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Letzte Änderung für Artikel Landkreis Cuxhaven: 11.02.2006 15:10

Landkreis Cuxhaven

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Wappen Karte
Wappen des Landkreises Cuxhaven Lage des Landkreises Cuxhaven in Deutschland
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Verwaltungssitz : Cuxhaven
Fläche : 2.072,53 km²
Einwohner : 205.559 (30. September 2005)
Bevölkerungsdichte : 99 Einwohner je km²
Kreisschl√ľssel : 03 3 52
Kfz-Kennzeichen : CUX
Kreisgliederung: 58 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Vincent-L√ľbeck-Stra√üe 2
27474 Cuxhaven
Website : www.landkreis-cuxhaven.de
E-Mail-Adresse : info@landkreis-cuxhaven.de
Landrat : Kai-Uwe Bielefeld ( CDU )
Karte
Lage des Landkreises Cuxhaven in Niedersachsen

Der Landkreis Cuxhaven ist, gemessen an seiner Fl√§che, nicht nur einer der gr√∂√üten Landkreise von Niedersachsen, sondern im ganzen Bundesgebiet. Mit etwa 99 Einwohnern pro Quadratkilomter erreicht er jedoch nicht einmal die H√§lfte des Bundesdurchschnitts. Seine Lage im Verh√§ltnis zum restlichen Bundesgebiet charakterisiert sich als eine ausgepr√§gte Randlage, die durch die nat√ľrlichen Grenzen in der Elbe- und Weserm√ľndung zu den benachbarten Gebieten sogar noch verst√§rkt wird. Im M√ľndungsgebiet der Weser in die Nordsee ragt das Gebiet der kreisfreien Stadt Bremerhaven (Bundesland Bremen) in das Kreisgebiet. Die K√ľstenlinie verl√§uft zun√§chst in n√∂rdlicher Richtung und ab Cuxhaven in √∂stliche Richtung bis zur Grenze mit dem Landkreis Stade. Weitere benachbarte Landkreise sind im S√ľdosten der Landkreis Rotenburg (W√ľmme) und im S√ľden der Landkreis Osterholz.

Die Kreisstadt Cuxhaven stellt in diesem abgelegenen Gebiet dann noch einmal den mathematisch von allen anderen Punkten des Landkreises am weitesten entfernten Ort dar. Die Fläche der Stadt ist mit der Fläche Hannovers vergleichbar, ist aber nach der Einwohnerzahl nur der Mittelstadt-Kategorie zuzuordnen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Geologie

Den Untergrund im Gebiet des Landkreises bilden im Wesentlichen die Mor√§nen und Schmelzwasserablagerungen der Saale-Eiszeit , der vorletzten Vereisungsperiode des Pleistoz√§ns . Diese formen die sandigen R√ľcken der Geest mit ihren typischen Findlingen aus Granit und Gneis, wie die Nord-S√ľd verlaufenden H√∂henz√ľge der Wingst und des Westerberges, sowie der Hohen Lieth ( Wurster Heide ). Die Endmor√§nen der letzten Vereisung ( Weichsel-Eiszeit ) haben das Gebiet nicht mehr erreicht. Deshalb sind die Gel√§ndeformen hier sehr viel sanfter und flacher, als z.B. in der "Holsteinischen Schweiz".

Abgesehen von kleinen, umgelagerten Sedimentresten aus dem Terti√§r und Elster-Eiszeitlichem "Lauenburger Ton", finden sich nur noch bei Hemmoor √§ltere Gesteine: die wei√üe "Schreibkreide" aus der geologischen Formation Kreide . Es handelt sich um die selben Schichten, die auch die ber√ľhmten Kreidekliffs auf R√ľgen bilden. Bis zur Schlie√üung des Werks in Hemmoor wurden diese Gesteine zur Produktion von Portland-Zement abgebaut.

Mit Beginn des Holoz√§ns erfolgte durch das Abschmelzen der Gletscher ein deutlicher Meeresspiegel -Anstieg. Die k√ľstennahen Niederungen wurden √ľberflutet; in den Senken im Landesinneren, wie den Niederungen der Geeste, Lune und Drepte, bildeten sich wegen des gleichzeitig ansteigenden Grundwasserspiegels die ersten Niedermoore .

In der Hadler Bucht und in der Weserm√ľndung formten sich nun ausgedehnte Wattfl√§chen. Jedes Mal, wenn das Watt √ľbersp√ľlt wurde, fielen die im Seewasser mitgef√ľhrten Schwebstoffe aus und lagerten sich nach und nach in leicht erh√∂hten Marren, oder Platen ab. Aus diesen sandigen Schlickb√§nken bildeten sich die heutigen "Hochl√§nder", die Seemarschen Land Hadeln, Land Wursten und Landw√ľrden . Die Unterl√§ufe der heutigen Fl√ľsse Medem und Oste entwickelten sich aus Prielen im Watt.

In den Randgebieten zur Geest, die durch die Marren von der offenen See abgeschnitten waren, bildeten sich jedoch nur Brackwasser- und Flussmarschen, die heutigen "Sietländer" (von niederdeutsch: siet = niedrig), später auch Niedermoore.

In Niederungen mit besonders ung√ľnstigen Abflussverh√§ltnissen kam es sogar zur Bildung von Hochmooren , wie Ahlenmoor , Langes Moor, Hymenmoor und K√∂nigsmoor (Moor), mit Torfm√§chtigkeiten von zwei bis sechs Metern, stellenweise sogar bis zu acht Metern. Erst durch die neuzeitliche Kultivierung und Entw√§sserung wurde das Moorwachstum gestoppt. Die Torfmoose wurden zun√§chst durch Heide und Zwergstr√§ucher verdr√§ngt, diese dann durch Pfeifengras und Birken . Besonders im Ahlenmoor bem√ľht man sich heute aber wieder um die Wiedervern√§ssung und Renaturierung der Moorfl√§chen.

Abgesehen von anderen Gebieten an der deutschen Nordseek√ľste findet sich eine √§hnliche Verbindung von so unterschiedlichen Landschaften, wie Watt, Marsch, Moor und Geest wohl nur noch im Wash an der K√ľste von Lincolnshire und Norfolk (Gro√übritannien).

Wirtschaft

Wirtschaftliches Oberzentrum der Region und Sitz des zumindest f√ľr den S√ľdkreis zust√§ndigen Finanzamts "Weserm√ľnde" ist, wider Erwarten, nicht die Stadt Cuxhaven, sondern die zum Bundesland Bremen geh√∂rende Stadt Bremerhaven.

Landwirtschaft

√Ėkonomische Grundlage des Landkreises ist, wie seit Jahrhunderten, immer noch die Landwirtschaft, wenn sie auch durch den Strukturwandel der letzten Jahrzehnte stark an Bedeutung verloren hat. Im Jahr 1979 wirtschafteten im Landkreis noch insgesamt 5.167 Betriebe, 2001 nur noch 3.126, davon 65 % im Haupterwerb. Die Zahl der Betriebe nimmt weiterhin mit steigender Tendenz ab. Die frei werdenden Fl√§chen fallen in der Regel jedoch nicht brach, sondern werden meist vollst√§ndig von den verbleibenden H√∂fen √ľbernommen.

√úber 70 % des Kreisgebietes wird landwirtschaftlich genutzt (ca. 140.000 Hektar). Hiervon sind hinwiederum etwa 70 % Gr√ľnland und 30% Ackerland. Die Gr√ľnlandfl√§chen, mit Futterbau und Rindviehhaltung (85 % der Betriebe), dominieren in allen Moor- und Geestgebieten, aber besonders in der Marsch Landw√ľrden und im Hadelner Sietland. Auf der Geest wird die Landschaft zus√§tzlich von den ausgedehnten Forst- und Waldgebiete gepr√§gt. Von den 294.000 Rindern sind etwa 85.000 Milchk√ľhe. Diese stellen damit die Existenzgrundlage der meisten Bauern dar. Dennoch ist der Viehbesatz mit 1,53 Gro√üvieheinheiten je Hektar Landwirtschaftlicher Nutzfl√§che verh√§ltnism√§√üig niedrig, und den nat√ľrlichen Gegebenheiten angemessen. Die im Kreisgebiet gez√ľchteten Hochleistungstiere werden z.T. weltweit vermarktet.

Der spezialisierte Ackerbau (etwa 7 % der Betriebe), z.B. von verschiedenen Kohlsorten und anderen Gem√ľsesorten, sowie der Garten- und Obstbau (3,3 % der Betriebe), besonders von √Ąpfeln und Kirschen, konzentriert sich hingegen in den Marschgebieten (v.a. im Hadelner Hochland). Etwa 4,7 % der Betriebe (mit zunehmender Tendenz) widmen sich der Veredelung von Schweinen und Gefl√ľgel. In den Pferdezuchtvereinen Weserm√ľnde und Land Hadeln sind insgesamt 1.700 Zuchtstuten eingetragen. Auf Grund der Zuchtergebnisse genie√üen diese Vereine ein bundesweites Ansehen.

1999 arbeiteten noch etwa 10 % der Beschäftigten direkt in landwirtschaftlichen Betrieben, der größte Teil von ihnen als Familienarbeitskräfte. Die nachgelagerte Lebensmittelindustrie mit ihren Schlachthöfen, Molkereien, verarbeitenden Betrieben, Händlern, und weiteren Dienstleistungen, beschäftigt weitere 13 %.

Sonstiges

Wichtig ist außerdem der Tourismus, sowie die hafenassoziierten Dienstleistungen in Cuxhaven.

Verkehr

Durch das Kreisgebiet f√ľhrt die Autobahn A27 sowie die Eisenbahnen Bremen-Bremerhaven-Cuxhaven, Bremerhaven-Bremerv√∂rde-Hamburg ( EVB ) sowie Hamburg-Stade-Cuxhaven.

Geschichte

Zur Geschichte der Region vor 1866 siehe auch: Geschichte von Hadeln und Wursten.

1885 bis 1918

Kaiserreich

Nach einer fast zwei Jahrzehnte dauernden √úbergangsphase wurde in der preu√üischen Provinz Hannover, dem ehemaligen 1866 annektierten K√∂nigreich Hannover , am 1. April 1885 eine Kreisverfassung eingef√ľhrt. Die Kreise ersetzten die hannoverschen √Ąmter, die zum gro√üen Teil bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Rechtspflege verloren hatten. Von Ausnahmen abgesehen, hatten sie aber immer noch die gesamte √∂ffentliche Verwaltung in der unteren Instanz inne.

Der √úbergang wurde mit einiger R√ľcksicht auf √∂rtliche historische und landschaftliche Gegebenheiten vorgenommen. Der preu√üische Kreis Hadeln war z.B. identisch mit dem hannoverschen Amt Otterndorf vor 1866, das wiederum identisch mit dem lauenburgischen Land Hadeln vor 1689 war. Der Kreis Hadeln und der Kreis Lehe (im Kern das alte Land Wursten, Amt Dorum und der n√∂rdliche Teil des Amtes Lehe) waren zusammen praktisch deckungsgleich mit dem Gebiet des alten Archidiakonats Hadeln-Wursten vor der Reformation . Im Osten des heutigen Landkreises umfasste der Kreis Neuhaus an der Oste das Amt Neuhaus und das Amt Osten mit der B√∂rde Lamstedt (diese war bis 1859 Teil des Amtes Bremerv√∂rde gewesen). Im S√ľden wurde der Kreis Geestem√ľnde aus den s√ľdlichen Teilen des Amtes Lehe und dem gr√∂√üten Teil des bisherigen Amtes Hagen gebildet. Diese vier preu√üischen Kreise bilden zusammen mit dem hamburgischen Amt Ritzeb√ľttel, die Rechtsvorg√§nger des heutigen Landkreises Cuxhaven. Daneben blieb die vom Kreis Lehe umgebene bremische Exklave Bremerhaven bestehen, sowie die vom Kreis Geestem√ľnde umgebene oldenburgische Exklave Landw√ľrden .

Das Fort Kugelbake beherrscht die strategisch wichtige Landspitze an der Elb- und Weserm√ľndung bei D√∂se.
Das Fort Kugelbake beherrscht die strategisch wichtige Landspitze an der Elb- und Weserm√ľndung bei D√∂se.

Bereits 1872 war aus dem Flecken Ritzeb√ľttel und der Hafensiedlung Cuxhaven die Landgemeinde Cuxhaven gebildet worden. Mehr als die H√§lfte der Bev√∂lkerung lebte dort 1880 noch von der Landwirtschaft. Daneben war die Fischerei von wirtschaftlicher Bedeutung, sowie Marine-Einrichtungen und das schon 1816 gegr√ľndete Seebad. Auf der markanten Landspitze bei D√∂se war 1879 das "Fort Kugelbake" eingeweiht worden. Ansonsten bildete die Landwirtschaft ganz √ľberwiegend die wirtschaftliche Grundlage im heutigen Kreisgebiet.

Die preu√üischen Landr√§te waren "weisungsgebundene Ausf√ľhrungsorgane", v.a. mit Polizei- und Verwaltungsfunktionen. Erst seit 1920 gingen die vom Landrat geleiteten Kreisr√§te aus allgemeinen, geheimen, direkten und gleichen Wahlen hervor. Zuvor waren, nach ostelbischem Vorbild, nur die drei Wahlverb√§nde der gr√∂√üeren l√§ndlichen Grundbesitzer, der Landgemeinden und der St√§dte an der Wahl der Kreistagsmitglieder beteiligt gewesen. Eine politische Willensbekundung der restlichen (m√§nnlichen) Bev√∂lkerungsschichten fand somit praktisch nur in den Reichstagswahlen statt.

Erst relativ sp√§t (verglichen mit anderen Teilen des Deutschen Reichs ) wurde 1881 die Bahnlinie Harburg-Cuxhaven er√∂ffnet. Nochmals zehn Jahre sp√§ter die Linie Geestem√ľnde-Cuxhaven. Wie √ľberall erleichterten die Bahnlinien die industrielle Entwicklung der Region. Abgesehen von den Hafenorten Bremerhaven und Cuxhaven entwickelte sich auch in der Umgebung der Fabrik f√ľr Portland-Zement in Hemmoor eine neue gesellschaftliche Schicht von Industriearbeitern. Hier entwickelten sich beachtliche sozialdemokratische und gewerkschaftliche Aktivit√§ten, die auch unter den Landarbeitern Anklang fanden.

Kaiser Wilhelm II.
Kaiser Wilhelm II.

Im Jahr 1900 hielt Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven seine viel beachtete Hunnenrede . Im Ausland erweckte sie den verhängnisvollen Anschein despotischer Neigungen und kriegerischen Absichten des Herrschers.

1905 trat die Gemeinde und der Kreis Lehe ihre an die Weser grenzenden Gebiete an Bremerhaven ab, um die Erweiterung des dortigen Hafens zu ermöglichen. Nachdem im selben Jahr die Gemeinde Döse eingemeindet worden war, erhielt der Flecken Cuxhaven 1907 die Stadtrechte . Ein Jahr später wurde der Fischereihafen mit einem Großfischmarkt ausgestattet.

In den letzten Reichstagswahlen vor dem Ersten Weltkrieg erhielt die Sozialdemokratische Partei (SPD) 1912 fast ein Drittel der W√§hlerstimmen in der Provinz Hannover. Damit war sie mit Abstand die gr√∂√üte Partei im Land, was sich aber, wegen des preu√üischen Dreiklassenwahlrechts , nicht in entsprechenden Reichstags-Mandaten niederschlug. Im Elbe-Weser-Dreieck stimmten B√ľrger- und Bauerntum weitgehend f√ľr nationalliberale Repr√§sentanten des deutschen Staates. Dabei galt ihre Loyalit√§t eher dem Deutschen Reich, als dem K√∂nigreich Preu√üen. Die partikularistische antipreu√üische Welfenpartei , die eine R√ľckkehr der welfischen Monarchie anstrebte, fand zun√§chst kaum Anh√§nger. Ebenso wenig die katholische Zentrumspartei .

1913 erhielt die Gemeinde Geestem√ľnde, wegen ihrer zunehmenden Bedeutung als Handels- und Industrieplatz und ihres Fischereihafens, die Stadtrechte und wurde kreisfrei. Obwohl der gleichnamige Landkreis nun keinen Hauptort mehr hatte, verblieb die Verwaltung in der Stadt Geestem√ľnde. √Ąhnliche Bem√ľhungen um die Stadtrechte und die Kreisfreiheit in Lehe wurden durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erst einmal gestoppt.

In die Vorkriegszeit fallen auch die ersten Anf√§nge eines Fernsprechnetzes in der Region. Die Vortr√§ge von Ingenieuren der Firma 'Siemens' weckten erstes Interesse f√ľr die Elektrifizierung , selbst unter der skeptischen Landbev√∂lkerung. Aber noch um 1910 soll der Landrat von Neuhaus den motorisierten Stra√üenverkehr aus dem Kreis verbannt haben, weil die von ihm bevorzugten Reitpferde durch den L√§rm erschreckt wurden.

Erster Weltkrieg

Der Ausbruch des Krieges erweckte, wie im ganzen Deutschen Reich, und wie praktisch in allen anderen betroffenen Nationen, zun√§chst einen Rausch patriotischer Begeisterung. Nur wenige ahnten, dass sich das Ende einer Epoche vorbereitete. Viele Landbewohner wurden von den Ereignissen jedoch v√∂llig √ľberrascht und waren eher best√ľrzt. Sie befanden sich gerade mitten in den Erntearbeiten, die durch die pl√∂tzliche Einberufung von Reservisten empfindlich gest√∂rt wurden.

Die indirekten Folgen der Kriegshandlungen begannen sich bald auch im heutigen Kreisgebiet auszuwirken: Aus Furcht vor Spionen verst√§rkte man die Aufgebote von Wachleuten. Um eventuellen britischen Angreifern von See her keine Orientierungshilfe zu geben, entfernte man die Kirchturmspitze in Wremen. Au√üerdem verst√§rkte man die Befestigungen an den K√ľsten. Kreiskrankenh√§user wurden in Lazarette umgewandelt. Die bisherige "Jugendpflege" wandelte sich in eine Art paramilit√§rische Ausbildung. In der Landwirtschaft begannen bald die Arbeitskr√§fte zu fehlen. Der Wegebau und der Ausbau des elektrischen √úberland-Netzes geriet ins Stocken, und bald nach Beginn des Krieges wurde s√ľd√∂stlich von Wanna ein Lager f√ľr russische Kriegsgefangene errichtet, die bei der Urbarmachung des Ahlenmoores eingesetzt werden sollten. Die ersten Gefallenenmeldungen trafen ein.

Schon 1915 begann sich die Verknappung der Nahrungs- und Futtermitteln bemerkbar zu machen. In Friedenszeiten hatte man geglaubt, dass sich eventuelle Kriegsgegner niemals des v√∂lkerrechtlich verbotenen Mittels der Hungerblockade bedienen w√ľrden, und hatte deshalb keine Vorsorge getroffen. Die ersten Fl√ľchtlinge aus Ostpreu√üen wurden einquartiert. Ab August wurden den Bauern russische, franz√∂sische und belgische Kriegsgefangene zur Verf√ľgung gestellt, um die Feldarbeit zu erledigen. Abends wurden diese wieder in ihre bewachten Gemeinschaftsunterk√ľnfte gesperrt.

Im April 1916 erhielten alle Landr√§te des Regierungsbezirks Stade streng vertrauliche Rundschreiben: Wegen der "zahlreichen Verluste an Beamten der inneren und allgemeinen Staatsverwaltung", sowie aus "R√ľcksicht auf die Finanzlage des Staates" sollten sie sich Gedanken √ľber Einsparungsm√∂glichkeiten machen, besonders √ľber die Reduzierung der Landrats√§mter. Der Otterndorfer Landrat empfahl dazu die Zusammenlegung der Kreise Lehe und Geestem√ľnde, sowie die Zusammenlegung der Kreise Hadeln, Neuhaus und Kehdingen zu einem Kreis "Unterelbe", mit Verwaltungssitz in Neuhaus. Hierbei bef√ľrchtete er nur Schwierigkeiten mit der konservativen Welfenpartei. Diese besa√ü in Kehdingen einigen Einfluss, da es sich beim alten Land Kehdingen, im Gegensatz zum Land Hadeln, um altwelfische Gebiete handelte. Damals ist aus diesen Pl√§nen nichts geworden, aber in sp√§teren Zeiten wurden solche Ideen immer wieder einmal neu aufgegriffen.

Die Werften in Geestem√ľnde produzierten fast nur noch f√ľr den Kriegsbedarf, die Hochseefischerei kam in der minenverseuchten Nordsee praktisch zum Erliegen. Bereits im Dezember 1916 kam es in Lehe zu Pl√ľnderungen von B√§ckerl√§den. Steckr√ľben wurden zum Hauptnahrungsmittel. In den folgenden zwei Jahren nahmen die wirtschaftlichen und moralischen Verfallserscheinungen immer noch zu.

1918 bis 1933

Weimarer Republik

Meuternde Marinesoldaten am 6. 11. 1918.
Meuternde Marinesoldaten am 6. 11. 1918.

Das Kaiserreich endete im heutigen Kreisgebiet am 5. und 6. November 1918 . In Cuxhaven und in den Unterweserstädten bildeten sich revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte , ohne dass es zuvor zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen wäre. Überall hissten meuternde Marinesoldaten rote Fahnen auf den öffentlichen Gebäuden, und in Cuxhaven organisierten sie einen friedlichen Demonstrationszug mit tausenden von Teilnehmern. Von den Städten aus wurden auch in den ländlichen Gebieten revolutionäre Räte eingesetzt. Diese bestanden offiziell bis zu den Kreistagswahlen im Januar 1920 , waren aber de facto meist harmlos und wurden von den alten Kräften nur geduldet. Trotz der starken landwirtschaftlichen Prägung der Region saß z.B. in Hadeln kein einziger Bauer im Arbeiter- und Bauernrat . Auch in den Landratsämtern erfolgte kein personeller Wechsel; dennoch fand sich niemand mehr, der ernsthaft die Wiederherstellung der Monarchie betrieben hätte.

Am 11. Januar 1919 rief der mit der politischen Entwicklung in Berlin unzufriedene Arbeiter- und Soldatenrat die "Sozialistische Republik Cuxhaven" aus. Die Stadt sollte mit dem Amt Ritzeb√ľttel von Hamburg gel√∂st, und mit den Kreisen Hadeln und Neuhaus zu einer R√§terepublik vereinigt werden. Der Arbeiter- und Soldatenrat des Kreises Jork (Altes Land) bekundete seine Bereitschaft der "Republik" Cuxhaven beizutreten. Unter weniger revolution√§ren Vorzeichen erwogen aber auch andere Politiker und Kommunalbeamte die Zusammenlegung der Kreise Lehe und Geestem√ľnde mit Bremerhaven. Wieder blieben diese Pl√§ne folgenlos, denn als der Berliner Rat der Volksbeauftragten , also die amtierende sozialdemokratische Reichsregierung, die Unterweserorte milit√§risch besetzen lie√ü, und auch der "Republik" Cuxhaven mit dem Einsatz von Truppen drohte, wurde das revolution√§re Abenteuer nach sechs Tagen beendet.

Bis auf einige radikale Gruppen, wie den neu gegr√ľndeten Ortsverb√§nden der KPD , forderten fast alle politischen Richtungen die Einberufung einer Nationalversammlung. In den folgenden allgemeinen Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung, sowie auf Landes- Kreis- und Gemeindeebene, erhielt der Mehrheitsfl√ľgel der SPD ( MSPD ) im Amt Ritzeb√ľttel mehr als 50 % der g√ľltigen Stimmen. Im Hadler Hochland dominierte von nun an jedoch die konservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP), die besonders die Interessen der Gro√übauern vertrat. Die DNVP stand der Weimarer Republik gr√∂√ütenteils ablehnend gegen√ľber, und unterst√ľtzte den so genannten Kapp Putsch . Im Grunde w√ľnschte man sich die autorit√§ren Strukturen des Kaiserreichs zur√ľck, wenn auch nicht unbedingt den Kaiser. Im Otterndorfer Vorstand befanden sich mehrere h√∂here Beamte und ein einflussreicher Herausgeber der Lokalpresse. Im Hadler Sietland und in den anderen Kreisen erlangte andererseits bis 1928 die volkst√ľmlichere Deutsch-Hannoversche Partei (DHP) zunehmende Erfolge. Hierbei handelte es sich um die ebenfalls konservative, aber antipreu√üische Nachfolgerin der Welfenpartei. In dieser Partei, die besonders b√§uerliche und kleinhandwerkliche Schichten ansprach, fand sich aber auch ein vager, antisemitisch aufgeladener Groll gegen das liberal-kapitalistische Wirtschaftssystem, von dem sich viele benachteiligt f√ľhlten. So ergaben sich fast √ľberall b√ľrgerlich-b√§uerliche Dreiviertel-Mehrheiten gegen die schwache Opposition der SPD.

Der Kapp-Putsch in Berlin und die so genannten Lebensmittelunruhen in den Unterweserst√§dten sorgten im Fr√ľhjahr und Sommer 1920 f√ľr Aufregung.

Im selben Jahr wurde die Gemeinde Lehe aus ihrem Kreis ausgegliedert und erhielt die Stadtrechte, wie sie es schon lange angestrebt hatte. Der Kreis Geestem√ľnde musste die Gemeinde Wulsdorf an die Stadt Geestem√ľnde abgeben. Die verbliebenen Landkreise verloren auf diese Weise nat√ľrlich nicht nur einen gro√üen Teil ihrer Bev√∂lkerung, sondern auch einen guten Teil ihrer Wirtschaftskraft an die St√§dte. Die fast rein agrarischen Kreise Hadeln und Neuhaus hatten in den letzten Jahrzehnten, durch Auswanderung nach Amerika und Abwanderung in die St√§dte, ebenfalls merklich an Einwohnern verloren.

Erst 1921 wurden die letzten russischen Kriegsgefangenen in ihre Heimat entlassen.

Im Inflationsjahr 1923 gaben die Sparkassen Notgeldscheine heraus, deren Nennwerte bald astronomische Werte erreichten. Schließlich kam es, wie in ganz Deutschland, zu täglichen Lohnauszahlungen, und dem Otterndorfer Landrat wurden Dienstwohnungszuschläge in Millionen- später sogar Billionen-Prozent-Höhe abverlangt.

Gleich nach der Umstellung auf die Rentenmark , mit der der Schwindel erregende Währungsverfall endlich gestoppt werden konnte, erwuchsen den Marschenbauern, im Gegensatz zu denen auf der Geest, große Schwierigkeiten durch hohe Steuerforderungen. Die Finanzämter hatten u. a. die ständigen Deich- und Wasserlasten zu gering eingeschätzt. Die Verschuldung der Höfe wurde zusätzlich durch wachsende Lohnforderungen der Landarbeiter erhöht.

1924 wurden die St√§dte Lehe und Geestem√ľnde zur Stadt Weserm√ľnde zusammen geschlossen. Da Bremerhaven, wegen der weiter bestehenden Eigenstaatlichkeit Bremens, nicht mit einbezogen werden konnte, ergab sich ein recht merkw√ľrdiges Gebilde: die beiden Stadtteile ber√ľhrten sich kaum, und der Weg von einem zum anderen f√ľhrte durch das Territorium eines anderen Landes. Bis 1927 wurden auch noch Schiffdorfer Damm, Weddewarden und ein Teil von Langen eingemeindet, um das Stadtgebiet "abzurunden".

Bis zur Reichstagswahl 1928 war das Landratsamt in Otterndorf eine Dom√§ne der DNVP gewesen. Die Partei genoss lange Zeit die Unterst√ľtzung zahlreicher "nationaler" Gruppen, wie dem Frontsoldatenbund Stahlhelm , dem Bund Deutscher Osten und dem Bund der Landwirte (BdL), aber auch kirchlicher Gruppen, wie dem Evangelischen Bund . Viele der Mitglieder nahmen die Aktivit√§ten dieser Gruppen nur als unpolitische Traditionspflege wahr, aber tats√§chlich hatten sich einige von ihnen bereits zu radikalisieren begonnen, und entzogen der DNVP die Hilfe. Der BdL zum Beispiel, war schon aus den Zeiten des Ersten Weltkriegs f√ľr seinen kriegerischen Nationalismus , Ma√ülosigkeit in der Kriegszieldiskussion und Antisemitismus bekannt gewesen. Er sch√ľrte nun √Ąngste vor angeblichen Enteignungspl√§nen der SPD bei Grundbesitz √ľber 5 Hektar, forderte eine starke Landwirtschaft f√ľr ein "Volk ohne Raum", den Schutz der heimischen M√§rkte, sowie "R√ľstungsparit√§t" mit dem europ√§ischen Ausland.

Das Otterndorfer Sch√∂pfwerk verf√ľgte damals bereits √ľber die gr√∂√üte Kreiselpumpe Europas.
Das Otterndorfer Sch√∂pfwerk verf√ľgte damals bereits √ľber die gr√∂√üte Kreiselpumpe Europas.

Auf Grund der Abwanderung ihrer W√§hler zu solchen Splittergruppen, unter denen die NSDAP noch keine besondere Bedeutung erlangt hatte, verlor die DNVP in Hadeln die absolute Mehrheit. Durch die Umschichtungen zu Gunsten der SPD wurde nun Hinrich Wilhelm Kopf , ein Bauernsohn aus Neuenkirchen, Landrat in Otterndorf. Obwohl Kopf nur ein Jahrzehnt zuvor Mitglied des Cuxhavener Soldatenrats gewesen war, wurde er jetzt von seinem mehrheitlich konservativen Kreisrat einstimmig nominiert. In seiner Amtszeit wurden das Wester- und Osterende von Otterndorf zu Ortsteilen der Stadt. Vor allem wurde aber das gro√üe Sch√∂pfwerk an der M√ľndung der Medem und des Hadelner Kanals in Betrieb genommen. Den bisherigen, fast allj√§hrlichen √úberschwemmungen im Sietland wurde damit endlich ein Ende gesetzt.

Aufstieg des Nationalsozialismus

Im Laufe der Weltwirtschaftskrise von 1929 begannen die Preise f√ľr landwirtschaftliche Produkte zu verfallen. In den fr√ľhen 1930er Jahren nahmen die Verluste der landwirtschaftlichen Betriebe, besonders auf der Geest und im Sietland, schlie√ülich aber auch im Hochland, dramatisch zu. Die Massenarbeitslosigkeit in den St√§dten versch√§rfte das politische Klima zus√§tzlich.

Schon 1930 gelang der NSDAP der entscheidende Durchbruch: In Hadeln erlangte sie in den Kreiswahlen ca. 21 % der Stimmen, und wurde somit zur stärksten Partei neben der SPD. Besonders enttäuschte Marschenlandwirte hatten sich von der DNVP ab- und der NSDAP zugewandt. Unter den Landarbeitern in den Marschen legte jedoch die SPD weiter zu (ca. 35 % der Stimmen). Auf der Geest, oder im Sietland erlangte die SPD aber nur etwa 6 %, wohl weil dort der Standesunterschied zwischen Bauern und Knechten nie so ausgeprägt gewesen war. Die KPD blieb in den ländlichen Gebieten bedeutungslos.

1931 f√ľhrte ein katastrophal verregneter Sommer zum fast v√∂lligen Verlust der Ernte im Hadler Sietland. Viele Landwirte sahen sich pl√∂tzlich vom Ruin bedroht, da sie kurz zuvor, in Erwartung h√∂herer Ernteerl√∂se nach dem Bau des Sch√∂pfwerks, neue Kredite aufgenommen hatten. Statt staatlicher Hilfen trafen aber fast nur Nahrungs- und Futtermittel des "Stahlhelm" ein. Mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienst (in dem v. a. Arbeitslose aus den St√§dten Unterschlupf fanden) leistete der "Stahlhelm" au√üerdem schnelle Aufr√§umungs- Versorgungs- und Ausbesserungsarbeiten. Diese bewirkte einen enormen Prestigegewinn f√ľr die, mittlerweile vom "Stahlhelm" unterst√ľtzte, NSDAP. Daneben fand das Versprechen der NSDAP auf "Brechung der Zinsknechtschaft" ein offenes Ohr. Antisemitismus war bei der Wahlentscheidung f√ľr die NSDAP nur bedingt von Bedeutung. Erstens war die j√ľdische Bev√∂lkerung im heutigen Kreisgebiet ziemlich klein und wurde nicht als Bedrohung empfunden. Zweitens arbeiteten die meisten Juden als angesehene Viehh√§ndler, und nicht als verd√§chtige "Spekulanten", oder √§hnliches.

1932 wurden im Rahmen einer preu√üischen Verwaltungsreform, nicht ohne Widerst√§nde, die Kreise Hadeln und Neuhaus, erg√§nzt durch die Leher Gemeinde Altenwalde, zum Kreis Land Hadeln zusammen gefasst. Damit kamen Gebiete zusammen, die bis dahin eine durchaus unterschiedliche politische und gesellschaftliche Entwicklung durchgemacht hatten. Weder im Mittelalter, noch in der Neuzeit, war das Amt Neuhaus, oder die B√∂rde Lamstedt, jemals Teil der historischen Landschaft Hadeln gewesen. Ebenso wurden die Kreise Lehe und Geestem√ľnde zum Kreis Weserm√ľnde zusammengelegt. Dies war in so fern einfacher, da sich f√ľr die beiden Altkreise schon ein gemeinsames Oberzentrum gebildet hatte, n√§mlich die zusammenwachsenden St√§dte an der Geestem√ľndung (Bremerhaven). Ziel der Zusammenlegung waren dringend n√∂tige Haushaltseinsparungen.

Im Wahlkampf f√ľr die Reichstagswahlen 1932 stellten die verunsicherten b√ľrgerlichen Parteien weiterhin die (staatstragende) SPD als Feindbild hin. Sie imitierten dabei den erfolgreichen Agitationsstil der NSDAP und beschworen die Angst, dass Eigentum, Familie und Christentum auf dem Spiel st√ľnden. Diese Strategie erwies sich jedoch als kontraproduktiv, da sie die W√§hler dazu veranlasste doch gleich f√ľr das "Original" zu stimmen. Die NSDAP erlangte im neuen Kreis Weserm√ľnde die absolute Mehrheit; im Kreis Land Hadeln n√§herte sie sich der 50 %-Marke. Damit lag sie deutlich √ľber dem Reichsdurchschnitt.

Anders als in den turbulenten Zeiten zu Anfang der Weimarer Republik blieben dieses Mal drei der vier alten Landr√§te nicht mehr l√§nger im Amt, sondern wurden entweder bald versetzt oder in den Ruhestand geschickt. Nur der altgediente Dr. Walter zur Nieden blieb als Landrat des Kreises Weserm√ľnde bis 1935 im Amt. 1933 arbeitete er sogar f√ľr kurze Zeit als Chef der Gestapo im Regierungsbezirk Stade.

1933 bis 1945

Ausbau der nationalsozialistischen Herrschaft

Nach der " Machtergreifung " der NSDAP am 30. Januar 1933 wurden vor dem Otterndorfer Rathaus die Fahnen des "alten Regimes" verbrannt. Sofort begann man auch auf Kreisebene das Berufsbeamtentum von "fremdrassigen, ungeeigneten und politisch unzuverlässigen Elementen" zu säubern. Alle Beamten mussten von nun an einen Ariernachweis erbringen. Bis auf Gemeindeebene hinunter wurden "mit der Idee des Nationalsozialismus verwachsene Männer" eingesetzt.

Nach den ersten Kreiswahlen im M√§rz 1933 gab der Machtwechsel in der Bev√∂lkerung zun√§chst aber Anlass zu Hoffnung, Befriedigung und Erleichterung. Den verschuldeten Bauern griff man mit Steuererleichterungen, Umschuldungsaktionen, g√ľnstigen Krediten und gesicherten Erzeugerpreisen unter die Arme. Um die angestrebte Nahrungsmittel-Autarkie in Deutschland zu erreichen, kam es zu mehreren Anbauprogrammen, und zum Ausbau einer Einheits- und Zwangsorganisation. Der (seit 1935 nicht mehr freiwillige) Arbeitsdienst wurde beim Deichbau und Entw√§sserungsma√ünahmen eingesetzt. Staatliche R√ľstungsauftr√§ge, Kasernenbau, die Anlage von Flugpl√§tzen und Truppen√ľbungspl√§tzen sorgten bald f√ľr Vollbesch√§ftigung. Alle Arbeiter wurden zwangsweise in der Einheitsgewerkschaft Deutsche Arbeitsfront (DAF) organisiert. Die dabei rasch ansteigende Staatsverschuldung wurde zun√§chst kaum wahrgenommen.

Die Landkreise entwickelten sich im Laufe der "Gleichschaltung" immer mehr von kommunalen Einrichtungen zu staatlichen Beh√∂rden. Die Rolle der Kreistage wurde bald bedeutungslos und die gesamte Verantwortung lag bei der Person des Landrats. Andererseits herrschte zwischen den staatlichen und den Parteiorganen oft ein (von Adolf Hitler offenbar gewolltes) Kompetenz-Wirrwarr. Bei strittigen Fragen konnte dann immer nur die jeweils h√∂here Instanz, letztendlich nur der "F√ľhrer", endg√ľltige Entscheidungen treffen.

Nachdem 1935 die Orte Groden, Wester- und S√ľderwisch, Stickenb√ľttel, Duhnen, Neuwerk und Teile von Sahlenburg der Stadt Cuxhaven eingemeindet worden waren, erfolgte 1937 eine weitere gro√üe Gebietsreform. Im Rahmen des Gro√ü-Hamburg-Gesetz kam es zum Austausch von preu√üischen und hamburgischen Gebieten. Cuxhaven wurde damit preu√üisch und kreisfrei. Das vorher zu Cuxhaven geh√∂rige Amt Ritzeb√ľttel fiel an den Kreis Land Hadeln.

Andererseits wurde 1939 auch die Stadt Bremerhaven preu√üisch und wurde der Stadt Weserm√ľnde angegliedert, die damit zu einer Gro√üstadt mit mehr als 100 000 Einwohnern wurde. Sehr zum Missfallen der Weserm√ľnder verblieb aber das eigentliche Hafengel√§nde weiterhin bei Bremen. Die oldenburgsche Exklave Landw√ľrden wurde nicht angetastet.

Zweiter Weltkrieg

Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg hielt sich bei Ausbruch des Zweiten die Begeisterung in Grenzen. Jedoch waren die systematischen Kriegsvorbereitungen der letzten Jahre nicht wirkungslos geblieben. Von Beginn an gehörte die Verdunkelung (Abdunkeln von Fahrzeugscheinwerfern und Fenstern, Ausschalten der Straßenbeleuchtung) zum Alltag, um feindlichen Flugzeugen keine Ziele zu bieten.

Nach allerlei dienstlichen Schwierigkeiten und peinlichen Zwischenf√§llen nahm der Parteigenosse und SA -Angeh√∂rige Erich Hasse 1939 seinen Abschied als Landrat des Kreises Land Hadeln. Er wurde durch den kompetenten Verwaltungsjuristen Ernst Klemeyer ersetzt. Allerdings wurde dieser, wie viele andere Kreisbedienstete, bald zum Milit√§rdienst eingezogen und war in den folgenden Jahren kaum im Kreis anwesend. Um zu verhindern, dass der Landrat von Weserm√ľnde, der "Parteimann" Theodor Mahler , in dieser Zeit die Amtsgesch√§fte wahrn√§hme, √ľbertrug er dem Leiter der Bremerv√∂rdener Kreisverwaltung, Freiherr Schenck zu Schweinsberg die Vertretung. 1943 wurde letzterer durch den kriegsversehrten Regierungsrat Waldemar B√ľning ersetzt.

Ab 1942 wirkte sich das Kriegsgeschehen immer st√§rker auf die wirtschaftliche Lage aus: Lebensmittel, Haushaltsger√§te und Baustoffe waren f√ľr viele nur noch √ľber Bezugsscheine zu bekommen. Da viele Bauerns√∂hne zum Wehrdienst eingezogen wurden, und sehr viel √∂fter als im Ersten Weltkrieg, niemals wiederkehrten, mussten die H√∂fe von den zur√ľck gebliebenen Alten und Frauen bewirtschaftet werden. Die dabei eingesetzten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen wurden in der Regel menschlich behandelt, da man auf ihre Arbeitskraft angewiesen war. Es gab aber auch F√§lle von Misshandlungen.

Nach den alliierten Luftangriffen auf Hamburg im Juli 1943 mussten tausende von Ausgebombten untergebracht werden. Abgesehen von gelegentlichen Angriffen von Tieffliegern (oft auf einzelne Passanten, oder Bauern bei der Feldarbeit!) und den Notabw√ľrfen alliierter Bomber, die sich auf dem R√ľckflug von den gro√üen Hafenst√§dten ihrer √ľberz√§hligen Bomben entledigten, blieben die l√§ndlichen Gebiete jedoch von Kampfhandlungen verschont.

Nach dem massiven Luftangriff auf Weserm√ľnde (Bremerhaven) am 18. September 1944 , dem gro√üe Teile der Stadt zum Opfer fielen, mussten in der Umgebung Unterk√ľnfte f√ľr tausende von Ausgebombten beschafft werden. Zur selben Zeit trafen die ersten Wellen von Fl√ľchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten ein. Auch Kreisbewohner verschwanden in den Konzentrationslagern , und im Laufe des Jahres 1944 kam es auch hier zu Hinrichtungen von B√ľrgern, die sich abf√§llig √ľber das Regime ge√§u√üert hatten. Man wei√ü, dass um 1900 etwa 300 gl√§ubige Juden in den Kreisen Lehe und Weserm√ľnde gelebt haben. Seit 1816 existierte eine Synagoge in Ritzeb√ľttel. Am Ende des Krieges war die Region des heutigen Kreises "judenfrei".

Bis zuletzt wurden im Kreisgebiet Panzersperren und Erdbefestigungen zur Verteidigung angelegt, die aber oft von der Bev√∂lkerung heimlich wieder entfernt werden. Alte M√§nner und Jugendliche wurden zum Volkssturm aufgestellt. Zur√ľck flutende deutsche Truppen und zehtausende Fl√ľchtlinge str√∂mten in den Kreis. Aber noch am 21. M√§rz 1945 versah Landrat Mahler eine Akte mit dem Vermerk: "Wieder vorzulegen nach dem Sieg" Der amtierende Landrat B√ľning hingegen konnte, unter erheblichem pers√∂nlichen Risiko, einige sinnlose Zerst√∂rungen verhindern, wie die Sprengung der Ostebr√ľcke bei Hechthausen. Die von S√ľden und S√ľdosten heran r√ľckende "britische Front" lag bei der Kapitulation am 4. Mai auf der Linie Lintig-K√ľhrstedt-K√∂hlen. Bederkesa hatte noch unter Tiefflieger- und Artilleriebeschuss gelegen. Drei Tage sp√§ter erfolgte die Gesamtkapitulation.

1945 bis 1977

Nachkriegszeit

Nach dem Einmarsch britischer Panzerverb√§nde wurde sofort ein n√§chtliches Ausgehverbot f√ľr die Bev√∂lkerung verh√§ngt. Als erstes wurden die politischen Leiter verhaftet und interniert. Alle leitenden Beamte und B√ľrgermeister wurden in mehreren Wellen durch Personen ersetzt, die nicht Mitglied der NSDAP gewesen sein durften. Wegen seines mutigen und umsichtigen Verhaltens wurde Landrat B√ľning jedoch in seinem Amt belassen. Die britischen Besatzer benahmen sich der Bev√∂lkerung gegen√ľber im Allgemeinen korrekt, aber k√ľhl und sachlich. Manche der befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter jedoch bewaffneten sich und drangsalierten die Bauern bei denen sie hatten arbeiten m√ľssen. Abgesehen von den Fl√ľchtlingen aus Ostdeutschland dr√§ngten sich in den D√∂rfern auch die deutschen Soldaten, die sich in den letzten Kriegswochen hierher zur√ľck gezogen hatten, denn auf Anordnung der Briten durften sie die Gegend zun√§chst nicht verlassen.

Im ersten Jahr nach der Kapitulation nahm die Einquartierung von Fl√ľchtlingen sogar noch zu. Dennoch litt die Landbev√∂lkerung l√§ngst nicht so unter der Nahrungsmittelknappheit, wie die St√§dter, die auf Zuteilungen, oder den Schwarzmarkt angewiesen waren.

Bald erkannte die Besatzungsmacht, dass ihre urspr√ľngliche Absicht, alle NSDAP-Mitglieder von der √∂ffentlichen Arbeit auszuschlie√üen, nicht zu realisieren war. Daraufhin wurden Entnazifizierungs -Kommissionen eingerichtet, die die pers√∂nliche Belastung eines jeden Verantwortungstr√§gers beurteilen sollten, bevor er eventuell wieder in seine Besch√§ftigung zur√ľckkehren konnte. Als erzieherische Ma√ünahme mussten viele ehemalige Parteigenossen zwangsweise die Panzersperren und Erdarbeiten beseitigen. Daneben legte man aber auch Wert auf √úbungen in demokratischem Denken und Handeln. Durch Ernennung von Gremien auf Gemeinde- und Kreisebene wurde das vorherige "Ein-Mann-Prinzip" zur Entscheidungsfindung aufgehoben.

Mit Billigung der Besatzer wurden die alten demokratischen Parteien neu gegr√ľndet. Im Oktober 1946 gab es bereits wieder gew√§hlte Kreistage. Die wiederbegr√ľndete SPD dominierte nur im kreisfreien Cuxhaven. In den beiden Landkreisen blieb sie aber, als ob seit den Zeiten der Weimarer Republik nichts geschehen w√§re, in der Minderheit. Ebenso verschwand die KPD bald wieder. Sichere Mehrheiten erlangte statt dessen die Nieders√§chsische Landespartei , sp√§ter umbenannt in Deutsche Partei (DP). Hierbei handelte es sich, wie gehabt, um die Nachfolgepartei der welfisch-antipreu√üischen DHP. Sie forderte v.a. den freien Zusammenschluss der welfischen Landschaften zu einem Land Niedersachsen. (In den sp√§teren Jahren der gefestigten Demokratie wanderten die meisten W√§hler der DP, sowie auch einige ihrer Politiker, zur CDU ab.) Letztendlich behielt sich die britische Milit√§r-Regierung aber bis 1947 (mit einem amerikanischen Intermezzo im Kreis Weserm√ľnde) in allen Belangen die endg√ľltige Entscheidung vor.

Nach der Aufl√∂sung Preu√üens fand am 1. November 1946 durch Verordnung der britischen Milit√§r-Regierung tats√§chlich die Gr√ľndung des Landes Niedersachsen statt. Erster Ministerpr√§sident wurde √ľbrigens der ehemalige Hadler Landrat Hinrich Wilhelm Kopf. (Da er niemals einen Hehl aus seinen Sympathien f√ľr die Vertreter der alten Monarchie machte, wurde er als der "Rote Welfe" bekannt.)

Die Funktionen der Landr√§te gingen (nach Jahrhunderte alter englischer Verwaltungstradition) gr√∂√üten Teils auf das neu geschaffene Amt des Oberkreisdirektors √ľber. Dieser war fortan Mittler zwischen der Landesbeh√∂rde und der Kreisbev√∂lkerung, und repr√§sentierte den Kreis nach au√üen. Der Landrat war danach nur noch, als "Erster unter Gleichen", Mitglied des Kreistages, der die eigentliche kommunale Verwaltung betrieb, und sein Amt wurde ehrenamtlich.

Den deutschen Vertretern fehlte zuweilen jedoch das Verst√§ndnis f√ľr solche, ihrer Meinung nach, zweitrangigen Projekte, im Angesicht der zu bew√§ltigenden Notlage, wie eklatanter Wohnungsmangel und Fl√ľchtlingselend. In den l√§ndlichen Gebieten war man beinahe wieder in vorindustrielle Zeiten zur√ľck gefallen. Geld hatte seinen Wert fast verloren. Das wenige, was man nicht selbst produzieren konnte, wurde gegen Lebensmittel eingetauscht. Man heizte mit getrocknetem Torf, das Dunkel erhellten nur Stalllaternen. Man rauchte selbstgezogenen Tabak, "brannte schwarz" und schlachtete auch so.

Anfang 1947 wurde die Stadt Weserm√ľnde in das Land Bremen eingegliedert und in Bremerhaven umbenannt. Trotzdem verblieb der Verwaltungssitz des nieders√§chsischen Kreises Weserm√ľnde in der neuen Stadt. Im R√ľckblick scheint es, dass man sich manchen √Ąrger bei der sp√§teren Gebietsreform h√§tte sparen k√∂nnen, wenn damals, statt dessen, das relativ kleine bremische Hafengebiet an Niedersachsen gefallen w√§re.

Im Rahmen der W√§hrungsreform von 1948 wurde auch die bisher immer noch herrschende Zwangswirtschaft weitgehend abgebaut. Viele Verbrauchsg√ľter waren pl√∂tzlich frei verk√§uflich, und auch erh√§ltlich! F√ľr die √∂ffentliche und private Wirtschaft bedeutete dies aber zun√§chst, dass viele G√ľter auch erheblich teurer wurden. Rigorose Einsparungen in den Verwaltungskosten der Kreise, aber auch Steuererh√∂hungen und Kreditaufnahmen, wurden n√∂tig. Selbst die Heimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft bekamen die nun einsetzende Geldknappheit beim Soforthilfeamt zu sp√ľren. Die Einlagen der Sparkassen schmolzen von einem Tag auf den anderen zu einem Bruchteil zusammen. So waren sie nicht mehr in der Lage die lokale Wirtschaft mit Krediten zu unterst√ľtzen. Im privaten Sektor kam es zu vermehrten Entlassungen und zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Am 24. Mai 1949 trat das Grundgesetz als vorl√§ufige Verfassung der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Bei der ersten Wahl zum ersten Bundestag , am 14. August des selben Jahres, wurde im Wahlkreis 10, der genau deckungsgleich mit dem heutigen Landkreis war, ein Kandidat der SPD direkt gew√§hlt. √úber die Landesliste gelangte zus√§tzlich ein Kandidat der DP aus dem Wahlkreis in den Bundestag. Verglichen mit sp√§teren Wahlen war die Beteiligung mit 72 % nicht sehr hoch. Besonders die noch nicht wirklich heimisch gewordenen Fl√ľchtlinge z√∂gerten, an der politischen Meinungsbildung Teil zu nehmen.

Am 21. September endete im Gebiet die Tätigkeit der Militär-Regierung.

In den ersten Monaten des Jahres 1951 kam es zu Hochwasserkatastrophen im Hadler Sietland, bei L√ľdingworth und in der Gegend um den Balksee, besonders weil das Otterndorfer Sch√∂pfwerk ausgefallen war. Ebenso machten sich in dieser Zeit ungew√∂hnlich hohe Sturmflutpegel bemerkbar.

Im selben Jahr wurde der ehemalige Hadler Landrat Klemeyer Oberkreisdirektor in Weserm√ľnde. 1954 trat der ebenfalls ehemalige Hadler Landrat B√ľning dasselbe Amt im Kreis Land Hadeln an. Damit endete im heutigen Kreisgebiet die eigentliche Nachkriegszeit.

Wiederaufbau

In den 1950er Jahren waren die Probleme der schieren Existenzsicherung einigerma√üen gel√∂st. Durch Schulerweiterungen und zus√§tzliche Lehrerstellen war ein ertr√§glicher Alltag f√ľr die, durch Zuwanderung (Fl√ľchtlinge) und Geburten√ľberschuss (!) um mehr als die H√§lfte gestiegene, Zahl der Sch√ľler erreicht worden. Die Kreisbau√§mter f√∂rderten durch Hergabe eigener Mittel, sowie Beschaffung von Landesmitteln und ersten Hypotheken, den Bau von Wohnungen und Eigenheimen.

Anfang der 1950er nahm man ebenfalls die Urbarmachung eines der letzten verbliebenen Hochmoore in Niedersachsen, des Ahlenmoors, in Angriff. Dahinter stand die Absicht, neue Bauernstellen f√ľr die Vertriebenen zu schaffen, die meist ebenfalls aus l√§ndlichen Gebieten stammten. Damals h√§tte sich wohl noch niemand tr√§umen lassen, dass eines Tages ausgerechnet die landwirtschaftliche √úberproduktion zu einem der gr√∂√üten Probleme des Kreises werden w√ľrde. Das restliche Moor wurde, bis auf wenige kleine Schutzgebiete, zur industriem√§√üigen Abtorfung frei gegeben.

Schon wenige Jahre sp√§ter machte sich aber bereits ein erwachendes Umweltschutz-Bewusstsein bemerkbar, als es gelang, die britischen √úbungs-Bombenabw√ľrfe auf den Gro√üen Knechtsand vor der Wurster K√ľste zu stoppen. Dieses wichtige Rast- und Mausergebiet f√ľr Brandg√§nse und andere Seev√∂gel wurde 1957 als gr√∂√ütes deutsches Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Ende der 1950er Jahre wurden auch in entlegenen Kreisteilen Wasser- und Stromleitungen verlegt. Im Rahmen des "Gr√ľnen Plans" wurde das Wegenetz verbessert.

Obwohl die verheerende Sturmflut vom 16. und 17. Februar 1962 den höchsten jemals gemessenen Pegelstand erreichte, und in Hamburg viele Todesopfern forderte, hielten die Deiche im Kreisgebiet dieses Mal den entfesselten Naturgewalten stand. Neben den einheimischen Deichverbänden nahmen auch Freiwillige Feuerwehr , Bundeswehr -Soldaten, Polizei -Beamte und das Technische Hilfswerk an der dramatischen Verteidigung der Deiche Teil. Die entstandenen Schäden konnten rasch behoben werden.

Die Lebensverh√§ltnisse auf dem Land begannen sich denen in der Stadt immer mehr anzugleichen. Es wurden in gro√üem Umfang neue Schulen gebaut. Die meisten Fl√ľchtlinge waren nach und nach in die prosperierenden St√§dte abgewandert, auch in andere Teile Deutschlands, wie das Ruhrgebiet. Wegen des zunehmenden Einsatzes von Maschinen in der Landwirtschaft, aber auch wegen der Aufgabe vieler kleinerer Betriebe, mussten sich immer mehr Einheimische einen Arbeitsplatz in Cuxhaven oder Bremerhaven suchen. Andererseits zogen in den 1960er Jahren auch viele St√§dter wieder zur√ľck auf die D√∂rfer, um sich dort eine Wohnung "im Gr√ľnen" zu mieten, oder ein eigenes Haus zu bauen. Das dadurch gewandelte Erscheinungsbild mancher D√∂rfer, die sich so in Pendlervororte verwandelten, wurde nicht von jedem als Verbesserung empfunden.

Wattwagen mit Tagestouristen im Sahlenburger Watt bei Cuxhaven, auf dem Weg zur Insel Neuwerk.
Wattwagen mit Tagestouristen im Sahlenburger Watt bei Cuxhaven, auf dem Weg zur Insel Neuwerk.

Im Laufe der 1960er Jahre entwickelte sich auch der Tourismus zu einem wachsenden Wirtschaftsfaktor. Davor war er nur im Seebad Cuxhaven von Bedeutung gewesen. Die Anziehungskraft der Region " Cuxland ", wie sie in den heutigen Werbe-Brosch√ľren gerne genannt wird, liegt aber wohl nicht so sehr im Trubel der Badestr√§nde, sondern eher im herben Reiz der weiten Weide- und Moorlandschaften, mit dem hohen, wechselhaften Himmel; in der Faszination des ewig gleichen und doch ewig wandelbaren Meeres; in den malerischen Altstadtfassaden der St√§dtchen und Flecken; im maritimen Flair der √úberseeh√§fen.

1969 schied der Oberkreisdirektor Klemeyer aus Altersgr√ľnden aus dem Amt; 1971 ebenfalls Oberkreisdirektor B√ľning. Bis zum Abschluss der Gebietsreform √ľbernahm im Kreis Weserm√ľnde der bisherige stellvertretende Oberkreisdirektor J√ľrgen H. Th. Prie√ü das Amt; im Kreis Land Hadeln Dr. Torsten Quidde , zuletzt Kommunaldezernent bei der Osnabr√ľcker Bezirksregierung.

Gebietsreform

Bereits 1966 hatte die Nieders√§chsische Landesregierung die so genannte Weber-Kommission eingesetzt, um die Verbesserungsm√∂glichkeiten in der Verwaltungs- und Gebietsstruktur des Landes zu pr√ľfen. Das Schlussgutachten von 1969 l√∂ste jedoch heftige, z.T. parteitaktisch motivierte, Diskussionen im Land aus. Die Zahl der bestehenden Landkreise und der kreisfreien St√§dte sollte um etwa die H√§lfte reduziert werden. Da die Widerst√§nde auf Landesebene un√ľberwindlich schienen, begann man mit der Reform zuerst bei den schw√§chsten Gliedern, den Gemeinden.

Als 1970 bis 1971 die Gemeinden Sahlenburg, Holte-Spangen und Berensch-Arensch aus dem Kreis Land Hadeln ausgegliedert und der Stadt Cuxhaven einverleibt wurden, geschah dies noch mit aktiver Unterst√ľtzung des Kreises. Als dieser aber schon zwei Jahre sp√§ter gezwungen wurde, auch noch die Gro√ügemeinde Altenwalde, und die althadler Gemeinden Altenbruch und L√ľdingworth an die Stadt abzutreten, geschah dies gegen dessen ausdr√ľcklichen Widerstand. Wieder best√§tigte sich der Trend, dass sich die St√§dte nur allzu gerne, zu Lasten der umliegenden Landkreise, mit deren Gebiet und Bev√∂lkerung ausstatten.

Auch im Kreis Weserm√ľnde kam es 1974 zu Neuordnungen: die seit dem Mittelalter bestehende Exklave Landw√ľrden wurde dem Kreis angegliedert, ebenfalls Teile des Kreises Bremerv√∂rde. Daf√ľr musste Weserm√ľnde Gebiete an den Kreis Osterholz abgeben. Besonders der Zusammenschluss der R√§ume Spaden und Schiffdorf, √ľber die Geeste hinweg, sowie der Zusammenschluss des l√§ndlichen Neuenwalde mit der Stadtrandgemeinde Langen, erregte wenig Begeisterung unter den Betroffenen.

W√§hrend in anderen Teilen Niedersachsen die Gebietreform nun abgeschlossen war, zog sich hier das unerquickliche Gezerre noch einige Jahre hin. Die urspr√ľnglichen Vorschl√§ge der Weber-Kommission waren 1977 l√§ngst √ľberholt. Diese hatte einen Zusammenschluss der Kreise Weserm√ľnde und Osterholz mit der Stadt Cuxhaven und der westlichen H√§lfte des Kreises Land Hadeln erwogen. Bremerhaven sollte Amtssitz werden, obwohl es zu Bremen geh√∂rte, und heute immer noch geh√∂rt. Der restliche Kreis Land Hadeln sollte mit dem Kreis Stade, mit Sitz in Stade, zusammengelegt werden. Als dann jedoch die Landesregierung vorschlug, statt Bremerhaven Osterholz-Scharnbeck zum Kreissitz zu machen, war man in Weserm√ľnde, verst√§ndlicher Weise, ziemlich unzufrieden. Die Stadt Cuxhaven war andererseits bem√ľht, ihren kreisfreien Status zu erhalten. Im Kreis Land Hadeln hingegen waren sich die Fraktionen, je nach parteipolitischer Ausrichtung, nicht einig, ob der Kreis besser an Weserm√ľnde, oder Stade angegliedert werden sollte. Eine Teilung des Kreises kam aber f√ľr niemanden in Frage.

Die nicht ausschlie√ülich negative Wirkung des Hick-Hacks war jedoch, dass sich die Kreisverwaltungen gedr√§ngt f√ľhlten, rasch einige lang gehegte Projekte durchzuf√ľhren, so lange sie noch existierten. Man richtete B√ľchereien und psychologische Beratungsstellen ein, baute Schulzentren aus, richtete historische Bauten zu Museen her, baute Br√ľcken und Altenheime, restaurierte alte Windm√ľhlen, etc.

Um die Gebietsreform abzuschlie√üen waren im Ganzen acht Gesetzte notwendig. Schlie√ülich wurden mit Wirkung zum 1. August 1977 die Landkreise Land Hadeln und Weserm√ľnde mit der kreisfreien Stadt Cuxhaven zum Landkreis Cuxhaven zusammengelegt. Amtssitz wurde, zum immer noch verst√§ndlichen Missfallen der Weserm√ľnder, Cuxhaven. J√ľrgen H. Th. Prie√ü blieb als neuer Oberkreisdirektor des vergr√∂√üerten Kreises im Amt.

Städte und Gemeinden

(Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2005)

Einheitsgemeinden

Samtgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden

* Sitz der Samtgemeindeverwaltung

  1. Belum (881)
  2. B√ľlkau (941)
  3. Cadenberge * (3.348)
  4. Geversdorf (774)
  5. Neuhaus (Oste), Flecken (1.277)
  6. Oberndorf (1.531)
  7. Wingst (3.618)
  1. Bad Bederkesa, Flecken * (5.152)
  2. Drangstedt (1.493)
  3. Elmlohe (859)
  4. Flögeln (685)
  5. Köhlen (958)
  6. K√ľhrstedt (1.110)
  7. Lintig (1.367)
  8. Ringstedt (891)
  1. Appeln (490)
  2. Beverstedt, Flecken * (4.418)
  3. Bokel (2.614)
  4. Frelsdorf (739)
  5. Heerstedt (489)
  6. Hollen (866)
  7. Kirchwistedt (489)
  8. Lunestedt (2.530)
  9. Stubben (1.525)
  1. Armstorf (641)
  2. Hollnseth (942)
  3. Lamstedt * (3.367)
  4. Mittelstenahe (631)
  5. Stinstedt (578)
  1. Neuenkirchen (1.498)
  2. Nordleda (1.184)
  3. Osterbruch (578)
  4. Otterndorf, Stadt * (7.010)
  1. Bramstedt (1.880)
  2. Driftsethe (709)
  3. Hagen im Bremischen * (3.933)
  4. Sandstedt (1.794)
  5. Uthlede (987)
  6. Wulsb√ľttel (1.930)
  1. Hechthausen (3.553)
  2. Hemmoor, Stadt * (8.909)
  3. Osten (1.973)
  1. Cappel (751)
  2. Dorum * (3.593)
  3. Midlum (1.906)
  4. Misselwarden (486)
  5. Mulsum (509)
  6. Padingb√ľttel (491)
  7. Wremen (1.977)
  1. Ihlienworth * (1.722)
  2. Odisheim (602)
  3. Steinau (944)
  4. Wanna (2.433)

Weblinks

Literatur

  • Erich von Lehe: "Geschichte des Landes Wursten." Mit einem Beitrag von Werner Haarnagel. Bremerhaven 1973
  • Rudolf Lembcke (Hrsg.): "Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart." Otterndorf 1976.
  • Rudolf Lembcke: "100 Jahre Kreise an Elb- und Weserm√ľndung 1885 - 1985. Der Landkreis Cuxhaven und seine Rechtsvorg√§nger." Otterndorf 1985.
  • Hans J√ľrgen Hansen, Klaus Rohmeyer: "K√ľstenkreis Cuxhaven" Urbes Verlag Gr√§feling vor M√ľnchen, 1983. (v.a. h√ľbscher Bildband)

Wikipedia

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