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Letzte Änderung für Artikel Eifelwasserleitung: 17.02.2006 18:45

Eifelwasserleitung

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Verlauf der Eifelwasserleitung
Verlauf der Eifelwasserleitung

Die Eifelwasserleitung – auch Römerkanal oder die Römische Wasserleitung nach Köln genannt – war einer der lĂ€ngsten AquĂ€dukte des römischen Imperiums und gilt als grĂ¶ĂŸtes antikes Bauwerk nördlich der Alpen. Das technische Kulturdenkmal ist beredtes Zeichen fĂŒr die hohe Kunst römischer Ingenieure , deren technischer Standard auf dem Gebiet der Wasserversorgung erst in der Neuzeit wieder erreicht wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Leitung

Die Anlage hatte eine VorgĂ€ngerin mit dem Namen Vorgebirgsleitung, die einige Quellen und saubere BĂ€che des Höhenzuges Ville westlich von Köln fĂŒr die Trinkwasserversorgung nutzte. Als die Menge und QualitĂ€t des Wassers dieser Leitung nicht mehr ausreichten, die schnell wachsende antike Großstadt zu versorgen, da die Quellen des Vorgebirges im Sommer eine geringe SchĂŒttung hatten oder gar ganz versiegten, wurde eine neue Wasserleitung zu den Quellen in der Eifel angelegt.

Die Eifelwasserleitung wurde um das Jahr 80 nach Christus in der Nordeifel aus Beton und aus im Halbbogen gemauerten Steinen erbaut. Sie hatte eine LĂ€nge von 95,4 Kilometern und eine TransportkapazitĂ€t von bis zu 20.000 Kubikmetern Trinkwasser je Tag. ZĂ€hlt man die verschiedenen Zuleitungen von den Quellen noch hinzu, dann hatte die Leitung sogar eine LĂ€nge von 130 km. Die Anlage versorgte die damalige römische Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium mit Wasser fĂŒr die öffentlichen Laufbrunnen , Thermen und privaten HausanschlĂŒsse. Die Leitung transportierte das Wasser einzig und allein durch ihr GefĂ€lle . Die gesamte Anlage war bis etwa 260 in Betrieb, sie wurde nach der ersten PlĂŒnderung und Zerstörung von Köln durch die Germanen nicht wieder in Betrieb genommen.

Nach diesen Zerstörungen wurde die rasch wieder aufblĂŒhende Stadt erneut von der Ă€lteren Vorgebirgsleitung mit Wasser versorgt.

Verlauf der Leitung

Die Eifelwasserleitung hatte ihren Ursprung in der Gegend von Nettersheim im Flusstal der Urft am GrĂŒnen PĂŒtz, wo sie das Wasser einer Quelle aufnahm. Als reine GefĂ€lleleitung zog sie sich am Talhang der Urft entlang nach Kall, um dort die europĂ€ische Wasserscheide zwischen Maas und Rhein zu ĂŒberwinden. Die damaligen römischen Ingenieure haben im GelĂ€nde genau diese eine mögliche Stelle ausfindig gemacht, an der die GefĂ€lleleitung ohne einen Tunnel oder eine Druckrohrleitung die Wasserscheide ĂŒberwinden konnte. Anschließend verlief die Leitung parallel zum Nordhang der Eifel, ĂŒberquerte die Erft bei Euskirchen-Kreuzweingarten und den Swistbach mit gemauerten GewölbebrĂŒcken , um dann im Kottenforst nordwestlich von Bonn den HöhenrĂŒcken des Vorgebirges zu passieren. Weiter fĂŒhrte die Leitung ĂŒber BrĂŒhl und HĂŒrth nach Köln. Sofern die angetroffenen Quellen den römischen AnsprĂŒchen an QualitĂ€t und QuantitĂ€t genĂŒgten, wurden sie ebenfalls mit Quellfassungen versehen und in die Leitung eingespeist.

original erhaltenes LeitungsstĂŒck in Buschhoven bei Bonn
original erhaltenes LeitungsstĂŒck in Buschhoven bei Bonn

Die AusfĂŒhrung der Leitung

Die Leitung verlief normalerweise zum Schutz vor Frost etwa 1 m unterhalb der ErdoberflĂ€che. Der archĂ€ologische Ausgrabungsquerschnitt zeigt zu unterst eine lose Lage Steine, auf die eine U-förmige Rinne aus Beton oder Mauersteinen gesetzt wurde. Anschließend wurde auf die Rinne eine Schicht aus sauber zugehauenen und vermörtelten Natursteinen gemauert, die ihrerseits ein Gewölbe aus Steinen mit viel Mörtel trug. Bei der AusfĂŒhrung in Beton und fĂŒr das Gewölbe wurden Bretter fĂŒr die Schalung verwendet, deren Maserung als Abdruck im Beton auch nach 1900 Jahren immer noch sichtbar sind. Die Leitung selbst hatte innen eine Breite von siebzig Zentimetern und eine Höhe von einem Meter und konnte damit auch von innen begangen werden. Sie war zum Schutz vor eindringendem Schmutzwasser außen verputzt und wurde bei Bedarf von einer Drainage begleitet, die das anstehende Grundwasser von der Leitung fernhielt. Kleinere WasserlĂ€ufe ĂŒberquerte die Leitung mit entsprechenden DurchlĂ€ssen , von denen einer in der NĂ€he des GrĂŒnen PĂŒtzes sogar noch vollstĂ€ndig erhalten ist. Auch das Innere der Leitung war mit einem rötlichen Putz versehen (opus signinum), der neben Kalk auch zerstoßene Ziegelsteine enthielt. Dieses Material erhĂ€rtete auch unter Wasser und diente zur Abdichtung der Leitung gegen Wasserverluste nach außen. Die feinsten Ritzen und Spalte dichteten die römischen Bauarbeiter mit Holzasche ab, die sie bei der Inbetriebnahme und ErstbefĂŒllung der Leitung mit Wasser hineinstreuten.

Die römischen Quellfassungen

Die Brunnenstube des GrĂŒnen PĂŒtzes
Die Brunnenstube des GrĂŒnen PĂŒtzes

Neben dem bereits erwĂ€hnten GrĂŒnen PĂŒtz bei Nettersheim existierten weitere Quellfassungen im Verlauf der Leitung. Bekannt ist in erster Linie der Klausbrunnen bei Mechernich-Kallmuth, dessen Brunnenstube nach einer archĂ€ologischen Ausgrabung rekonstruiert und mit einem Schutzbau versehen wurde. Weitere Quellen wurden beispielsweise in Mechernich-Urfey gefasst und der Leitung zugefĂŒhrt. Die Brunnenstuben wurden von der Konstruktion her den örtlichen Gegebenheiten angepasst und wĂŒrden auch den heutigen technischen Erfordernissen entsprechen.

Die Quellgebiete im einzelnen:

  • Der GrĂŒne PĂŒtz bei Nettersheim
  • Der Klausbrunnen bei Mechernich-Kallmuth
  • Das Quellgebiet bei Mechernich - Urfey
  • Das Quellgebiet Hausener Benden bei Mechernich - Eiserfey

Gerade das letztgenannte Quellgebiet stellt eine Besonderheit dar: Auf der Suche nach einer ergiebigen Quelle zur Versorgung von Mechernich mit Trinkwasser stieß man 1938 auf eine Zuleitung der Eifelwasserleitung. Das ausströmende Wasser wurde darauf hin in das moderne Versorgungsnetz eingeleitet. Auf eine archĂ€ologische Suche nach der Quellfassung verzichtete man, um die Quelle nicht zu gefĂ€hrden.

Die AnsprĂŒche der Römer an die QualitĂ€t des Wassers

Die von Sinter zugesetzte Wasserleitung bei Euskirchen-Kreuzweingarten
Die von Sinter zugesetzte Wasserleitung bei Euskirchen-Kreuzweingarten

Die Menschen im römischen Imperium bevorzugten Trinkwasser mit hoher WasserhĂ€rte . Derartiges Trinkwasser ist vollmundiger als fade schmeckendes weiches Wasser, es neigt aber auch zu KalkausfĂ€llungen innerhalb der Transportleitungen. Diese Kalksinterablagerungen legten sich als dichte Schicht auf alle Bereiche der Leitung und verhinderten innerhalb der stĂ€dtischen Rohrleitungen aus Blei , dass dieses giftige Schwermetall in das Trinkwasser geraten konnte. Die Eifelwasserleitung war auch von diesen NiederschlĂ€gen betroffen, die teilweise die StĂ€rke von 20 cm erreichen konnten. Trotz der Verengung des Querschnittes durch diese KalkausfĂ€llungen konnte die Leitung problemlos die notwendige KapazitĂ€t fĂŒr den Wassertransport bereit stellen. Die KalkausfĂ€llungen selbst stellten in spĂ€teren Jahren eine begehrte Quelle fĂŒr Baumaterialien dar.

Ein Verfahren zur PrĂŒfung einer Quelle fĂŒr die Gewinnung von Trinkwasser nennt der römische Architekt und Autor Vitruv:

"Die Erprobung und PrĂŒfung der Quellen muss so besorgt werden: Wenn die Quellen von selbst hervorquellen und offen zu Tage liegen, dann betrachte und beobachte man, bevor man mit dem Leitungsbau beginnt, welchen Gliederbau die Menschen haben, die in der Umgebung dieser Quellen wohnen. Ist ihr Körperbau krĂ€ftig, ihre Gesichtsfarbe frisch, sind ihre Beine nicht krank und ihre Augen nicht entzĂŒndet, dann werden die Quellen ganz vortrefflich sein."

An anderer Stelle findet sich beim gleichen Autor:

Daher mĂŒssen mit großer Sorgfalt und MĂŒhe die Quellen gesucht und gefunden werden im Hinblick auf die Gesundheit des menschlichen Lebens.

Die Hochbauten der Eifelwasserleitung

Bei der Eifelwasserleitung trifft man kaum auffĂ€llige Hochbauten an, wie man sie sonst als römische AquĂ€dukte bei anderen antiken Fernwasserleitungen antrifft. Ein prominentes Beispiel fĂŒr solch einen Hochbau stellt die Pont du Gard im SĂŒden Frankreichs dar. DafĂŒr gab es mehrere GrĂŒnde:

  • Der Verlauf der Leitung verursachte keinen derartigen Bauaufwand.
  • Die Leitung konnte vor Frost geschĂŒtzt im Untergrund bleiben.
  • Das Wasser behielt auf dem Weg nach Köln seine angenehm kĂŒhle Temperatur .
  • Die Leitung konnte im Kriegsfall nicht so schnell zerstört werden.

Trotzdem gab es an der Eifelwasserleitung Hochbauten. Die auffĂ€lligste BrĂŒcke war die Überquerung des Swistbaches bei Rheinbach mit einer BogenbrĂŒcke von 1400 Metern LĂ€nge und bis zu 10 Metern Höhe. Die ArchĂ€ologen gehen davon aus, dass die BrĂŒcke einmal 295 Bögen mit einer lichten Weite von 3,56 m gehabt haben muss. Von dem Bauwerk ist, abgesehen von einem niedrigen Streifen aus Schutt , nichts mehr erhalten.

Eine kleinere BogenbrĂŒcke ĂŒberquerte ein Seitental bei Mechernich-Vussem in etwa 10 Metern Höhe und 70 Metern LĂ€nge. Der archĂ€ologische Befund stellte sich als eindeutig dar, so dass man eine Teilrekonstruktion der BrĂŒcke vornehmen konnte, um dem Besucher eine Vorstellung von dem Bauwerk geben zu können.

Der römische Baustellenbetrieb

Rekonstruierter römischer Kran
Rekonstruierter römischer Kran
Der Bau der Leitung stellte hohe AnsprĂŒche an die FĂ€higkeiten und Kenntnisse der ausfĂŒhrenden Ingenieure . Andererseits scheinen QualitĂ€tsmĂ€ngel am Bau auch bei den Römern nicht unbekannt gewesen zu sein, denn Sextus Iulius Frontinus als leitender Beamter der stĂ€dtischen Wasserversorgung von Rom schrieb:
Kein anderer Bau erfordert grĂ¶ĂŸere Sorgfalt in seiner AusfĂŒhrung als einer, der dem Wasser standhalten soll. Daher ist fĂŒr einen solchen Bau in allen Einzelheiten Gewissenhaftigkeit vonnöten - ganz im Sinne der Regeln, die zwar alle kennen, aber nur wenige befolgen.

Der Aufwand zum Bau der Leitung

Ein Bauwerk dieser LĂ€nge war von der Vermessung , dem Tiefbau und den Mauerarbeiten nicht in einem Zuge zu verwirklichen. Stattdessen haben die römischen Ingenieure die gesamte Baustelle in einzelne Baulose unterteilt. Die moderne ArchĂ€ologie ist mit ihren Methoden in der Lage, die Grenzen solcher Baulose festzustellen. Bei der Eifelwasserleitung konnte sie mit 4440 Metern festgestellt werden, das sind ziemlich genau 15.000 römische Fuß . Weiterhin ließ sich nachweisen, dass die Vermessung völlig unabhĂ€ngig vom Bau der Leitung stattfand. In diesem Zusammenhang wird der Leitungsbau Ă€hnlich abgelaufen sein, wie es heute noch auf Großbaustellen ĂŒblich ist. Der Bauaufwand wird mit einem Erdaushub von 3 bis 4 Kubikmetern je laufenden Meter Leitung geschĂ€tzt, hinzu kommen 1,5 Kubikmeter Mauerwerk und Beton sowie 2,2 Quadratmeter Putz zur Abdichtung der Leitung. Der gesamte Aufwand wird auf 475.000 Tagewerke geschĂ€tzt, bei 180 effektiven Bautagen im Jahr waren dafĂŒr etwa 2500 Arbeiter 16 Monate lang beschĂ€ftigt. Die tatsĂ€chliche Bauzeit wird aber deutlich höher gelegen haben, da in dieser Rechnung weder die Vermessung noch die Beschaffung der Baustoffe enthalten sind. Nach dem Bau der Anlage wurde die Baugrube wieder aufgefĂŒllt, die OberflĂ€che eingeebnet und ein Weg fĂŒr die LeitungswĂ€rter, die den Trassenverlauf regelmĂ€ĂŸig inspizierten, angelegt. Dieser Weg markierte gleichzeitig einen Schutzstreifen , innerhalb dessen Bereich eine landwirtschaftliche Nutzung des GelĂ€ndes verboten war. Ähnliche Einrichtungen sind auch von anderen AquĂ€dukten bekannt. An der römischen Wasserleitung nach Lyon in Frankreich fanden die ArchĂ€ologen eine Verbotstafel mit folgender Aufschrift:

Auf Geheiß des Kaiser Caesar Trajanus Hadrianus Augustus ist niemandem das PflĂŒgen, SĂ€en oder Pflanzen gestattet innerhalb des Raumes, der zum Schutz der Wasserleitung bestimmt ist.

Römische Vermessungstechnik

Neben der sinnvollen Lage der Leitung im GelĂ€nde musste vor allem das notwendige GefĂ€lle der Leitung gewĂ€hrleistet sein. Die römischen Ingenieure waren mit ihren wasserwaagenĂ€hnlichen MessgerĂ€ten in der Lage, ein GefĂ€lle von einem Promille einzuhalten, die Leitung ĂŒberwand also auf eintausend Meter Entfernung die Höhe von gerade einem Meter. Hinzu kam der Zwang, an den Grenzen der einzelnen Baulose einen Zwangspunkt in der Höhe einhalten zu mĂŒssen, denn bei einer BautĂ€tigkeit leitungsabwĂ€rts stieß man irgendwann an den Beginn des nĂ€chsten Loses, das vom Nachbarbautrupp bereits begonnen wurde. Die Leitung durfte somit keinesfalls zu tief an diesem Zwangpunkt ankommen. Entsprechend vorsichtig und sparsam sind die römischen Bauleute mit dem zur VerfĂŒgung stehenden GefĂ€lle umgegangen. Kam die Leitung dagegen zu hoch an dieser Stelle an, genĂŒgte ein kleines Tosbecken in der Leitung zur Beruhigung des aus dieser Höhe herunterfallenden Wassers.

Römischer Beton als Baustoff

Die römischen Bauleute verwendeten eine Mischung aus gebranntem Kalk , Sand, Steinen und Wasser als eine Art Beton, der zwischen die Baugrube als Außenschalung und eine Innenschalung aus Brettern eingestampft wurde. Proben dieses Materiales wurden modernen PrĂŒfungen unterzogen; es zeigte sich dabei, dass der Beton ohne weiteres den heutigen Normen fĂŒr diesen Baustoff entsprochen hĂ€tte. In der Literatur wird fĂŒr diesen Baustoff auch der Name Opus Caementicium verwendet.

Der Betrieb der Leitung

Ein Revisionsschacht fĂŒr den Einstieg in die Wasserleitung
Ein Revisionsschacht fĂŒr den Einstieg in die Wasserleitung

WĂ€hrend ihrer wahrscheinlich 180-jĂ€hrigen Betriebsdauer von 80 bis ungefĂ€hr 260 nach Christus musste die Leitung stĂ€ndig gewartet, ausgebessert, gereinigt und von Sinter befreit werden. Dies geschah durch regelmĂ€ĂŸig angelegte RevisionsschĂ€chte , von denen aus die Leitung begangen werden konnte. Mitunter wurden diese RevisionsschĂ€chte auch ĂŒber Reparaturstellen und Grenzen der Baulose angelegt. An der ZusammenfĂŒhrung der einzelnen QuellstrĂ€nge entstanden Ă€hnlich gestaltete offene Becken, damit das Bedienungspersonal derartige Problemstellen stets im Auge behalten konnte.

Die Verteilung des Wassers in der antiken Stadt Köln

Auf den letzten Kilometern vor der antiken Stadt verließ die Leitung das Erdreich und fĂŒhrte das Wasser ĂŒber eine AquĂ€duktbrĂŒcke, die vor der Stadt die Höhe von etwa 10 m erreichte. Der Grund fĂŒr diesen zusĂ€tzlichen Bauaufwand ist in der Notwendigkeit zu suchen, auch höher gelegene Stadtteile mit Druckrohrleitungen versorgen zu können. Die damaligen Rohre bestanden aus Bleiplatten , die man zu einem Ring walzte und an den Stoßstellen des Ringes sowie unter einander verlötete . Daneben waren auch Flansche zur Verbindung der einzelnen RohrstĂŒcke in Gebrauch. Als Armaturen verwendeten die Römer AbsperrhĂ€hne aus Bronze . Das ankommende Wasser floss dann in erster Linie in die vielen öffentlichen Laufbrunnen der Stadt, die stĂ€ndig in Betrieb waren. Das Netz der Laufbrunnen war so dicht, dass kein Einwohner der Stadt weiter als 50 m zu einem dieser Brunnen gehen musste. Weiterhin versorgte die Leitung Thermen , private HausanschlĂŒsse sowie die öffentlichen Toilettenanlagen . Die AbwĂ€sser wurden durch ein im Kölner Untergrund befindliches Kanalnetz in den Rhein geschwemmt. Ein StĂŒck dieser Abwasserleitungen kann unter der Kölner Budengasse auch heute noch besichtigt und begangen werden.

Die Nutzung der Leitung als Steinbruch

Eine SĂ€ule aus Sinter mit der typischen Maserung des Materiales in der Pfarrkirche von Bad MĂŒnstereifel
Eine SĂ€ule aus Sinter mit der typischen Maserung des Materiales in der Pfarrkirche von Bad MĂŒnstereifel

Im Jahre 260 wurde die Leitung bei einem kriegerischen Überfall durch die Germanen zerstört und nicht wieder in Betrieb genommen, obwohl die römische Stadt Köln weiter Bestand hatte. Zudem war in den Wirren der Völkerwanderung das Wissen um den AquĂ€dukt verloren gegangen. Die Anlage blieb dann ein halbes Jahrtausend unberĂŒhrt in der Erde liegen, bis dann zur Zeit der Karolinger eine neue BautĂ€tigkeit im Rheinland einsetzte. Die Leitung wurde in dieser Zeit im steinarmen Rheinland grĂŒndlich ausgeschlachtet. So wurden gerade noch eben transportierbare Brocken aus der Leitung heraus gebrochen und beispielsweise in der Stadtmauer von Rheinbach erneut vermauert. Teilweise haftet an diesen Brocken aus Beton immer noch der Putz zur Abdichtung der Leitung. Auf diese Art und Weise wurden alle Hochbauten und weite Teile der unterirdischen Anlagen restlos beseitigt und einer neuen Nutzung zugefĂŒhrt.

Besonders begehrt war der so genannte Sinter , wie der schon erlĂ€uterte Niederschlag aus Kalk auch genannt wurde. Dieses Material hatte sich in der Betriebszeit der Leitung zu einer bis zu 20 cm dicken Schicht angesammelt. Das Material besaß die Konsistenz von braun gefĂ€rbtem Marmor und ließ sich problemlos aus dem Querschnitt der Leitung entfernen. Der Sinter konnte ohne weiteres poliert werden und erhielt in LĂ€ngsrichtung eine Maserung, wĂ€hrend er rechtwinkelig dazu wie ein versteinertes Brett wirkte. Dieser kuriose Kunststein war im gesamten Rheinland sehr begehrt, man fertigte SĂ€ulen , Fensterleibungen und sogar Altarplatten daraus. Das Material lĂ€sst sich im Osten bis nach Paderborn und Hildesheim nachweisen, wo es in den dortigen Domen verbaut wurde. Die nördlichste Verbreitung reicht gar bis nach DĂ€nemark im Dom von Roskilde , wo der auch Eifelmarmor genannte Sinter in Form von Grabplatten Verwendung fand.

Im Volksglauben des Mittelalters wurde aus der Eifelwasserleitung eine unterirdische Leitung von Trier nach Köln, wie es unter anderem in der Kölner Dombausage deutlich wird - der Teufel wettete mit dem Dombaumeister, dass er diese Leitung schneller vollenden könne als der Baumeister den Kölner Dom. Der Baumeister ging auf die Wette ein und trieb seine Leute zu höchster Eile an. Eines Tages stießen die Bauleute bei Ausschachtungsarbeiten zum Kölner Dom auf einen unterirdischen Wasserstrom. Das schadenfrohe Gekicher des Teufels trieb den Dombaumeister in den Tod: Er stĂŒrzte von den halb fertigen DomtĂŒrmen in die Tiefe. Sein Tod wurde als Ursache fĂŒr den jahrhundertelangen Stillstand der Baustelle des Kölner Doms angesehen.

Teilweise wurde der ursprĂŒngliche Zweck der Wasserleitung so stark umgedeutet, dass sie nicht Wasser, sondern Wein transportiert habe - so zum Beispiel in der Gesta Treverorum des heiligen Maternus ( 4. Jahrhundert ) und im Annolied ( 11. Jahrhundert ).

Abschließende Wertung

Die archĂ€ologische Erforschung der Eifelwasserleitung begann erst wieder im 19. Jahrhundert. Dem rheinischen Kartografen C. A. Eick gebĂŒhrt der Verdienst, schon 1867 die Brunnenstube des GrĂŒnen PĂŒtzes als die von Köln am weitesten entfernteste Quelle erkannt zu haben. Systematisch erforscht wurde die Leitung in den Jahren 1940 bis 1970 durch Waldemar Haberey . Seine 1971 erschienene Schrift (siehe Literaturauswahl) ist immer noch ein brauchbarer FĂŒhrer entlang der Trasse. Der beim rheinischen Landesamt fĂŒr Bodendenkmalpflege angestellte ArchĂ€ologe Klaus Grewe hat ab 1980 die Trasse komplett kartografiert und in die Deutsche Grundkarte eingetragen. Sein "Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln" gilt als Standardwerk ĂŒber die Erforschung römischer AquĂ€dukte.

Die Eifelwasserleitung stellt sich als technisches Kulturdenkmal ersten Ranges dar, an dem sich das römische Vermessungswesen , die römische OrganisationsfĂ€higkeit und das Können der römischen Ingenieure eindrĂŒcklich studieren lĂ€sst. Es ist bezeichnend fĂŒr den Verlust an technischem Wissen, dass nach der Zerstörung und dem Verfall der Anlage die nachfolgenden Generationen nichts Rechtes mehr mit der Leitung anfangen konnten und sie als Steinbruch verwendeten. Den römischen Stand der Technik auf dem Gebiet der Wasserversorgung erreichte man erst wieder im 19. und 20. Jahrhundert . Somit kommt der gesamten, als bewahrenswert angesehenen Anlage eine Vorbildfunktion zu.

Touristische Hinweise

Logo des Wanderwegs
Logo des Wanderwegs

Entlang der Route der Wasserleitung fĂŒhrt der Römerkanalwanderweg von Nettersheim ĂŒber Kall, Euskirchen, Rheinbach, BrĂŒhl, HĂŒrth nach Köln. Die Route ist mit etwa 75 Schautafeln ausgestattet und gibt eine sehr gute Anschauung von Verlauf der Leitungstrasse . Der Wanderweg ist 111,3 km lang und kann dank des dichten Netzes des öffentlichen Personennahverkehrs in mehreren Etappen gegangen oder auch mit dem Fahrrad gefahren werden.

Literatur

  • Waldemar Haberey : "Die römischen Wasserleitungen nach Köln" Rheinland-Verlag GmbH 1971 ISBN 3-7927-0146-4
  • Klaus Grewe: "Der Römerkanalwanderweg". Herausgegeben vom Eifelverein DĂŒren ISBN 3-92-1805-16-3
  • Klaus Grewe: "Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln" Rheinland-Verlag GmbH 1986 ISBN 3-7927-0868-X
  • Rudolf Pörtner : Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit. Moewig, Rastatt 2000 (auch andere Ausgaben) ISBN 3-8118-3102-X
  • Heinz GĂŒnter Horn: "Die Römer in Nordrhein-Westfalen" Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg ISBN 3-933203-59-7

Siehe auch

  • Portal:Rom
  • Themenliste Rom
  • Pont du Gard

Weblinks

Commons: Eifelwasserleitung – Bilder, Videos oder Audiodateien

Wikipedia

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