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Letzte Änderung für Artikel Koepchenwerk: 30.01.2006 02:09

Koepchenwerk

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Das Koepchenwerk am Hengsteysee
Das Koepchenwerk am Hengsteysee

Das Koepchenwerk ist eines der beiden ersten, zeitgleich verwirklichten Pumpspeicherkraftwerke im Großmaßstab und befindet sich in der Stadt Herdecke im Land Nordrhein-Westfalen, Deutschland .

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Koepchenwerk nutzt den Höhenunterschied des Ruhrabhangs im Ardeygebirge aus
Das Koepchenwerk nutzt den Höhenunterschied des Ruhrabhangs im Ardeygebirge aus

Das Pumpspeicherkraftwerk wurde 1927 - 1930 vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk Essen ( RWE ) zur Stromversorgung des nahen Ruhrgebietes am Steilhang des Ardeygebirges direkt am Hengsteysee an der Ruhr gebaut. Mit dem sächsischen Pumpspeicherwerk Niederwartha leisteten sich zur Bauzeit die Ingenieure des Koepchenwerks einen wahren Wettlauf um die erste Inbetriebnahme.

Schlie√ülich ging das PSW Niederwartha bereits am 27. November 1929 mit einer Maschine ans Netz, seine endg√ľltige Fertigstellung und die Inbetriebnahme des letzten Maschinensatzes erfolgte jedoch erst im M√§rz 1930 . Das Koepchenwerk wurde am 28. Januar 1930 vollst√§ndig mit 132 MW in Betrieb genommen. Folgerichtig wurden damals - je nach Betrachtungsweise - beide Kraftwerke als "Erste ihrer Art" und "gro√üe technische Neuerung" gefeiert.

Unter der Zielnummer "B 28" (ab 1941: GO 1123) stand das Koepchenwerk bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf den Ziellisten des britischen Bomber Command . Bis April 1940 war es ein wichtiges potentielles Angriffsziel im "Ruhr Plan". Durch die Zerst√∂rung von Kraftwerken im Rheinland und Ruhrgebiet sollte die deutsche R√ľstungsindustrie ausgeschaltet werden.

Der "Ruhr Plan" verlor im Fr√ľhjahr 1940 an Bedeutung, weil man erkannte, dass kleine Ziele wie Kraftwerke in der Nacht nicht lokalisiert werden konnten. Dennoch unternahmen britische Bomber vor allem im Herbst mindesten vier gezielte Luftangriffe auf das Koepchenwerk. Dabei konnte Ende Oktober 1940 eine Wasserleitung besch√§digt werden.

Um das Koepchenwerk vor Luftangriffen zu sch√ľtzen, wurde es ab 1942 unter Tarnnetzen verdeckt. In der Umgebung des Hengsteysee wurden zahlreiche Flak -Batterien stationiert. Sperrballone sollten das Werk vor Tiefflugangriffen sch√ľtzen.

Durch die √úberflutung des Turbinenhauses kam es nach der Bombardierung der M√∂hnetalsperre am 17. Mai 1943 zu einem mehrw√∂chigen Ausfall. Ein amerikanischer Luftangriff am 23. M√§rz 1945 auf den benachbarten Verschiebebahnhof Hagen-Hengstey f√ľhrte zur Zerst√∂rung von Freilandanlagen auf dem Gel√§nde der Verteilerstation und dem Brand der Tarnnetze.

In der Nachkriegszeit arbeitete das Koepchenwerk störungsfrei. Im Dezember 1980 kam es jedoch zu einem Störfall , als das Gehäuse einer der Pumpen riss. Die Aufmerksamkeit der Betriebsmannschaft verhinderte zwar einen Folgeschaden, jedoch zeigten die Untersuchungen die unmittelbare Gefahr ähnlicher Schäden an zwei weiteren Pumpen. Das RWE entschied daher 1981 , am gleichen Standort ein neues Pumpspeicherkraftwerk zu bauen und das alte Werk stillzulegen.

Technik

Oberer Speichersee und Entnahmebauwerk des Koepchenwerks
Oberer Speichersee und Entnahmebauwerk des Koepchenwerks

Planer des Herdecker Kraftwerks war Prof. Arthur Koepchen , nach dem es auch benannt ist. Das Koepchenwerk ist ein Spitzenlast- Wasserkraftwerk . W√§hrend Zeiten mit geringerem Strombedarf (√ľberwiegend nachts) wird Wasser aus dem Stausee in das gut 160 m h√∂her auf einem Berg gelegene Speicherbecken gepumpt. W√§hrend Zeiten mit erh√∂htem Strombedarf (√ľberwiegend tags√ľber) str√∂mt das Wasser dann durch Rohrleitungen und eine gro√üe reversible Francis-Pumpturbine in den See zur√ľck. Dadurch k√∂nnen heute bis zu 153 MW elektrische Leistung bis zu vier Stunden lang produziert werden. Innerhalb von 70 Sekunden kann die Turbine von Stillstand auf Volllast gefahren werden. Die Turbine selbst befindet sich 32 m unterhalb des Wasserspiegels des Sees in einem Schacht . Der gro√üe H√∂henunterschied ergibt sich aus der Notwendigkeit, im Pumpbetrieb jegliche Kavitationsgefahr auszuschlie√üen. Die Welle von Turbine und Generator ist senkrecht angeordnet, der L√§ufer des Generators wiegt √ľber 300 Tonnen . Die Verbindung zum Oberwasser wird durch einen in den Felsen gesprengten 396 m langen Stollen bereitgestellt, durch den eine einzelne Rohrleitung der Nennweite DN 4750 f√ľhrt. Am Einlauf zur Pumpturbine befindet sich ein Kugelhahn der Nennweite DN 3300, der zur Zeit seiner Herstellung der gr√∂√üte seiner Art weltweit war. Die Armatur kann mit Hydraulikzylindern innerhalb von 32 Sekunden geschlossen werden.

Das Anfahren der gesamten Anlage in den Pumpbetrieb wird √ľber einen Frequenzumrichter mit 20 MW Leistung erm√∂glicht. Dieser Frequenzumrichter ist zur Zeit immer noch der gr√∂√üte in Europa .

Das der Bergkuppe angepasste Speicherbecken hat bei einer L√§nge von ca. 600 m und einer Breite von ca. 250 m gut 1,5 Mio. m¬≥ Fassungsverm√∂gen. Zum Speicherbecken f√ľhrt ein f√ľr den √∂ffentlichen Verkehr gesperrter Zufahrts-Stichweg, der jedoch von Wanderern genutzt werden kann, um zu einer hoch √ľber dem Ruhrtal gelegenen Aussichtsplattform zu gelangen. Dort befindet sich auch eine Tafel mit einigen Informationen zum Bau des Koepchenwerks.

Technische Daten

Inhalt des Oberbeckens: 1'600'000 m³
Nutzbarer Inhalt: 1'533'000 m³
Fallhöhe: 165,2 m bis 145,5 m
Bauzeit: 1985 - 1989
Inbetriebnahme: 8. August 1989
Durchfluß im Pumpbetrieb: 101,7 m³/s
Durchfluß im Turbinenbetrieb: 110 m³/s
Leistung im Pumpbetrieb: 153.59 MW
Leistung im Turbinenbetrieb: 153 MW
Arbeitsinhalt des Oberbeckens: 649'000 kWh
Elektrisch nutzbarer Arbeitsinhalt: 590'000 kWh
Wirkungsgrad : 75 %
Drehzahl von Generator, Pumpe und Turbine: 250 Umdrehungen pro Minute

Die Altanlage

Das Laufrad einer alten Kreiselpumpe im Koepchenwerk
Das Laufrad einer alten Kreiselpumpe im Koepchenwerk

Die Altanlage des Koepchenwerks mit vier Maschinens√§tzen mit getrennten Pumpen und Turbinen sowie horizontalen Wellen steht seit 1986 unter Denkmalschutz , 1994 wurde sie endg√ľltig stillgelegt. Eine Besichtigung ist nur nach Anmeldung m√∂glich, Einblicke in die alte Turbinenhalle sind jedoch direkt vom Seeweg aus m√∂glich. Gute Informationstafeln sind w√§hrend der allgemeinen Dienstzeiten zug√§nglich und erl√§utern die Funktionsweise des Werks.

Das direkt benachbarte moderne Kraftwerk wurde 1985 - 1989 gebaut und nutzt weiterhin das gleiche Prinzip. Auf dem Wasserschloss sind drei große Buchstaben des Betreibers RWE angebracht, die noch bis Anfang der 90er Jahre nachts hell erleuchtet wurden und damit als Landmarke weithin sichtbar waren, unter anderem von der A 1 aus.

Am Ende des Hengsteysees befindet sich ein weiteres Kraftwerk, das Laufwasserkraftwerk Hengstey.

Siehe auch: Liste von Pumpspeicherkraftwerken

Literatur

  • Hans Dieter D√∂rre: Speicherbecken auf dem Kleff und Hengsteysee - ein Konzept findet Anerkennung in Europa - Ein Bauwerk am Ende der 20er-Jahre in Herdecke errichtet. - Artikel in: Herdecker Bl√§tter. Heft 3 (Mai 1993), Seiten 9-14
  • Ralf Blank: Die Stadt Hagen im Bombenkrieg. In: Gerhard E. Sollbach (Hg.): Hagen 1939-1948. Krieg- und Nachkriegszeit. Hagener Stadtgeschichte(n), Bd. 4. Hagen 1994. S. 9-26.

Weblinks


Koordinaten: 51¬į 24' 41" N, 7¬į 24' 41" O

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