fair-hotels . Ein Service wie gemalt
Reiseführer Übersicht Deutschland Österreich Schweiz Bauwerke nach Stil

Werbung

Letzte Änderung für Artikel Hesselberg: 18.02.2006 19:39

Hesselberg

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Hesselberg 60 km sĂŒdwestlich von NĂŒrnberg ist mit 689 Metern die höchste Erhebung Mittelfrankens und der Frankenalb . Der Berg liegt isoliert und weitab vom Zentrum der Frankenalb, in deren sĂŒdwestlichstem Grenzgebiet. Die erste ĂŒberlieferte Bezeichnung war Öselberg, deren Bedeutung vermutlich öder Berg war. Aus diesem Namen entwickelte sich spĂ€ter Eselberg und schließlich die heutige Bezeichnung Hesselberg. Der Berg gibt als alter Zeugenberg einen aufschlussreichen Einblick in die Erdgeschichte der Jurazeit . Er ist zudem Zeuge einer wechselvollen Geschichte . Viele Begebenheiten wurden von Generation zu Generation ĂŒberliefert und haben sich in sagenhaften Legenden mit den Tatsachen vermischt. Heute suchen die Menschen den Hesselberg auf, um die Natur und die herrliche Aussicht zu genießen, die bei sehr klarem Wetter den nördlichsten Blick zu den Alpen bietet.

Morgenstimmung mit Blick zum Hesselberg (von Westen)
Morgenstimmung mit Blick zum Hesselberg (von Westen)
Gleitschirmflieger am Berg
Gleitschirmflieger am Berg

Inhaltsverzeichnis

Form, Lage und Ausdehnung

Der Berg hat eine LĂ€nge von etwa 6 Kilometern und ist durchschnittlich 1-2 Kilometer breit. Mit Ausnahme der SĂŒdseite sind die HĂ€nge grĂ¶ĂŸtenteils mit Nadel- oder Mischwald bedeckt. Im oberen Bereich und vor allem am Osthang des Röckinger Berges befinden sich auch grĂ¶ĂŸere FlĂ€chen mit Laubwald . Die markante SĂŒdseite ist im oberen Teil weitgehend waldfrei. Im SĂŒd- und Nordosthang befinden sich großflĂ€chige Magerrasen mit ihren typischen WacholderbĂŒschen . In seiner LĂ€ngsachse lĂ€sst sich der Hesselberg in 5 Zonen einteilen (siehe Panoramabild):

Hesselberg-Panorama von SĂŒden
Hesselberg-Panorama von SĂŒden
  • Im westlichen Anstiegsbereich ĂŒberwiegt Nadelwald . Hier beginnt der geologische Lehr- und Wanderpfad.
  • Die westliche HochflĂ€che, auch Gerolfinger Berg genannt, mit ihren dolinenartigen Vertiefungen, ihren vielen Hecken und StrĂ€uchern und einigen schönen Aussichtspunkten hat ein besonders ursprĂŒngliches Aussehen. Die Vertiefungen sind nicht natĂŒrlich entstanden, sondern die Folge von ehemaligen Abgrabungen. Das hier gewonnene Material wurde zum Wegebau und zum Kalkbrennen verwendet.
  • Der Mittelteil, auch Ehinger Berg genannt, mit dem Hauptgipfel und dem Fernsehturm ist seit 1994 wieder grĂ¶ĂŸtenteils zugĂ€nglich; zuvor war hier ein militĂ€risch abgesperrter Bereich der U.S.-amerikanischen StreitkrĂ€fte.
  • Touristisch am bedeutendsten ist die als Osterwiese oder Röckinger Berg bezeichnete, waldfreie, östliche HochflĂ€che. Dieser Abschnitt dient als Startplatz fĂŒr Modellflugzeuge und Drachenflieger und als Aussichtsplattform zum Wandern und Flanieren. An besonders klaren Tagen können sogar die Alpen mit der Zugspitze erkannt werden.
  • Der sagenumwobene östlichste AuslĂ€ufer des Hesselbergs ist stark bewaldet und trĂ€gt die Bezeichnung Schlössleinsbuck. Diese kleine Bergkuppe wird auch als der „Kleine Hesselberg“ bezeichnet. Der Röckinger Berg und der Schlössleinsbuck werden durch das Druidental getrennt.


Koordinaten: 49° 4' 12" N, 10° 31' 37" O

Entstehungsgeschichte und geologischer Aufbau

Der Hesselberg gehört zu den bedeutendsten Geotopen in Bayern. Am 24. September 2005 wurde ihm im Rahmen einer Feierstunde durch Regierungsdirektor Georg Schlapp vom Bayerischen Landesamt fĂŒr Umweltschutz das GĂŒtesiegel Bayerns schönste Geotope verliehen.

Die Entstehung in der Jurazeit

Erdgeschichtliche Tabelle mit Zeitangaben (Ausschnitt einer Informationstafel am Geologischen Lehrpfad)
Erdgeschichtliche Tabelle mit Zeitangaben (Ausschnitt einer Informationstafel am Geologischen Lehrpfad)

Vor 200 Millionen Jahren erstreckte sich das Jurameer vom Nordseebecken bis weit in den SĂŒden und bedeckte das alte Keuperland . Die Hesselbergregion befand sich zu dieser Zeit am Rande dieses Meeres. Zahlreiche ZuflĂŒsse brachten vom östlich gelegenen Festland riesige Geröllmassen heran und formten am Meeresboden eine an Tieren und Pflanzen reiche vielschichtige Landschaft. Nacheinander lagerten sich im Laufe von ĂŒber 40 Millionen Jahren die verschiedenen Schichten des Juragesteins ab: unten die des Schwarzen Jura ( Lias ), darĂŒber die des Braunen Jura ( Dogger ) und als oberer Abschluss die des Weißen Jura (oberer Jura oder Malm ). Jede dieser Schichtstufen kennzeichnet durch das typische Gestein und die darin enthaltenen, ebenso artspezifischen Fossilien ihre eigene Zeitepoche. Da manche Fossilien nur in bestimmten Gesteinsschichten vorkommen, spricht man von Leitfossilien . Im Juragestein sind die Leitfossilien fast ausschließlich Ammoniten . Im Laufe der Erdgeschichte verlandete das Jurameer vollstĂ€ndig. In weiteren Jahrmillionen wurden durch Erosion ganze Gesteinsschichten abgetragen. Die schĂŒtzende Mulde des Schwarzjuras, in der sich der Hesselberg befindet, ist der Grund, weshalb der Hesselberg durch Wind und Wasser nicht so stark angegriffen werden konnte wie die Ebene zwischen dem Berg und dem Hahnenkamm. Das harte Gestein konnte widerstehen und ließ den Hesselberg als markanten Zeugenberg ĂŒbrig, der heute wie eine Insel aus der Landschaft ragt. Diese Art der Entstehung eines Berges wird in der Geologie als Reliefumkehr bezeichnet.

Die Gesteinsschichten des Berges

Die Informationstafeln des Geologischen Lehrpfades erklÀren dem Wanderer die Entstehungsgeschichte auf eine sehr anschauliche Art. Die drei Hauptstufen des Jura (Lias, Dogger, Malm) werden in der Geologie jeweils in sechs Unterstufen eingeteilt und mit den griechischen Buchstaben alpha bis zeta bezeichnet ( Quenstedtsche Gliederung ). Die in den Schichtstufen vorhandenen Gesteine werden diesen Bezeichnungen zugeordnet.

Die Schichten des Schwarzen Jura (Lias)

Die Posidonienschiefergrube ist ein geologisches Naturdenkmal
Die Posidonienschiefergrube ist ein geologisches Naturdenkmal

Die dunklen Farben aus Tonen und Mergeln geben dem Schwarzen Jura seinen Namen. Diese cirka 50 m mĂ€chtige Schichtstufe bildet die fruchtbare hĂŒgelige Umgebung des Berges. Seine untersten Schichten (Lias alpha bis gamma) befinden sich unter der ErdoberflĂ€che. Der Amaltheenton (Lias delta) bildet mit einer MĂ€chtigkeit von 35 m die höchste Unterstufe des Lias. Eine Besonderheit ist der 10 m mĂ€chtige Posidonienschiefer (Lias epsilon). In ihm befinden sich auch Fossilien von grĂ¶ĂŸeren Tieren, so wurden zum Beispiel Fischsaurier in dieser Schicht gefunden. Die Posidonienschiefergrube am Beginn des Lehrpfads ist im weiten Umkreis einzigartig und als geologisches Naturdenkmal ausgewiesen. Das Suchen und Sammeln von Versteinerungen ist deshalb verboten. Über diese gut erkennbaren Schieferschichtungen schließt sich die etwa 2,7 m mĂ€chtige Jurensismergelschicht (Lias zeta) an.

Die Schichten des Braunen Jura (Dogger)

Die tiefbraunen Verwitterungsfarben der höheren Schichten geben dem Braunen Jura seinen Namen. Ursache ist der höhere Eisengehalt . Insgesamt bildet die 135 m mĂ€chtige Schicht des Dogger den Hauptanstieg der HesselberghĂ€nge. Die unterste Schicht ist der 75 m mĂ€chtige Opalinuston (Dogger alpha). Die Unebenheiten der Wiesen sind die Folge von Hangabrutschungen; die Böden dieses Bereichs sind sehr rutschgefĂ€hrdet. Über dem Opalinuston folgt die 40 m mĂ€chtige Schicht des Eisensandstein (Dogger beta). Diese Schicht ist wegen ihres steilen Anstiegs besonders markant. Da der Opalinuston wasserundurchlĂ€ssig ist, hat sich am Übergang zum Eisensandstein ein Quellhorizont gebildet. Die Schichten des Dogger gamma ( Sowerby -Schichten) (1 m), des Dogger delta ( Ostreenkalk ) (4 m), und des Dogger epsilon ( Oolithkalk ) (2 m) werden auch als Oolithe zusammengefasst. Diese Schichten sind reich an Versteinerungen. Den Abschluss des Dogger bildet der nur 2 m mĂ€chtige Ornatenton (Dogger zeta). Diese kleine Schicht bildet eine Terrasse um den Hesselberg. Auf ihrer SĂŒdseite wurden die HĂ€user der Volkshochschule erbaut.

Die Schichten des Weißen Jura (Malm)

Informationstafel am Lehrpfad
Informationstafel am Lehrpfad

Diese oberste Juraschicht ist nach ihrer hellen Farbe benannt. In der FrĂ€nkischen Alb können diese Schichten bis zu 400 m hoch werden. Am Hesselberg sind sie jedoch zum grĂ¶ĂŸten Teil bereits abgetragen, so dass nur noch 85 m erhalten sind. Die Malm-Gesteine sind zum Teil Meeressedimente , teils Riffe ehemaliger MeeresschwĂ€mme . Am Hauptgipfel ist das aus den Schwammriffen entstandene Felsgestein stark verbreitet. Der helle Kalkstein des Weißen Jura war schon immer ein beliebtes Baumaterial fĂŒr den Hausbau ( Branntkalk ) und den Straßenbau ( Schotter ). Die im Bereich der westlichen HochflĂ€che entstandenen Vertiefungen sind die Folge von Materialabgrabungen. Die untersten Schichten bilden die als Malm alpha zusammengefassten, etwa 25 m hohen Impressaschichten (tiefer Malm alpha) und die Bimammatumkalke (hoher Malm alpha). Der alte Name der Planulakalke (Malm beta) ist Werkkalk, was wiederum auf die Verwendung als Baumaterial hinweist. Diese etwa 15 m hohe, stark von Schwammriffen durchsetzte Schicht baut die HochflĂ€che der Osterwiese auf. Der kleine Steinbruch unterhalb des Hauptgipfels besteht in seinem unteren Bereich aus Planulakalken und in seinem oberen Bereich zeigt er die Ataxioceratenschicht (Malm gamma). Der Hauptgipfel wird durch diese bis 20 m mĂ€chtige Schicht aufgebaut. Die obere Schicht des Malm gamma und die Schichten des Malm delta bis Malm zeta sind auf dem Hesselberg bereits abgetragen.

Besiedlungsgeschichte und wichtige Ereignisse im Hesselbergraum

Auf einigen ParkplÀtzen im Bereich der Fremdenverkehrsregion Hesselberg stellten die zustÀndigen Gemeinden Schautafeln auf, die einen guten Einblick in die Besiedlungsgeschichte dieser Region vermitteln.

Vor- und FrĂŒhgeschichte

Bereits in vorgeschichtlichen Zeiten suchten erste Siedler den Hesselberg als Flucht- und WohnstĂ€tte auf. ArchĂ€ologische Funde aus der Steinzeit (ca. 10.000 bis 2000 v. Chr.) wurden vor allem im Bereich der Osterwiese gemacht. In der Bronzezeit (ca. 2000 bis 1300 v. Chr.) setzte eine kontinuierliche Besiedlung des Bergs ein. In der Urnenfelderzeit (ca. 1200 bis 750 v. Chr.), wurde die Siedlung auf den HochflĂ€chen mit Ringmauern , GrĂ€ben und Wallanlagen umgeben. Noch heute lassen die Reste der 5 km langen RandwĂ€lle um die Osterwiese, dem Ehinger und dem Gerolfinger Berg die einstige Bedeutung dieser Befestigungsanlage erahnen. Hinter dem schĂŒtzenden Mauerwerk entwickelte sich ein bedeutendes politisches, wirtschaftliches und religiöses Stammeszentrum. Lange Zeit wurden diese Anlagen den Kelten zugeordnet. Aber nur ein Einzelfund (Waffenausstattung eines Kriegers) aus der LatĂšnezeit (500 bis 15 v. Chr.) weist auf einen kurzen Besuch durch die Kelten hin. In den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung und bis ins Mittelalter nutzten die Menschen die alten Wallanlagen des Hesselbergs als Zufluchtsort und zur Verteidigung. Im Stadtmuseum in Oettingen und im Museum fĂŒr Vor- und FrĂŒhgeschichte in Gunzenhausen sind zahlreiche Exponate in Form von Werkzeugen und Waffen zu besichtigen.

Die Römer

BĂŒste des Kaisers Caracalla (Louvre)
BĂŒste des Kaisers Caracalla (Louvre)

Unter den Kaisern Domitian (81-96 n. Chr.) und Hadrain (117-138) verlegten die Römer die Grenze ihrer Provinz RĂ€tien weiter nach Norden. Den Grenzwall Limes bauten sie zum Schutz vor den Germanen weiter aus und bestĂŒckten ihn mit zahlreichen Wehr- und WachtĂŒrmen. In unmittelbarer NĂ€he des Hesselberges wurden große Kastelle errichtet. Unter Kaiser Caracalla (um 213 n. Chr.) erfolgte der letzte und stĂ€rkste Ausbau des rĂ€tischen Limes. Der Grenzwall ĂŒberquerte im Westen des Berges die FlĂŒsse Wörnitz und Sulzach in nordsĂŒdlicher Richtung. Einige Kilometer nördlich von Wittelshofen machte er einen Knick nach Osten. Durch diesen Knick wurde der strategisch wichtige Hesselberg in das Römische Reich einbezogen. Bei Aufkirchen, Ruffenhofen, Dambach und Unterschwaningen befanden sich Kastelle. Das Kastell Ruffenhofen war das grĂ¶ĂŸte im Hesselbergraum. Auf dem Berg selbst konnten die ArchĂ€ologen keine römischen Bauten nachweisen. Reste des Limes sind als SteinrĂŒcken noch versteckt in WĂ€ldern zu finden. Die meisten zivilen und militĂ€rischen Mauerreste sind heute im Boden der Wiesen und Felder verborgen. Über dem Kastell Ruffenhofen wird derzeit ein Römerpark angelegt. Im Heimatmuseum in Weiltingen sind einige römische FundstĂŒcke zu sehen.

Die Alamannen und Franken

Um 260 n. Chr. brachen alamannisch - elbgermanische VerbĂ€nde in die Region ein und zerstörten die Wehrbauten des Limes, Kastelle und Wohnsiedlungen. Die Römer mussten den Grenzverlauf ihres Reiches wieder an die Donau zurĂŒckverlegen. Die Alamannen grĂŒndeten die ersten Gehöftgruppen und bewirtschafteten das Land als Bauern und ViehzĂŒchter. Die ausgeprĂ€gte Langstreifengewannflur ist neben den Ortsnamen mit der Endung -ingen ein sicherer Hinweis auf eine alamannische GrĂŒndung. Die Dörfer Röckingen, Ehingen, Gerolfingen, Weiltingen und Irsingen haben ihren Ursprung in dieser Zeit. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts kamen aus dem unteren Maintal die Franken und leiteten die zweite Siedlungsbewegung ein. Unter dem Merowingerkönig Chlodwig I. besiegten sie 496 bis 506 die Schwaben / Alamannen , welche ihre vormals bis ins Neuwieder Becken reichenden nördlichen Territorien verloren und hinter die Linie Oos-Hornisgrinde-Asperg-Hesselberg zurĂŒckgedrĂ€ngt wurden; bis heute entspricht diese Linie fast exakt der Dialektgrenze zwischen FrĂ€nkisch und SchwĂ€bisch / Alemannisch . Obwohl die Franken teils mit großer Gewalt gegen die Alamannen vorgingen, entwickelten sich im Hesselbergraum auch Mischsiedlungen (zum Beispiel Ehingen und Röckingen), in denen allerdings immer ein Franke Dorfvorsteher war. Die Franken grĂŒndeten unter anderem die Dörfer Lentersheim, Obermögersheim, Geilsheim, Frankenhofen und Königshofen. Die frĂ€nkischen Bauern fĂŒhrten die Dreifelderwirtschaft mit dem Flurzwang ein, die bis zur neuzeitlichen Flurbereinigung praktiziert wurde. Im 7. Jahrhundert setzte unter dem Merowingerkönig Dagobert I. von Augsburg aus die Christianisierung ein. AngelsĂ€chsische Missionare grĂŒndeten im 8. Jahrhundert unter den frĂ€nkischen Karolingern das Hahnenkammkloster Heidenheim.

Das Mittelalter

Informationstafel am Hesselberg-Pfad
Informationstafel am Hesselberg-Pfad

Im frĂŒhen Mittelalter gehörte die Hesselberggegend zu den Forstbereichen der Könige. SpĂ€rliche Reste von mittelalterlichen Burganlagen findet man auf dem Ehinger Berg und dem Schlössleinsbuck. Die Anlage auf dem Ehinger Berg geht auf die karolingisch - ottonische Zeit zurĂŒck (8.-9. Jahrhundert). GrĂ€berfunde weisen auf ein gewaltsames Ende im 10. Jahrhundert durch ungarische Soldaten hin. Dabei brannten die Ungarn die gesamte Burg ab. Die Anlage auf dem Schlössleinsbuck wurde im 9. Jahrhundert ursprĂŒnglich als Fliehburg errichtet. Die Herren von Lentersheim bauten sie im 11. oder 12. Jahrhundert zu einer wehrhaften Ritterburg aus. Im Familienstammbuch der Herren von Lentersheim ist ĂŒber den Untergang der Burg Folgendes nachzulesen: Als Conrad von Lentersheim 1246 von den FeldzĂŒgen Kaiser Friedrichs II. aus Norditalien zurĂŒckkehrte, war seine Burg völlig zerstört. Daraufhin hat er begonnen, in Neuenmuhr eine völlig neue Burg zu bauen. TatsĂ€chlich zogen 1239 auch Soldaten aus dem Hesselbergraum an der Seite des hier erwĂ€hnten Stauferkaisers Friedrich II. in den Kampf gegen Papst Gregor IX. nach Italien. Die Herren von Lentersheim lebten bis zu ihrem Aussterben zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ihren Schlössern in Alten- und Neuenmuhr, dem heutigen Muhr am See.

Danach endete die direkte Besiedlung des Hesselbergs. Der im Mittelalter befestigte Ort Aufkirchen hatte eine Stadtmauer und vier Stadttore. Aufkirchen besaß damals Stadtrecht .

Die Burggrafen- und Markgrafenzeit

Der Ursprung der Burggrafenzeit geht im mittelfrĂ€nkischen Raum auf das Hochmittelalter zurĂŒck, als der staufische Kaiser Heinrich VI. den aus dem SchwĂ€bischen stammenden Zollern Friedrich III. im Jahre 1192 mit dem vererbbaren Reichslehen des NĂŒrnberger Burggrafenamtes belehnte. Dieser begrĂŒndete als Burggraf Friedrich I. von NĂŒrnberg die frĂ€nkische Linie des Hauses Hohenzollern. Durch die spĂ€tere Heirats- und Tauschpolitik gewannen die frĂ€nkischen Zollern im Hesselbergraum immer mehr Besitzungen und EinflĂŒsse.

1331 verlegten die Burggrafen ihren Sitz nach Ansbach. 1363 wurden sie in den ReichsfĂŒrstenstand erhoben und 1417 mit der Markgrafschaft Brandenburg belehnt. Die aufwĂ€ndige Hofhaltung und stĂ€ndige Streitereien mit der Reichsstadt NĂŒrnberg fĂŒhrten zur hohen Verschuldung des jungen FĂŒrstentums . Deshalb zwangen sie den Untertanen eine unertrĂ€glich hohe Steuerlast auf. Als Folge brach am 6. Mai 1525 auch im sĂŒdlichen Franken der Bauernkrieg aus. An diesem Tag trafen sich die aufstĂ€ndischen Bauern auf dem Gipfel des Hesselberges. Von dort zogen sie nach WassertrĂŒdingen und nahmen den markgrĂ€flichen Vogt der Stadt gefangen. Danach plĂŒnderten sie das Kloster Auhausen. Auf dem Weg nach Heidenheim wurden sie von markgrĂ€flichen Soldaten aus Gunzenhausen gefangen genommen oder getötet.

Im DreißigjĂ€hrigen Krieg (1618-1648) wurden weite Bereiche des heutigen Mittelfranken grĂ¶ĂŸtenteils verwĂŒstet und entvölkert. Erst Ende des 17. Jahrhunderts verbesserte sich unter den Markgrafen die wirtschaftliche und finanzielle Situation. Sie bĂŒrgerten österreichische und französische GlaubensflĂŒchtlinge ein und unterstĂŒtzten jĂŒdische HĂ€ndler bei der ExistenzgrĂŒndung, sodass sich auch in den Dörfern rund um den Hesselberg viele Juden niederließen. Sie betrieben eine merkantilistische Wirtschaftspolitik und bauten das landwirtschaftliche Bildungswesen aus. Der letzte Markgraf Alexander ĂŒbergab das FĂŒrstentum 1791 schuldenfrei an die Preußen .

Das 19. und 20. Jahrhundert

Der Hesselberg um 1930 - Blick von der Osterwiese nach Westen zum Hesselberghaus
Der Hesselberg um 1930 - Blick von der Osterwiese nach Westen zum Hesselberghaus
Ein in der Geschichte des Berges wichtiges Datum war der 10. Juni 1803, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. im Rahmen eines Besuchs seiner frĂ€nkischen LĂ€ndereien den Hesselberg erstieg. Der König stiftete zum Andenken die Hesselbergmesse. 1806 kam die Hesselbergregion im Zuge eines LĂ€ndertausches zwischen den Königreichen Bayern und Preußen an Bayern: Bayern erwarb das preußische FĂŒrstentum Ansbach mit dem Hesselberg - Preußen wurde im Gegenzug mit dem bis dato wittelsbachischen Herzogtum Berg (Hauptstadt DĂŒsseldorf) am Niederrhein entschĂ€digt (bayerisch-preußischer Vertrag von Paris, 15. Februar 1806). 1808 begrĂŒndete die erste Gemeindeordnung die gemeindliche Selbstverwaltung . Das zweite bayerische Gemindeedikt von 1818 erweiterte die kommunale Selbstverwaltung. Viele kleine Dörfer bekamen dadurch ihre eigene Verwaltung und den Status einer Gemeinde im Rechtssinne als juristische Personen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg spielte auch das jĂŒdische Leben und die jĂŒdische Kultur eine wesentliche Rolle im gesamten Hesselbergraum. Schon im 14. Jahrhundert wurden jĂŒdische Bewohner in Urkunden erwĂ€hnt. Viele Juden kamen als GeschĂ€ftsleute und Gelehrte zu hohen Ehren. Doch auch in den StĂ€dten und Dörfern um den Hesselberg wĂŒteten die Nationalsozialisten , zerstörten die Synagogen und vertrieben die Juden oder verschleppten sie in Konzentrationslager . Der frĂ€nkische Gauleiter Julius Streicher machte den Hesselberg zum politischen Versammlungsort der Nationalsozialisten. Aus Parteikundgebungen, bei denen 1930 auch Adolf Hitler anwesend war, entwickelten sich nach der MachtĂŒbernahme der NSDAP im Jahre 1933 die jĂ€hrlich bis 1939 abgehaltenen Frankentage. Diese waren neben den NĂŒrnberger Reichsparteitagen die grĂ¶ĂŸte NS-Kundgebung in Franken. Zweimal besuchte Hermann Göring die Frankentage als Redner. Bis zu 100.000 Besucher hörten auf der Osterwiese die antisemitischen Reden von Julius Streicher, der sich die Vernichtung der Juden zum Ziel gesetzt hatte. Der Hesselberg bekam damals den Titel Heiliger Berg der Franken. Von dieser dunklen Geschichte sind keine Spuren mehr auf dem Berg vorhanden. Die hochfliegenden PlĂ€ne der Nazis wurden nie verwirklicht. Der Bau der Adolf-Hitler-Schule blieb ebenso unverwirklicht wie die Errichtung des Julius-Streicher-Denkmals. Vor Ausbruch des Weltkriegs konnten die Nationalsozialisten nur ein VerwaltungsgebĂ€ude mit Garage fertig stellen. Diese Garage wurde spĂ€ter von den auf dem Berg untergebrachten FlĂŒchtlingen als Kapelle genutzt.

Seit 1951 ist der Hesselberg ganz in evangelischer Hand. Dies ist das GrĂŒndungsjahr der Evangelischen Landvolkshochschule und das Jahr der ersten Veranstaltung des Bayerischen Evangelischen Kirchentags . Seitdem treffen sich jĂ€hrlich am Pfingstmontag Tausende von Christen zu diesem Fest des Glaubens auf dem Berg. Zwischen 1945 bis 1992 diente der Bereich um den Hauptgipfel den amerikanischen StreitkrĂ€ften als Radarstation . 1972 wurde im Rahmen der Kreisreform der Landkreis DinkelsbĂŒhl, zu dem auch die Hesselberggemeinden gehörten, aufgelöst und in den Landkreis Ansbach integriert. In den spĂ€teren Gemeindereformen wurden viele ehemals selbststĂ€ndige kleine Gemeinden zu den heutigen Gemeindegebieten.

Die Hesselbergregion heute

Einrichtungen und Veranstaltungen auf dem Hesselberg

Blick ĂŒber blĂŒhenden Flachs auf das Evangelische Bildungszentrum
Blick ĂŒber blĂŒhenden Flachs auf das Evangelische Bildungszentrum
Blick zum Fernsehturm
Blick zum Fernsehturm
Die Evangelisch-Lutherische Volkshochschule Hesselberg wurde als erste Volkshochschule in Bayern am 14. Mai 1951 gegrĂŒndet. Zentrale Aufgabe ist die Erwachsenenbildung fĂŒr die lĂ€ndliche Diakonie (Familienpflegerin, Dorfhelferin, Betriebshelfer). Am 15. September 2005 erfolgte eine Umbenennung in Evangelisches Bildungszentrum Hesselberg (EBZ Hesselberg). Hintergrund sind Erweiterungen des Bildungsangebots mit den Schwerpunkten „Glauben, LĂ€ndlicher Raum und Persönlichkeitsentwicklung“, so Pfarrer Bernd Reuther, Vorsitzender des neuen Bildungszentrums. Weiterhin sollen vermehrt Gastgruppen mit einem eigenen Bildungsprogramm angesprochen werden.

Das evangelisch-lutherische Dekanat Ansbach hat das alte Hesselberghaus in der NĂ€he des Gipfels zu einem beliebten Freizeitheim fĂŒr die Jugend ausgebaut. Der weithin sichtbare 119 Meter hohe Fernsehturm ist ein Grundnetzsender fĂŒr das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und das Bayerische Fernsehen fĂŒr die Region Franken. Dieser bei 10°32' östlicher LĂ€nge und 49°04' nördlicher Breite gelegene Sendeturm ist von ungewöhnlicher Bauweise. Er ist als Hybridturm ausgefĂŒhrt und besteht aus einem freistehenden Stahlfachwerkturm als Unterbau und einem abgespannten Sendemast als Oberteil.

Wichtigstes Ereignis ist der weit ĂŒber die regionalen Grenzen hinaus bekannte Bayerische Evangelische Kirchentag . Jedes Jahr an Pfingstmontag ist er das Ziel tausender evangelischer Christen. Seit 1803 findet traditionell jeden ersten Sonntag im Juli die Hesselbergmesse auf der Osterwiese statt; damals besuchte Preußenkönig Friedrich Wilhelm und seine Gemahlin Luise den Berg.

Die vier Gemeinden rund um den Berg

Aussicht auf Röckingen, dahinter die Stadt WassertrĂŒdingen
Aussicht auf Röckingen, dahinter die Stadt WassertrĂŒdingen
Aussicht auf Ehingen
Aussicht auf Ehingen

Die Grenzen von vier Gemeinden verlaufen ĂŒber den Hesselberg. Es ist eine kleine Besonderheit, dass die Hauptorte dieser Gemeinden direkt am Fuße des Berges liegen, wĂ€hrend die ĂŒbrigen Gemeindeteile fast sternförmig von diesen Zentren ausstrahlen. Im Norden liegt die Gemeinde Ehingen (ca. 2.100 Einwohner/4.700  ha ). Ein Wanderweg fĂŒhrt durch Obstwiesen und durch den bewaldeten Nordhang hinauf zum Gipfel. Informationstafeln informieren ĂŒber die Imkerei .

Aussicht auf Wittelshofen, am rechten Bildrand Unter- und Obermichelbach
Aussicht auf Wittelshofen, am rechten Bildrand Unter- und Obermichelbach
Aussicht auf Gerolfingen, dahinter Aufkirchen und Irsingen
Aussicht auf Gerolfingen, dahinter Aufkirchen und Irsingen

Östlich des Berges ist die kleine Gemeinde Röckingen (ca. 800 Einwohner/1.091 ha) zu finden. Der ĂŒberwiegend sonnige Wanderweg zur Osterwiese fĂŒhrt im letzten Teilbereich durch eine malerische, schattige Lindenallee. Am SĂŒdhang liegt Gerolfingen (ca. 1.100 Einwohner/1.300 ha) mit einer Fahrstraße zu den ParkplĂ€tzen auf dem Hesselberg. Von Gerolfingen fĂŒhrt ein Wanderweg durch alte Streuobstwiesen und einer schönen Kastanienallee, deren alter Teil im Herbst 2004 mit einer Neupflanzung von Kastanien ergĂ€nzt wurde, auf den Berg. Zu Gerolfingen gehört das Dorf Aufkirchen mit einem historischen Rathaus und der weithin sichtbaren St. Johanniskirche. Im Westen befindet sich Wittelshofen (ca. 1.300 Einwohner/2.422 ha), am Zusammenfluss von Wörnitz und Sulzach. Der Ort ist Ausgangspunkt des Geologischen Lehrpfads.

Zusammen mit der Gemeinde Unterschwaningen bilden diese vier Gemeinden die Verwaltungsgemeinschaft Hesselberg.

Erholungsregion Hesselberg

Hier geht es zur Interaktiven Karte der Hesselbergregion --> [1]
Hier geht es zur Interaktiven Karte der Hesselbergregion --> [1]
Die bereits genannten Hesselberggemeinden Ehingen, Gerolfingen, Röckingen und Wittelshofen haben sich mit den Gemeinden DĂŒrrwangen, Langfurth, Mönchsroth, Unterschwaningen, WassertrĂŒdingen, Weiltingen, und Wilburgstetten am 31. Januar 1973 zum Fremdenverkehrsverband Hesselberg e.V. zusammengeschlossen. DĂŒrrwangen hat den Verband inzwischen wieder verlassen. AnlĂ€sslich des 30-jĂ€hrigen Bestehens wurde der Fremdenverkehrsverband 2003 in Touristikverband Hesselberg e. V. umbenannt. Seinen Hauptsitz hat er in WassertrĂŒdingen. Die Bezeichnung Erholungsregion Hesselberg bezieht sich auf das Gebiet dieser Mitgliedsgemeinden. Die Deutsche Limesstraße fĂŒhrt von West nach Ost durch die Region.

Die Entwicklungsgesellschaft Region Hesselberg mbH wurde am 5. Oktober 1999 gegrĂŒndet. Sie ist ein Zusammenschluss weiterer Gemeinden, der weit ĂŒber die regionalen Grenzen des Hesselbergraums hinausgeht. Die Aufgaben und Einflussbereiche der Gesellschaft sind sehr global und umfassen u. a. Wirtschaft, Kultur und Tourismus. Die HauptgeschĂ€ftsstelle befindet sich im Schloss in Unterschwaningen.

Der große Bestand an Streuobstwiesen fĂŒhrte zum Zusammenschluss einiger Kommunen zur Interessengemeinschaft Moststraße. Zur besseren Vermarktung der aus dem Obst resultierenden Produkte und als neue Touristenattraktion soll in den nĂ€chsten Jahren um den Hesselberg die Moststraße entstehen.

Auf und um den Hesselberg verlaufen zahlreiche Wanderwege. Die beiden wichtigsten informieren den Wanderer mit Hilfe zahlreicher Thementafeln. Der drei Kilometer lange geologische Lehrpfad fĂŒhrt vom Ausgangspunkt bei Wittelshofen auf den Gipfel des Berges. Er informiert ĂŒber die erdgeschichtliche Entstehung des Berges und dessen geologischen Aufbau. Der Hesselberg-Pfad ist ein Rundweg auf den Hesselberghöhen und gibt Auskunft ĂŒber allgemein Wissenswertes vom Hesselberg. Beide Wanderwege sind sehr gut miteinander kombinierbar. Die Osterwiese ist Treffpunkt von Modellfliegern. Dort befinden sich auch die StartplĂ€tze der Drachenflieger und Paraglider . Im nahen Irsingen ist der regionale Segelflugplatz . Das wettkampfmĂ€ĂŸige Tontaubenschießen wurde wegen der Bleibelastung aufgrund der Intervention des Naturschutzes verboten. Der Touristikverband Hesselberg, der Bund Naturschutz in Bayern (Kreisgruppe Ansbach) und der Landesbund fĂŒr Vogelschutz in Bayern (Kreisgruppe Ansbach) veranstalten gefĂŒhrte Exkursionen und Wanderungen. Am Fuße des Berges können Angler an Wörnitz und Sulzach ihr Hobby ausĂŒben. FĂŒr den Wintersport hat der Deutsche Alpenverein (Sektion Hesselberg mit Sitz in Bechhofen) am Nordhang eine kleine SchutzhĂŒtte mit Liftbetrieb errichtet.

Ausflugsziele

Flora und Fauna

Der Hesselberg hat durch seine vielschichtige Beschaffenheit in Bezug auf Gestein, Boden, Klima und Bewirtschaftung eine sehr vielseitige Vegetation mit teils eigenwilligen Pflanzengesellschaften hervorgebracht.

Die Vegetation der Magerrasen

Die HochflĂ€che und der SĂŒdhang der Osterwiese ist ein typischer Magerrasen
Die HochflĂ€che und der SĂŒdhang der Osterwiese ist ein typischer Magerrasen
Eine wichtige Aufgabe der Landschaftspflege ist die Erhaltung der trockenen, waldfreien Magerwiesen und TrockenrasenhĂ€nge. Botaniker bezeichnen diese Vegetationsart als Magerrasen . Der Boden ist hier mit schĂŒtterem dĂŒrrem Gras bedeckt. Typisch sind die unregelmĂ€ĂŸig verstreuten WacholderbĂŒsche . Weit ĂŒber 40 Arten von BlĂŒtenpflanzen wachsen auf diesem nĂ€hrstoffarmen, ungedĂŒngten Boden. HĂ€ufig sind verschiedene kleine Enzianarten zu finden. Im SpĂ€tsommer zeigen sich die KĂŒchenschelle und die Silberdistel in ihren schönsten BlĂŒten. Von April bis Juni fliegen die kleinen Aurorafalter ĂŒber die sonnigen HĂ€nge. Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Erhaltung der Magerrasen ist die traditionelle HuteschĂ€ferei . Die Beweidung durch Schafe ist Grundvoraussetzung fĂŒr die langfristige Erhaltung der Magerrasen. WĂŒrde die Beweidung teilweise oder ganz ausbleiben, wĂŒrden zunĂ€chst vermehrt dornen- und nadelbewehrte StrĂ€ucher wachsen, da diese von den Schafen gemieden werden. Dies ist auch der Grund, weshalb viele WacholderbĂŒsche vorhanden sind. Im Schutze der DornenstrĂ€ucher und -hecken könnten sich auch andere Gehölze und die ersten BĂ€ume entwickeln. Im Endstadium wĂŒrde der Berg weitgehend mit Wald zuwachsen. Die gesunden KrĂ€uter und GrĂ€ser des Magerrasens wirken sich wiederum vorteilhaft auf die QualitĂ€t des Schaffleisches aus. Die Gastronomie der Hesselbergregion bietet deshalb immer mehr leckere Gerichte vom Hesselberglamm an.

Wiesen, Hecken und Quellen

Wendehals
Wendehals

Geradezu das Gegenteil der nĂ€hrstoffarmen Magerrasen bilden die fruchtbaren Wiesen und Felder der Schwarzjuraböden im Umland des Hesselbergs. Diese Region wird traditionell landwirtschaftlich genutzt. Auf den Äckern werden Weizen , Roggen , Hafer , RĂŒben und Futtermais angebaut. Auf den Höfen werden Schweine und Rinder gezĂŒchtet und die Milchwirtschaft betrieben.

In den unteren und mittleren Bereichen der HĂ€nge bieten alte ungedĂŒngte Streuobstwiesen noch die bunte Farbenpracht der verschiedenen Wiesenblumen. Mit ihren hochstĂ€mmigen Obstgehölzen bieten sie zahlreichen Kleintieren, Vögeln und Pflanzen den optimalen Lebensraum. Der Wendehals ist ein typischer Bewohner von Streuobstwiesen, da er kahle FlĂ€chen ebenso meidet wie dichte WĂ€lder. Genauso wertvoll fĂŒr Kleintiere, Vögel und Pflanzen sind die vielen Hecken und GebĂŒsche, die ĂŒberall um und auf dem Hesselberg anzutreffen sind. Hecken haben die höchste Vielfalt an Kleinstrukturen in unserer Kulturlandschaft . Zu den Gehölzen kommen im Idealfall noch eine artenreiche Krautschicht, ein sonniger Krautsaum, Totholz , und eventuell Sonderbiotope , wie beispielsweise Steinhaufen.

Durch den Übergang von wasserdurchlĂ€ssigen zu wasserundurchlĂ€ssigen Gesteinsschichten haben sich auf dem Hesselberg Quellhorizonte gebildet, die den Reichtum an Quellen erklĂ€ren. Auf dem Hesselberg gibt es einige Sturzquellen, meistens jedoch Quellen in Form von flĂ€chigen Versumpfungen . Die spezielle Pflanzen- und Tierwelt der Quellen ist nicht ohne weiteres ersichtlich, da es sich meist um winzige Organismen im mikroskopischen Bereich handelt. Eine sehr selten gewordene Pflanze dieser Feuchtgebiete ist der Sonnentau .

Die Vielfalt des Waldes

Das LeberblĂŒmchen ist ein FrĂŒhlingsbote
Das LeberblĂŒmchen ist ein FrĂŒhlingsbote
Die zierliche BlĂŒte des BĂ€rlauchs
Die zierliche BlĂŒte des BĂ€rlauchs
Auf dem Hesselberg sind praktisch alle Waldformen ( Hochwald , Mittelwald , Niederwald ) und Waldarten ( Nadelwald , Mischwald , Laubwald ) zu finden. Das eigenartigste Waldbild besitzt der Niederwald in den oberen Regionen des Nordhangs. Nach einem Stockhieb kommt viel Licht auf den Waldboden, dann fĂŒhlen sich wĂ€rmeliebende Tiere, wie die Zauneidechse , hier besonders wohl. SpĂ€ter, wenn sich das BlĂ€tterdach wieder schließt, finden hier andere Spezialisten, wie zum Beispiel die Waldschnepfe , den geeigneten Lebensraum. An Wild sind in den WĂ€ldern des Hesselbergs alle Arten vertreten, die fĂŒr deutsche WĂ€lder typisch sind (Feldhase, Reh, Fuchs, Eichhörnchen und andere). Das Trommeln der Spechte und der Ruf des Kuckucks gehören ebenso zur WaldatmosphĂ€re wie der Gesang unzĂ€hliger Vögel. Verschiedene HahnenfußgewĂ€chse , wie LeberblĂŒmchen und Buschwindröschen sind FrĂŒhlingsboten der HesselbergwĂ€lder. Im Mai verwandelt der BĂ€rlauch die Böden der LaubwĂ€lder zu einem grĂŒnweißen BlĂŒtenteppich. Nach seiner BlĂŒte liegt der intensive Knoblauchgeruch dieser Pflanze in der Luft. Wesentlich seltener geworden sind verschiedene Orchideenarten , wie das Rote Waldvögelein . KnabenkrĂ€uter sind keine Seltenheit. Der zu den LiliengewĂ€chsen gehörende TĂŒrkenbund ist noch relativ hĂ€ufig zu finden. Besonders interessant ist die Variationsvielfalt dieser sehr schutzbedĂŒrftigen Blume. Das Heidekraut und der Besenginster bevorzugen die Gesteinsschichten des Eisensandsteins in den unteren Bereichen der HĂ€nge.

Anhang: Sagen und ErzÀhlungen

Es ist nicht verwunderlich, dass sich um einen so eigentĂŒmlichen Berg mit soviel Geschichte und Geschichten auch zahlreiche Sagen und Legenden ranken. Parallelen zur realen Geschichte um Kriege und Burgen sind erkennbar. Aberglaube, Furcht und Fantasie trugen ohne Zweifel erheblich zur Entstehung dieser Sagen bei. Im Blitz und Donner schwerer Gewitter erkannten die Einwohner in den Mauerresten der Ruinen unheimliche Gestalten und Gespenster, die sie mit den frĂŒheren Burgbewohnern in Verbindung brachten. Die spĂ€ter zur weiteren Verwendung als Baumaterial abgetragenen Mauerreste der Ruinen verstĂ€rkten die Vorstellung, dass die Burgen im Berg versunken sind. Aus der großen Anzahl der Hesselbergsagen im Folgenden drei Beispiele:

Die Sage vom Teufelsloch

Versteckt unter dem Gipfel befindet sich der Eingang einer zugeschĂŒtteten Höhle
Versteckt unter dem Gipfel befindet sich der Eingang einer zugeschĂŒtteten Höhle
Vor langer Zeit hĂŒteten einige Knaben auf dem Hesselberg Schafe. Zu dieser Zeit gab es auf dem Berg eine tiefe Höhle, die inzwischen verschĂŒttet ist. Von Neugier geplagt, wollten die Jungen wissen, was sich in dieser Höhle befindet. Deshalb wurde einer von ihnen mit einem Strick in das tiefe Loch hinabgelassen. Zuvor beschlossen die Buben, dass sie ihn sofort hochziehen wĂŒrden, sobald er am Strick zieht. Kaum war der Junge jedoch in der Höhle, als ein dreibeiniger Hase ĂŒber den Weg humpelte. Kurzentschlossen rannten die Knaben dem Hasen nach um ihn zu fangen. Aber je weiter sie ihm nachrannten desto schneller wurde der Hase. Schließlich gaben sie die Jagd auf. Als sie zur Höhle zurĂŒckkamen, fiel ihnen ihr Freund in der Höhle wieder ein. Schnell zogen sie den Strick herauf. Dieser war mit Blut befleckt und an seinem Ende hing ein Bocksfuß. Der Knabe war jedoch fĂŒr immer verschwunden.

Der Berggeist

Es wird erzĂ€hlt, dass vor sehr langer Zeit auf dem Hesselberg eine gewaltige Burganlage gestanden hat. Auf dieser Burg lebte der Burgherr mit seiner einzigen Tochter. Das MĂ€dchen fĂŒhrte den Haushalt fĂŒr ihren Vater und besaß die SchlĂŒssel zu allen RĂ€umen der gesamten Burg. Zu dieser Zeit fielen die Hunnen auch in die Hesselbergregion ein. Sie zerstörten die Burg und brannten sie ab. Dabei kam das MĂ€dchen in den GemĂ€uern ums Leben. Es wird weiter erzĂ€hlt, dass sie noch heute mit ihrem SchlĂŒsselbund am GĂŒrtel auf dem Berg umhergeistert. Sie wird meistens in der Samstagnacht nach den vier Quatembern gesehen.

Die unerlösten Jungfrauen vom SchlĂ¶ĂŸleinsbuck

Die Einheimischen erzĂ€hlen, dass auf dem SchlĂ¶ĂŸleinsbuck die Geister von drei verfluchten Jungfrauen hausen. Zwei von ihnen sind vollkommen weiß gekleidet, die dritte trĂ€gt jedoch einen schwarzen Rock. Einem Knecht, der in der NĂ€he des Berges den Acker bestellte, erschienen die drei Jungfrauen und flehten ihn an, ihnen in den Berg zu folgen um sie dort zu erlösen. Da er reinen Herzens sei, brauche er die bösen MĂ€chte des Dunkeln nicht zu fĂŒrchten. Sie erzĂ€hlten ihm, dass sie auf dem Weg in den Berg auf sechs MĂ€nner treffen wĂŒrden, die mit ihren bis zum Boden reichenden BĂ€rten um einen Tisch sĂ€ĂŸen. Im zweiten Raum wĂŒrde ein schwarzer Hund mit feurigen Augen hocken, der einen SchlĂŒssel im Maul habe. Diesen SchlĂŒssel mĂŒsse der Knecht nehmen, auch wenn der Hund Feuer speie. Mit diesem SchlĂŒssel komme er in eine Kammer mit einem riesigen Schatz, der dann ihm gehören wĂŒrde. Der Knecht bekam jedoch fĂŒrchterliche Angst und verließ die Jungfrauen unerlöst. Es wird weiter erzĂ€hlt, dass die Jungfrauen auch heute noch mutige MĂ€nner ansprechen, die ihnen in den Berg folgen sollen, damit sie erlöst werden können.

Literatur

  • Johann Schrenk, Karl Friedrich Zink, Walter E. Keller: Vom Hahnenkamm zum Hesselberg. Bilder einer frĂ€nkischen Kulturlandschaft. Keller, Treuchtlingen 2000. ISBN 3-934145-06-X
  • Arthur Berger: Der Hesselberg. Funde und Ausgrabungen bis 1985. Lassleben, KallmĂŒnz 1994. ISBN 3-784750-664
  • Hermann Schmidt-Kaler: Vom Neuen FrĂ€nkischen Seenland zum Hahnenkamm und Hesselberg. Wanderungen in die Erdgeschichte. Bd. 3. F. Pfeil, MĂŒnchen 1991. ISBN 3-923871-589
  • Albert Schlagbauer: Der Hesselberg zwischen Franken und Schwaben. Steinmeier, Nördlingen 1980. ISBN 3-923645-120
  • Albert Schlagbauer: Die Frankenhöhe, im oberen Wörnitzgrund, im Tal der Sulzach, rund um den Hesselberg. Steinmeier, Nördlingen 1988. ISBN 3-923645-945
  • Schlagbauer Albert, Fischer Adolf: Rund um den Hesselberg. FrĂ€nkisch-SchwĂ€bischer Heimatverl, Oettingen 1965.
  • August Gabler: Die alamannische und frĂ€nkische Besiedlung der Hesselberglandschaft. Augsburg 1961. ISBN 3-922518-04-4
  • Heinrich Grimm: Menschen um den Berg. Ein Hesselbergroman (Heimatroman um den DreißigjĂ€hrigen Krieg). BrĂŒgel, Ansbach 1932 (Neuaufl. Ansbach 1977). ISBN 3883880078
  • Gerfrid Arnold: Hinter der Teufelsmauer. Sagen, Spuk, Legenden zwischen DinkelsbĂŒhl und WassertrĂŒdingen. Selbstv., DinkelsbĂŒhl 1999.
  • Karl GrĂŒnwald: Sichtbare Spuren der Geschichte im Land um den Hesselberg Verlag Reinhard Wagner, NĂŒrnberg 2002. ISBN 3-930349-05-01

Weblinks

Der Hesselberg im spÀten Abendlicht (von Osten)
Der Hesselberg im spÀten Abendlicht (von Osten)
Wiktionary: Hesselberg – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hesselberg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Hesselberg verfügbar.

fair-hotels. Ein Service der
VIVAI Software AG
Betenstr. 13-15
44137 Dortmund

Tel. 0231/914488-0
Fax 0231/914488-88
Mail: info@vivai.de
Url: http://www.vivai.de