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Letzte Änderung für Artikel Kloster Kamp: 15.02.2006 21:02

Kloster Kamp

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Das 1123 gegrĂŒndete Kloster Kamp war das erste Zisterzienserkloster im deutschen Sprachraum.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Kloster Kamp. Die Abteikirche.
Kloster Kamp. Die Abteikirche.

Kloster Kamp liegt auf einem HĂŒgel (Kamper Berg) auf dem Gebiet der Stadt Kamp-Lintfort. Der Name der Stadt leitet sich ebenfalls vom Kloster her. SĂŒdlich des Klosters fĂŒhrt die Fossa Eugeniana entlang.

Vom ursprĂŒnglich romanischen Bau ist nicht viel bekannt, er soll aber wohl kein Querhaus besessen haben, ebensowenig, wie der Bau aus den Jahren 1410 - 1415 , welcher im Truchsessischen Krieg zerstört wurde. Der Neubau aus dem 17. Jahrhundert umfasst noch den Chor des VorgĂ€ngerbaus. Das Innere der Kirche beherbergt GegenstĂ€nde und Formen aus den vorherigen Jahrhunderten, viel UrsprĂŒngliches ist durch Kriege, besonders aber durch die SĂ€kularisierung unter französischer Herrschaft verlorengegangen.

Von Außen sind die beiden ZwiebeltĂŒrme an der Ostfront das markanteste Zeichen der Kirche, ebenso wie der Dachreiter. Durch diese außergewöhnlichen Stilelemente wird die Bedeutung des sakralen Bereichs unterstrichen. Ein sonst ĂŒblicher Turm im Westen ( Westwerk ) fehlt. Im Nordosten schließt sich eine sechseckige Marienkapelle aus dem Jahr 1714 an.

Orgel

Orgel in der Klosterkirche.
Orgel in der Klosterkirche.

Anfangs ließen die Zisterzienser in ihren Kirchen noch keine Orgel zu, da das Instrument ursprĂŒnglich aus dem heidnischen Gebrauch kam. Die Gregorianik , der Gesang der Mönche, wird auch nicht mit Instrumenten begleitet. Nach dem Aufkommen der Mehrstimmigkeit im Hochmittelalter fand auch die Orgel immer mehr Einzug in Kirchen. Unter Abt Henricus V. von Calkar wurde 1495 eine neue Orgel in der Klosterkirche aufgestellt, woraus geschlossen werden kann, dass vorher auch schon ein solches Instrument in der Kirche vorhanden war. Wann allerdings die erste Orgel aufgestellt worden war, ist unbekannt.

Die heutige Orgel (etwa 1720 / 22 ) wurde unter Abt Wilhelminus Norff III. aus Rheinberg ( 1705 bis 1726 ) errichtet, die OrgelbĂŒhne, eine Rokokoarbeit , ist noch gut erhalten. Die Felder der BrĂŒstung sind mit durchbrochenen Arabesken versehen, das verwendete Material ist reines Eichenholz. Das GelĂ€nder der BrĂŒstung stellt Weinlaub und Trauben, versehen mit Rosen dar. Das ursprĂŒngliche Instrument hatte ein einmanualiges Werk mit angehĂ€ngtem Pedal. Oben auf der Orgel steht eine Figur des Königs David , der eine Harfe in der Hand hĂ€lt.

Da das Instrument nach 200 Jahren unspielbar wurde, ist es 1905 durch ein neues Werk mit pneumatischer Traktur ersetzt worden. In den 1960er Jahren wurde die Orgel noch einmal umgebaut und die Pneumatik wurde durch eine elektrische Traktur ausgetauscht. ZusÀtzlich wurde ein neuer fahrbarer Spieltisch eingebaut. Durch die Restaurierungsarbeiten in der Kirche in den 1970er Jahren wurde die Orgel erneut unspielbar und 1978 wiederum durch eine neue Orgel ersetzt, welche aus drei selbststÀndigen Teilwerken besteht (Hauptwerk, Unterwerk und Pedalwerk). Auch wurde die elektrische Traktur durch eine mechanische ersetzt, welche aus millimeterdicken Holzleisten besteht. Die Registraktur ist elektrisch (Elektromagnete).

Geschichte

Kloster Kamp. Die Abteikirche vom Klostergarten aus betrachtet.
Kloster Kamp. Die Abteikirche vom Klostergarten aus betrachtet.

Am 23. Januar 1123 wurde von Friedrich I. , Erzbischof von Köln, die Stiftungsurkunde fĂŒr das Kloster ausgestellt und dieser beauftragte seinen Bruder Arnulf aus dem Zisterzienserkloster Morimond in Frankreich , das Kloster zu grĂŒnden. Heinrich, ein weiterer Bruder, machte sich mit einer Gruppe von 12 Mönchen auf den Weg an den Niederrhein. Am 31. Januar 1123 (nach dem damals vorherrschenden Julianischen Kalender 1122 ) wurde das Kloster errichtet. Die Mönche brachten unter anderen Reliquien auch ein StĂŒck der SchĂ€deldecke der Heiligen Agatha mit, die heute noch in der Klosterkirche zu besichtigen ist.

Da die Zisterzienser ihre Niederlassungen normalerweise in TÀlern oder ebenen Gebieten errichtet hatten, wird vermutet, dass ihre erste Niederlassung ganz in der NÀhe des spÀteren Klosters errichtet worden war. Unter dem zweiten Abt Theoderich wurden landwirtschaftliche Betriebe (Grangien) unter anderem in der NÀhe von Kalkar und Voerde errichtet.

Das ganze Gebiet war zu damaliger Zeit allerdings noch Sumpflandschaft und unter dem dritten Abt Gierard (um 1150) wurde wohl mit dem Bau der Klosteranlage wegen Hitze und MĂŒcken auf einem ganz in der NĂ€he liegenden HĂŒgel, dem Kamper Berg, begonnen. Damit ist es das einzige Zisterzienserkloster gewesen, welches auf einer Anhöhe erbaut worden ist. Sechs Jahre nach der GrĂŒndung wurde schon das erste Tochterkloster Walkenried im Harz gegrĂŒndet, 1132 folgten Volkenroda in ThĂŒringen, 1135 Amelungsborn am Solling , 1140 Hardehausen in Westfalen und 1147 Michaelstein ebenfalls im Harz. Vom Kloster Kamp gingen 15 TochtergrĂŒndungen direkt aus, wobei fĂŒr den Osten das Kloster Neuzelle (sĂŒdlich von Frankfurt/Oder bzw. EisenhĂŒttenstadt) eine besondere Bedeutung hatte. Auf dem Höhepunkt standen 60 Klöster und weitere 24 Nonnenklöster unter direkter Aufsicht der Kamper Äbte. Ende des 13. Jahrhunderts erreichte das Kloster unter Abt Giselbert seinen Höhepunkt mit Besitzungen (Höfen) unter anderem in Köln, Koblenz, Neuss, Uerdingen, Rheinberg, Utrecht , Aachen und Nimwegen . Von den Höfen ist nur noch der in Rheinberg erhalten. Im SpĂ€tmittelalter war das Kloster wohl das bedeutendste des ganzen Zisterzienserordens. Ein Meisterwerk aus der Zeit, die 1312 entstandene Kamper Bibel, befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Am Anfang des 15. Jahrhunderts wurden viele GebĂ€ude am Kloster renoviert und neu errichtet, auch ein neuer Hochaltar wurde gebaut. Mit der Reformationsbewegung im 16. Jahrhundert und besonders mit dem Truchsessischen Krieg brachen schwere Zeiten fĂŒr das Kloster an. 1580 zog ein Teil der Mönche nach Neuss, 5 Jahre spĂ€ter gab man das Kloster ganz auf und der Rest siedelte nach Rheinberg ĂŒber. 1586 wurde ein Großteil des Klosters durch Graf Adolf von Neuenahr und Moers auf dem Berg zerstört. Zwischen 1626 und 1629 wurde am SĂŒdhang des Berges der Bau der Fossa Eugeniana vorangetrieben.

Erst unter Abt Polenius ( 1636 - 1664 ) kehrte ein Teil der Mönche zurĂŒck, der Wiederaufbau begann allerdings erst ab 1683 unter Abt Andreas Holtmann aus Geldern. Mit dem Bau der heutigen Klosterkirche wurde 1685 begonnen, die Apsis (Ostchor) ist als einziges noch Original von 1410 erhalten. Der Bau entspricht allerdings nicht den Idealvorstellungen des Ordens. Am 19. November 1700 konnte der ganze Konvent wieder einziehen. Unter Abt Wilhelm Norff aus Rheinberg ( 1705 - 1726 ) wurde eine neue Orgel gebaut, die Schulden getilgt und neue GĂŒter gekauft. Auch die Marienkapelle im Norden der Kirche wurde zu dieser Zeit errichtet, am Niederrhein existiert mit der Gnadenkapelle in Kevelaer nur ein vergleichbarer Bau.

Am 15. Juli 1714 besuchte Friedrich Wilhelm I. von Preußen die Abtei. Der König war damals in Moers zu Besuch und machte auf dem Weg nach Geldern einen Abstecher nach Kamp. Damals gab es nur eine Straße zwischen diesen beiden Orten. Auf Bitten des Priors erließ der König bei diesem Besuch die Akzisen fĂŒr dieses Kloster. Auch einige schön geformte WeinglĂ€ser mit kelchartiger Form und eingraviertem preußischen Adler wurden der Abtei bei diesem Besuch geschenkt.

Unter Abt Franziskus Daniels aus Grevenbroich ( 1733 - 1749 ) brach fĂŒr das Kloster die letzte BlĂŒtezeit an. Er ließ den heute noch bekannten Terrassengarten errichten, der als reiner Obst- und GemĂŒsegarten genutzt wurde. Die Terassenform war dabei nach italienischer, die FlĂ€chen nach französischer Mode errichtet worden. FĂŒr die Wasserspiele im Garten wurde das GefĂ€lle des Berges ausgenutzt, der Wasserspeicher dafĂŒr befand sich unter dem SĂŒdturm der Klosterkirche. Abt Daniels ließ ebenfalls noch eine PrĂ€latur direkt neben der Klosterkirche bauen.

Kloster Kamp. Blick den terrassierten Klostergarten hinab.
Kloster Kamp. Blick den terrassierten Klostergarten hinab.

Nachdem 1789 in Frankreich die Revolution ausgebrochen war, konnte 1794 der linke Niederrhein von den französischen Armeen besetzt werden. Am 6. August 1802 wurde von den Kommissaren LĂ©pine und Thibault die SĂ€kularisation des Klosters verkĂŒndet, alle beweglichen und unbeweglichen GĂŒter wurden konfisziert. Alleine die Kirche und die fĂŒr den Gottesdienst benötigten GegenstĂ€nde waren davon ausgenommen. Die letzten Mönche verließen das Kloster am 10. August 1803 . 1807 wurde das Kloster nach einer Versteigerung in Aachen von sechs Kaufleuten erworben. Die GebĂ€ude wurden abgerissen oder umgebaut, das Land des Ordens ging durch die Abschaffung der Feudalrechte durch Frankreich an die Bauern ĂŒber, die es bisher nur erblich nutzen durften.

Zwischen 1802 und 1954 wurde die ehemalige Klosterkirche von der Gemeinde als Pfarrkirche genutzt. Am 27. Mai zog ein Konvent der Karmeliter in das Kloster ein und waren als Seelsorger und Lehrer an den Schulen der Stadt tĂ€tig. 2002 wurde aber auch dieser Konvent aufgelöst und die Ordensleute zogen bis auf einen in die Niederlande zurĂŒck.

Laut Satzung des Zisterzienserordens musste jedes Kloster einen eigenen Weinberg besitzen, den Kamp als Weingut in Moselweiß bei Koblenz besaß. Nachdem sie das Gut 1355 wegen finanzieller Schwierigkeiten verkaufen mussten, legten die Mönche im SĂŒden der Kirche einen Weinberg an. In einer Chronik von 1483 ist mehrfach ĂŒber diesen Wein zu lesen, dass er mit Reizen gegeizt haben soll: „Der Kamper Wein bereitet am Tisch nur Pein“ ( lat : Vinum Campens non facit gaudia mense).

1738 soll Kronprinz Friedrich (II.) von Preußen von Straßburg zum Schloss Moyland bei Kleve gefahren sein, um sich dort mit Voltaire zu treffen. Auf dem Weg fuhr er am Kamper Terrassengarten vorbei und entwarf daraufhin den Plan von Sanssouci. Zu diesem Zeitpunkt war dieser aber erst zwei Jahre alt. Friedrich Wilhelm I. von Preußen war in diesem Jahr wohl ein zweites mal am Kloster vorbeigekommen, von einem erneuten Aufenthalt im Kloster ist allerdings nichts bekannt.

Zum KlostergelĂ€nde gehört der um 1990 restaurierte Terrassengarten. In einer der beiden Orangerien finden oft Ausstellungen von KĂŒnstlern statt. Auf dem Abteiplatz vor der Klosterkirche sind noch einige GebĂ€ude erhalten, die mit der letzten BlĂŒtezeit des Klosters entstanden sind. Im Agathastift befindet sich das Ordensmuseum, in dem viele GegenstĂ€nde aus der Geschichte des Klosters ausgestellt sind. Kostbarstes AusstellungsstĂŒck ist das Kamper Antependium , ein Altarvorhang aus dem 14. Jahrhundert

Literatur

  • Georg Geisbauer, Kloster Kamp, seine Äbte und Filiationen; Die Kamper Chronik - deutsch; Kamp-Lintfort (Eigenverlag) 2002
  • Erich Willicks und Georg Geisbauer, Kloster Kamp - Geschichte und Gegenwart, Kamp-Lintfort (Eigenverlag) 2000

Weblinks

Commons: Kloster Kamp – Bilder, Videos oder Audiodateien


Koordinaten: 51° 30' 8.46" N 6° 30' 58.42" O

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