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Letzte Änderung für Artikel Geschichte Bayerns: 17.02.2006 20:55

Geschichte Bayerns

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Die Geschichte Bayerns (Baierns) reicht weit zur√ľck. Bis ins Jahr 555 n. Chr. lassen sich die Urspr√ľnge des √§lteren baierischen Stammesherzogtums zur√ľck verfolgen.

√úberblick (wichtige Daten):
  • 555 n. Chr. - Erster Beleg eines bairischen Herzogtums
  • 788 - Ende des √§lteren Stammesherzogtums
  • 1180 - Ende des j√ľngeren Stammesherzogtums
  • 1180 bis 1918 - Regentschaft der Wittelsbacher
  • 1255 - Erste Landesteilung
  • 1506 - Wiedervereinigung des Herzogtums
  • 1623 - Erhebung zum Kurf√ľrstentum
  • 1806 - Erhebung zum K√∂nigreich
  • 1871 - Bayern wird Teil des neugegr√ľndeten Deutschen Reichs
  • 1918 - Ende der Monarchie, Bayern wird Freistaat
  • 1949 - Bayern als Bundesland Teil der neuen Bundesrepublik Deutschland

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Die endg√ľltige Einverleibung Bayerns in das Frankenreich und die Errichtung der Awarenmark (Marcha Orientalis, 996 erstmals als "Ostarrichi" erw√§hnt) unter Karl dem Gro√üen
Die endg√ľltige Einverleibung Bayerns in das Frankenreich und die Errichtung der Awarenmark (Marcha Orientalis, 996 erstmals als " Ostarrichi " erw√§hnt) unter Karl dem Gro√üen

Zur Zeit Kaiser Augustus wurde das keltisch besiedelte Gebiet Altbayerns s√ľdlich der Donau Teil des R√∂mischen Reiches .

Nach Zusammenbruch der römischen Herrschaft bildete sich aus Kelten, von Norden eingedrungenen Germanen und verbliebenen Romanen der Stamm der Baiern (s. Bajuwaren).

Seit 555 n.Chr. ist die Existenz eines bairischen Stammesherzogtums belegt, das unter den Merowingern Teil des fr√§nkischen Herrschaftsbereichs wurde. Der Sieg Karls des Gro√üen √ľber den Bayernherzog Tassilo III. 788 markiert das Ende des so genannten √§lteren Stammesherzogtums.

Der Niedergang der Karolinger erm√∂glicht ein Wiederaufleben der Eigenst√§ndigkeit der bayerischen Herz√∂ge im so genannten j√ľngeren Stammesherzogtum. Der Streit mit den Ottonen f√ľhrt jedoch wieder zu einer starken Abh√§ngigkeit vom deutschen K√∂nigtum. Ab 1070 kommt es unter den Welfen zu einem Widererstarken der Macht der bayerischen Herz√∂ge. Der Streit zwischen Staufern und Welfen endet schlie√ülich 1180 nach dem Sieg des Staufers Friedrich I. Barbarossa √ľber den Welfen Heinrich dem L√∂wen mit der endg√ľltigen Abtrennung der Marcha Orientalis ( Ostarrichi ), aus der das sp√§tere √Ėsterreich entstehen soll und dem Ende des j√ľngeren Stammesherzogtums.

Von 1180 an wird Bayern als Territorialherzogtum bis 1918 von den Wittelsbachern regiert. Bayern erlebt eine Periode zahlreicher Teilungen in Einzelherzogt√ľmer, die erst durch das Primogeniturgesetz von 1506 ein Ende finden.

In der Gegenreformation nimmt Bayern eine f√ľhrende Stellung ein und geht aus dem drei√üigj√§hrigen Krieg mit Gebietsgewinnen und dem Aufstieg zum Kurf√ľrstentum 1623 hervor.

Das absolutistische Bayern wird w√§hrend des Spanischen und √Ėsterreichischen Erbfolgekrieges jeweils von √Ėsterreich vor√ľbergehend besetzt.

Zur Zeit Napoleons steht Bayern anfangs auf der Seite Frankreichs und kann durch Säkularisation und Mediatisierung große Gebietsgewinne verzeichnen. 1806 erfolgt die Erhebung zum Königreich. Durch den rechtzeitigen Wechsel auf die Seite der Gegner Napoleons kann Bayern auf dem Wiener Kongress 1814 als Siegermacht einen großen Teil der Gebietsgewinne behalten.

K√∂nig Ludwig I. baute M√ľnchen zur Kunst- und Universit√§tsstadt aus. Im Zuge der M√§rzunruhen musste er 1848 wegen einer Aff√§re mit der T√§nzerin Lola Montez abdanken. Ludwig II. ging wegen des Baues von Neuschwanstein und anderer Schl√∂sser als M√§rchenk√∂nig in die Geschichte ein.

1866 ( Preu√üisch-√Ėsterreichischer Krieg ) erleidet Bayern an der Seite √Ėsterreichs eine Niederlage gegen Preu√üen . 1871 wird Bayern Teil des neugegr√ľndeten Deutschen Reiches , erh√§lt aber so genannte Reservatrechte (eigenes Post-, Eisenbahn- und Heereswesen).

1918 bricht die Wittelsbacher Monarchie im Rahmen der allgemeinen Novemberunruhen in Deutschland zusammen. Am 9. November 1918 wird Bayern als Freistaat ausgerufen. Sozialistische Gruppen k√∂nnen f√ľr kurze Zeit eine R√§terepublik installieren. Zur Zeit der Weimarer Republik wird Bayern 1923 Schauplatz des Hitlerputsches . Zwischen 1933 und 1945 wird Bayern als Verwaltungseinheit unter den Nationalsozialisten zwar weitgehend bedeutungslos, √ľbernimmt aber eine gewisse Vorreiterrolle bei nationalsozialistischen Ma√ünahmen. Im Zweiten Weltkrieg erleiden bayerische St√§dte wie W√ľrzburg, M√ľnchen oder N√ľrnberg starke Zerst√∂rungen.

Nach der Besetzung durch amerikanische Truppen wird 1949 Bayern als Bundesland Teil der gegr√ľndeten Bundesrepublik . Es setzt ein wirtschaftlicher Aufschwung ein und eine Entwicklung vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat.

Das ältere baierische Stammesherzogtum

Zur Ur- und Fr√ľhgeschichte der Region siehe Ur- und Fr√ľhgeschichte zwischen Alpen und Maingebiet .

Die Urspr√ľnge des √§lteren baierischen Stammesherzogtums lassen sich bis ins Jahr 555 zur√ľckverfolgen. Die Herrscher stammten seit dieser Zeit bis zum Ende des ersten Stammesherzogtums alle aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Das Siedlungsgebiet wurde in diesem Zeitraum nach Osten bis zur Enns und nach S√ľden bis ins heutige S√ľdtirol erweitert.

Ver√§nderungen gab es im Osten auch durch den Abzug der Langobarden aus Pannonien nach Nord italien und dem Nachr√ľcken der Awaren und sp√§ter der Slawen auf das Gebiet des heutigen B√∂hmens . Im 8. Jh. kam durch Unterwerfung der slawischen Karantanien das heutige K√§rnten unter baierische Herrschaft. Sitz der lange weitgehend unabh√§ngig regierenden Herz√∂ge war Regensburg.

St. Kilian wurde zum Missionar des fr√§nkischen Gebiets im Norden. Bonifatius gr√ľndete 742 das Bistum W√ľrzburg, das im 7. Jh. zum th√ľringisch-fr√§nkischen Herzogtum der Hedene geh√∂rte. Im Gebiet westlich des Lechs wurde Augsburg zum Bischofssitz.

Unter den Karolingern kam es zu einem Erstarken des Frankenreichs , wodurch die weitgehende Eigenst√§ndigkeit der Stammesherzog√ľmer unter den Merowingern beendet wurde. 716 endet als erstes das Herzogtum der Hedene. Das Gebiet kommt unter karolingische Herrschaft, wobei die Kirche mit dem Bistum W√ľrzburg eine dominierende Stellung erh√§lt. Nach Niederschlagung eines letzten Aufstands bei Cannstatt 746 wird auch das alemannische Gebiet endg√ľltig in das Frankenreich eingegliedert.

Das bayerische Stammesherzogtum um 788
Das bayerische Stammesherzogtum um 788

Als letztes wird 788 das baierische Stammesherzogtum zerschlagen. Der baierische Herzog Tassilo III. versucht vergeblich die Eigenst√§ndigkeit durch ein B√ľndnis mit den Langobarden zu retten. Die Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Gro√üen zieht auch den Sturz Tassilos III. und das Ende des √§lteren baierischen Stammesherzogtums nach sich.

Das j√ľngere baierische Stammesherzogtum

Unter dem ostfr√§nkischen K√∂nig Ludwig dem Deutschen, der sich ab 825 "K√∂nig der Baiern" nennt, r√ľckt Baiern in den Mittelpunkt der Macht. Unter Kaiser Arnulf von K√§rnten werden Baiern und K√§rnten zu Basen der Macht mit Regensburg als Regierungssitz.

Nach Ende der Herrschaftsperiode der Karolinger kam es erneut zu einem Erstarken der Eigenst√§ndigkeit der einzelnen Gebiete. Unterst√ľtzt wurde dies durch die Bedrohung von au√üen durch die Ungarneinf√§lle ab etwa 862 .

Markgraf Luitpold von Bayern f√§llt 907 in der Schlacht von Pressburg in einer Niederlage gegen die Ungarn, jedoch wird das Datum durch den Antritt seines Sohns Arnulf I. als Herzog von Baiern gleichzeitig als Beginn des j√ľngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen.

Nach dem Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld erfolgt eine zweite Welle baierischer Ostsiedlung mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, Istrien und der Krain . Der Konflikt mit dem sächsischen Königsgeschlecht der Ottonen im 10. Jh. endet allerdings 976 mit dem Verlust von Kärnten und eines Großteils der neugewonnenen Gebiete, die als Teil eines neugeschaffenen Herzogtums Kärnten von Baiern abgetrennt wurden. Zusätzlich regiert das Geschlecht der Babenberger in der Marcha Orientalis ( Ostarrichi ) zunehmend unabhängiger.

Bayern im 10. Jh.
Bayern im 10. Jh.

Es folgt eine Periode, in der die baierischen Herzöge von außen eingesetzt werden und stark vom Königtum abhängig sind, die auch unter den Saliern fortdauert. In dieser Zeit erfolgt der Aufstieg von Adelsgeschlechtern, wie der Grafen von Bogen und Andechs, der Diepoldinger , Grafen von Sulzbach und Wittelsbacher .

Erst mit der Herrschaft durch die Welfen ab 1070 kommt es erneut zu einem Erstarken der bayerischen Herz√∂ge. Diese Epoche ist durch den Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst gepr√§gt. Dabei konnte der Welfenherrscher durch Parteinahme f√ľr den Papst seine Position festigen.

Heinrich der Löwe
Heinrich der Löwe

Ein Konflikt mit dem schw√§bischen Herrschergeschlecht der Staufer bei der K√∂nigswahl f√ľhrt nach Wahl des Staufers Konrad III. zum K√∂nig allerdings dazu, dass Baiern 1139 an die Babenberger gegeben wird. Das schw√§bische Gebiet wurde mit der Herrschaft der Staufer gro√üenteils K√∂nigsland. Zunehmend entwickelte sich auch Franken zum Zentrum stauferischer Macht. In Franken geht die beherrschende Stellung des Bischofs von W√ľrzburg durch die Gr√ľndung des Bistums Bamberg 1007 und neue weltliche Herrschaften verloren. Der Staufer Friedrich I. Barbarossa versucht den Ausgleich mit den Welfen und gibt 1156 ein um die Marcha Orientalis verkleinertes Bayern dem Welfen Heinrich dem L√∂wen zur√ľck.

Die losgel√∂ste Marcha Orientalis wird unter den Babenbergern zur Keimzelle des sp√§teren √Ėsterreich ( Ostarrichi ). Heinrich der L√∂we gr√ľndete zahlreiche St√§dte, unter anderem 1158 M√ľnchen. Durch seine starke Stellung durch die beiden Herzogt√ľmer Sachsen und Baiern ger√§t er jedoch in Konflikt mit Friedrich I. Barbarossa. Mit der Verbannung Heinrichs des L√∂wen und der Abtrennung der Steiermark endet 1180 das j√ľngere baierische Stammesherzogtum.

Bayerns Anfänge als Territorialstaat

Kaiser Friedrich Barbarossa belehnt 1180 Pfalzgraf Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern. Der Teppich von etwa 1610 befindet sich in der Residenz M√ľnchen
Kaiser Friedrich Barbarossa belehnt 1180 Pfalzgraf Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern. Der Teppich von etwa 1610 befindet sich in der Residenz M√ľnchen

Von 1180 bis 1918 stellen die Wittelsbacher die bayerischen Herz√∂ge. Als 1180 Pfalzgraf Otto VI. von Wittelsbach als Otto I. Herzog von Bayern wurde, war der Eigenbesitz der Wittelsbacher eher gering. In der Folgezeit wurde dieser aber durch Kauf, Heirat, Erbschaft erheblich erweitert. Neu erworbenes Land wurde nicht mehr als Lehen vergeben, sondern durch eigene Dienstleute verwaltet. Auch starben in dieser Zeit m√§chtige Grafengeschlechter, wie die der Grafen von Andechs und von Bogen aus. 1216 erlangte sein Sohn Ludwig I. von Wittelsbach mit der Rheinpfalz als Pfalzgraf bei Rhein auch die Kurf√ľrstenw√ľrde .

Da es bei den Wittelsbachern wie bei vielen Herrscherh√§usern dieser Zeit keine Bevorzugung des Erstgeborenen bei der Erbfolge gab, kam es 1255 zur Aufteilung in Oberbayern mit der Pfalz und dem Nordgau (mit Sitz in M√ľnchen) und Niederbayern (mit Sitz in Landshut). Darauf geht noch heute die Unterscheidung von Ober- und Niederbayern (vergleiche Regierungsbezirke) zur√ľck.

Trotz erneuter Teilung nach einer kurzen Zeit der Wiedervereinigung erlangte Bayern mit Ludwig IV. dem Bayern einen neuen H√∂hepunkt der Macht, als dieser als erster Wittelsbacher 1328 die Kaiserw√ľrde erhielt. Die von ihm neu hinzu gewonnenen Gebiete Brandenburg, Tirol , die niederl√§ndischen Provinzen Holland , Seeland und Friesland und das Hennegau gingen jedoch unter seinen Nachfolgern bald wieder verloren. Im Hausvertrag von Pavia von 1329 teilte dieser den Besitz in eine pf√§lzische Linie mit der Rheinpfalz und der sp√§ter so genannten Oberpfalz und in eine altbayerische Linie auf. Damit ging auch die Kurf√ľrstenw√ľrde f√ľr die altbayerische Line an die Pfalz verloren. Erst 1777 sollten alle Teilgebiete wieder vereint sein.

Im 14. und 15. Jh. wurden Oberbayern und Niederbayern selbst wiederholt geteilt. Nach der Teilung von 1392 existierten vier Herzogt√ľmer: Niederbayern-Straubing, Niederbayern-Landshut, Oberbayern-Ingolstadt und Oberbayern-M√ľnchen. Herzog Albrecht IV. von Oberbayern-M√ľnchen (1465-1508) vereinigte nach dem verheerenden Landshuter Erbfolgekrieg von 1504/05 Altbayern 1506 wieder. Durch ein Primogeniturgesetz beendete er die Teilungen.

Bayern von der Reformation bis zum dreißigjährigen Krieg

In Altbayern verhinderten die bayerischen Herz√∂ge eine gr√∂√üere Ausbreitung der Reformation . Wilhelm IV. (1508-1550) lie√ü sich bereits 1524 vom Papst durch die Abtretung der Hoheitsrechte √ľber die bayrischen Bisch√∂fe und der Eink√ľnfte der kirchlichen Institute f√ľr die Sache des Katholizismus gewinnen und war einer der eifrigsten Gegner der Reformation, die er in seinem Land nicht aufkommen lie√ü. Er nahm auf seiten Karls V. 1546-47 am Schmalkaldischen Krieg teil. Jedoch f√ľhrten auch in Bayern einzelne Territorialherren wie die Grafen von Ortenburg und von Haag und der Herzog von Pfalz-Neuburg das lutherische Bekenntnis ein. In Franken breitete sich die Reformation rasch aus und auch in Ostschwaben fand sie vor allem in St√§dten wie Augsburg zahlreiche Anh√§nger. Ebenso breitete sich die Reformation in der Oberpfalz aus, die unter der Herrschaft der protestantischen Kurf√ľrsten der Pfalz stand.

1571 wurden von Herzog Albrecht V. (1550-1579) alle Lutheraner des Landes verwiesen. Ab 1542 machten die Jesuiten die 1472 gegr√ľndete Landesuniversit√§t Ingolstadt neben Dillingen zu einem Zentrum der Gegenreformation . Die Bisch√∂fe von W√ľrzburg und Bamberg betrieben die Gegenreformation mit teils rigorosen Ma√ünahmen. Wilhelm V. (1579-1597) beteiligte erfolgreich sich am Krieg gegen den protestantisch gewordenen Erzbischof von K√∂ln, f√ľr fast zweihundert Jahre stellten seither bayrische Prinzen den K√∂lner Kurf√ľrsten. Ab 1577 wurden die St√§nde, die f√ľr die Bewilligung der Steuern f√ľr den Herzog zust√§ndig waren, nicht mehr regelm√§√üig einberufen. Dies f√ľhrte Bayern an den Rand des finanziellen Ruins und zu Abdankung des Herzogs.

Wilhelms Sohn Maximilian I. (1597-1651) entmachtete die St√§nde, indem er sie durch einen Beamtenapparat ersetzte, der Verwaltung und Finanzen √ľbernahm. 1607 besetzte der Bayernherzog nach einer St√∂rung einer katholischen Prozession durch Protestanten die freie Reichsstadt Donauw√∂rth und verleibte sie seinem Herzogtum ein. Dies war Anlass f√ľr die protestantischen F√ľrsten und St√§dte, sich unter F√ľhrung des calvinistischen Kurf√ľrsten und Wittelsbacher Friedrich von der Pfalz zur Union zusammenzuschlie√üen. Entsprechend schlossen sich 1609 die katholischen Kr√§fte unter F√ľhrung des bayerischen Herzogs Maximilian I. zur Liga zusammen.

Kurf√ľrst Maximilian I.
Kurf√ľrst Maximilian I.

1619 verb√ľndet sich der bayerische Herzog mit Kaiser Ferdinand II. gegen die protestantischen b√∂hmischen St√§nde und den von ihnen gew√§hlten Gegenk√∂nig, den Pf√§lzer Kurf√ľrsten Friedrich. 1620 besiegen die Truppen der Liga unter F√ľhrung des bayerischen Feldherrn Tilly in der Schlacht am Wei√üen Berge bei Prag die Protestanten . Anschlie√üend l√§sst Tilly die Pfalz besetzen. Als Dank erh√§lt Maximilian I. 1623 die Kurf√ľrstenw√ľrde und 1628 die von ihm besetzte Oberpfalz als Kriegsentsch√§digung. Im weiteren Verlauf des drei√üigj√§hrigen Kriegs wird Bayern jedoch 1632/33 und 1648 von feindlichen Truppen besetzt und verw√ľstet. Ostschwaben verlor seine bisherige politische Bedeutung durch die Zerst√∂rungen fast v√∂llig.

Im Westf√§lischen Frieden von 1648 werden die Kurf√ľrstenw√ľrde und die Gebietsgewinne Bayerns best√§tigt.

Bayern als absolutistischer Staat

Nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg entwickelte sich Bayern ebenso wie andere europ√§ische L√§nder zum absolutistischen Staat. 1669 wurde zum letzten Mal der st√§ndische Landtag einberufen. Der M√ľnchner Hof Ferdinand Marias (1651-1679) konnte sich an Prunk mit anderen europ√§ischen H√∂fen durchaus messen. Versuchen, Manufakturen nach dem Vorbild Frankreichs aufzubauen, war kein Erfolg beschieden. Dennoch hielt sich die Verschuldung des Staates in Grenzen, Ferdinand Maria widerstand dem franz√∂sischem Dr√§ngen und verzichtete auf die Kandidatur f√ľr die Kaiserkrone um den Frieden zu erhalten.

Au√üenpolitisch wurde Bayern 1670 dennoch zum Verb√ľndeten Frankreichs . Kurf√ľrst Maximilian II. Emanuel (1679-1726) errang zun√§chst an der Seite √Ėsterreichs mehrere Siege gegen die T√ľrken. Im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714 stand Bayern unter Kurf√ľrst Maximilian II. Emanuel wieder auf der Seite Frankreichs. Der Krieg endete nach der Niederlage in der Schlacht von H√∂chst√§dt 1704 mit der Besetzung Bayerns durch √Ėsterreich. Die Bauernaufst√§nde 1705 bei Sendling und 1706 bei Aidenbach scheiterten, nachdem in der Sendlinger Mordweihnacht die schlecht bewaffneten und schlecht gef√ľhrten Bauern von den kaiserlichen Truppen niedergemetzelt wurden. Erst 1714 wurde Bayern von den europ√§ischen Gro√üm√§chten aus Gr√ľnden des Machtgleichgewichts wiederhergestellt.

1724 beschlie√üen die pf√§lzische und die altbayerische Linie der Wittelsbacher die so genannte Wittelsbacher Hausunion zur Sicherung der Stellung Bayerns. Im √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg 1741-45 k√§mpfte Bayern an der Seite von Frankreich und Preu√üen gegen die Habsburgerin Maria Theresia . 1742 wurde der Wittelsbacher Karl Albrecht (1726-1745) von den Kurf√ľrsten, die Maria Theresia als Kaiserin nicht anerkannten, als Karl VII. zum Kaiser gew√§hlt. √Ėsterreich konnte sich im Kriegsverlauf behaupten und besetzte wiederum Bayern. Drei Jahre danach starb Karl Albrecht. Sein Sohn und Nachfolger Maximilian III. Joseph (1745-1777) musste auf die F√ľhrungsrolle zugunsten der Habsburger verzichten und wandte sich inneren Reformen zu.

1777 starb mit ihm die bayerische Linie der Wittelsbacher aus und Karl Theodor (1777-1799) aus der pf√§lzer Linie trat die Nachfolge an. Damit wurde Kurbayern , das Nieder- und Oberbayern sowie die Oberpfalz umfasste, mit der Kurpfalz sowie den Besitzt√ľmern J√ľlich und Berg vereint.

Der habsburgische Kaiser Joseph II. erkannte die Nachfolge jedoch nicht an und erhob selbst Anspruch auf Kurbayern. Im folgenden Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 setzte sich Preu√üen erfolgreich f√ľr den Erhalt Bayerns ein. Im Frieden von Teschen 1779 erkennt √Ėsterreich die pf√§lzische Nachfolge an. Bayern musste allerdings das Innviertel an √Ėsterreich abtreten. Seit 1785 reformierte Graf Rumford das Staatswesen.

Bayerns Neutralit√§tspolitik unter Karl Theodor gegen√ľber dem revolution√§ren Frankreich endete desastr√∂s in der Besetzung der Pfalz durch franz√∂sische Truppen. Nachdem Karl Theodor kinderlos verstarb, trat Maximilian IV. Joseph (1799-1825) aus der Linie Pfalz-Zweibr√ľcken 1799 das Erbe an. In Frankreich erzogen und Oberst eines franz√∂sischen Milit√§rregiments f√ľhrte er Bayern in ein B√ľndnis mit Napoleon . Die ehrgeizige Au√üenpolitk Bayern dieser Zeit f√ľhrte zu einer hohen Verschuldung des Staats.

Königreich Bayern

Bayern von 1800 bis heute
Bayern von 1800 bis heute

Im Frieden von Lun√©ville 1801 musste Bayern wie andere deutsche Staaten auf seine linksrheinischen Gebiete verzichten. Damit verlor es die Rheinpfalz. Auch musste es J√ľlich und Berg abgeben. Als Ausgleich konnte jedoch Bayern sein Staatsgebiet durch neue fr√§nkische, ostschw√§bische und die √∂sterreichischen Gebiete Vorarlberg und Tirol erheblich vergr√∂√üern.

Durch die im Reichsdeputationshauptschluss 1803 verf√ľgte Mediatisierung und S√§kularisierung wuchs das Staatsgebiet ebenfalls betr√§chtlich. 1805 bindet sich Bayern durch den Bogenhausener Vertrag an das Frankreich Napoleons. 1806 wird Bayern als Dank in den Rang eines K√∂nigreichs erhoben und tritt dem Rheinbund bei. Kurf√ľrst Maximilian IV. Joseph wird als Maximilian I. Josef am 5. Januar 1806 in Bamberg zum ersten bayerischen K√∂nig proklamiert.

Bayern wird in der Zeit von 1799-1817 entscheidend durch den Minister Maximilian Josef Montgelas gepr√§gt. Dieser gilt als Sch√∂pfer des modernen bayerischen Staates. Montgelas schuf eine effiziente Staatsverwaltung f√ľr das vergr√∂√üerte Bayern. Er teilte das Land in acht Verwaltungskreise ein und verwaltete es durch ein neugeschaffenes Beamtenwesen. Er f√ľhrte die allgemeine Schulpflicht ein und schuf durch Vereinheitlichung von Ma√üen, Gewichten und W√§hrung sowie durch die Abschaffung der Binnenz√∂lle und des Zunftzwangs einen einheitlichen Wirtschaftsraum. 1808 wird von ihm die erste bayerische Verfassung, Konstitution genannt, verabschiedet. In ihr wurde unter anderem auch offiziell die in Bayern zu dieser Zeit kaum mehr vorkommende Leibeigenschaft abgeschafft und die Gesetzgebung vereinheitlicht.

Durch den Vertrag von Ried wechselte Bayern am 8. Oktober 1813 kurz vor der V√∂lkerschlacht von Leipzig gegen die Zusicherung, seine annektierten Gebiete behalten zu d√ľrfen, ins Lager der Gegner Napoleons. Als Ergebnis des Wiener Kongresses 1814/15 musste Bayern seine √∂sterreichischen Zugewinne wieder aufgeben, bekam aber zum Ausgleich die Pfalz zur√ľck, sowie Gebiete um W√ľrzburg und Aschaffenburg.

Insgesamt hatte sich das Territorium Bayerns bis 1815 um folgende Gebiete erweitert:

1817 erfolgte die Entlassung Montgelas, der zu keinen weiteren liberalen Zugest√§ndnissen an die B√ľrger bereit war. 1818 erlie√ü Maximilian I. Joseph die Verfassung von 1818, die im Gegensatz zur Verfassung von 1808 auch die Frage einer Volksvertretung regelte. Sie sah eine Gliederung in zwei Kammern vor. In der ersten Kammer sa√üen Vertreter der Geistlichkeit und des Adels sowie weitere vom K√∂nig ernannte Personen. Die zweite Kammer wurde nach einem indirekten Zensuswahlrecht besetzt. Mit ihr wurde Bayern zur konstitutionellen Monarchie . Zu einem echten Parlamentarismus fehlte unter anderem ein allgemeines und direktes Wahlrecht, die volle Gewaltenteilung und Pressefreiheit.

Dieses Wappen wurde von Ludwig I., K√∂nig von Bayern im Jahre 1835 eingef√ľhrt. Es zeigt: Pf√§lzischer L√∂we, Fr√§nkischer Rechen, Markrafschaft Burgau, Veldenzer L√∂we, sowie als Mittelschild die bayerischen Rauten. Es galt bis zum Ende der Monarchie
Dieses Wappen wurde von Ludwig I., K√∂nig von Bayern im Jahre 1835 eingef√ľhrt. Es zeigt: Pf√§lzischer L√∂we, Fr√§nkischer Rechen, Markrafschaft Burgau, Veldenzer L√∂we, sowie als Mittelschild die bayerischen Rauten. Es galt bis zum Ende der Monarchie
Unter K√∂nig Ludwig I. (1825-1848) erlebte die Kunst in Bayern eine Bl√ľtezeit. Vor allem in M√ľnchen entstanden in dieser Zeit zahlreiche klassizistische Bauten. 1826 wird die urspr√ľnglich in Ingolstadt gegr√ľndete Landesuniversit√§t von Landshut nach M√ľnchen verlegt. Der anfangs noch liberale Regierungsstil Ludwigs I. nimmt zunehmends autorit√§re Z√ľge an. 1848 muss der K√∂nig wegen einer Liebesbeziehung zur S√§ngerin Lola Montez und Unruhen in M√ľnchen zur√ľcktreten.

Sein Sohn Maximilian II. (1848-1864) leitete eine Phase der Liberalisierung ein. Unter anderem wurde die Zensur abgeschafft und die Rechte des Landtags gest√§rkt. Die Reichsverfassung von 1849 wird von ihm jedoch wie von den meisten deutschen F√ľrsten abgelehnt.

Den Krieg von 1866 verlor Bayern unter Ludwig II. (1864-1886) an der Seite √Ėsterreichs und der meisten deutschen Staaten gegen Preu√üen und musste hohe Kriegsentsch√§digungszahlungen leisten. 1870 beteiligte sich Bayern als Verb√ľndeter Preu√üens am Krieg gegen Frankreich und tritt dem Norddeutschen Bund bei. 1871 wird Bayern Teil des neugegr√ľndeten Deutschen Reiches , beh√§lt neben der Kultur- und Steuerhoheit aber noch zahlreiche so genannte Reservatrechte, wie eigenes Heer, Postwesen und eigene Eisenbahn. Jedoch war der Einfluss Preu√üens auf die Politik Bayerns gro√ü. Der Umstand, dass Ludwig II. die Staatsgesch√§fte v√∂llig vernachl√§ssigte und die Verwaltung eher preu√üenfreundlich eingestellt war, f√∂rderte dies. Ludwig II. ging wegen der unter seiner Herrschaft erbauten K√∂nigsschl√∂sser (Neuschwanstein, Herrenchiemsee, Linderhof) als M√§rchenk√∂nig in die Geschichte ein.

Innenpolitisch entwickelte sich die 1868 gegr√ľndete katholisch-konservative Patriotische Partei zur f√ľhrenden Partei im Landtag. 1887 erfolgt die Umbenennung in Bayerisches Zentrum . 1893 ziehen erstmals die Sozialdemokraten in den Landtag ein. 1906 erfolgt eine Liberalisierung des Wahlrechts.

Nach der Entm√ľndigung Ludwigs II. 1886 √ľbernimmt Prinzregent Luitpold (1886-1912) die Herrschaft anstelle des psychisch erkrankten Prinzen Otto. Er gilt zum Teil bis heute als volkst√ľmlicher Vertreter der "guten alten Zeit" in Bayern, obwohl seine Herrschaftszeit eher von politischer Stagnation gepr√§gt war.

Als er 1912 stirbt, folgt ihm sein Sohn als Regent nach. 1913 erklärt dieser sich durch eine Verfassungsänderung zum König Ludwig III. (1912-1918).

Bayern zwischen den Weltkriegen

Ende der Monarchie

Auf Grund der Versorgungsengp√§sse und der Verluste im 1. Weltkrieg nimmt der R√ľckhalt der kriegsm√ľden Bev√∂lkerung f√ľr die Monarchie durch die militante und preu√üenfreundliche Einstellung Ludwigs III. immer mehr ab. Die wachsende Ablehnung gegen das Reich und gegen das militaristische Preu√üen wendet sich so immer mehr auch gegen die bayerische Monarchie. 1917 wird ein Antrag der SPD auf Parlamentarisierung Bayerns von der Regierung abgelehnt. Wie im restlichen Deutschland entl√§dt sich die Kriegsm√ľdigkeit in den Januarstreiks 1918 .

Eine Einigung ein Jahr danach kommt zu sp√§t. Am 7. November 1918 st√ľrzen revolution√§re Kr√§fte im Rahmen der Novemberrevolution unter F√ľhrung von Kurt Eisner von der USPD die Monarchie. Bayern wird zum Freistaat erkl√§rt. Kurt Eisner st√ľtzt sich auf die R√§te, die im ganzen Land gebildet werden und eine echte Volksbewegung darstellen. Es gibt in Bayern mehrere Tausend R√§te, in den St√§dten Arbeiter- aber auch B√ľrgerr√§te und in den Garnisonen Soldatenr√§te. Aber auch auf dem Land findet diese Art der Partizipation in Form der Bauernr√§te eine breite Zustimmung. Beispielsweise treffen sich am 6. M√§rz 1919 im konservativen Chiemgau 158 R√§tevertreter aus 54 Gemeinden. In M√ľnchen konstituieren sich neben dem 400-k√∂pfigen M√ľnchner Arbeiterrat Zentalr√§te der Bauern, der Soldaten und der Arbeiter. Daneben gibt es aber auch R√§te geistiger Arbeiter, Hochschul- und Sch√ľlerr√§te und so weiter.

M√ľnchner R√§terepublik

Kurt Eisner
Kurt Eisner

Bei Wahlen zum Landtag im Januar 1919 erleidet die USPD Eisners jedoch eine schwere Niederlage. St√§rkste Kraft wird die b√ľrgerlich-konservative Bayerische Volkspartei, die Nachfolgepartei des Bayerischen Zentrums. Am 21. Februar 1919 wird Eisner auf dem Weg zum Landtag unmittelbar vor seiner angek√ľndigten R√ľcktrittserkl√§rung von Anton Graf von Arco auf Valley ermordet.

Neuer Ministerpr√§sident wird der Sozialdemokrat Johannes Hoffmann. Seine Regierungszeit wird von der Auseinandersetzung zwischen gem√§√üigten parlamentarischen Kr√§ften und radikalen Arbeiter- und Soldatenr√§ten √ľberschattet. Die Regierung muss sogar wegen der unruhigen Lage in der Hauptstadt nach Bamberg ausweichen. Zeitgleich wird in M√ľnchen von einer Gruppe um die Schriftsteller Ernst Toller und Erich M√ľhsam sowie dem anarchistischen Philosophen Gustav Landauer am 7. April 1919 die "R√§terepublik Baiern" ausgerufen. Kurz darauf √ľbernimmt der Kommunist Eugen Levin√© die F√ľhrung der R√§terepublik. Von Ministerpr√§sident Hoffmann nach einer Geiselnahme durch die Kommunisten zu Hilfe gerufene preu√üische und w√ľrttembergische Truppen sowie Freikorps erobern am 1. Mai 1919 die Hauptstadt zur√ľck. Die folgende Terrorherrschaft der Freikorps forderte zahlreiche Menschenleben.

Bayern während der Weimarer Republik

Am 14. August 1919 tritt die nach ihrem Entstehungsort benannte Bamberger Verfassung in Kraft. 1920 wird der Freistaat Coburg nach einer dort durchgef√ľhrten Volksabstimmung mit Bayern vereinigt. Der Kapp-Putsch im M√§rz 1920 hatte den R√ľcktritt Hoffmanns zur Folge.

Nachfolger wird der Monarchist Gustav Ritter von Kahr, der eine Losl√∂sung Bayerns vom Reich anstrebt. 1922 wird Eugen Ritter von Knilling Ministerpr√§sident. Die Politik der Bevorzugung der Rechten schafft f√ľr die Entstehung rechtsextremer Gruppen ein g√ľnstiges Klima und Bayern wird zur "Ordnungszelle". Unter anderem taucht Hermann Ehrhardt , der F√ľhrer der Brigade Ehrhardt, nach dem Kapp-Putsch in Bayern unter.

Im Herbst 1923 dient das Ende des passiven Widerstandes gegen die Ruhrbesetzung der Staatsregierung als Vorwand, den Ausnahmezustand auszurufen und von Kahr nach Artikel 48 Abs. 4 der Weimarer Verfassung zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten zu ernennen. Als Reaktion auf diesen Versuch, eine Rechtsdiktatur zu errichten, verh√§ngt Reichspr√§sident Friedrich Ebert seinerseits den Ausnahmezustand. General Hans von Seeckt , der Chef der Heeresleitung, sympathisiert allerdings mit von Kahr, so dass es zu keiner Reichsexekution kommt. In Bayern bildet sich ein Triumvirat aus von Kahr, dem bayerischen Wehrkreiskommandeur Otto von Lossow und dem Chef der bayerischen Landespolizei Hans von Sei√üer . Sie lassen unter anderem hunderte j√ľdische Familien ausweisen, verbieten linke Zeitungen und setzen das Republikschutzgesetz au√üer Kraft.

Am 9. November 1923 kommt es in M√ľnchen zum Hitler-Putsch . Hitler l√§sst den B√ľrgerbr√§ukeller umstellen, als Gustav Ritter von Kahr dort eine Rede h√§lt, um ihn auf seine Seite zu bringen. Er erkl√§rt die Reichsregierung f√ľr abgesetzt. Er kann von Kahr jedoch nicht √ľberzeugen, und der Putschversuch wird an der M√ľnchner Feldherrnhalle von der Polizei beendet. Im Februar 1924 tritt von Kahr zur√ľck.

Im Juni 1924 wird Heinrich Held von der Bayerischen Volkspartei Ministerpr√§sident. Helds Politik zielt auf mehr politische Eigenst√§ndigkeit Bayerns im Reich. Jedoch wird von ihm die Gefahr von rechts lange untersch√§tzt. Ab 1930 hat Held keine parlamentarische Mehrheit f√ľr seine Regierung. Eine Tolerierung durch die SPD erm√∂glicht ihm aber die weitere Gesch√§ftsf√ľhrung, was ihn nicht daran hindert, die sozialdemokratische Kinderorganisition ‚ÄěDie Kinderfreunde‚Äú (Die Falken) zu verbieten. Am 15. M√§rz 1933 wird Held durch die Nationalsozialisten zum R√ľcktritt gezwungen.

Bayern unter dem Nationalsozialismus

Im M√§rz und April 1933 erfolgt die Gleichschaltung der L√§nder. Zun√§chst wird Franz Xaver Ritter von Epp am 9. M√§rz vom Reichsinnenminister Wilhelm Frick , unter Hinweis auf Artikel 2 der " Reichstagsbrandverordnung ", als Reichskommissar in Bayern eingesetzt. Dieser bestellt unter anderem Heinrich Himmler zum Leiter der Polizeidirektion M√ľnchen und Anfang April zum "Politischen Referent beim Staatsministerium des Innern". Damit ist ihm die gesamte Politische Polizei in Bayern unterstellt. Am 16. M√§rz √ľbernimmt Epp s√§mtliche Regierungsgesch√§fte und bildet einen kommissarischen Ministerrat. Am 10. April wird Epp schlie√ülich zum Reichsstatthalter in Bayern ernannt. Da er in dieser Funktion nicht Mitglied der Landesregierung sein darf, wird am 12. April Ludwig Siebert formal zum Ministerpr√§sident bestimmt, Adolf Wagner wird Innenminister. Nach dem Tod Sieberts im November 1942 wird kein offizieller Nachfolger mehr ernannt, der gesch√§ftsf√ľhrende Gauleiter M√ľnchen-Oberbayerns Paul Giesler ist bis Kriegsende auch gesch√§ftsf√ľhrender Ministerpr√§sident.

Zahlreiche f√ľhrende Personen der Nationalsozialisten stammen aus Bayern. Bei den Ma√ünahmen der Nationalsozialisten bekommt das bayerische Gebiet eine Art Pionierolle. Am 10. Mai 1933 findet auf dem M√ľnchner K√∂nigsplatz die B√ľcherverbrennung durch die Nationalsozialisten statt. Die Zerst√∂rung der Synagogen in N√ľrnberg und M√ľnchen erfolgt zeitlich Monate vor der Reichskristallnacht 1938. Das erste Konzentrationslager wird 1933 in Dachau eingerichtet. M√ľnchen wird zur "Hauptstadt der Bewegung" erkl√§rt, N√ľrnberg st√§ndiger Sitz der Reichsparteitage. 1935 werden in N√ľrnberg die N√ľrnberger Rassegesetze verabschiedet. 1937 findet in M√ľnchen die erste Ausstellung " Entartete Kunst " statt.

1939 scheitert Georg Elsers Attentat auf Hitler im M√ľnchner B√ľrgerbr√§ukeller. Unter den bayerischen Widerstandsgruppen ist die M√ľnchner Wei√üe Rose die bekannteste. In den letzten Kriegstagen scheitert die " Freiheitsaktion Bayern " von Rupprecht Gerngro√ü .

Bei den Luftangriffen durch die Alliierten werden bayerische St√§dte wie M√ľnchen, N√ľrnberg und W√ľrzburg erheblich zerst√∂rt.

Bayern nach 1945

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 wurde Bayern gemäß dem Potsdamer Abkommen mit Ausnahme der Pfalz und Lindaus, die unter französische Kontrolle kamen, Teil der US-amerikanischen Besatzungszone .

Am 28. Mai 1945 wurde Fritz Sch√§ffer von der Bayerischen Volkspartei von der amerikanischen Milit√§rregierung zum Ministerpr√§sidenten bestimmt, am 28. September allerdings von ihr wieder entlassen. Als Nachfolger bestimmte sie den Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner. Unter dem Leiter der Milit√§rregierung, General Lucius D. Clay, erfolgte die Neugr√ľndung Bayerns als Staat und die Wiederbelebung der Parteien und der Demokratie von unten.

Am 30. Juni 1946 wurde eine verfassungsgebende Landesversammlung gew√§hlt, bei der die CSU als Nachfolgepartei der Bayerischen Volkspartei die absolute Mehrheit erzielte. Der Verfassungsentwurf wurde in seinem f√∂derativen Charakter von der Besatzungsmacht genehmigt, jedoch ein Artikel gestrichen, der Bayern ein Recht auf Nichtbeitritt zu einem zuk√ľnftigen deutschen Bundesstaat zugebilligt h√§tte. Die Verfassung des Freistaates Bayern wurde am 1. Dezember 1946 in einem Volksentscheid angenommen.

Bei der zeitgleich stattfindenden ersten Wahl zum Landtag errang die CSU wiederum die absolute Mehrheit und blieb bis heute stärkste Partei. Ministerpräsident wurde Hans Ehard von der CSU, der abwechselnd allein und in Koalition mit der SPD regierte.

1945 wurde die bisher th√ľringische Enklave Ostheim vor der Rh√∂n Bayern zugeordnet und 1946 die Pfalz in das neugeschaffene Bundesland Rheinland-Pfalz ausgegliedert. Die Wiedereingliederung von Lindau erfolgt erst 1955 .

Ehard schaffte es, viele seiner Vorstellungen nach einem m√∂glichst weitgehenden F√∂deralismus bei den Beratungen zum Grundgesetz durchzusetzen. Da das Grundgesetz seiner Ansicht nach immer noch nicht f√∂deralistisch genug war, beispielsweise wurde eine Gleichberechtigung des Bundesrates bei der Gesetzgebung gefordert, lehnte der bayerische Landtag auf Antrag der Landesregierung als einziger das Grundgesetz ab. Jedoch wurde unter der Bedingung, dass zwei Drittel der Bundesl√§nder das Grundgesetz annehmen, beschlossen, dass es dennoch f√ľr Bayern verbindlich sein sollte. Auf Bundesebene ging die CSU eine Fraktionsgemeinschaft mit der Schwesterpartei CDU ein, bewahrte jedoch ihre Eigenst√§ndigkeit.

In den 50er Jahren gab es noch Konkurrenzk√§mpfe zwischen der CSU und der Bayernpartei, die bez√ľglich einer bayerischen Eigenst√§ndigkeit radikaler auftrat als die CSU. Die Bayernpartei versank jedoch, nachdem es ihr nicht gelang, in eine Regierung mit der CSU einzutreten, immer mehr in die politische Bedeutungslosigkeit.

Neben dem Wiederaufbau des Landes nahm Bayern von allen Bundesl√§ndern die meisten Reichsdeutschen und Fl√ľchtlinge auf, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus den ehemals deutschen Ostgebieten sowie Ost- und S√ľdosteuropa (also aus dem Sudetenland , B√∂hmen , M√§hren , Ungarn und vom Balkan ) vor allem nach Bayern str√∂mten, da dieses erst zum Ende des Krieges von den amerikanischen Truppen erobert wurde.

Fl√ľchtlingslager entstanden im ganzen Land, manche davon wie in Piding waren bis in die 1960er ge√∂ffnet, viele waren aber schon nach wenigen Jahren wieder aufgel√∂st oder in D√∂rfer und Ortschaften umgewandelt worden. Etwa zwei Millionen Vertriebene blieben in Bayern und trugen nicht nur zum Bev√∂lkerungswachstum sondern durch ihre mitgebrachten Kenntnisse und Traditionen auch zum Wirschaftsaufschwung bei. (Siehe auch unter Vertreibung ). Die Sudetendeutschen wurden neben Bajuwaren, Franken und Schwaben der vierte " Stamm " im Freistaat Bayern.

1954 kam es nach Wahlen zu einer Viererkoalition von SPD , Bayernpartei, FDP und der Heimatvertriebenenpartei BHE unter Ministerpr√§sident Hoegner. Nach dem Bruch der Koalitionsregierung entstand eine Dreierkoalition von CSU, BHE und FDP unter dem Ministerpr√§sidenten Hanns Seidel von der CSU. Nach dem R√ľcktritt Seidels aus gesundheitlichen Gr√ľnden √ľbernahm nochmals Ehard f√ľr zwei Jahre das Amt des Ministerpr√§sidenten.

Die Nachfolgeregierungen unter Alfons Goppel von 1962 bis 1978, Franz Josef Strauß von 1978 bis 1988, Max Streibl von 1988 bis 1993 und Edmund Stoiber seit 1993 waren beziehungsweise sind reine CSU-Regierungen mit absoluter Mehrheit, seit 2003 hat die CSU sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag.

Wirtschaftlich schaffte Bayern nach 1945 den Strukturwandel von einer √ľberwiegend landwirtschaftlich gepr√§gten Region zu einem f√ľhrenden Industrieland. Durch Vereinheitlichungstendenzen auf Bundesebene und der Abgabe von Kompetenzen an die Europ√§ische Union entstanden neue Bedrohungen und Fragen f√ľr die Zukunft des F√∂deralismus.

Siehe auch

Literatur

Quellen:

  • Monumenta Boica (44 B√§nde, M√ľnchen, 1763-1900)

Literatur:

  • K. Bosl, Bayerische Geschichte (M√ľnchen 1979)
  • P.C. Hartmann, Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute.(Regensburg 1989)
  • A. Kraus, Geschichte Bayerns. Von den Anf√§ngen bis zur Gegenwart. (M√ľnchen 1988)
  • Monumenta Boica (44 B√§nde, M√ľnchen, 1763-1900)
  • S. Riezler, Geschichte Bayerns (Gotha, 1878-1899)
  • Ad. Brecher, Darstellung der geschichtlichen Entwickelung des bayrischen Staatsgebiets, Karte (Berlin, 1890)
  • E. Rosenthal, Geschichte des Gerichtswesens und der Verwaltungsorganisation Bayerns (W√ľrzburg, 1889)
  • U.-B. Vollhardt, Geschichtspolitik im Freistaat Bayern. Das Haus der Bayerischen Geschichte: Idee ‚Äď Debatte ‚Äď Institutionalisierung. (M√ľnchen 2003) ISBN 3-8316-0235-2

Weblinks

Wikipedia

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