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Letzte Änderung für Artikel Gustav Heinemann: 17.02.2006 21:00

Gustav Heinemann

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Gustav Walter Heinemann (* 23. Juli 1899 in Schwelm; † 7. Juli 1976 in Essen) war ein deutscher Politiker (Erst CDU , dann GVP , dann SPD ). Er war von 1949 bis 1950 Bundesminister des Innern , von 1966 bis 1969 Bundesminister der Justiz und von 1969 bis 1974 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland .

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Notabitur 1917 auf dem Realgymnasium nahm Heinemann als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Ab 1918 absolvierte er dann ein Studium der Rechtswissenschaft , Volkswirtschaftslehre und Geschichte in Münster, Marburg, München, Göttingen und Berlin , welches er 1921 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. 1926 bestand er das zweite juristische Staatsexamen . 1921 wurde er in Marburg zum Doktor der Politischen Wissenschaften promoviert. Von 1926 bis 1928 war er als Rechtsanwalt in Essen tätig. Von 1928 bis 1949 war er Justitiar der Rheinischen Stahlwerke in Essen. 1929 erfolgte in Münster seine Promotion zum Doktor der Rechte. Von 1933 bis 1939 hatte er einen Lehrauftrag für Berg- und Wirtschaftsrecht an der Universität zu Köln. Von 1936 bis 1949 war er neben seiner Justitiarstätigkeit auch Bergwerksdirektor (= Vorstandsmitglied) bei den Rheinischen Stahlwerken in Essen.

Ab Oktober 1950 war Heinemann dann wieder als Rechtsanwalt tätig. Er gründete gemeinsam mit Diether Posser eine Sozietät in Essen und vertrat nach der Spiegel-Affäre das Nachrichtenmagazin in den Prozessen gegen Franz Josef Strauß.

In der Zeit des Nationalsozialismus engagierte sich Heinemann ab 1934 in der Bekennenden Kirche . Er war Teilnehmer an der Barmer Bekenntnissynode und Mitautor der Barmer Erklärung. Von 1936 bis 1950 war er Vorsitzender des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in Essen. Von 1945 bis 1967 war er Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ( EKD ), wobei er von 1949 bis 1955 Ratspräsident war. Von 1948 bis 1961 gehörte er auch der Kommission für internationale Angelegenheiten des Weltrates der Kirchen an; seine Unterschrift steht unter dem Stuttgarter Schuldbekenntnis . Von 1949 bis 1955 wirkt er als Präses der gesamtdeutschen Synode der EKD.

Seit 1926 war er mit Hilda Ordemann (1896-1979) verheiratet. 1927 wurde Tochter Uta ( Uta Ranke-Heinemann ), 1928 Tochter Christa (Mutter von Christina Rau), 1933 Tochter Barbara und 1936 Sohn Peter geboren. Seine Enkelin Christina Delius war mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau verheiratet.

Heinemann starb am 7. Juli 1976 an den Folgen von Durchblutungsstörungen des Gehirns und der Nieren in Essen.

Partei

Während seines Studiums engagierte sich Heinemann in der Studentenorganisation der DDP . Von 1930 bis 1933 war er Mitglied im Christlich-Sozialen Volksdienst .

1945 gehörte Heinemann zu den MitbegrĂĽndern der CDU , die er jedoch 1952 aufgrund der Diskussion um die Wiederbewaffnung Deutschlands verlieĂź. Er grĂĽndete stattdessen die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP), gemeinsam u. a. mit Helene Wessel , Margarete Schneider und Diether Posser. Die GVP konnte jedoch keine groĂźe Wirkung entfalten, so erzielte sie z. B. bei der Bundestagswahl 1953 nur 1,2 % der Stimmen. Daher löste sich die GVP im Mai 1957 selbst auf und empfahl gleichzeitig ihren Mitgliedern, in die SPD einzutreten. Auch Heinemann wurde daher 1957 Mitglied der SPD. Von 1958 bis 1969 war Heinemann Mitglied des SPD-Bundesvorstandes.

Abgeordneter

Von 1947 bis 1950 war er Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Von 1957 bis 1969 war er Mitglied des Deutschen Bundestages . Hier gehörte er sogleich dem Vorstand der SPD- Bundestagsfraktion an.

Ă–ffentliche Ă„mter

Heinemann 1953 in Tuttlingen
Heinemann 1953 in Tuttlingen

1945 wurde er von der britischen Besatzungsmacht als Bürgermeister von Essen eingesetzt. 1946 wurde er dann zum Oberbürgermeister von Essen gewählt und behielt dieses Amt bis 1949 .

Vom 17. Juni 1947 bis zum 24. Mai 1948 war er in der von Ministerpräsident Karl Arnold geführten Landesregierung Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Am 20. September 1949 wurde er als Bundesminister des Innern in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Aus Protest gegen die geplante Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und Adenauers Entscheidung in dieser Sache ohne Rücksprache mit dem Kabinett trat Heinemann am 11. Oktober 1950 von seinem Amt als Bundesinnenminister zurück.

Am 1. Dezember 1966 wurde Heinemann zum Bundesminister der Justiz im von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger gefĂĽhrten Kabinett der GroĂźen Koalition ernannt.

Am 5. März 1969 wurde er dann bei der Wahl zum Bundespräsidenten im dritten Wahlgang mit 6 Stimmen Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten Gerhard Schröder zum 3. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

Obwohl ihm die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung 1974 eine Wiederwahl ermöglicht hätten, verzichtete er auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit. Auch wollte er zum Abschied aus dem Amt keinen großen Zapfenstreich der Bundeswehr bekommen. Er schied am 1. Juli 1974 aus dem Amt aus.

Ehrungen

Nach seinem Tod im Jahr 1976 wurde eine (inzwischen geschlossene) Kaserne in Essen nach ihm benannt. Auch mehrere Schulen tragen seinen Namen, so eine Behindertenschule in Pforzheim, eine Gesamtschule im Essener Stadtteil Schonnebeck,eine in Berlin-Marienfelde sowie eine in Alsdorf , eine Realschule in der Stadmitte Duisburgs und eine in Hofgeismar in Nordhessen. Zum Gedenken wurde 1977 von der SPD der Gustav-Heinemann-BĂĽrgerpreis gestiftet.

Auf dem Gelände der ehemaligen Gustav-Heinemann-Kaserne in Essen befinden sich jetzt die Geschäftsräume der Medion AG, welche in den nächsten Jahren komplett auf das Gelände ziehen will.

Nachwirkung

Auf das persönliche Engagement Gustav Heinemanns, dessen Vorfahr Gustav Walter Teilnehmer der Revolution von 1848 und Barrikadenkämpfer in Elberfeld gewesen war, geht die Errichtung der "Erinnerungsstätte für die deutschen Freiheitsbewegungen" in Rastatt zurück.

Das politische Erbe Gustav Heinemanns, besonders sein starkes Engagement fĂĽr BĂĽrger- und Menschenrechte , versucht die Gustav-Heinemann-Initiative zu bewahren, eine private Initiative engagierter BĂĽrger, die sich dem Erbe Heinemanns verpflichtet fĂĽhlen.

Der Nachlass Gustav Heinemanns befindet sich im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung .

Schriften (Auswahl)

  • (zusammen mit Helene Wessel und Ludwig Stummel ), Aufruf zur Notgemeinschaft fĂĽr den Frieden Europas. Reden auf einer öffentlichen Kundgebung im Landtagsgebäude DĂĽsseldorf, o.O. 1951
  • Deutsche Friedenspolitik. Reden und Aufsätze, Darmstadt 1952
  • Im Schnittpunkt der Zeit. Reden und Aufsätze, Darmstadt 1957
  • Verfehlte Deutschlandpolitik. IrrefĂĽhrung und Selbsttäuschung. Artikel und Reden, Frankfurt/M 1966
  • Glaubensfreiheit - BĂĽrgerfreiheit. Reden und Aufsätze zur Kirche, Staat - Gesellschaft, Frankfurt/M 1976
  • Es gibt schwierige Vaterländer... Aufsätze und Reden 1919-1969, MĂĽnchen 1988

Literatur

  • Joachim Braun , Der unbequeme Präsident, Karlsruhe 1972
  • Ruth Bahn-Flessburg , Leidenschaft mit AugenmaĂź. FĂĽnf Jahre mit Hilda und Gustav Heinemann, MĂĽnchen 1984
  • Diether Posser, Erinnerungen an Gustav W. Heinemann, Reihe Gesprächskreis Geschichte, Heft 24, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung Historisches Forschungszentrum, Bonn 1999
  • Diether Koch , Einspruch - Ermutigung fĂĽr entschiedene Demokraten, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn, 1999, ISBN 3-8012-0279-8
  • Dieter Dowe / Dieter Wunder (Hg.): Verhandlungen ĂĽber eine Wiedervereinigung statt AufrĂĽstung! Gustav Heinemann und die Eingliederung der Bundesrepublik in das westliche MilitärbĂĽndnis, Reihe Gesprächskreis Geschichte, Heft 39, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung Historisches Forschungszentrum, Bonn 2000, ISBN 3-86077-961-3
  • Gustav Heinemann. Christ, Patriot und sozialer Demokrat, Eine Ausstellung des Archivs der sozialen Demokratie, Begleitheft zur Ausstellung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

Weblinks

Wikiquote: Gustav Heinemann – Zitate

Wikipedia

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