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Letzte Änderung für Artikel Geschichte von Cottbus: 18.02.2006 12:04

Geschichte von Cottbus

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Die Geschichte von Cottbus beginnt nicht erst mit der ersten urkundlichen ErwĂ€hnung, sondern bereits mit der Vor- und FrĂŒhgeschichte des Lausitzer Raumes. Zeugnisse dieser frĂŒhen Phase der Besiedlung sind vor allem im Stadtmuseum und Stadtarchiv von Cottbus zu sehen. Aus den schriftlich ĂŒberlieferten Jahrhunderten gibt es mehr als 130 verschiedene Schreibweisen des Namens Cottbus. Ältester bekannter Name ist Chotebuz, einer der ungewöhnlichsten ist Kukubuzl. Weitere Beispiele sind Kottbus, Chotibus, Cothebuz, Kotwos, Kohebuz, Godebutz oder Godabuss.

Inhaltsverzeichnis

Mittelalter

Bis zur ersten urkundlichen ErwÀhnung (bis 1156)

Der Gerichtsberg mit dem Amtsgericht
Der Gerichtsberg mit dem Amtsgericht

Fast zweitausend Jahre alt sind die ersten Spuren menschlicher Besiedlung, die sich im Bereich der Cottbuser Altstadt nachweisen lassen. Im heutigen Stadtgebiet sind diese Siedlungsspuren noch wesentlich Ă€lter. Schon vor rund dreitausend Jahren, in der Bronzezeit , lebten hier Menschen. Auf dem Gebiet der heutigen Stadtteile Ströbitz, Schmellwitz, Sielow und Dissenchen bauten sie LehmhĂŒtten und betrieben Viehzucht . Im 3. und 4. Jahrhundert waren hier germanische Siedler ansĂ€ssig. Seit dem 6. Jahrhundert wanderten aus dem SĂŒdosten slawische StĂ€mme in das Gebiet zwischen Elbe/ Saale und Oder ein.

Im Gebiet von Cottbus wurden die Lusitzi ansĂ€ssig, ein westslawischer Stamm, der zum Verband der Sorben gehörte. Nach der spĂ€teren deutschen Bezeichnung wurden diese StĂ€mme auch Wenden genannt. Schon im 8. Jahrhundert erbauten die Wenden auf einer Talsandinsel am Westufer der Spree einen mittelslawischen Burgwall . Es ist die Stelle des heutigen Schloss- und Gerichtsberges. Auf diesem erhob sich der Bergfried der mittelalterlichen Burg Cottbus. Bei Ausgrabungen konnten vier Burgphasen festgestellt werden, davon drei slawische und eine frĂŒhdeutsche. Im Schutze der slawischen Burg legten die Wenden seit dem 8. Jahrhundert östlich der heutigen Oberkirche eine Vorburgsiedlung an. In spĂ€tslawischer Zeit, im 11. und 12. Jahrhundert, entstand aus dieser Vorburgsiedlung eine frĂŒhstĂ€dtische Siedlung. Die in diesem Marktort lebenden Wenden betrieben Ackerbau und Viehzucht, aber auch Metallverarbeitung , Töpferei , Leder- und Holzbearbeitung.

Im 12. Jahrhundert wurde im Zuge der Eroberung und Kolonialisierung des Ostens durch die Deutschen die Cottbuser Burg mit einem kaiserlichen Burggrafen besetzt. Markgraf Konrad von Meißen, auch der Große genannt, wollte am 30. November 1156 als Mönch auf dem Petersberg bei Halle leben. Als Zeuge dieses Rechtsaktes wurde in der dazugehörigen Urkunde ein „heinricus castellanus de Chotibuz“ aufgefĂŒhrt. Dies war die erste urkundliche ErwĂ€hnung der Stadt Cottbus.

Die Herren von Cottbus (1199-1441)

Die „Herren von Cottbus“, ein frĂ€nkisches Adelsgeschlecht , herrschten von 1199 bis 1445 in Cottbus. 1304 mussten die Wettiner wegen Geldschwierigkeiten die Lausitz verkaufen. Bis 1370 kam es aus diesem Grund zu einem hĂ€ufigen Besitzwechsel der Stadt Cottbus. Die jeweiligen Besitzer waren die Lehnsherren der Herren von Cottbus. Die Lausitz besaßen in dieser Zeit FĂŒrsten aus den HĂ€usern der Askanier, der Wettiner , der Wittelsbacher und der Luxemburger .

Am 16. MĂ€rz 1357 gab Markgraf Ludwig von Brandenburg, „der Römer“ genannt, den Herren von Cottbus ein Straßenprivileg. Dieses wurde 1371 von Kaiser Karl IV. bestĂ€tigt. Darin wurde eine Handelsstraße von Böhmen ĂŒber Cottbus, Fehrow und Peitz nach Frankfurt (Oder) genannt. FĂŒr das Jahr 1380 wird erstmals von dem Auftreten der Pest in Cottbus berichtet. Bis ins 17. Jahrhundert trat diese Epidemie immer wieder auf und forderte tausende Tote.

Von 1349 bis 1389 regierte Johann II. von Cottbus . Er nahm unter den Lausitzer Adligen einen ersten Platz ein. Als markgrĂ€flicher und kaiserlicher Beamter war er hĂ€ufig zwischen Salzwedel und Perleberg, Soldin und Landsberg , Frankfurt (Oder) und Berlin, TangermĂŒnde und der Niederlausitz unterwegs. Von 1387 bis 1431 regierte Johann III. von Cottbus . Er war ein rauflustiger Ritter und unter anderem an der Bibersteinschen Fehde (1387-1388) um den Besitz der Herrschaft Beeskow/ Storkow und an der Priebusschen Fehde (1398-1399) beteiligt. Gegen das Bautzener Land zog er 1401 mit 800 Reitern in den Kampf. Danach sank er fast auf die Stufe von Raubrittern . Als seine Söhne Luther und Reinhard 1420 Cölner Kaufleute ausraubten, nahte das Ende der Herren von Cottbus.

Am 11. Mai 1405 erteilte Johann III. von Cottbus den Tuchmachern der Stadt das so genannte Gewandmacherprivileg, am 29. November 1406 folgte das Leineweberprivileg. In beiden FĂ€llen wurde detailliert die Verarbeitung der Rohstoffe und die Organisation des Handwerksbetriebes festgelegt. Im Oktober 1429 hatten hussitische Heerschaften unter der FĂŒhrung von Andreas Prokop die Stadt Bautzen belagert. Die Herren von Cottbus hatten den Bautzenern geholfen, wie schon 1427 den Görlitzern und 1428 den Löbauern. Da die Eroberung Bautzens nicht gelang, zogen die Hussiten in die Niederlausitz. Am 20. Oktober 1429 wurde Cottbus belagert, doch die starken Befestigungsanlagen hielten dem Ansturm stand. Im Juli 1441 wurden Reinhard und Luther verurteilt, Schadensersatz an die Cölner Kaufleute zu zahlen. Nach dem Tode Johann III. im Jahr 1431 besaßen seine beiden Söhne je die HĂ€lfte der Herrschaft. Da die Kaufleute den Schadensersatz mit Gewalt vollstrecken wollten, begaben sich Reinhard und Luther in den Schutz des KurfĂŒrsten Friedrich II. von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern. Die Herrschaft der Herren von Cottbus war damit beendet.

Neuzeit

Unter brandenburgischer Herrschaft (1445-1571)

Am 18. Juli 1445 verkaufte Reinhard seinen Anteil der Herrschaft an den brandenburgischen KurfĂŒrsten . Am 20. Juli leisteten die BĂŒrger den Treueeid . Seit diesem Zeitpunkt gehörte Cottbus zum KurfĂŒrstentum Brandenburg/ Preußen . In der nachfolgenden geschichtlichen Entwicklung war die Stadt lediglich in der napoleonischen Zeit von 1807 bis 1813 sĂ€chsisch. Als am 4. Juni 1455 auch Luther starb, gelangte auch der zweite Teil der Herrschaft an Brandenburg, das sich ein Vorkaufsrecht gesichert hatte. Am 29. Oktober 1461 belagerte Zdenko von Sternberg Cottbus und KurfĂŒrst Friedrich II. eilte mit Truppen herbei. Zwei Wochen spĂ€ter, am 11. November, kam es zu einer Schlacht. Sie endete mit einer Niederlage von Zdenko von Sternberg, aber beide Seiten mussten schwere Verluste hinnehmen.

Im September 1468 wurde durch Blitzschlag die gesamte Stadt in Brand gesetzt und bis auf den Grund vernichtet. Kaum war die Stadt wieder aufgebaut, vernichtete 1479 ein Großfeuer die Stadt. 1478 belagerte Herzog Hans von Sagan sieben Tage lang Cottbus. Die Stadt mit ihren wehrhaften Mauern und BĂŒrgern konnte er nicht bezwingen, aber das umliegende Land wurde verwĂŒstet. Im Jahr 1484 gab es eine große Heuschreckenplage , in deren Folge es zu einer Hungersnot kam. 1496 hielt erneut die Pest Einzug in die Stadt. Rund 2.000 Menschen wurden ein Opfer dieser Seuche.

Im Jahr 1499 wurde Joachim I. KurfĂŒrst von Brandenburg. WĂ€hrend seiner Herrschaftszeit ließ er Cottbus besondere FĂŒrsorge zukommen. Im Dezember 1501 erlangten Abgesandte der Stadt bei KurfĂŒrst Joachim I. eine ganze Reihe von Rechten. Das alte Erbrecht wurde bestĂ€tigt und fĂŒr die Tuchmacher wurden jĂ€hrlich zwei WollmĂ€rkte festgesetzt. Außerdem wurde der Bierzwang eingefĂŒhrt, was bedeutet, dass innerhalb einer Meile um die Stadt nur Cottbuser Bier ausgeschenkt werden durfte. Auch die Handwerker erhielten das Meilenrecht. Außerhalb der Stadt durften keine Handwerker niedergelassen sein und innerhalb der Stadt nur der Innung Angehörende.

1522 scheiterte der Versuch Johannes Briesmanns , den lutherischen Glauben einzufĂŒhren. Nach dem Tod Joachims I. gelangte die Herrschaft Cottbus in den Besitz des Markgrafen Johann V. Auch er traf vorteilhafte Entscheidungen fĂŒr Cottbus. 1537 setzte Markgraf Johann V. die Reformation durch. 1540 erließ er eine Polizeiverordnung fĂŒr Cottbus, die fĂŒr Jahrhunderte Bestand hatte. Sie regelte das öffentliche Leben, griff aber auch in das Privatleben ein. Im Jahr 1544 musste das schwere GeschĂŒtz vom Schloss Cottbus an die Festung KĂŒstrin abgegeben werden. 1552 wĂŒtete erneut die Pest in Cottbus und forderte 1.783 Opfer. Am 13. Januar 1571 starb Markgraf Johann V. im Alter von 57 Jahren. Seine LĂ€ndereien samt Cottbus fielen wieder an Kurbrandenburg zurĂŒck. Dort regierte KurfĂŒrst Johann Georg.

Bis zum Ende des DreißigjĂ€hrigen Krieges (1571-1648)

Der MĂŒnzturm
Der MĂŒnzturm

Anfang September des Jahres 1600 vernichtete ein Großbrand die gesamte Stadt. Neben den WohnhĂ€usern brannten auch die Kirchen, das Rathaus, die Schule, das Schloss und das Hospital ab. Nur neun kleine HĂ€user ĂŒberstanden die Katastrophe. Der KurfĂŒrst stellte Bauholz zur VerfĂŒgung und sprach Steuerbefreiungen fĂŒr fĂŒnf Jahre aus. Auch das 1543 geliehene Kirchensilber gab er zurĂŒck. Im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt erhielt der MĂŒnzturm im Jahr 1603 ein neues Dach mit Wetterfahne und Krebs.

Am 14. Juni 1620 erreichten die Vorboten des seit 1618 tobenden DreißigjĂ€hrigen Krieges Cottbus. An diesem Tag gab es erstmals Einquartierungen von Soldaten. In der Folgezeit zogen mehrmals Söldner, aber auch FlĂŒchtlinge, durch die Stadt. Am 3. August 1626 zog Wallenstein mit seinem Troß durch Cottbus. Er kam mit 40.000 Mann und nĂ€chtigte auf dem Schloss Cottbus. Die Truppen lagerten zwei Tage in den umliegenden Dörfern und richteten großen Schaden an. Vom 26. bis 28. Oktober 1627 zog Oberst Fahrenbach mit mehreren tausend Mann Infanterie und Kavallerie durch Cottbus. Der Schaden fĂŒr die Stadt belief sich auf mehr als 4.000 Taler.

Schon im Februar und MĂ€rz des Jahres 1631 hatte der kaiserliche Oberst Goetze Cottbus angegriffen. Die Stadt konnte sich zunĂ€chst einer Besetzung entziehen. Seit dem 26. Juni 1631 befand sich der schwedische Oberst Bock in Cottbus. Am 29. Juni nahte erneut Oberst Goetze mit rund 2.500 Mann, zog durch die Furt am Sanzeberg und ließ die Stadt am Luckauer Turm stĂŒrmen. Erst Stunden spĂ€ter wurde die Stadtmauer zwischen Luckauer und Spremberger Tor ĂŒberwunden und die Stadt eingenommen. Ein grausames Töten, SchĂ€nden und PlĂŒndern setzte ein. Dies dauerte bis zum Nachmittag des nĂ€chsten Tages. Oberst Goetze verlangte 16.000 Taler Kontribution . Da die Summe nicht aufzubringen war, wurden fĂŒnf Geiseln verschleppt. Ende September des gleichen Jahres zog Oberst Goetze erneut in Cottbus ein. Zwischen den Jahren 1632 und 1635 kamen erneut kroatische Truppen, Weimarsche Reiter, sĂ€chsische Truppen und Regimenter, welche die letzten Geld- und Verpflegungsreserven aus der Stadt sogen. Erneut brach die Pest aus. Die Stadtbevölkerung sank auf 150 BĂŒrger.

Vom Großen KurfĂŒrsten bis zum Alten Fritz (1640-1786)

Der erste Stadtplan der Stadt Cottbus, entstanden im Jahr 1720 von Seyfried Handschky. Der Plan verzeichnet 417 Hausnummern.
Der erste Stadtplan der Stadt Cottbus, entstanden im Jahr 1720 von Seyfried Handschky. Der Plan verzeichnet 417 Hausnummern.

Am 1. Dezember 1640 starb KurfĂŒrst Georg Wilhelm in Königsberg . Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich Wilhelm, der nachmalige Große KurfĂŒrst, der bis 1688 regierte. Er war verantwortlich fĂŒr den Wiederaufbau Brandenburgs nach dem DreißigjĂ€hrigen Krieg , der 1648 endete. Die Folgen des Krieges, die sich in Armut und Zerstörung zeigten, blieben auch in Cottbus ĂŒber Jahrzehnte spĂŒrbar. Mitte MĂ€rz 1671 kam es zu einem UnglĂŒck in der Stadt. Es entwickelte sich ein Großbrand, welcher an der StadtmĂŒhle entstand und nach kurzer Zeit die gesamte Stadt erfasst hatte. Bei diesem UnglĂŒck starben vier Menschen und hunderte HĂ€user wurden vernichtet. Als Folge dieses Brandes ordnete der Große KurfĂŒrst an, dass die DĂ€cher nicht mehr mit Stroh gedeckt werden dĂŒrfen und die Mauern aus Ziegelsteinen zu errichten seien.

Am 4. Oktober 1701 grĂŒndeten die Hugenotten in Cottbus eine französische Kolonie. Mit dem Pflanzen der ersten MaulbeerbĂ€ume im Jahr 1718 hielt die Seidenraupenzucht Einzug in Cottbus. Schon bald waren die Wallanlagen mit der Futterpflanze der Seidenspinerraupe besetzt. Die Ergebnisse blieben aber bescheiden, Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Zucht wieder eingestellt. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ordnete 1719 die Stadtverwaltung neu. Die Zahl der Ratsherren wurde auf acht festgesetzt, davon drei BĂŒrgermeister , ein Syndikus , ein KĂ€mmerer , ein Stadtrichter und zwei Senatoren .

Im Jahr 1726 begann die erste zielgerichtete Bebauung ausserhalb der Ringmauern. 1735 wurde das NeustĂ€dter Tor neu angelegt, um einen bequemeren Verkehr mit der Neustadt zu gewĂ€hrleisten. Im November 1748 stĂŒrzte die Front des Rathauses zum Markt ein. Daraus ergab sich die Notwendigkeit des völligen Neubaus dieses GebĂ€udes. 1754 wurde der mittelalterliche Torturm des Sandower Tores abgerissen und durch ein einfaches Tor ersetzt. Seit dem DreißigjĂ€hrigen Krieg hatten Mauern, WĂ€lle, Graben und Tore ihre militĂ€rische Funktion verloren und dienten nur noch als Zollgrenze .

Von 1756 bis 1763 tobte der SiebenjĂ€hrige Krieg . Dieser machte sich auch in Cottbus bemerkbar. Wenn auch keine direkten Kampfhandlungen stattfanden, so gab es doch DurchzĂŒge und Einquartierungen. Am 5. August 1758 zog der österreichische General Laudon mit 10.000 Mann ein und blieb neun Tage. 6.000 Taler Tribut musste die Stadt zahlen. Als weitere 9.000 Taler nicht mehr gezahlt werden konnten, wurden BĂŒrgermeister und KĂ€mmerer als Geiseln verschleppt. 1759 kamen erneut österreichische und auch russische Truppen, wieder wurden Geiseln genommen. 1760 musste das Korps des Generals Lacy mit 22.000 Mann versorgt werden. Der Krieg brachte der Stadt 82.000 Taler Schulden, die durch eine Erhöhung der Biersteuer getilgt wurde.

Bis zur EinfĂŒhrung der revidierten StĂ€dteordnung (1766-1832)

Im Jahr 1766 gab es erstmals eine Straßenbeleuchtung in Cottbus. 131 Straßenlaternen wurden auf HolzpfĂ€hlen aufgestellt. 1773 erhielt der Turm des Spremberger Tores eine neue Haube. Am 16. Juni 1785 begann die Erbauung der Kolonie Sachsendorf. Anfang des Jahres 1796 kam es in Ströbitz zu einem großen Dorfbrand. 70 Gehöfte brannten dabei ab. Am 5. April 1796 gab der Buchdrucker Johann Gottlieb KĂŒhn die erste Cottbuser Zeitung heraus. Der Titel war „Neue Cottbusische Stadt- und Amtsnachrichten“. Sie wurde kurz nach der Erscheinung von der preußischen Regierung verboten.

Im September des Jahres 1800 begann Carl Friedrich Claudius mit der Wachstuchproduktion . Neben seinem erfolgreichen Wirken in der Fabrik konstruierte er einen Wachstuchballon mit Flugwerk. Am 5. November 1811 stieg er mit diesem GerĂ€t, der so genannten Claudiante , in Berlin auf und flog bis in die NĂ€he von Stettin . Nach der fĂŒr Preußen verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt gab es seit dem 2. November 1806 wieder feindliche Einquartierungen in Cottbus. 7.000 Bayern fĂŒhrten sich Ă€ußerst gewalttĂ€tig auf und verursachten bis zum Dezember des Jahres einen Schaden von 44.000 Taler. Am 12. September 1807 wurde Cottbus dem Königreich Sachsen unterstellt.

Durch die Kontinentalsperre nahm die Cottbuser Wirtschaft schweren Schaden. Es kam zu Arbeitslosigkeit, Elend und Verteuerung der Lebensmittel. Am 6. April 1808 brach in Cottbus aus diesem Grund die Branntweinrevolte aus. Cottbuser Handwerksgesellen setzten die Stadtverwaltung ab, senkten die Preise auf ein ertrĂ€gliches Maß und schlugen die Branntweinköpfe von den Blasen. Ihrer Meinung nach war das Kornbrennen Schuld an den Preissteigerungen. Am 9. April stellte das MilitĂ€r wieder die alte Ordnung her.

Napoleons gescheiterter Russlandfeldzug war auch in Cottbus spĂŒrbar. Im Februar 1813 zogen viele Geschlagene Soldaten in elendem Zustand durch die Stadt. Durch Napoleons Niederlage ermutigt, nahm Marschall BlĂŒcher am 27. MĂ€rz 1813 Cottbus wieder in preußischen Besitz. Am 12. Mai kam Major von LĂŒtzow nach Cottbus. In seinem Gefolge waren 400 Mann, die von Friedrich Ludwig Jahn vor den Toren der Stadt ausgebildet wurden. Am 29. Mai folgte dann General von BĂŒlow mit seinen Korps und lagerte in Cottbus. Am 15. Juni wurden von den Franzosen in Cottbus alle Preußischen Wappen entfernt und die sĂ€chsischen wieder aufgestellt. Durch eine VerfĂŒgung der Regierung in Potsdam wurde Cottbus am 19. September 1813 wieder preußisch. Erst am 25. Mai 1815 , nach Bestimmungen des Wiener Kongresses kam Cottbus und die gesamte Niederlausitz formalrechtlich wieder an Preußen.

In den Jahren 1816-1820 wurden viele neue Gewerbe in Cottbus gegrĂŒndet. Dazu gehören beispielsweise eine Wollgarn - Spinnerei und eine BaumkuchenbĂ€ckerei . Im Zuge des Verwaltungsaufbaus erhielt Cottbus im Oktober 1824 ein Landgericht . 1825 wurde der Umbau des Spremberger Turmes fertig gestellt. Der mittelalterliche Torturm wurde mit einem Quadersockel und einer Zinnenkrone versehen. Am 17. MĂ€rz 1831 wurde die revidierte StĂ€dteordnung eingefĂŒhrt. Die vom Landrat , dem BĂŒrgermeister und Vertretern der BĂŒrgerschaft ausgearbeitete Stadtverfassung erhielt am 14. Dezember 1831 die Regierungsgenehmigung. Vom 12. bis 15. Februar 1832 fanden dann die Wahlen zum ersten Stadtparlament statt.

JĂŒngere Geschichte

Das Zeitalter der Industrialisierung (1833-1914)

Stadtplan der Stadt Cottbus aus dem Jahr 1892. Sie ist nun ein Zentrum der Textilindustrie und ein Eisenbahnknotenpunkt.
Stadtplan der Stadt Cottbus aus dem Jahr 1892. Sie ist nun ein Zentrum der Textilindustrie und ein Eisenbahnknotenpunkt.

Im Oktober 1835 erhielt der Tuchmacher Heinrich Kittel eine Fabrikkonzession. Er vereinigte Spinnerei , Weberei , Walke und Appretur unter einer Leitung. Noch wurden die alten Maschinen von einem Pferdegöpel angetrieben. Anfang der 40er Jahre wurden aber Dampfmaschinen und der Jaquardwebstuhl vorherrschend. Es waren die AnfĂ€nge der Großbetriebe in der Cottbuser Textilindustrie .

Im August 1844 wurde die Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn genehmigt. Die Eröffnung der Pferdeeisenbahn fand jedoch erst 1846 statt. Die Packwagen wurden auf Schienen von Pferden gezogen. An der Berliner Straße gab es einen Packhof, der auch als Zollstation diente. Im Jahr 1879 wurde die Strecke wieder eingestellt.

1846 begannen die Arbeiten zur Anlage des Branitzer Parkes. 1848 hatte die MĂ€rzrevolution auch Cottbus erreicht. Am 18. April protestierten die Bewohner der Stadt gegen die schlechte Stadtverwaltung, hohe Steuern, hohe Preise und niedrige Löhne. Die Massen zogen mit schwarz-rot-goldener Fahne zum Rathaus. Dort flogen Steine, Fenster wurden eingeschlagen, Wohnungen aufgebrochen und geplĂŒndert. An diesem Tag wurde auch das Landeszeughaus gestĂŒrmt und Gefangene befreit.

Im November 1848 wurde die Segeltuchfabrik G. L. Schmogrow gegrĂŒndet. Damit entstand auch in der traditionsreichen Leinenweberei ein leistungsstarker Großbetrieb. Am 15. November 1850 wurde in Cottbus die erste Briefmarke ausgegeben, ein Jahr spĂ€ter der erste Postbriefkasten aufgestellt. 1852 wurde die Handelskammer errichtet. Es folgte 1853 eine Königliche Bankagentur.

Mitte August 1857 kam es zum Brand des FĂŒrstenhauses und des Schloßturms. Durch SelbstentzĂŒndung gelagerter Wolle entstand in der Spinnerei ein Feuer. 1858 wurde eine Telegrafenanstalt eingerichtet. Besonders Industrie, MilitĂ€r und Verwaltung begrĂŒĂŸten diese technische Neuerung. Am 1. August 1860 wurde die Tuchfabrik Heinrich Jaeger gegrĂŒndet. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts kam es zur vollen Entfaltung der Cottbuser Textilindustrie. Zahlreiche Großbetriebe entstanden. Dazu gehören beispielsweise: 1861 Rudolph Kehrl & Sommerfeld, 1863 E. Tietze jun., 1865 Wilhelm Handreke, 1866 Heinrich HĂŒbner, 1868 Hasselbach & Westerkamp, 1875 Hermann Löw, 1879 Duch & Hamann, 1880 Ludwig Polscher, 1882 Wilhelm Eschenhagen & GebrĂŒder Fritsch, 1884 Grovermann & Hoppe, 1888 JĂŒrß & Elgler, 1889 Herrmann Hellwig, 1890 Max Meyer & Co. und 1891 Wilhelm Westerkamp. 1860 waren 1.899 Arbeiter in der Textilindustrie tĂ€tig, 1890 waren es schon 5.862. Wurden 1860 noch 42.000 StĂŒck Tuche gefertigt, so waren es 1890 rund 150.000 StĂŒck.

Der Bahnhof in Cottbus vor dem Zweiten Weltkrieg.
Der Bahnhof in Cottbus vor dem Zweiten Weltkrieg.

Ein Jahr spĂ€ter, 1861 begrĂŒndete Theodor KĂŒhn die Teppichindustrie . Ebenfalls in diesem Jahr wurde das stĂ€dtische Gaswerk in Betrieb genommen, 1863 folgte die Cottbuser Feuerwehr . Der Anschluss an das Eisenbahnnetz war fĂŒr die Entwicklung der Stadt von Ă€ußerster Wichtigkeit. Durch den Bau der Strecken nach Berlin 1866, Görlitz 1867, Großenhain 1870, Falkenberg/Elster Guben 1871 und Frankfurt (Oder) 1876 konnten Waren schnell und preiswert in alle Himmelsrichtungen verfrachtet werden. Mit dem Bahnbau wuchs die Stadt. Der weit vor den Toren der Stadt gelegene Bahnhof wurde seit Ende 1866 baulich angebunden. Es entstanden zahlreiche neue Straßen mit prĂ€chtigen Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€usern.

Im November 1877 gab es das erste Telefon in Cottbus, 1886 wurden die ersten AnschlĂŒsse in der Stadt verlegt. Drei Jahre spĂ€ter wurden der Fernsprechverkehr mit Berlin, Görlitz, Forst , Guben und Spremberg aufgenommen. Seit dem 9. November 1886 bildete Cottbus einen eigenen Stadtkreis. Die Stadt schied damit aus dem sie umgebenden Landkreis aus. Im Mai 1893 durchquerte das erste Auto die Stadt Cottbus, im MĂ€rz 1894 fand die erste Messe statt. Dabei handelte es sich um eine Ausstellung fĂŒr Gewerbe und Nahrungsmittel .

Vom 24. Februar]] bis 21. April 1896 kam es zum Textilarbeiterstreik . Fast 6.000 Arbeiter legten die Arbeit nieder. Sie erreichten dadurch, dass es zu keinen Entlassungen und keiner Lohnreduzierung kam. DafĂŒr gab es freiwillige Lohnerhöhungen und eine einheitliche EinfĂŒhrung des Elf-Stunden-Tages. Anfang Dezember 1898 wurden die Wasserleitungen in Betrieb genommen. Im April des folgenden Jahres folgte die Inbetriebnahme der Kanalisation , 1903 begann ein ElektrizitĂ€tswerk seine Arbeit. Das war die Grundlage dafĂŒr, dass am 18. Juli 1903 die erste Straßenbahn durch die Stadt fuhr. Am 1. Oktober 1908 wurde das Cottbuser Stadttheater eingeweiht, am 27. Juni 1914 ein modernes Krankenhaus ĂŒbergeben.

Von Weltkrieg zu Weltkrieg (1914-1945)

Am 1. August 1914 nahm man auch in Cottbus den Beginn des Ersten Weltkrieges jubelnd auf. In einer Lokalzeitung hieß es "das deutsche Volk steht auf, der Sturm bricht los". Am Gymnasium fanden NotreifeprĂŒfungen statt. Einige Tage spĂ€ter zog das Infanterieregiment Nr. 52 unter dem Jubel Tausender Cottbuser zum Bahnhof. Die Stadtverordneten fĂŒhrten eine Kriegssitzung durch. Stadtanleihen sollten fĂŒr Kriegszwecke zur VerfĂŒgung gestellt werden. Im September zeichneten die BĂŒrger der Stadt Kriegsanleihen von sieben Millionen Mark.

Ebenfalls im September wurde auf der Rennbahn im Norden der Stadt ein Lager fĂŒr 10.000 Gefangene eingerichtet. Am 4. September 1914 traf der erste Transport mit 7.000 Russen ein. Im Jahr 1915 kam noch ein Gefangenenlager im Osten der Stadt dazu. Seit Februar 1915 kehrte auch in Cottbus die Not ein. Es wurde Kriegsbrot gebacken, welchem 20 % Kartoffelmehl beigemischt wurde. Auch wurden nun die Brotkarte und andere Lebensmittelkarten eingefĂŒhrt. Im MĂ€rz 1917 fĂŒhrte die Stadt Kriegsnotgeld ein, da es an Kleingeld mangelte. Seit 1917 gehörten Flugzeuge bei ÜbungsflĂŒgen ĂŒber der Stadt zum allgemeinen Bild. Es wurde ein MilitĂ€rflugplatz angelegt, Baracken und Flugzeughallen errichtet und das Flieger-Ersatz-Bataillon Nr. 12 aufgebaut.

Der nahe Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches zeigte sich auch in Cottbus. Am 8. November 1918 zog ein Demonstrationszug durch die Straßen. Mit der Bildung eines Soldatenrates am 10. November und eines Arbeiterrates einen Tag spĂ€ter hielt die Novemberrevolution in Cottbus Einzug. Ende 1918 kehrte das Infanterie-Regiment Nr. 52 nach Cottbus zurĂŒck. Es verlor in den vier Kriegsjahren 332 Offiziere und 9.018 Unteroffiziere. In dieser Zeit verloren auch etwa 1.000 Cottbuser Zivilisten ihr Leben.

Cottbuser Notgeldschein zu 20 Pfennig.
Cottbuser Notgeldschein zu 20 Pfennig.

Nach dem Kapp-Putsch von 1920 kam es auch in Cottbus zum Generalstreik . Am 15. MĂ€rz 1920 stießen Demonstranten am Spremberger Turm mit Reichswehrtruppen des Majors Buchrucker zusammen. Das brutale Vorgehen der Truppen fĂŒhrte zu vier Toten und fĂŒnf Verletzten. Darauf wurde die Bildung einer roten Garde beschlossen. Im Anschluss gab es verschiedene Gefechte bei Branitz, Ströbitz und Wilmersdorf.

Im April 1920 begann in Cottbus das Rundfunkzeitalter . Erstmals konnte eine Musiksendung empfangen werden, die drahtlos von Königs Wusterhausen aus gesendet wurde. Im August 1923 kam es auch in Cottbus zur Hochinflation . Aus wirtschaftlicher Not musste schon im Januar die Straßenbahn stillgelegt werden. Auch die Gasversorgung war beeintrĂ€chtigt. Die Unternehmer gaben Bezugsscheine aus, um dem Geldmangel abzuhelfen. Die Inflation ruinierte nicht nur die Stadtfinanzen, sie traf auch jeden einzelnen BĂŒrger. 1925 wurde das stĂ€dtische Freibad und die StadtbĂŒcherei eröffnet. 1928 folgte die Eröffnung des Dieselkraftwerkes, welches erbaut wurde, weil die Leistung des ElektrizitĂ€tswerkes den stĂ€ndig steigenden Energiebedarf nicht mehr decken konnte. Im Februar 1929 erfolgte die Aussperrung der Textilindustrie. In Cottbus waren davon 7.000 Arbeitnehmer betroffen.

Am 30. Januar 1933 fand ein Fackelzug durch die Cottbuser Straßen statt. Bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatten sie in Cottbus Fuß gefasst. Bei den Kommunalwahlen von 1929 gab es in der Stadt schon 3.000 Stimmen fĂŒr die NSDAP . Am 20. Juli 1932 strömten dann 40.000 Menschen auf das RennbahngelĂ€nde, um Adolf Hitler reden zu hören. Mit den Reichstagswahlen von 1932 wurde die NSDAP stĂ€rkste Partei in Cottbus. Bereits seit 1935 wurden an verschiedenen Standorten Kasernen erbaut. Der Wohnungsbau kam seitdem fast zum Erliegen. 1936 wurde das alte preußische GefĂ€ngnis in ein Konzentrationslager umgewandelt, in dem ĂŒberwiegend Frauen inhaftiert waren. Am 30. MĂ€rz 1936 wurden insgesamt 296 Gefangene gezĂ€hlt, nicht genannt wurden die unzĂ€hligen Antifaschisten , die hier inhaftiert waren. Ein Jahr spĂ€ter befanden sich schon 453 Gefangene in dem Lager in der heutigen Bautzener Straße.

Anfang 1937 war der Baubeginn des Cottbuser Abschnitts der Reichsautobahn Berlin- Breslau . Die der Arbeitsbeschaffung dienende Maßnahme hatte vor allem strategische Bedeutung und gehörte zu den Kriegsvorbereitungen. So war Cottbus seit 1935 auch wieder Garnisonsstadt . Die Wirtschaft wurde zielgerichtet auf Belange der Kriegswirtschaft umgestellt. WĂ€hrend der Reichskristallnacht am 9. November 1938 brannten die Nationalsozialisten auch die Cottbuser Synagoge nieder. Diese Nacht war Auftakt fĂŒr die Deportationen jĂŒdischer BĂŒrger in Konzentrationslager. Bereits Mitte November 1938 verließ ein erster Transport die Stadt.

Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg . In Cottbus wurde seit 1940 fĂŒr den Krieg produziert. Schon 1938 wurden die „Mechanischen Werke Cottbus“ als Teilbetrieb der „PhĂ€nomen-Werke GmbH Zittau“ eingerichtet und produzierten das Kettenfahrzeug „ZKW“ fĂŒr die Wehrmacht . Im ersten Kriegsjahr arbeiteten ca. 1.000 BeschĂ€ftigte hier und es wurden monatlich etwa 150 Kettenfahrzeuge hergestellt. Ein Jahr spĂ€ter verlegten die Flugzeugwerke der „Focke-Wulff GmbH“ Teile ihrer Produktion nach Cottbus und montierten an verschiedenen Standorten in der Stadt bis 1945 mehr als 20.000 Exemplare der „Focke-Wulff 190“. Im Herbst des Jahres 1940 erlebten die Cottbuser die ersten Luftangriffe auf die Stadt, so beispielsweise am 25. Oktober und zwischen dem 10. und 20. November. In Cottbus entstanden im Dritten Reich außerdem eine Deutsche Verkehrsfliegerschule und ein Hydrierwerk .

Die so gewachsene Bedeutung fĂŒr die kriegswichtigen Industrien machte die Stadt am 3. Januar 1944 zum Ziel des ersten Luftangriffs bei Tage. Auch in den folgenden Monaten heulten die Sirenen in der Stadt immer wieder auf und warnten vor erneuten Luftangriffen. Die ersten FlĂŒchtlingstrecks erreichten Cottbus im Jahr 1944 und so ergab eine ZĂ€hlung im Oktober, dass neben den Cottbuser Einwohnern 4.828 FlĂŒchtlinge zumeist aus Berlin und etwa 4.000 auslĂ€ndische Zwangsarbeiter in der Stadt lebten. Am 12. November 1944 wurde der Cottbuser Volkssturm vereidigt . Sein Quartier bezog der Volkssturm am 17. Dezember im Cottbuser Theater, hier wurde auch ein umfangreiches Munitionslager eingerichtet. Das Leben in der Stadt war zusammengebrochen, Strom und Gas wurden regelmĂ€ĂŸig abgestellt.

Ein US-amerikanischer Bombenangriff am 15. Februar 1945 zerstörte große Teile der Stadt. 459 amerikanische B 17-Bomber befanden sich im Anflug auf Schwarzheide/Ruhland. Auf Grund der Wetterbedingungen konnten sie dieses Ziel nicht anfliegen und so wĂ€hlten sie das Ausweichziel Cottbus. Dabei wurden rund 4.000 Sprengbomben auf das BahnhofsgelĂ€nde, die östlichen und sĂŒdlichen Stadtbezirke, die Branitzer Siedlung und mehrere Industriebetriebe geworfen. Die Bilanz des Luftangriffes waren 1.000 Tote, darunter 400 Kinder, 2.500 Verwundete, 356 zerstörte WohnhĂ€user sowie 3.600 beschĂ€digte Wohnungen, so dass ĂŒber 13.000 Cottbuser obdachlos waren. Am 22. April 1945 nahmen sowjetische StreitkrĂ€fte nach dreitĂ€gigen verlustreichen KĂ€mpfen mit der deutschen Wehrmacht die Stadt ein. 60 % der Wohnungen und 60 % der Industriebetriebe erlitten SchĂ€den. Von den etwa 55.000 Bewohnern vor Kriegsbeginn waren nur noch etwa 3.000 in der Stadt.

Vom Roten Stern zu Hammer, Zirkel, Ährenkranz (1945-1989)

Am 13. Mai 1945 wurde das erste Nachkriegsmagistrat ernannt. Die ersten Tage nach der Einnahme der Stadt kam es zu PlĂŒnderungen, Vergewaltigungen, Verschleppungen und auch Erschießungen. Nur ganz allmĂ€hlich kam das öffentliche Leben wieder in Gang. Die Besatzungsmacht ĂŒberwachte alle Arbeiten und TĂ€tigkeiten und hĂ€ufig kam es zu WillkĂŒr und Übergriffen. Am 20. Mai konnte die ElektrizitĂ€tsversorgung wieder aufgenommen werden. Wenig spĂ€ter wurde wieder Gas geliefert und die Wasserversorgung in Betrieb gesetzt.

In den ersten Jahren nach Kriegsende waren die Cottbuser mit der BerĂ€umung der Straßen vom Kriegsschutt, Beseitigung der TrĂŒmmer, Inbetriebnahme der Industrie, des Verkehrs, der Handwerks- und Handelseinrichtungen beschĂ€ftigt. Außerdem mussten FlĂŒchtlinge zu Tausenden untergebracht und die medizinische Versorgung gewĂ€hrleistet werden. Bis zum Sommer 1945 war die Einwohnerzahl wieder auf etwa 35.000 angewachsen.

Zur Durchsetzung und Sicherung der kommunitischen Macht wurden die Sozialdemokraten zu einer Zwangsvereinigung gebracht. Aus SPD und KPD entstand die SED . In Cottbus wurde dieser Akt am 24. MĂ€rz 1946 besiegelt. Im September und Oktober 1946 fanden Gemeinde-, Kreistags- und Landtagswahlen statt. Die Sowjetische Besatzungszone wurde in fĂŒnf LĂ€nder aufgeteilt. Am 12. Oktober 1949 fand eine Großkundgebung in Cottbus statt. 30.000 Menschen begrĂŒĂŸten dabei die GrĂŒndung der DDR .

Am 1. Juli 1950 verlor die Stadt den kreisfreien Status. Aus Guben, Forst , Cottbus-Stadt und Cottbus-Land entstand der neue Landkreis Cottbus. 1952 wurde dieses Gebilde wieder aufgelöst und 1954 wurde Cottbus wieder kreisfrei. Am 11. August 1952 erfolgte die Auflösung der fĂŒnf LĂ€nder in der DDR und die Schaffung von 14 Bezirke. Cottbus wurde Bezirkshauptstadt des Bezirkes Cottbus. Am 17. Juni 1953 kam es auch in Cottbus zum Volksaufstand . Als BeschrĂ€nkungen im Lebensstandard vorgenommen werden sollten, gingen die Menschen auf die Straße und erhoben auch politische Forderungen. In den Betrieben, insbesondere im Reichsbahnausbesserungswerk , wurde die Arbeit niedergelgt. Russische Panzer und Arbeiterwehren schlugen den Aufstand nieder.

Cottbus wurde ab 1957 zum wichtigsten Kohle- und Energielieferanten. Aber auch das Bauwesen, die Textil- und Möbelindustrie sowie die Nahrungsmittelproduktion bestimmten die Wirtschaftsstruktur der Stadt. Seit dem 29. September 1969 wurden neue Werkshallen erbaut. Diese gehörten zum Textilkombinat Cottbus . Dort wurden auf Strickmaschinen Polyestergarn zu textilen FlĂ€chen verarbeitet. Am 4. April 1972 zog durch die DDR eine Enteignungswelle, so auch in Cottbus. Viele Betriebe der Stadt wurden volkseigen . Am 4. September 1976 wurde Cottbus zur Großstadt . Durch die Geburt des 100.000 Einwohners war Cottbus die 15. Großstadt der DDR geworden. Am 05. Oktober 1978 wurde der neue Bahnhof eingeweiht, am 14. Dezember 1982 folgte die Übergabe Bezirkskrankenhauses, des heutigen Carl-Thiem-Klinikums.

Wende zur Demokratie (seit 1989)

Am 7. Mai 1989 fanden Kommunalwahlen statt. Auch in Cottbus kam es bei dieser Wahl zu Manipulationen und Betrug. Am 30. Oktober fand in Cottbus die erste Montagsdemonstration statt. Im Februar und MĂ€rz 1990 fand der Wahlkampf zur ersten und auch letzten demokratischen Wahl fĂŒr die Volkskammer statt. Mehrere hochrangige Politiker kamen nach Cottbus, so zum Beispiel Oskar Lafontaine (SPD), Otto Graf Lambsdorff (FDP), Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Helmut Kohl (CDU). Die Wahl selbst fand am 18. MĂ€rz statt. Am 1. Juli löste mit Inkrafttreten der Wirtschafts-, WĂ€hrungs- und Sozialunion der beiden deutschen Staaten die D-Mark die Mark der DDR als gesetzliches Zahlungsmittel ab.

Mit dem Beitritt der Gebiete der DDR samt Ost-Berlins zum Geltungsbereich des Grundgesetzes fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 wurde die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten vollzogen. Durch die Privatisierung der Wirtschaft begann ein tief greifender Strukturwandel in Stadt und Region. Cottbus wandelte sich zu einem Dienstleistungs-, Wissenschafts- und Verwaltungszentrum. 1992 erhielt das Cottbuser Stadttheater den Status des brandenburgischen Staatstheaters.

Im Zuge der brandenburgischen Kreisreform von 1993 wurde der Landkreis Cottbus Teil des neu gebildeten Landkreises Spree-Neiße. Die Stadt selbst blieb aber kreisfrei. Höhepunkt einer mehrjĂ€hrigen Entwicklungsarbeit war die Eröffnung der Bundesgartenschau in Cottbus am 29. April 1995 , die am 8. Oktober mit 2,3 Millionen Besuchern wieder ihre Pforten schloss. Im Jahr 2001 gewann die Stadt dann Gold beim Bundeswettbewerb „ Unsere Stadt blĂŒht auf “. Im Jahr 2006 begeht die Stadt Cottbus die 850-Jahr-Feier der urkundlichen ErsterwĂ€hnung.

WeiterfĂŒhrende Informationen

Literatur

  • Cottbus - In der Stadtchronik geblĂ€ttert. Von Siegfried Kohlschmidt, Etro Verlag, 1993
  • Cottbuser BlĂ€tter - Stadtchronik. Von Steffen Krestin, 2002 ( ISBN 3936092982 )
  • Cottbus - 850 Jahre. Von Arielle Kohlschmidt, Siegfried Kohlschmidt, Thomas KlĂ€ber, 2005 ( ISBN 3937503129 )

Weblinks

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