

Die Farben der Flagge der Provinz waren, von oben nach unten, Rot-Weiß-Blau, identisch mit der Flagge der Niederlande . Das Herzogtum Nassau ist das Stammland des Königshauses der Niederlande.

Das Wappen ist dreigeteilt und zeigt die Wappen der drei annektierten Staaten: rechts (vom TrĂ€ger aus gesehen) der gekrönte, silber-rot quergestreifte Löwe des KurfĂŒrstentums Hessen, links ein gekrönter goldener Löwe, wie der erste im im blauen Feld, fĂŒr Nassau, in der roten Spitze der goldbewehrte silberne Adler der Freien Stadt Frankfurt.

GrĂŒndung der Provinz

Hessen-Nassau (1905)
Hessen-Nassau ( 1905 )

Nach dem Deutschen Krieg 1866 gelangten das KurfĂŒrstentum Hessen (Residenzstadt Kassel), das Herzogtum Nassau (Residenzstadt Wiesbaden), die Freie Stadt Frankfurt und die bayerischen Ämter Gersfeld und Orb unter preußische Herrschaft. Ferner musste das Großherzogtum Hessen das sog. Hessische Hinterland sowie die kurz zuvor erworbene Landgrafschaft Hessen-Homburg an Preußen abtreten, es erhielt allerdings das zuvor kurhessische Bad Nauheim.

Obwohl die mitten in Hessen gelegene, ehemals Freie Reichsstadt Wetzlar schon im Jahre 1815 preußisch und 1822 Kreisstadt des neu geschaffenen preußischen Landkreises Wetzlar geworden war, blieb sie weiter im Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz. Erst am 1. Oktober 1932 wurden Stadt und Kreis Wetzlar in den Regierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau eingegliedert.

Die neuen preußischen Gebiete wurden zunĂ€chst in den Regierungsbezirken Cassel und Wiesbaden unter einem vorlĂ€ufigen preußischen OberprĂ€sidium in Cassel vereinigt.

Am 7. Dezember 1868 entstand hieraus die neue preußische Provinz Hessen-Nassau. Sie gliederte sich - wie in Preußen ĂŒblich - in Stadtkreise und Landkreise .

Verwaltungsreformen

Deutsches Kaiserreich

1886 wurde die Stadt Hanau kreisfrei. Der Mainkreis wurde am 31. MÀrz 1886 in die neuen Landkreise Wiesbaden und Höchst geteilt.

Der Landkreis Frankfurt wurde am 1. April 1910 aufgelöst, als alle Gemeinden des Kreises nach Frankfurt am Main eingemeindet wurden.

Weimarer Republik

Stadt-, Landkreis und Regierungsbezirk Cassel fĂŒhrten seit dem 4. Dezember 1926 ihren Namen mit K am Anfang.

Zum 1. April 1928 vergrĂ¶ĂŸerten sich die Stadtkreise Wiesbaden und Frankfurt am Main durch Eingemeindungen, darunter unter anderen die großen StĂ€dte Höchst am Main und Biebrich . Aus den Resten der Landkreise Höchst am Main und Wiesbaden entstand der neue Main-Taunus-Kreis. Höchst, nunmehr ein Stadtteil von Frankfurt, blieb jedoch bis 1987 Verwaltungssitz des neuen Landkreises.

Der Freistaat Waldeck wurde nach einem Volksentscheid am 1. April 1929 in den Staat Preußen eingegliedert und dem Regierungsbezirk Kassel zugeordnet. Gleichzeitig wurden die StĂ€dte Fulda und Marburg an der Lahn kreisfrei.

Zum 1. Oktober 1932 trat der Kreis Wetzlar von der Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, zur Provinz Hessen-Nassau und zum Regierungsbezirk Wiesbaden, wĂ€hrend der Kreis Grafschaft Schaumburg, der frĂŒhere Landkreis Rinteln , aus der Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, in die Provinz Hannover und den Regierungsbezirk Hannover eingegliedert wurde. Damit wurden zwei isoliert gelegene Kreise ( Exklaven ) in die sie umgebende Provinz eingegliedert und ein aus der Zeit des Wiener Kongresses stammender Anachronismus beseitigt.

Aufgrund der Vorgaben in den Sparverordnungen des ReichsprÀsidenten wurden die Kreise Gersfeld , Homberg , Kirchhain , Westerburg und Usingen aufgelöst und mit den benachbarten Kreisen vereinigt.

Nationalsozialismus

In der nationalsozialistischen Zeit wurde der Stadt Frankfurt am Main die Zusatzbezeichnung Stadt des deutschen Handwerks beigelegt.

Zum 1. Februar 1942 bildeten die bisherigen Landkreise der Eder, des Eisenberges und der Twiste den neuen Landkreis Waldeck mit dem Sitz in Korbach.

Zum 1. April 1944 wurde die Provinz Hessen-Nassau in Anlehnung an die Reichsverteidigungsbezirke und die Gaue der NSDAP in die neuen Provinzen Kurhessen und Nassau geteilt. Dabei wechselten von der Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, der Kreis Herrschaft Schmalkalden zum Regierungsbezirk Erfurt in ThĂŒringen und der Stadtkreis Hanau sowie die Landkreise Hanau, Gelnhausen und SchlĂŒchtern zum Regierungsbezirk Wiesbaden in der neuen Provinz Nassau.

Zum OberprĂ€sidenten in Wiesbaden wurde fĂŒr die Provinz Nassau der Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP Jakob Sprenger in Darmstadt bestellt. Der Parteigau Hessen-Nassau umfasste jedoch nach wie vor nur Frankfurt, Nassau und Hessen-Darmstadt. Der Bezirk Kassel bildete den Parteigau Kurhessen.

Mit der stellvertretenden Wahrnehmung der GeschĂ€fte des OberprĂ€sidenten in Kassel fĂŒr die Provinz Kurhessen wurde der Gauleiter der NSDAP Karl Gerland in Kassel beauftragt.

Nachkriegszeit

Der grĂ¶ĂŸte Teil der Provinz Hessen-Nassau wurde 1945 Teil der amerikanischen Besatzungszone . Der westliche Teil des Regierungsbezirks Wiesbaden fiel jedoch an die Französische Besatzungszone , nĂ€mlich die Kreise Ober- und Unterwesterwald, Unterlahn und Sankt Goarshausen.

Die amerikanisch besetzten Landesteile wurden am 19. September 1945 mit dem Volksstaat Hessen zum Land "Groß-Hessen" vereinigt, das nach der Annahme der neuen Verfassung am 1. Dezember 1946 in Hessen umbenannt wurde. Innerhalb des neuen Landes Hessen bestanden zunĂ€chst die beiden - ehemals preußischen - Regierungsbezirke Kassel und Wiesbaden weiter, ferner der Regierungsbezirk Darmstadt, der den rechtsrheinischen Teil des "Volkstaates Hessen" umfasste.

Die französische Besatzungsmacht vereinigte den nördlichen Teil ihres Gebiets, darunter die genannten nassauischen Landkreise, zum Land Rheinland-Pfalz. Dort bildete dieses Gebiet den Regierungsbezirk Montabaur, der 1968 Teil des Regierungsbezirks Koblenz wurde.

Der isoliert gelegene Landkreis Herrschaft Schmalkalden wurde der sowjetischen Besatzungzone zugeteilt und wurde Teil des neuen Lands ThĂŒringen.

Politik

OberprÀsidenten

Der OberprĂ€sident war der Verwaltungschef einer preußischen Provinz. Wie auch die Spitzenbeamten der Regierungsbezirke, die RegierungsprĂ€sidenten , wurden sie von der preußischen Landesregierung bzw. vom König ernannt. Die Bevölkerung der Provinz hatte keinen Einfluss auf die Wahl ihres OberprĂ€sidenten.

  • 1867-1871: Eduard von Moeller
  • 1872-1875: Ludwig Carl Christoph von Bodelschwingh
  • 1876-1881: Carl Ludwig August Freiherr von Ende
  • 1881-1892: Botho Wendt zu Eulenburg , 1892-94 preußischer MinisterprĂ€sident
  • 1892-1898: Eduard Ludwig Karl Magdeburg
  • 1898-1903: Robert Graf von Zedtlitz-TrĂŒtzschler , 1886-90 OberprĂ€s. von Posen
  • 1903-1907: Hubert Ludwig von Windheim
  • 1907-1917: Wilhelm Hengstenberg
  • 1917-1919: Dr. August von Trott zu Solz
  • 1919-1930: Dr. Rudolf Schwander , DDP
  • 1930-1932: August Haas , SPD
  • 1932-1933: Dr. Ernst von HĂŒlsen
  • 1933-1943: Philipp von Hessen
  • 1943-1944: Ernst Beckmann

Provinziallandtage

  Provinziallandtag Wiesbaden Provinziallandtag Kassel
Partei 1925 1929   1933 1925 1929 1933
SPD  30,6% - 16 Sitze  26,2% - 14 Sitze   33,1% - 15 Sitze 32,8% - 15 Sitze 21,2% - 9 Sitze
Zentrum   22,5% - 12 Sitze 18,9% - 10 Sitze 14,9% - 7 Sitze 13,0% - 6 Sitze 10,9% - 5 Sitze
KPD 6,4% - 4 Sitze 8,2% - 5 Sitze 6,7% - 3 Sitze 6,5% - 3 Sitze 7,0% - 3 Sitze
DDP 5,9% - 4 Sitze 4,6% - 3 Sitze 5,6% - 3 Sitze 4,7% - 2 Sitze
DVP 6,3% - 3 Sitze 9,7% - 5 Sitze 3,2% - 2 Sitze
DNVP 5,4% - 3 Sitze 5,2% - 3 Sitze 7,5% - 3 Sitze
NSDAP 8,2% - 4 Sitze 6,3% - 3 Sitze 52,6% - 23 Sitze
WP 5,1% - 3 Sitze 5,4% - 3 Sitze 5,5% - 3 Sitze
HNASL 14,1% - 7 Sitze 33,5% - 15 Sitze 23,7% - 11 Sitze
CNBL 8,5% - 5 Sitze

An 100% fehlende = Nicht im Provinziallandtag vertretene WahlvorschlÀge

StÀdte

Die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt der Provinz war die ehemalige Bundeshauptstadt Frankfurt am Main. Obwohl die meisten anderen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte ebenfalls im dicht besiedelten, von Handel und Industrie geprĂ€gten Rhein-Main-Gebiet im Ă€ußersten SĂŒden der Provinz lagen, wurde Hessen-Nassau von Kassel im Ă€ußersten Norden der Provinz aus regiert.

StÀdte in Hessen-Nassau
Stadt Stand 1900 Stand 1910
Frankfurt 288.989 414.576
Kassel 106.034 153.196
Wiesbaden 86.111 109.002
Hanau 29.847 37.472
Fulda 22.487
Marburg an der Lahn 21.860
Biebrich 21.199
Höchst am Main 17.240
Homburg v. d. H. 14.334
Eschwege 12.542
Griesheim am Main 11.514
Limburg an der Lahn 10.965
Schmalkalden 10.018

Verwaltungsgliederung der Provinz Hessen-Nassau

Die Provinz war in Anlehnung an die Grenzen der 1866 okkupierten Staaten, in zwei Regierungsbezirke gegliedert. Der Regierungsbezirk Wiesbaden umfasste das bisherige Gebiet von Nassau, Frankfurt und des zum Großherzogtum Hessen gehörenden Hessischen Hinterlands (Lkr. Biedenkopf). Der Regierungsbezirk Kassel fĂŒhrte das Gebiet des KurfĂŒrstentums Hessen weiter, 1929 kam der Freistaat Waldeck hinzu.

Verwaltungsgliederung von Hessen-Nassau
Stand 1900 Stand 1944

Regierungsbezirk Wiesbaden (Nassau)

Stadtkreise

  1. Frankfurt am Main
  2. Wiesbaden

Stadtkreise

  1. Frankfurt am Main
  2. Wiesbaden

Landkreise

  1. Biedenkopf
  2. Dillkreis [Sitz: Dillenburg]
  3. Frankfurt
  4. Höchst
  5. Limburg an der Lahn
  6. Oberlahnkreis [Sitz: Weilburg]
  7. Obertaunuskreis [Sitz: Bad Homburg v.d.Höhe]
  8. Oberwesterwaldkreis [Sitz: Marienberg ]
  9. Rheingaukreis [Sitz: RĂŒdesheim a. Rh.]
  10. Sankt Goarshausen
  11. Unterlahnkreis [Sitz: Diez]
  12. Untertaunuskreis [Sitz: Bad Schwalbach]
  13. Unterwesterwaldkreis [Sitz: Montabaur]
  14. Usingen
  15. Westerburg
  16. Wetzlar
  17. Wiesbaden

Landkreise

  1. Biedenkopf
  2. Dillkreis [Sitz: Dillenburg]
  3. Limburg a. L.
  4. Main-Taunus-Kreis [Sitz: Frankfurt-Höchst]
  5. Oberlahnkreis [Sitz: Weilburg]
  6. Obertaunuskreis [Sitz: Bad Homburg v.d.Höhe]
  7. Oberwesterwaldkreis [Sitz: Westerburg]
  8. Rheingaukreis [Sitz: RĂŒdesheim a. Rh.]
  9. Sankt Goarshausen
  10. Unterlahnkreis [Sitz: Diez]
  11. Untertaunuskreis [Sitz: Bad Schwalbach]
  12. Unterwesterwaldkreis [Sitz: Montabaur]
  13. Wetzlar

Regierungsbezirk Kassel (Kurhessen)

Stadtkreise

  1. Hanau
  2. Kassel

Stadtkreise

  1. Fulda
  2. Hanau
  3. Kassel
  4. Marburg a. d. Lahn

Landkreise

  1. Eschwege
  2. Frankenberg (Eder)
  3. Fritzlar
  4. Homberg
  5. Fulda
  6. Gelnhausen
  7. Gersfeld
  8. Hanau
  9. Schmalkalden
  10. Hersfeld
  11. Hofgeismar
  12. Homberg
  13. HĂŒnfeld
  14. Kassel
  15. Kirchhain
  16. Marburg a. d. Lahn
  17. Melsungen
  18. Rinteln
  19. Rotenburg a. d. Fulda
  20. SchlĂŒchtern
  21. Witzenhausen
  22. Wolfhagen
  23. Ziegenhain

Landkreise

  1. Eschwege
  2. Frankenberg (Eder)
  3. Fritzlar-Homberg [Sitz: Fritzlar]
  4. Fulda
  5. Gelnhausen
  6. Hanau
  7. Herrschaft Schmalkalden [Sitz: Schmalkalden]
  8. Hersfeld
  9. Hofgeismar
  10. HĂŒnfeld
  11. Kassel
  12. Marburg a. d. Lahn
  13. Melsungen
  14. Rotenburg a. d. Fulda
  15. SchlĂŒchtern
  16. Waldeck [Sitz: Korbach]
  17. Witzenhausen
  18. Wolfhagen
  19. Ziegenhain

Siehe auch

WeiterfĂŒhrende Artikel

Weblinks

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