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Letzte Änderung für Artikel St. Nikolaikirche (Potsdam): 24.01.2006 02:46

St. Nikolaikirche (Potsdam)

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St. Nikolaikirche. Vor dem Portal ein Obelisk von 1755
St. Nikolaikirche. Vor dem Portal ein Obelisk von 1755

In der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam steht am Alten Markt die evangelische St. Nikolaikirche. Nach Pl√§nen des Architekten Karl Friedrich Schinkel entstand in den Jahren 1830 bis 1837 ein Zentralbau im klassizistischen Stil. Die weit √ľber die D√§cher der Stadt emporragende Kuppel wurde dem sakralen Geb√§ude in der Zeit von 1843 bis 1850 aufgesetzt. Die Bauleitung √ľbernahm Ludwig Persius und ab 1845 Friedrich August St√ľler .

Nach der Zerst√∂rung am Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Wiederaufbau ist die Kirche f√ľr Besucher t√§glich ge√∂ffnet. Neben regelm√§√üig stattfindenden Gottesdiensten wird das Geb√§ude auch gern f√ľr Konzertveranstaltungen genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Vorgängerbauten vom 13. bis zum Anfang des 17. Jahrhundert

√úber die erste Potsdamer Kirche aus dem 13. Jahrhundert , die auf der Stelle der heutigen Nikolaikirche stand, ist wenig bekannt. Mit der Bezeichnung ecclesia parochalis wird eine Pfarrkirche in Potsdam im Landbuch Kaiser Karls IV. 1375 erstmals erw√§hnt. Ihr Aussehen √ľberliefert eine einfache Zeichnung, aus der hervorgeht, dass sie eine romanische Basilika mit quergelagertem Westwerk war, die im 14. Jahrhundert zu einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche umgebaut wurde. Die katholische Kirche war filial der Probstei Spandau, die ihre Potsdamer Tochterkirche seelsorgerisch betreute, bis sich 1539 unter Kurf√ľrst Joachim II. Hector in der Mark Brandenburg die Reformation durchsetzte.

Nach dem Konfessionswechsel erfuhr die gotische Kirche im Innern eine Umgestaltung in einen Predigtsaal mit dem Einbau einer Kanzel und 1563 durch das Aufsetzen einer Renaissancehaube auf den romanischen Turm. Die erste sichere Benennung der Kirche geht aus einer Urkunde von 1602 hervor. Kurf√ľrst Joachim Friedrich lie√ü als Patronatsherr die gotische Stadtkirche der Schutzpatronin Katharina weihen, in Erinnerung an seine verstorbene Frau Katharina von Brandenburg-K√ľstrin (1549-1602).

Vorgängerbau im 18. Jahrhundert

Eingeleitet durch den Gro√üen Kurf√ľrsten Friedrich Wilhelm und nach 1701 weitergef√ľhrt durch Friedrich I., den ersten K√∂nig in Preu√üen , entwickelte sich Potsdam zur zweiten Residenz neben Berlin. Gr√∂√üere Stadterweiterungen erfolgten ab 1715 nach dem Regierungsantritt des Soldatenk√∂nigs Friedrich Wilhelm I. durch den Zuzug von Handwerkern, aber vor allem durch die Verlegung der Leibgarde des K√∂nigs nach Potsdam.

F√ľr die aufstrebende Residenz- und Garnisonstadt war die Katharinenkirche zu klein und wurde 1721 abgerissen, um einem barocken Neubau Platz zu machen. Nach Pl√§nen des Baumeisters Philipp Gerlach entstand in den Jahren 1721 bis 1724 der erste Potsdamer Zentralbau mit einem Grundriss in der Form eines griechischen Kreuzes und einem fast 85 Meter hohen Glockenturm auf der Nordseite. Auf Wunsch Friedrich Wilhelms I. erhielt die Stadtkirche den Namen St. Nikolai, geweiht dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und H√§ndler. Noch zwei weitere Kirchen wurden in der Zeit des Soldatenk√∂nigs errichtet, die Garnisonkirche (1730-1735) und die Heiligengeistkirche (1726-1734).

Der gew√∂lbte Saal im Innern der Nikolaikirche war von zweigeschossigen Emporen umgeben, was in jener Zeit zum Kennzeichen des protestantischen Kirchenbaus wurde. Die katholische Kirche, au√üer den Jesuitenkirchen , kennt die Empore in dieser Form √ľberhaupt nicht. Der zeitgen√∂ssische Architekturhistoriker Christian Sturm vertrat in seiner Schrift "Vollst√§ndige Anweisung aller Arten von Kirchen wohl anzugeben", Augsburg 1718 , die Ansicht: "Eine gro√üe Menge von Leuten sollen den Priester gut h√∂ren und sehen. Da man das auf Erden nicht erreichen kann, so muss man versuchen, den Platz √ľbereinander zu gewinnen."

St. Nikolaikirche mit Schaufassade 1771
St. Nikolaikirche mit Schaufassade 1771

Der wenig auf Repr√§sentation bedachte Soldatenk√∂nig strebte bei der Erweiterung seiner Garnisonstadt eine sparsame, zweckm√§√üige Bauweise an. Sein Sohn und Nachfolger Friedrich der Gro√üe wollte das √§u√üere Ansehen Potsdams versch√∂nern und lie√ü einfachen Wohnh√§usern Schaufassaden vorblenden, von den Einwohnern bald als "Vorhemdchen" bezeichnet, sodass sie teilweise ein palast√§hnliches Bild bekamen. F√ľr den Alten Markt, an den die Kirche, das Stadtschloss, das Rathaus und B√ľrgerh√§user grenzten, strebte Friedrich der Gro√üe den Charakter einer italienischen Piazza an. Die Nikolaikirche erhielt nach S√ľden, zur Marktseite, ein neues Gesicht. Nach Zeichnungen Georg Wenzeslaus von Knobelsdorffs wurde dem sakralen Geb√§ude 1752 bis 1755 eine verkleinerte Kopie der Schaufassade von Santa Maria Maggiore in Rom vorgebaut. Im Stil des r√∂mischen Sp√§tbarock war sie durch S√§ulen und Aufs√§tze reich gegliedert. Den oberen Teil der Mittelachse schm√ľckte ein Freskogem√§lde des holl√§ndischen Malers Charles Amed√© Philippe van Loo. Um das Kirchenschiff herum f√ľhrten Bogenhallen, in denen Marktbuden Platz fanden.

Durch unachtsames Umgehen mit L√∂tfeuer bei Reparaturarbeiten am Turm brannte die Nikolaikirche am 3. September 1795 vollst√§ndig aus. 1796 wurde die Ruine abgetragen, nur die Schaufassade blieb bis 1811 stehen. F√ľr die Nikolaigemeinde fanden die Gottesdienste nach der Zerst√∂rung in der nahegelegenen Heiligengeistkirche statt, ab 1806 in der Garnisonkirche und ab 1810 wieder in der Heiligengeistkirche.

Widrige Umstände verzögern einen Kirchenneubau

Gleich nach dem Brand gab der seit 1786 regierende Nachfolger und Neffe Friedrichs des Gro√üen, Friedrich Wilhelm II., Order zur Erstellung von Pl√§nen f√ľr einen Neubau. Die Entw√ľrfe des Baumeisters Michael Philipp Boumann d. J. von 1796 sahen ein Kirchengeb√§ude unter Einbeziehung der sp√§tbarocken Schaufassade vor. Friedrich Gilly , ein Lehrer und Freund Karl Friedrich Schinkels, erstellte im selben Jahr Entwurfszeichnungen mit einem Geb√§ude in einfacher kubischer Form, der sogenannten Revolutionsarchitektur , die sein Sch√ľler sp√§ter wieder aufgriff. Aber der Neubau musste warten. Durch den Tod Friedrich Wilhelms II. im November 1797 und der Architekten Gilly 1800 und Boumann 1803 , gerieten die Pl√§ne vorerst in Vergessenheit.

Darauffolgend √§nderte sich die politische und wirtschaftliche Situation Preu√üens im Krieg gegen Napoleon schlagartig, so dass gr√∂√üere Bauma√ünahmen unm√∂glich wurden. Nach den verlorenen Schlachten bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 zogen am 24. Oktober franz√∂sische Truppen in Potsdam ein und machten die Stadt f√ľr zwei Jahre zum Hauptkavalleriedepot. In der Heiligengeistkirche wurde ein Futtermagazin eingerichtet. Neben der Bek√∂stigung durchziehender Truppenteile lagen ein paar Tausend franz√∂sische Soldaten und ihre Pferde in Dauerquartier. Zudem musste eine hohe Kriegskontribution (Kriegssteuer) aufgebracht werden, was die inzwischen v√∂llig verarmte Stadt endg√ľltig in eine Finanzkrise st√ľrzte.

Neubau der St. Nikolaikirche

Nachdem sich 1820 eine wirtschaftliche Stabilisierung abzeichnete, f√ľhlte sich der preu√üische Regent Friedrich Wilhelm III. als summus episcopus (geistliches Oberhaupt) der evangelischen Landeskirche verpflichtet, dem Dr√§ngen der Nikolaigemeinde f√ľr einen Neubau der Stadtkirche nachzugeben.

Der K√∂nig beauftragte 1826 den Architekten Karl Friedrich Schinkel mit der Planung, der daraufhin verschiedene Vorentw√ľrfe anfertigte. Neben Skizzen einiger rechteckiger, dreischiffiger Kirchen ohne Turm, strebte er die Ausf√ľhrung eines Kuppelbaus mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes an. Schinkel nahm mit dieser einfachen Form den Entwurf Gillys wieder auf und lie√ü die Eindr√ľcke seiner im selben Jahr gemachten Studienreise nach Frankreich und England in die architektonische Gestaltung einflie√üen. Vorbildfunktion f√ľr diesen Entwurf hatte das Panth√©on in Paris des Architekten Jacques-Germain Soufflot und vor allem die St. Paul's Cathedral nach Pl√§nen des Architekten Sir Christopher Wren .

St. Nikolaikirche 1838
St. Nikolaikirche 1838

Einen Anh√§nger f√ľr die Kuppelbauvariante fand Schinkel in dem k√ľnstlerisch begabten Thronfolger Friedrich Wilhelm (IV.), der bereits √§hnliche Skizzen angefertigt hatte. Der k√∂nigliche Bauherr Friedrich Wilhelm III. w√ľnschte jedoch immer wieder √Ąnderungen, die das Bauwerk √§u√üerlich stark ver√§nderten und den √§sthetischen und k√ľnstlerischen Vorstellungen Schinkels zuwiderliefen. Anstelle des geplanten Zentralbaus mit Kuppel kam schlie√ülich eine turmlose Basilika mit flachem Satteldach und Portikus an der Marktseite zur Ausf√ľhrung. 1844 schrieb sein Freund und sp√§terer Biograph Gustav Friedrich Waagen √ľber ihn: "...Nirgends sprach sich seine Selbstverleugnung aber sch√∂ner aus, als wenn Lieblingspl√§ne von ihm...entweder gar nicht zur Ausf√ľhrung kamen, oder doch mannigfach ver√§ndert und beschnitten wurden. Wie lebhaft auch der Schmerz war, den er bei solchen Gelegenheiten empfand, erzeugte er doch nicht jene so leicht begreifliche Verdrossenheit,...er nahm vielmehr von neuem seine ganze Kraft zusammen, um alles zu retten, was unter den beschr√§nkenden Umst√§nden zu retten war, ja er entwickelte √∂fter daraus wieder eigenth√ľmliche Sch√∂nheiten."

1830 begannen die Bauarbeiten, mit deren √∂rtlicher Leitung der Schinkel-Sch√ľler Ludwig Persius betraut wurde, und am 3. September des selben Jahres, genau 35 Jahre nach dem Brandungl√ľck, erfolgte die Grundsteinlegung. Die feierliche Einweihung der neuen Stadtkirche fand sieben Jahre sp√§ter am 17. September 1837 statt und f√ľhrte die christliche Gemeinde von St. Nikolai wieder zusammen.

Schinkels erster Entwurf wird realisiert

Der geniale Architekt des 19. Jahrhunderts , Karl Friedrich Schinkel, durfte die Realisierung seiner Idee eines Kuppelbaus nicht mehr erleben. Er starb nach einem Hirnschlag am 9. Oktober 1841 .

St. Nikolaikirche 1914
St. Nikolaikirche 1914

Der Bef√ľrworter dieses Bauvorhabens, nun K√∂nig Friedrich Wilhelm IV., war seit 1840 an der Regierung. In einer Kabinettsorder vom 1. Mai 1843 befahl er, den urspr√ľnglichen Schinkelschen Plan einer Kuppelkirche zu verwirklichen. Die Bauleitung √ľbernahm wieder Ludwig Persius, der 1842 mit dem Titel "Architekt des K√∂nigs" ausgezeichnet wurde. Die √∂rtliche Leitung wurde dem Baumeister Gustav Emil Pr√ľfer √ľbertragen. Obwohl Schinkel in seiner Planung die Schubkraft der Kuppel ber√ľcksichtigt hatte, hielt es Persius aus statischen Gr√ľnden f√ľr ratsam, den kubischen Unterbau durch Ansetzen von turmartigen Anbauten an den Ecken zu verst√§rken. Bis auf diese √§u√üerlich sichtbare Abweichung wurde die architektonische Gestaltung der Kuppel nach Schinkels Plan ausgef√ľhrt. Ein gro√ües Problem war die schlechte Akustik im Innenraum, die schon zu Schinkels Lebzeiten bei der Einweihung 1837 festgestellt wurde. Persius versuchte dem entgegenzuwirken und lie√ü den Ziegeln Kieselgur beimengen. Durch den por√∂ser gewordenen Stein sollte eine schallschluckende Wirkung erzielt werden - ohne Erfolg, wie sich sp√§ter herausstellte.

Aber auch Ludwig Persius erlebte nicht mehr die Vollendung des Werkes. Nach der R√ľckkehr von einer Italienreise erkrankte er an Typhus und starb am 12. Juli 1845 . Schon im Juni wurde die Oberbauleitung Friedrich August St√ľler √ľbertragen, der die Arbeiten noch f√ľnf Jahre bis zu ihrer Vollendung beaufsichtigte. Am 24. M√§rz 1850 fand die zweite feierliche Einweihung statt.

Ein fast nicht zu l√∂sendes Problem war weiterhin die unbefriedigende Akustik im Kirchenraum. Im Abschlussbericht einer Generalvisitation vom 10. Dezember 1855 stand: "Der erste und st√§rkste √úbelstand in der gr√∂√üesten Gemeinde der Stadt (14.000 Seelen) ist die schlechte Akustik in der Nikolaikirche." Es wurden daraufhin zur Schalld√§mmung Vorh√§nge angebracht und Fu√ümatten gelegt sowie 1882 ein Hanfnetz durch den Kuppelring gezogen und unterhalb der Kuppel angebracht - alles mit m√§√üigem Erfolg. Weitere schalld√§mmende Ma√ünahmen geschahen 1912. Nach dem urspr√ľnglichen Entwurf Schinkels von 1829 brachte der Berliner Bildhauer Otto Lessing plastische Kassetten mit Stuckrosetten im Gew√∂lbebogen an; au√üerdem wurde das Kanzeldach, der Schalldeckel, verl√§ngert, was insgesamt einige Verbesserungen brachte.

Zerstörung der St. Nikolaikirche 1945

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs flog die Royal Air Force am 14. April 1945 einen ihrer letzten schweren Bombenangriffe. Innerhalb einer knappen halben Stunde warfen 490 britische Flugzeuge 1.780 Tonnen Spreng- und Brandbomben √ľber dem Potsdamer Stadtgebiet ab. Ein gro√üer Teil der Altstadt lag in Tr√ľmmern, die Nikolaikirche blieb bis auf leichte Sch√§den unversehrt. Erst in den letzten Apriltagen wurde sie bei den K√§mpfen um Potsdam durch sowjetischen Artilleriebeschuss zur Ruine. Die Kuppel st√ľrzte zusammen, die gr√∂√üte Glocke zerbrach und der Eingangsportikus am Alten Markt wurde vollst√§ndig zertr√ľmmert. Im Innern st√ľrzte die Orgelempore mit der Sauer-Orgel ein, die Apsis erhielt schwere Risse, einige Teile der Ausstattung verbrannten, Schutt und Tr√ľmmerteile bedeckten den Kirchenraum. Lediglich Altar und Kanzel blieben unbesch√§digt. Am 30. April 1945 wurde Potsdam schlie√ülich durch die Rote Armee vom Naziregime befreit.

Wiederaufbau

Bis zum Wiederaufbau der Kirche fanden die Gottesdienste im nahegelegenen Nikolaisaal in der Wilhelm-Staab-Stra√üe statt. Das Geb√§ude von 1909 war √ľber Jahrzehnte das Gemeindezentrum von St. Nikolai und wurde nach den Reparaturen der Kriegssch√§den bis 1981 als "Ersatzkirche" genutzt. 1984 ging der Nikolaisaal in kommunalen Besitz √ľber und wird heute vor allem f√ľr Konzertveranstaltungen genutzt.

Nachdem nach 1945 nur notd√ľrftige Absicherungsma√ünahmen durchgef√ľhrt wurden, um die Einsturzgefahr und das Eindringen von Regenwasser zu verhindern, beschloss der Gemeindekirchenrat 1948 die Restaurierung der Kuppel und der Au√üenfassade. Die Arbeiten erfolgten in mehreren Abschnitten. Die erste Bauphase begann 1955 mit der Errichtung einer 47 Tonnen schweren Stahlkonstruktion der Au√üenkuppel. 1958 erfolgte das Aufbringen der Holzverschalung und der kupfernen Au√üenhaut. Nach dem Montieren der neuen Laterne und dem Aufsetzen von Kugel und Kreuz endeten die Kuppelarbeiten am 28. August 1962.

Von 1968 bis 1977 wurden in der zweiten Bauphase die Zerst√∂rungen an der Au√üenfassade beseitigt und der S√§ulenportikus am Alten Markt wieder aufgebaut. W√§hrend der zweiten Bauphase wurde ab 1975 auch das Innere der Kirche restauriert. Hier gab es einige Ver√§nderungen an den Ausmalungen der W√§nde und bauliche Umgestaltungen, wodurch R√§ume f√ľr die vielf√§ltigen Aufgaben in der Kirchengemeinde geschaffen wurden. Am 2. Mai 1981, 36 Jahre nach ihrer Zerst√∂rung, fand die feierliche Einweihung statt.

Architektur

Außengestaltung

Grundriss der St. Nikolaikirche
Grundriss der St. Nikolaikirche

Die im klassizistischen Stil errichtete Nikolaikirche ist ein Zentralbau mit einer nach Norden ausgebauten Apsis . Der verputzte Sockelbau hat einen quadratischen Grundriss von 30 x 30 Meter und eine H√∂he von 27 Metern bis zum Hauptgesims. Vier T√ľrme an den Ecken tragen hinter Rundbogen√∂ffnungen im obersten Geschoss die Glocken. Den Abschluss bilden spitz auslaufende T√ľrmchen, die von Engelstatuen bekr√∂nt werden.

Der kubische Bau wird an der s√ľdlichen Frontseite durch einen S√§ulen portikus , eine offene Vorhalle, der Treppenstufen vorgelagert sind, aufgelockert. Sechs kannelierte korinthische S√§ulen st√ľtzen das Tympanon unter dem Satteldach. Die heute freie Fl√§che dieses dreieckigen Giebelfeldes war vor der Zerst√∂rung 1945 mit einem Relief mit Motiven aus der Bergpredigt geschm√ľckt. Worte aus der Bergpredigt finden sich auf einer dreiteiligen Votivtafel an der Au√üenfassade oberhalb des Portikus wieder. Reliefbilder von vier Engeln mit Palmzweigen trennen die Schrifts√§tze: - Selig sind die da Leid tragen, denn sie sollen getr√∂stet werden. Selig sind die da hungert und durstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. - Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Unser Wandel ist im Himmel. Von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi dem Herrn. - Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. - Neben je f√ľnf hohen Sprossenfenstern im unteren Teil dominiert im oberen Bereich je ein gro√ües buntverglastes Halbkreisfenster auf der West- und Ostseite.

Auf dem fast w√ľrfelf√∂rmigen Unterbau erhebt sich auf dem leicht gestuften Dachansatz die m√§chtige Tambourkuppel. Der Tambour hat eine H√∂he von 22,5 Metern und ist von achtundzwanzig korinthischen S√§ulen umgeben. Durch die dahinterliegenden hohen Fenster f√§llt, wie durch die Halbkreisfenster im Sockelbau, Licht in den Predigtraum. Der dar√ľber liegende Kranz von Blendfenstern, die durch Pilaster getrennt sind, stellt die Verbindung zur Kuppel her. Die doppelschalige Kuppel, mit einem Durchmesser von 24 Metern und einer H√∂he von 13 Metern, hat eine kupferbedeckte Au√üenhaut, die durch Segmente und Rundfenster (Ochsenauge) unterbrochen wird. Den Abschluss bildet eine 14,5 Meter hohe Laterne mit Kugel und Kreuz und gibt dem Geb√§ude eine Gesamth√∂he von 77 Metern.

Innenraumgestaltung

Die Tambourkuppel

Der nach außen quadratische Kirchenbau hat im Innern den Grundriss eines griechischen Kreuzes. Mit einer Höhe von 52 Metern bis zum Kuppelscheitel der gemauerten Innenschale nimmt die Tambourkuppel in dem Zentralbau eine gewollt dominierende Stellung ein. Auffällig sind die Medaillons an der Überleitung vom unteren Tambourkreis zum Sockelbau. In den vier Dreiecken, den Pendentifs , werden auf goldglänzendem Untergrund die Propheten des Alten Testaments Jesaja , Jeremia , Ezechiel und Daniel dargestellt. Die Bildwerke stammen von dem Maler Peter von Cornelius .

Die Verbindung zu Pers√∂nlichkeiten aus dem Alten Testament bleibt durch die figurale Gestaltung der vierzehn Nischen √ľber den Fenstern im Tambourrund erhalten, Personen aus der Zeit vor Christi Geburt, die zwischen Gott und den Menschen vermittelten. Die Skulpturen des Noah , Moses , K√∂nig David , K√∂nig Salomo und Johannes dem T√§ufer wurden bei dem Einsturz der Kuppel 1945 teilweise schwer besch√§digt und bis heute als Erinnerung an die Kriegstage nicht restauriert. Alle vierzehn Figuren stammen aus den Werkst√§tten der Bildhauer Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow . Auch nicht wiederhergestellt wurde in der Kuppel ein plastisch gemaltes Wolkenband mit im Rund stehenden Engelgestalten und die √ľber allem schwebende Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes .

Apsis und Chor

Apsis mit Altarziborium
Apsis mit Altarziborium

Ein weiteres Zeichen der Kriegszerst√∂rung wird in der Apsis sichtbar. Vor 1945 befand sich in der heute farblos √ľbert√ľnchten Halbkuppel ein Gem√§lde mit dem thronenden Christus. Die Engel an seiner Seite trugen Palme und Kreuz, die Symbole f√ľr Frieden und Erl√∂sung, zu ihren F√ľ√üen ein Wolkenband und √ľber allem die Taube. Eine Arbeit des Malers Bernhard Wilhelm Rosendahl . Ebenfalls sein Werk ist die durch Schinkel vorgegebene Apsisausmalung die nur noch im unteren Teil im Halbrund vorhanden ist. Auf goldgl√§nzendem Untergrund sind in der oberen Reihe die vier Evangelisten mit ihren Symbolen abgebildet, in der unteren die namentlich bezeichneten zw√∂lf Apostel .

Vom Predigtraum aus wird das Gesamtbild durch das Altarziborium (Altarbaldachin) unterbrochen. In Schinkels Planung war nur der aus dunklem b√∂hmischen Marmor gearbeitete Altartisch vorgesehen. Auf Wunsch Friedrich Wilhelms IV. ist nach Entw√ľrfen Friedrich August St√ľlers 1850 der auf vier wei√üen Marmors√§ulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen ruhende Baldachin errichtet worden. Der Architrav (Hauptbalken) zwischen Dach und S√§ulen ist mit Ornamenten und vergoldeten Engelk√∂pfen auf Medaillons verziert. Die ornamentale Ausschm√ľckung mit Engelfiguren und Engelk√∂pfen findet sich im gesamten Kirchenraum an Kapitellen, Br√ľstungen und Malereien wieder.

Kanzel
Kanzel

Ein Werk Schinkels, das den Zerst√∂rungen 1945 entging, ist die Kanzel im Chorraum . Nach seinen Pl√§nen schuf der Bildhauer August Ki√ü Reliefbilder aus Zinkguss mit Motiven aus der Bergpredigt. Von Schinkel nicht geplant ist der auffallend lang in den Raum gezogene Schalldeckel √ľber der Stehfl√§che, der die √úberakustik mindern soll.

Als vor√ľbergehender Ersatz f√ľr die im Krieg zerst√∂rte Sauer-Orgel, wurde 1978 eine Schuke-Kleinorgel mit sechs Manualregistern und einem Pedal auf mechanischen Schleifladen im linken Chorraum aufgestellt. Sie konnte 2005 durch eine 19-Register-Orgel ersetzt werden. Eintausendsechshundert Pfeifen einer Orgel, die 1954 von der Potsdamer Werkstatt Schuke f√ľr die abgerissene Trinitatiskirche im nordrheinwestf√§lischen Essen-Altenessen gebaut wurde, kamen f√ľr den Einbau im Altarraum der St. Nikolaikirche an ihren Herstellungsort zur√ľck. F√ľr den sechseinhalb Meter hohen Orgelprospekt wurde lediglich ein neues Geh√§use gefertigt.

Bauliche Veränderung im Innern

W√§hrend der Au√üenbau in seiner urspr√ľnglichen Form rekonstruiert wurde, gab es im Kircheninnern einige Ver√§nderungen, um R√§umlichkeiten f√ľr ein Gemeindezentrum zu schaffen. Nach Ausschachtungsarbeiten entstanden Kellerr√§ume f√ľr technische und sanit√§re Anlagen, ein Jugendraum und eine Teek√ľche.

Im Kirchenraum wurden die Emporen, gest√ľtzt auf korinthischen S√§ulen, zwei Meter vorgezogen. Unter ihnen entstand Platz f√ľr Ausstellungs-, Beratungs- und B√ľror√§ume entlang der Seitenw√§nde. Dunkel get√∂nte Glasscheiben hinter den Emporens√§ulen trennen die R√§ume vom Predigtraum. Durch diese bauliche Ver√§nderung ist der Grundriss des griechischen Kreuzes im Innern nicht mehr erkennbar. Eine bedeutende Minderung der √úberakustik erfolgte durch die f√§cherf√∂rmig angelegten Glasw√§nde im Eingangsbereich und durch das Befestigen von Kassettenplatten zwischen den hohen Fenstern im Tambour.

Die christliche Gemeinde von St. Nikolai

Die heutige Evangelische St. Nikolai-Kirchengemeinde Potsdam besteht seit 1983 . Sie ist ein Zusammenschluss der Gemeinden St. Nikolai, Heiligengeist und Auferstehungsgemeinde (Teltower Vorstadt).

Die unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. errichtete Heiligengeistkirche wurde im April 1945 durch Bomben zerstört. Es standen nur noch die Umfassungsmauern und der 1974 gesprengte Turmstumpf.

Die Teltower Vorstadtgemeinde, die sich nach 1900 in Wohngebieten au√üerhalb der alten Potsdamer Stadtgrenzen gebildet hatte und die ab 1925 ‚ÄěAuferstehungsgemeinde‚Äú hie√ü, hielt ihre Gottesdienste in einem 1911 erbauten Gemeindehaus auf dem Potsdamer Brauhausberg. Ein geplanter Kirchenbau konnte nicht realisiert werden. Im April 1945 wurde das Haus durch Bomben besch√§digt und im Mai durch Brandstiftung v√∂llig zerst√∂rt.

Nach der Wiederherstellung der St. Nikolaikirche 1981 zog die Nikolaikirchengemeinde wieder in ihr Gotteshaus ein. Da die beiden anderen Gemeinden keine Kirche hatten und St. Nikolai nahezu im Schnittpunkt dieser Gemeinden lag, war eine gemeinsame Nutzung naheliegend.

Literatur

  • DKV-Kunstf√ľhrer Nr. 424/9: St. Nikolai in Potsdam. 3. Aufl., Deutscher Kunstverlag GmbH, M√ľnchen Berlin, 1999
  • Gemeindekirchenrat der Ev. St. Nikolaikirchengemeinde Potsdam (Hrsg.): St. Nikolai Potsdam. 150 Jahre unter der Kuppel. UNZE Verlags- und Druckgesellschaft Potsdam mbH, Teltow, 2000
  • Waltraud Volk: Potsdam. Historische Stra√üen und Pl√§tze heute. 2. stark bearbeitete Aufl., Verlag f√ľr Bauwesen, Berlin M√ľnchen, 1993 ISBN 3-345-00488-7

Weblinks

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Koordinaten: 52¬į 23‚Ä≤47‚Ä≥ N, 13¬į 3‚Ä≤39‚Ä≥ O

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