fair-hotels . Ein Service wie gemalt
Reiseführer Übersicht Deutschland Österreich Schweiz Bauwerke nach Stil

Werbung

Letzte Änderung für Artikel Ahlen: 16.02.2006 07:21

Ahlen

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Karte
Wappen der Stadt Ahlen Deutschlandkarte, Lage von Ahlen (Westf.) hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Kreis : Warendorf
Geografische Lage :
Koordinaten: 51° 45' N, 07° 53' O
51° 45' N, 07° 53' O
Höhe : 80 m ĂŒ. NN
Höchster Punkt: 167 m ĂŒ. NN (Bergehalde)
Niedrigster Punkt: 61 m ĂŒ. NN
Nord-SĂŒd Ausdehnung: 14,5 km
West-Ost Ausdehnung: 14,0 km
FlĂ€che : 123,14 kmÂČ
Einwohner : 55.276 (30. Juni 2005)
Bevölkerungsdichte : 449 Einwohner je kmÂČ
Postleitzahlen : 59227 / 59229
Vorwahlen : 02382 Ahlen, 02528 Vorhelm, 02388 Dolberg
Kfz-Kennzeichen : WAF
Gemeindekennzahl : 05 5 70 004
Website : www.ahlen.de
BĂŒrgermeister : Benedikt Ruhmöller
( CDU )
Regierende Partei : CDU

Die Stadt Ahlen liegt im MĂŒnsterland im Norden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (Deutschland) und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Warendorf im Regierungsbezirk MĂŒnster.

Inhaltsverzeichnis

Ortsteile

  • Stadt Ahlen (Kernstadt) mit den Bauerschaften Borbein, Brockhausen, Ester, Halene, Oestrich und Rosendahl (Gebiet der ehemaligen Gemeinden von Alt- und Neuahlen)
  • Dolberg
  • Vorhelm

Geschichte

FrĂŒhzeit

Der Name der Stadt wurde erstmals um 850 in der Vita Liudgeri II erwĂ€hnt. Seine Bedeutung und die auf den Namen Bezug nehmende Darstellung des Stadtwappens mit einem "geflĂŒgelten Aal" sind nicht geklĂ€rt.

Als Ursprung der Stadtsiedlung wird ein Siedlungsansatz an einem Übergang ĂŒber die Werse angenommen, der zum Schnittpunkt zweier wichtiger Straßen wurde und gleichzeitig Ausgangspunkt fĂŒr eine dritte Straße war (Hamm - Ahlen - Warendorf ; Beckum - Ahlen - Herbern  ; Ahlen - MĂŒnster).

Die in den ersten Jahrhunderten langsam wachsende Siedlung bildete sich um einen bischöflichen Amtshof. Im Schutze dieser Kirchenburg ließen sich zunĂ€chst Handwerker und HĂ€ndler nieder, um mit den Bauern und Bewohnern des Amtshofes Handel zu treiben.

In der zweiten HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts begann der Fernhandel in der Stadt, so tauchten die Namen Ahlener Kaufleute beispielsweise im 13. Jahrhundert in den Rechnungen LĂŒbecker Kaufleute auf. In diese Zeit fĂ€llt auch die Errichtung einer Stadtmauer ( 1271 ) mit fĂŒnf TortĂŒrmen. Ahlen war Mitglied der norddeutschen Hanse. Die Beseitigung der Stadtbefestigungen begann 1765 und seit 1929 sind die letzten Reste davon verschwunden.

Allee bei Haus Vorhelm
Allee bei Haus Vorhelm
St. BartholomÀus in Ahlen
St. BartholomÀus in Ahlen
Marienkirche in Ahlen
Marienkirche in Ahlen
GrĂŒndung der Zentrumspartei
GrĂŒndung der Zentrumspartei

Die Stadt scheint sich im 13. Jh. rasch entwickelt zu haben. Um 1285 war die Bevölkerung soweit angewachsen, dass man neben der "Alten Pfarre" (St. BartholomĂ€us) eine "Neue Pfarre" (St. Marien) grĂŒndete. Hierdurch entstanden ein Alt- und ein Neu kirchspiel . Diese Entwicklung lĂ€sst den Schluss zu, dass Ahlen zu dieser Zeit zu den 18 grĂ¶ĂŸten StĂ€dten in Westfalen zĂ€hlte. Das Wachstum der Stadt beruhte bei hoher Sterblichkeit , niedrigerer Geburtenquote als auf dem Lande und einem zeitweilig hohen FrauenĂŒberschuss vor allem auf der lĂ€ndlichen Zu wanderung . In der Neustadt bildete sich durch diese Zuwanderung eine AckerbĂŒrgerschicht .

Das AufblĂŒhen der Stadt wurde im 14. Jahrhundert durch die in ganz Europa wĂŒtende Pest gestoppt. Im BĂŒrgerbuch des Jahres 1389 waren nur noch 63 Familien verzeichnet. Erst 1454 enthielt eine BĂŒrgerliste wieder 212 Familien, woraus sich eine Einwohnerzahl von etwa 1300 errechnet. Zu diesem Zeitpunkt existierten in der Stadt vier Stadtviertel, die nach den jeweils benachbarten Stadttoren benannt waren und etwa gleiche GrĂ¶ĂŸen hatten.

Die einzelnen Stadtviertel waren fĂŒr die Verteidigung der Tore und Teile der Stadtmauern verantwortlich und bildeten darĂŒber hinaus Hudegenossenschaften fĂŒr die Hudenutzung der gemeinen Mark .

Um 1454 lebten in Ahlen sieben Adelsfamilien sowie deren Bedienstete auf bischöflichen Burgmannshöfen .

Neuzeit

Am Beginn der Neuzeit wurde die Stadt durch drei Pestepidemien ( 1505 , 1551 , und 1592 ) dezimiert. Auch die Lepra raffte viele Menschen dahin. Im Jahre 1571 sahen sich BĂŒrgermeister und Rat veranlasst, ein besonderes Leprosen-Hospital zu bauen. Verheerende StadtbrĂ€nde ( 1483 , 1686 und 1744 ) verhinderten ein weiteres AufblĂŒhen der Stadt. Bei der ersten Erfassung des Bevölkerungsstandes durch die preußische Verwaltung im Jahre 1803 wurden 1.854 Personen registriert. Zu diesem Zeitpunkt waren die Stadtbefestigungen auf Grund der verĂ€nderten Kriegsmethoden bereits wirkungslos und teilweise beseitigt.

Im Jahre 1803 fiel die Stadt erstmalig mit dem FĂŒrstbistum MĂŒnster an Preußen . Mit dem endgĂŒltigen Übergang an Preußen im Jahre 1816 setzte fĂŒr die Stadt eine neue Entwicklung ein, die zu einem raschen Bevölkerungswachstum fĂŒhrte. Aus der AckerbĂŒrgerstadt , in der im Jahre 1871 nur 3.535 Menschen wohnten, war bis zum Jahr 1964 eine mittelgroße Industriestadt mit 44.203 Einwohnern geworden. Hierzu trugen mehrere technisch-wirtschaftliche Entwicklungen bei, die fĂŒr die Stadt von besonderer Bedeutung waren:

In den Jahren 1846 / 1847 wurde die Cöln-Mindener Eisenbahn durch Ahlen gebaut. Hierdurch erhielt die Stadt gegenĂŒber anderen StĂ€dten ihrer Umgebung einen erheblichen Standort- und MobilitĂ€tsvorteil . Auch der Bau der Eisenbahn selbst trug vorĂŒbergehend durch eine Vielzahl zugewanderter Eisenbahnarbeiter - vor allem aus dem sĂŒdlichen Westfalen und der Eifel zu einer Belebung der Stadt bei. Es sind jedoch auch soziale Konflikte belegt, die durch die fremden Arbeiter ausgelöst wurden. Nach dem Abschluss des Eisenbahnbaus blieb nur eine geringe Zahl der zugewanderten Arbeiter in der Stadt, unter ihnen auffallend viele aus dem Ravensberger Land .

Erste Industrialisierung

Die erste Industrialisierungsphase setzte mit dem Strontianitbergbau um 1880 und der BegrĂŒndung der Metallverarbeitenden Industrie ( Blechschmiede und Verzinnerei der GebrĂŒder Kerkmann, 1863 ) ein. Vor allem der Strontianitbergbau, der jedoch lediglich etwa 10 Jahre blĂŒhte, hatte den Ahlenern eine Ă€ußerst bewegte Zeit beschert, die "Strunz"-Zeit. Die zahlreichen Arbeiter (ca. 650), die der Bergbau nach Ahlen gelockt hatte, kehrten ĂŒberwiegend in ihre Heimat - auch hier wieder viele in die Eifel - zurĂŒck oder fanden in der aufblĂŒhenden Metallverarbeitenden Industrie Arbeit.

Durch die Anwerbung tĂŒchtiger FachkrĂ€fte aus dem Rheinland, aus Sachsen, dem Vogtland, ThĂŒringen, dem Harz, Böhmen , Schlesien , der Oberpfalz , Franken und Oberbayern war es der Metallverarbeitenden Industrie gelungen, sich auf die Herstellung emaillierter Geschirre zu spezialisieren und so eine Stanz- und Emailleindustrie aufzubauen, die schließlich den Ruf der Stadt bestimmte. Im Jahr 1892 waren es bereits fĂŒnf Werke und 1968 bereits 20 Werke. Die Arbeit in diesen "Pöttkesfabriken" wurde ĂŒberwiegend von Arbeitern aus der zugewanderten Landbevölkerung getan. Neben der Emailleindustrie etablierten sich aber auch Maschinen- und Werkzeugfabriken , Schuhfabriken und Holzverarbeitende Werke.

Auf Grund der aus verschiedenen Wanderungswellen entstandenen Beziehungen zur Eifel entwickelte sich ein reger Handel mit Emaillegeschirren aus den Ahlener Werken, der von ehemaligen Wanderarbeitern aus der Eifel getragen wurde.

1904 erhielt die "Neue Pfarre" einen neuen Kirchenbau im neugotischen Stil. Die Marienkirche ist noch heute die grĂ¶ĂŸte Kirche in Ahlen und mit ihrem fast 75 m hohen Westturm ein Wahrzeichen der Stadt. Historisch bedeutsam sind das romanische SĂŒdportal sowie der Taufbrunnen und das Pestkreuz aus dem Kloster Maria Rose.

Zweite Industrialisierung

Die zweite Industrialisierungsphase begann mit der Erschließung der Kohlevorkommen am östlichen Rand des Ruhrgebiets durch die "Bergwerksgesellschaft Westfalen" und war fĂŒr die Entwicklung der Stadt von prĂ€gender Bedeutung. Der Grunderwerb fĂŒr die erforderlichen FlĂ€chen wurde im Jahr 1907 getĂ€tigt.

Altes Rathaus, heute Volkshochschule
Altes Rathaus, heute Volkshochschule
Bergmann
Bergmann
Pöttkespresse
Pöttkespresse
Wasserturm
Wasserturm
Gedenkstelle
Gedenkstelle


Nachdem im Jahr 1909 die Zechenbahn fertig gestellt war, begannen die eigentlichen Abteufarbeiten fĂŒr eine Doppel schachtanlage , die 1913 fertig gestellt war. Gleichzeitig erfolgte der Bau von Werkssiedlungen (auch "Kolonie" oder "Zechensiedlung" genannt) fĂŒr die zugewanderten Arbeiter. Allein in den Jahren 1912 und 1913 verzeichnete die Stadt einen Wanderungsgewinn von knapp 5.000 Personen. Die Belegschaft der Zeche Westfalen bestand aus ca. 1.200 BeschĂ€ftigten. Ihre Herkunft war sehr breit gestreut: zu 36% stammten sie aus Westdeutschland mit dem Schwerpunkt Westfalen, zu 31% aus Ostdeutschland und zu 19% aus dem Ausland. Nur ein geringer Teil stammte aus Nord-, Mittel- und SĂŒddeutschland. Unter den AuslĂ€ndern fanden sich vor allem Polen , Tschechen , Slowenen, Kroaten , Ungarn , Italiener , und HollĂ€nder . WĂ€hrend des ersten Weltkrieges wurden darĂŒber hinaus auch 410 Kriegsgefangene im Bergbau eingesetzt.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Zeche zu einem wirtschaftlichen Magneten fĂŒr die Stadt und zog durch verschiedene Erweiterungen ihres Betriebes weitere Zuwanderungen nach sich. In den Jahren 1936 und 1937 wurde ein dritter Schacht in Dolberg errichtet. Der Wanderungsgewinn hatte bis zum Jahr 1939 zur Ansiedlung von insgesamt 8.298 Personen aus allen deutschen Landsmannschaften und 21 Nationen gefĂŒhrt. Unter ihnen entwickelte insbesondere die starke Gruppe der Polen ein kulturelles Eigenleben.

Die raschen und tief greifenden VerĂ€nderungen der Bevölkerungsstruktur beeinflussten vor allem das politische Leben der Stadt. Das bis zum Beginn der "SteinkohlenĂ€ra" als "schwarz" bezeichnete Ahlen, wo 1870 eine wichtige GrĂŒndungsversammlung der Deutschen Zentrumspartei stattgefunden hatte, stand seit der Kommunalwahl 1919 den auf 1/3 aller WĂ€hlerstimmen angewachsenen Sozialdemokraten gegenĂŒber. Als Folge der Zersplitterung der bĂŒrgerlichen Parteien und nach der Entstehung der kommunistischen Partei verloren die Zentrumspartei - aber auch die Sozialdemokraten - rasch an Einfluss. Seit 1920 war der in der politischen Arbeit erprobte Max Reimann als Bergarbeiter auf der Ahlener Zeche tĂ€tig und dieser ĂŒbernahm 1921 die Leitung der örtlichen KPD . Es kam in dieser Zeit zu hĂ€ufigen Streiks und Demonstrationen , die aus der schlechten sozialen Lage der Bergleute resultierten. Das blieb auch fĂŒr die politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in der Stadt nicht ohne Folgen: Im Jahr 1929 rĂŒckten die Kommunisten in der Stadtverordnetenversammlung mit 24,4% der Stimmen auf den ersten Platz vor. Aus dieser Zeit ist der Ausspruch ĂŒberliefert: "Wenn es in Ahlen und Hamborn ruhig ist, ist es in ganz Deutschland ruhig".

Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg

FĂŒr die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft soll die Inschrift auf der Gedenkstele am Platz der ehemaligen jĂŒdischen Schule ein markantes Zeugnis ablegen. Sie lautet: „Der nationalsozialistische Rassenwahn fĂŒhrte zu jener Nacht vom 9. zum 10. November 1938 , die von den Nationalsozialisten „ Reichskristallnacht “ genannt wurde. In dieser Nacht wurde die Synagoge in Ahlen von Nazihorden geschĂ€ndet und in Brand gesteckt. Menschen wurden geschlagen, ihre Wohnungen zerstört, ihre GeschĂ€fte zertrĂŒmmert, ein Mensch kam in dieser Nacht zu Tode. Ein Jahr spĂ€ter, im November 1939 , wurde Ahlen „judenfrei“ erklĂ€rt. Einige Menschen entkamen den Verfolgungen, wenige ĂŒberlebten den Holocaust, die meisten wurden Opfer des Völkermordes . Die Erinnerung an das in deutschem Namen Geschehene ist uns Mahnung fĂŒr die Zukunft."

Heute gibt es nur noch zwei lebende Mitglieder der Ahlener jĂŒdischen Gemeinde . Diese allerdings leben nicht mehr in Ahlen. Neben Frau Spiegel ist der Autor, Regisseur und Schauspieler Imo Moszkowicz der letzte noch lebende Ahlener Jude. Seine Familie wurde nach Auschwitz deportiert. Dort kamen Moszkowiczs Mutter und seine Geschwister um. Er selbst wurde zur Zwangsarbeit fĂŒr die IG Farben verurteilt und ins KZ Buna/Monowitz verschleppt.

Im Kriegsjahr 1943 wurde Ahlen in eine Lazarettstadt verwandelt und war bei Kriegsende mit 1.800 Verwundeten belegt. Das Lazarett befand sich im GebĂ€ude des Klosters St. Michael, heute das bischöfliche Gymnasium der Stadt. Mit Zunahme des Luftkrieges suchten viele Ausgebombte Schutz in unzerstörten KleinstĂ€dten und Landgemeinden. Ahlen wurde im Rahmen dieser Hilfe Patenstadt fĂŒr Gelsenkirchen und Aachen. Am 9. September 1944 zogen insgesamt 1.461 Evakuierte in Großtransporten in die Stadt ein. Doch Ahlen hatte selbst Verluste durch den Krieg zu beklagen: Durch 45 Luftangriffe seit 1940 kamen in der Stadt nahezu 300 Menschen um. UngefĂ€hr 5% der StadtflĂ€che waren zerstört.

Schlimmeres konnte in den letzten Kriegswochen durch das mutige Handeln des Oberfeldarztes Dr. Paul Rosenbaum verhindert werden. Er ĂŒbergab das zur offenen Stadt erklĂ€rte Ahlen am 31. MĂ€rz 1945 kampflos an amerikanische Truppen. Zum Dank fĂŒr diesen Einsatz wurde ein zentraler Platz nach ihm benannt.

Durch den zweiten Weltkrieg sank die Stammbelegschaft der Zeche um 27% ab, wĂ€hrend die Gesamtbelegschaft jedoch um 36% stieg. Der Grund hierfĂŒr war der Austausch deutscher Bergleute, die zum MilitĂ€rdienst eingezogen wurden, gegen Kriegsgefangene und Zivilverschleppte (siehe Verschleppung ), die in AuslĂ€nderlagern am Stadtrand untergebracht waren. Bei Kriegsende gab es in Ahlen 5.971 Fremdarbeiter in 26 Lagern. Bis zur RĂŒckfĂŒhrung der Zwangsarbeiter und Gefangenen im Herbst 1945 kam es zu zahlreichen Racheakten an der Zivilbevölkerung.

Nach dem 2. Weltkrieg

Im Winter 1946 / 1947 tagte der Zonenausschuss der CDU fĂŒr die britische Zone im Ahlener Kloster St. Michael (heute Bischöfliches Gymnasium)zur Beratung der programmatischen Ausrichtung der Partei. Damit in Verbindung standen wichtige personelle Weichenstellungen fĂŒr die Bildung einer neuen politischen Elite in Deutschland (Konrad Adenauer - Jakob Kaiser ). Es war wohl mehr Zufall als bewusste AnknĂŒpfung an politische Traditionen in der Stadt ( Zentrumspartei ), dass es gerade die Stadt Ahlen war, mit deren Namen dieses Programm verknĂŒpft ist. Dennoch ist das TagungsgebĂ€ude selbst sicher nicht ohne Anspielung auf den Inhalt des Programms zu deuten.

In seiner Tagung vom 1. bis 3. Februar 1947 in Ahlen erließ der Zonenausschuss folgende programmatische ErklĂ€rung (Einleitung):

"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der WĂŒrde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und Ă€ußeren Frieden sichert."

Am 3. Februar 1997 wurde die Bedeutung des Ahlener Programms fĂŒr die heutige CDU mit dem Abstand von 50 Jahren in einer Feier am Entstehungsort durch den damaligen CDU-GeneralsekretĂ€r Peter Hintze wie folgt gewĂŒrdigt (Auszug):

"Es fĂ€llt schwer, sich die ersten Februartage des Jahres 1947 zu vergegenwĂ€rtigen, als die MĂ€nner des CDU-Zonenausschusses der britischen Zone nach Ahlen reisten. Es war ein Katastrophenwinter, der Rhein war auf 40 Kilometer mit einer Eisdecke ĂŒberzogen. die Lebensmittelversorgung war in eine extrem kritische Situation geraten. Die Menschen froren und hungerten. Im Ruhrgebiet sanken die tĂ€glichen Lebensmittelrationen auf 700 bis 800 Kalorien . St. Michael in Ahlen war nicht zuletzt deswegen als Tagungsort ausgewĂ€hlt worden, weil hier die TagungsrĂ€ume - wenn auch unter MĂŒhen - beheizt werden konnten und eine Verpflegung der Tagungsteilnehmer möglich war. Die Schwestern von St. Michael wendeten all ihre Organisationskunst auf, um der Tagung eine Grundlage zu geben. In der materiellen und moralischen TrĂŒmmerlandschaft , die die Nazidiktatur hinterlassen hatte, machten sich Frauen und MĂ€nner ans Werk, eine neue freiheitliche Ordnung zu begrĂŒnden, die sie aus dem christlichen VerstĂ€ndnis vom Menschen heraus entwickelten. Im ersten Programm der CDU in der britischen Zone, dem Programm von Neheim-HĂŒsten vom 1. MĂ€rz 1946 ist dieser Gedanke in aller Klarheit formuliert: Die christliche Weltauffassung allein gewĂ€hrleistet Recht , Ordnung und MenschenwĂŒrde und Freiheit der Person und damit eine wahre Demokratie , die sich nicht auf die Form des Staates beschrĂ€nken darf, sondern das Leben des Einzelnen wie das des Volkes und der Völker tragen und durchdringen soll. Die Ideengeschichtliche Bedeutung des Ahlener Programms liegt in der Formulierung einer Wirtschaftsordnung , die jenseits von Kapitalismus und Sozialismus einen dritten Weg suchte. Die moralische Bedeutung des Ahlener Programms liegt in der bis auf den heutigen Tag gĂŒltigen Feststellung, dass die WĂŒrde des Menschen sich auch im Wirtschaftsleben widerspiegeln muss. Der Leitsatz des Ahlener Programms ist daher von ungebrochener AktualitĂ€t: Die Wirtschaft hat der Entfaltung der schaffenden KrĂ€fte des Menschen und der Gemeinschaft zu dienen."

Der Ahlener Fußballverein LR Ahlen, der 1996 aus der Fusion zweier kleiner Vereine entstand, spielt seit 2000 in der 2.Bundesliga . Bereits 1999 schafften die Handballer der Ahlener SG den Aufstieg in die 2.Bundesliga .

Ahlen ist durch die Zeche Westfalen bekannt, die dort 2000 stillgelegt wurde.

Bevölkerungsdaten

  • Bevölkerung (Erstwohnsitz): 55.606 ; 100 % der Gesamtbevölkerung
  • Einwohner (Nebenwohnsitz) 2.403

Geschlecht:

  • Einwohner (mĂ€nnlich): 27.097 ; 48,7 % der Gesamtbevölkerung
  • Einwohner (weiblich): 28.509 ; 51,3 % der Gesamtbevölkerung

Staatsangehörigkeit:

  • Deutsche: 48.428 ; 87,1 % der Gesamtbevölkerung
  • AuslĂ€ndische Einwohner: 7.178 ; 12,9 % der Gesamtbevölkerung
  • Deutsche mit doppelter Staatsangehörigkeit: 3.924 ; 7,1 % der Gesamtbevölkerung

Religionszugehörigkeit:

  • Röm.-kath. Einwohner: 26.134 ; 47,0 % der Gesamtbevölkerung
  • Evangelische Einwohner: 13.463 ; 24,2 % der Gesamtbevölkerung
  • Sonstige Religionen oder konfessionslos: 16.009 ; 28,8 % der Gesamtbevölkerung
  • Einwohnerdichte: 451 Einwohner/kmÂČ

Altersstruktur:

  • Zwischen 0 und 5 3.597 ; 6,5 % der Gesamtbevölkerung
  • Zwischen 6 und 17 8.121 ; 14,6 % der Gesamtbevölkerung
  • Zwischen 18 und 29 7.798 ; 14,0 % der Gesamtbevölkerung
  • Zwischen 30 und 44 12.394 ; 22,3 % der Gesamtbevölkerung
  • Zwischen 45 und 64 3.859 ; 24,9 % der Gesamtbevölkerung
  • Älter 64 9.837 ; 17,7 % der Gesamtbevölkerung

Durchschnittsalter:

  • Gesamtbevölkerung: 40,6 Jahre
  • Deutsche: 41,7 Jahre
  • AuslĂ€ndische Einwohner: 33,2 Jahre

Partnerschaften

Wirtschaft und Verwaltung

Bundeswehr

Im SĂŒdwesten Ahlens, an der Hammer Straße gelegen, befindet sich die Westfalenkaserne. Diese Liegenschaft der Bundeswehr ist die Heimat des Panzergrenadierbataillons 192 mit seinen sechs Kompanien . Des Weiteren befinden sich noch kleinere Einheiten der Nachschub- und SanitĂ€tstruppe in der Kaserne. Im Zuge der Bundeswehrreform wird das PzGrenBtl 192 allerdings aufgelöst - der Standort Ahlen bleibt jedoch erhalten: Das SanitĂ€tsregiment 22 aus dem benachbarten Hamm wird in diese Liegenschaft verlegt. Weitere Liegenschaften der Bundeswehr im Gebiet der Stadt Ahlen sind unter anderem der ehemalige MobilmachungsstĂŒtzpunkt Grasskamp (heute lediglich noch GerĂ€telager) und das Feldlager X-Ray , (ehemalige StOMunNdlg Oestrich) welches der Ausbildung von Soldaten fĂŒr den Auslandseinsatz dient und sogar vom Generalinspekteur besucht wurde.

Verkehr

ÖPNV

Ahlen liegt an der Köln-Mindener Eisenbahn . Zweimal pro Stunde fahren ZĂŒge nach Bielefeld und Richtung Hamm (und weiter nach MĂŒnster bzw. Dortmund). Innerhalb des Stadtgebietes verkehren sechs StadtBus-Linien montags bis freitags von ca. 6 bis ca. 19 Uhr sowie samstags von ca. 7 bis ca. 14 Uhr. Eine NachtBus-Linie verbindet zusĂ€tzlich an den Wochenenden Ahlen mit MĂŒnster.

Kultur

Museen

Das Heimatmuseum bietet die Möglichkeit, die Geschichte Ahlens und Umgebung kennenzulernen. Themenschwerpunkte sind der Ackerbau und das Leben auf den Höfen, der Bergbau, der das Bild der Stadt Jahrzehnte lang geprÀgt hat, sowie die Stadtgeschichte und die ArchÀologie .

Das Kunstmuseum der Stadt, das im Oktober 1993 eröffnet wurde, stellt in regelmĂ€ĂŸig wechselden Ausstellung die Kunst des 20. Jahrhunderts vor. Die Bandbreite der Ausstellungen reicht dabei von der Klassischen Moderne bis zur modernen zeitgenössischen Kunst. Das Stadt verdankt die Einrichtung des Museums einer Stiftung des, im September 2005 verstorbenen, Ahlener Unternehmers Theodor F. Leifeld.

Das Fritz Winter-Haus wĂŒrdigt den BauhausschĂŒler und einen der bedeutendsten Maler der Nachkriegszeit. Fritz Winter selbst grĂŒndete 1975 zusammen mit seiner Nichte das Fritz-Winter-Haus in den RĂ€umen seines Elternhauses in Ahlen. Das Konzept der Ausstellungen folgt dem Erbe Wintes in der PrĂ€sentation ĂŒberwiegend ungegenstĂ€ndlicher Kunst.

Kino

Nach dem im Mai 2000 das alte Ahlener Kino geschlossen wurde, eröffnete am 1. Dezember 2005 das neue CinemAhlen. Das modernste Kino der Umgebung bietet neben aktuellen Filmen auch Spartenprogramm und Filmklassiker. Auf der BĂŒhne im grĂ¶ĂŸten der vier Saale ist es auch möglich, Kleinkunst und Theater aufzufĂŒhren.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Johann von Ahlen (* in Ahlen), Weihbischof von Köln
  • Clemens August Droste zu Vischering (* 22. Januar 1773 in Ahlen-Vorhelm), Erzbischof von Köln
  • Caspar von Geismar (1783–1848), EhrenbĂŒrger von Weimar und Ahlen, rettete die Stadt Weimar vor Zerstörung und PlĂŒnderung durch die abziehenden Truppen Napoleons.
  • Elisabeth Tombrock (1878-1938) GrĂŒnderin des Ordens Missionsschwestern von der unbefleckten EmpfĂ€ngnis
  • Augustin Wibbelt (1862–1947), niederdeutscher Schriftsteller, geb. in Vorhelm.
  • Rolf Aldag , (*25.08.1968) Radprofi
  • Fritz Winter (* 1905 in Altenbögge), arbeitete zu Beginn seiner Laufbahn als Maler auf der Zeche Westfalen in Ahlen
  • Imo Moszkowicz (* 1925 in Ahlen), Regisseur, Schriftsteller und Schauspieler
  • Dr. Paul Rosenbaum , Oberfeldarzt wĂ€hrend des 2. Weltkrieges , ĂŒbergab die Stadt kampflos den Amerikanern, "Retter der Stadt", Namensgeber eines zentralen Platzes
  • Dr. Wendelin Wiedeking (*1952 in Ahlen), Vorstandsvorsitzender der Porsche AG
  • Nova Meierhenrich (* 1973 in Ahlen), Moderatorin und Schauspielerin
  • Alexander Klaws (* 1983 in Ahlen), deutscher PopsĂ€nger

Literatur

  • Heinz Stoob: Stadtmappe Ahlen. Grösschen, Dortmund-Altenbeken 1975 (WestfĂ€lischer StĂ€dteatlas, Band I; 1. Teilband, ISBN 3-8087-0202-8 ), ISBN 3-89115-328-7
  • Heimatbuch der Stadt Ahlen (1929) - SGV Heimatverein
  • Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen - Selbstverlag der Stadt Ahlen:
    • Band 1: Die Urkunden des Stadtarchivs und des Klosters Maria Rosa in Ahlen (1966) - Wilhelm Kohl;
    • Band 2: Ahlen in Westfalen - Siedlung und Bevölkerung einer industriellen Mittelstadt mit besonder Bedeutung der innerstĂ€dtischen Gliederung (1968) - Alois Mayr;
    • Band 3: BĂŒrgerbuch und ProtokollbĂŒcher der Stadt Ahlen (1970)- mit einem Beitrag von Heinz Stoob - Anna Luise Kohl;
    • Band 4: Ahlen in Westfalen - Geologie und Bergbau im Raum Ahlen (1975) - mit einer EinfĂŒhrung von Prof. Dr. Carl Hahne, Bochum - Hans Baron, Ahlen;
    • Band 5: Urkunden und Regesten zur Geschichte der Pfarrkirchen der Stadt Ahlen (1976) - Wilhelm Kohl;
    • Band 6: Die geographische Struktur des Raumes Ahlen im frĂŒhen Mittelalter - Wilfried Schoop/Sektoriale Agrarwirtschaft in Ahlen (Westf.)- Klaus-Peter Hackenberg (1977);
    • Band 7: Siegel- und Wappengeschichte der Stadt Ahlen (1980) - Ludger Schulte;
    • Band 8: Bibliographie zur Kultur und Geschichte der Stadt Ahlen (Westf.) (erscheint FrĂŒhjahr 2006) - Stadt Ahlen. JĂŒrgen Rheker, Birgit SchlĂŒter, Sebastian Klaes, Bernard Sanders
    • Band 9: Machtergreifung und Gleichschaltung in Ahlen 1930 - 1934 (1987) - Ludger Grevelhörster;
    • Band 10: Ahlen 1870 - 1914; Die Industrialisierung einer mĂŒnsterlĂ€ndischen AckerbĂŒrgerstadt (1989) - Wolfgang Muth;
  • Die Galerie der BĂŒrgermeister im Rathaus Ahlen 1809 - 1996 (1999) - JĂŒrgen Rheker;
  • 100 Jahre Kindergarten Ostwall - Wir sind Kinder einer Welt (2005) - Stadt Ahlen - JĂŒrgen Rheker;
  • Der BeflĂŒgelte Aal - Heimatliches aus Ahlen - Vorhelm - Dolberg; Heimatförderkreis fĂŒr WestfĂ€lische Tradition e. V., bisher erschienen Band 1-24 (zuletzt Dezember 2005);
  • Jenseits der Bahn - Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen (1989) - Uwe Rennspieß

Weblinks

Commons: – Bilder, Videos oder Audiodateien

Informationen aus der Umgebung

Hotels in der Umgebung

Hotel Plz Ort Mail Url Kategorie Telefon
Witte 59227 Ahlen   02528 / 8886
Zum Pöttenkamp 59229 Ahlen   02388 / 1920
Zum Wersehof 59227 Ahlen   02382 / 2232
Hotel/Restaurant Schneider 59227 Ahlen   02382 / 3695
Hotel Ostermann 59229 Ahlen http://www.hotel-ostermann.de  02388 / 2384
Gasthof zur Post 59229 Ahlen   02388 / 1 vergeblich gesucht: Insert
Feldhaus 59227 Ahlen   02382 / 2440
Hotel SĂŒdtor 59227 Ahlen   02382 / 8551106
Hotel Hof MĂŒnsterland 59229 Ahlen   02382 / 73226
59227 Ahlen http://www.altes-forsthaus-ahlen.de  02382 / 6661
Art-Hotel-Ahlen 59227 Ahlen http://www.art-hotel-ahlen.de/  02382 / 7065-0

Weitere Artikel aus der Umgebung

Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ahlen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Ahlen verfügbar.

fair-hotels. Ein Service der
VIVAI Software AG
Betenstr. 13-15
44137 Dortmund

Tel. 0231/914488-0
Fax 0231/914488-88
Mail: info@vivai.de
Url: http://www.vivai.de