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Letzte Änderung für Artikel Parforceheide: 05.12.2005 08:08

Parforceheide

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Die Parforceheide zwischen dem SĂŒden Berlins und dem Osten Potsdams ist eines der letzten grĂ¶ĂŸeren zusammenhĂ€ngenden Waldgebiete in der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Obwohl in Brandenburg gelegen, befindet sich ein Teil des Waldes im Besitz des Landes Berlin. Die Grundlage fĂŒr den Berliner Besitz schuf der Dauerwaldvertrag oder auch „Jahrhundertvertrag" von 1915 . Ein rund 2350 Hektar umfassendes Gebiet ist seit 1997 als „ Landschaftsschutzgebiet Parforceheide" ausgewiesen. Die Schutzverordnung verfolgt unter anderem das Ziel, die Funktion des Gebietes als klimatische AusgleichsflĂ€che im SĂŒden des Ballungsraumes Berlin zu bewahren. Der Name geht auf Parforcejagden zurĂŒck, fĂŒr die König Friedrich Wilhelm I. 1730 im Wald ein Jagdschloss errichten ließ.

Pharus-Plan von 1903, Ausschnitt
Pharus-Plan von 1903, Ausschnitt

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Geologie

Lage

Die nördliche Begrenzung der Parforceheide bildete bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts das BĂ€kefließ, das weitgehend im Teltowkanal aufgegangen ist. Die historische Karte von 1903 neben dem Inhaltsverzeichnis verzeichnet am oberen Bildrand noch das BĂ€kefließ (mit seinem alten Namen „Teltefließ"). Seit seinem Bau zwischen 1900 und 1906 schließt der Teltowkanal den Wald nach Norden ab, noch weiter nördlich auf der anderen Kanalseite folgen die WĂ€lder von Dreilinden . Zwischen den Teltowkanal und den Wald schiebt sich östlich der schmale Berliner Streifen Albrechts Teerofen, der hier Ă€hnlich einer Exklave nach Brandenburg hineinreicht, so dass ein schmaler Waldstreifen entlang des Kanals auf Berliner Gebiet liegt.

80-85 % Kiefern, ein paar Birken ...
80-85 % Kiefern, ein paar Birken ...

Nach Osten wird das Waldgebiet zum einen von der weitrĂ€umigen Parklandschaft des SĂŒdwestkirchhofs Stahnsdorf abgeschlossen, dessen Gebiet bis zu seiner Anlage 1909 zur Parforceheide zĂ€hlte. Zum anderen begrenzt das einzige Dorf in unmittelbarer Nachbarschaft des Waldes, GĂŒterfelde, das ehemalige „GĂŒtergotz", die Parforceheide nach Osten. Die auf manchen Karten eingezeichnete „GĂŒterfelder Heide" wird vom zustĂ€ndigen Forstamt Nudow der Parforceheide zugerechnet.

Die westliche Begrenzung bildet die Straße, die Berlin mit der ehemaligen Exklave SteinstĂŒcken verbindet und die auch heute noch zu Berlin gehört. Westlich von SteinstĂŒcken schließen sich die Potsdamer Neubaugebiete Drewitz, „Am Stern" und „Kirchsteigfeld" an; ab Stern verlĂ€uft die Westbegrenzung parallel zur Autobahn A115. Zuvor durchschneidet die Autobahn den Wald, der mit zwei FußgĂ€ngerbrĂŒcken ĂŒber der Fahrbahn verbunden ist; ein 2004 neu gebauter Rastplatz an der A115 trĂ€gt den Namen „Parforceheide". Den sĂŒdlichen Abschluss findet das Waldgebiet im Schnittpunkt der Straßen GĂŒterfelde-Philippsthal und Drewitz-Ludwigsfelde. Weitere kleinere Waldparzellen liegen außerhalb der umrissenen Begrenzung und werden hier zugunsten der Übersichtlichkeit nicht genauer spezifiziert.

ErwĂ€hnenswert ist die knapp 22 Hektar umfassende AckerflĂ€che WĂŒste Mark, die mitten in der Parforceheide liegt und bis 1988 als Exklave von einem Berlin-Zehlendorfer Bauern bewirtschaftet wurde.

Eiszeit, Sand und Kiefer

Die Parforceheide gehört geologisch zum Berlin-Brandenburger Landschaftsgebiet Teltow, dessen Name auf den ursprĂŒnglichen Begriff „Telte" fĂŒr das BĂ€kefließ zurĂŒckgeht. Der Teltow ist eine GrundmorĂ€nenplatte , eine flachwellige HochflĂ€che mit einer bis zu 15 Meter dicken Schicht aus Geröll , Mergel und Sand , die die Wassermassen der abtauenden Gletscher vor rund 15.000 Jahren im „Brandenburger Stadium" der Weichsel-Eiszeit zwischen der EndmorĂ€ne FlĂ€ming bzw. dem vorgelagerten Baruther Urstromtal und dem Berliner Urstromtal hinterließen. Die fĂŒr den Teltow typischen trockenen Sandböden prĂ€gen den Charakter des Waldes Parforceheide, der die nur in Ostdeutschland fĂŒr grundwasserferne Waldstandorte gebrĂ€uchliche Bezeichnung „Heide" erhielt. Mit seinem lichten Kiefernbestand bot der Wald ideale Bedingungen fĂŒr das BedĂŒrfnis von König Friedrich Wilhelm I., die fĂŒr die Parfocejagd nötigen breiten Schneisen durch das Holz zu ziehen.

Geschichte

Parforcejagd und Stern

Historische Karte von 1780
Historische Karte von 1780

Die Parforcejagden, die seit dem 16. und 17. Jahrhundert an den europĂ€ischen Höfen mit Leidenschaft betrieben wurden, gaben der Parforceheide den Namen. Die Jagdform erfordert möglichst ebene und freie Wege in einem möglichst lichten Wald mit wenig Unterholz, da die Reiter den Hundemeuten folgen mĂŒssen, die das Wild bis zur Erschöpfung hetzen. Diese Hetzjagd ist in Deutschland inzwischen verboten und wurde selbst in England, dem Land mit einer besonders gepflegten Jagdtradition und einer einflussreichen Jagdlobby, im Jahr 2005 untersagt. Die Jagd galt in der Parforceheide vor allem dem Schwarzwild und zu einem kleinen Teil dem Damwild . Rotwild soll es in den berlinnahen WĂ€ldern schon damals nur noch in kleinen BestĂ€nden gegeben haben.

Stern am Schlossgiebel
Stern am Schlossgiebel

Die in Brandenburg vorhandenen Jagdanlagen waren fĂŒr diese Jagdform nicht geeignet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts fand der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. mit der – seit diesem Jahr so bezeichneten – Parforceheide ein ideales GelĂ€nde und ließ zwischen 1725 und 1729 einen Raum von rund einhundert Quadratkilometern fĂŒr die Parforcejagd herrichten. In rund sieben Kilometer Entfernung vom königlichen Stadtschloss entstand ein zentraler Platz, von dem sternförmig 16 schnurgerade doppelte Schneisen (Gestelle) in den Wald geschlagen wurden – mit Namen wie „Priestergestell“, „Breites Gestell“, „Turmgestell“ oder „Weg nach KohlhasenbrĂŒck“. Dieser Stern ist noch vorhanden, allerdings sind lediglich acht radial wegfĂŒhrende Wege beziehungsweise Straßen erhalten. Er gehört heute zum nach ihm benannten Potsdamer Ortsteil Stern. FrĂŒher gab es auch die Bezeichnung „Großer Stern“ – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Großen Stern an der SiegessĂ€ule in Berlin.

Jagdschloss Stern, Barbarei statt Kunst

Jagdschloss Stern
Jagdschloss Stern

Der Schriftsteller Theodor Fontane durchwanderte 1869 die Parforceheide ĂŒber den Stern bis nach GĂŒterfelde: Von KohlhasenbrĂŒck aus schlagen wir eine sĂŒdliche Richtung ein, schlĂ€ngeln uns auf Fußpfaden durch ein wohlgepflegtes Gehölz und treten dann in eine Lichtung, von der aus wir strahlenförmig die Gestelle durch den Wald sich ziehen sehen. Diese Lichtung heißt der „Stern“; inmitten desselben, von einigen Akazien umstanden, ein Jagdschloß gleichen Namens. Allerdings ist das Jagdschloss Stern, das der preußische Monarch 1730 im Wald bauen ließ, eher ein kleineres Landhaus denn ein Schloss . Fontane zufolge war das Haus ein hollĂ€ndischer Bau, quadratisch in rothem Backstein aufgefĂŒhrt, mit einem Giebel in Front, einem Jagdhorn ĂŒber der ThĂŒr und einem eingeĂ€tzten Stern im Mittelfenster. Es besteht nur aus einem Eßsaal, einer KĂŒche und einem Schlafzimmer, drei RĂ€ume, die ihren Charakter bis auf die Stunde beibehalten haben.

Ein Charakter, von dem Fontane alles andere als angetan ist, denn der Anblick der Paneele mit ihren JagdtrophĂ€en im Speisesaal lassen den Dichter der Mark einen tiefe[n] und plötzliche[n] Verfall der Kunst beklagen, ... jenseits lag die Kunst, diesseits die Barbarei. Das königliche Schlafzimmer erinnerte Fontane an die LagerstĂ€tten einer alten SchiffskajĂŒte und kam ihm wie eine unheimliche Höhle vor. In den 1980er Jahren erhielt das „Schloss“ eine grundlegende Sanierung, ist allerdings 2005 wegen erneuter Renovierungsarbeiten geschlossen. Neben dem HauptgebĂ€ude, an dem sich das HollĂ€ndische Viertel in Potsdam orientierte, blieb noch das alte Kastellanhaus erhalten, das wahrscheinlich bereits 1714 errichtet wurde. Nach Einstellung der Parforcejagden unter Friedrich dem Großen (1712-1786) und ihrer Wiederbelebung unter Friedrich Karl von Preußen (1828-1885) kam diese Jagdform zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgĂŒltig zum Erliegen.

Berliner Besitz in Brandenburg

Berliner Luft – Der Dauerwaldvertrag

Die A 115 zerschneidet den Wald
Die A 115 zerschneidet den Wald

Stern und Jagdschloss liegen heute unmittelbar neben der Autobahn 115 und sind mit Sicht- und LĂ€rmschutzblenden vom hohen Aufkommen der sechsspurigen Verkehrsader abgeschirmt. Eine ehemalige Schneise fĂŒhrt per Tunnel unter der Autobahn hindurch Richtung Osten in die Parforceheide, westlich schließen sich die Neubauviertel im Ortsteil „Stern“ an, die mitten in die Parforceheide hineingebaut wurden. Dass trotz der unmittelbaren Randlage zu den GroßrĂ€umen Berlin und Potsdam und trotz massiver, nicht mehr wieder gut zu machender Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet mit Bauten wie der autobahnĂ€hnlichen Nuthe-Schnellstraße und dem Autobahnkreuz Potsdam große Teile der Waldlandschaft erhalten blieben, geht nicht zuletzt auf einen Beschluss der Berliner StadtvĂ€ter im Jahr 1915 / 1920 bei der GrĂŒndung des Großraums Berlin zurĂŒck.

Der sogenannte Dauerwaldvertrag, auch als Jahrhundertvertrag bezeichnet, den der kommunale Zweckverband Groß-Berlin 1915 mit dem Königlich-Preußischen Staat abschloss, schrieb fest, dass die Parforceheide als Luftquelle fĂŒr Berlin bestehen bleiben muss. Der Zweckverband kaufte fĂŒr 50 Millionen Goldmark große Waldteile, insgesamt rund 10.000 Hektar, der Förstereien Grunewald, Tegel, GrĂŒnau, Köpenick und Potsdam vom Preußischen Staat und verpflichtete sich, die erworbenen WaldflĂ€chen weder zu bebauen noch weiterzuverkaufen, sondern auf Dauer fĂŒr die BĂŒrger als NaherholungsflĂ€che zu erhalten.

Hintergrund der AnkĂ€ufe war neben den schon zu dieser Zeit bedeutsamen ökologischen und Erholungsaspekten die Sicherung der Wasserversorgung fĂŒr die rapide wachsende Bevölkerung im Großraum Berlin sowie die EindĂ€mmung der ausufernden Bodenspekulation.

RĂŒckgabe durch die Treuhand 1995

Teile der Parforceheide gehörten zu der angekauften FlĂ€che, die 1920 auch formalrechtlich zum Berliner Besitz kam, als der Zweckverband in den Rechtsnachfolger Stadtgemeinde Groß-Berlin ĂŒberging. Juristisch hat dieser Waldteil den Status „Privatbesitz der Berliner Forsten im Land Brandenburg“. Nach der endgĂŒltigen Deutschen Teilung und GrĂŒndung der DDR 1949 war Westberlin von der außerhalb liegenden Parforceheide abgeschnitten. Auch Ostberlin verlor den Besitz an der Parforceheide, als 1952 alle außerhalb Berlins gelegenen WĂ€lder zum Volkseigentum erklĂ€rt wurden und in die Verwaltung des Landes Brandenburg kamen.

Alter Kopfsteinpflasterweg in der Parforceheide
Alter Kopfsteinpflasterweg in der Parforceheide

Nach der Wiedervereinigung der getrennten Stadtteile und nach der RĂŒckgabe der im Umland liegenden Waldgebiete durch die Treuhandanstalt 1995 gehört ein Teil des Waldes wieder der Stadt Berlin und wird von der Revierförsterei Dreilinden bewirtschaftet. Von rund 29.000 Hektar Berliner GesamtwaldflĂ€che befinden sich heute 16.000 Hektar in Berlin und 13.000 Hektar außerhalb in Brandenburg. Der Berliner Teil der Parforceheide liegt ĂŒberwiegend im Gebiet zwischen Albrechts Teerofen, KohlhasenbrĂŒck, SteinstĂŒcken und dem SĂŒdwestkirchhof Stahnsdorf, der gleichfalls Berliner Gebiet in Brandenburg ist (Besitz der Evangelischen Kirche). Daneben gibt es verstreute kleinere Berliner FlĂ€chen, wie beispielsweise am GĂŒterfelder Haussee.

Neben dem Berliner Teil der Parforceheide und neben dem Brandenburger Teil, fĂŒr den die Revierförsterei Nudow (vormals Forsthaus Ahrensdorf) in der Gemeinde Nuthetal zustĂ€ndig ist, gibt es als dritten Besitzer die Bundesrepublik Deutschland, die ehemalige MilitĂ€rflĂ€chen der DDR in der Waldregion bei GĂŒterfelde als Bundesforst hĂ€lt.

Ökologie I: Flora und Fauna

Da die Teilung der Berliner Forsten in einen Ost- und einen Westteil... weniger als eine Baumgeneration wĂ€hrte, sind die Unterschiede in der Waldentwicklung laut Reiner Cornelius trotz unterschiedlicher Positionen nicht so gravierend und können auf dem heute eingeschlagenen Weg zu naturnĂ€heren Bestandsformen relativ problemlos ausgeglichen werden. Zudem waren die DDR-Richtlinien zur Waldbewirtschaftung noch bis 1975 vergleichsweise moderat und bei der folgenden intensivierten wirtschaftlichen Waldnutzung in Ostdeutschland erfuhren die Berliner WĂ€lder, auch außerhalb, eine schonende Sonderbehandlung. Erheblich grĂ¶ĂŸeren Schaden erlitt der Wald vor der deutschen Teilung.

Der Wald Parforceheide

Holzwirtschaft heute
Holzwirtschaft heute

In Berlin und in der umgebenden Brandenburger Region gibt es keine natĂŒrlichen Waldgesellschaften mehr, auch die Parforceheide gehört zu den kĂŒnstlich begrĂŒndeten Forstgesellschaften. Bereits die ersten Urbarmachungen und Trockenlegungen nach der GrĂŒndung der Mark Brandenburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts verĂ€nderten das natĂŒrliche WaldgefĂŒge. Der Druck der wachsenden StĂ€dte ließ Pechbrennereien wie Albrechts Teerofen entstehen, das Holz des Waldes wurde fĂŒr Hausbau und Feuerung extensiv genutzt. Auch der spĂ€tere kurfĂŒrstlich-königliche Jagdbetrieb blieb nicht ohne Einfluss auf den Zustand des Waldes. Dem nachhaltigsten Raubbau wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges und in den Notzeiten der ersten Nachkriegsjahre fielen rund 45% der WĂ€lder zum Opfer. Die Wiederaufforstung der KahlflĂ€chen fand um 1950 zu einem erheblichen Teil mit der schnellwĂŒchsigen Kiefer statt. Daher besteht die Parforceheide heute zu einem relativ hohen Anteil aus rund 50-jĂ€hrigen Kiefern-ReinbestĂ€nden. Hinzu kommen Ă€ltere erhaltene KiefernrestbestĂ€nde, denn die Kiefer fand schon in den Jahrhunderten zuvor die Förderung der Forstwirtschaft , da sie auf dem nĂ€hrstoffarmen, aber lockeren Sandboden des Teltow gut gedeiht und die rentabilitĂ€tsorientierten Bepflanzungen schnellnutzbaren Hauptbaumschichten den Vorzug gaben (Der Nadelwald wĂ€chst schnell ins Geld.).

Die natĂŒrlichen Waldgesellschaften vor dem Jahr 1200 bestanden auf den HochflĂ€chensanden des Berliner Urstromtals aus Kiefer- EichenwĂ€ldern . Der Anteil der Kiefer lag dabei deutlich unter 50% – ihr heutiger Anteil betrĂ€gt im Großraum Berlin-Brandenburg rund 70%, in der Parforceheide laut Auskunft der jeweiligen ForsthĂ€user im Brandenburger Teil 80-85% und im Berliner Teil um 90%. Mit ihren ebenfalls geringen AnsprĂŒchen an die NĂ€hrstoff- und Wasserversorgung ergĂ€nzen vor allem Eichen, Buchen und Birken den Kiefernwald.

Auwaldreste und GewÀsser

Auwald an der „Großen Rohrlake"
Auwald an der „Großen Rohrlake"
Haussee mit GĂŒterfelde
Haussee mit GĂŒterfelde

Neben diesen BestĂ€nden verfĂŒgt die Parforceheide am Hirtengraben, vor allem in dem Wiesen- und Pfuhlgebiet der Großen Rohrlake, ĂŒber kleinere RestbestĂ€nde wertvoller Bruch- und AuenwĂ€lder , die allerdings nach Angabe der Försterei absterben. Der Grund liegt vornehmlich in der Austrocknung des Hirtengrabens in seinem oberen Verlauf, fĂŒr die wiederum die Absenkung des Wasserspiegels am GĂŒterfelder Haussee ursĂ€chlich ist.

Haussee und Hirtengraben

Der flache Eiszeitsee liegt östlich am Rand des Waldes direkt vor dem Dorf GĂŒterfelde, seine FlĂ€che betrĂ€gt knapp 5 Hektar. Dem wegen seiner Waldlage und seinem Badestrand als „Perle der Parforceheide" bezeichneten Haussee drohte nach der Aufgabe der nahen ausgedehnten Rieselfelder Ende der 1980er Jahre die Verlandung . Zwar stoppte im Jahr 2003 eine 1,2 Millionen Euro teure See-Sanierung diesen Prozess, verhinderte jedoch nicht, dass der Wasserspiegel heute immer noch um mehr als einen Meter zu niedrig liegt. Der Hirtengraben als natĂŒrlicher Abfluss des Sees erhĂ€lt damit keine Einspeisung mehr. Da der Hirtengraben das einzig grĂ¶ĂŸere Fließ in der Parforceheide darstellt und den gesamten Wald von Ost nach West durchquert, sind die Folgen fĂŒr dessen Wasserhaushalt dramatisch und fĂŒhren zum Absterben der letzten, auf hohe Feuchtigkeit angewiesenen BruchwĂ€lder.

Durch Regeneinspeisung fĂŒhrt der Graben auf seinen letzten Metern in der Parforceheide ein wenig Wasser. Er verlĂ€uft unter der Autobahn hindurch nach Drewitz (selten verzeichneter Fußweg rechts und links) in das individuell gestaltete und von einem internationalen Architektenensemble nach der Wende hochgezogene Neubauviertel Kirchsteigfeld. Hier hat der Hirtengraben noch heute Fließcharakter – sehr zum Vorteil dieses Vorzeigeobjektes der architektonischen Postmoderne , das den Hirtengraben als einen zentralen Bestandteil der landschaftsprĂ€genden Elemente in das Projekt einbezog. Durch einen beidseitig angelegten Park verlĂ€uft der Hirtengraben weiter bis zum ebenfalls erst in jĂŒngerer Zeit angestauten und geschĂŒtzten Biotop „Der Teich“. Der weitere, zur Zeit unterirdische Lauf durch die Altstadt Drewitz soll freigelegt werden. Das letzte StĂŒck Hirtengraben fließt wieder offen und mĂŒndet in die Nuthe, die knapp zwei Kilometer westlich des Waldes parallel in SĂŒd-Nord-Richtung zur Havel fließt.

Bruchwald am Teltowkanal

Neben dem Haussee gibt es an stehenden GewĂ€ssern verschiedene kleine Pfuhle und TĂŒmpel. Das einzige grĂ¶ĂŸere GewĂ€sser im Einzugsbereich der Parforceheide, der Teltowkanal, hat durch seine nördliche Randlage lediglich auf einen begrenzten, parallel zum Kanal verlaufenden Waldstreifen wasserökologischen Einfluss. Hier gibt es noch Sumpfstreifen des ehemaligen BĂ€ketals mit alten EichenbestĂ€nden und AuwĂ€ldern. Am Ende des Teltowkanals bei KohlhasenbrĂŒck (siehe dort) ist nur wenige Meter hinter dem Waldrand seit 1988 das Naturschutzgebiet BĂ€kewiese ausgewiesen, das zwischen Kanal und Griebnitzsee eine eindrucksvolle Kormorankolonie beheimatet.

Sonstige Flora

Reh (Capreolus capreolus)
Reh (Capreolus capreolus)
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Blindschleiche (Anguis fragilis)
Blindschleiche (Anguis fragilis)

Eine natĂŒrlich herausgebildete Krautschicht und eine reich strukturierte Gehölzschicht mit der entsprechenden Fauna ist in den Berlin-Brandenburger WĂ€ldern und auch in der Parforceheide nicht mehr vorhanden. Laut Auskunft von Revierförster Bernd Krause entwickeln sich in den letzten Jahren allerdings ausgedehntere HeidekrautflĂ€chen , daneben sei eine deutliche RĂŒckkehr der Blaubeere zu verzeichnen. An höhergewachsenen StrĂ€uchern sind in nennenswertem Umfang die SpĂ€te Traubenkirsche und der Faulbaum anzutreffen. Dem Faulbaum, der bis zu sechs Meter hoch werden kann, liegen die sauren Lehm-Tonböden des Teltow, dessen trockene und nĂ€hrstoffarme SandflĂ€chen ferner anspruchslosen GrĂ€sern wie Schafschwingel sowie Flechten genĂŒgen.

Fauna

Rotwild gab es bereits zur Zeit der kurfĂŒrstlichen Parforcejagden kaum noch. Es kommt heute ĂŒberhaupt nicht mehr vor; zwischen 1980 und 1990 gab es kurzzeitig noch einmal einiges Damwild. Im 21. Jahrhundert hat die Parforceheide einen hohen Bestand an Reh- und Schwarzwild . Laut Auskunft von Bernd Krause liegt das Aufkommen des Rehwildes bei rund 8 StĂŒck pro 100 Hektar, das der Wildschweine bei rund 6 StĂŒck pro 100 Hektar. Bezogen auf die GesamtflĂ€che des Landschaftsschutzgebietes Parforceheide mit 2.350 Hektar errechnet sich eine Gesamtzahl von rund 190 Rehen und 140 Wildschweinen. Trotz intensiver Bejagung nehmen die BestĂ€nde zu. Gelegentlich kommen Berliner Importe aus dem Grunewald hinzu: Im Februar 2005 durchschwamm eine Rotte Schwarzkittel den nahegelegenen Griebnitzsee und verwĂŒstete zum Ärger der Brandenburger 1.300 qm WiesenflĂ€che am Wald.

Die ohnehin hohe Zahl an FĂŒchsen steigt weiter, Dachs und Steinmarder bleiben in ihrem Bestand stabil mit leicht ansteigender Tendenz und die Zahl der Iltisse geht zurĂŒck. An Vögeln sind Habicht , Sperber und vor allem der Schwarzspecht anzutreffen, Reptilien sind mit der Blindschleiche , Amphibien in hoher Zahl mit der Erdkröte vertreten, deren Population sich in den vielen kleinen TĂŒmpeln gut entwickelt. In der Gruppe der Insekten nimmt die Nestzahl der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Faltenwespen , der Hornissen , deutlich zu, wĂ€hrend die Staaten der Roten Waldameise auch in der Parforceheide weiter zurĂŒckgehen. In Ă€lteren EichenbestĂ€nden in der NĂ€he des Teltowkanals findet sich der gefĂ€hrdete Große Eichenbock oder Riesenbock, den die Forstwirtschaft lange als SchĂ€dling eingestuft hatte. Der imposante BockkĂ€fer , dessen nach hinten gebogene FĂŒhler beim MĂ€nnchen eine LĂ€nge von zehn Zentimetern erreichen können, ist heute nach der FHH-Richtlinie der EU streng geschĂŒtzt.

Ökologie II: Verordnung Landschaftsschutzgebiet

Seit den 1990er Jahren arbeiten die ForstĂ€mter daran, schĂ€dliche Entwicklungen zu bremsen und naturnah ausgebildete FlĂ€chen zu gewinnen. Dazu setzen sie auf Maßnahmen wie das behutsame ZurĂŒckdrĂ€ngen der florenfremden Baumarten, den Verzicht auf KahlschlĂ€ge , die Erhöhung des Totholzanteils und den Verzicht auf DĂŒngemittel und Pestizide .

Seit 1994 gibt es das Novum einer lĂ€nderĂŒbergreifenden forstlichen Rahmenplanung (FRP) von Berlin und Brandenburg mit dem Ziel, die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes abzustimmen und nachhaltig zu sichern. Diese Planung fand 1997 zum Teil ihren Niederschlag in der Verordnung zum rund 2.350 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet, in der ausdrĂŒcklich – ganz im Sinne des Zweckverbandes von 1915 – die Funktion des Gebietes als klimatische AusgleichsflĂ€che im SĂŒden des Ballungsraumes Berlin als Schutzzweck betont wird. Die Verordnung ĂŒber das Landschaftsschutzgebiet Parforceheide des Landes Brandenburg vom 12. November 1997, die auch fĂŒr den Berliner und Bundesteil der Parforceheide gilt, stellt folgende weitere Schutzzwecke sowie Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen dieser pleistozĂ€n geprĂ€gten Landschaft heraus:

Schutzzwecke (AuszĂŒge aus § 3)

Baumpilz an Totholz
Baumpilz an Totholz
  1. Erhaltung und Wiederherstellung des Naturhaushaltes in Bezug auf
    1. die FunktionsfÀhigkeit der Böden,
    2. die FunktionsfĂ€higkeit des Wasserhaushaltes sowie die naturnahe Entwicklung der FließgewĂ€sser,
    3. eine weitrÀumige, strukturreiche und teilweise ungestörte Landschaft als Lebensraum einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt,
    4. den Erhalt der weitgehend kulturunabhÀngigen, vielfÀltigen Biotope,
    5. die Erhaltung der naturnahen, zusammenhÀngenden WÀlder,
    6. [...]
    7. die Bedeutung als Pufferzone fĂŒr die vom Gebiet umschlossenen Naturschutzgebiete,
  2. die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung der Schönheit, Vielfalt und Eigenart eines typischen Ausschnitts der JungmorÀnenlandschaft des Norddeutschen Tieflandes,
  3. die nachhaltige Sicherung der Erholungsfunktion.

Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen

Unter § 6 werden beispielsweise Maßnahmen angefĂŒhrt wie die Erhaltung von Feuchtwiesen durch Entbuschungen, Mahd bzw. Weide und die ÜberfĂŒhrung von Wiesen auf Niedermoorstandorten in extensive Bewirtschaftungsformen. KleingewĂ€sser, Pfuhle und Teiche sowie GrĂ€ben, soweit sie ehemalige BachlĂ€ufe ersetzt haben, sollen renaturiert werden. Die vorhandenen Kiefernforstgesellschaften sollen in BestĂ€nde ĂŒberfĂŒhrt werden, die sich an der potenziell natĂŒrlichen Vegetation orientieren. Zur Entwicklung eines naturvertrĂ€glichen Erholungsraumes sieht die Verordnung ein Netz von Rad-, Wander- und Reitwegen vor und die alten Pflasterstraßen sollen möglichst erhalten werden.

Anspruch und RealitÀt

Die Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet verhinderte nicht, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts die beschriebenen Potsdamer Neubauviertel, die Nuthe-Schnellstraße und der sechsspurige Ausbau der A115 WaldflĂ€chen vernichteten. Auch der heutige Zustand von Flora und Fauna zeigt, dass das LSG nicht in allen Bereichen die gewĂŒnschte Wirkung entfalten konnte.

Hirtengraben
Hirtengraben
  • Der geforderten naturnahen Entwicklung der FließgewĂ€sser steht die Austrocknung des Hirtengrabens gegenĂŒber,
  • der geforderten Erhaltung der natĂŒrlichen Vegetation widerspricht das Absterben der letzten AuwĂ€lder und
  • die geforderte Erhaltung der zusammenhĂ€ngenden WĂ€lder trat noch hinter jeden grĂ¶ĂŸeren Straßenbau zurĂŒck.

Die AnsprĂŒche dieser Verordnung von 1997 sind also nur 8 Jahre spĂ€ter in wichtigen Teilen von der RealitĂ€t ĂŒberholt. Im Mai 2004 kam es gegen große WiderstĂ€nde zur Novellierung des Brandenburger Naturschutzgesetzes mit der Folge, dass der Naturschutzbeirat des Landkreises Potsdam-Mittelmark sein bisheriges Einspruchsrecht, beispielsweise bei Planverfahren, verlor. Der siebenköpfige ehrenamtliche Beirat, dem zwei sehr engagierte und um die Parforceheide sowie das BĂ€ketal bemĂŒhte BĂŒrger aus Kleinmachnow und GĂŒterfelde angehörten, trat daraufhin geschlossen zurĂŒck.

Zu den gelungenen Maßnahmen zĂ€hlt die Erhöhung des Totholzanteils, der zum einen naturbelassen an Ort und Stelle bleibt und zum anderen zur Anlage einer sehr hohen Zahl von Benjeshecken zur Förderung der naturnahen Vegetation dient. Der Ausbau von Rad-, Reit- und Wanderwegen schreitet voran, eine neue FußgĂ€ngerbrĂŒcke ĂŒber die Nuthe-Schnellstraße bindet seit 2005 die Große Rohrlake besser in das Wegenetz aus Richtung Stern ein.

Siehe auch

  • Portal:Land- und Forstwirtschaft
  • Geschichte des Waldes in Mitteleuropa , Liste bekannter WĂ€lder in Deutschland
  • Eingriffsregelung (Naturschutz)
  • Bundesnaturschutzgesetz

Quellen

Literatur

  • Reiner Cornelius, Geschichte der Waldentwicklung, Hrsg. Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin, Reihe Monitoringprogramm Naturhaushalt, Heft 3, Vertrieb durch Kulturbuchverlag Berlin, 1. Aufl. 1995 ISSN 0946-3631 Zitat S. 51
  • Martin Klees, Der Berliner Waldbesitz im Wandel der Zeiten, in: AFZ - Allgemeine Forst Zeitschrift 29, 1963, S. 450ff.
  • BĂ€ketal Kleinmachnow. Hrsg. GrĂŒne Liga, Förderverein Landschaftsschutzgebiet Buschgraben / BĂ€ketal e.V., 1992 (BroschĂŒre, 24 Seiten, Text Gerhard Casperson, keine ISBN-Angabe)
  • Theodor Fontane , Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Teil 3. Havelland. (1. Auflage 1873.) Zitate nach der Ausgabe Nymphenburger Verlagshandlung, MĂŒnchen 1971, Frankfurt/M, Berlin. ISBN 3-485-00293-3 Zitate Anhang GĂŒtergotz, S. 442f
  • Guido Zenkert, Stahnsdorf. Be.Bra Verlag Berlin Brandenburg, 1999, ISBN 3 .930863-58-8.

MĂŒndliche AuskĂŒnfte

Forstwirtschaftliche Detailinformationen und Entwicklungstendenzen stammen zum Teil aus einem GesprÀch mit Revierförster Bernd Krause in der Revierförsterei Nudow (vormals Ahrensdorf), Gemeinde Nuthetal, am 15. MÀrz 2005.

Weblinks


Koordinaten: 52°23' N 13°10' O

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