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Letzte Änderung für Artikel Berliner Mauer: 19.02.2006 19:31

Berliner Mauer

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Bild:Berlin Wall graffiti&death strip.jpg

Die Berliner Mauer (in der DDR-Propaganda auch als Teil des „antifaschistischen Schutzwalls“ bezeichnet) war Teil der innerdeutschen Grenze und trennte vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 West-Berlin vom Ostteil der Stadt und dem sie umgebenden Gebiet der DDR . Sie war das bekannteste Symbol fĂŒr den Kalten Krieg und die Teilung Deutschlands . Bei Versuchen, die schwer bewachten Grenzanlagen in Richtung West-Berlin zu ĂŒberwinden, kamen mindestens 86 Menschen durch Gewaltakte seitens der DDR-Grenztruppen zu Tode. Andere Quellen gehen von mindestens 238 Toten aus, wobei UnfĂ€lle mitgezĂ€hlt sind.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Verlauf der Berliner Mauer und GrenzĂŒbergangsstellen (1989)
Verlauf der Berliner Mauer und GrenzĂŒbergangsstellen (1989)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde Deutschland auf Beschluss der Jaltakonferenz in vier Besatzungszonen aufgeteilt, die von den Alliierten USA , Sowjetunion , Großbritannien und Frankreich kontrolliert und verwaltet wurden. Analog wurde Berlin als ehemalige Hauptstadt des Deutschen Reiches in vier Sektoren geteilt. Gleichzeitig begann auf verschiedensten Ebenen der Kalte Krieg zwischen West und Ost. Berlin wurde zu einem zentralen Platz im Kampf der Geheimdienste aus Ost und West. 1948 kam es im Kalten Krieg mit der Berlin-Blockade der Sowjetunion zu einer ersten großen Krise.

Als 1949 in den drei Westzonen zuerst die Bundesrepublik Deutschland und in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) kurz darauf die DDR gegrĂŒndet wurden, begann man auf beiden Seiten die Grenzen intensiver abzusichern und auszubauen. Durch die GrĂŒndung zweier Staaten wurde die Teilung politisch untermauert. Zwischen DDR und Bundesrepublik wurden zuerst nur Grenzpolizisten und Grenzsoldaten eingesetzt, spĂ€ter auf DDR-Seite vorwiegend ZĂ€une aufgebaut. Formal hatte Berlin den Status einer bezĂŒglich deutschen MilitĂ€rs entmilitarisierten Vier-Sektoren-Stadt und war unabhĂ€ngig von den beiden deutschen Staaten, was jedoch in der Praxis wenig Bedeutung hatte – West-Berlin nĂ€herte sich in vielem dem Status eines Bundeslandes an, zum Beispiel mit nicht abstimmungsberechtigten Vertretern im Bundestag . Ost-Berlin wurde vertragswidrig sogar zur Hauptstadt der DDR erklĂ€rt.

Mit der VerschĂ€rfung des Kalten Krieges , der unter anderem zum Hochtechnologie- Embargo „ COCOM “ gegenĂŒber dem Ostblock , einem permanenten diplomatischen Kleinkrieg und militĂ€rischen DrohgebĂ€rden fĂŒhrte, intensivierte insbesondere die östliche Seite die Abschottung ihrer Grenzen. Die innerdeutsche Grenze war damit nicht mehr nur eine Grenze zwischen den Teilen Deutschlands, sondern Teil der Grenze zwischen dem Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und der EG , zwischen der NATO und dem Warschauer Vertrag , also zwischen zwei unterschiedlichen politisch-ideologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Machtblöcken, die sich im so genannten Kalten Krieg offiziell feindlich gegenĂŒber standen.

Lage der Berliner Mauer auf einem Satellitenbild
Lage der Berliner Mauer auf einem Satellitenbild

Seit der Errichtung der DDR wanderten BĂŒrger in steigenden Zahlen in die Bundesrepublik aus, vor allem ĂŒber Berlin, wo die Grenze mitten durch die Stadt kaum zu kontrollieren war, im Gegensatz zur damals schon scharf bewachten innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik. Zwischen 1949 und 1961 verließen etwa 2,6 Millionen Menschen die DDR und Ost-Berlin, davon flohen alleine 47.433 noch in den beiden gerĂŒchtreichen Augustwochen 1961. Außerdem war fĂŒr viele Polen und Tschechen West-Berlin ein Tor in den Westen. Da es sich dabei oft um gut ausgebildete junge Menschen handelte, bedrohte diese Abwanderung die Wirtschaftskraft der DDR und letztlich den Bestand des Staates. Etwa 50.000 Ost-Berliner arbeiteten zudem als so genannte GrenzgĂ€nger in West-Berlin, lebten und wohnten aber zu den finanziell gĂŒnstigen Bedingungen in Ost-Berlin bzw. im Berliner Umland.

Am 4. August 1961 wurden die GrenzgĂ€nger per Verordnung durch den Ost-Berliner Magistrat angewiesen, sich registrieren zu lassen und Mieten sowie Mietnebenkosten kĂŒnftig in DM (West) zu zahlen. Schon vor dem Mauerbau kontrollierte die Volkspolizei im Ostteil Berlins die in den Westteil der Stadt fĂŒhrenden Straßen und Verkehrsmittel intensiv auf so genannte verdĂ€chtige „RepublikflĂŒchtlinge“ und „Schmuggler“. Außerdem kauften viele West-Berliner und in West-Berlin arbeitende Ost-Berliner mit auf dem Devisenschwarzmarkt gĂŒnstig getauschter Ost-Mark die vergleichsweise billigen Grundnahrungsmittel und die wenigen hochwertigen KonsumgĂŒter in Ost-Berlin. Das planwirtschaftliche Wirtschaftssystem auf östlicher Seite wurde dadurch zusĂ€tzlich geschwĂ€cht. Die Mauer sollte den Machthabern des „Ostblocks“ dazu dienen, die umgangssprachlich so bezeichnete „Abstimmung mit den FĂŒĂŸen“, weg aus dem „Sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat“, endgĂŒltig durch Abriegelung der Grenzen zu stoppen.

Mauerbau

Grenzer an der Berliner Mauer (1961)
Grenzer an der Berliner Mauer (1961)
Eine Àltere Dame winkt aus dem Westsektor, nach drei Stunden Warten, ihren Bekannten im Ostsektor zu (1961)
Eine Àltere Dame winkt aus dem Westsektor, nach drei Stunden Warten, ihren Bekannten im Ostsektor zu (1961)

Der Plan zum Bau der Mauer in Berlin war ein Staatsgeheimnis der DDR-Regierung. Die Mauer wurde auf Geheiß der SED -FĂŒhrung unter Schutz und Überwachung durch Volkspolizisten und Soldaten der Nationalen Volksarmee von Bauarbeitern errichtet – entgegen den Beteuerungen des Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht , der auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin am 15. Juni 1961 auf die Frage einer westdeutschen Journalistin , Annamarie Doherr , geantwortet hatte:

Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wĂŒnschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsĂ€chlich mit Wohnungsbau beschĂ€ftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!

Ulbricht war damit der erste, der den Begriff Mauer in diesem Bezug verwendete – zwei Monate, bevor sie ĂŒberhaupt stand.

Zwar wurden die Westalliierten durch GewĂ€hrsleute ĂŒber die Planung „drastischer Maßnahmen“ zur Abriegelung von West-Berlin informiert, vom konkreten Zeitpunkt und Ausmaß der Absperrung gaben sie sich öffentlich ĂŒberrascht. Da ihre Zugangsrechte nach West-Berlin nicht beschnitten wurden, griffen sie nicht militĂ€risch ein. Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte Ă€hnliche Informationen bereits Mitte Juli erhalten. Nach Ulbrichts Besuch bei Chruschtschow wĂ€hrend des hochrangigen Treffens der Warschauer Vertragsstaaten in Moskau vom 3. bis 5. August stand im BND-Wochenbericht vom 9. August :

Vorliegende Meldungen zeigen, daß das Pankower Regime sich darum bemĂŒht, die Einwilligung Moskaus fĂŒr die Inkraftsetzung durchgreifend wirksamer Sperrmaßnahmen – wozu insbesondere eine Abriegelung der Berliner Sektorengrenze und die Unterbrechung des S- und U-Bahn-Verkehrs in Berlin gehören wĂŒrde – zu erhalten [...] Es bleibt abzuwarten, ob und wie weit Ulbricht [...] in Moskau [...] mit entsprechenden Forderungen durchzudringen vermochte.
Kennedy und Adenauer an der Berliner Mauer
Kennedy und Adenauer an der Berliner Mauer

In der veröffentlichten ErklĂ€rung der Teilnehmerstaaten des Treffens des Warschauer Vertrags wurde vorgeschlagen, „an der Westberliner Grenze der WĂŒhltĂ€tigkeit gegen die LĂ€nder des sozialistischen Lagers den Weg zu verlegen und um das Gebiet Westberlins eine verlĂ€ssliche Bewachung und wirksame Kontrolle zu gewĂ€hrleisten.“ Am 11. August billigte die Volkskammer der DDR die Ergebnisse der Moskauer Beratung und bevollmĂ€chtigte den Ministerrat zu allen entsprechenden Maßnahmen. Der Ministerrat der DDR beschloss am 12. August den Einsatz der „bewaffneten Organe“ zur Besetzung der Grenze zu West-Berlin und zur Errichtung von Grenzsperren.

Am Samstag, dem 12. August , ging beim BND aus Ost-Berlin folgende Information ein: „Am 11. August 1961 hat eine Konferenz der ParteisekretĂ€re der parteigebundenen Verlage und anderer ParteifunktionĂ€re beim ZK der SED stattgefunden. Hier wurde u. a. erklĂ€rt: ... Die Lage des stĂ€ndig steigenden FlĂŒchtlingsstroms mache es erforderlich, die Abriegelung des Ostsektors von Berlin und der SBZ in den nĂ€chsten Tagen – ein genauer Tag wurde nicht angegeben – durchzufĂŒhren und nicht, wie eigentlich geplant, erst in 14 Tagen.“

S-Bahn-Ostsektoreinfahrt Liesenstraße/Gartenstraße 1980
S-Bahn-Ostsektoreinfahrt Liesenstraße/Gartenstraße 1980

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen die NVA , 5.000 Angehörige der Deutschen Grenzpolizei (VorlĂ€ufer der Grenztruppen ), 5.000 Angehörige der Schutz- und Kasernierten Volkspolizei und 4.500 Angehörige der Betriebskampfgruppen die Straßen und Gleiswege nach West-Berlin abzuriegeln. Sowjetische Truppen hielten sich in Gefechtsbereitschaft und waren an den alliierten GrenzĂŒbergĂ€ngen prĂ€sent. Alle Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Teilen Berlins wurden unterbrochen. Im September 1961 fuhren jedoch bereits wieder einige West-Berliner S- und U-Bahn -Linien auf Tunnelstrecken unter Ost-Berliner Gebiet – ohne regulĂ€re Stopps auf den nun so genannten Geisterbahnhöfen. Erich Honecker war als damaliger ZK-SekretĂ€r fĂŒr Sicherheitsfragen fĂŒr die gesamte Planung und Umsetzung des Mauerbaus politisch im Namen der SED-FĂŒhrung verantwortlich. Bis zum September 1961 desertierten allein von den eingesetzten SicherungskrĂ€ften 85 Mann nach West-Berlin, außerdem gab es 216 gelungene Fluchtversuche von 400 Menschen. Unvergessen sind bekannt gewordene Bilder von an Bettlaken aus den angrenzenden HĂ€usern herabgelassenen FlĂŒchtlingen und dem den Stacheldraht ĂŒberspringenden jungen Grenzpolizisten Conrad Schumann in der Bernauer Straße.

Westdeutsche Reaktionen

Brandenburger Tor 1987, von der Westseite aus gesehen
Brandenburger Tor 1987, von der Westseite aus gesehen

Bundeskanzler Konrad Adenauer rief noch am gleichen Tag ĂŒber Radio die Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenheit auf und verwies auf nicht nĂ€her benannte Reaktionen, die gemeinsam mit den Alliierten folgen wĂŒrden. Erst zwei Wochen nach dem Mauerbau besuchte er West-Berlin. Allein der regierende BĂŒrgermeister Willy Brandt protestierte energisch, aber letztlich machtlos, gegen die Einmauerung West-Berlins und die endgĂŒltige Teilung der Stadt. Die westdeutschen BundeslĂ€nder grĂŒndeten noch im gleichen Jahr die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter, um Menschenrechtsverletzungen auf dem Gebiet der DDR zu dokumentieren und so zumindest symbolisch dem Regime Einhalt zu gebieten. Am 16. August 1961 kam es zu einer Protestdemonstration von Willy Brandt und 300.000 West-Berlinern vor dem Rathaus Schöneberg.

Alliierte Reaktionen

Die Reaktionen der westlichen Alliierten auf den Mauerbau waren recht schleppend: 20 Stunden dauerte es, bis MilitĂ€rstreifen an der Grenze erschienen. 40 Stunden dauerte es, bis eine Rechtsverwahrung an den sowjetischen Kommandanten Berlins geschickt wurde. Gar 72 Stunden dauerte es, bis diplomatische Proteste der Alliierten – um der Form genĂŒge zu tun – in Moskau eingingen. Es gab immer wieder GerĂŒchte, dass die Sowjets den westlichen Alliierten vorher versichert hĂ€tten, deren Rechte an West-Berlin nicht anzutasten. TatsĂ€chlich war angesichts der Erfahrung der Berlin-Blockade der Status von West-Berlin in den Augen der Westalliierten stets gefĂ€hrdet – der Mauerbau war nun eine gegenstĂ€ndliche Manifestierung des Status Quo, der im wahrsten Sinne des Wortes zementiert wurde. Die Sowjetunion gab offensichtlich ihre noch 1958 im Chruschtschow-Ultimatum formulierte Forderung nach einer entmilitarisierten, "freien" Stadt West-Berlin auf.

Internationale Reaktionen 1961:

  • Keine sehr schöne Lösung, aber tausendmal besser als Krieg. John F. Kennedy , US-PrĂ€sident
  • Die Ostdeutschen halten den FlĂŒchtlingsstrom auf und verschanzen sich hinter einem noch dichteren Eisernen Vorhang. Daran ist an sich nichts Gesetzwidriges. Harold Macmillan , britischer Premierminister

Immerhin stand US-PrĂ€sident John F. Kennedy fest zur „freien Stadt“ Berlin. Er sandte eine zusĂ€tzliche Kampfgruppe mit 1.500 Mann ĂŒber die Transitstrecke nach West-Berlin und reaktivierte General Lucius D. Clay. Am 19. August 1961 trafen Clay und US-VizeprĂ€sident Lyndon B. Johnson in West-Berlin ein. Insbesondere der DDR-Staatschef Walter Ulbricht maßte sich sogar Kontrollbefugnisse der Volks- und Grenzpolizei ĂŒber alliierte Offiziere und Angestellte an, die auf schĂ€rfste ZurĂŒckweisung insbesondere durch die Amerikaner stießen. Schließlich musste sogar der Kommandierende Befehlshaber der Gruppe der sowjetischen StreitkrĂ€fte in Deutschland (GSSD) energisch auf die DDR-FunktionĂ€re mĂ€ĂŸigend einwirken.

Zu einer gefĂ€hrlich aussehenden direkten Konfrontation zwischen amerikanischen und sowjetischen Truppen kam es am 27. Oktober 1961 am Checkpoint Charlie auf der Friedrichstraße , als sich jeweils zehn Kampfpanzer unmittelbar am Grenzstrich gegenĂŒber aufbauten. Am nĂ€chsten Tag wurden jedoch beide Panzergruppen wieder zurĂŒckgezogen. Beide Seiten wollten den Kalten Krieg wegen Berlin nicht zum Eskalieren bringen oder am Ende gar einen Atomkrieg riskieren.

Geteiltes Land

Nixon an der Berliner Mauer
Nixon an der Berliner Mauer

West-Berliner durften bereits seit dem 1. Juni 1952 nicht mehr frei in die DDR einreisen. Nach langen Verhandlungen wurde 1963 das Passierscheinabkommen getroffen, das mehreren hunderttausend West-Berlinern zum Jahresende den Besuch ihrer Verwandtschaft im Ostteil der Stadt ermöglichte.

Ab Anfang der 1970er Jahre wurde mit der durch Willy Brandt und Erich Honecker eingeleiteten Politik der AnnĂ€herung zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland die Grenze zwischen den beiden Staaten etwas durchlĂ€ssiger. Die DDR gewĂ€hrte nun Reiseerleichterungen, insbesondere fĂŒr „unproduktive“ Bevölkerungsgruppen wie Rentner, und erlaubte BundesbĂŒrgern einfachere Besuche aus grenznahen Regionen. Eine umfassendere Reisefreiheit machte die DDR von der Anerkennung ihres Status als souverĂ€ner Staat abhĂ€ngig und verlangte die Auslieferung von nicht rĂŒckkehrwilligen DDR-Reisenden. Diese Forderungen wollte man in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund des Grundgesetzes nicht erfĂŒllen.

Die DDR- Propaganda bezeichnete die Mauer wie auch die gesamte Grenzsicherung zur Bundesrepublik als antifaschistischen Schutzwall, der die DDR vor „Abwanderung, Unterwanderung, Spionage, Sabotage, Schmuggel, Ausverkauf und Aggression aus dem Westen“ schĂŒtzen sollte. In Wirklichkeit richteten sich die Abwehranlagen vorwiegend gegen die eigenen BĂŒrger.

Mauerfall

Mauerfall
Mauerfall
teilweise zerstörte Mauer am Brandenburger Tor, ein Grenzsoldat bewacht die Reste, November 1989
teilweise zerstörte Mauer am Brandenburger Tor, ein Grenzsoldat bewacht die Reste, November 1989

Die Berliner Mauer fiel in der Nacht vom Donnerstag, dem 9. November , zum 10. November 1989 nach mehr als 28 Jahren. Zur Öffnung der Mauer fĂŒhrten zum einen Massenkundgebungen in der Wendezeit und die Forderung nach Reisefreiheit in der damaligen DDR sowie die anhaltende Republikflucht großer Bevölkerungsteile der DDR in die Bundesrepublik Deutschland ĂŒber das Ausland, teils ĂŒber Botschaften in verschiedenen osteuropĂ€ischen HauptstĂ€dten (unter anderem Prag und Warschau ), teils ĂŒber die in Ungarn am Neusiedler See bei Ödenburg mittlerweile offene Grenze zu Österreich .

Auslöser war eine Pressekonferenz mit SED - PolitbĂŒro -Mitglied GĂŒnter Schabowski im Presseamt/ Internationalen Pressezentrum in Ost-Berlin Mohrenstrasse 38 (jetzt Teil des Bundesjustizministeriums), die ĂŒber das Fernsehen live ĂŒbertragen und so von vielen gesehen wurde. Schabowski las gegen Ende der Pressekonferenz um 18:57 Uhr eher beilĂ€ufig von einem Zettel einen Ministerratsbeschluss ĂŒber eine neue Reiseregelung ab, die, wie sich spĂ€ter herausstellte, noch gar nicht verabschiedet worden war. Nach anderer Ansicht war der Entwurf vom Ministerrat im Umlaufverfahren beschlossen, sollte aber erst am 10. November ab 4:00 Uhr an die Presse freigegeben werden, damit alle zustĂ€ndigen Organe entsprechend informiert werden konnten:

Mit anwesend auf dem Podium neben Schabowski die Mitglieder des ZK der SED : Helga Labs , Gerhard Beil , Manfred Banaschak . Schabowski liest von einem ihm zugesteckten Beschlussentwurf fĂŒr den Ministerrat ab: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen – ReiseanlĂ€sse und VerwandtschaftsverhĂ€ltnisse – beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Die zustĂ€ndigen Abteilungen Pass- und Meldewesen der VP – der VolkspolizeikreisĂ€mter – in der DDR sind angewiesen, Visa zur stĂ€ndigen Ausreise unverzĂŒglich zu erteilen, ohne dass dafĂŒr noch geltende Voraussetzungen fĂŒr eine stĂ€ndige Ausreise vorliegen mĂŒssen. StĂ€ndige Ausreisen können ĂŒber alle GrenzĂŒbergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen ...“
Frage eines Journalisten (wohl Riccardo Ehrmann von der italienischen Agentur ANSA): „Wann trifft das in Kraft?“
Schabowski (blĂ€ttert in seinen Papierstapeln): „Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzĂŒglich.“
(zitiertes Transkript nach: Hans-Hermann Hertle, Katrin Elsner: Mein 9. November. Verlag Nicolai Berlin 1999)

Aufgrund der Meldungen von Rundfunk- und Fernsehsendern aus der Bundesrepublik und West-Berlin unter dem Titel „Die Mauer ist offen!“ zogen mehrere Tausend Ost-Berliner zu den GrenzĂŒbergĂ€ngen und verlangten die Öffnung. Zu diesem Zeitpunkt waren weder die Grenztruppen noch die fĂŒr die eigentliche Abfertigung zustĂ€ndigen Passkontrolleinheiten (PKE) des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit darĂŒber informiert. Ohne konkrete Befehle oder Anweisungen und unter dem Druck der Massen wurden kurz nach 23:00 Uhr zunĂ€chst der GrenzĂŒbergang Bornholmer Straße in Berlin, spĂ€ter weitere im Berliner Stadtgebiet sowie an der innerdeutschen Grenze geöffnet. Bereits am spĂ€ten Abend verfolgten viele die Öffnung der GrenzĂŒbergĂ€nge im Fernsehen und machten sich teilweise dann noch auf den Weg. Der große Ansturm setzte am Vormittag des 10. November 1989 ein, da die Grenzöffnung um Mitternacht vielfach „verschlafen“ wurde.

Die DDR-BĂŒrger wurden von der Bevölkerung West-Berlins begeistert empfangen. Die meisten Kneipen in der NĂ€he der Mauer gaben spontan Freibier aus und auf dem KurfĂŒrstendamm gab es einen großen Volksauflauf mit hupendem Autokorso und wildfremden Menschen, die sich in den Armen lagen. In der Euphorie dieser Nacht wurde die Mauer auch von vielen West-Berlinern erklommen, und das bis dahin unerreichbare Brandenburger Tor war daraufhin faktisch fĂŒr jedermann zugĂ€nglich. Als die Nachricht von der Öffnung der Berliner Mauer bekannt wurde, unterbrach der Bundestag in Bonn am Abend seine laufende Haushaltssitzung. Abgeordnete sangen spontan die Nationalhymne .

Der Fall der Mauer war ein herausragendes Ereignis der Weltgeschichte und wurde unter anderem Weihnachten 1989 mit einem Konzert Leonard Bernsteins gefeiert.

Struktur der Berliner Grenzanlagen

Die Berliner Mauer wurde ergĂ€nzt durch ausgedehnte Befestigungen der Grenze zur Bundesrepublik und – in geringerem Umfang – anderer Westgrenzen der Staaten des Warschauer Paktes, wodurch der so genannte Eiserne Vorhang materielle Gestalt annahm. Wie die restliche innerdeutsche Grenze wurde auch die Berliner Mauer ĂŒber weite Strecken mit umfangreichen Systemen von Stacheldrahthindernissen, GrĂ€ben, Panzerhindernissen, Kontrollwegen und PostentĂŒrmen versehen. Allein etwa 1.000 Diensthunde waren in Hundelaufanlagen bis Anfang der 1980er Jahre eingesetzt. Dieses System wurde ĂŒber Jahrzehnte stĂ€ndig ausgebaut. Dazu gehörte, dass nahe an der Mauer stehende HĂ€user, deren Bewohner zwangsweise umgesiedelt wurden, gesprengt wurden. Noch am 28. Januar 1985 wurde an der Bernauer Straße sogar die Versöhnungskirche gesprengt. Das fĂŒhrte dazu, dass sich letztlich eine breite, nachts taghell beleuchtete Schneise durch die einst dicht bebaute Stadt zog. Die Anlagen der Berliner Mauer bestanden nach Angaben des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit im FrĂŒhjahr 1989 aus:

  • 41,91 km Grenzmauer 75 mit einer Höhe von 3,60 m
  • 58,95 km Grenzmauer in Plattenbauweise mit einer Höhe von 3,40 m
  • 68,42 km Streckmetallzaun mit einer Höhe von 2,90 m als „vorderem Sperrelement“
  • 161 km Lichttrasse
  • 113,85 km Grenzsignalzaun
  • 186 BeobachtungstĂŒrmen
  • 31 FĂŒhrungsstellen.

Von der 156,4 km langen Grenze zu Westberlin lagen 43,7 km in Ost-Berlin und 112,7 km im Bezirk Potsdam. 63,8 km des Grenzverlaufs lagen in bebautem, 32 km in bewaldetem und 22,65 km in offenem GelĂ€nde, 37,95 km der Grenze lag in oder an FlĂŒssen und Seen.

Mauerfertigstellung Bernauer Straße 1980
Mauerfertigstellung Bernauer Straße 1980

FĂŒr die ostdeutschen Grenzsoldaten galt der Schießbefehl , der von ihnen verlangte, einen Fluchtversuch mit allen Mitteln, auch auf Kosten des Lebens des FlĂŒchtlings, zu verhindern. Auch an der Berliner Mauer wurde dieser Schießbefehl hĂ€ufig ausgefĂŒhrt. Gemessen an der GrenzlĂ€nge zur Bundesrepublik starben in Berlin ĂŒberdurchschnittlich viele FlĂŒchtlinge. Vor hohen Feiertagen oder Staatsbesuchen wurde dieser Schießbefehl auch zeitweilig ausgesetzt, um eine negative Westpresse zu vermeiden. Von West-Berlin wurde die Grenze von der West-Berliner Polizei und Alliierten MilitĂ€rstreifen beobachtet und auffĂ€llige AktivitĂ€ten wurden dokumentiert, auch um Schleusungen von Ost-Spionen ĂŒber die Grenze möglichst zu verhindern. Wie sich jedoch spĂ€ter herausstellte, gab es dennoch versteckte MauerdurchgĂ€nge, die auch genutzt wurden.

Aufbau der Grenzanlagen

In ihrem Endausbaustadium, an manchen Stellen erst in den spÀten 1980er Jahren, bestanden die Grenzanlagen beginnend aus Richtung DDR aus:

  • Hinterlandbetonmauer oder Streckmetallzaun etwa 2 bis 3 m hoch
  • am Boden Signalanlagen, die bei BerĂŒhrung Alarm auslösten
  • Kontaktzaun aus Streckmetall ĂŒbermannshoch, mit Stachel- und Signaldraht bespannt
  • Bis zur Grenzöffnung im Jahre 1989 gab es außerdem streckenweise Hundelaufanlagen (scharfe SchĂ€ferhunde u.Ă€., an FĂŒhrungsdraht eingehĂ€ngt, frei laufend), KraftfahrzeugsperrgrĂ€ben und Panzersperren ( Spanische Reiter aus kreuzweise verschweißten Eisenbahnschienen), die dann als GegengeschĂ€ft fĂŒr bundesdeutsche Milliardenkredite abgebaut wurden
  • Postenstraße/Kolonnenweg (nachts beleuchtet), zur Grenzpostenablösung und um VerstĂ€rkung heranholen zu können
  • PostentĂŒrme (1989 insgesamt 302 StĂŒck) mit Suchscheinwerfern, Sichtkontakt der Posten tagsĂŒber, nachts zogen zusĂ€tzliche Grenzsoldaten auf
  • Kontrollstreifen (KS) Todesstreifen, immer frisch geeggt, zur Spurenfeststellung, der auch von den Grenzsoldaten nicht grundlos betreten werden durfte
  • (teilweise extra) ĂŒbermannshoher Streckmetallzaun, nur schrĂ€g durchsehbar
  • eigentliche Grenze Betonfertigteilmauer bzw. -wand nach West-Berlin, 3,75 m hoch, (teilweise mit Betonrolle, die beim Überklettern keinen Halt bieten sollte)
  • davor noch einige Meter Hoheitsgebiet der DDR

Die Gesamtbreite dieser Grenzanlagen war abhÀngig von der HÀuserbebauung im Grenzgebiet und betrug von etwa 30 Meter bis etwa 500 Meter (am Potsdamer Platz). Minenfelder und Selbstschussanlagen wurden an der Berliner Mauer nicht aufgebaut (dies war aber in der DDR nicht allgemein bekannt!), jedoch an der innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik.

Der Aufbau der grenztruppen-intern als Handlungsstreifen bezeichneten Grenze war natĂŒrlich den BĂŒrgern in der DDR nicht genau bekannt, da es sich um ein MilitĂ€rgeheimnis handelte. Die Grenzsoldaten waren zum Stillschweigen verpflichtet, und da man nie genau wissen konnte, wer als Stasi-Spitzel nach einer unbedachten Plauderei einen Bericht schrieb, hielt man sich tunlichst daran. Jeder, der sich irgendwie auffĂ€llig fĂŒr die Grenzanlagen interessierte, lief mindestens Gefahr, vorlĂ€ufig festgenommen und zum nĂ€chsten Polizeirevier oder Grenzkommando zur IdentitĂ€tsfeststellung gebracht zu werden. Eine Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Planung eines Fluchtversuchs konnte folgen. Im Übrigen war auch in Berlin der nĂ€here Bereich an der Grenze Sperrgebiet, das nur mit Genehmigung betreten werden konnte. Alle Einblicksmöglichkeiten fĂŒr Unbefugte wurden mit Sichtblenden verbaut.

Personeller Aufbau und Ausstattung des Grenzkommandos Mitte

FĂŒr den Schutz der Grenze zu West-Berlin war in der DDR das Grenzkommando Mitte der Grenztruppen der DDR zustĂ€ndig, dem nach Angaben des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit vom FrĂŒhjahr 1989 11.500 Soldaten und 500 ZivilbeschĂ€ftigte angehörten. Es bestand neben dem Stab in Berlin-Karlshorst aus 7 Grenzregimentern, die in Berlin-Treptow , Berlin-Pankow, Berlin-Rummelsburg, Hennigsdorf, Groß-Glienicke, Potsdam-Babelsberg und Kleinmachnow stationiert waren, sowie 2 Grenzausbildungsregimentern in Wilhelmshagen und Oranienburg.

Jedes Grenzregiment besaß fĂŒnf direkt gefĂŒhrte Grenzkompanien, außerdem je eine Pionier-, Nachrichten-, Transportkompanie, Granatwerfer- und Artilleriebatterie, einen AufklĂ€rungs- und einen Flammenwerferzug sowie eine Diensthundestaffel und unter UmstĂ€nden eine Bootskompanie und SicherungszĂŒge bzw. -kompanien fĂŒr die GrenzĂŒbergangsstellen.

Das Grenzkommando Mitte verfĂŒgte ĂŒber 567 SchĂŒtzenpanzerwagen, 48 Granatwerfer, 48 Panzerabwehrkanonen und 114 Flammenwerfer sowie 156 gepanzerte Fahrzeuge bzw. schwere Pioniertechnik und 2.295 Kraftfahrzeuge. Zum Bestand gehörten außerdem 992 Hunde.

An einem normalen Tag waren etwa 2.300 Soldaten direkt an der Grenze und im grenznahen Raum eingesetzt. Bei so genannter „verstĂ€rkter Grenzsicherung“, die beispielsweise 1988 wegen politischer Höhepunkte oder schlechter Witterungsbedingungen etwa 80 Tage galt, waren dies etwa 2.500 Grenzsoldaten, die in besonderen Situationen weiter aufgestockt werden konnten.

GewÀssergrenzen

Die Ă€ußere Stadtgrenze West-Berlins verlief an mehreren Stellen durch schiffbare GewĂ€sser. Der Grenzverlauf war dort durch eine vom West-Berliner Senat errichtete Kette aus runden weißen Bojen mit der (an der Stadtgrenze nicht ganz zutreffenden) Aufschrift „Sektorengrenze“ gekennzeichnet. West-Berliner Fahrgastschiffe und Sportboote mussten darauf achten, sich auf der West-Berliner Seite der Bojenkette zu halten. Auf der DDR -Seite der Grenze wurden diese GewĂ€sser gelegentlich von Booten der Grenztruppen der DDR patrouilliert.

Die Grenzbefestigungen der DDR befanden sich jeweils auf dem DDR-seitigen Ufer, was teilweise große Umwege erzwang und die Ufer mehrerer Havelseen „vermauerte“. Der grĂ¶ĂŸte Umweg befand sich am Jungfernsee, wo die Mauer bis zu 2 km vom eigentlichen Grenzverlauf entfernt stand. An mehreren Stellen verlief der Grenzstreifen durch ehemalige WassergrundstĂŒcke und machte sie so fĂŒr die Bewohner unbrauchbar, so am Westufer des Groß-Glienicker Sees und am SĂŒdufer des Griebnitzsees.

Bei den GewĂ€ssern an der innerstĂ€dtischen Grenze verlief diese ĂŒberall direkt am westlichen oder östlichen Ufer, so dass dort keine Markierung des Grenzverlaufs im Wasser existierte. Die eigentliche Mauer stand auch hier jeweils am Ost-Berliner Ufer. Dennoch wurden die zu Ost-Berlin gehörenden GewĂ€sser selbst ebenfalls ĂŒberwacht. Auf NebenkanĂ€len und -flĂŒssen wurde die Lage dadurch z.T. unĂŒbersichtlich. Manche Schwimmer und Boote aus West-Berlin gerieten versehentlich oder aus Leichtsinn auf Ost-Berliner Gebiet und wurden beschossen. Dabei gab es mehrere Tote. An einigen Stellen in der Spree gab es zusĂ€tzlich Unterwassersperren gegen Schwimmer. FĂŒr FlĂŒchtlinge war es nicht klar zu erkennen, wann sie West-Berlin erreicht hatten, so dass fĂŒr sie noch nach dem Überwinden der eigentlichen Mauer die Gefahr bestand, erschossen zu werden.

GrenzĂŒbergĂ€nge

Hauptartikel: Berliner GrenzĂŒbergĂ€nge

An der Berliner Mauer gab es 25 GrenzĂŒbergangsstellen (GÜSt), 13 Straßen-, 4 Eisenbahn- und 8 WasserstraßengrenzĂŒbergangsstellen, was etwa 60% aller GrenzĂŒbergĂ€nge zwischen der DDR und der Bundesrepublik bzw. Westberlin waren. Die GrenzĂŒbergangsstellen zwischen West-Berlin, Ost-Berlin und dem Gebiet der DDR waren auf DDR-Seite sehr stark ausgebaut. Es wurde mitunter sehr scharf bei der Ein- und Ausreise von den DDR-Grenzorganen und dem DDR-Zoll kontrolliert. Dennoch war die Abfertigung betont korrekt.

Auf West-Berliner Seite hatten die Polizei und der Zoll Posten. Dort gab es in der Regel keine Kontrollen im Personenverkehr. Nur an den TransitĂŒbergĂ€ngen wurden die Reisenden statistisch erfasst (Befragung nach dem Ziel), gelegentlich bei entsprechendem Anlass zur Strafverfolgung auch kontrolliert ( Ringfahndung ). Der GĂŒterverkehr unterlag im Auslandsverkehr der Zollabfertigung. Im Verkehr mit der Bundesrepublik wurden nur statistische Erhebungen gemacht.

Am Checkpoint Bravo ( Dreilinden ) und Checkpoint Charlie (Friedrichstraße) hatten die Alliierten BesatzungsmĂ€chte Kontrollpunkte eingerichtet, die jedoch fĂŒr den normalen Reise- und Besuchsverkehr ohne Bedeutung waren.

Mit der WĂ€hrungsunion am 1. Juli 1990 wurden alle GrenzĂŒbergĂ€nge aufgegeben. Einige Reste der Anlagen blieben als Mahnmal erhalten.

Maueropfer und -schĂŒtzen

Maueropfer

In den 28 Jahren ihres Bestehens starben an der Berliner Mauer mindestens 86 FlĂŒchtende. Jedoch gibt es ĂŒber die genaue Zahl der Mauertoten stark widersprĂŒchliche und auch deutlich höhere Angaben, sie ist heute schwierig zu beziffern, weil die TodesfĂ€lle an der Grenze von der DDR systematisch verschleiert wurden (siehe auch Innerdeutsche Grenze ). Die ersten tödlichen SchĂŒsse fielen am 24. August 1961 auf den 24-jĂ€hrigen GĂŒnter Litfin , der in der NĂ€he des Bahnhofs Friedrichstraße von Transportpolizisten bei einem Fluchtversuch erschossen wurde, elf Tage nach der Schließung der Grenze. Peter Fechter verblutete am 17. August 1962 im Todesstreifen. Im Jahre 1966 wurden zwei Kinder im Alter von 10 und 13 Jahren im Grenzstreifen durch insgesamt 40 SchĂŒsse getötet. Der letzte tödliche Zwischenfall an der Grenze ereignete sich am 6. Februar 1989 , dabei verblutete Chris Gueffroy .

Nach SchĂ€tzungen mussten sich rund 75.000 Menschen wegen so genannter Republikflucht vor DDR-Gerichten verantworten. Republikflucht wurde nach § 213 Strafgesetzbuch der DDR mit Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren geahndet. Wer bewaffnet war, Grenzanlagen beschĂ€digte oder als Armeeangehöriger oder GeheimnistrĂ€ger bei einem Fluchtversuch gefasst wurde, kam selten mit weniger als fĂŒnf Jahren GefĂ€ngnis davon.

Einige Grenzsoldaten starben ebenfalls bei gewalttĂ€tigen VorfĂ€llen an der Mauer. Der bekannteste Fall ist die Ermordung des Soldaten Reinhold Huhn , der von einem Fluchthelfer erschossen wurde. Diese VorfĂ€lle wurden von der DDR propagandistisch genutzt und als nachtrĂ€gliche BegrĂŒndung fĂŒr den Mauerbau herangezogen.

MauerschĂŒtzen-Prozesse

Die juristische Aufarbeitung des Schießbefehls in so genannten MauerschĂŒtzenprozessen dauerte bis zum Herbst 2004 . Zu den angeklagten Verantwortlichen gehörten unter anderem der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker , sein Nachfolger Egon Krenz , die Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrates Erich Mielke , Willi Stoph , Heinz Keßler , Fritz Streletz und Hans Albrecht , der SED-Bezirkschef von Suhl, sowie einige GenerĂ€le, wie der Chef der Grenztruppen ( 1979 – 1990 ), Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten .

Die angeklagten ausfĂŒhrenden MauerschĂŒtzen rekrutierten sich zum Großteil aus Mannschaftsdienstgraden der NVA oder der DDR-Grenztruppen. Insgesamt wurden 35 Angeklagte freigesprochen, 44 Angeklagte wurden zu BewĂ€hrungsstrafen und 11 Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt, unter anderem Albrecht, Streletz und Keßler sowie Baumgarten zu viereinhalb bis siebeneinhalb Jahren. Im August 2004 wurden Hans-Joachim Böhme und Werner Lorenz als ehemalige PolitbĂŒro-Mitglieder zu BewĂ€hrungsstrafen vom Landgericht Berlin verurteilt. Der letzte Prozess gegen DDR-Grenzsoldaten ging am 9. November 2004 , genau 15 Jahre nach der Maueröffnung, mit einem Schuldspruch zu Ende.

Gedenken

Zum Gedenken an die Opfer der Berliner Mauer wurden sehr unterschiedliche Mahnmale errichtet. Neben kleineren Kreuzen oder anderen Zeichen des Gedenkens vor allem an erschossene FlĂŒchtlinge, die hĂ€ufig auf Privatinitiative zurĂŒckgehen und sich an verschiedenen Stellen des ehemaligen Grenzverlaufs befinden, gibt es eine Reihe grĂ¶ĂŸerer öffentlichkeitswirksamer GedenkstĂ€tten.

Über die Art und Weise des Gedenkens gab es immer wieder öffentliche Auseinandersetzungen wie beispielsweise Ende der 1990er Jahre ĂŒber die GedenkstĂ€tte in der Bernauer Straße. Einen vorlĂ€ufigen Höhepunkt erreichte die öffentliche Debatte beim Streit um das in der NĂ€he des Checkpoint Charlie errichteten und spĂ€ter gerĂ€umten so genannten Freiheitsmahnmals. Dem Vorwurf an den Berliner Senat, kein Gedenkkonzept zu besitzen, begegnete dieser mit der Einberufung einer Kommission, die im FrĂŒhjahr 2005 ein solches Konzept vorstellte.

Mauermuseum im Haus am Checkpoint Charlie

Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie wurde 1963 direkt vor der Grenze vom Historiker Rainer Hildebrandt eröffnet und wird von der Arbeitsgemeinschaft 13. August betrieben. Es gehört zu den meistbesuchten Berliner Museen. Das Mauermuseum veranschaulicht das Grenzsicherungssystem an der Berliner Mauer und dokumentiert geglĂŒckte Fluchtversuche und ihre Fluchtmittel wie Heißluftballons, Fluchtautos, Sessellifte und ein Mini-U-Boot. Heutige Leiterin des Museums ist die Witwe des GrĂŒnders Alexandra Hildebrandt .

GedenkstĂ€ttenensemble Berliner Mauer in der Bernauer Straße

Seit Ende der 1990er Jahre besteht an der Bernauer Straße zwischen den ehemaligen Bezirken Wedding und Mitte ein Gedenkensemble zur Berliner Mauer. Es umfasst die GedenkstĂ€tte Berliner Mauer, das Dokumentationszentrum Berliner Mauer sowie die Kapelle der Versöhnung.

Die GedenkstĂ€tte ist aus einem vom Bund ausgelobten Wettbewerb hervorgegangen und wurde nach langen und heftigen Diskussionen am 13. August 1998 eingeweiht. Sie stellt einen durch kĂŒnstlerisch-gestalterische Mittel ergĂ€nzten neu aufgebauten Mauerabschnitt am Originalort dar. Das Dokumentationszentrum, das von einem Verein getragen wird, wurde am 9. November 1999 eröffnet. 2003 wurde es durch einen Aussichtsturm ergĂ€nzt, von dem die Maueranlagen der GedenkstĂ€tte gut einsehbar sind. Neben einer aktuellen Ausstellung (seit 2001 unter dem Titel Berlin, 13. August 1961) gibt es unterschiedliche Informationsmöglichkeiten zur Geschichte der Mauer. Außerdem werden Seminare und andere Veranstaltungen angeboten. Die Kapelle der Versöhnung der Evangelischen Versöhnungsgemeinde wurde am 9. November 2000 eingeweiht. Sie ist ein ovaler Stampflehmbau und wurde ĂŒber den Restmauern des Chores der 1985 gesprengten Versöhnungskirche gebaut.

Sonstiges

Die Geschichtsmeile Berliner Mauer ist eine viersprachige Dauerausstellung, die aus 21 Informationstafeln besteht. Diese stehen ĂŒber den innerstĂ€dtischen Grenzverlauf verteilt und enthalten Fotografien und Texte zu Ereignissen, die sich am Standort der Tafeln zugetragen haben, beispielsweise wird auf geglĂŒckte oder missglĂŒckte Fluchten hingewiesen.

Abbau und Reste der Mauer

Nach dem Mauerfall wurden durch SouvenirjĂ€ger immer wieder MauerstĂŒcke aus der Mauer herausgebrochen. Dies entwickelte sich schnell zu einem Markt, die MauerstĂŒcke wurden verkauft. Diese SouvenirjĂ€ger erhielten im Volksmund schnell die Bezeichnung Mauerspechte . Aber auch die DDR war bestrebt, die Mauer möglichst schnell und umfassend abzureißen. Am 13. Juni 1990 begann in der Bernauer Straße der offizielle Abriss. Daran beteiligt waren insgesamt 300 DDR-Grenzsoldaten sowie 600 Pioniere der Bundeswehr. Diese waren mit 175 Lastwagen, 65 KrĂ€nen, 55 Baggern und 13 Bulldozern ausgerĂŒstet. Der Abriss der innerstĂ€dtischen Mauer dauerte bis November 1990. Übrig blieben sechs Abschnitte, die als Mahnmal erhalten wurden. Der Rest der Mauer verschwand bis November 1991 .

Der einstige Grenzstreifen ist noch heute an vielen Stellen gut erkennbar, teilweise durch große BrachflĂ€chen wie an Teilen der Bernauer Straße und entlang der Alten Jakobstraße. Die breite Trasse zwischen den beiden frĂŒheren Mauerlinien wird im heutigen Sprachgebrauch Mauerstreifen genannt. In der ansonsten dicht bebauten Berliner Innenstadt wurde der Streifen meist schnell einer Nachnutzung fĂŒr stĂ€dtische Zwecke zugefĂŒhrt.

Der bekannteste Rest der Mauer steht an der Spree zwischen dem Ostbahnhof und der OberbaumbrĂŒcke. Er war nicht Teil der Ă€ußeren Mauer, sondern der so genannten Hinterland-Mauer, die das Grenzgebiet nach Ost-Berlin hin abschloss. Sie wurde 1990 von internationalen KĂŒnstlern zur East Side Gallery gestaltet und unter Denkmalschutz gestellt. Eine Ă€ußere Mauer gab es an dieser Stelle nicht; die Grenze verlief hier auf der gegenĂŒberliegenden Seite der Spree.

Mauerrest an der Niederkirchnerstraße
Mauerrest an der Niederkirchnerstraße

Ein weiteres ReststĂŒck der (wirklichen) Mauer steht an der Niederkirchnerstraße im Berliner Bezirk Mitte in der NĂ€he des Berliner Abgeordnetenhauses. Es wurde ebenfalls 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Hingegen sind die Grenzanlagen der MauergedenkstĂ€tte in der Bernauer Straße nicht original, sondern wurden zu Anschauungszwecken wieder neu aufgebaut.

Der US-Geheimdienst CIA sicherte sich fĂŒr seinen Neubau in Langley , Virginia , weitere kĂŒnstlerisch verzierte Mauersegmente im FreigelĂ€nde.

Von den ehemals 302 GrenzwachtĂŒrmen stehen heute noch fĂŒnf:

  • am Schlesischen Busch in Treptow in der NĂ€he der Puschkinallee. Er steht in einem zu einem Park umgewandelten StĂŒck des Mauerstreifens und wird als Museum der verbotenen Kunst genutzt.
  • in der Kieler Straße in Mitte . Der Turm ist denkmalgeschĂŒtzt und ist inzwischen an drei Seiten von Neubauten umgeben.
  • der einzige der deutlich schlankeren BeobachtungstĂŒrme in der Stresemannstraße in der NĂ€he des Potsdamer Platzes ebenfalls in Mitte. Er wurde allerdings wegen Bauarbeiten um einige Meter versetzt und steht nicht mehr am originalen Standort.
  • etwas sĂŒdlich von Nieder-Neuendorf, einem Ortsteil von Hennigsdorf. Hier befindet sich heute eine StĂ€ndige Ausstellung zur Geschichte der Grenzanlagen zwischen den beiden deutschen Staaten.
  • bei Hohen Neuendorf. Der Turm befindet sich in einem bereits wieder aufgeforsteten Gebiet des Grenzstreifens. Er wird samt dem umliegenden GelĂ€nde von der Deutschen Waldjugend genutzt.

In den 1990er Jahren gab es in der Berliner Politik eine Diskussion ĂŒber verschiedene Ideen zur Sichtbarmachung und Markierung des einstigen Mauerverlaufs. Vorgeschlagen wurden zum Beispiel eine Doppelreihe in den Straßenbelag eingelassener quadratischer Pflastersteine , ein in den Bodenbelag eingelassenes Bronzeband und eine Markierung beider Mauern (der eigentlichen und der Hinterland-Mauer) durch verschiedenfarbige Streifen. Alle drei Varianten wurden am Abgeordnetenhaus zu Anschauungszwecken jeweils auf einem kurzen StĂŒck ausgefĂŒhrt. Im Ergebnis dieser Diskussion wurden danach vor allem im Innenstadtbereich an mehreren Stellen ungefĂ€hr 8 km des Mauerverlaufs durch eine Doppelreihe von Pflastersteinen markiert.

Neben dem Verkauf und der Bebauung des Mauerstreifens um Berlin-Mitte gibt es eine vielfĂ€ltige Nachnutzung. Im Ortsteil Prenzlauer Berg wurde ein Teil des Verlaufs der ehemaligen Mauer zu einem GrĂŒnstreifen, dem Mauerpark, der nun als Parkanlage genutzt wird. Auf großen Teilen dieses Mauerstreifens fĂŒhrt heute ein Radweg entlang, insbesondere auf den Teilen des heutigen Stadtrandes. Das innerstĂ€dtische StĂŒck am östlichen Teltowkanal wurde mit der Trasse der Bundesautobahn 113 vom Berliner Stadtring nach Schönefeld ĂŒberbaut.

Kurioses

  • Ein Gartengebiet ragte als schmaler Streifen aus dem Osten nach West-Berlin hinein und fĂŒhrte zu einer speziellen Form im Mauerverlauf, dem so genannten Entenschnabel.
  • Die Satirepartei Die PARTEI zĂ€hlt den Wiederaufbau der Mauer zu einem ihrer Wahlversprechen.
  • Roger Waters fĂŒhrte 1990 am Potsdamer Platz, direkt an der gerade gefallenen Mauer, das 1979 erschienene Album The Wall der bekannten Psychedelic-Rock-Band Pink Floyd unter Mitwirkung zahlreicher Stars erneut auf. Das Album an sich beschreibt eine psychologische Mauer und hatte bezĂŒglich der Intention nichts mit der Berliner Mauer zu tun. Dennoch wurden etwa von der Presse angesichts des historischen Kontextes ZusammenhĂ€nge hergestellt, was - auch aus Marketinggesichtspunkten heraus - von den Veranstaltern durchaus gewollt war.
  • Am 1. Juli 1988 kamen durch einen Gebietstausch Teile des LennĂ©-Dreiecks zu West-Berlin. Einige West-Berliner, die sich dort auf bis dahin nahezu exterritorialem Gebiet aufhielten, flĂŒchteten vor der Westberliner Polizei ĂŒber die Mauer nach Ost-Berlin.

Literatur

  • Peter Feist: Die Berliner Mauer. 4. Auflage. Kai Homilius Verlag, Berlin 2004 (Der historische Ort Nr. 38), ISBN 3-931121-37-2 ( Leseprobe )
  • Thomas Flemming, Hagen Koch: Die Berliner Mauer. Geschichte eines politischen Bauwerks. Bebra Verlag 2001, ISBN 3-930863-88-X
  • Hertle, Jarausch, Kleßmann (Hrsg.): Mauerbau und Mauerfall. Berlin 2002, ISBN 3861532646
  • Axel Klausmeier, Leo Schmidt: Mauerreste - Mauerspuren. Westkreuz-Verlag Berlin/Bonn 2004, ISBN 3929592509
  • Joachim Mitdank: Berlin zwischen Ost und West. Erinnerungen eines Diplomaten. Kai Homilius Verlag, Berlin 2004 (Edition Zeitgeschichte - Band 14), ISBN 3-89706-880-X ( Leseprobe )
  • Thomas Scholze, Falk Blask: Halt! Grenzgebiet! Leben im Schatten der Mauer. Berlin 1992, ISBN 3861630303

Weblinks

Commons: Berlin Wall – Bilder, Videos oder Audiodateien

Wikipedia

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