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Letzte Änderung für Artikel Geschichte der Stadt Bad Hersfeld: 06.02.2006 21:04

Geschichte der Stadt Bad Hersfeld

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Die Geschichte der Stadt Bad Hersfeld ist eng mit der Geschichte der Hersfelder Abtei verbunden, die seit dem 8. Jahrhundert existiert.

Historische Namensformen wie sie in Urkunden auftauchen, waren im Jahr 775 Haerulfisfelt, im Jahr 779 Hariulfisfelt, im Jahr 780 Erulvisfeld, im Jahr 782 Harulfisfelt, im Jahr 968 Herocampia und Herolfesfeld in pago Hassiae, im Jahr 1099 Herosfeld, im Jahr 1107 Herveld, im Jahr 1134 Herschfeld und Hersfeld, im Jahr 1617 Hirschfeld.

Altstadt von Bad Hersfeld
Altstadt von Bad Hersfeld

Inhaltsverzeichnis

Fr├╝hmittelalter

Bei Ausgrabungen gab es Funde aus der La-T├Ęne-Zeit um 400 v. Chr. , unter dem Westwerk der Stiftskirche und am Kirchtor.

Zwischen 736 und 743 kam der aus Bayern stammende M├Ânch Sturmius , nach Haerulfisfelt (Hersfeld). Er erbaute, nach den ├ťberlieferungen von Abt Eigil in der Vita Sturmi, eine mit Rinden gedeckte Kirche am Frauenberg. Nach der Vita Sturmi gab es hier bereits eine verlassene Siedlung, die einem Mann namens Haerulf geh├Ârt haben soll. Somit ergab sich die Ortsbezeichnung Haerulfisfelt. ├ťbersetzt bedeutet das soviel wie "das Feld des Haerulf". Sturmius kam nach Haerulfisfeld, in die Ein├Âde Buchonias (Bezeichnung eines alten Gaues, das bis zum 10.Jahrhundert die Landschaft des mittleren und ├Âstlichen Vogelsberges umfasste) um hier Gott zu dienen, nachdem er unter Abt Wigbert drei Jahre lang als Priester und Heidenbekehrer in der Umgebung Fritzlars gewirkt hatte. Sturmius zog 744 , wegen der N├Ąhe der Sachsengrenze auf Anweisung von Bonifatius, weiter in das Innere der Buchonia und gr├╝ndete das Kloster Fulda. Es ist nicht bekannt, ob die Einsiedelei ( cella ) bis zur Gr├╝ndung des Klosters weiter bestand.

754 wird Lullus (Lul) Nachfolger von Bonifatius auf dem Bischofsstuhl in Mainz. Zwischen ihm und Sturmius entsteht Streit ├╝ber Privilegien des Klosters Fulda, das direkt dem Papst unterstand und nicht dem Mainzer Bischof. Im Jahre 772 unterwarf Kaiser Karl der Gro├če die Sachsen. Daher gr├╝ndete Lullus, wegen der N├Ąhe zur Sachsengrenze und aus Konkurrenzgr├╝nden zu Fulda (Trutzfulda), zwischen 769 und 773 ein Benediktinerkloster in Hersfeld. Auf dem Reichstag von Quierzy (bei Soissons ) wird das Kloster 775 von Kaiser Karl dem Gro├čen unter seinen Schutz genommen. Das Kloster war seitdem eine Reichsabtei (abbatia regalis) und bekam dadurch au├čergew├Âhnliche Vorrechte. Unter anderem die freie Abtswahl durch die M├Ânche des Klosters und die Befreiung von jeder bisch├Âflichen und gr├Ąflichen Gewalt. In weltlicher Hinsicht unterstand damit das Kloster dem K├Ânig und die Stellung des Hersfelder Abts als Reichsf├╝rst bahnte sich an. In geistlicher Hinsicht unterstand das Kloster direkt dem Papst. Das Kloster wurde durch Schenkungen Karls des Gro├čen (Landbesitz, Ortschaften, Zehntabgaben, Kirchen und anderes) rasch ein reicher und machtvoller Faktor im ├Âstlichen Hessen und westlichen Th├╝ringen. Nach dem Breviarium Lulli, einem Zehntverzeichnis um 810 , besa├č das Kloster in karolingischer Zeit rund 60.000 Morgen Land, verteilt auf 193 Ortschaften, von denen 132 Ortschaften mit etwa 3/4 des gesamten Besitzes in Th├╝ringen lagen.

780 l├Ąsst Lullus die Gebeine des Heiligen Wigbert , des ersten Abts von B├╝raberg bei Fritzlar, nach Hersfeld ├╝berf├╝hren. Das Kloster wird dadurch zum Wallfahrtsort. Am 28. Juli 782 besuchte Karl der Gro├če die Abtei Hersfeld. Vier Jahre sp├Ąter, am 16. Oktober 786 , starb Lullus. Er und Witta , einziger Bischof von B├╝raburg, wurden in der Klosterkirche begraben. Der Sarkophag von Witta mit einem steinernen Kopfkissen ist noch heute in der Stiftsruine zu sehen. Das Grab von Lullus gibt es nicht mehr.

F├╝r Siedler, die nicht dem Kloster angeh├Ârten, gab es keine Kirche, da sie in der Klausur der M├Ânche lag. Man erbaute daher um 800 eine kleine Kirche oberhalb des Klosters. Sie wurde der Gottesmutter (Unserer lieben Frau) geweiht, daher hat auch der Frauenberg seinen Namen erhalten. 820 nimmt Kaiser Ludwig der Fromme die Abtei Hersfeld in seinen Schutz und best├Ątigt die Schenkungen seines Vaters Karl.

Der Bau einer Basilika wird 831 begonnen und 850 abgeschossen. Die ├ťberf├╝hrung der Gebeine des heiligen Lullus 852 in diese neue Stiftskirche, gab den Anlass f├╝r das Lullusfest das heute noch gefeiert wird. Der Marktplatz, fr├╝her Ebenheit genannt, wird 915 als Fliehburg angelegt, als es erste Einf├Ąlle der Ungarn gab. Um 1000 wird ein Kloster auf dem Petersberg auf den heiligen Petrus geweiht. Durch ein Papstdekret 966 , welches durch den Einfluss von Kaiser Otto I. zustande kommt, wird die Abtei unmittelbar dem p├Ąpstlichen Stuhl unterstellt. Dies bedeutete das Ende des Mainzer Einflusses in Hersfeld. 1058 tritt der M├Ânch Lambert, sp├Ąter als Lampert von Hersfeld bekannt (ein bedeutender Geschichtsschreiber des Mittelalters), in das Kloster ein und leitet die Klosterschule. Man vermutet, dass er die Vita Lulli (Lebensbeschreibung von Lullus) zwischen 1063 und 1073 geschrieben hat.

Hochmittelalter

Um 1070 wird Asbach in der Vita Lulli, das erste mal urkundlich erw├Ąhnt. Zwischen 1073 und 1074 sammelte Kaiser Heinrich IV. sein Heer, wegen des Aufstandes der Sachsen und Th├╝ringer, bei Hersfeld. Im Jahre 1074 wurde sein Sohn Konrad in Hersfeld geboren. Um 1100 baute man auf dem Frauenberg eine gr├Â├čere Kirche, die sp├Ąter zu einer Klause f├╝r Beginen wurde.

Durch die Lage der Stadt an der am Kreuzungspunkt einiger Altstra├čen , wie zum Beispiel der Via Regia oder Geleit- und Heerstra├če Kurze Hessen, die hier die Fulda und Haune auf Br├╝cken ├╝berquerte, wird Hersfeld 1142 erstmals als Marktort erw├Ąhnt. Dies beg├╝nstigte auch die weitere Entwicklung von Hersfeld. So wird Hersfeld 1170 erstmals als Stadt (civitas, d. h. Stadt mit Mauer, Graben und Marktrecht) erw├Ąhnt. Der Wassergraben wurde durch den Geisbach und den Maisenbach gespeist. Die Stadt hatte vier Tore: das Peterstor, Johannistor, Frauentor und das Klaustor. Von 1249 bis 1252 wurde die Stadt vom Gegenk├Ânig Wilhelm von Holland als Reichsstadt anerkannt. In dieser Zeit wanderten hier auch Flamen ein. Der Stra├čenname Vl├Ąmenweg erinnert noch heute daran. Flamen brachten die Technik der Wolltuchbereitung und der Tuchf├Ąrberrei mit. Schon im folgenden Jahrhundert waren die Wollweber einer der f├╝hrenden Z├╝nfte in der Stadt. Dies schuf die Grundlage f├╝r das bl├╝hende Textilgewerbe im 18. und 19. Jahrhundert.

Sp├Ątmittelalter

Rathaus von Bad Hersfeld
Rathaus von Bad Hersfeld

Im Jahre 1255 schloss sich die Stadt dem Rheinischen St├Ądtebund an. Es erfolgte in kurzen Abst├Ąnden die erste urkundliche Erw├Ąhnung der Orte von Heenes (villa Heynes) im Jahre 1322 , Allmershausen im Jahre 1331 , Beiershausen (Beigershusen) im Jahre 1332 und Kathus (Katens) im Jahre 1340 . Die ersten Unabh├Ąngigkeitsbestrebungen der Stadt von der Abtei zeigten sich 1323 durch die Einweihung der gotischen Stadtkirche und 1344 durch den Kauf des Hospitals am Johannestor mit der Hospitalkirche von der Abtei. Im Jahren 1356 kam es zur ersten gro├čen Pestepidemie bei der 3000 Einwohner der Stadt umkamen. Weitere Epidemien gab es 1410, 1470 und 1486. 1362 wurde Kohlhausen (Collhusen) das erste Mal urkundlich erw├Ąhnt und von 1371 gibt es erste Urkunden ├╝ber das gotische Rathaus der Stadt. Es wird im 16. Jahrhundert erweitert und im 17. Jahrhundert im Stil der Weserrenaissance umgestaltet. Ein B├╝ndnis zwischen der Stadt und dem hessischen Landgrafen wurde am 28. Januar 1373 geschlossen, 1414 und 1430 erneuert. In diesem verpflichtete sich der Landgraf die Stadt bei Fehden zu unterst├╝tzen.

Vitaliskeuz in Bad Hersfeld
Vitaliskeuz in Bad Hersfeld

Am 28. April 1378 wollten die Hersfelder einen neuen Schulthei├č w├Ąhlen. Dadurch verlor der Abt die direkte Kontrolle ├╝ber die Stadt. Dies wollte der amtierende Abt Berthold von V├Âlkershausen verhindern und ├╝berfiel in der Vitalisnacht , von 27. April auf den 28. April, mit Hilfe des hessischen Ritterbundes der Sterner (1370 gegr├╝ndet, aufgrund der zunehmenden Macht der hessischen Landgrafen), die Stadt. Der Ritter Simon von Haune warnte jedoch zuvor die Stadt, der Angriff konnte zur├╝ckgeschlagen werden. Beim Ersteigen der Stadtmauer wird der Ritter Eberhard von Engern, ein Anf├╝hrer des Sternerbundes, durch einen Armbrustschuss t├Âdlich getroffen. Seine durchl├Âcherte Sturmhaube hing lange Zeit am Rathaus. Heute wird sie im Stadtmuseum Bad Hersfeld ausgestellt.

In den folgenden Jahren gab es weitere Streitigkeiten zwischen der Stadt, bzw. dem verb├╝ndeten hessischen Landgrafen und dem Abt. Diesen Streitigkeiten gingen meistens zum Nachteil f├╝r den Abt und das Kloster aus. Die Abtei verlor damit an Einfluss und Besitz. 1432 schlie├čt Abt Albrecht von Buchenau mit Landgraf Hermann einen Erbschutzvertrag, der 1458 und 1490 erneuert wurde. Die Abtei Hersfeld galt seitdem als ein zu Hessen geh├Âriges Land

Reformation

1518 wird das erste mal ein Heilbrunnen in Hersfeld erw├Ąhnt. Mit dem Pfarrer Heinrich Fuchs begann 1520 in Hersfeld die Reformation . Fuchs und ab 1523, sein Kaplan Melchior Ringk predigen in der Stadtkirche, dass kein Mensch sich durch eigenen Werke den Himmel verdienen k├Ânnen. Auf dem R├╝ckweg vom Reichstag in Worms predigte Martin Luther 1521 auf Einladung des Hersfelder Abtes Krato in der Stiftskirche. Der Pfarrer Fuchs heiratet unter dem Eindruck der pers├Ânlichen Begegnung. Abt Karto verweist daraufhin den Pfarrer Fuchs und sein Kaplan der Stadt. Am 17. Dezember 1523 wurde wegen der Ausweisung und nach Predigten von Fuchs und Ringk das Haus des Siftskanzlers und einiger H├Ąuser im Stiftsbezirk von Hersfeldern gepl├╝ndert. Fuchs und Ringk wurden auf Befehl des Landgrafen gefangen genommen. Sie wurden jedoch von Hersfeldern befreit und ├╝ber die hessische Grenze gebracht. Die Flucht der Beiden wurde nicht weiter untersucht. 1524 wird Magister Adam Krafft , der in Fulda im lutherischen Sinn predigte, aus Fulda vertrieben und wurde in Hersfeld aufgenommen. Er wurde der eigentliche Reformator Hersfelds. Neben Martin Bucer gilt Krafft als der Reformator der Landgrafschaft Hessen.

Gef├╝hrt von B├╝rgermeister Ottensa├č, gehen die B├╝rger von Hersfeld im Bauernkrieg von 1525 zu den Aufst├Ąndischen ├╝ber. Sie st├╝rmten den Stiftsbezirk und pl├╝nderten die Abtswohnung. Der Abt zog sich auf das Schloss Eichhof zur├╝ck. Landgraf Philipp von Hessen warf den Aufstand nieder und lie├č sich das mit der Oberherrschaft ├╝ber Teile Hersfelds und einiger Amtsbezirke bezahlen. Nach der Niederwerfung h├Ârt Landgraf Philipp, den Magister Adam Krafft predigen und ernennt ihn zu seinem Hofprediger. Daraufhin kommt Balthasar Raid, wie Adam Krafft aus Fulda stammend, als erster protestantischer Prediger nach Hersfeld. Der Nachbau seines 1563 gebauten Hauses steht in der Unteren Frauenstra├če.

In dies Zeit der Reformation f├Ąllt auch 1526 die erste Erw├Ąhnung des Ortes Sorga.

Neuzeit

In dem verlassenen Franziskanerkloster wurde 1570 durch Abt Michael das Gymnasium gegr├╝ndet. Nach dem Tod des letzten Abtes (Joachim Roell) 1606 , der schon von Landgraf Moritz eingesetzt wurde, setzt dieser seinen Sohn Otto als Administrator ein. Seit dem trugen die Landgrafen von Hessen-Kassel auch den Titel ÔÇ×Graf von HersfeldÔÇť. 1608 l├Ąsst Landgraf Moritz, nach seinem calvinistischen Glauben, die bildlichen Darstellungen aus der Stadtkirche entfernen. Ab 1609 wurde auch der calvinistische Ritus anstelle des lutherischen in Hersfeld praktiziert.

W├Ąhrend des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges hatte Tilly von 1623 bis 1625 sein Hauptquartier in der Stadt. Es gab wieder M├Ânche im Kloster und von 1629 bis 1631 gab es wieder katholische Gottesdienste in der Stadtkirche. Nach dem Ende dieses Krieges wird die Abtei zu einem weltlichen F├╝rstentum und wird vom Kaiser Ferdinand III. von Habsburg dem Haus Hessen-Kassel zugesprochen. Der Friedensvertrag zu M├╝nster und Osnabr├╝ck regelte dies im 15. Artikel, ┬ž 2.

Anstelle des ehemaligen Franziskanerklosters wurde 1688 bis 1689 ein neues Gymnasium gebaut. Dieses Geb├Ąude wird heute noch als Schule verwendet und hei├čt Konrad-Duden -Schule. An diese Schule kam 1705 Conrad Mel als ÔÇ×Inspektor der Kirchen des F├╝rstentumsÔÇť und Rektor dieser Schule nach Hersfeld. 1709 gr├╝ndete er das Waisenhaus. Auf naturwissenschaftlichen Gebiet erfand er unter anderem einen selbstackernden Pflug und veranlasste den Anbau der Kartoffel im Hersfelder Land.

Am Ende des Jahres 1760 wurde die schlanke Spitze des Kirchturms durch Blitzschlag zerst├Ârt. Die Erneuerung war w├Ąhrend des Siebenj├Ąhrigen Krieges nicht m├Âglich. Man versah daher den Turm mit einem stumpfen Notdach, die heute noch die Spitze des Turmes ist. Diese au├čergew├Âhnliche Dachform mag mit dazu beigetragen haben, dass der Kirchenturm heute das Wahrzeichen der Stadt ist.

Turm der Hersfelder Stadtkirche
Turm der Hersfelder Stadtkirche

Am 19. Februar 1761 brannte die Stiftskirche und umliegende Abteigeb├Ąude ab. Franz├Âsischen Truppen unter Marschall Broglie hatten die R├Ąumlichkeiten des aufgelassenen Klosters als Vorrats- und Verpflegungslager genutzt. Um zu verhindern, dass diese Vorr├Ąte den anr├╝ckenden preu├čischen Verb├╝ndeten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig in die H├Ąnde fallen, wurden diese angez├╝ndet. Der Turm ├╝ber der Vierung mit der kupfer-vergoldeten Hand, die angeblich noch von Karl dem Gro├čen stammte, und das Dach der Kirche st├╝rzten unter anderem durch Mehlstaubexplosionen ein. Noch ein halbes Jahr sp├Ąter schlugen Flammen aus den Schuttbergen. Lediglich der Ostfl├╝gel des romanischen Klostergevierts ist erhalten geblieben. In diesem ist heute das Museum untergebracht.

Der Landgraf erwirbt von der Stadt 1798 die farbenreichen Fenster aus der Stadtkirche. Er benutzt sie f├╝r die L├Âwenburg im Bergpark Wilhelmsh├Âhe in Kassel.

Moderne

1806 sind wieder franz├Âsische Truppen in Hersfeld. Es waren Napol├ęons Truppen. Es kam im Dezember 1806 zu einem Zwischenfall zwischen B├╝rgern und italienischen Soldaten, die zu den Truppen Napoleons geh├Ârten. Ein Hauptmann wird verletzt und ein Soldat wird von einer Kugel t├Âdlich getroffen. Kurf├╝rst Wilhelm I. war zu diesem Zeitpunkt von Napol├ęon schon abgesetzt worden, so bittet B├╝rgermeister Johann Michael Gesing beim franz├Âsischen Generalgouverneur in Kassel um Gnade f├╝r die Stadt. Hersfeld musste zun├Ąchst Einquartierungskosten f├╝r die anr├╝ckenden franz├Âsischen Truppen und eine Wiedergutmachungsleistung zahlen (z. B. 5000 Paar Schuhe, 1000 Soldatenm├Ąntel und 5000 Taler).

Denkmal f├╝r Lingg von Linggenfeld in Bad Hersfeld
Denkmal f├╝r Lingg von Linggenfeld in Bad Hersfeld

Napol├ęon entschied dennoch, die Stadt zu pl├╝ndern und an allen vier Ecken anzuz├╝nden. Mit der Ausf├╝hrung wird der badische Oberstleutnant Johann Baptiste Lingg beauftragt. Am 20. Februar 1807 f├╝hrt dieser, mit stillschweigender Duldung seiner franz├Âsischen Vorgesetzten, den Befehl nur w├Ârtlich aus. Es wurden nur vier einzeln stehende H├Ąuser angez├╝ndet. Es war ein Heu- und Strohmagazin am Stift, ein bretternes Exerzierhaus neben dem Brauhaus auf dem Markt, ein kleines Geb├Ąude in der n├Ąhe der Tuchfabrik Braun und das Sondersiechenhaus an der Fuldabr├╝cke. Somit rettet Lingg die Stadt auch vor Pl├╝nderung und v├Âlliger Vernichtung. Er wird f├╝r sein Handeln von den hessischen Kurf├╝rsten Wilhelm I. und Wilhelm II. mit dem Gro├čkreuz des hessischen L├Âwenordens ausgezeichnet und geadelt. Er f├╝hrte nun den Namen Lingg von Linggenfeld.

Die Hersfelder Tuchindustrie dehnte sich im Jahre 1817 , durch die Einf├╝hrung der couquerilschen Spinnmaschine, deutlich aus. Bereits 1142 war Hersfeld reich an Textilverarbeitenden Z├╝nften, z.B. Tuchkaufleute, Gewandschneider , Wollweber und Leineweber. Im Jahre 1264 wurden Hersfelder Tuchmachereien das erste Mal urkundlich erw├Ąhnt. 1853 steht in Hersfeld die erste Dampfmaschine , die den Einsatz des mechanischen Webstuhls erm├Âglicht. Daraus entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten die Tuch- und Maschinenindustrie. Heute gibt es aus dem textilverarbeitenden Gewerbe, au├čer dem Polyesterhersteller Invista (ehemaliges Hoechst Werk), nur noch kleine Betriebe in Bad Hersfeld.

historische Karte des Kreises Hersfeld
historische Karte des Kreises Hersfeld

Das F├╝rstentum Hersfeld wird 1821 in das Kurf├╝rstentum Hessen eingegliedert. Es wird zum Kreis Hersfeld und Hersfeld wird Kreisstadt . Im Jahre 1836 wird die B├╝rgerschule am Neumarkt, nach Pl├Ąnen von Leonhard M├╝ller, gebaut. Er arbeitete in der Stadt als Landbaumeister von 1827 bis 1851 . Er unternahm auch die ersten Ausbesserungs- und Sicherungsarbeiten an der Stiftsruine und einem Fl├╝gel des Klostergeviert, in dem heute das Museum untergebracht ist. Ab 1866 steht auf dem Brunnen vor dem Rathaus ein Standbild des Stadtgr├╝nders Lullus .

Den Eisenbahnanschluss erhielt die Stadt als die Eisenbahnstrecke Bebra - Hersfeld am 22. Januar 1866 eingeweiht wurde und im gleichen Jahr am 1. Oktober folgte die Eisenbahnstrecke Fulda - Neuhof. Ab dem 15. Dezember 1868 war die Strecke durchg├Ąngig bis Frankfurt am Main fertig.

Nach dem Deutschen Krieg 1866 , wurde Kurhessen und damit auch Hersfeld in den preu├čischen Staat eingegliedert. Hersfeld wurde Garnisonsstadt als gegen├╝ber dem Hauptportal der Stiftsruine eine Kaserne errichtet wurde in dem 1871 das 2. Th├╝ringische Infanterieregiment 32, ein F├╝silierbattaillon, stationiert wurde. In dem Geb├Ąude ist heute das Finanzamt untergebracht.

Von 1876 bis 1905 war Konrad Duden Direktor des k├Âniglichen Hersfelder Gymnasiums. In dieser Zeit 1880 erscheint die erste Auflage des Dudens . Die Schule, an der er lehrte, tr├Ągt heute seien Namen.

Zu Ehren des Retters der Stadt Lingg von Linggenfeld wird 1896 ein Denkmal gebaut. Mit der Neuerbohrung der Lullusquelle 1904 , die schon seit 1518 urkundlich bekannt war, begann die Entwicklung der Stadt zum Kurbad. Das Heilwasser dieser Quelle kommt aus 422 m Tiefe. Es ist eine Eisen- und Bittersalzquelle, die bei Erkrankungen des Magens und des Darmes angewendet wird. Mitte des Jahres 1906 wurde das Sanatoriums Wigbertsh├Âhe er├Âffnet. 1928 wurde der Linggbrunnen erbohrt. Das Wasser wird bei Arteriosklerose, Erschlaffungs- und Alterserscheinungen angewendet.

Im Jahre 1936 wird anl├Ąsslich der Zw├Âlfhundertjahrfeier der Stadt die "Kulturhalle" fertig gestellt. Dieser Bau ist heute, nach einem Umbau im Jahre 1999 , die Stadthalle. Die Verkehrs├╝bergabe der Autobahn Frankfurt nach Berlin fand 1942 statt. Am 30. M├Ąrz 1945 erreichen amerikanische Truppen die Stadt. Der Stadtkommandant zieht am 31. M├Ąrz alle milit├Ąrischen Einheiten aus der Stadt ab. Diese Einheiten werden durch die Amerikaner teilweise gefangen genommen. Ein deutscher Offizier f├╝hrt die Amerikaner in die unbesetzte Stadt. Somit kam es nicht zu dem geplanten heftigen Beschuss der Stadt durch die Amerikaner.

Gegenwart

Durch die Erbohrung des Vitalisbrunnens 1949 wurde die Entwicklung zum Kurbad nach dem Krieg weiter fortgesetzt. Das Wasser ist stark glaubersalzhaltig und findet bei Erkrankungen von Magen, Leber, Darm, Galle und des Stoffwechsels Anwendung. Ab dem 4. M├Ąrz 1949 ist Hersfeld Heilbad und darf sich Bad Hersfeld nennen. Im Jahre 1963 wird Bad Hersfeld Staatsbad.

Die Vitalisklinik (f├╝r Rehabilitationszentrum f├╝r Verdauungs-, Stoffwechsel- und degenerative Erkrankungen) wird 1973 er├Âffnet und die Hainbergklinik (f├╝r psychosomatische Erkrankungen) folgt 1977 . Ein Jahr danach wurde mit dem Bau an der Fachklinik Wigbertsh├Âhe (f├╝r psychosomatisch orientierte Therapie suchtkranker Menschen) begonnen. Das Hotel am Kurpark mit R├Âmertherme wurde 1985 er├Âffnet.

Ein Sch├╝ler von Max Reinhardt an der "Staatsakademie f├╝r Musik und darstellende Kunst" (heute Universit├Ąt f├╝r Musik und Darstellende Kunst) in Wien, Johannes Klein begr├╝ndete 1951 mit kunstinteressierten B├╝rgern die Bad Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine. Sie beginnen mit Hofmannsthals Jedermann und Sophokles K├Ânig ├ľdipus vor einem 1600 Personen fassenden Parkett. Im Jahre 1952 finden die Festspiele unter der Schirmherrschaft des Bundespr├Ąsidenten Theodor Heuss statt. Johannes Klein war noch bis 1959 Intendant der Festspiele. 1972 wurde ein elektrisch ein- und ausfahrbares Regendach in der Stiftsruine installiert. 1985 wurde der Stiftsbezirk neu gestaltet und 5 Jahre sp├Ąter feierten die Festspiele 40 j├Ąhriges Jubil├Ąum.

Um Wohnraum f├╝r Vertriebene zu schaffen, die aus ehemals deutschen Gebieten kamen, wurde 1952 die Eichhofsiedlung gebaut. Im gleichen Jahr wurde das Innere der Stadtkirche durch einen Brand zerst├Ârt. Im Jahr 1957 verlegte die Zuse KG ihren Sitz nach Bad Hersfeld. Diese Firma wurde sp├Ąter von der Siemens AG ├╝bernommen.

Durch die Gemeindereform 1972 wurden die Altkreise Hersfeld und Rotenburg zu einem Gro├čkreis zusammengelegt. Bad Hersfeld wurde Kreisstadt von Hersfeld- Rotenburg. Im Jahr 1984 finden Ausgrabungen am S├╝dtor statt, es ist nun f├╝r Fu├čg├Ąnger wieder ge├Âffnet. Die Stadt feiert 1986 1250 j├Ąhriges Jubil├Ąum und gedenkt im selben Jahr des Brands der Stiftsruine vor 225 Jahren mit einem Feuerwerk in der Ruine. 1988 wurde der Klausturm, aus der ehemaligen Wehranlage der Stadt, restauriert. Im gleichen Jahr feiert die Hersfelder Zeitung ihr 225 j├Ąhriges bestehen.

Nach der Wiedervereinigung wurden die amerikanischen Streitkr├Ąfte 1993 abgezogen. Schlie├člich verlegen die Firmen Amazon.de und Libri 1999 ihre Logistikzentren nach Bad Hersfeld.

Weblinks

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