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Letzte Änderung für Artikel Mittelrhein: 16.02.2006 15:34

Mittelrhein

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Blick auf Burg Katz, im Hintergrund die Loreley
Blick auf Burg Katz, im Hintergrund die Loreley
Karte des Rheins
Karte des Rheins

Der Begriff Mittelrhein bezeichnet zum einen geographisch den Streckenabschnitt des Rheins zwischen Bingen / RĂŒdesheim und Bonn, zum anderen das dort gelegene deutsche Weinbaugebiet . Mit seinen hochrangigen BaudenkmĂ€lern, den rebenbesetzten HĂ€ngen, seinen auf schmalen Uferleisten zusammen gedrĂ€ngten Siedlungen und den auf FelsvorsprĂŒngen aufgereihten Höhenburgen gilt er als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft. Andere Abschnitte des Rheins sind Hochrhein, Oberrhein und Niederrhein. Das Obere Mittelrheintal von Bingen bis Koblenz ist seit 2002 UNESCO - Welterbe .

Inhaltsverzeichnis

Die Landschaft

Die geographische Bezeichnung Mittelrhein bezieht sich auf das enge Durchbruchstal des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge zwischen Bingen und RĂŒdesheim im SĂŒden und Bonn-Bad Godesberg und Bonn-Oberkassel im Norden, also die klassische Rheinlandschaft. Am 27. Juni 2002 wurde das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen / RĂŒdesheim und Koblenz in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Das Mittelrheintal verlĂ€uft fast auf ganzer LĂ€nge, bis Rolandseck und Rheinbreitbach auf dem Gebiet des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, dann auf dem von Nordrhein-Westfalen. Geographisch zĂ€hlt zum Mittelrheintal auch das rechte Rheinufer zwischen RĂŒdesheim und Lorch , das zu Hessen und zum Weinanbaugebiet Rheingau gehört. Das Neuwieder Becken trennt den oberen vom unteren Mittelrhein. Eine wichtige Verkehrsverbindung am Mittelrhein ist die linksrheinische Eisenbahnstrecke. Auf dem Namedyer Werth befindet sich der Geysir Andernach , einst mit 45-50 m Höhe der grĂ¶ĂŸte europĂ€ische Kaltwassergeysir . Eine Reaktivierung und touristische Nutzung des Geysirs ist fĂŒr 2006 vorgesehen.

Ortschaften

MoselmĂŒndung am Deutschen Eck in Koblenz
MoselmĂŒndung am Deutschen Eck in Koblenz

Die wichtigsten StĂ€dte am linken Ufer sind Bingen , Bacharach, Oberwesel, Sankt Goar, Boppard und Koblenz am oberen sowie Andernach, Bad Breisig, Sinzig, Remagen und Bonn am unteren Mittelrhein. Am rechten Flussufer liegen RĂŒdesheim, Kaub, Sankt Goarshausen, Braubach und Lahnstein am oberen sowie Vallendar, Bendorf, Neuwied, Bad Hönningen, Linz am Rhein, Bad Honnef und Königswinter am unteren Mittelrhein.

NebenflĂŒsse

GrĂ¶ĂŸere ZuflĂŒsse auf diesem Streckenabschnitt sind linksrheinisch Nahe, Mosel und Ahr, rechtsrheinisch Lahn, Wied und Sieg.

Burgen und Schlösser

linksrheinisch

rechtsrheinisch

Weltkulturerbe "Oberes Mittelrheintal"

Die Loreley
Assmannshausen vom Damianskopf
Assmannshausen vom Damianskopf

Das Obere Mittelrheintal ist das Rheinengtal von Bingen und RĂŒdesheim bis Koblenz. Seit 2002 ist es Weltkulturerbe der UNESCO in der Rubrik Kulturlandschaft.

Kriterien einer Kulturlandschaft

Voraussetzung ist ein geschlossener Landschaftsraum, der eine gewisse Einzigartigkeit aufweist und vom Menschen eine besondere Ausgestaltung erfuhr. Im Oberen Mittelrheintal ist dies im Rheindurchbruch durch das Rheinische Schiefergebirge gegeben. Das Tal mit steilen FelshÀngen erzwang besondere Formen der wirtschaftlichen Nutzung, die das Tal im Laufe der Jahrhunderte gestalteten. Besonders geprÀgt wurde es durch den neu entwickelten Weinanbau auf Terrassen, Schiefergewinnung und die Niederwaldwirtschaft . Landwirtschaft war nur auf den HochflÀchen möglich. Einzigartig ist auch die Vielzahl der Burgen, die entlang von nur 65 Stromkilometern entstanden. Das Obere Mittelrheintal ist die klassische Verkehrslandschaft (seit der Römerzeit), Tourismuslandschaft und durch die Rheinromantik geprÀgt.

Burgenbau

Die Burgen im Mittelrheintal sind bis auf wenige Ausnahmen im 12. bis in die erste HĂ€lfte des 14. Jahrhundert entstanden. Sie wurden meist auf den Mittelterrassen gebaut, die bei der Bildung des Tales entstanden. Im 10. und 11. Jahrhundert war der Burgenbau ein Privileg des Reichs (König, Hochadel). Bauten vor dieser Zeit waren meist in Holz- und Erde-Bauweise ausgefĂŒhrt. Ab dem 12. Jahrhundert setzte eine SchwĂ€chung des Königtums ein. Die Macht der FĂŒrsten und Reichsministerialen (Beamte) wuchs (ab 1273 Wahlkönigtum, 1356 endgĂŒltige Ausbildung von Territorialstaaten). Dies war auch die Zeit des Baus der meisten Burgen. Allein vier von sieben KurfĂŒrsten besaßen Gebiete im Mittelrheintal. Die politische Landkarte zeigte einen Flickenteppich, da diese Gebiete nicht zusammenhĂ€ngend waren. ZunĂ€chst entstanden die Burgen zur Gebietssicherung. Ab dem spĂ€ten 12. Jahrhundert entdeckten die FĂŒrsten den Zoll als Einnahmequelle, so dass jetzt auch Burgen zur Zollsicherung gebaut wurden. Burgen im Stadtbering wurden im Normalfall als Zwingburg gegen die nach Freiheit strebenden StĂ€dter gebaut. Ende des 14. Jahrhunderts kamen auch hier in der Region Feuerwaffen auf. SpĂ€testens ab dem 15. Jahrhundert waren bauliche Reaktionen nötig, die sich nur begĂŒterte Burgbesitzer leisten konnten. Durch die Feuerwaffen verloren schon im Hochmittelalter viele Burgen ihre strategische Bedeutung. Meist setzt jetzt langsamer Verfall ein oder sie werden aufgegeben. Schon im DreißigjĂ€hrigen Krieg gab es zahlreiche Zerstörungen durch durchziehende Truppen. Die endgĂŒltige Zerstörung fast aller Burgen besorgen dann die Truppen Ludwig des XIV. im PfĂ€lzischen Erbfolgekrieg 1689 (ausgenommen bei den Höhenburgen nur Festung Ehrenbreitstein, Marksburg und Rheinfels). Mit Aufkommen der Rheinromantik wurden viele Burgen nach 1815 bis Ende des 19. Jahrhunderts neu aufgebaut.

Weinbau

Verbuschte Weinbergsterrassen
Verbuschte Weinbergsterrassen

Hauptartikel: Weinbaugebiet Mittelrhein

Weitgehend identisch mit der geographischen Region ist das Weinbaugebiet Mittelrhein, eines der durch das deutsche Weingesetz festgelegten „ bestimmten Anbaugebiete “ fĂŒr QualitĂ€tswein .

Gebracht haben den Weinbau die Römer. Allerdings entwickelte er sich erst im Mittelalter von der Mosel aus nach SĂŒden. Diese Entwicklung verlief in vier Phasen vom 11. bis Ende des 14. Jahrhunderts.

Wesentlich fĂŒr die Entwicklung war die neue Technik des Terrassenweinbaus . Bebaut wurden FlĂ€chen von 25° bis 30° und mehr. BegĂŒnstigt war der Anbau durch das Klima. Der Rhein sowie die Schiefer - und Grauwackeverwitterungsböden funktionieren als WĂ€rmespeicher, die große Temperaturschwankungen verhindern. Hinzu kommt der gute Kaltluftabfluss an den steilen HĂ€ngen. Dies kommt vor allem dem spĂ€t reifenden Riesling zugute, der hier zu ca. 75 % die AnbauflĂ€chen bestimmt. Der Terrassenweinbau war wesentlich kleinteiliger als es die heutige Situation zeigt, die erst nach einer Flurbereinigung in den 1960er Jahren entstanden ist (siehe Bild verbuschte Weinbergsterrassen - links und oberhalb der großflĂ€chigen HĂ€ngen verbuschte Kleinterrassen, erkennbar an den vielen hellen, querlaufenden Linien). Mit den alten Trockenmauern ist damals leider auch ein Biotop fĂŒr Kleinlebewesen verloren gegangen. Teilweise sind im Mittelrheintal noch Terrassen in alter Form in Bewirtschaftung (auch an der alten Bindung der Triebe erkennbar - pro Stock ein Pfahl).

Wein war im Mittelalter das einzige keimfreie VolksgetrĂ€nk, da Bier meist schlecht und teurer, Kaffee und Tee noch unbekannt waren. Er war eines der wichtigsten HandelsgĂŒter im Mittelalter, begĂŒnstigt durch den Rhein als wichtigste Wasserstraße und bestehende Römerstraßen. Daher war er interessant fĂŒr Grundherren (Wertsteigerung). Die Verbesserung der rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lage durch immer mehr benötigte FachkrĂ€fte, fĂŒhrte zu neuen PachtverhĂ€ltnissen und zum Aufschwung. Im SpĂ€tmittelalter war der Hauptteil der Bevölkerung vom Weinbau abhĂ€ngig. Nach Auflösung vieler Grundherrschaften erfolgte die Aufsplitterung in viele kleine Parzellen .

Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. hatte dieser Wirtschaftszweig Hochkonjunktur, dann kam es durch den DreißigjĂ€hrigen Krieg zu Rezession und Verfall. Auch bessere Bierpreise, sowie Tee und Kaffee schmĂ€lerten die Erlöse. Ab 1815 gab es durch die Zugehörigkeit zu Preußen wieder einen großen linksrheinischen Aufschwung (quasi Monopol ). Ab 1839 entstand durch den deutschen Zollverein starke Konkurrenz. Dies war der Beginn der Umwandlung vom Haupt- zum Nebenerwerbswinzer. Teilweise gab es zusĂ€tzlichen Profit durch die Rheinromantik (Gutsausschank) und die aufkommende Sektindustrie. Ab 1870 erfolgte eine neue Krise wegen der Eisenbahn (verbesserter Transport), der Industrialisierung, billigerer und besserer Konkurrenz aus dem Ausland und dem Aufkommen von RebschĂ€dlingen von Amerika ĂŒber Frankreich ( Mehltau , Reblaus , falscher Mehltau und Heu - und Sauerwurm ). Tiefere Ursache des Niedergangs waren die verĂ€nderten sozioökonomischen Bedingungen. Bis ins 19. Jahrhundert gab es kaum eine andere Erwerbsmöglichkeit. Dann erfolgten wegen des geringen Profits große Abwanderungen in die aufkommende Industrie. Die linke Seite war erst nach dem Zweiten Weltkrieg mehr betroffen (bis dahin gab es hier kaum Industrie, sowie mehr Fremdenverkehr). Trotz der in den 1960er Jahren bei 92 % der FlĂ€chen durchgefĂŒhrten Flurbereinigung erfolgte ein weiterer RĂŒckgang wegen der mangelnden Profitsituation.

58 % der um 1900 vorhandenen WeinbergsflĂ€chen sind heute völlig verschwunden. Weitere 16 % weisen einen Bracheanteil von 40-80 % auf. Übrig geblieben sind gerade einmal rund 480 ha - Tendenz sinkend. Die Weinbaubrachen verbuschen und werden schließlich vom Wald zurĂŒckgeholt. Dies ist hier ein großes Problem. Wenn man den Charakter der Landschaft erhalten will, sind große Anstrengungen nötig, um fĂŒr die Terrassen neue Nutzungen zu finden, oder sie zumindest freizuhalten.

AusfĂŒhrliche Ausarbeitungen s. die UNESCO-Dokumentation des Landesamt fĂŒr Denkmalpflege (2002) oder als pdf zu laden die Info zum "Steillagenweinbau" und zum Thema "Feuerwein" unter www.mittelrheintal.de oder anzufordern im Mittelrhein-Besucherzentrum Posthof 55422 Bacharach.

Waldwirtschaft

UrsprĂŒnglich waren weite Teile des Tals bewaldet. Im Flusstal wuchsen AuwĂ€lder aus Silberweiden, an den HĂ€ngen Eichen und Hainbuchen - auf besseren Böden auch Buchen. Die erste wirtschaftliche Nutzung erfolgte durch die Römer, die auch Rodungen fĂŒr Acker- und WeideflĂ€chen vornahmen. Mit dem karolingischen Landesausbau (Höhepunkt im 13. Jahrhundert) kam es zu einer Erhöhung der Siedlungs- und Bevölkerungsdichte. In dieser Periode wurden die Weinberganlagen erschlossen und auf den Terrassen begann die Nutzung des GelĂ€ndes als Acker- und WeideflĂ€chen. Ende des 14. Jahrhunderts gab es ca. 50% Wald weniger. Jetzt erkannte man die wirtschaftliche Bedeutung und die Waldnutzung wurde fĂŒr die Region ĂŒberlebensnotwendig.

Waldnutzungsformen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert

  • Die Hauptnutzung war die Holzentnahme als Bau- und Brennstoff sowie zur Herstellung von GerĂ€ten.
  • Die Waldweide lieferte durch GrĂ€ser und KrĂ€uter im Hochwald Nahrung fĂŒr das Vieh. Beim Eintrieb von Schweinen nutzte man Eicheln und Bucheckern im Herbst zur Mast. GrĂŒnlaub wurde ebenfalls verfĂŒttert und als Stallstreu genutzt. Eine beliebte Methode war das „Schneiteln“ von BĂ€umen. Dabei wurden die BĂ€ume „auf den Stock gesetzt“ indem man sie bis zum Wurzelstock kappte. Das war nur bei Eichen möglich, da sie die FĂ€higkeit zur VerjĂŒngung durch Neuaustrieb haben, was reichen Laubnachwuchs brachte. Auf diese Weise entstand ein „Niederwald“.
  • Bei der Wald-Feld-Wechselwirtschaft nutzte man die FlĂ€chen als Ackerland. Nach einer Brandrodung folgte 1-3 Jahre eine Zwischennutzung als AnbauflĂ€che (z. B. Roggen), der sich eine Brache von 10-20 Jahren anschloss. Teilweise wurden wĂ€hrend der Brache die FlĂ€chen auch als Weide genutzt.
  • Eine wichtige Einkommensquelle war die Gewinnung von Eichengerbrinde (Lohe). Die BĂ€ume wurden etwa in Mannshöhe gekappt und die Rinde mit dem Lohlöffel abgeschĂ€lt. Auch diese FlĂ€chen konnte man als Ackerland zwischennutzen.
  • Weitere Nutzungsformen waren die Köhlerei (Holzkohle zur ErzverhĂŒttung), Aschebrennerei ( Pottasche fĂŒr die Glasindustrie, die Seifensiederei (als Bleichmittel) sowie die Gewinnung von Weidenruten.

Heute wird das Tal von durchgewachsenen NiederwĂ€ldern beherrscht. Der letzte „Abtrieb“ erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Franzosen als Reparationsleistung. Bei vielen Eichen ist das an knubbeligen AuswĂŒchsen ĂŒber dem Wurzelstock erkennbar. Da die BĂ€ume mittlerweile zu groß geworden sind, droht hier Gefahr, weil die kargen HĂ€nge die Last nicht mehr tragen können.

Veranstaltungen

Literatur

  • Literaturempfehlungen (Welterbe, Region etc.): www.mittelrheintal.de

Das Rheintal von Bingen und RĂŒdesheim bis Koblenz, Verlag Philipp von Zabern

  • Erdmann Gormsen, Das Mittelrheintal - Eine Kulturlandschaft im Wandel, 2003, Leinpfad-Verlag

Weblinks

Wiktionary: Mittelrhein – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Mittelrhein aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Mittelrhein verfügbar.

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