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Letzte Änderung für Artikel Niedernhausen: 14.02.2006 08:19

Niedernhausen

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Wappen Karte
Bild:Niedernhausen.PNG Deutschlandkarte, Position von Niedernhausen hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk : Darmstadt
Landkreis : Rheingau-Taunus-Kreis
Geografische Lage :
Koordinaten: 50¬į 10' N, 08¬į 19' O
50¬į 10' N, 08¬į 19' O
H√∂he : 254 bis 592 m √ľ. NN
Fläche : 35,31 km²
Einwohner : 14.664 (30. Juni 2005)
Bevölkerungsdichte : 415 Einwohner je km²
Postleitzahl : 65527 (alt: 6272)
Vorwahl : 06127
Kfz-Kennzeichen : R√úD
Gemeindeschl√ľssel : 06 43 90 11
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wilrijk-Platz
65527 Niedernhausen/Ts.
Offizielle Website: www.niedernhausen.de
E-Mail-Adresse: gemeinde@niedernhausen.de
Politik
B√ľrgermeister : G√ľnter F. D√∂ring

Niedernhausen im Taunus ist eine Gemeinde im deutschen Bundesland Hessen mit fast 15.000 Einwohnern. Sie liegt im Naturpark Rhein-Taunus, im westlichen Teil der Region Frankfurt Rhein-Main. Die Ortsteile Niedernhausen (der alleine √ľber die H√§lfte der Gesamteinwohner beherbergt) und K√∂nigshofen erstrecken sich an den H√§ngen eines Tals. Der Ortskern befindet sich in der Talsohle. Die Gemeinde ist umgeben von Mischwald (60 % der Gemarkungsfl√§che).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage und Topographie

Blick √ľber Niedernhausen mit der Thei√ütalbr√ľcke
Blick √ľber Niedernhausen mit der Thei√ütalbr√ľcke

Niedernhausen liegt an der S√ľdflanke des Mittelgebirges Taunus, eines Faltengebirges , das sich vom Niederwald bei R√ľdesheim am Rhein in nord√∂stlicher Richtung bis in die Wetterau bei Bad Nauheim erstreckt. Dieser Gebirgszug gliedert sich durch zwei Einschnitte, n√§mlich die Idsteiner Senke und die Saalburg -Senke, in drei Teile: den Rheingau-Taunus, den Hochtaunus und den Wetterau-Taunus. Die Ausl√§ufer der Idsteiner Senke erreichen in Form des Autals auch Niedernhausen, so dass sich die Gemeinde direkt an der von West nach Ost verlaufenden Trennlinie zwischen Rheingau-Taunus und Hochtaunus befindet.

√úbersichtskarte der Gemarkung Niedernhausen mit seinen Ortsteilen

Der Taunus- Kamm , der gleichzeitig die Wasserscheide zwischen den Flussgebieten von Rhein und Main im S√ľden und der Lahn im Norden bildet, durchzieht die Gemarkung von S√ľdwesten nach Nordosten. Teil dieses Kamms und gleichzeitig Teil des Rheingau-Taunus sind die Hohe Kanzel, mit 592 m √ľ. NN die h√∂chste Erhebung der Gemeinde, und der Lenzenberg (492 m √ľ. NN). S√ľdlich dieses H√∂henzugs erstreckt sich das Naherholungs- und Naturschutzgebiet Thei√ütal nach Nordosten bis in den Ortskern von Niedernhausen hinein, n√∂rdlich davon das Engenhahner Tal, in dem auch die Landstra√üe vom h√∂her gelegenen Engenhahn zum in den Ausl√§ufern der Idsteiner Senke liegenden Niederseelbach verl√§uft. Westlich von Niederseelbach erstreckt sich der Niedernhausener Talkessel. In der Talsohle liegt der Ortskern (tiefster Punkt beim Niedernhausener Rathaus mit 254 m √ľ. NN), an den s√ľdlichen H√§ngen K√∂nigshofen und an den n√∂rdlichen H√§ngen die Neubaugebiete von Niedernhausen sowie der Ortsteil Oberjosbach. Der Gebirgsstock, der sich n√∂rdlich von Niedernhausen, Oberjosbach und dem weiter westlich gelegenen Oberseelbach erhebt, ist schon Teil des Hochtaunus und wurde fr√ľher Eichelberger Mark genannt. Er gipfelt im Buchwaldskopf (492 m √ľ. NN) und im Gro√üen Lindenkopf (499 m √ľ. NN). H√∂chste Erhebung im Gebirgszug s√ľdlich des Thei√ütals ist der Hahnberg (447 m √ľ. NN)

Durch das Gemeindegebiet flie√üen vier B√§che . Der gr√∂√üte ist der Daisbach, der von Engenhahn kommend durch das Engenhahner Tal nach Niederseelbach und weiter durch das Autal durch Niedernhausen flie√üt. Er verl√§sst im S√ľdwesten das Gemeindegebiet in Richtung Niederjosbach und Eppstein, von wo ab er Schwarzbach hei√üt und bei Okriftel in den Main m√ľndet. Der Thei√übach entspringt im Thei√ütal und m√ľndet am Niedernhausener Rathaus in den Daisbach. Der Seelbach entspringt bei Lenzhahn, flie√üt durch Oberseelbach und m√ľndet bei Niederseelbach in den Daisbach. Der Josbach entspringt bei Oberjosbach und m√ľndet in Niederjosbach ebenfalls in den Daisbach.

Durch das Gemeindegebiet verlaufen in west-√∂stlicher Richtung durch das Autal die Eisenbahngleise der Main-Lahn-Bahn von Frankfurt am Main nach Limburg an der Lahn. S√ľdlich und parallel hierzu laufen die Bundesautobahn 3 und die ICE-Schnellfahrstrecke K√∂ln-Rhein/Main , die beide mit einer imposanten Br√ľcke das Thei√ütal √ľberqueren.

Flächennutzung im Gemeindegebiet von Niedernhausen
Berge in der Gemarkung Niedernhausen
Erhebung Höhe Gebirgszug
Hohe Kanzel 592 m √ľ NN Rheingau-Taunus
Gro√üer Lindenkopf 499 m √ľ NN Hochtaunus
Buchwaldskopf 492 m √ľ NN Hochtaunus
Lenzenberg 462 m √ľ NN Rheingau-Taunus
Hahnberg 447 m √ľ NN Rheingau-Taunus
Hellberg 436 m √ľ NN Rheingau-Taunus
Eselskopf 391 m √ľ NN Hochtaunus

Geologie

Der Gebirgskamm, zu dem auch die Hohe Kanzel geh√∂rt, besteht aus hartem, verwitterungsbest√§ndigem , jedoch auch rissigem und wasserdurchl√§ssigem Quarzitgestein . Seine Schichten sind steil aufgerichtet und oft senkrecht. Dieser gelblichwei√üe, zuweilen kirschrot geflammte Taunusquarzit entstand aus sandigen Meeresablagerungen. Durch den Druck des Gebirges und die damit verbundene W√§rmeentwicklung verwandelte sich das urspr√ľnglich sediment√§re Gestein in metamorphe Quarzite.

In der Gemarkung von Niedernhausen finden sich an einigen Stellen sehenswerte Felspartien dieser Quarzite. Dazu gehören ein Block auf dem Gipfel der Hohen Kanzel sowie der 479 m hohe Hohle Stein zwischen Niedernhausen und Lenzhahn. Letzterer wurde 1929 unter Naturschutz gestellt. In der Nähe der Autobahnauffahrt von Niedernhausen liegt der so genannte Graue Stein, in dessen Nähe sich auch ein ehemaliges Quarzitwerk befindet.

Fachwerkhäuser im Ortsteil Oberjosbach
Fachwerkhäuser im Ortsteil Oberjosbach

Gliederung und angrenzende Gemeinden

Die Gemeinde besteht aus den sechs ehemals selbst√§ndigen Ortsteilen Engenhahn, K√∂nigshofen, Niedernhausen, Niederseelbach, Oberjosbach und Oberseelbach. In Niedernhausen wohnen dabei √ľber die H√§lfte der Einwohner; hier gibt es auch die gro√üen Baugebiete Lenzhahner Weg und Sch√§fersberg.

Ortsteile von Niedernhausen
Ortsteil Einwohnerzahl
Niedernhausen 1) 7.700
Oberjosbach 2.150
Königshofen 1.900
Engenhahn 2) 1.350
Niederseelbach 1.200
Oberseelbach 450

1) mit den Baugebieten Lenzhahner Weg und Schäfersberg
2) mit dem Baugebiet Wildpark

Angrenzende St√§dte sind im Westen Taunusstein, im Westen und Norden Idstein (beide im Rheingau-Taunus-Kreis), im Osten Eppstein (Main-Taunus-Kreis) und im S√ľden die kreisfreie Landeshauptstadt Wiesbaden.

Geschichte

Anfänge und Römisches Grenzgebiet (1. Jahrhundert n. Chr.)

Nachgebauter römischer Wachturm auf der Dasbacher Höhe zwischen Idstein und Oberseelbach
Nachgebauter römischer Wachturm auf der Dasbacher Höhe zwischen Idstein und Oberseelbach

1974 wurde bei Oberjosbach ein Steinbeil gefunden, das sich auf die Zeit der Becherkulturen der j√ľngeren Steinzeit (2.300 bis 1.600 v. Chr.) datieren lie√ü. Es gibt zwar keinen Hinweis auf eine Besiedelung, jedoch beweist es die Anwesenheit von Menschen.

Um die Zeitenwende kamen dann die Römer in das Gebiet der heutigen Gemarkung von Niedernhausen: ab 86 n. Chr. begannen sie, zwischen dem heutigen Oberseelbach und Idstein den am 15. Juli 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobenen Limes anzulegen. Das Gebiet des heutigen Niedernhausen lag dabei auf römischer, dasjenige Idsteins auf germanischer Seite. Auf der Dasbacher Höhe an der Landstraße zwischen Niedernhausen und Idstein wurde in direkter Nachbarschaft zur Niedernhausener Gemarkungsgrenze anlässlich des Hessentags 2002 ein Nachbau eines römischen Wachturms errichtet. Etwa 2 km nördlich von Oberseelbach, beim Idsteiner Ortsteil Heftrich, befand sich das Kastell Alteburg.

Erste Spuren im Mittelalter und urkundliche Ersterwähnungen (1196 - 1283)

Die beiden Ursprungsorte im heutigen Gemeindegebiet von Niedernhausen sind die Pfarrei Oberjosbach und das Kirchspiel Niederseelbach.

Erstere wurde 1196 erstmals urkundlich genannt, als Oberjosbach mit Gottes Gnade an Bevölkerung und Besitztum zugenommen und deswegen die vollständige Freiheit einer Mutterkirche durch den Erzbischof von Mainz erhielt. Die Pfarrei St. Michael hatte zwar im Mittelalter keinen Bestand, die Kirche entwickelte sich jedoch zu einem kirchlichen Zentralort. Die Siedlung Oberjosbach könnte dagegen schon seit dem 10. Jahrhundert bestanden haben und wäre somit die älteste in der heutigen Gemarkung.

Die alte Johanneskirche im Wiesengrund bei Niederseelbach war dagegen Mittelpunkt des so genannten Seelbacher Grundes, der die Orte Oberseelbach, Engenhahn, Lenzhahn, K√∂nigshofen und Niedernhausen umfasste. Dar√ľber hinaus war der Niederseelbacher Pfarrer f√ľr die Filiale in Dasbach zust√§ndig. Geh√∂rte der Seelbacher Grund seit 1196 auch zur Pfarrei Oberjosbach, trennten sich die Wege, als die Nassauer um 1220 die eigenst√§ndige Pfarrei Niederseelbach aus der Taufe hoben. Die Urspr√ľnge der Kirche reichen m√∂glicherweise bis in karolingische Zeit um 800 zur√ľck, als hier eine Feldkirche stand.

Rathaus und nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute katholische Kirche St. Michael in Oberjosbach
Rathaus und nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute katholische Kirche St. Michael in Oberjosbach

Engenhahns Gr√ľndung geht auf die Gr√ľndung des Klosters Bleidenstadt im Jahre 775 zur√ľck, in dessen Umkreis so genannte Meierh√∂fe errichtet wurden. Ein M√∂nch mit Namen "Enicho" gr√ľndete einen solchen und war damit Namensgeber von Engenhahn: "Enicho im Hag" bzw. "Unechenhagin". Erstmals urkundlich erw√§hnt wurde der Ort 1221 . Oberseelbach taucht neben Lenzhahn als "Medietas Ville superioris Selebach" erstmals in einem Schlossborner Zehntregister auf. Dieses konnte auf den Zeitraum zwischen 1226 und 1233 datiert werden. K√∂nigshofen und Niedernhausen wurden erstmals um 1220 in einem Verzeichnis des Mainzer Stephanstiftes als "Villa in Kunigishoue" bzw. "Niederinhusin" erw√§hnt.

Grenzstreitigkeiten zwischen Nassau-Idstein und Eppstein (1283 ‚Äď 1806)

Die Gemarkung von Niedernhausen war seit dem fr√ľhen Mittelalter von Grenzstreitigkeiten zwischen den Herrschaften Nassau-Idstein und Eppstein gepr√§gt. Diese gipfelten im 13. Jahrhundert in einer Fehde , bei der auch die neue Pfarrkirche in Oberjosbach gleich wieder zerst√∂rt und erst 1321 ein Nachfolgerbau geweiht wurde. Die Fehde wurde im S√ľhnevertrag von 1283 geschlichtet, in dem die Gebietszugeh√∂rigkeiten neu geregelt wurden. Allerdings festigte sich die bis dahin eher flie√üende Grenze zwischen den beiden H√§usern erst um 1500 . Die kleine Siedlung Obernhausen, Pendant von Niedernhausen und im Grenzbereich gelegen, fiel diesem Prozess wahrscheinlich zum Opfer. 1544 existierte der Ort jedenfalls nicht mehr.

Die Reformation f√ľhrte zu einer weiteren Trennung zwischen den Orten im Seelbacher Grund und Oberjosbach. Letzteres wurde, nachdem es von 1540 bis 1604 protestantisch war, bedingt durch die seit 1581 bestehende Zugeh√∂rigkeit zu Kurmainz wieder katholisch . Die Angeh√∂rigen des Kirchspiels Niederseelbach wurden dagegen - entsprechend dem Glaubensbekenntnis der Grafen von Nassau-Idstein - ab 1581 lutherisch .

Diese Konstellation blieb auch bis zum Ende des Drei√üigj√§hrigen Krieges bestehen. Der Krieg hatte die D√∂rfer stark mitgenommen: Niedernhausen, K√∂nigshofen und Engenhahn waren fast vollst√§ndig entv√∂lkert, in Oberseelbach √ľberlebten gerade einmal 14 Einwohner.

Nach dem Westf√§lischen Frieden siedelte Graf Johannes von Nassau-Idstein in den verw√ľsteten Orten der Grafschaft, darunter Niedernhausen, K√∂nigshofen und Engenhahn Wallonen aus dem F√ľrstbistum L√ľttich an. Diesen gestattete er zwar, ihrem katholischen Glauben treu zu bleiben, unterstellte sie aber dennoch dem lutherischen Pfarrer von Niederseelbach. Noch heute finden sich einige Wallonische Familiennamen in Niedernhausen.

Der Mainzer Kurf√ľrst und Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim ersetzte 1680 die Oberjosbacher Kapelle durch eine Kirche im Renaissance -Stil.

1723 wurde die Grenze zwischen Idstein und Eppstein "versteint", das hei√üt Grenzsteine gesetzt, die auf einer Seite den nassauischen L√∂wen und auf der anderen das Mainzer Rad zeigten. Diese Steine sind heute noch zwischen Niedernhausen und Oberjosbach zu sehen. 1728 errichtete der Kurf√ľrst Erzbischof Lothar Franz von Sch√∂nborn erneut die Pfarrei in Oberjosbach, in der auch die Katholiken des Seelbacher Grundes ungeachtet der Grenze eine neue Heimat fanden. Die Schule in Niederseelbach wurde 1778 erstmals erw√§hnt. Sie wurde von den Kindern der umliegenden D√∂rfer besucht.

Herzogtum Nassau, Eisenbahnbau und Luftkurort (1806 ‚Äď 1914)

1806 wurde das Herzogtum Nassau gegr√ľndet. Dadurch verlor die seit dem Mittelalter bestehende Grenze zwischen Oberjosbach und Niedernhausen seine Bedeutung.

1859 gr√ľndete Oberseelbach zusammen mit den heute zu Idstein geh√∂renden benachbarten Orten Dasbach und Lenzhahn einen Schulverband, 1863 wurde das neue Schulgeb√§ude er√∂ffnet.

Der gro√üe Aufschwung kam mit dem Bau der Eisenbahn 1877 . Die Main-Lahn-Bahn verband fortan das Rhein-Main-Gebiet mit Limburg an der Lahn. Als 1879 die Querverbindung nach Wiesbaden er√∂ffnet wurde, wurde Niedernhausen gar zum Eisenbahnknotenpunkt. Ein erstes Bahnhofsgeb√§ude entstand 1880 , 1906 wurde ein neues repr√§sentatives Geb√§ude errichtet, Gleis- und Abfertigungsanlagen f√ľr die Dampflokomotiven entstanden. Ein alter Lokschuppen sowie ein zugeh√∂riger Wasserturm sind heute noch erhalten 1913 wurde das 2. Gleis der Strecke gebaut. 1903 erhielt auch Niederseelbach einen eigenen Haltepunkt, der jedoch 1971 wieder geschlossen wurde.

Die bisher √ľber Jahrhunderte auf die Landwirtschaft und Waldarbeit ausgerichtete Bev√∂lkerung hatte nun die M√∂glichkeit, industrieller und handwerklicher T√§tigkeit in den nun leicht zu erreichenden St√§dten nachzukommen. Davon profitierten nicht nur Niedernhausen und Niederseelbach, sondern auch die D√∂rfer in der nahen Umgebung. Durch die leichte Erreichbarkeit konnte Niedernhausen nun sogar zum Luftkurort aufsteigen, die Kurg√§ste konnten bequem mit der Bahn anreisen. Zahlreiche alte Hotel-Villen der Gr√ľnderzeit im ehemaligen Kurviertel an der "Sch√∂nen Aussicht" belegen diese Zeit. Zudem ist heute noch die alte Jugendherberge an der Frankfurter Stra√üe zu finden. Das inoffizielle Kurhaus war die ehemalige Pulverm√ľhle im Thei√ütal an der Grenze zwischen K√∂nigshofen und Niedernhausen. Um die Jahrhundertwende stieg die Einwohnerzahl von Niedernhausen dann auf ca. 1.200.

Weimarer Republik, Drittes Reich und 2. Weltkrieg (1918 ‚Äď 1945)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das linke Rheinufer sowie die drei Br√ľckenk√∂pfe K√∂ln, Koblenz und Mainz jeweils im Umkreis von 30 km von den Alliierten besetzt. Niedernhausen und seine heutigen Ortsteile fielen dabei unter franz√∂sische Besatzung, zeitweise waren mehrere 100 Soldaten anwesend. Ab September 1919 wurden die Truppen von den kleineren Orten wieder abgezogen. Am 8. November 1919 fand die erste Gemeindevertreterwahl statt, bei welcher auch Frauen zum ersten Mal w√§hlen durften.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg kamen viele Kurg√§ste und Sommerfrischler nach Niedernhausen, darunter auch viele Juden . Vielleicht sind dieser Umstand und auch die Jahrhunderte zur√ľckliegende Ansiedlung der Wallonen in Niedernhausen ein Grund daf√ľr, dass der Umgang mit fremden Kulturen von Normalit√§t gepr√§gt war. Aus der Zeit des Dritten Reiches gibt es jedenfalls keine √úberlieferung nennenswerter politischer Aktionen. Es gab allerdings eine so genannte " F√ľhrer-Schule ", die als Ausbildungszentrum f√ľr die Hitler-Jugend diente.

Wie in vielen deutschen St√§dten gab es auch in Niedernhausen Umbenennungen von Stra√üen und Geb√§uden: es gab einen Hindenburgplatz und ein Teil der Niederseelbacher Stra√üe in K√∂nigshofen und die Austra√üe in Niedernhausen hie√üen jeweils Adolf-Hitler -Stra√üe. Die Lehrer der Schulen schienen Berichten von Sch√ľlern zufolge recht linientreu gewesen zu sein und stachelten ihre Sch√ľler zur Sammlung von Hilfsg√ľtern an. Hier wird aber auch von vereinzelten regimekritischen Stimmen berichtet. So bestellte beispielsweise eine Angestellte der "F√ľhrer-Schule" kurzerhand das Abonnement des Propagandablatts " Der St√ľrmer " ab, obwohl sie dabei mit Konsequenzen rechnen musste. Als der B√ľrgermeister kurz vor Kriegsende die R√§umung des Ortes befahl, wurde er von der Bev√∂lkerung ausgelacht.

Mit dem Bau der Autobahn 1937 bis 1939 gab es einen weiteren Aufschwung, da Niedernhausen auch eine eigenen Auffahrt erhielt, die von der steigenden Zahl der Autos genutzt werden konnte. Der Bau der Thei√ütalbr√ľcke, der noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen wurde, besch√§ftigte zeitweise bis zu 700 Arbeiter, welche in Niedernhausen untergebracht waren und versorgt werden mussten.

Nachdem Niedernhausen Anfang des Zweiten Weltkrieges verschont blieb, √§nderte sich dies mit dem Vormarsch der Alliierten ab 1944 . Aufgrund seiner Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt und wegen der ans√§ssigen F√ľhrerschule mit ihren Funkanlagen, wurde der Ort deutlich st√§rker bombardiert als vergleichbare Orte in der Umgebung. Zwischen Mai 1944 und M√§rz 1945 gab es mindestens 8 Luftangriffe . Beim schwersten am 22.02. 1945 wurden das Bahnhofsgeb√§ude, gro√üe Teile der Gleisanlagen sowie ca. 30 abgestellte Lokomotiven und Dutzende von Waggons zerst√∂rt. Getroffen wurden bei den Angriffen aber nicht nur die Bahnanlagen, sondern auch mehrere Wohngeb√§ude in Niedernhausen und K√∂nigshofen. Im Juli 1944 wurde ein von Eppstein kommenden Zug bombardiert; die Zahl der Toten wurde auf 30 bis 40 gesch√§tzt. In der Nacht vom 25. auf den 26. August 1944 brannte die Pfarrkirche von Oberjosbach durch eine Brandbombe bis auf die Grundmauern nieder. Insgesamt kamen bei den Angriffen ca. 200 Menschen ums Leben. Auch heute noch finden sich in den W√§ldern um Niedernhausen viele Bombentrichter. Bei einem der Angriffe im August 1944 wurden drei mit ihrem Fallschirm abgesprungene amerikanische Soldaten von der Bev√∂lkerung gelyncht.

Als im M√§rz 1945 die Amerikaner √ľber Engenhahn und Niederseelbach nach K√∂nigshofen und Niedernhausen kamen, gab es keinen Widerstand. Wohl deshalb und aufgrund des schnellen Vordringens der GI ‚Äôs konnte eine Sprengung der Thei√ütalbr√ľcke verhindert werden.

Nachkriegszeit (1945 - 1975)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen wie √ľberall in Westdeutschland zahlreiche Fl√ľchtlinge und Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus dem Sudetenland in die einzelnen Ortsteile, vor allem nach Oberjosbach, Niedernhausen, K√∂nigshofen und Niederseelbach. Dadurch vergr√∂√üerte Niederseelbach beispielsweise seine Einwohnerzahl bis 1960 gegen√ľber dem Jahr 1939 um das Doppelte. In den 1950er Jahren wurden folgerichtig die ersten Neubaugebiete ausgewiesen.

Die wieder aufgebaute Pfarrkirche in Oberjosbach wurde bereits 1949 eröffnet.

In Engenhahn entstand aus dem Wildparkgel√§nde zun√§chst ein Gebiet f√ľr Wochenendh√§user. Ab 1975 wurde es ein offizielles und exklusives Baugebiet.

1964 nahm Oberseelbach erstmals am Wettbewerb " Unser Dorf soll sch√∂ner werden " teil, 1965 wurde gar der Landessieg f√ľr Hessen errungen.

Als Ende der 1960er Jahre der Bau der S-Bahn Rhein-Main geplant wurde und absehbar war, dass Niedernhausen einer der Endstationen werden sollte, erlebte der Ort ein starkes Bevölkerungswachstum . Das große Baugebiet Lenzhahner Weg entstand; in den 1970er Jahren wurden hier auch vier Wohnhochhäuser sowie ein Dutzend größere Wohnblöcke gebaut. Die erste S-Bahn der Linie 2 erreichte den Niedernhausener Bahnhof am 25. August 1975 .

1970 wurde die Ortsumgehung von Oberseelbach eröffnet, die die enge Hauptstraße des Ortes vom Durchgangsverkehr befreite.

Grenzänderungen und Gebietsreform (1971 bis heute)

Zum 1. Oktober 1971 unterzeichneten die Gemeinden Niedernhausen und K√∂nigshofen - trotz der seit alters her gegeneinander bestehenden Abneigungen ‚Äď einen Grenz√§nderungsvertrag und schlossen sich zur Gemeinde Niedernhausen im Taunus zusammen. K√∂nigshofen behielt dabei seine Ortsteilbezeichnung.

Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurde schlie√ülich am 1. Januar 1977 aus den bisher selbst√§ndigen Gemeinden Niedernhausen mit dem Ortsteil K√∂nigshofen, Engenhahn, Niederseelbach, Oberseelbach und Oberjosbach die Gemeinde Niedernhausen i. Ts. Gleichzeitig wurde die Gemeinde Teil des mit selbem Datum neu gegr√ľndeten Rheingau-Taunus-Kreis mit der Kreisstadt Bad Schwalbach.

Zuvor hatte es zwischen Idstein und Niedernhausen ein starkes Werben um die Gemeinden im Seelbacher Grund gegeben. Dabei gab es auch die √úberlegung, eine selbst√§ndige Gemeinde Lenzenberg mit Engenhahn, Ober- und Niederseelbach sowie Lenzhahn und Dasbach zu bilden. Schlie√ülich entschieden sich Engenhahn, Ober- und Niederseelbach f√ľr Niedernhausen, Dasbach und Lenzhahn, trotz ihrer Jahrhunderte dauernder Verbundenheit zu Ober- und Niederseelbach, f√ľr Idstein.

Anfang der 1980er Jahre wurde das alte Schulgebäude und Rathaus in Niedernhausen zum neuen Rathaus der Gesamtgemeinde erweitert, sowie die Autalhalle errichtet.

Ab 1985 wurde ein weiteres großes Baugebiet auf dem Schäfersberg beim Ortsteil Niedernhausen ausgewiesen.

Heute leben in Niedernhausen √ľber die H√§lfte der Gesamt-Einwohner. Zweitgr√∂√üter Ortsteil ist Oberjosbach mit 2.150, kleinster Oberseelbach mit 450. Die Ortsteile Oberjosbach, Oberseelbach, Niederseelbach und Engenhahn haben dabei ihren d√∂rflichen Charakter weitgehend bewahren k√∂nnen.

Einwohnerentwicklung seit Gr√ľndung der Gesamtgemeinde 1977

Niedernhausen hat seit der Gr√ľndung der Gesamtgemeinde zum 1. Januar 1977 einen starken Bev√∂lkerungsanstieg zu verzeichnen. Die Einwohnerzahl stieg von 12.055 bei der Volksz√§hlung im Mai 1987 auf 14.722 im Juni 2003 . Dies bedeutete einen Bev√∂lkerungsanstieg von √ľber 22 % (Kreisdurchschnitt ca. 11 %). Ursachen sind vor allem die verkehrsg√ľnstige Lage und gleichzeitige N√§he zur Natur sowie und die damit verbundene fortschreitende Bebauung des Neubaugebietes Sch√§fersberg in dieser Zeit. In den letzten Jahren stagniert der Anstieg jedoch, was vor allem daran liegt, dass in den gro√üen Neubaugebieten Lenzhahner Weg und Sch√§fersberg kaum noch freie Baugrundst√ľcke vorhanden sind und bisher keine neuen Siedlungsfl√§chen ausgewiesen wurden.

Einwohnerentwicklung von Niedernhausen seit der Gebietsreform 1977
Einwohnerentwicklung seit 1977
Jahr Einwohner
01.01. 1977 10.952
30.06. 1985 12.220
31.05. 1987 12.055 *)
31.12. 1994 14.231
30.06. 2003 14.722
31.12. 2004 14.648
30.06. 2005 14.664

*) Volkszählungsergebnis

Politik und Verwaltung

Politik

B√ľrgermeister der Gemeinde und damit gleichzeitig oberster Chef der Verwaltung ist seit dem Jahre 1989 G√ľnter F. D√∂ring ( SPD ). Er war gleichzeitig im Jahre 1995 der erste direkt gew√§hlte B√ľrgermeister in Niedernhausen und wurde im Jahre 2001 wiedergew√§hlt. Die n√§chste B√ľrgermeister-Direktwahl findet 2007 statt.

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung Niedernhausen

Die Gemeindevertretung als oberstes politisches Gremium von Niedernhausen wird alle f√ľnf Jahre von den wahlberechtigten B√ľrgerinnen und B√ľrgern gew√§hlt. Sie hat insgesamt 37 Sitze. Die letzte Kommunalwahl am 18. M√§rz 2001 ergab folgende Sitzverteilung: CDU : 16 Sitze, SPD : 12 Sitze, B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen : 4 Sitze, FDP : 3 Sitze, parteilos : 2 Sitze. Die n√§chste Kommunalwahl findet am 26. M√§rz 2006 statt.
Die Gemeindevertretung w√§hlt den Gemeindevorstand. Dieser hat 9 Mitglieder (CDU: 4 Mitglieder, SPD: 3 Mitglieder, B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen: 1 Mitglied, FDP: 1 Mitglied). Zu den Mitgliedern z√§hlen auch der B√ľrgermeister sowie die Erste Beisitzerin (Isolde Ehrhard, CDU).
Die Gemeindevertretung wird durch drei Aussch√ľsse unterst√ľtzt, in denen Themen vorbereitet werden, damit sie der Gemeindevertretung zur Abstimmung vorgelegt werden k√∂nnen. Die drei Aussch√ľsse sind: der Bau- und Umweltausschuss, der Sozialausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss. Die Aussch√ľsse haben jeweils 7 Mitglieder (CDU: 3, SPD: 2, FDP: 1, Gr√ľne: 1).

Die Belange der sechs Ortsteile werden von dort eingesetzten Ortsbeiräten gewahrt. Sie haben in der Gemeindevertretung beratende Funktion und setzen sich politisch nach den Ortsteilergebnissen der Kommunalwahl zusammen. Die politischen Gremien tagen im Rathaus der Gemeinde im Ortsteil Niedernhausen.

Wahlergebnisse in Niedernhausen 1997 bis 2005
Art der Wahl / Termin Wahl-
berechtigte
Wahl-
beteiligung
Abgegebene Stimmen Von den g√ľltigen Stimmen entfielen auf
ung√ľltig g√ľltig CDU SPD FDP GR√úNE WGN *) Sonstige
Anzahl % Anzahl % Anzahl %
Bundestagswahl 18.09. 2005 10.976 84,9 127 1,4 9.188 37,2 29,4 16,2 11,0 - 6,2
Landtagswahl 02.02. 2003 10.857 72,1 109 1,4 7.724 53,0 22,4 9,5 11,4 - 3,7
Bundestagswahl 22.09. 2002 10.891 84,8 119 1,3 9.116 40,0 33,3 11,1 12,7 - 2,9
Kommunalwahl 18.03. 2001 11.126 59,6 126 1,9 6.504 45,3 35,0 11,5 8,2 - -
Landtagswahl 07.02. 1999 10.705 71,6 81 1,1 7.582 49,2 32,5 7,8 7,4 - 3,1
Bundestagswahl 27.09. 1998 10.810 87.8 114 1,2 9.377 39,7 33,5 9,1 12,0 - 5,7
Kommunalwahl 02.03. 1997 10.895 65,4 176 2,5 6.952 35,9 31,4 11,8 7,4 13,5 -

*) Wählergemeinschaft Niedernhausen ( Freie Wähler )

Verwaltung

Rathaus der Gesamtgemeinde im Ortsteil Niedernhausen
Rathaus der Gesamtgemeinde im Ortsteil Niedernhausen

Die Gemeindeverwaltung ist gr√∂√ütenteils im Rathaus unterbracht. Hier finden die B√ľrgerinnen und B√ľrger das Bauamt , das Ordnungsamt , das Einwohner- und Meldeamt , das Standesamt , das Ortsgericht sowie Ansprechpartner f√ľr Umwelt-, Familien-, Entsorgungs- und sonstige Belange. Im Rathaus gibt es ca. 50 Verwaltungsangestellte. Dar√ľber hinaus betreibt die Gemeinde einen eigenen Bauhof. Hier sorgen etwa 20 Mitarbeiter f√ľr den Winterdienst , die Stra√üenreinigung, die Pflege von Friedh√∂fen, Sportpl√§tzen, Kinderspielpl√§tzen und Gr√ľnanlagen sowie die Reparatur und Instandhaltung von gemeindeeigenen Einrichtungen und Geb√§uden. Die Wasserver- und -entsorgung wird von den dem Bauhof angegliederten Gemeindebetrieben sichergestellt. Au√üerdem gibt es einen Recyclinghof . In den sechs Gemeinde-Kinderg√§rten sind rund 35 Erzieherinnen besch√§ftigt. F√ľr Verkehrs- und Umweltdelikte ist das Ordnungsamt zust√§ndig, f√ľr alle weiteren Sicherheitsfragen die Polizei -Station in Idstein. Eine eigene Polizei-Repr√§sentanz wird jedoch seit l√§ngerem gefordert.

Gemeindewappen

Das im Jahre 1977 geschaffene Wappen der Gemeinde Niedernhausen zeigt den goldenen nassauischen Löwen auf blauem Grund. Das silberne Schwert in seiner linken Pranke deutet auf die kurmainzische Vergangenheit Oberjosbachs hin: dessen Wappen zeigt in den kurmainzischen Farben ein rotes Schwert auf silbernem Grund, gleichzeitig Symbol des Heiligen Michael, dem Schutzpatron von Oberjosbach. Die sechs den Löwen umgebenden Schilder symbolisieren die sechs Ortsteile.

Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaft

Niedernhausen gilt im Allgemeinen als Schlafstadt, d. h. die Gemeinde dient vorwiegend Pendlern als Wohnsitz , die die Gro√üst√§dte des Rhein-Main-Gebietes zum Ziel haben. Mit ca. 30 % hat dabei Wiesbaden den gr√∂√üten Anteil, dicht gefolgt von Frankfurt am Main. Die Zahl der Arbeitspl√§tze stieg mit der Zahl der Einwohner, hat aber aufgrund der Pendlerstruktur nach wie vor einen relativ geringen Anteil von ca. 10 % der Bev√∂lkerungszahl. Im Juni 1987 waren 1.192 Menschen in Niedernhausen besch√§ftigt, bis Juni 2002 stieg die Zahl um ca. 21 % auf 1.443. Der Dienstleistungsanteil lag 1987 bei 65 %, 2002 bei 71 %. Die Kaufkraft liegt bei 21.346 Euro pro Einwohner und damit ca. 28,5 % √ľber dem Bundesdurchschnitt. Sie ist damit auch die h√∂chste im Rheingau-Taunus-Kreis.

Niedernhausen beherbergt vor allem kleine und mittlere Betriebe, √ľberwiegend auf dem Dienstleistungssektor. Mittlerweile existieren √ľber 30 High-Tech-Firmen, darunter ca. 20 in der IT -Branche sowie sieben Firmen in der Mess- und Regeltechnik. Der gr√∂√üte Arbeitgeber der Gemeinde mit 220 Besch√§ftigten ist die Hartmann Druckfarben GmbH in Niederseelbach, die seit 1968 hier angesiedelt ist. Ein weiterer gro√üer Arbeitgeber, das RAMADA Hotel Micador ist ein Tagungs- und Kongresshotel mit 254 Zimmern und dem angeschlossenen Rhein-Main-Theater. Seit 1976 war in der Sch√∂nen Aussicht der gr√∂√üte Verlag f√ľr deutschsprachige Ratgeber, die FALKEN-Verlagsgruppe, ans√§ssig. Sie erwirtschaftete mit 120 Mitarbeitern und ca. 1.200 lieferbaren B√ľchern einen Umsatz von ca. 45 Mio. Euro. Im Jahr 2000 wurde der Verlag allerdings vom Bertelsmann-Konzern √ľbernommen und das Haus geschlossen.

Insgesamt gibt es vier Gewerbegebiete : jeweils ein kleineres in K√∂nigshofen, Ober- und Niederseelbach sowie ein etwas gr√∂√üeres in Niedernhausen in der N√§he der Autobahnauffahrt. Hier ist die weitere Ausweisung eines Misch- und Gewerbegebietes von ca. 5  ha Gr√∂√üe geplant.

Bahnhof von Niedernhausen: Eisenbahnknotenpunkt an der Main-Lahn-Bahn
Bahnhof von Niedernhausen: Eisenbahnknotenpunkt an der Main-Lahn-Bahn

Verkehr

Der Bahnhof Niedernhausen befindet sich an der Main-Lahn-Bahn, die von Frankfurt am Main nach Limburg an der Lahn f√ľhrt. Die Strecke wurde bereits im Jahre 1877 er√∂ffnet, der Bahnhof ist der Hauptknotenpunkt dieser Strecke zwischen Frankfurt-H√∂chst und Eschhofen, da hier die L√§ndchesbahn zum Hauptbahnhof der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden abzweigt. Aufgrund seiner √ľberregionalen Bedeutung war der Bahnhof von Niedernhausen im 2. Weltkrieg Ziel mehrerer Luftangriffe.
Seit dem Jahre 1978 ist Niedernhausen zudem Endhaltepunkt der S-Bahn-Linie 2, welche die Gemeinde mit einer Fahrzeit von ca. 35 Minuten mit dem Frankfurter Hauptbahnhof verbindet. Durch die Gemarkung verläuft außerdem die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main mit dem Niedernhausener Tunnel.

Neben den Zugverbindungen nach Frankfurt am Main, Wiesbaden und Limburg an der Lahn besteht eine Stadtbusverbindung nach Wiesbaden (Linie 22 der Stadtwerke Wiesbaden), der die Ortsteile Oberjosbach, Niedernhausen und Königshofen in einer Fahrzeit von ca. 30 Minuten mit der Landeshauptstadt verbindet. Zudem gibt es einen innerörtlichen Busverkehr, der alle Ortsteile mit der Hauptgemeinde und dem Bahnhof verbindet. Überregionale Buslinien fahren ebenfalls den Bahnhof in Niedernhausen an.

Ausgewiesene Fu√üg√§ngerzonen gibt es in Niedernhausen nicht. Allerdings ist die Hauptgesch√§ftsstra√üe, die Bahnhofsstra√üe eine verkehrsberuhigte Einbahnstra√üe, die f√ľr diverse Veranstaltungen (Weinfest, Weihnachtsmarkt, etc.) komplett f√ľr den Verkehr gesperrt wird. In den die Gemeinde umgebenden Taunusw√§ldern gibt es ein dichtes Netz ausgeschilderter Wanderwege.

Am S-Bahn-Bahnhof Niedernhausen ist eine Park&Ride-Anlage vorhanden. Ebenfalls eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen bieten das Niedernhausener Waldschwimmbad und das Rhein-Main-Theater. Im Ortskern sind zudem weitere Parkplätze vorhanden.

Niedernhausen besitzt eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 3 Frankfurt am Main - Köln, die ca. 2 km östlich des Ortskerns befindet. An der Anschlussstelle vorbei und durch das Gemeindegebiet verläuft die B 455.

Der Flughafen Frankfurt ist √ľber die Autobahn in ca. 20 Minuten zu erreichen. Mit dem Zug dauert es - mit Umstieg in Frankfurt Hauptbahnhof oder Wiesbaden Hauptbahnhof - ca. eine Stunde. Aufgrund dieser kurzen Anfahrtszeit zum Flughafen ist Niedernhausen auch bei Lufthansa -Angestellten als Wohnsitz sehr beliebt.

Infrastruktur

Theißtalschule: Kooperative Gesamtschule im Ortsteil Niedernhausen
Theißtalschule: Kooperative Gesamtschule im Ortsteil Niedernhausen

Schulen

In Niedernhausen gibt es zwei öffentliche Schulen. Die Theißtalschule im Ortsteil Niedernhausen wurde Ende der 90er Jahre von einer Grundschule mit Förderstufe in eine Kooperative Gesamtschule mit Grundstufe sowie Gymnasial-, Realschul- und Hauptschulzweig ausgebaut. Die Lenzenbergschule im Ortsteil Niederseelbach ist eine Grundschule und der Theißtalschule angegliedert. Im Ortsteil Königshofen gibt es zudem ein Privatgymnasium sowie eine Musikschule.

Kirchen

Im Gemeindegebiet gibt es insgesamt drei katholische , zwei evangelische und eine neuapostolische Kirchengemeinde. Die katholischen Gemeinden sind Maria Königin in Niedernhausen, St. Michael in Oberjosbach und St. Martha in Engenhahn. Die beiden evangelischen Gemeinden sind die Gemeinde der Christuskirche in Niedernhausen sowie eine weitere in Niederseelbach mit der ältesten Kirche in Niedernhausen, der Johanneskirche aus dem 15. Jahrhundert . Die alte katholische Kirche in Niedernhausen wird heute als Kulturzentrum genutzt.

Sport- und Freizeiteinrichtungen

In Niedernhausen gibt es mehrere Fu√üballpl√§tze , darunter zwei Hartpl√§tze in Engenhahn und Niederseelbach sowie einen Kunstrasenplatz in Niedernhausen. Daneben gibt es drei kleinere Sportpl√§tze in Niedernhausen, K√∂nigshofen und Oberjosbach sowie eine der Thei√ütalschule angegliederte Leichtathletik -Anlage. Die gro√üe Drei-Felder-Sporthalle Autalhalle wird nicht nur von den √∂rtlichen Vereinen genutzt, sondern auch f√ľr Messen und sonstige Veranstaltungen. Die Schulen und gr√∂√üeren Sportvereine haben jeweils noch eigene Hallen. Weiterhin gibt es einen Tennisverein , der mehrere Pl√§tze und eine Halle bespielt, einen Reitplatz , mehrere Kegelbahnen sowie das beliebte Waldschwimmbad mit mehreren Becken, Rutsche und Sprungturm. Das Naherholungsgebiet Thei√ütal bietet neben einem von mehreren Grillpl√§tzen einen gro√üen Anglerteich . Im Ortsteil Engenhahn werden in strengen Wintern Langlauf - Loipen gespurt.

Kindergärten und Gemeinschaftshäuser

Insgesamt sechs gemeindeeigene Kinderg√§rten existieren in den Ortsteilen Niedernhausen (Ahornstra√üe und Sch√§fersberg), K√∂nigshofen, Niederseelbach, Oberjosbach und Engenhahn. Daneben betreibt die Katholische Kirche den Kindergarten St. Josef sowie ein privater Verein den rhythmisch-musischen Kindergarten TASIMU. Neben der gro√üen Drei-Felder-Sporthalle mit Gastronomie (Autalhalle) existieren in jedem der anderen f√ľnf Ortsteile Gemeinschaftsh√§user, die von Vereinen und f√ľr Feierlichkeiten oder Sportveranstaltungen genutzt werden k√∂nnen. Zum Teil ist den Gemeinschaftsh√§usern jeweils die Freiwillige Feuerwehr angegliedert.

Kultur

Schild am Wilrijk-Platz vor dem Niedernhausener Rathaus
Schild am Wilrijk-Platz vor dem Niedernhausener Rathaus

Partnerstädte

Wilrijk (Stadtteil von Antwerpen / Belgien )
Die Partnerschaft mit der belgischen , damals noch selbständigen Stadt (ca. 38.000 Einwohner) besteht seit dem Jahre 1980 . Seitdem findet ein regelmäßiger Austausch statt, so werden etwa Radtouren von einem zum anderen Ort organisiert. Seit dem Jahr 1984 ist Wilrijk ein Stadtteil von Antwerpen , was aber nichts an den intensiven Beziehungen ändert. Der Platz vor dem Niedernhausener Rathaus wurde nach Wilrijk benannt; somit lautet die Anschrift der Gemeindeverwaltung: Wilrijkplatz (ohne Hausnummer).

Deutschland Ilfeld/Harz (Th√ľringen)
Die Verbindung mit der th√ľringischen Stadt im Harz (3.000 Einwohner) wurde kurz nach der Wende im Jahre 1990 angeregt, wohl auch, um im Osten etwas Strukturhilfe zu leisten. Die auf die Initiative Niedernhausens hin begr√ľndete St√§dtepartnerschaft von Ilfeld mit Wilrijk schafft eine freundschaftliche Dreier-Bande. Der Platz vor dem Niedernhausener Bahnhof hei√üt seit seiner Umgestaltung Ilfelder Platz.

Rhein-Main-Theater in Niedernhausen
Rhein-Main-Theater in Niedernhausen

Rhein-Main-Theater

Das √ľberregional bekannte Rhein-Main-Theater, unmittelbar an der Autobahnauffahrt Niedernhausen gelegen, wird f√ľr zahlreiche internationale Veranstaltungen genutzt. Das Haus mit 1.566 Zuschauerpl√§tzen, die sich auf Parkett und zwei R√§nge verteilen, wurde eigens f√ľr die deutschsprachige Erstauff√ľhrung des Musicals Sunset Boulevard von Andrew Lloyd Webber in den Jahren 1993 bis 1995 f√ľr ca. 25 Mio. Euro errichtet. Das St√ľck lief von Dezember 1995 bis August 1997 , die Hauptrollen spielten die bekannten Musical-Stars Uwe Kr√∂ger und Helen Schneider , sp√§ter auch die Schauspielerin Daniela Ziegler . Nach Absetzung des St√ľcks finden wechselnde Veranstaltungen im Theater statt.

Sonstige Veranstaltungsorte und Einrichtungen

Neben dem Rhein-Main-Theater gibt es noch eine Reihe weiterer Veranstaltungsorte in Niedernhausen. Aufmerksamkeit verdient das Zentrum Alte Kirche (ZAK) sowie der Jugendclub I 4. Die Alte Katholische Kirche in der Wiesbadener Stra√üe drohte nach dem Umzug der katholischen Gemeinde in den Neubau an der Bahnhofstra√üe zu verfallen. 1980 √ľbernahm ein privater Verein die Erbbaupacht f√ľr 99 Jahre, lie√ü das Geb√§ude unter Denkmalschutz stellen und renovierte es in Eigenregie. Heute bietet das Haus einen ungew√∂hnlichen und ansprechenden Rahmen f√ľr eine Vielzahl von Veranstaltungen, angefangen von Lesungen √ľber Konzerte und Theaterauff√ľhrungen bis zu Kunstausstellungen.

Zentrum Alte Kirche in Niedernhausen: ehemals katholische Kirche, heute Kulturzentrum
Zentrum Alte Kirche in Niedernhausen: ehemals katholische Kirche, heute Kulturzentrum

Die Jugendlichen organisierten sich erstmals Ende der 1980er Jahre auf Anregung und mit Unterst√ľtzung der Gemeinde. Eine erste Bleibe erhielten sie in einem Raum in der Autalhalle, bevor 1992 die Gemeinde ein heruntergekommenes Geb√§ude gegen√ľber dem Rathaus erwarb. Die Jugendlichen machten aus ihrer Wiesbadener Stra√üe 2, kurz "W2" genannt, mit viel Eigeninitiative einen lebendigen Ort. Als schlie√ülich der endg√ľltige Abriss drohte, setzten sie sich f√ľr einen Umzug ein. Die schlie√ülich im Jahr 2000 von der Gemeinde in direkter Nachbarschaft des Rathauses erworbene ehemalige Metzgerei mit angeschlossenem Schlachthaus bauten sie in ehrenamtlicher Arbeit zu einem Konzert- und Veranstaltungsraum um. Heute finden in der "I 4" (f√ľr Idsteiner Stra√üe 4) neben dem regelm√§√üigen Betrieb und mehreren Arbeitsgruppen (AGs) auch Rockkonzerte und Partys statt.

Die Autalhalle dient nicht nur der Thei√ütalschule und den √∂rtlichen Vereinen als Sporthalle, sondern bietet mit ihrer ausfahrbaren Zuschauertrib√ľne, der angeschlossenen Gastronomie und ihrer Flexibilit√§t zulassenden Ausstattung auch Raum f√ľr regelm√§√üig stattfindende Messen, Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen. So haben hier in vergangenen Jahren beispielsweise die FDP und die Gr√ľnen ihre Hessischen Parteitage abgehalten; die Gemeindevertretung tagt hier ebenfalls. F√ľr die Niedernhausener Kerb wurde die Halle in vergangener Zeit auch als Festzelt genutzt.

Vereine

In Niedernhausen gibt es ein reges Vereinsleben mit der beachtenswerten Zahl von ca. 100 Vereinen und mehreren Tausend Mitgliedern. Viele ehrenamtliche Helfer machen dies möglich. Die meisten Clubs widmen sich dabei dem Sport . Im Sportverein 1913 Niedernhausen und dem Sportverein Niederseelbach 1951 wird vorwiegend Fußball gespielt. Die beiden Vereine haben jeweils bis zu 18 Mannschaften in den unterschiedlichsten Altersklassen von der G-Jugend bis zur Seniorenmannschaft zum Spielbetrieb angemeldet. Die Erste Herrenmannschaft von Niedernhausen spielt in der Bezirksliga Wiesbaden, Niederseelbach spielte zeitweise in der Bezirksoberliga Wiesbaden. Die Abteilung Volleyball des SV Niederseelbach existiert seit 1981 .

Die Turngemeinde 1896 Niedernhausen, mit ca. 1.000 Aktiven mitgliederst√§rkster Verein der Gemeinde, der Turn- und Sportverein K√∂nigshofen 1898, der 'Turn- und Sportverein Engenhahn 1977 sowie die Turngemeinde 1899 Oberjosbach bieten Breitensport . Die beiden ersteren haben jeweils eine Leichtathletik - und eine Turnabteilung , welche regelm√§√üig an Wettk√§mpfen teilnehmen, darunter an den Deutschen Turnfesten und den Hessischen Landesturnfesten. Alle vier besitzen jeweils ein eigenes Vereinsheim und einen Trainingsplatz. Die TG Niedernhausen betreibt dar√ľber hinaus eine gro√üe Basketball -Abteilung, die zeitweise √ľber 10 Mannschaften umfasste; die Erste Herren- und die erste Damenmannschaft spielt jeweils in der Kreisklasse A.

Der Tennis -Club Niedernhausen bespielt mit ca. 400 Mitgliedern 9 Freiluftpl√§tze (Sand) sowie 3 Hallenpl√§tze. In der Tennishalle gibt es au√üerdem mehrere Squash -Felder. Beachtung verdienen der Aikido -Club mit ca. 130 Mitgliedern, der sich der japanischen Selbstverteidigungskunst verschrieben hat, und die DLRG -Ortsgruppe mit ca. 260 Mitgliedern, die f√ľr ihren Schwimmsport das Waldschwimmbad nutzt. Im Winter wird in das Idsteiner oder in Wiesbadener Hallenb√§der ausgewichen.

Mitgliederstark sind au√üerdem der Ski -Club Niedernhausen mit ca. 600 Mitgliedern, die Kerbegesellschaft Veilchenblau Oberjosbach, die Kerbeborsch K√∂nigshofen, die die popul√§re Zeltkerb in K√∂nigshofen veranstalten, das Sch√§fersbergteam, das diverse Veranstaltungen im Neubaugebiet Sch√§fersberg ausrichtet, darunter das Sch√§fersbergfest, sowie die M√§nnergesangvereine Frohsinn 1875 Engenhahn, 1873 Niedernhausen, Eintracht 1885 Niederseelbach und Einigkeit Oberseelbach sowie die Feuerwehrvereine der einzelnen Ortsteile. Der Sch√ľtzenverein K√∂nigshofen kann ein eigenes Schie√üstandgeb√§ude sein Eigen nennen.

Das Vocal-Ensemble Le Courage e.V. ist ein reiner Frauenchor von √ľberregionaler Bedeutung. Er wurde im Jahre 1977 von Musikdirektor Wolfgang Diefenbach gegr√ľndet und wird seitdem von ihm geleitet. Derzeit hat der Chor ca. 55 aktive S√§ngerinnen im Alter von 14 bis 75 Jahren. Es existieren etliche Tontr√§gerproduktionen , das Ensemble errang 36 Siege in regionalen und internationalen Chorwettbewerben und erhielt den 1. Platz im Hessischen Chorwettbewerb.

Regelmäßige Veranstaltungen

Folgende regelmäßige Veranstaltungen finden in Niedernhausen statt (Auswahl):

  • Sch√§fersbergfest (Baugebiet Sch√§fersberg)
  • Weinfest Niedernhausen (Bahnhofstra√üe, Wochenende im August)
  • Zeltkerb K√∂nigshofen (Festplatz K√∂nigshofen, Ende August)
  • Oberjosbacher Kerb (Gemeinschaftshaus Oberjosbach)
  • TuFuMaBa (Fastnachts-Maskenball in Niederseelbach, Lenzenberghalle)
  • Weihnachtsmarkt Niedernhausen (Bahnhofstra√üe, Wochenende im Dezember)
  • Ausstellung Form-Bild-Farbe (Autalhalle)
  • Orchideenschau (Autalhalle)
  • Gewerbeausstellung (Autalhalle)

Sehensw√ľrdigkeiten

Wahrzeichen: Thei√ütalbr√ľcke

Wahrzeichen der Gemeinde ist die 1937 bis 1939 errichtete Thei√ütalbr√ľcke (Teil der Bundesautobahn A 3), die mit 16 B√∂gen √ľber eine L√§nge von 500 m und einer maximalen H√∂he von 46 m das enge Thei√ütal √ľberspannt. Parallel zu ihr entstand in den 1990er Jahren eine Br√ľcke der ICE-Neubaustrecke K√∂ln-Rhein/Main mit √§hnlichen Abmessungen. Das Motiv der B√∂gen der Thei√ütalbr√ľcke wird von der Gemeindeverwaltung und einigen Vereinen als Symbol verwendet.

Sonstige Bauwerke

Evangelische Johanneskirche in Niederseelbach mit 200-jähriger Linde
Evangelische Johanneskirche in Niederseelbach mit 200-jähriger Linde

Evangelische Johanneskirche

Die Johanneskirche in Niederseelbach war seit dem Mittelalter religi√∂ser und geistiger Mittelpunkt des Seelbacher Grundes. Sie ist das wertvollste historische Bauwerk in der Gesamtgemeinde Niedernhausen. Wann das Geb√§ude erbaut wurde, ist unbekannt, jedoch muss es bei Gr√ľndung der Pfarrei um 1220 durch die Grafen von Nassau einen Vorg√§ngerbau gegeben haben. Die Tatsache, dass die Kirche etwas abseits des Dorfkerns von Niederseelbach liegt, k√∂nnte auf eine Entstehung als Feldkirche hindeuten, wie sie in karolingischer Zeit um 800 √ľblich war. Das Gotteshaus ist ein schlichtes Geb√§ude mit einem einschiffigen , flach gedeckten Kirchenraum und einem Chor . An der Nordseite ist der Turm angegliedert, der ein unterirdisches Gew√∂lbe besitzt. Einige Auskragungen an den W√§nden sowie der Chor weisen auf das ehemalige gotische Spitzbogengew√∂lbe hin. Das Kirchenschiff d√ľrfte damit aus dem 15. Jahrhundert stammen. Der Turm erhielt seine Welsche Haube 1790 .

Katholische Kirchen

Die Kirche ‚ÄěSt. Michael‚Äú in Oberjosbach geht auf die Gr√ľndung der Pfarrei Oberjosbach im Jahre 1196 zur√ľck. Die Kirche wurde jedoch mehrmals zerst√∂rt und 1321 , 1728 und schlie√ülich 1949 wieder aufgebaut.

Die Kirche "St. Martha" in Engenhahn wurde 1890 / 1891 in neugotischem Stil errichtet, nachdem die katholischen Einwohner 1888 von der Pfarrei Oberjosbach losgetrennt und derjenigen Idsteins zugeordnet wurden.

Die alte katholische Kirche in Niedernhausen wurde 1885 geweiht, nachdem die Katholiken der aufstrebenden Gemeinde den weiten Weg nach Oberjosbach nicht mehr zur√ľcklegen wollten. Nach dem so genannten Kapellenstreit um die finanzielle Beteiligung K√∂nigshofens an der Kirche, wurde schlie√ülich am 1. Oktober 1904 die Gemeinde "Mari√§ Geburt" gegr√ľndet, welche der Bischof von Limburg an der Lahn am 1. Mai 1921 zur Pfarrei erhob. Nach dem Bau der neuen Kirche in der Bahnhofstra√üe 1960 dient der Bau heute als Kulturzentrum. Die Kirchengemeide nennt sich seit dem Umzug in den Neubau der Kirche "Maria K√∂nigin".

Altes Rathaus in Engenhahn von 1768
Altes Rathaus in Engenhahn von 1768

Historische Rathäuser und Schulgebäude

Historische Rath√§user gibt es in den Ortsteilen Oberjosbach und Engenhahn. Das Rathaus von Engenhahn wurde um 1768 errichtet, diente ab 1820 als Schule und beherbergte sp√§ter bis 1977 die Gemeindeverwaltung. Das Geb√§ude ist ebenso wie das Alte Backhaus ("Backes") in Oberseelbach ein denkmalgesch√ľtztes Fachwerkhaus .

Das Rathaus in Niedernhausen, das heute der Gemeindevertretung als Sitz dient, war urspr√ľnglich ein 1903 erbautes Schulgeb√§ude, in dem auch die B√ľrgermeisterei untergebracht war. 1981 wurde es zu einem repr√§sentativen Geb√§ude erweitert und ist heute ein weiteres Wahrzeichen der Gemeinde.

Sonstige Profanbauten

Das Alte Gasthaus Zum Anker ganz in der Nähe des Rathauses, gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichtet, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ab 1734 war es Gasthaus. Es steht ebenfalls unter Denkmalschutz, ist aber heute leider vom Verfall bedroht.
In K√∂nigshofen zeugen noch der alte Lokschuppen sowie der alte Wasserturm von Niedernhausens Zeit als Eisenbahnhochburg. Sehenswert sind au√üerdem die Gr√ľnderzeit -Villen an der Sch√∂nen Aussicht, die noch einen Eindruck von Niedernhausens Zeit als Luftkurort geben.

Natur

Der gr√∂√ütenteils bewaldete Naturpark Rhein-Taunus liegt auf dem Gemeindegebiet und grenzt zum Teil unmittelbar an die Wohnbebauung. Landschaftlich besonders reizvoll ist der H√∂henzug zwischen der Linie Niederseelbach - Engenhahn und dem parallel verlaufenden Naherholungs- und Naturschutzgebiet Thei√ütal. H√∂chste Erhebung ist hier die Hohe Kanzel mit 592 m √ľ NN . Von West nach Ost zieht sich durch das Gemeindegebiet ein Tal, an dessen H√§ngen sich die Niedernhausener Wohnbebauung ausdehnt. In Oberjosbach findet sich eine 500j√§hrige Eiche , n√∂rdlich von Niedernhausen, auf dem Eselskopf gibt es einige bizarre Felsformationen mitten im Wald ("Hohler Stein").

Persönlichkeiten

  • Curt Mahr (* 23. September 1907; ‚Ć 30. Juli 1978), Komponist und Akkordeonist, lebte bis zu seinem Tod in Niedernhausen
  • Wim Thoelke (* 9. Mai 1927; ‚Ć 26. November 1995), Showmaster und Erfinder der Quizshow Der gro√üe Preis , lebte bis zu seinem Tod in Engenhahn und ist auf dem dortigen Friedhof bestattet
  • Peter Weck (* 12. August 1930), Regisseur, Theaterintendant, B√ľhnen- und Filmschauspieler, war 1996/1997 Intendant des Rhein-Main-Theaters
  • Ebby Thust (* 16. November 1946), Boxpromotor und Funktion√§r beim Bund Deutscher Berufsboxer , lebt in Engenhahn
  • Helen Schneider (*23. Dezember 1952), S√§ngerin und Schauspielerin, spielte 1995 bis 1997 die Hauptrolle der Norma Desmond in dem Musical Sunset Boulevard am Rhein-Main-Theater
  • Gert Scobel (* 1959 in Aachen), Journalist und Fernsehmoderator, lebt in Engenhahn
  • Susanne Fr√∂hlich (* 15. November 1962), Radiomoderatorin beim Hessischen Rundfunk und Autorin, lebt in Engenhahn
  • Axel Mendrok (* 21. November 1963), international t√§tiger Opern- und Konzerts√§nger, lebt in Niedernhausen
  • Uwe Kr√∂ger (* 4. Dezember 1964), bekanntester Musical-Darsteller im deutschsprachigen Raum, wirkte 1995 bis 1997 als Hauptdarsteller am Rhein-Main-Theater

Literatur

  • Heinz Hirt: 1877-2002: 125 Jahre Main-Lahn-Bahn H√∂chst-Limburg. Eppstein (Taunus), 2002, ISBN 3000107142
  • Adolf Tham: Heimatgeschichte Niedernhausen. herausgegeben vom Gemeindevorstand der Gemeinde Niedernhausen, Heft 1 bis 4, 1986-1989
  • Festschrift 700 Jahre Niedernhausen-K√∂nigshofen. 1983

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Informationen aus der Umgebung

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