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Letzte Änderung für Artikel Kölsch (Sprache): 16.02.2006 23:28

Kölsch (Sprache)

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Kölsch
Gesprochen in: Köln und Umgebung ( Deutschland )
Sprecher: 250 000 bis 750 000
Linguistische
Klassifikation :
  • Indogermanisch
    Germanisch
    Westgermanisch
    Hochdeutsch
    Mitteldeutsch
    Westmitteldeutsch
    Ripuarisch
Kölsch
Offizieller Status
Amtssprache in: -
Sprachcodes
ISO 639 -1:
ISO 639 -2: gem
SIL : KSH

Kölsch ist eine Variante des Ripuarischen. Beinahe alle Sprecher benutzen auch die Hochdeutsche Sprache . Kölsch wird in und in der Gegend um Köln gesprochen und ist nah mit den niederrheinischen und moselfränkischen Dialekten verwandt und stellt ein Bindeglied zwischen diesen dar. Das Kölsche ist südlich der maken/machen-Linie (Benrather Linie) angesiedelt, aber beispielsweise nördlich der Das-dat-Linie .

( SIL code der 14. Ausgabe:KOR, 15. Ausgabe:KSH; ISO 639-2 :gem, Vorschlag ISO/DIS 639-3 :ksh)

Inhaltsverzeichnis

Stellung des Kölschen in der Gesellschaft

Allgemeines

Im Gegensatz zu anderen Dialekten Deutschlands war das Kölsch zu keiner Zeit ernsthaft vom Aussterben bedroht. Ähnlich wie das Berlinische hat sich Kölsch als Stadtdialekt fest etabliert und wird von sehr vielen Kölnern noch beherrscht, wenn sich auch in den letzten Jahrzehnten eine Abschleifung hin zum Hochdeutschen bemerkbar gemacht hat. „Tiefes Kölsch", also der unverfälschte Dialekt , wird heute nur noch von relativ wenigen, zumeist älteren Kölnern gesprochen.

Das Engagement, mit dem der Kölner Dialekt von seinen Sprechern gepflegt und immer aufs Neue in Erinnerung gerufen wird, lässt sich an vielen Beispielen darstellen: Selbst Zeitungsüberschriften in Boulevardblättern, Werbeslogans und öffentliche Inschriften sind häufig in Kölsch gehalten. Hinzu kommt ein lebendiges Brauchtum , insbesondere der Kölner Karneval, wo Kölsch die einzig akzeptierte Sprache bleibt. Köln verfügt mit Theatern (Volkstheater Millowitsch, Hänneschen-Theater), einer dichten Szene an Karnevals- und sonstigen mundartlichen Musikgruppen (bis hin zum sogenannten Kölschrock) und einer stattlichen Anzahl Kölner Volksdichter über ein reichhaltiges, kölsch geprägtes Kulturangebot.

Die Bewahrung der Dialektsprache ist sicherlich auch auf den Umstand zurück zu führen, dass den Kölnern das gesprochene Kölsch auch Ausdruck ihres regionaltypischen Charakters ist. So begreift sich ein Kölner grundsätzlich als fröhlich, pragmatisch und obrigkeitskritisch. Die als solche empfundene Fremdherrschaft von Franzosen und später den als militaristisch und kalt empfundenen Preußen , die die lange Tradition eines selbstbewussten und selbstverwalteten bürgerlich-katholisch geprägten Gemeinwesens beendeten, hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Sicht der Kölner auf das Weltgeschehen immer dualistisch ist: Zuerst kommt Köln und danach der Rest. Spötter sprechen auch von einer „Selbstbesoffenheit" der Kölner.

Bemerkenswert ist, dass Kölsch auch von Zugezogenen ('Imis') gelernt wird. Neben dem offiziellen Hochdeutschen wohnt somit dem Kölschen Jargon eine ausgeprägt identitätsstiftende Funktion inne. Die Durchdringung mit hochdeutschen Elementen ist eine direkte Folge davon und trägt daher zur „Verwässerung" des ursprünglich Kölschen bei, was einerseits als Gefahr, andererseits als Chance zum Erhalt des Dialektes gesehen wird.

Dies wurde unter anderem zum Anlass genommen, mit der Akademie för uns kölsche Sproch eine stiftungsgetragene Institution zu schaffen, die Erhalt und Pflege des Kölschen als Zweck verfolgt. Unter anderem wird dort versucht, kölsche Lexik und Grammatik zu kodifizieren, und es werden nachvollziehbare Regeln für die Schriftsprache vorgeschlagen. Es gibt zwar eine Reihe von Wörterbüchern, aber keines verfügt über eine geregelte Orthographie. In Das Kölsche Wörterbuch, herausgegeben von der Akademie, sind Regeln angegeben und erklärt. Zu jedem Eintrag findet man die Aussprache nach der IPA (Internationales Phonetisches Alphabet). Der sprachwissenschaftliche Ansatz wird allerdings immer wieder durch den Umstand konterkariert, dass gerade die Kulturschaffenden Kölsch auf eigene Initiative vertexten, nämlich es so schreiben, wie sie meinen, dass es der Aussprache entspricht. Da oft theoretisch mehrere Möglichkeiten bestehen (z.B. eets / ehts / eez / ehz) und sich oft Nicht-Muttersprachler am Kölschen versuchen (vlg. verstecke (statt: versteche), Butz (statt Botz), weil das geschlossene o nicht vom u unterschieden wird), führt das zu einer großen Varietät an Schreibweisen.

Des Weiteren glauben viele Menschen, dass „Kölsch" stark durch die französische Besatzung geprägt wurde. Hier ein Beispiel: Kölsch - „Maach kein Fisematente!", was soviel heißt wie „Mach kein Aufhebens !". Die Annahme, dass die französischen Soldaten zu den einheimischen Mädchen sagten: „Visitez ma tente!" („Besuch mich in meinem Zelt!") und die „kölschen" Mütter daraufhin, wenn ihre Töchter unterwegs waren, gesagt hätten: „Maach kein Fisematente!", ist wohl nur eine nette Anekdote.

Kölsche Literatur und Musik

Als Beispiel für kölsche Heimatdichter wird Willi Ostermann angegeben, der mit Oden , Liedern und Gedichten an seine Heimatstadt ein reiches mundartliches Erbe hinterlassen hat. Dieses wurde von der Familie Millowitsch fortgeführt, die im 19. Jahrhundert ein Puppentheater führte, aus dem sich die heutige Volksbühne entwickelt hat.

Bekannte Mundartautoren wie Hanns Georg Braun, Peter Berchem, Goswin Peter Gath, Wilhelm Schneider-Clauß, Johannes Theodor Kuhlemann, Anton Stille, Suitbert Heimbach, Wilhelm Räderscheidt , Max Meurer, Laurenz Kiesgen und unzählige mehr haben schon früh das Kölsche als Schriftsprache gefördert.

Durch die Entstehung des Karnevals hat sich im Kölner Raum insbesondere das Liedgut sehr selbständig entwickelt. Einige Bands, die durch den Karneval bekannt wurden, sind die Bläck Fööss, Höhner, Räuber und Paveier. Daneben hat sich auch die auf kölsch gehaltene, karnevalistische Büttenrede als volksnahe Kunstform etabliert.

Zunehmend spielt auch nicht-karnevalistische Musik eine Rolle in Köln. Bekanntestes Beispiel sind BAP, die bisweilen sogar ausgesprochen karnevalsfeindlich aufgetreten sind („Nit für Kooche", 1982). Verständlich sind solche Bestrebungen, wenn man berücksichtigt, dass der traditionelle Karneval von der zunehmend aufgeklärten, alternativen bzw. linken bürgerlich-liberalen Gesellschaft als verstaubte Tradition empfunden wird. Auch die Gruppe Brings war ursprünglich eine Kölschrock-Band, die jedoch immer näher an den Karneval heran rückt, der für das wirtschaftliche Überleben vieler Künstler eine entscheidende Rolle spielt. Andere Gruppierungen haben sich von Anfang an unabhängig vom Karneval entwickelt, zum Beispiel die Zeltinger Band , die ihre Rolle im Underground-Milieu von Anfang an wahrgenommen hat.

Gleiches kann von der Kabarettszene behauptet werden. Konrad Beikircher (dessen leicht als nicht rheinisch erkennbarer Ideolekt bönnschen Einfluß verrät), belegt eigene Themen zum Wesen des Rheinländers an sich. Jürgen Becker ist als Miturheber der Stunksitzung bekannt, die ein Gegenentwurf zu den offiziellen karnevalistischen Prunksitzungen war, verfolgt aber auch nicht-karnevalistische Programme. Der Sänger und Schauspieler Gerd Köster hat mit dem Projekt „The Piano has been drinking" Aufsehen erregt, als er Lieder von Tom Waits kölsch vertextete.

Sowohl karnevalistische, nicht-karnevalistische, als auch klar anti-karnevalistische Literatur und Musik sind gleichwohl kulturelle Exportschlager Kölns, die auch außerhalb der Region reges Interesse wecken und dem Kölschen unter den deutschen Dialekten zu einem ungewöhnlich guten Ruf verholfen haben.

Sprachliche Merkmale

Zur Verdeutlichung der Aussprache soll hier die Umschrift verwendet werden, die die Buchstaben des Alphabets verwendet. Einige Gesetzmäßigkeiten im Vergleich zum heutigen Hochdeutschen können für das Kölsche grob angegeben werden:

Vokale

Diphthonge „ei", „au", „eu" etc. werden im Kölschen entweder zu einem Einzelvokal zusammen gezogen. Beispiele: Eis > íes, aus > us, Leute > Lück, feiern > fiere. „-ein" wird oft zu „-ing" umgebildet, zum Beispiel: Rhein > Rhing, mein > ming. Oder sie werden anders gesprochen, "verfärben" sich: der Bau > dä Bau (ausgesprochen: 'bou', wie das englische 'bow', jedoch deutlich länger), träumen > dräume (ausgesprochen 'dröüme'). In sehr seltenen Fällen werden Diphthonge wie im Hochdeutschen ausgesprochen: Schnaps > Schabau (sprich: 'au').

Es gibt auf der anderen Seite aber auch Diphthongierung im Kölschen, d.h. dass ein einzelner Vokal des deutschen Wortes im Kölschen zum Diphthong wird, z. B. Ruhe > Rauh (sprich: 'ou'), Schnee > Schnei (sprich: 'ei'), Soße > Zauß (sprich: 'au'), flöten > fleute (sprich: 'öü'), schief > scheiv (sprich: 'ei') spritzen > spreuze (sprich: 'öü'), Spucke > Späu (sprich: 'öü').

Die Lautfärbung wechselt mitunter z.B. von u zu o (Lust > Loss) oder von a zu o (Schlaf > Schlof). Die Vokale o und e haben eine besondere Stellung. Gibt es im Deutschen nur zwei Varianten, ein o auszusprechen, nämlich geschlossen und lang (Boot, schonen) oder offen und kurz (Sommer, noch), so gibt es im Kölschen zusätzlich die jeweils andere Kombination: geschlossen und kurz (Botz = Hose, Fott = Gesäß) sowie offen und lang (Zoot = Sorte, Krom = Kram). Auch bei e gibt es neben der deutschen Variante lang (Besen, Weg) die kurze geschlossene Alternative (Kess = Kiste, nemme = nehmen)

Einen merklichen Teil der vom heutigen Hochdeutschen abweichenden Lautfärbungen teilt das Kölsche mehr oder weniger ausgeprägt mit einer ausgedehnten Sprachregion entlang des Rheines. Beispielsweise beobachtet man, waschen, Waschmaschine > wäsche, Wäsch_Maschien, überall zwischen etwa Kaiserlautern und Niederrhein.

Die Länge der Vokale schwankt. Manche kurzen Vokale im Deutschen werden im Kölschen lang: machen > maache, Dach > Daach. Umgekehrt werden lange Vokale im Deutschen im Kölschen kurz: geben > gevve. Manchmal bleibt die Länge: Tag > Dach.

Konsonanten

Besonders im Auslaut ist das l dunkel gefärbt (Fachausdruck: uvularisiert, ähnlich dem Englischen l in "well").

Das „ich“-ch scheint für ungeübte Ohren zu sch zu werden: isch, wischtisch, Bööscher. Tatsächlich aber handelt es sich beim kölschen „Ich-Laut“ um eine deutlich unterscheidbare Variante des Sch, die bei gleicher Artikulationsstelle mit entrundeten Lippen gesprochen wird, ebenso wie das englische Pendant mit entrundeten Lippen gesprochen wird. Es handelt sich also für Nicht-Kölner um Allophone , während es sich für den (echten) Kölner um zwei unterschiedliche Phoneme zu handeln scheint. Die häufiger zu beobachtende Tatsache, dass Kölner im Hochdeutschen statt eines „sch“ ein „ch“ sprechen („Tich“ statt „Tisch“, „Fich“ statt „Fisch“ usw.) ist jedoch kein Ausdruck des Unterschieds zwischen kölschem Ich-Laut und hochdeutschem „sch“, sondern eher als Hyperkorrektismus zu werten. Verstärkt oder provoziert wird/wurde dieser vermutlich angrenzende Dialekte (Bönnsch, Bergisch , z.T. Siegerländisch), die im Vergleich zum Hochdeutschen eine Umlautung hin zum „ich“-ch haben.

Wenn auch der klare phonetische Unterschied für die Wortunterscheidung (Pech - Pesch) praktisch keine Rolle spielt, sollte er sich um der Erkennbarkeit der Wörter willen und aus etymologischen Gründen auch im Schriftbild wiederfinden. Eine scheinbar lautgerechte Schreibweise mit sch stört den Lesefluss empfindlich. Für diesen Laut ist kein spezielles Zeichen in der IPA-Lautschrift festgelegt. Nach den alten IPA-Empfehlungen von 1949 hätte sich "£" angeboten. In neueren Veröffentlichungen findet man am ehesten [ ɕ ] ( Unicode : U+0255).

Anlautendes g wird immer wie j gesprochen Gold > Gold (jolt, mit geschlossenem o), auch vor Konsonanten: Glück > Glöck (jlök, mit geschlossenem ö), Gruß > Groß (jroos), ebenso am Silbenanfang nach hellen Vokalen sowie l und r: fliegen > fleege (fleeje), Morgen > Morge (morje, mit geschlossenem o), Galgen > Galge (jalje). Nach dunklen Vokalen wird es in der Regel wie r ausgesprochen: Magen > Mage (maare).

Auslautendes g wird ausgesprochen wie ch (Ach-Laut), nach hellen Vokalen wie ch (ich-Laut, kölsch gesprochen): Zug > Zog (zoch, mit geschlossenem o), Schlag > Schlag (schlaach); ewig > iwig (iewish).

Intervokalisches oder auslautendes b wird zu v: geben > gevve (jevve, geschlossenes e), bleibt > bliev (blief, bliif), ab > av (aff).

Anlautendes t wird öfters zu d: Tisch > Desch (desch, geschlossenes e), tun > dun (dun), Traum > Draum (droum).

Anlautendes s wird teilweise zu z: Suppe > Zupp (tßup), Soße > Zauß (tßauß).

-eit oder -eid wird im Kölschen mitunter zu -igg: schneiden > schnigge, weit < wigg, Zeit > Zigg. Kann man das Wort nicht erweitern, wird es am Wortende zu ck, Leute > Lück. (vgl. wigg, wigger oder Zigg, Zigge)

pf ist im Kölschen nie entstanden, statt dessen wird immer das sprachgeschichtlich ältere p gesprochen: Pferd > Pääd (päät), Pfeife > Pief, Schnupfen > Schnups oder Schnuppe. (Dies ist einer der Bereiche, in dem das Kölsch wie alle Ripuarischen Sprachen, dem Niederdeutschen bis heute näher geblieben ist als dem sich entwickelnden Hochdeutschen)

Tritt r vor anderen Konsonanten auf, wird im Kölschen der Vokal verlängert: Garten > Gaade (jaade), Karte > Kaat, gern > gään (jään), Durst > Doosch.

Sprachverlauf

Endungen (-e, -n, -t) werden meist getilgt: Woche > Woch, Mädchen > Mädche, Maacht > Maach.

Das Ineinandergreifen von Wörtern, die wie bei der französischen Liaison zusammen gezogen werden, kommt häufig vor. Beispiel: "Räum den Tisch ab" wird zu "Rüüm der Desch av", wobei das -sch weich/Stimmhaft wird (wie in Journal) und in den Anfangsvokal hinein fließt, wenn die Betonung in diesm Satz auf dem "Tisch" liegt. Der bekannte Satz aus dem so genannten Kölner Grundgesetz "Et es, wie et es" (Es ist, wie es ist) verweicht das -t fast zu -d, so dass die Liaison besser funktioniert (etwa: "eddés, wie-eddés", alternative Schreibweise: ed_eß wi_ed_eß). Wie im Französischen können Wortanteile in der Liaison fortfallen oder abgeändert werden: "lo'mer" entspricht "loss mer", "so'mer" "solle mer?" (Lass uns... Sollen wir?) Insbesondere beim Schnellsprechen können ganze Silben zu einem fast unhörbaren Laut verschmelzen oder ganz verschwinden: ein "Krissenit!" für "[Dat] Kriss de nit!" (Das bekommst du nicht!) benötigt weniger Zeit, als das entfallene "Dat", die beiden i-Laute sind extrem kurz, das e fast nicht hörbar.

Um den Wortfluss zu vereinfachen, wird einem Wort manchmal ein e vorangestellt: so > esu, rauf > erop, runter > erunger/erunder/erav. Anders als in vielen anderen Sprachen (beispielsweise im Japanischen, Italienischen, Französischen und Spanischen) hat das jedoch nichts damit zu tun, dass es etwa als schwierig empfunden würde, Worte ohne diesen Anlaut auszusprechen. Im Gegenteil, es ist eine vielfach dem Sprecher überlassene Option. Gelegentlich kann die Bedeutung eines Wortes von der Betonung im Satz abhängen: "Dat hät dä (e)su gesaht" > "Das hat er ausdrücklich/wörtlich gesagt", dagegen "Dat hät dä (e)su gesaht" > "Das hat er (wohl) so dahergeplappert". Die Sprachmelodie ist ausgeprägter als beim Standarddeutschen. Bei Fragen wird zum Beispiel die vorletzte Silbe weiter in der Tonlage herab gezogen, während die letzte Silbe sehr viel höher geht, bevor sie wieder etwas abfällt. Wesentlich mehr als im Hochdeutschen werden Modalitäten und Nuancen der Bedeutung (bis hin zum Gegenteil!) über veränderte Betonung, zusätzliche Vokaldehnungen und Wechsel der Stimmlage transportiert. Dazu kommt die sogenannte Schärfung. Dieses Intonationsphänomen teilt das Kölsche mit mehreren anderen "West-Sprachen" wie Eifeler Platt, Luxemburgisch, Niederrheinisch und Limburgisch (letzteres in den Niederlanden, Belgien und im Selfkant). Die Schärfung ist eine besondere Art der Wortbetonung: Der Stimmton sackt dabei sehr schnell ab, mitunter so stark, dass er für einen Sekundenbruchteil unhörbar wird. Ohne Schärfung geht der Stimmton nur andeutungsweise nach unten und kehrt sofort wieder nach oben zurück. Die Schärfung ist hin und wieder sogar bedeutungsunterscheidend: "schlääch" (schlääch) ohne Schärfung bedeutet "schlecht", "Schläg" (schlääch) mit Schärfung bedeutet "Schläge". Die Überlagerung von Wortmelodie und Satzmelodie verleiht dem Kölschen seinen typischen "Singsang".

Grammatik

Das Kölsche ist geprägt von einer Reihe grammatischer Vereinfachungen im Vergleich zum (historischen) Hochdeutschen. Beispielsweise existiert kein Genitiv . Besitzanzeigende Fälle werden mit Dativ und angehängtem Possessivpronomen gebildet: Das Haus meines Bruders > Mingem Broder sing Huus oder Mingem Broder si Huus. Das ist seins > Dat es däm et sing. Der 1. Fall Nominativ und der 4. Fall Akkusativ sind immer identisch: Der Winter kommt. > Der Winter kütt. Ich spüre den Winter. > Ich spöre der Winter.

Der Infinitiv endet, außer bei einigen unregelmäßigen Verben, auf e: setzen > setze, fummeln > fummele, ärgern > ärgere, aber: stehen > stonn, gehen > gonn, tun > dun.

Die Konjugation ist häufig vereinfacht, indem 1. und 3. Person Plural mit der 1. Person Singular zusammenfallen: Ich gehe, wir gehen, sie gehen > ich jonn, mer jonn, se jonn.

Personalpronomen und personenbezogene Artikel reduzieren sich auf die männliche und die sächliche Form: die Kleine > dat Klein; Darf sie das? > Darf dat dat? Es sei denn, man spricht von einer Person, die man siezt: Frau Schmitz > die Schmitzens; Kommt sie auch? > Kütt die och?

Die Vergangenheitsform wird im mündlichen Sprachgebrauch außer bei Hilfsverben oft durch das Perfekt ersetzt: Ich ging > Ich ben gegange. Diese Entwicklung zur Vernachlässigung der einfachen Vergangenheit ist auch in der allgemeinen deutschen Umgangssprache zu beobachten. Endet das Partizip auf mehreren Konsonanten, wird in der Regel eine leichter aussprechbare Sonderform gebildet: gelegt > gelaht, gemacht > gemaht, versucht > versok. Eine Besonderheit ist ein im Hochdeutschen unbekannter Reflexiv , der zur Verdeutlichung bestimmter Tätigkeiten verwendet wird: Er hat ein Brötchen gegessen > Dä hat sich e Brüdche gegesse.

Das Kölsche kennt das Gerundium , die sogenannte Rheinische Verlaufsform. Er schläft gerade. > Hä es am Schlofe.

Für fortlaufende Handlungen oder Zustände wird tun+Infinitiv verwendet: Er kocht gerne. > Hä deit gään koche. Die Pluralbildung erfolgt häufig durch -e: Das Ding, die Dinger > dat Ding, die Dingere.

Verkleinerungsformen sind häufig anzutreffen und werden im Singular mit -che gebildet, je nach vorangehendem Laut aber unterschiedlich gesprochen: Wägelchen > Wägelche (wääjelche), Tässchen > Tässche (tässje). Im Plural wird ein r angehängt: Leutchen > Lückcher.

Kölsche Vokabeln

Was das Erlernen des kölschen Dialektes erschwert, sind die Sondervokabeln, die nieder- und hochdeutsche, aber auch französische, holländische und spanische Einflüsse aufweisen. Einige Vokabeln werden nur im Kölner Raum verwendet und stehen als isolierte Wörter, die kein anderer Dialekt aufweist. Diese werden allerdings im allgemeinen Sprachgebrauch zunehmend weniger. Beispiele für Vokabeln sind:

Hochdeutsch Kölsch Anmerkung
Abstellraum, bzw. winziges Zimmer, Klause Kabuff, Kabüffche
Affe Aap (wie im Niederdeutschen) siehe auch: Müllers Aap
Angsthase Bangendresser
ansehnlich, stattlich staats (häufige Redensart "staatse Käl" - stattlicher Kerl, toller Typ)
arbeiten, hantieren brasele
Ärger, Stress, Arbeit Brasel
'aus dem Stegreif',
'aus der Hüfte geschossen'
us der Lamäng (von frz. la main = die Hand)
Bierkellner Köbes ("Jakob", der Ober im rheinischen Brauhaus, typischerweise mit blauer Schürze)
Blutwurst Flönz Siehe auch [1] und [2] .
Butterbrot Botteramm (vgl. im Niederländischen boterham)
Dummkopf Blötschkopp, Doll, Doof, Jeck, Tünnes, Tring, Verdötschte u.v.a.m. je nach Situation
Drachen Pattevu(e)l
drücken/ziehen däue/trecke (hat Entsprechungen im Niederdeutschen)
Eisbein, Schweinshaxe Hämmche
Erbse Ääz
erzählen verzälle (hat Entsprechungen im Vorderpfälzischen verzehlen und Niederdeutschen, ndl. vertellen, engl. to tell)
etwas jet
Faxen, Getue, Sich-Anstellen Fisematente, Fisematentcher (nur Pl.) Fisimatenten
Flirt Fisternöll, Höggelsche
Geizhals Mömmesfresser Jemand der nichts verkommen lässt (=Popelesser)
Gepäck, auch: Sippschaft, Verwandtschaft Bajasch / Bagage (von frz. bagage)
Hintern, Po, Gesäß Fott (hat Entsprechungen im Alemannischen )
Hose Botz (hat Entsprechungen in anderen Regiolekten , vgl. Ruhrgebietssprache "Buxe", Norddeutsch "Büx", "Büxen")
Kind, Kinder Panz, Pänz
(sterbens-)krank aussehen beripsch ussinn (entstanden aus der Abkürzung: RIP , aus dem lat.: Ruhe in Frieden, was oft auf Grabsteinen zu finden ist)
Kuss, Küsschen Butz, Bützche
nackt, bloß bläck
nervös, unruhig iggelig (vgl. Niederl. "iebelig")
oben bovve (hat Entsprechungen im Niederdeutschen, vgl. ndl. boven)
Oberbett (genauer: Federbett) Plümmo (von frz. plumeau, dort heute anders belegt)
oder ov (entspricht dem Niederdeutschen, vgl. ndl. of; im südlichen Umland ist 'ov' bereits unbekannt)
Ostdeutscher (abfällige Bezeichnung für Saisonarbeiter aus dem Osten Ende des 19. Jahrhunderts, heute: Mensch, der die Kölner Mentalität nicht verinnerlicht hat) Pimmock
Pellkartoffel Quellmann, Quallmann
Zwiebel Öllig
reden, quatschen/sich unterhalten, sprechen kalle, klaafe, schwaade ('Schwaade' kann i.a.R. nicht mit 'Schwätzen' übersetzt werden, auch wenn beide Worte verwandt sind)
Regenschirm Paraplü (frz. Lehnwort)
Brunnen Pütz (vgl. im Niederländischen put)
reisen, sich fortbewegen jöcke
rothaarig fussig
Rotkehlchen Rähnvü(ge)lche (wörtl. "Regenvöglein")
Schmutz, Streit Knies
Schnaps Schabau
schon, bereits, eben ald (in verkürzter Redeweise auch ad)
schon(ein)mal, (ein)mal ens (gleicher etymologischer Stamm, wie Hochdeutsch: "einst". Vergleiche: niederl.: eens = "(ein)mal, einst")
Schrank Schaaf (wie Moselfränkisch, vgl. ndl. und Norddeutsch " Schapp ")
Senf Mostert (von frz. moutard, auch am Niederrhein verbreitet, niederl.: mosterd)
Spatz Mösch (von frz. mouche, dort ursprünglich für beide Begriffe belegt, niederl.: mus)
Stroh Strüh
Onkel Ühm (z.T. regional verblassend, mhd. Entsprechung zu Uhme, Oheim anderer Dialekte, niederl.: oom.)
unterwegs, auf Tour, auf Reisen, auf Achse op Jöck
Verhältnis, Liebschaft Fisternöll
verrückt jeck (häufig anzutreffen, wohl wegen der Karnevalsjecken), niederl.: gek
Vetternwirtschaft, Nepotismus , "Filz" Klüngel (eigentlich Knäuel, vgl. Kölscher Klüngel)
Wahlkölner Imi von imiteete Kölsche = nachgemachter Kölner
Es gibt Wörter ohne geeignete Entsprechung im Hochdeutschen:
Auseinandersetzung, Streit, Darlegung, Disput, Krach, Wortgefecht, Erklärung Explezeer (von frz. explicer)
- stievstaatsDiese Kombination von staats = herrlich, stattlich, 'aufgemotzt' mit stiev = steif, unbeweglich, bewegungslos/tot, höhergestellt, unpersönlich/förmlich, aber auch 'dermaßen betrunken, daß er/sie nicht mehr zu einer Bewegung des Einknickens fähig ist und daher lang ausgestreckt umfällt' dürfte auf das Exerzieren und Paradieren der preußischen Rheinarmee zurückgehen, die die napoleonische Besatzung in Köln ablöste.
- KrankölligBeschreibung eines Menschen, dem es gesundheitlich schlecht geht, wörtlich: kranke Zwiebel.
Stadtteil, Revier, Kontaktbereich, Sozial-/Wohnumfeld Veedel (von Stadtviertel) Das Berlinerische " Kiez " kommt dem "Veedel" relativ nahe.
Verdickung, Ansammlung, Kollektiv/Brigade, Stau, Menge/Anzahl KnubbelAlle genannten Worte sind wenig trefffende mögliche Übersetzungen durch einen Oberbegriff. Die Liste der spezifischen Übersetzungen dürfte mehrere hundert Worte umfassen. Dazu kommen noch etliche Bildungen, wie etwas 'im Knubbel', also gemeinsam, zu tun. 'Gemeinsam' hat so z.B. keine direkte Entsprechung in Kölsch.
Delle, Faulstelle, Fehler/Sinnlosigkeit Blötsch (Lautmalerisch) Unter anderem das Gegenteil von einem Knubbel. (vgl. Niederl. "bluts")
dumm, eingedrückt, zerdellt blötschig
reflektiert werden, (zurück)springen, hüpfen, (an)stupsen, stoßen, schlagen titsche (Lautmalerisch)
Delle, Beschädigung, Ab- oder Eindruck, Loch bzw. großer Kratzer Katsch (Lautmalerisch) Ein Katsch ist alles Genannte zugleich.
Riss Ratsch (Lautmalerisch)
-
-
knibbele
piddele
Beide nahe dem Ruhrsprachlichen, West- und Ostfälischen prokeln aber jeweils viel spezifischer, teilweise überlappend mit dem Hochdeutschen kratzen, jedoch spezifischer, erst recht als das Umgangssprachliche fummeln
Manche Worte werden aus ursprünglichen Umschreibungen geboren:
Akkordeon Quetschebüggel, Quetsch (wörtlich: (Zweiseiten-)Drückbeutel, "Quetschbeutel" wäre ein falscher Freund )
Bett Lappekess (von Lappen- (oder Tücher-) Kiste)
Fotoapparat Knipser
Geizhals Kniesbüggel, Knieskopp
Pilz Jüddefleisch (eigentlich "Judenfleisch", wird heute nicht mehr gebraucht)
Andere Vokabeln sind aus mittlerweile wenig gebräuchlichen oder anders belegten Synonymen entstanden:
Bürgersteig Trottewar / Trottoir (Trottoir, frz. Lehnwort, auch in anderen westdeutschen Dialekten verbreitet)
Dachstuhl, Dachboden, Dachbereich Läuv (von Laube)
Schmerz Ping (von Pein)
Streichholz, -hölzer Schwävelche, Schwävele (von Schwefelholz, ältere Bezeichnung für Zündhölzer)
Tür, Tor Pooz (von Pforte, vgl. Niederl. "poort") Das hochdeutsche 'Pforte' heißt heute in Kölsch 'Pöözje' oder 'Enjang' und kann nur in seltenen Fällen mit 'Pooz' übersetzt werden.
umarmen dröcke (von an sich drücken) nicht zu verwechseln mit hochdeutsch drücken = kölsch deue
weg fott (von fort)
weinen kriesche (verwandt mit "kreischen", vgl. engl. to cry)
Wieder andere Vokabeln entstammen der allgemeinen Umgangssprache:
Auto Kess (von Kiste)
Fernsehapparat Kess (von Kiste)
Glück, glücklich Jlöck, jlöcklich
(heraus-/auseinander-)klamüsern (erus-/usenander)klamüsere (Herausfinden durch angestrengtes Überlegen, mühsam zurechtfummeln)
schief, scheel schääl (scheel -schielend- wie das bekannte Kölner Original Schäl , vgl. Schäl Sick)
Verkaufsstelle, (Zeitungs)Kiosk Büdche(entspricht der ruhrsprachlichen 'Bude' iSv 'Trinkhalle')
Wohnung (auch) Bud (von Bude)

Wortbildung

Die Kölsche Sprache ist eine sehr reichhaltige Sprache, das betrifft auch ihre Wortbildungen. Sie übertrifft wie überhaupt fast alle deutschen Mundarten das Deutsche - weltweit eine der wortreichsten Sprachen - in einigen Lebensbereichen um ein Vielfaches. Es ist auf Kölsch leicht, neue Wörter bedarfsgerecht zu erfinden, das geschieht im täglichen Sprachgebrauch. Es gibt z.B. etliche Dutzend Schimpfworte und Unfreundlichkeiten, die man sich im Streit sagen kann, hunderte weiterer Worte, die Verhältnisse, Verhalten oder Eigenschaften von Menschen charakterisieren. Kombiniert ergibt das einige hundertausend Worte für Streitfälle oder um übereinander herzuziehen. Liebevoll-spöttisch sagen die Sprecher des Kölschen dazu, die brauche man auch, man wolle sich wenigstens ein Leben lang streiten können, ohne daß einem die Worte ausgehen.

Literatur

  • Bhatt, Christa & Alice Herrwegen: Das Kölsche Wörterbuch. Bachem-Verlag Köln. 2. Auflage, 2005. ISBN 3-7616-1942-1
  • Bhatt, Christa: Kölsche Schreibregeln. Bachem-Verlag Köln. 1. Auflage, 2002. ISBN 3-7616-1605-8 .
  • Heike, Georg: Zur Phonologie der Stadtkölner Mundart (Deutsche Dialektgeographie Band 57), Marburg 1964
  • Hirschberg, Martin & Hochhaus, Klaus: Kölsch för anzelore, Lütgen, Frechen, 1990, ISBN 3980257304
  • Lützeler, Heinrich: Philosophie des Kölner Humors, Peters-Verlag, Hanau/Main 1954
  • Tiling-Herrwegen, Alice: De kölsche Sproch, Kurzgrammatik Kölsch-Deutsch. Bachem-Verlag Köln. 1. Auflage, 2002. ISBN 3-7616-1604-X
  • Wrede, Adam: Neuer Kölnischer Sprachschatz. 3 Bände mit 1168 Seiten. Greven Verlag Köln. 12. Auflage, 1999. ISBN 377430243-X
  • Resch, Helga & Bungter, Tobias: Sprachführer Kölsch (mit einer CD gesprochen von Tommy Engel ). Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln, 1. Auflage, 2004. ISBN 3-462-03557-6 .
  • Resch, Helga & Bungter, Tobias: Sprachführer Kölsch 2 - für Fortgeschrittene (mit einer CD gesprochen von Tommy Engel ). Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln, 1. Auflage, 2005. ISBN 3-462-03591-6 .

Weblinks

   
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