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Letzte Änderung für Artikel Hildesheimer Silberfund: 18.11.2005 11:26

Hildesheimer Silberfund

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Der Hildesheimer Silberfund ist ein Fund römischen Tafelsilbers aus augusteischer Zeit (1. Jahrhundert nach Christus). Er befindet sich heute in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Fundhergang

Der umfangreiche Silberfund wurde am 17. Oktober 1868 auf dem Westhang des Galgenbergs im SĂŒdosten von Hildesheim bei der Anlage eines militĂ€rischen Schießplatzes entdeckt. Bei den Ausschachtungsarbeiten dieses Schießplatzes fĂŒr das Hannoversche Infanterieregiment Voigt-Rhets stiess der Kanonier August Armbrecht auf verzierte Metallteile. Die Bergung erfolgte durch an den Bauarbeiten beteiligte Soldaten. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Schatzfundes wurde per Karre zum Reinigen in die Kaserne transportiert. Am Fundort nahmen Hildesheimer BĂŒrger Fundfragmente in Gewahrsam, die spĂ€ter teilweise wieder abgegeben wurden, teilweise jedoch auch in Hildesheimer Haushalten verblieben. Es ist daher davon auszugehen, dass der Fund nicht vollstĂ€ndig erhalten ist. Bei anderen GegenstĂ€nden - wie beispielsweise einem antiken Löffel - ist es dagegen umstritten, ob sie dem Schatzfund zuzuordnen sind.

Der Senator Hermann Roemer, einer der GrĂŒnder des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim, besichtigte den Fundort, als er davon Kenntnis erhielt. Tags darauf berichtete die Hildesheimer Allgemeine Zeitung ĂŒber einen wertvollen Fund, der vermutlich aus dem Bestand eines fĂŒrstlichen Haushalts stamme und zeitlich der Renaissance zuzuordnen sei. Der Erdaushub am Schießstand wurde noch einmal abgesucht und mehrere BruchstĂŒcke des Tafelsilbers eingesammelt.

Die aus Göttingen angereisten Professoren Pernice und Winter erkannten schließlich die römischen Inschriften und stilistischen Merkmale . Oberst August von Cohausen , der im Rheingebiet römische Feldlager erforscht hatte, befragte wenige Tage nach dem Fund die an der Auffindung beteiligten Soldaten bezĂŒglich der Fundaufstellung. Er wurde außerdem damit beauftragt, nĂ€here Untersuchungen am Fundort vorzunehmen, die er 1869 vornahm.

August von Cohausen fand wÀhrend dieser Grabungen zahlreiche Pferdegerippe und zum Beispiel auch Fragmente römischer Fibeln .

Die gefundenen GegenstÀnde

Bei dem Fundort handelte es sich offenbar um eine Grube , in der die FundgegenstĂ€nde in relativ geordneter Form als Dreieck aufgestellt waren. Drei große GefĂ€ĂŸe - ein Eimer , ein Krater und ein Kantharos - enthielten offenbar eine Reihe kleinerer GefĂ€ĂŸe, daneben befanden sich zwei silberne Humpen , ein Klappdreifuß , ein Kandelaber und eine große rechteckige Schale . Aus Sicht von Lokalforschern sind bedeutende StĂŒcke des Hildesheimer Silberschatzes eine schlichte Kelle und die sogenannte Athenaschale, deren Gravuren als Initialen des Varus gedeutet werden bzw. wurden.

Bei allen FundstĂŒcken handelt es sich um Ess- und TrinkgerĂ€tschaften , so dass man insgesamt von einem Tafelgeschirr sprechen kann. Aus eingepunzten antiken Nummerierungen und Gewichtsangaben kann man schließen, dass es sich um die HĂ€lfte eines Tafelgeschirrs handelt. Da fĂŒr eine Reihe von Bestandteilen des Geschirrs genau die HĂ€lfte des angegebenen Gesamtbestands gefunden wurde, gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass hier eine bewusste Teilung eines einst doppelt so großen Silberensembles vorgenommen wurde.

Einige der gefundenen GegenstĂ€nde zeigen starke Nutzungsspuren . Eingravierte Besitzernamen weisen daraufhin, dass die Geschirrbestandteile unterschiedlichen Vorbesitzern gehörten und das Tafelgeschirr offenbar aus verschiedenen Quellen zusammgestellt wurde. Es handelt sich ĂŒberwiegend um augusteische Silberarbeiten, der Rest ist etwas Ă€lter.

Die Deutung des Fundes

Der Fund ist vor allem von Hildesheimern Lokalforschern als Beleg dafĂŒr benutzt worden, die Varusschlacht in der NĂ€he von Hildesheim zu lokalisieren. Da dafĂŒr jedoch lediglich der Fund des Silberschatzes als Beleg angefĂŒhrt werden kann und weitere archĂ€ologische Funde fehlen, kann dies als unwahrscheinlich gelten. Aufgrund der seit 1987 gemachten archĂ€ologischen Funde gilt Kalkriese in der NĂ€he von OsnabrĂŒck als wahrscheinlichster Ort.

Auch fĂŒr Lokalforscher ist es einsichtig, dass es sich bei dem Fund nicht um das Tafelsilber des Varus handelt. DafĂŒr ist das Geschirr bei weitem zu wenig umfangreich und Varus hĂ€tte mit Sicherheit kein Tafelsilber verwendet, in dem Orden niedriger DienstrĂ€nge verarbeitet sind. Es ist außerdem nicht glaubhaft, dass der wohlhabende und mit dem Kaiserhaus verwandte Varus ein aus anderen Tafelgeschirren zusammengestelltes Silberensemble verwendete. Aufgrund der Datierung der FundgegenstĂ€nde ist es dagegen denkbar, dass es sich um ein Geschirr aus dem Besitz eines Offiziers der augusteischen Armee handelt.

Als möglicher Herkunftsort wurde beispielsweise die PlĂŒnderung des Heerzuges des Varus in der Varusschlacht oder des Castra Vetera (nahe dem heutigen Xanten) wĂ€hrend des Bataveraufstands genannt. Die geordnete Einbringung des Silberfundes spricht eher fĂŒr eine Opferung oder ein sorgfĂ€ltiges Verstecken . Ob dies durch einen römischen Offizier oder einen Germanen geschah, wird sich ohne weitere Grabungen vielleicht nie mehr klĂ€ren lassen. Die offensichtlich penible Aufteilung des Geschirrs in genau zwei HĂ€lften gibt allerdings Anlass zu der Vermutung, dass hier zwischen den eifersĂŒchtigen germanischen HeerfĂŒhrern und Siegern der Varusschlacht , Arminius und Inguiomerus, die Beute sĂ€uberlich geteilt und von einem der beiden dort als Opferung niedergelegt wurde. Siehe auch Literatur O. Höfler.

Die Thesen Hildesheimer Lokalforscher

Die Frage, ob sich weitere Ausgrabungen an der FundstÀtte des Hildesheimer Silberfundes lohnen, ist immer noch Gegenstand lokaler Auseinandersetzungen.

Einige Hildesheimer Lokalforscher vermuten immer noch etwa 70 vermisste GegenstĂŒcke im Erdreich und weisen daraufhin, dass Oberst von Cohausen Nachgrabungen lediglich direkt an der Fundstelle und nur in einem Bereich von 15 x 15 m vornahm. Dies geschah bereits 1869 . Aus Sicht von Lokalforschern erfolgten aber im unmittelbaren Bereich des Fundortes bis heute keine weiteren Sondierungen , so ist zum Beispiel auch ein genau nördlich des Fundortes gelegenes HĂŒgelgrab , das bereits in der Antike den Vergrabungsort markierte, aus ihrer Sicht bis heute unbeachtet geblieben. Sie plĂ€dieren fĂŒr eine weitere Suche nach der zweiten HĂ€lfte des Hildesheimer Silberfundes mittels einer Notgrabung , da die vor weit ĂŒber 100 Jahren aufgefunden StĂŒcke in dem aggressiven Erdreich bereits sehr gelitten hatten. Andere Experten verweisen darauf, dass im Anschluss an den damaligen Fund dort umfangreiche Ausschachtungen sowie spĂ€ter Bebauungen vorgenommen wurden, so dass weitere archĂ€ologische Untersuchungen in diesem Gebiet deshalb nicht mehr sinnvoll seien. Diejenigen, die fĂŒr weitere archĂ€ologische Untersuchungen plĂ€dieren, argumentieren jedoch, dass das GelĂ€nde nicht ausgeschachtet, sondern einplaniert wurde und der unmittelbare Bereich des Fundortes bis heute unbebaut sei. Sie befĂŒrchten außerdem RaubgrĂ€ber und verweisen auf einen 1875 dort vergrabenen Grundstein mit Dokumenten aus der damaligen Zeit, den man im Rahmen einer solchen Grabung wiederfinden könnte.

Die FundstĂŒcke

Der Hildesheimer Silberfund befindet sich heute in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Vergleichbar mit dem Hildesheimer Silberfund ist der Schatz von Boscoreale, der aufgrund einer Stiftung durch den Baron von Rothschild heute im Pariser Louvre aufbewahrt wird.

Literatur

  • Prof. W. Schuhr, Prof. E. Kanngieser: Der vermessungstechnisch bestimmte Fundort des Hildesheimer Silberschatzes. In: "DIE KUNDE", Zeitschrift fĂŒr Ur- und FrĂŒhgeschichte, herausgegeben vom NiedersĂ€chsischen Landesverein fĂŒr Urgeschichte und der Abteilung Urgeschichte des NiedersĂ€chsischen Landesmuseum Hannover; Neue Folge 34 / 35 Jahrgang 1983 / 1984, S. 227 ff.
  • Helga Stein: Die Hildesheimer Geschichte des Silberfundes. In: Der Hildesheimer Silberfund, Original und Nachbildung, vom Römerschatz zum BĂŒrgerstolz. Katalog zur gleichnamigen Ausst. im Knochenhauer-Amtshaus, Hildesheim vom 20. 7. bis 30. November 1997, S. 10-29, Hildesheim 1997
  • Reinhard Stupperich: Römische Toreutik und augusteische FeldzĂŒge in Germanien: Der Fall Hildesheim. In Rainer Wiegels, Winfried Woesler (Hrsg.): Arminius und die Varusschlacht - Geschichte - Mythos - Literatur, Paderborn 1995, ISBN 3-506-79751-4
  • Otto Höfler: "Siegfried, Arminius und der Nibelungenhort", Verl. der Österr. Akad. der Wiss. , Wien, 1978, ISBN/ISSN 3-7001-0234-8, in: Sitzungsberichte / Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse ; 332


Koordinaten: 52° 08â€Č 30″ N, 09° 57â€Č 05″ O

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