fair-hotels . Ein Service wie gemalt
Reiseführer Übersicht Deutschland Österreich Schweiz Bauwerke nach Stil

Werbung

Letzte Änderung für Artikel Obergermanisch-Raetischer Limes: 27.01.2006 10:02

Obergermanisch-Raetischer Limes

Wechseln zu: Navigation, Suche
Rekonstruiertes Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg
Rekonstruiertes Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg

Der Obergermanisch-raetische Limes ist ein Grenzwall mit Kastellen , WachtĂŒrmen , Mauern und Palisaden , mit denen die Römer die Landstriche auf dem östlichen Rheinufer fĂŒr lange Zeit unter ihre Kontrolle brachten. Der Begriff Limes bedeutete im Lateinischen „Grenzweg“; neben dem rĂ€tisch-germanischen Limes ist der Hadrianswall zwischen England und Schottland besonders bekannt, der 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklĂ€rt wurde. Am 15. Juli 2005 wurde von der UNESCO auch dieses Bodendenkmal in Deutschland in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Daneben gab es in römischer Zeit Limites in Nordafrika und im vorderen Orient. Der Limes wird als erste definierte Staatsgrenze in Mitteleuropa angesehen.

Inhaltsverzeichnis

Ausgrabung und Vermessung

Rekonstruktion von Palisaden und Graben in der NĂ€he der Saalburg
Rekonstruktion von Palisaden und Graben in der NĂ€he der Saalburg

Wenn im Deutschen von Limes die Rede ist, sind damit meist der raetische Limes sowie der obergermanische Limes gemeint, zusammen als Obergermanisch-Raetischer Limes bezeichnet. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts begannen ArchĂ€ologen damit, den zuvor nur rudimentĂ€r bekannten Verlauf des Limes genauer aufzunehmen und die ersten Ausgrabungen vorzunehmen. 1892 wurde zu diesem Zweck sogar die "Reichs-Limes-Kommission" gegrĂŒndet, die unter der Leitung des Althistorikers Theodor Mommsen stand und deren Forschungsberichte ĂŒber die Ausgrabungen schließlich vierzehn BĂ€nde fĂŒllen sollten. Die Arbeit dieser Kommission gilt heute noch als Pioniertat der Aufarbeitung germanisch-römischer Geschichte.

Im Verlauf dieser Arbeiten, die sich bis in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts erstreckten, wurde der Verlauf des Limes exakt vermessen und in Strecken eingeteilt, die auch heute noch gĂŒltig sind. Dabei stellte sich heraus, dass die Römer ihre Grenze des öfteren um einige Kilometer verschoben hatten. Die exakte Ursache fĂŒr diese Grenzverschiebungen ist nicht ĂŒberliefert, sie resultiert weniger aus kriegerischen Auseinandersetzungen und mehr aus der FlexibilitĂ€t der römischen MachtausĂŒbung gegenĂŒber den Germanen, denn der obergermanisch-raetische Limes galt wĂ€hrend der Zeit seines Bestehens als Friedensgrenze.

Baugeschichte

Die Vorgeschichte des Limes geht zurĂŒck bis in das Jahr 9 n. Chr. , als die Römer unter ihrem Feldherrn Varus eine vernichtende Niederlage durch aufstĂ€ndische Germanen unter ihrem AnfĂŒhrer Arminius erlitten. Insgesamt drei römische Legionen gingen bei dem verunglĂŒckten Unternehmen, die Germanen in das römische Imperium zu integrieren, unter. Sie wurden in der sogenannten Varusschlacht oder auch Schlacht im Teutoburger Wald fast völlig aufgerieben. Nach dieser Katastrophe zogen sich die Römer auf die linke Seite des Rheins zurĂŒck.

Es kam zwar einige Jahre spĂ€ter nochmals zu begrenzten Aktionen seitens der Römer; diese hatten aber mehr den Charakter von RachefeldzĂŒgen. Den Gedanken einer dauerhaften Eroberung des Landes östlich des Rheins in europĂ€ischen Dimensionen hatten die römischen Kaiser auf Dauer verworfen.

Dass es dennoch etwa ein Jahrhundert spĂ€ter zu einer erneuten Landnahme kam, lĂ€sst sich am ehesten mit dem römischen BedĂŒrfnis nach Sicherheit erklĂ€ren, denn es zeigte sich, dass der Rhein keine absolut kontrollierbare und undurchlĂ€ssige Grenze war. Die östlichen NebenflĂŒsse dieses Stromes reichten weit nach Osten und zogen aus den Tiefen des kontinentalen Raumes immer wieder grĂ¶ĂŸere Völkermassen Richtung Westen. Also musste das gesamte östliche Ufer des Flusses samt seiner NebenflĂŒsse unter Kontrolle gebracht werden, weniger als militĂ€rische Demarkationslinie sondern mehr als bewachte Wirtschaftsgrenze nach Germanien hin. Nach verschiedenen kleineren FeldzĂŒgen entwickelte sich der obergermanische Limes zunĂ€chst aus einem reinen Postenweg, der durch eine kĂŒnstlich geschlagene Schneise in den germanischen WĂ€ldern fĂŒhrte. Unter Kaiser Domitian (81-96) entstand der Plan, eine zusammenhĂ€ngende Grenzbefestigung aufzubauen.

Um das Jahr 100 herum folgten in einem zweiten Schritt WachtĂŒrme aus Erde und Holz in einem durchschnittlichen Abstand von 800 Metern, gleichzeitig wurden Palisaden aus Holz errichtet. Erste Kastelle entstanden am Neckar und im Odenwald. Um 150 wurden die Kastelle dann in Stein erbaut. Sodann ersetzte man die verwitterungsanfĂ€lligen HolztĂŒrme durch TĂŒrme aus Stein (etwa um 170 ). Im letzten Schritt wurde schließlich hinter der Palisadenreihe ein Graben als weiteres AnnĂ€herungshindernis ausgehoben.

In analoger Art und Weise entwickelte sich der raetische Limes, nur dass im letzten Schritt statt eines Grabens eine durchgehende massive Mauer errichtet wurde. Bedingt durch seine Eigenart als Wirtschaftsgrenze besaß der Limes eine Reihe von DurchlĂ€ssen, die von Zöllnern bewacht wurden.

Verlauf

Karte des obergermanisch-raetischen Limes
Karte des obergermanisch-raetischen Limes

Die folgende Beschreibung der Abschnitte des Limes lehnt sich an die Aufteilung der Reichs-Limes-Kommission an. Diese Aufteilung folgt den im Deutschland des 19. Jahrhunderts vorhandenen Verwaltungsgrenzen, geht also nicht auf antike Vorbilder zurĂŒck:

Bauwerke

Rekonstruktion des Ostkastells von Welzheim
Rekonstruktion des Ostkastells von Welzheim

Bild:Kastell Biriciana (Weißenburg in Bayern).jpg

Rekonstruierter Steinturm bei Rheinbrohl
Rekonstruierter Steinturm bei Rheinbrohl
Rekonstruierter Holzturm bei Lorch (WĂŒrttemberg)
Rekonstruierter Holzturm bei Lorch (WĂŒrttemberg)

Auf einer LĂ€nge von etwa 550 Kilometern trennten die Grenzbefestigungen, die beim obergermanischen Limes aus ErdaufschĂŒttungen und Holzpalisaden, beim raetischen Limes dagegen aus bis zu drei Meter hohen Mauern bestanden, Germanien von den römischen Provinzen Raetia, Germania Superior und Germania Inferior . In Sichtweite voneinander befanden sich kleinere WachtĂŒrme von etwa zehn Meter Höhe, die zunĂ€chst aus Holz und Erde, spĂ€ter dann massiv in Stein erbaut wurden. Im hinteren GelĂ€nde dieser unmittelbaren Grenzbefestigung befanden sich im Abstand von etwa zehn Kilometern kleinere Kastelle ( burgus ) fĂŒr die sogenannten Auxiliartruppen , die bei einem lokalen gegnerischen Einbruch in die Grenzbefestigung von den Besatzungen auf den WachttĂŒrmen an die Einbruchstelle geschickt werden konnten. Schöne Beispiele fĂŒr derartige Kastelle sind die Saalburg , das Kastell am Kleinen Feldberg im Taunus und die Kapersburg, ebenfalls im Taunus. Ein besonders großes Kastell fĂŒr eine berittene Einheit lag im heutigen Stadtgebiet von Aalen.

Vermessungstechnische Besonderheiten

Am obergermanischen Limes existieren mehrere Abschnitte, die durch ihre Geradheit auffallen; sie wirken wie mit dem Lineal in die Landschaft gelegt. Der lĂ€ngste dieser Abschnitte reicht von einem ansonsten unbedeutenden Wachturm bei WalldĂŒrn (Strecke 8) bis zum Haghof sĂŒdlich von Welzheim und ist somit fast 80 Kilometer lang. Ein derartig langes gerades StĂŒck ist selbst von der ungleich lĂ€ngeren Chinesischen Mauer nicht bekannt. Die GrĂŒnde zum Bau eines so in die Landschaft trassierten Linienzuges aus Palisaden und Graben dĂŒrften wohl im Willen zu einer Machtdemonstration gegenĂŒber der germanischen Bevölkerung gelegen haben.

Alltag am Limes

In den vielen Jahrzehnten seines Bestandes war die gesamte Anlage des Limes mehr als wirtschaftliche denn als militĂ€rische Grenze anzusehen. Das römische Kaiserreich dehnte durch eine geschickte Wirtschaftspolitik seinen Einflussbereich weit nach Osten ĂŒber die Grenze hinaus. Zeugnis davon geben die vielen GrenzĂŒbergĂ€nge , die zwar von römischen Soldaten gesichert wurden, aber dennoch einen regen wirtschaftlichen Austausch ermöglichten. In diesem Zusammenhang lassen sich im weiten Vorfeld des Limes eine große Anzahl archĂ€ologische Funde nachweisen, die in direkter Verbindung mit dem römischen Imperium stehen.

Auch die gegenĂŒberliegende Seite des Limes war fĂŒr Rom von Interesse. Man versuchte hier bevorzugt römische LegionĂ€re anzusiedeln oder Auxiliarsoldaten , denen nach Abschluss der aktiven Dienstzeit das römische BĂŒrgerrecht verliehen wurde und denen ein Anrecht auf den Erwerb einer Parzelle zustand. Damit wuchs in der NĂ€he der Grenze eine Bevölkerung mit großer LoyalitĂ€t zum römischen Reich heran.

Untergang

Der Grund fĂŒr den Untergang des Limes ist in der zunehmenden Inanspruchnahme der militĂ€rischen KrĂ€fte des Römischen Reiches zu suchen, das sich ab Mitte des dritten Jahrhunderts in seinen orientalischen Provinzen einer immer grĂ¶ĂŸer werdenden Herausforderung durch seinen östlichen Nachbarn, dem Sassanidenreich gegenĂŒbersah. Als Reaktion darauf wurden immer mehr Truppen vom Limes abgezogen, bis sich die Bewachung der Grenze nicht mehr aufrechterhalten ließ. Schon im Jahre 233 sollen die Alamannen Kastelle und Siedlungen wie die Saalburg , Mainz und Baden-Baden zerstört haben. Im Jahre 260 blieb den verbleibenden Truppen nur noch der RĂŒckzug auf die linke Seite des Rheines ĂŒbrig. Damit bildeten wieder Rhein und Donau die Reichsgrenze zwischen dem römischen Reich und den Germanen.

Eine gewalttĂ€tige Auseinandersetzung wurde von den ArchĂ€ologen im Kastell Osterburken festgestellt. In den GrĂ€ben der Festung fanden sich die Überreste zahlreicher Menschen, die bei der Belagerung eines gewaltsamen Todes gestorben waren. Beim Versuch, die Mauern zu ĂŒberklettern, wurden vielen Germanen von den römischen Soldaten die HĂ€nde abgeschlagen. Dennoch eroberten die Belagerer das Kastell, raubten es aus und brannten es anschließend nieder.

Der Limes heute

Der Limes stellt sich in Deutschland als ein Bodendenkmal von internationaler Bedeutung dar, in seinem Verlauf sind fast alle Kastelle und WachtĂŒrme ausgegraben, konserviert und teilweise restauriert worden. Am 15. Juli 2005 wurde das Bauwerk durch die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Prominentes Beispiel ist die Saalburg bei Bad Homburg sowie das Doppelkastell in Aalen, die jeweils bedeutende römische Museen in ihren Mauern bergen. Im gesamten Verlauf des Limes wird man weitere Beispiele dieser Art finden, meistens sind das WachtĂŒrme wie in Rheinbrohl oder Teilrekonstruktionen eines Kastelles wie in Welzheim.

Von der eigentlichen Grenzbefestigung haben sich am besten Wall und Graben des obergermanischen Limes erhalten. Sie haben sich in den seit beinahe zwei Jahrtausenden ununterbrochen forstwirtschaftlich genutzten WĂ€ldern des Westerwaldes und des Taunus hervorragend erhalten. Die begleitenden Reihen aus Palisaden sind zwar lĂ€ngst verrottet, ihre einstmaligen Standlöcher in der Erde lassen sich aber an manchen Stellen immer noch mĂŒhelos als flaches GrĂ€bchen erkennen.

Beim raetischen Limes markiert dagegen ein breiter Streifen aus Gesteinsschutt den Verlauf der Befestigung. Kleine HĂŒgel aus Erde und Schutt finden sich bei beiden Limites an den Stellen, an denen ein Wachturm gestanden hat, hĂ€ufig sogar direkt nebeneinander.

Der Gedanke der Landesverteidigung durch ein derartig großes Bauwerk hat auch beim Bau des Westwalles eine Rolle gespielt, denn nicht umsonst trug das grĂ¶ĂŸte Programm zum Bau dieser den Zweiten Weltkrieg vorbereitenden Festungsanlage den Namen Limesprogramm.

Weitere als Limes bekannte Bauwerke

Ein weiterer bekannter Limes ist der Hadrianswall, der das römische England von Schottland abtrennte. Daneben existierte der Donaulimes in den Provinzen Noricum und Pannonien , wo die Donau die Grenze bildete. Der Orientlimes war durch die oft wechselnde Grenze zwischen dem römischen Reich, Armenien und den Parthern grĂ¶ĂŸtenteils wenig ausgeprĂ€gt. Außerdem existierten noch der arabische Limes , und auch die Grenzen der afrikanischen Provinzen zur WĂŒste waren unter dem Namen Limes bekannt, insbesondere der limes Tripolitanus im heutigen Libyen .

Siehe auch: Portal und Themenliste Rom , Liste der Limeskastelle, Limes (Grenzwall)

Literatur

  • Dietwulf Baatz: Der Römische Limes. ArchĂ€ologische AusflĂŒge zwischen Rhein und Donau. 3., ĂŒberarb. Aufl. GebrĂŒder Mann Verlag, Berlin 1993. ISBN 3-7861-1701-2
  • Britta Rabold, Egon Schallmayer, Adreas Thiel (Hrsg.): Der Limes. Die Deutsche Limes-Straße vom Rhein zur Donau, Theiss-Verlag : Stuttgart 2000, 160 S., 300 Abb., ISBN 3-8062-1461-1
  • Rudolf Pörtner : Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit. Moewig, Rastatt 2000 (auch andere Ausgaben) ISBN 3-8118-3102-X
  • Anne Johnson: Römische Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und in den germanischen Provinzen des Römerreiches. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1987 (Kulturgeschichte der antiken Welt, 37) ISBN 3-8053-0868-X

Weblinks

Commons: Obergermanisch-Raetischer Limes – Bilder, Videos oder Audiodateien

Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Obergermanisch-Raetischer Limes aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Obergermanisch-Raetischer Limes verfügbar.

fair-hotels. Ein Service der
VIVAI Software AG
Betenstr. 13-15
44137 Dortmund

Tel. 0231/914488-0
Fax 0231/914488-88
Mail: info@vivai.de
Url: http://www.vivai.de