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Letzte Änderung für Artikel Weinsberg: 19.02.2006 21:20

Weinsberg

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Weinsberg von SĂĽden. Links der Burgberg, rechts davon die Johanneskirche
Wappen Karte
Wappen von Weinsberg Deutschlandkarte, Position von Weinsberg hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Baden-WĂĽrttemberg
Regierungsbezirk : Stuttgart
Region : Heilbronn-Franken
Landkreis : Heilbronn
Geografische Lage :
Koordinaten: 49° 09' 01" N, 09° 17' 18" O
49° 09' 01" N, 09° 17' 18" O
Höhe : 219 m ü. NN
Fläche : 22,22 km²
Einwohner : 11.852 (31. Dezember 2004)
Bevölkerungsdichte : 533 Einwohner je km²
Ausländeranteil : 9,8 %
Postleitzahlen : 74183-74189
(alt: 7102)
Vorwahl : 07134
Kfz-Kennzeichen : HN
GemeindeschlĂĽssel : 08 1 25 102
Stadtgliederung: Kernstadt und 3 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathaus, Marktplatz
74189 Weinsberg
Website: www.weinsberg.de
E-Mail-Adresse: stadt@weinsberg.de
Politik
BĂĽrgermeister : Stefan Thoma ( parteilos )
Lage der Stadt Weinsberg
im Landkreis Heilbronn

Weinsberg ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn, Baden-WĂĽrttemberg, 4 km östlich von Heilbronn. Die Stadt wurde um das Jahr 1200 gegrĂĽndet und hat etwa 11.850 Einwohner (Stand: 2004). Sie liegt am Eingang des nach ihr benannten, von der Sulm und ihren ZuflĂĽssen gebildeten Weinsberger Tales zwischen Neckar und Löwensteiner Bergen. Bekannt ist Weinsberg fĂĽr den Weinbau , der ĂĽber Jahrhunderte hinweg zentral fĂĽr die Weinsberger Wirtschaft war und immer noch eine wichtige Rolle spielt, und fĂĽr die Burgruine Weibertreu, deren Name seit Jahrhunderten unzertrennlich mit den „Treuen Weibern von Weinsberg“ verknĂĽpft ist, die im Jahr 1140 ihre zum Tode verurteilten Männer retteten. Heute ist die Stadt der Zentralort des Weinsberger Tales mit ausgeprägter Infrastruktur und ein Unterzentrum mit mittelzentralen Funktionen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Weinsberg liegt hauptsächlich im und auf den Hängen des Tales des Stadtseebaches (auch Saubach genannt), eines Zuflusses der Sulm. Die Sulm fließt zwar durch Weinsberger Gebiet, aber nicht durch die Stadt selbst, und nur ein kleiner Teil der Stadt liegt am Rand des Sulmtales. Nordwestlich des Stadtkerns erhebt sich der Burgberg mit der Burgruine Weibertreu, westlich davon der Schemelsberg. Beide Berge werden intensiv für den Weinbau genutzt. Im Süden erstrecken sich das Stadtseebachtal und das Brühltal. Die Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 vermerkt: „Die Lage der Stadt ist im Allgemeinen eine gesunde und sehr milde, gegen Nordwesten durch den Burgberg, an den sie sich anlehnt, gedeckt, gegen Süden den Sonnenstrahlen offen, vor den Nebeln des westlichen Neckarthales durch den dazwischenliegenden Jägerhaus-, Galgen- und Wartberg geschützt.“

Geologische Schichten am Burgberg
Geologische Schichten am Burgberg

Geologie

Weinsberg liegt am Rand der Keuperstufe der Löwensteiner Berge, deren Ausläufer sich bis nach Neckarsulm und Öhringen erstrecken. Der Burgberg und der Schemelsberg sind Zeugenberge , die von Sulm und Stadtseebach vom restlichen Gebirgsstock abgetrennt wurden. Beide haben eine Schicht aus Schilfsandstein , der auch zum Bau u.a. der Burg und der Johanneskirche verwendet wurde. Am Burgberg wurde von 1811 bis 1867 Gips abgebaut. Das Loch, das der Gipsabbau im Berg hinterlassen hatte, wurde in den 1950er-Jahren wieder zugeschüttet und in Weinberge der Weinsberger Weinbauschule umgewandelt.

Stadtgliederung

Weinsberg besteht aus der Kernstadt und den 1973/75 eingemeindeten Ortschaften Gellmersbach, Grantschen und Wimmental. Außerhalb der geschlossenen Bebauung befinden sich auch der Weißenhof (mit Klinikum ), der Rappenhof und das Wohngebiet Stöcklesberg, ohne dass es sich dabei jedoch um eigene Ortschaften handelt.

Ausdehnung des Stadtgebiets

Das Weinsberger Stadtgebiet umfasst 22,22 km², wovon 14,29 km² auf Weinsberg, 3,37 km² auf Gellmersbach, etwa 2,50 km² auf Grantschen und etwa 2,06 km² auf die kleinste Ortschaft Wimmental entfallen.

Seit den Eingemeindungen kann die Form des Stadtgebietes am ehesten mit einem unregelmäßigen (Griechischen) Kreuz verglichen werden, wobei Weinsberg selbst den kurzen West- und den verdickten SĂĽdbalken darstellt, Gellmersbach den Nordbalken und Grantschen und Wimmental den verlängerten Ostbalken. Die Ausdehnung in Nord-SĂĽd-Richtung beträgt etwa 8,6 km, in West-Ost-Richtung etwa 9,3 km.

In den Jahren 1957 sowie 1989–2001 verteilte sich die Flächennutzung wie folgt (Flächenangaben in ha, Quelle 1957: Jahrbuch für die Stadt Weinsberg; 1989–2001: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg):

1957 % 1989 % 1993 % 1997 % 2001 %
Gesamtfläche 1.429 100,00 2.223 100,0 2.222 100,0 2.222 100,0 2.221 100,0
Siedlungs- und
Verkehrsfläche
155,9 10,90 515 23,2 546 24,6 567 25,5 595 26,8
Landwirtschaftsfläche 750,9 52,50 1.186 53,4 1.122 50,5 1.100 49,5 1.068 48,1
Waldfläche 496,1 34,70 494 22,2 529 23,8 529 23,8 528 23,8
Wasserfläche 6,5 0,45 10 0,5 12 0,5 12 0,5 13 0,6
Ăśbrige Nutzungsarten 19,6 1,37 17 0,8 13 0,6 14 0,6 17 0,8

Die Siedlungsfläche nimmt kontinuierlich zu, da Weinsberg nach wie vor Baugebiete ausweist. Im Umkehrschluss nimmt die landwirtschaftlich genutzte Fläche ab.

Der städtische Waldbesitz beträgt insgesamt 567 ha. Neben 426 ha Wald auf den Markungen Weinsbergs und seiner Teilorte besitzt die Stadt auch noch 141 ha Wald auf der Markung von Gemmingen, der am 29. Juli 1936 erworben wurde, als Ausgleich fĂĽr Weinsberger Gebietsabgaben an den Staat fĂĽr Militärzwecke (Erweiterung des Heilbronner Exerzierplatzes auf der Waldheide).

Nachbargemeinden

Nachbarstädte und -gemeinden Weinsbergs sind (im Uhrzeigersinn , beginnend im Westen): Heilbronn (Stadtkreis), Erlenbach, Eberstadt, Bretzfeld (Hohenlohekreis), Obersulm, Ellhofen und Lehrensteinsfeld. Bis auf Heilbronn und Bretzfeld gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Zusammen mit Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld bildet Weinsberg den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg.

Klima

Das Klima ist durch die geschĂĽtzte Tallage meistens mild und begĂĽnstigt den ausgiebig betriebenen Weinbau. Die durchschnittliche Jahres temperatur lag lt. Jahresberichten der Weinbauschule Weinsberg 1961–1990 bei 9,6 Â°C, der jährliche Niederschlag bei 740 mm. FĂĽr die Periode 1971–2000 liegen diese Werte bei 10,0 Â°C und 738,4 mm, 2002 bei 11,1 Â°C und 959 mm. Der Januar hatte von 1961–1990 durchschnittlich 0,6 Â°C bei 57 mm Niederschlag, 1971–2000 1,4 Â°C bei 51,7 mm und 2002 0,8 Â°C bei 21 mm. Der Juli hatte von 1961–1990 durchschnittlich 18,7 Â°C bei 65 mm Niederschlag, 1971–2000 19,2 Â°C bei 74,5 mm und 2002 18,8 Â°C bei 92 mm.

Geschichte

Das Römerbad (mit Schutzdach des 20. Jahrhunderts)
Das Römerbad (mit Schutzdach des 20. Jahrhunderts)

Kelten und Römer

Auf Weinsberger Gemarkung wurde im 19. Jahrhundert eine keltische Silbermünze (Typ Kreuzmünze) aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Die Münzinschrift „V,O,L,C“ kann dem keltischen Stamm der Volcae zugeordnet werden, die damals u. a. in Süddeutschland lebten. Damit ist zu vermuten, dass sich zu dieser Zeit Kelten zumindest zeitweise im Gebiet des heutigen Weinsberg aufgehalten haben.

Die ersten sicher bekannten Siedler auf Weinsberger Gebiet jedoch waren die Römer . Durch das heutige Stadtgebiet verlief im 2. Jahrhundert eine RömerstraĂźe , die von einem ehemaligen Grenzkastell des Neckarlimes bei (Heilbronn-) Böckingen zu einem Grenzkastell des Obergermanischen Limes bei Ă–hringen fĂĽhrte. An dieser StraĂźe wurde unterhalb des späteren Burgberges zwischen 148 und 161 n. Chr. ein römischer Gutshof (villa rustica) errichtet, der bis zur Zerstörung durch Alamannen 234 oder 259/260 bestand. Das Badehauses dieses Gutshofes (in Weinsberg bekannt als Römerbad) wurde 1906 ausgegraben und konserviert, Teile des restlichen Gutshofes 1977.

Mittelalter

Die Alamannen wurden um 500 von den Franken verdrängt, die im 7. Jahrhundert auf Weinsberger Gemarkung westlich des Weißenhofes, zwischen Erlenbach und Gellmersbach, siedelten. 778 wurde die Gegend um Weinsberg als Sulmanachgowe (Sulmgau, Hauptort vermutlich Neckarsulm) in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen an das Kloster Lorsch erstmals erwähnt. Auf dem heutigen Gebiet der Stadt Weinsberg sind mehrere mittelalterliche Siedlungen (Bodelshofen, Burchardeswiesen, Lyndach u.a.) nachweisbar, die teilweise auch nach der Stadtgründung noch weiterbestanden, dann aber nach und nach aufgegeben wurden.

Phantastische Darstellung der Belagerung der Burg Weinsberg und der Treuen Weiber 1140. Kupferstich von Zacharias Dolendo nach Jacques de Gheyn II, spätes 16. Jahrhundert
Phantastische Darstellung der Belagerung der Burg Weinsberg und der Treuen Weiber 1140. Kupferstich von Zacharias Dolendo nach Jacques de Gheyn II , spätes 16. Jahrhundert

Vermutlich um das Jahr 1000 wurde die Burg Weinsberg als Reichsburg auf einem Berg an der Handelsstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall errichtet. 1140 wurde die Burg von König Konrad III. im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen belagert und musste sich, nachdem das zu ihrer Befreiung herangeführte Entsatzheer Welfs VI. von den Staufern in einer Schlacht besiegt worden war, schließlich am 21. Dezember 1140 ergeben. Dem Bericht der Kölner Königschronik zufolge wurde den Frauen auf der Burg freier Abzug gewährt unter Mitnahme von dem, was jede tragen könne. Sie trugen ihre Männer herab, denen sie so das Leben retteten, da der König sich an sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber bekannt. Die Burg (heute Ruine) heißt aufgrund dieser Begebenheit Weibertreu.

Die Staufer setzten eine Ministerialenfamilie aus dem Gmünder Raum (Sitz in Lindach) als Verwalter auf der Burg ein, die sich bald nach ihrem Sitz „von Weinsberg“ ( Herren von Weinsberg ) nannte und bis 1450 die Burg als Reichslehen innehatte (mit Unterbrechungen im Nutzungsrecht). Es entstand eine Vorburgsiedlung an den Hängen des Burgberges. Eine an der Handelsstraße im Tal gelegene Marktsiedlung diente der Versorgung der Burg und der umliegenden Ortschaften. Um 1200 wurde auf Veranlassung der Herren von Weinsberg auch mit dem Bau der Johanneskirche zwischen diesen beiden Siedlungen begonnen.

Zur gleichen Zeit wurde vermutlich auch die Stadt Weinsberg gegründet und mit einer Stadtmauer umgeben. 1241 setzt die schriftliche Überlieferung ein mit der Erwähnung der Stadt in einem staufischen Einkünfteverzeichnis (sogenannte Reichssteuerliste), in dem Weinsberg an 29. Stelle aufgeführt ist, ebenbürtig mit Donauwörth, Wiesbaden, Offenburg und Konstanz. Wann Weinsberg das Stadtrecht erlangte, ist unbekannt. Es muss aber vor 1283 gewesen sein, da in diesem Jahr König Rudolf I. der Stadt Löwenstein das Stadtrecht verleiht nach dem Vorbild des Stadtrechtes, das seine Vorfahren der Stadt Weinsberg verliehen hatten. Zu Beginn war Weinsberg zur Hälfte Reichsstadt , zur anderen Hälfte im Besitz der auf der Burg Weinsberg residierenden Herren von Weinsberg, die in der Stadt umfangreiche Rechte wie z.B. das Kelterrecht, das Badstubenrecht und das Recht auf die Besetzung des Schultheißenamtes hatten. Diese Rechte und das Beharren der Stadt auf ihrem Status als Reichsstadt, den sie durch Beitritt zu verschiedenen Städtebünden bekräftigte, führten zu zahlreichen Streitereien zwischen Stadt und Herren.

Wachturm im SĂĽden der Kernstadt, ca. 1930er Jahre. Einer der wenigen Ăśberreste der Stadtmauer
Wachturm im SĂĽden der Kernstadt, ca. 1930er Jahre. Einer der wenigen Ăśberreste der Stadtmauer

Die im frühen 13. Jahrhundert errichtete Stadtmauer aus Buckelquadern um die Stadt schloss ursprünglich durch Schenkelmauern auch die Burg im Nordwesten mit ein. Im Gebiet zwischen diesen Schenkelmauern, unmittelbar unterhalb der Burg, standen Häuser für Priester, Ministeriale und Leibeigene der Herren. Vermutlich 1332 zerstörten die Weinsberger Bürger diesen Stadtteil und schlossen die Stadt im Westen gegenüber der Burg ab, wie Urkunden aus dem Jahr 1375 aussagen. In Ausnutzung der Abwesenheit zweier der drei Burgherren und gegen den Widerstand des dritten errichteten sie eine Mauer zwischen Burg und Stadt mit einem davorliegenden Graben, der als Burgweg heute noch existiert. Die Schenkelmauern wurden vermutlich gleichzeitig abgebrochen. Reste der Stadtmauer existieren noch im Norden und Nordosten des alten Stadtkerns; im Süden ist nur noch ein kleines Stück zu finden. Drei der Türme – Wolfsturm, Diebsturm (später Geisterturm genannt) und Küh-, Säu- oder Wachturm – sind ebenfalls noch erhalten, vom Wolfsturm in der Nordwestecke der Stadtbefestigung gleich bei der Kirche allerdings nur der Turmstumpf.

Die Streitereien mit den Herren dauerten an. Schließlich, am 22. Mai 1417, belehnte König Sigismund seinen Reichserbkämmerer Konrad IX. von Weinsberg mit der Stadt Weinsberg, die damit vom Status einer Reichsstadt zu einer den Weinsberger Herren unterstellten Landstadt abgewertet worden wäre. Die Stadt suchte Schutz in einem weiteren Städtebund, dem Weinsberger Bund vom 27. November 1420, in dem sich 33 Reichsstädte zum Schutz der Stadt Weinsberg zusammenschlossen.

Weil die Stadt sich weigerte, seine Herrschaft anzuerkennen, und auch die ihm zustehenden Abgaben nicht mehr zahlte, bewirkte Konrad IX. beim königlichen Hofgericht die am 10. Februar 1422 vom König bestätigte Acht über die volljährigen Bürger. Weil diese nichts bewirkte, folgte 1425 die Aberacht. Außerdem verhängte Papst Martin V. 1424 den Kirchenbann über sie. All das nutzte jedoch nichts, und Konrad griff zu drastischeren Maßnahmen. Er wollte die mit Weinsberg verbündeten schwäbischen Städte schädigen und erwarb zu diesem Zweck (durch Tausch gegen Weikersheim mit Pfalzgraf Otto I. von Pfalz-Mosbach ) die Stadt Sinsheim, durch die einer der Hauptwege zur Frankfurter Messe führte, an dem er damit Rechte erwarb. Im August 1428 überfiel er in Sinsheim zur Messe ziehende Kaufleute und setzte 149 Kaufleute aus 20 mit Weinsberg verbündeten Städten fest, davon allein 37 aus Ulm. Die Frankfurter Messe musste ausfallen. Der König empfand das als persönliche Beleidigung und entzog Konrad seine Gunst. Die Städte einigten sich zwar im Oktober 1428 in Heidelberg mit Konrad, der König verbot ihnen aber diese Einigung. Erst 1430 kam es zu einem neuerlichen Vergleich der Parteien auf Grundlage der zwei Jahre zuvor in Heidelberg erzielten Einigung, dem der König nun zustimmte. In diesem Vertrag musste Konrad die Stadt Weinsberg als (ungeteilte) Reichsstadt anerkennen.

Bereits 1440 verlor Weinsberg den Status der Reichsstadt wieder. Der 1596 in Frankfurt am Main erschienenen Schwäbischen Chronik (Paraleipomenos Rerum Sueuicarum Liber) des Tübinger Professors Martin Crusius zufolge soll es einer Schar von Rittern unter Führung von Kunz von Bebenburg und Hans von Urbach gelungen sein, einige Männer in einem großen Weinfass („Trojanisches Fass“) in die Stadt zu schmuggeln, die dann die Tore öffneten und so die Einnahme der Stadt ermöglichten. Am 16. September 1440 verkauften sie die Stadt für 3.000 Gulden an den Pfalzgrafen bei Rhein. Da Weinsberg die von diesem geforderte Auslöse von 7.966 Gulden nicht aufbringen konnte, wurde die Stadt Teil der Kurpfalz. 1450 kaufte der Pfalzgraf den Herren von Weinsberg die Burg und die ihnen noch verbliebenen Rechte in der Stadt ab und war damit alleiniger Besitzer Weinsbergs.

16. bis 19. Jahrhundert

1504 eroberte Herzog Ulrich von Württemberg im Landshuter Erbfolgekrieg Burg und Stadt Weinsberg nach dreiwöchiger Belagerung. Mit dem Uracher Vertrag von 1512 zwischen der Kurpfalz und Württemberg wurde Weinsberg dann auch offiziell württembergisch. 1520 wurde es wie ganz Württemberg österreichisch (bis 1534).

Die Gräfin Helfenstein bittet um Gnade für ihren Mann. Stich von Matthäus Merian d. Ä.
Die Gräfin Helfenstein bittet um Gnade für ihren Mann. Stich von Matthäus Merian d. Ä.

Im Bauernkrieg wurden am 16. April 1525 , Ostersonntag , Burg und Stadt von aufständischen Bauern eingenommen. Der in Weinsberg gefangen genommene Graf Ludwig von Helfenstein , Amtmann von Weinsberg und Obervogt über alle württembergische Bauern, wurde vor den Stadtmauern mitsamt seinen Rittern und Reisigen von den Bauern durch die Spieße gejagt und getötet. Dieses Weinsberger Blut-Ostern zog die Vergeltung des Schwäbischen Bundes nach sich, der Weinsberg am 21. Mai niederbrennen ließ. Die Stadt verlor ihre Freiheiten und das Stadtrecht, ihre Einkünfte gingen künftig direkt an die Obrigkeit. Die Bürger mussten eine jährliche Buße von 200 Gulden zahlen. Bis 1534 wurden zudem Sühnegelder für die Hinterbliebenen Helfensteins von den Weinsbergern eingetrieben. Es wurde verboten, die zerstörten Häuser wieder aufzubauen; das Verbot wurde aber noch im selben Jahr wieder aufgehoben. Der Urfehdebrief vom 17. November 1525, der dieses Verbot aufhob, bestimmte auch, dass die gesamte Stadtmauer mitsamt Türmen geschleift werden sollte, was aber nicht geschah. Nach der Rückkehr Ulrichs nach Württemberg 1534 huldigte ihm Weinsberg und nannte sich fortan wieder Stadt, wenngleich ein (neues, württembergisches) Stadtrecht erst 1553 von Herzog Christoph wieder verliehen wurde.

Im Schmalkaldischen Krieg wurde Weinsberg am 21. Dezember 1546 von Kaiser Karl V. ohne Kampfhandlungen eingenommen. In der Folge lagen von November 1549 bis Oktober 1551 spanische Truppen in der Stadt. Danach kehrte für mehrere Jahrzehnte Ruhe ein, die nur durch den Durchzug von Infektionskrankheiten – „ Englischer Schweiß “ (sudor anglicus) im Jahre 1529, Pest in den Jahren 1571, 1585, 1597 und 1612 – gestört wurde.

Der Marktplatz. Rechts das 1951–1953 neu erbaute Rathaus, am oberen Ende des Platzes das evangelische Dekanatsgebäude, darüber die Johanneskirche
Der Marktplatz. Rechts das 1951–1953 neu erbaute Rathaus, am oberen Ende des Platzes das evangelische Dekanatsgebäude, darüber die Johanneskirche

Im Dreißigjährigen Krieg lagen dann mehrfach Soldaten in Weinsberg. Im September 1634 fielen kaiserliche Truppen ein, plünderten die Stadt und ermordeten zehn Menschen. 1625 und 1635 suchte erneut die Pest die Stadt heim, die bis 1640 fast zwei Drittel ihrer Einwohner verlor. Ebenfalls 1635 schenkte Kaiser Ferdinand II. Stadt und Amt Weinsberg dem Grafen Maximilian von und zu Trauttmansdorff , der beide 1646 an Württemberg zurückgab. Aufgrund dieser Episode nennen sich seine Nachfahren bis heute von Trauttmansdorff-Weinsberg. 1649 bis 1742 gehörte Weinsberg (zusammen mit Möckmühl und Neuenstadt am Kocher) hälftig zur Herrschaft Württemberg-Neuenstadt . Während dieser Zeit wurde die Stadt am 19. August 1707 durch einen großen Brand zu zwei Dritteln zerstört und danach innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut, wobei das mittelalterliche Stadtbild mit engen Gassen wegen der Weiterverwendung der für den Weinbau wichtigen Keller weitgehend erhalten blieb – trotz anderer Wünsche der mit dem Wiederaufbau befassten herzoglichen Baumeister, die ihre barocken Ideale der geraden, breiten Straßen als Sichtachsen nur am Marktplatz durchsetzen konnten. 1755 wurde Weinsberg Sitz eines Oberamtes (Oberamt Weinsberg).

1784 wurde mit der Einrichtung eines (offenen) Feuertores beim südlichen Wachturm erstmals eine Bresche in die bis dahin lückenlose Stadtmauer geschlagen. 1803 wurden die noch vorhandenen Teile des Wehrgangs abgebrochen, ab 1805 in einem jahrzehntelangen Prozess nach und nach fast die gesamte restliche Stadtmauer. In zwei Schritten wurde 1811 und 1844/45 die Straße nach Heilbronn am westlichen Stadtausgang auf eine neue, weniger steile Trasse verlegt, wozu weitere Teile der Stadtmauer und auch einige Häuser abgerissen wurden.

Weinsberg zu Beginn des 19 Jahrhunderts. Lithographie.
Weinsberg zu Beginn des 19 Jahrhunderts. Lithographie.

1817 setzte in der Stadt eine Auswanderungswelle vor allem nach Nordamerika ein, die bis ins späte 19. Jahrhundert anhielt. Die Gründe waren zum einen wirtschaftlicher Art (z.B. durch Missernten verursachte Not), zum anderen aber auch politischer Natur. Der später berühmte Nationalökonom Friedrich List , damals noch württembergischer Rechnungsrat, wurde im Frühjahr 1817 nach Weinsberg geschickt, um die Gründe der Auswanderungswilligen zu erforschen. Ihm wurden hauptsächlich Bedrückung durch Feudalrechte (z.B. Fronen ) oder persönliche Bedrückung durch willkürlich handelnde Beamte genannt. Lists Bericht an die Regierung in Stuttgart findet seinen Höhepunkt in der Aussage, die Auswanderer „wollen lieber sklaven in Amerika seyn als bürger in Weinsperg.“ Erst Jahrzehnte später, 1892, wird in Weinsberg die letzte Auswanderung nach Nordamerika verzeichnet. Die Industrialisierung und der damit verbundene Wirtschaftsaufschwung verbesserten die Lage der Bürger.

Von 1819 bis zu seinem Tod 1862 lebte der Dichter und Arzt Justinus Kerner in Weinsberg. In seinem 1822 erbauten Haus, dem Kernerhaus, trafen sich oft mit ihm befreundete Dichter wie Ludwig Uhland , Gustav Schwab und Nikolaus Lenau und bescherten Weinsberg so den Ruf, ein „schwäbisches Weimar “ zu sein. Auch in der Heimat- und Denkmalpflege war Kerner tätig; er verhinderte den weiteren Abbruch der Burgruine und gründete für ihre weitere Instandhaltung zusammen mit 142 Weinsberger Frauen den Frauenverein Weinsberg, der 1824 vom württembergischen König Wilhelm I. mit der Burgruine belehnt wurde, die noch heute im Besitz des Vereins (inzwischen Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg) ist.

1860 bis 1862 wurde die Eisenbahnlinie von Heilbronn über Weinsberg nach Schwäbisch Hall (Hohenlohebahn) gebaut, bis 1867 deren Fortsetzung nach Crailsheim. Die Eisenbahn brachte den Fortschritt und mit einiger Verzögerung auch wirtschaftliche Prosperität in die Stadt. 1868 wurde nach jahrelangen Vorbereitungen eine Königliche Weinbauschule in Weinsberg eingerichtet, die unter anderem Namen bis heute besteht.

Historischer Stadtplan von Weinsberg, ca. 1914
Historischer Stadtplan von Weinsberg, ca. 1914

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts

Das erste Viertel des 20. Jahrhunderts sah die Gründung einiger Firmen, die sich hauptsächlich in zwei neu angelegten Gewerbegebieten in der Nähe des Bahnhofs ansiedelten und Güter wie Ziegel, Tabak, Möbel u.a. produzierten. 1903 wurde etwas außerhalb des Stadtgebietes die neu gebaute Königliche Heilanstalt (für Geisteskranke) eröffnet, die als Klinikum am Weissenhof heute der größte Arbeitgeber in der Stadt ist.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen unternahm es die württembergische Regierung 1923 erneut, die Zahl der Oberämter zu verringern. Auch diese Reform scheiterte und führte zum Rücktritt der Regierung. Die weitere politische Debatte führte schließlich zu einer Mini-Reform, der 1926 als einziges Oberamt das Oberamt Weinsberg zum Opfer fiel, das mit Wirkung vom 1. April gegen den heftigen Protest der Weinsberger aufgelöst und auf die umliegenden Oberämter verteilt wurde. Weinsberg selbst wurde dem Oberamt Heilbronn zugeteilt. Die ehemalige Oberamtsstadt verlor an Bedeutung, die Heilbronn im Gegenzug dazugewann.

Luftbild, ca. 1926. Links die Burgruine, in der Bildmitte die Johanneskirche, ganz hinten die Heilanstalt (heute Klinikum am Weissenhof)
Luftbild, ca. 1926. Links die Burgruine, in der Bildmitte die Johanneskirche, ganz hinten die Heilanstalt (heute Klinikum am Weissenhof)

Die Veränderung von Staat und Gesellschaft zur Zeit des Nationalsozialismus blieb auch in Weinsberg nicht ohne Folgen. Die Stadt versuchte, den 1926 durch die Auflösung des Oberamtes erlittenen Bedeutungsverlust durch neue Funktionen im nationalsozialistischen Staat zu kompensieren. So wurde 1934 der Plan verfolgt, Weinsberg zur „Hauptstadt der deutschen Frauentreue“ ernennen zu lassen. Ein diesbezüglicher Vorstoß bei Joseph Goebbels scheiterte jedoch. Ebensowenig von Erfolg gekrönt war der 1936 von Bürgermeister Weinbrenner an die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink gerichtete Vorschlag, auf der Burgruine Weibertreu eine Schulungsstätte der NS-Frauenschaft einzurichten und die Burg so „gleichsam zur Walhalla der deutschen Frauen“ zu erheben. Zum 800. Jahrestag der Treu-Weiber-Begebenheit im Jahr 1940 wurden ab 1938 große Festlichkeiten geplant, anlässlich derer die Burg doch noch als „Walhalla der deutschen Frau“ an die Reichsfrauenführerin übergeben werden sollte. Der Beginn des Krieges am 1. September 1939 machte die Planungen zunichte.

Das Militär lieĂź sich verstärkt in und um Weinsberg nieder. 1934 sollte der Exerzierplatz auf der Waldheide zwischen Heilbronn und Weinsberg vergrößert werden, wozu Weinsberg 80 ha Wald unentgeltlich abgeben sollte. Die Stadt konnte jedoch erreichen, dass zwar 66 ha Wald abgegeben werden mussten, aber nicht umsonst, sondern im Wege des regulären Verkaufs. Vom Erlös wurden 1936 141 ha Wald auf Gemarkung Gemmingen gekauft, die auch 70 Jahre danach noch im Besitz der Stadt Weinsberg sind. Im gleichen Jahr wurden auch im BrĂĽhltal im SĂĽden des Stadtgebietes 14 ha PrivatgrundstĂĽcke beschlagnahmt, um dort einen MilitärschieĂźplatz anzulegen. 1937 wurde schlieĂźlich am damaligen Stadtrand ein LandwehrĂĽbungslager errichtet, das dann zu Kriegszeiten ab 1940 bis Ende März 1945 als Offiziersgefangenenlager (Oflag V A) diente.

Wie fast überall in Deutschland, fanden auch in Weinsberg Verbrechen an Behinderten und Juden statt. Im Rahmen der Aktion T4 wurden im Jahr 1940 mindestens 422 Personen aus der Weinsberger Heilanstalt nach Grafeneck gebracht, wo sie ermordet wurden. Später war die Heilanstalt eine der der Anstalt Hadamar zugeordneten Zwischenanstalten, wo Geisteskranke gesammelt und dann zur Tötung nach Hadamar gebracht wurden. 1942 wurden zwei Juden aus Weinsberg ins Ghetto Theresienstadt deportiert.

Im Zweiten Weltkrieg kam Weinsberg lange Zeit (mit Ausnahme der aus Weinsberg stammenden Gefallenen) relativ ungeschoren davon und konnte sogar viele Ausgebombte aus dem am 4. Dezember 1944 stark zerstörten Heilbronn aufnehmen. In der Endphase des Krieges, am 12. April 1945, wurde die Stadt dann doch noch durch Artilleriebeschuss und Bombardierung und die daraus resultierenden Brände großteils zerstört. Insgesamt 15 Menschen starben. 330 Häuser brannten ab, auch das Rathaus und mit ihm das Stadtarchiv, das schon bei den Bränden 1525 und 1707 dezimiert worden war. Weitere wichtige Quellen zur Stadtgeschichte gingen verloren.

Im vormaligen Landwehrübungs- und Kriegsgefangenenlager wurden von den Siegermächten nach Kriegsende ehemalige Zwangsarbeiter und andere Displaced Persons untergebracht. 1953 wurde das Lager umfunktioniert zu einem Landesdurchgangslager für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten, das noch bis zum 30. November 1972 existierte. Auch Bundespräsident Horst Köhler lebte als Kind für einige Tage hier. Viele Flüchtlinge aus dem Lager ließen sich permanent in Weinsberg nieder und trugen zum Wiederaufbau der Stadt in den späten Vierziger- und den Fünfzigerjahren bei. Bis 1955 war der Wiederaufbau mit 450 Neubauten oder wieder aufgebauten Gebäuden im Wesentlichen abgeschlossen.

In den 1960er- und 1970er-Jahren veränderte der Bau zweier Autobahnen und des Autobahnkreuzes die Stadt in bis dahin ungekanntem Ausmaß. Weinsberg war nun aus allen Himmelsrichtungen bequem und schnell per Automobil zu erreichen, sah sich aber auch zunehmend Verkehrslärm in bislang unbekanntem Ausmaß ausgesetzt, was Lärmschutzmaßnahmen notwendig machte.

Als Auswirkung der baden-württembergischen Kreis- und Gemeindereform schlossen sich am 21. Dezember 1971 Weinsberg, Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld zum Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg zusammen. 1973 wurde Grantschen, 1975 wurden Gellmersbach und Wimmental nach Weinsberg eingemeindet.

Religionen

Johannes Oekolampadius
Johannes Oekolampadius

Weinsberg ist seit der Reformation überwiegend evangelisch . Die Stadt war Hauptort des 1291 erstmals erwähnten Landkapitels Weinsberg des Bistums Würzburg, das 52 Pfarreien umfasste, u.a. Heilbronn.

1510 bis 1518 hatte Johannes Oekolampadius, der spätere Reformator Basels, eine Prädikantenstelle an der Weinsberger Johanneskirche inne. In Weinsberg erregte er mit seinen reformorientierten Predigten aber Anstoß und verließ die Stadt daher.

1520 kam der Heilbronner Erhard Schnepf als erster ausgesprochen evangelischer Prediger nach Weinsberg. 1522 wurde er von der österreichischen Regierung vertrieben. Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs nach Württemberg, 1534, führte Schnepf im Auftrag des Herzogs die Reformation in Württemberg durch. In Weinsberg kam diese Aufgabe dem Pfarrer Johann Geyling zu, der 1548 als Folge des Interims (Versuch einer Rekatholisierung mit geringfügigen Zugeständnissen) abgesetzt wurde. Nach dem Ende des Interims 1552 setzte sich die Reformation in Weinsberg endgültig durch.

Weinsberg wurde Teil und zunächst auch Hauptort eines evangelischen Kirchenbezirks . 1586 wurde dessen Hauptort nach Möckmühl, 1612 nach Neuenstadt am Kocher verlegt, bis schließlich 1710 ein neuer Kirchenbezirk mit Hauptort Weinsberg errichtet wurde. Von 1752 bis 1759 war der Pietist Friedrich Christoph Oetinger Dekan in Weinsberg. Während dieser Zeit entstand sein Weinsberger Predigtbuch.

Nach verschiedenen Änderungen entsprach der evangelische Kirchenbezirk Weinsberg ab 1812 dem politischen Oberamt Weinsberg und blieb von dessen Auflösung 1926 unberührt, so dass die heutigen Grenzen des Dekanats Weinsberg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die früheren politischen Grenzen widerspiegeln. Die Evangelische Kirchengemeinde Weinsberg hat heute 4.700 Mitglieder (Stand: Oktober 2004). Ihre Kirche ist die Johanneskirche. Gellmersbach hat seine eigene Kirchengemeinde, die Evangelische Kirchengemeinde St. Leonhardskirche Gellmersbach. Die evangelischen Christen in Grantschen und Wimmental gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde (Obersulm-) Sülzbach, die 1.686 Mitglieder hat, davon 530 aus Grantschen und 150 aus Wimmental (Stand: Oktober 2002).

Die 1951 bis 1954 neu erbaute katholische Kirche
Die 1951 bis 1954 neu erbaute katholische Kirche

Wimmental war zwar ab 1504 unter württembergischer Oberhoheit, aber Besitz des Klosters Schöntal und nahm deshalb nicht an der Reformation teil. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner ist auch heute noch katholisch . Für sie gibt es eine eigene katholische Kirchengemeinde, die Katholische Kirchengemeinde St. Oswald Wimmental, die auch für Grantschen und die zwei Weinsberger Nachbargemeinden Ellhofen und Lehrensteinsfeld zuständig ist und gegenwärtig 1.600 Mitglieder hat (Stand: 2003). In Weinsberg selbst wurden erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs, durch Zuwanderung von Flüchtlingen, Katholiken in nennenswerter Anzahl ansässig. Als Folge wurde die Katholische Kirchengemeinde St. Josef Weinsberg gegründet, die auch für Gellmersbach, das Klinikum am Weissenhof und die Nachbargemeinde Eberstadt zuständig ist. 1951 bis 1954 wurde die katholische Josefskirche neu gebaut. Gegenwärtig hat die Kirchengemeinde St. Josef 2.877 Mitglieder (Stand: 2003).

Eine jüdische Gemeinde gibt und gab es in Weinsberg nicht; es sind in der Weinsberger Geschichte aber vereinzelt Juden nachgewiesen. 1298 waren Weinsberger Juden von der Rintfleisch-Verfolgung betroffen. 1418 zahlten Juden in Weinsberg 100 Gulden Judensteuer an Konrad von Weinsberg. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden wieder vereinzelt jüdische Familien ansässig, es gab aber keine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Patienten der 1903 erbauten Heilanstalt wurden von Rabbinern aus Heilbronn betreut. Am 22. August 1942 wurden mit einem großen Eisenbahn-Transport zumeist betagte Juden aus dem Stuttgarter Raum und dem Kreis Heilbronn ins Ghetto Theresienstadt gebracht, darunter auch zwei Juden aus Weinsberg.

Neuapostolische Christen sind seit etwa 1920 in Weinsberg ansässig. Eine eigene Kirchengemeinde wurde 1931 gegründet, ein neugebautes Kirchengebäude am 29. Mai 1965 eingeweiht. Die neuapostolische Kirchengemeinde Weinsberg gehört zum Kirchenbezirk Heilbronn-Pfühl der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und hat 182 Mitglieder (Stand: Jahresende 2004).

Die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde Weinsberg hat ein Einzugsgebiet von Neckarsulm bis ins Sulmtal und etwa 70 Mitglieder (Stand: 2003). Erste methodistische Prediger kamen 1851 von Heilbronn nach Weinsberg; ein eigener Gemeindebezirk wurde 1884 geschaffen.

Weitere in Weinsberg vertretene Konfessionen und Religionen sind u.a.:

  • Baptisten (i.d.R. Spätaussiedler )
  • Zeugen Jehovas
  • Muslime (i.d.R. TĂĽrken bzw. tĂĽrkischstämmige Deutsche)

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden wurden nach Weinsberg eingemeindet (Stand der Einwohnerzahlen Oktober 2004):

Gellmersbach

Hauptartikel: Gellmersbach

Gellmersbach entschied sich im Dezember 1974 fĂĽr die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg und wurde zum 1. Januar 1975 eingemeindet. Der Ort hat heute 953 Einwohner.

Grantschen

Hauptartikel: Grantschen

Die Grantschener Bürger entschieden sich in einer Bürgeranhörung am 26. März 1972 für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg. Der Ort wurde am 1. Januar 1973 eingemeindet und hat heute 839 Einwohner.

Wimmental

Hauptartikel: Wimmental

Die Wimmentaler Bürger entschieden sich in einer Bürgeranhörung am 20. Januar 1974 für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg. Der Ort wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet und hat heute 589 Einwohner.

Jahr Einwohner
1525 1.200
1620 1.600
1640 540
1670 1.060
1800 1.450
1810 1.634
1820 1.770
1830 1.904
1840 2.039
1845 2.148
1858 2.080
1900 2.479
1907 3.097
1920 3.389
1930 3.600
1939 4.555
1947 5.665
1952 5.837
1955 8.249
1960 6.979
1965 6.993
1970 7.392
1975 8.287
1980 8.799
1985 9.155
1990 10.009
1995 11.070
2000 11.350

Einwohnerentwicklung

Konkrete Bevölkerungszahlen werden erstmals mit einem überlieferten Herdstellenverzeichnis von 1525 zugänglich, das 224 Haushalte verzeichnet. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Haushaltsgröße von fünf Personen plus Gesinde entspricht das etwa 1.200 Einwohnern. Trotz der Heimsuchung durch mörderische Infektionskrankheiten – „ Englischer Schweiß “ (sudor anglicus) im Jahre 1529, Pest 1571, 1585, 1597 und 1612 – zählte die Bevölkerung im Jahr 1620 1.600 Personen. Durch den Dreißigjährigen Krieg und weitere Pestepidemien 1625 und 1635 schrumpfte sie auf 540 Einwohner im Jahre 1640. 1670 zählte die Stadt etwa 1.060 Bewohner, und erst 1810 wurde die Zahl von 1600 Einwohnern wieder überschritten. 1840 wurden dann 2.000 Personen erreicht, woran sich in der Folgezeit nicht viel änderte: Die Beschreibung des Oberamts Weinsberg vermeldet für den 3. Dezember 1858 2.080 Bewohner. 1907, nach der 1903 erfolgten Eröffnung der Königlichen Heilanstalt, lebten 3.097 Einwohner in Weinsberg, davon 654 in der Heilanstalt.

Die Eröffnung des Lagers für Displaced persons, später Landesdurchgangslager für Ostflüchtlinge, ließ die Einwohnerzahl in die Höhe schnellen; zeitweise lebten noch einmal halb so viele Flüchtlinge in Weinsberg wie eigentliche Stadteinwohner, 1955 z.B. 2.616 Lagerbewohner gegenüber 4.982 eigentlichen Stadteinwohnern und 651 Einwohnern des Landeskrankenhauses. Etliche dieser Flüchtlinge ließen sich auch in Weinsberg nieder, was zu Beginn der 1960er-Jahre bei abnehmendem Bevölkerungsstand im Lager zu einer Zahl von etwa 7.000 Einwohnern führte. Es folgte ein stetiges Wachstum, bis Ende 1972 durch die Schließung des Landesdurchgangslagers ein leichter Rückgang eintrat, der aber 1973 und 1975 durch die Eingemeindungen kompensiert wurde. In den 1990er -Jahren wurde erstmals die Zahl von 11.000 Einwohnern erreicht. Bis heute verzeichnet Weinsberg einen leichten Bevölkerungszuwachs durch Zuzug und weist deshalb noch neue Baugebiete aus.

Ausländer sind in Weinsberg in nennenswerter Anzahl erst seit Eintreffen der Gastarbeiter in Deutschland ansässig. Die meisten von ihnen kommen aus klassischen Gastarbeiter-Ländern wie der TĂĽrkei , Italien und Griechenland . Ihr Anteil hat sich seit Jahren um die 10 % eingependelt und betrug 2003 9,8 %, nicht mitgezählt jene, die inzwischen die deutsche StaatsbĂĽrgerschaft angenommen haben. Ebenfalls in dieser Zahl nicht berĂĽcksichtigt sind die seit 1989 in größerer Zahl auch in Weinsberg aufgenommenen Spätaussiedler , die zwar aus dem Ausland kommen, rechtlich gesehen aber Deutsche sind.

Zur Tabelle: Frühe Zahlen sind Schätzungen, Geschichtsquellen oder der Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 entnommen. Spätere Zahlen entstammen amtlichen Zählungen oder Fortschreibungen und sind im Wesentlichen dem Jahrbuch für die Stadt Weinsberg entnommen. Ab 1907 mit Heilanstalt bzw. Krankenhaus/Klinikum, 1947 bis 1970 mit Landesdurchgangslager, ab 1975 mit eingemeindeten Ortsteilen.

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Einwohnerentwicklung Weinsbergs 1525 bis 2004

Politik

Gemeinderat und Ortschaftsräte

Der Weinsberger Gemeinderat hat regulär 22 Sitze, wie in der Gemeindeordnung Baden-Württembergs für eine Kommune der Größe Weinsbergs vorgesehen. 16 Sitze sind für die Kernstadt und jeweils zwei für die drei Ortschaften Gellmersbach, Grantschen und Wimmental reserviert. Die Wahlvorschläge der Parteien und Wählervereinigungen enthalten getrennte Listen für die vier einzelnen Wohnbezirke (Weinsberg, Gellmersbach, Grantschen, Wimmental) oder auch nur Listen für manche der Wohnbezirke, z.B. wenn sich für die anderen keine Kandidaten finden. Jeder Wahlberechtigte kann aber nicht nur über Kandidaten seines jeweiligen Wohnbezirks abstimmen, sondern über die Kandidaten aus allen Wohnbezirken (sog. Unechte Teilortswahl). Konkret heißt das, dass auch die Wahlberechtigten der Kernstadt darüber abstimmen, wer jede der Ortschaften im Gemeinderat vertritt, und umgekehrt.

Blick von Heilbronn auf den Schemelsberg (links) und Burgberg
Blick von Heilbronn auf den Schemelsberg (links) und Burgberg

Durch dieses komplizierte Kommunalwahlrecht können sich Ausgleichssitze ergeben, wenn ein Wahlvorschlag in einem Wohnbezirk eine bedeutend höhere Zustimmung erfährt als im Gesamtergebnis. So auch bei der Gemeinderatswahl 2004 in Weinsberg: Die CDU war in den Ortschaften erfolgreicher als insgesamt und konnte jeweils einen der zwei pro Ortschaft reservierten Sitze erringen. Freie Wähler und SPD erhielten jeweils einen Ausgleichssitz, so dass der Gemeinderat in der Wahlperiode 2004–2009 24 Mitglieder hat. Die Mitglieder des Gemeinderats tragen als Person jeweils den Titel Stadtrat (StR) oder Stadträtin (StR'in).

Dominierende Fraktion im Weinsberger Gemeinderat ist seit ihrem ersten Antreten im Januar 1951 die Freie Wählervereinigung Weinsberg 1950. Auch SPD und CDU sind seit Jahrzehnten vertreten. Die SPD, in den 1950ern und 1960ern zweitstärkste Fraktion (von zweien) mit bis zu 40 % der Mandate, war noch bis 1975 stärker vertreten als die CDU, die 1971 zum ersten Mal ĂĽberhaupt zu Gemeinderatswahlen angetreten war, von den Eingemeindungen dann aber stark profitieren konnte und seitdem die zweitstärkste Fraktion stellt. Vierte Fraktion waren von 1984 bis 1994 Die GrĂĽnen und in deren Nachfolge ab 1994 die Unabhängige Liste Weinsberg, die aber bei der Wahl 2004 nicht mehr genĂĽgend Kandidaten fand und deswegen nicht mehr antrat. Die aktuelle Sitzverteilung ist wie folgt:

  • Freie Wählervereinigung Weinsberg 1950 (FWV): 11 Sitze
  • CDU: 8 Sitze
  • SPD: 5 Sitze
    (Ergebnis der Wahl vom 13. Juni 2004)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der BĂĽrgermeister.

In jeder der drei Ortschaften gibt es einen bei jeder Kommunalwahl von der wahlberechtigten Bevölkerung zu wählenden Ortschaftsrat . Die Ortschaftsräte haben jeweils sechs Mitglieder. Auf ihren Vorschlag hin wählt der Gemeinderat für jede Ortschaft einen ehrenamtlichen Ortsvorsteher . Diese Gremien sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.

Seit der Wahl 2004 ist die FWV im Ortschaftsrat Grantschen mit vier Mitgliedern, in Gellmersbach und Wimmental mit drei Mitgliedern vertreten. Entsprechend stellt die CDU in Grantschen zwei, in Gellmersbach und Wimmental drei Mitglieder. Andere Wahlvorschläge als FWV oder CDU gab es keine.

Luftbild Weinsbergs von 1914. Links oben die Burgruine, oberhalb der Bildmitte die Johanneskirche.
Luftbild Weinsbergs von 1914. Links oben die Burgruine, oberhalb der Bildmitte die Johanneskirche.

Die Ortsvorsteher sind ab 2004:

  • Gellmersbach: Siegfried Stegherr
  • Grantschen: Ludwig Hoch
  • Wimmental: Hugo Baum

BĂĽrgermeister

BĂĽrgermeister der Stadt Weinsberg ist seit April 2004 Stefan Thoma, der am 15. Februar 2004 im zweiten Wahlgang mit 43,36 % der Stimmen fĂĽr acht Jahre gewählt wurde. Noch im ersten Wahlgang hatte er auf dem dritten Platz gelegen, konnte sich bei der Wiederholung, bei der einige Kandidaten nicht mehr antraten, dann aber durchsetzen.

FrĂĽhere BĂĽrgermeister der Stadt Weinsberg waren u.a.:

  • Walter Kuhn (1996–2004)
  • JĂĽrgen Klatte (1972–1996)
  • Erwin Heim (1948–1972)
  • Karl Rebmann (1945–1946)
  • Karl Weinbrenner (1924–1945)
  • Carl Seufferheld (StadtschultheiĂź, 1872–1914)
Wappen auf dem Marktbrunnen
Wappen auf dem Marktbrunnen

Wappen und Flagge

Das Weinsberger Wappen zeigt: In gespaltenem Schild vorne in Silber ein rotbewehrter und rotbezungter halber schwarzer Adler am Spalt, hinten in Blau auf goldenem Berg ein goldener Rebstock an goldenem Pfahl.

Die Bestandteile des Weinsberger Wappens (Weinstock als redendes Zeichen, Reichsadler als Zeichen der Reichsunmittelbarkeit) waren beide als Symbole der Stadt im Gebrauch, bis sie im 16. Jahrhundert in einem Wappen vereinigt wurden. In seiner heutigen Form wurde das Wappen 1958 von der Stadt festgelegt und am 12. Februar vom Innenministerium des Landes Baden-Württemberg bestätigt.

Die Weinsberger Stadtfarben sind Blau-WeiĂź.

Partnerstädte
Partnerstädte

Städtepartnerschaften

Partnerstädte bzw. -gemeinden Weinsbergs sind Carignan in Frankreich (seit 9. April 1995) und Costigliole d'Asti in Italien (seit 23. September 2000). Beziehungen (ohne offizielle Städtepartnerschaft) bestehen auch zu Cossebaude bei bzw. in Dresden. Das Justinus-Kerner-Gymnasium unterhält darüber hinaus Beziehungen (Schüleraustausch) zur South Wolds Community School in Keyworth ( Nottinghamshire ), Großbritannien , die Realschule Weinsberg zur Wellcome Memorial High School in Lake Crystal ( Minnesota ), USA .

Kultur und SehenswĂĽrdigkeiten

Theater

Der 1994 gegründete Theaterverein Weinsberg zeigt jedes gerade Jahr im Rahmen der Weibertreu-Festspiele Freilichttheater auf der Burgruine Weibertreu und in unregelmäßigen Abständen auch Zimmertheaterproduktionen.

Museen

Das Weibertreu-Museum im Rathaus beherbergt eine große Anzahl von Kunstwerken zu Weinsberg und seiner Geschichte. Es kann Sonntag und Dienstag bis Donnerstag von 14–17 Uhr kostenlos besichtigt werden.

Das Kernerhaus
Das Kernerhaus

Das Kernerhaus ist das 1822 erbaute Wohnhaus des Dichters und Arztes Justinus Kerner und später seines Sohnes Theobald Kerner , das 1907 vom Justinus-Kerner-Verein gekauft und im Folgejahr als Museum zugänglich gemacht wurde. Geöffnet Dienstag bis Sonntag (außer am ersten Sonntag im Monat) von 14–17 Uhr.

In der Nähe des Kernerhauses befindet sich das Alexanderhäuschen, Justinus Kerners Gästehaus, benannt nach Alexander von Württemberg . Geöffnet nach Voranmeldung.

Die Dokumentationsstätte Lager Weinsberg ist in der letzten noch erhaltenen Baracke des ehemaligen Lagers Weinsberg untergebracht, das von 1937 bis 1972 nacheinander als Landwehrübungslager, Kriegsgefangenenlager, Lager für Displaced Persons und Flüchtlingslager diente. Geöffnet ist es jeden ersten Sonntag im Monat von 14–17 Uhr; Eintritt frei.

Musik

Weinsberg hat eine städtische Musikschule. Den diversen Kirchengemeinden sind verschiedene Chöre und Orchester angegliedert oder lose angeschlossen, u.a. der Coro Allegro und der Herrenchor Weinsberg. Außerdem gibt es noch die in einer Stadt von der Größe Weinsbergs üblichen Musikvereine, nämlich den Liederkranz Urbanus Weinsberg, die Singvereinigung Weibertreu Weinsberg und die Stadtkapelle – Musikverein Weinsberg sowie in den Stadtteilen den Sängerbund Gellmersbach und den Gesangverein Urbanus Wimmental 1910.

Auch der international bekannte Jazzkontrabassist und Bandleader Jan Jankeje wohnt in Weinsberg.

Bauwerke

Der Wachturm von SĂĽden
Der Wachturm von SĂĽden

Römerbad (Überreste einer römischen villa rustica)

Das Weinsberger Römerbad, das 1906 beim Pflanzen eines Baumes zufällig entdeckt und ausgegraben wurde, war im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Teil eines römischen Gutshofs an der Römerstraße zwischen Heilbronn-Böckingen und Öhringen und zählt heute zu den ältesten Zeugnissen römischer Geschichte in Baden-Württemberg. 1977 wurde die restliche Anlage, soweit nicht überbaut, freigelegt und von der Stadt restauriert. Sie kann ganzjährig kostenlos besichtigt werden.

Burgruine Weibertreu

Hauptartikel: Burgruine Weibertreu

Die Burgruine Weibertreu, auf dem Burgberg oberhalb der Stadt gelegen, wurde wahrscheinlich im 11. Jahrhundert erbaut. Sie kann gegen Eintritt besichtigt werden.

Wachturm

Der Wachturm wurde als Teil der südlichen Stadtmauer um 1200/1210 aus für die Stauferzeit typischen Buckelquadern erbaut. Andere Namen des Turms waren Kühturm, Säuturm oder Saubachturm. Er ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt und wurde errichtet, um die Stadtverteidigung an dieser Stelle zu verbessern, die sich außer auf die Stadtmauer nur auf einen oft fast ausgetrockneten Wassergraben stützen konnte, der vom Stadtseebach bzw. Saubach gespeist wurde. Die der Stadt zugewandte Nordseite des Turms wurde vermutlich zunächst offen gelassen und erst später mit einer Fachwerkwand geschlossen. Beim großen Stadtbrand von 1707 blieb der Turm unversehrt. Für 1784 ist seine Nutzung als Unterkunft für Arme überliefert. 1853 geriet er in Brand und brannte aus, wurde aber noch im selben Jahr wieder instandgesetzt. Noch bis 1857 befand sich hier auch die Wachstube der städtischen Nachtwächter. Im Lauf der Jahre wurde er außerdem als Wohnung des Hochwächters, Gefängnis, Armenunterkunft und Jugendherberge genutzt. Im Glockenstuhl im obersten Stockwerk hängt heute die Glocke der ehemaligen, 1975 abgerissenen evangelischen Kirche des Lagers Weinsberg. Nach einer umfassenden Sanierung des Turms in den Jahren 1986/1987 sind im Wachturm heute u.a. verschiedene Vertriebenen-Landsmannschaften untergebracht. Sie unterhalten im Turm eine Heimatstube, die jeden ersten Sonntag im Monat von 14–17 Uhr kostenlos besichtigt werden kann.

Die Johanneskirche von Süden. Links unten vor der Kirche das Gebäude des ev. Dekanats
Die Johanneskirche von Süden. Links unten vor der Kirche das Gebäude des ev. Dekanats

Evangelische Johanneskirche

Die Johanneskirche am Ökolampadiusplatz ist die Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Weinsberg. Das romanische Langhaus wurde um 1200/1210 wahrscheinlich im Auftrag der Herren von Weinsberg erbaut, eines staufischen Ministerialengeschlechts , das auch das Patronatsrecht hatte. Der Turm in der Mitte wurde vermutlich um 1230/1240 hinzugefügt; der gotische Ostchor um 1350. An der Südseite der Kirche ist eine Gedenkplatte für Johannes Oekolampadius angebracht, den Reformator von Basel, der zuvor hier als Pfarrer wirkte; an der Ostseite des Ostchores befindet sich das Weinsberger Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges . Bei der Zerstörung der Stadt im Bauernkrieg 1525 brannte die Kirche aus und wurde danach wieder aufgebaut. Der Turm, beim Weinsberger Blut-Ostern 1525 noch Zuflucht einiger Adeliger, büßte beim Wiederaufbau ein Stockwerk ein. Die späteren Zerstörungen der Stadt durch Brände 1707 und 1945 überstand die Kirche unversehrt.

Die Kirche ist im Sommer täglich, sonst nach Voranmeldung zu besichtigen.

Sport

Größter Sportverein und auch größter Verein Weinsbergs überhaupt ist der TSV 1866 e.V. Weinsberg, der mit zahlreichen Abteilungen u.a. diverse Ballspiele (Fußball, Handball u.a.), Leichtathletik, Turnen, Gymnastik und Reiten anbietet. Außerdem gibt es noch den Fischereiverein Weinsberg, den Radsportverein Weinsberg, die Schützengilde 1862 Weinsberg, die Tauchergruppe Weinsberg, den Tennis-Club Weinsberg e.V. 1960 sowie in den Stadtteilen den Reitverein Gellmersbach, den Schützenverein Gellmersbach, die Sportfreunde Gellmersbach und den TV Grantschen 1907.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr findet seit 1977 an einem Juni-Wochende in der Altstadt unter freiem Himmel das Stadtfest statt, bei dem man im Wesentlichen essen, trinken, sich unterhalten und der Musik von Stadtkapelle und anderen Musikkapellen lauschen kann. Es gibt aber auch ein kleines kulturelles Rahmenprogramm.

Ähnlich präsentiert sich der Weibertreu-Herbst, auch bekannt als Herbstfest, das alljährlich an einem Wochenende im September oder Oktober auf dem Festplatz auf dem Grasigen Hag (nördlich der Johanneskirche) stattfindet. Das Festgeschehen findet hier im Festzelt statt. Außerdem gibt es noch eine Auswahl von Fahrgeschäften , Losbuden etc.

In unregelmäßigen Abständen, zuletzt 1994 und 2000, zieht am Wochenende des Herbstfestes ein historischer Festzug durch die Stadt. Abordnungen der Vereine repräsentieren in historischen Kostümen die Weinsberger Geschichte, die Schul- und Kindergartenkinder laufen mit; auch Fanfarenzüge aus der näheren und weiteren Umgebung, Abordnungen der Weinsberger Partnerstädte usw. sind präsent.

Im Sommer jedes geraden Jahres finden seit 1996 auf der Burgruine Weibertreu die Weibertreu-Festspiele mit Theater und Gastspielen statt. Veranstalter ist der Theaterverein Weinsberg.

Wirtschaft und Infrastruktur

Herbstliche Weinberge auf dem Schemelsberg, vom Burgberg aus gesehen
Herbstliche Weinberge auf dem Schemelsberg, vom Burgberg aus gesehen

Weinbau

Der Weinbau war, wie der Stadtname zeigt, in frĂĽheren Zeiten die Grundlage der Weinsberger Wirtschaft und spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. 1271 wurde der Weinbau in Weinsberg erstmals erwähnt, 1636 sind 28 Keltern in der Stadt nachgewiesen. Mit 429 ha Rebfläche (davon ca. 2/3 rote Rebsorten ) steht Weinsberg heute an fĂĽnfter Stelle der Weinbaugemeinden im Weinbaugebiet WĂĽrttemberg . 1868 wurde die Weingärtnergenossenschaft Weinsberg gegrĂĽndet, die sich am 14. Juni 1972 mit den Weingärtnergenossenschaften aus Erlenbach und Heilbronn zur Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg e.G. (heute auf Erlenbacher Gemarkung gelegen) zusammenschloss, der auch heute noch die meisten Weinsberger Weinbauern angeschlossen sind. Es gibt aber auch einige Selbstvermarkter, d.h. WeingĂĽter, die ihren Wein selbst ausbauen und vermarkten. Grantschen hat seine eigene WG, die 1947 gegrĂĽndete Weingärtnergenossenschaft Grantschen, die auch fĂĽr Weingärtner aus Ellhofen zuständig ist und der sich 1994 die 1948 gegrĂĽndete Weingärtnergenossenschaft Wimmental anschloss. Die ehemalige WG Gellmersbach ist 1995 in der WG Eberstadt aufgegangen. AuĂźerdem gibt es in der Stadt die 1868 gegrĂĽndete Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt fĂĽr Wein- und Obstbau (LVWO oder kurz Weinbauschule), die ausbildet und ihren Wein als Staatsweingut Weinsberg vermarktet. Seit dem 19. Januar 1957 ist zudem die Bundesfachschule fĂĽr das WeinkĂĽferhandwerk in Weinsberg ansässig, die jedes Jahr einen Vorbereitungslehrgang auf die MeisterprĂĽfung in diesem Handwerk durchfĂĽhrt. Seit 1972 ist schlieĂźlich auch der Weinbauverband WĂĽrttemberg in Weinsberg ansässig.

Das Weinsberger Kreuz von der Burgruine (SĂĽdwesten) aus gesehen
Das Weinsberger Kreuz von der Burgruine (SĂĽdwesten) aus gesehen

Verkehr

Auf Weinsberger Gebiet im Sulmtal liegt das ab 1966 erbaute Weinsberger Kreuz , wo sich die Autobahnen A 6 (NĂĽrnberg–Heilbronn–Mannheim) und A 81 (Stuttgart–WĂĽrzburg) kreuzen. Die A 81 Richtung WĂĽrzburg ist wenig befahren, die anderen drei Strecken dafĂĽr umso mehr. Besonders die in Ost-West-Richtung fĂĽhrende A 6 ist seit der Ă–ffnung des Ostblocks oftmals dem Verkehrsinfarkt nahe mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von im Jahre 2001 bis zu 102.000 Fahrzeugen (Strecke Weinsberg–Walldorf), davon etwa 30 % Lkws , einer der höchsten Anteile im deutschen Autobahnnetz. Der sechsspurige Ausbau der bislang noch vierspurigen A 6 ist seit langem dringender Wunsch der ganzen Region Heilbronn, die deshalb in einem bis dahin beispiellosen Schritt auch die Vorfinanzierung der Ausbauplanung vom Weinsberger Kreuz bis zur bayerischen Grenze ĂĽbernommen hat. Als vorĂĽbergehende Abhilfe bis zum Ausbau, der zugesagt, aber nicht terminiert ist, wurden die Standstreifen der A 6 zu behelfsmäßigen Fahrstreifen ummarkiert.

Die stark befahrene BundesstraĂźe B 39 (Heilbronn–Schwäbisch Hall) fĂĽhrte frĂĽher in West-Ost-Richtung mitten durch die Stadt und teilte Weinsberg praktisch in einen Nord- und einen SĂĽdteil. Die Ăśberquerung der B 39 abseits von Ampeln war fast unmöglich, so dass ĂĽber Jahrzehnte der Wunsch nach einer UmgehungsstraĂźe wuchs, die am 13. Juli 1990 schlieĂźlich eingeweiht wurde. Von Heilbronn kommend, durchquert sie im Westen den Schemelsberg in einem Tunnel, umgeht Weinsberg im Norden entlang der Trasse der A 6 und trifft schlieĂźlich im Osten, Richtung Ellhofen, wieder auf die alte B 39. Die alte Strecke der B 39 durch den Stadtkern wurde verkehrsberuhigt. An der Markungsgrenze zu Ellhofen zweigt der Autobahnzubringer B 39a nach SĂĽden ab, der zur Autobahnanschlussstelle Weinsberg an der A 81 (sĂĽdlich des Weinsberger Kreuzes) fĂĽhrt.

Weinsberg ca. 1938. Etwas unterhalb der Bildmitte ist die Hohenlohebahn zu erkennen.
Weinsberg ca. 1938. Etwas unterhalb der Bildmitte ist die Hohenlohebahn zu erkennen.

Weinsberg liegt auch an der 1860 bis 1862 erbauten Hohenlohebahn von Heilbronn über Öhringen nach Schwäbisch Hall. Neben normalen Zügen fahren auch von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft betriebene Stadtbahnen von Heilbronn nach Öhringen und stellen so die Anbindung an das Karlsruher Stadtbahnnetz her. Die früher nicht elektrifizierte Strecke, in die schon lange nichts mehr investiert worden war und die sich signaltechnisch noch auf einem Stand von 1900 befand, wurde zu diesem Zweck bis Öhringen erstmals mit einer Oberleitung versehen. Außerdem werden neue Haltepunkte gebaut; in Weinsberg sind dies die Haltepunkte Weinsberg West (in Betrieb ab 2007) und Weinsberg/Ellhofen Gewerbegebiet (ab Frühjahr 2006), sodass Weinsberg zusammen mit dem Haltepunkt Weinsberg Bahnhof über drei Haltestellen verfügen wird. Von Juni 2003 bis Dezember 2005 wurde die Hohenlohebahn wegen der Umbauten von Heilbronn bis Öhringen im Schienenersatzverkehr betrieben.

Ansässige Unternehmen

In Weinsberg sind zwei größere Firmen der Metallbranche ansässig. Die Vollert GmbH & Co. KG (ehemals Hermann Vollert KG) ist ein 1925 als Schlosserei gegründetetes, mittelständisches Anlagenbau -Unternehmen, das mit 180 Mitarbeitern weltweit u. a. in der Schwerlast-, Förder -, Transport- und Lagertechnik tätig ist. Die Fibro GmbH, eine 1959 gegründete Tochterfirma des Heilbronner Läpple-Konzerns, ist in den Bereichen Normalien , Rundschalttische, Automation und Robotik tätig. In zwei Werken in Weinsberg und Haßmersheim hat Fibro über 900 Beschäftigte. Auch die heute in Heilbronn ansässige Werkzeug - und Formenbau -Firma August Läpple GmbH & Co. KG wurde 1919 in Weinsberg gegründet.

Die 1912 gegründeten Karosseriewerke Weinsberg GmbH sind vor allem für die Wohnmobile bekannt, die sie unter dem Markennamen Weinsberg® von 1969 bis 1992 bauten. (Nach zweimaligem Verkauf ist die Marke inzwischen im Besitz des Wohnmobilherstellers Knaus Tabbert Group GmbH.) Auch für Fiat bzw. NSU wurden Autos hergestellt, u.a. in den 1960er-Jahren das Fiat Coupé Weinsberg 500. Später konzentrierte sich das Unternehmen, das im Jahr 1987 560 Mitarbeiter beschäftigte, auf die Teilefertigung und den Vorrichtungs- und Werkzeugbau. Den beginnenden Niedergang aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der Kunden in der Automobilindustrie konnte auch die 1988 erfolgte Übernahme durch die Prechter GmbH des deutsch-amerikanischen Unternehmers Heinz Prechter (American Sunroof Corporation) nicht aufhalten. Im April 2002 wurde Insolvenz angemeldet. Nach über drei Jahren fand sich ein neuer Investor, der das Unternehmen zum 1. August 2005 übernahm. Von 454 Mitarbeitern zum Zeitpunkt der Übernahme 1988 sind bis zum August 2005 noch 75 übrig geblieben.

Die 1903 als Gärtnerei gegründeten Weinsberger Rosenkulturen sind eine der größeren Rosenschulen in Süddeutschland. Außer Rosen werden auch noch andere Pflanzen kultiviert und verkauft.

Im gemeinsamen Gewerbegebiet mit Ellhofen unterhält das Unternehmen SPAR Handels AG seit Jahrzehnten ein Großlager (sowie einen Eurospar-Markt). Nach der vom Bundeskartellamt im Jahr 2005 genehmigten Übernahme der deutschen SPAR durch EDEKA sollen nur Teile des Ellhofener Standorts mit etwa 300 bis 400 Arbeitsplätzen weiterbetrieben werden (Stand Mitte Dezember 2005).

Ehemalige, heute nicht mehr bestehende Weinsberger Unternehmen sind u.a. die Dampfziegelei Weinsberg, später Ziegelwerke Koch & Söhne, dann Weinsberger Ziegel GmbH (1900 gegründet, 1983 in Konkurs), auf deren ehemaligem Gelände sich heute die Erholungsanlage Alte Ziegelei befindet, die Tabakfabrik Weinsberg (1924 gegründet, Produktion von Pfeifentabaken, Gebäude in den 1970er-Jahren abgerissen) und die Chemische Fabrik Weinsberg (1909 gegründet, Herstellung von Wachspolitur, Bodencreme und Schuhcreme unter dem Markennamen Weibertreu®).

Panorama von einem höheren Standpunkt aus

Ver- und Entsorgung

Die Wasserversorgung Weinsbergs wurde früher über eigene Quellen sichergestellt. Wasserleitungen speisten Brunnen wie beispielsweise den Marktbrunnen von 1803. 1937 wurden zur Sicherung der Trinkwasserversorgung im Quellgebiet des Saubaches im Süden des Stadtgebietes zwei kleine Stauseen angelegt, die zusammen mit den vorhandenen und weiteren, neu erschlossenen Quellen bis in die 1970er-Jahre Trinkwasser lieferten. Ab 1961 wurde der Anschluss an die Bodensee-Wasserversorgung erwogen. 1962 erfolgte der Beitritt zum Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BSWV). 1974/75 erfolgte von Heilbronn aus der Anschluss ans Leitungsnetz der BSWV; das erste Bodenseewasser floss am 27. März 1975 ins Weinsberger Leitungsnetz. Gellmersbach, seit 1927/28 von der Eberbach-Wasserversorgungsgruppe in Eberstadt mit Trinkwasser versorgt, wurde wegen Kapazitätsproblemen dieser Gruppe am 1. Dezember 1978 an die BSWV angeschlossen, Grantschen am 18. Oktober 1987. Wimmental hatte sich schon 1911 mit allen anderen Gemeinden des oberen Sulmtals zusammengetan und die Sulmwasserversorgungsgruppe gegründet, die ihre Mitglieder mit Wasser aus eigenen Quellen versorgt und wegen des steigenden Bedarfs seit 1959 auch Wasser von der Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) bezieht. Es handelt sich auch hier um Bodenseewasser, das die NOW von der BSWV bezieht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein städtisches Gaswerk errichtet, das die Stadt mit durch Kohlevergasung selbst erzeugtem Stadtgas versorgte. Ab 20. Dezember 1962 wurde die Selbsterzeugung aufgegeben zugunsten von Gas, das durch eine neu erbaute Leitung aus Heilbronn bezogen wurde. Ab 1973 wurde auf Erdgas umgestellt. Gas- und Wasserversorgung werden von der Stadtwerke Weinsberg GmbH übernommen. Um die technische Abwicklung kümmern sich die Stadtwerke Heilbronn.

Das selbst erzeugte Stadtgas wurde auch zum Betrieb der öffentlichen Straßenbeleuchtung benutzt. Am 8. Oktober 1957 wurde mit der Umstellung auf elektrische Straßenbeleuchtung begonnen, die Anfang der 1970er-Jahre wegen der Umstellung auf Erdgas forciert werden musste und am 8. Juni 1972 abgeschlossen war. Für die Stromversorgung war früher die Energieversorgung Schwaben AG (EVS) zuständig, die heutige EnBW, die in Weinsberg seit 1964 ein Umspannwerk betreibt.

Zur Reinigung des Abwassers betrieb Weinsberg früher zwei eigene Kläranlagen . Seit 1976 benutzt die Stadt zwei gemeinsam mit mehreren Nachbargemeinden erbaute und betriebene Kläranlagen in Ellhofen und Neckarsulm.

Medien

Über das Geschehen in Weinsberg berichtet die Tageszeitung Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe für das Weinsberger Tal (WT). Vom 5. März 1875 bis 1934 erschien in Weinsberg auch eine eigene Tageszeitung, die Weinsberger Zeitung , und vom 1. Mai 1898 bis zum 21. Juni 1901 erschien mit dem Weinsberger Tagblatt sogar ein Konkurrenzblatt. Seit 1. März 1952 erscheint außerdem wöchentlich ein städtisches Amtsblatt, das Nachrichtenblatt für die Stadt Weinsberg.

Im Radio berichtet gelegentlich das SWR4 Frankenradio des SĂĽdwestrundfunk-Studios Heilbronn ĂĽber Weinsberg.

Ă–ffentliche Einrichtungen

Weinsberg verfĂĽgt ĂĽber ein Notariat , ĂĽber ein Polizeirevier , das fĂĽr den sĂĽdöstlichen Landkreis Heilbronn zuständig ist, und ĂĽber ein Autobahnpolizeirevier . Die Freiwillige Feuerwehr Weinsberg ist fĂĽr Brandschutz und Unfallhilfe im Stadtgebiet und auch auf den Autobahnen A 6 und A 81 zuständig (vom Weinsberger Kreuz aus jeweils einige Kilometer in alle Richtungen, insgesamt 40 km). DarĂĽberhinaus befinden sich folgende öffentliche Einrichtungen in Weinsberg:

Klinikum am Weissenhof

Verwaltungsgebäude des Klinikums
Verwaltungsgebäude des Klinikums

Hauptartikel: Klinikum am Weissenhof

Das Klinikum am Weissenhof wurde als Königliche Heilanstalt (für Geisteskranke) 1903 auf dem Gelände der Staatsdomäne Weißenhof eröffnet. Heute ist das Klinikum am Weissenhof ein modernes Krankenhaus für Psychiatrie (mit Abteilungen für Gerontopsychiatrie , Forensische Psychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie), Neurologie , Sucht und Psychotherapeutische Medizin. Das Krankenhaus beschäftigt über 800 Menschen und ist damit der größte Arbeitgeber in der Stadt Weinsberg.

Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt fĂĽr Wein- und Obstbau (LVWO) mit Staatsweingut

Gelände der LVWO in Weinsberg
Gelände der LVWO in Weinsberg

Hauptartikel: Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt fĂĽr Wein- und Obstbau Weinsberg

Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau wurde als Königliche Weinbauschule 1868 gegründet und ist die älteste deutsche Wein- und Obstbauschule. Sie widmet sich der Ausbildung und der Forschung im Wein - und Obstbau , wozu sie in Weinsberg und anderen Orten diverse Obstgüter und Weinberge bewirtschaftet. Einige bedeutende Rebsorten , darunter der Kerner und der Dornfelder , wurden an der Weinbauschule gezüchtet. Die von der LVWO hergestellten Weine und Sekte werden seit 1995 unter der Bezeichnung Staatsweingut Weinsberg vermarktet.

Bildung

Es gibt in Weinsberg vier Grundschulen, davon zwei in der Stadt selbst und zwei weitere in den Ortsteilen Gellmersbach und Grantschen (Grundschule Grantschen/Wimmental).

Das Justinus-Kerner-Gymnasium Weinsberg wurde vermutlich um 1500 als Lateinschule begründet. Für 1540 ist der Bau eines neuen Schulhauses nachgewiesen. Neben der Lateinschule bestand zeitweise eine Deutsche Schule und in der Mitte des 19. Jahrhunderts für zwei Jahrzehnte eine Realschule . 1903 wurde an der Lateinschule ein Realschulzug eingerichtet. Die Schule hieß dann 1907–1909 Latein- und Realschule Weinsberg und ab 1909 endgültig Realschule Weinsberg. Nach weiteren Umbenennungen (1937 Oberschule Weinsberg, 1953 Progymnasium Weinsberg, 1955 Justinus-Kerner-Progymnasium Weinsberg) wurde die Schule schließlich ab 1970 zum Vollgymnasium ausgebaut und trägt seitdem ihren heutigen Namen.

Die Nachbarschafts hauptschule (seit 1995 mit Werkrealschule ) und die 1980 gegründete Realschule Weinsberg sind zusammen mit dem Gymnasium im Bildungszentrum Rossäcker untergebracht. Eine Städtische Musikschule wurde im Januar 1993 gegründet.

Das in der Stadt ansässige Klinikum am Weissenhof bietet für seine schulpflichtigen Patienten eine Schule für Kranke in längerer Krankenhausbehandlung. Zusammen mit der Klinik Löwenstein betreibt das Klinikum auch eine Krankenpflegeschule (an der Krankenschwestern und -pfleger ausgebildet werden). Seit 1. Januar 2004 heißt die Schule offiziell Gesundheits- und Krankenpflegeschule und bildet Gesundheits- und Krankenpfleger(innen) aus.

In Weinsberg befindet sich außerdem die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO – s.o.), die zum Staatl. geprüften Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft, zum Staatl. geprüften Wirtschafter für Weinbau und zum Staatl. geprüften Wirtschafter für Obstbau ausbildet.

Die Stadtbücherei Weinsberg mit einem Bestand von 22.000 Medien steht allen Bürgern Weinsbergs und anderer Gemeinden offen. Sie wurde, in Nachfolge anderer Büchereien, am 8. März 1971 eröffnet.

Tourismus

Die Burgruine Weibertreu auf dem Burgberg. Ansicht von SĂĽdwesten
Die Burgruine Weibertreu auf dem Burgberg. Ansicht von SĂĽdwesten

In den 1950er- und 1960er-Jahren war Weinsberg ein beliebtes Ziel für Sonderzüge der Deutschen Bundesbahn mit mehreren hundert oder gar über tausend Gästen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Automobils und der leichten Erreichbarkeit Weinsbergs durch die neuen Autobahnen verlagerte sich dies später auf den Bustourismus und den Individualtourismus.

Weinsberg liegt an der Burgenstraße; die Burgruine Weibertreu ist mit 26.000 Besuchern im Jahr 2004 die touristische Hauptattraktion der Stadt. Auch die Schwäbische Dichterstraße führt Besucher in die Stadt und ins Kernerhaus, das 2004 auf 2.800 Besucher kam. Schließlich liegt Weinsberg auch an der 2004 neu eingerichteten Württemberger Weinstraße, auf der man die Sehenswürdigkeiten der Weinbauregion Württemberg erreisen kann.

Die Stadt verfügt über zehn ehrenamtliche Gästeführer, die für allgemeine Stadt- und Burgführungen oder Themenführungen über z.B. den Bauernkrieg in Weinsberg, Wein oder die Frauen Weinsbergs gebucht werden können. Rund 5.000 Gäste nutzten dieses Angebot im Jahr 2004.

Die Stadtverwaltung bietet darüber hinaus in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gastronomie und Hotellerie verschiedene Besichtigungs- und Übernachtungs-Pakete an und ist bemüht, auch auf individuelle Reisewünsche einzugehen.

Persönlichkeiten

EhrenbĂĽrger

Weinsberg hat in neuerer Zeit folgenden Personen das EhrenbĂĽrgerrecht verliehen (mit Datum der Verleihung):

EhrenbĂĽrger Weinsbergs

  • Friedrich August von Heyd (* 1. Dezember 1749; † 12. März 1840), evangelischer Pfarrer und Dekan in Weinsberg (vermutlich 1835)
  • Christian Jakob David Hildt (* 25. Dezember 1814; † 17. Februar 1909), Baumeister und Architekt (vermutlich vor 1895)
  • Johann Wilhelm Philipp Ammon (* 6. Oktober 1829; † 16. November 1897), Stadtpfarrer und Dekan in Weinsberg von 1881 bis 1896 (14. November 1896)
  • Theobald Kerner (* 14. Juni 1817; † 11. August 1907), Sohn Justinus Kerners, Dichter und Arzt (14. Juni 1897)
  • Karl Weller (* 22. November 1866; † 24. Dezember 1943), Historiker, veröffentlichte 1903 „Die Weiber von Weinsberg“ (11. Juni 1903)
  • Erwin Hildt (* 1. Juli 1851; † 25. Februar 1917), MitbegrĂĽnder des Justinus-Kerner-Vereins und Stifter der nach ihm benannten Festhalle Hildthalle (21. März 1909)
  • Gottlob Wagner (* 9. November 1839; † 7. September 1926), Oberamtsbaumeister in Weinsberg und langjähriges Gemeinderatsmitglied (17. September 1925)
  • Hermann GanzenmĂĽller (* 1. Januar 1858; † 20. Dezember 1941), Stadtbaumeister und langjähriges Gemeinderatsmitglied (3. Oktober 1929)
  • Karl Rebmann (* 8. März 1883; † 1. Juni 1970), Oberamtsbaumeister, Kreisbrandmeister, langjähriges Gemeinderatsmitglied, BĂĽrgermeister (1945/46), NeubegrĂĽnder der Freiwilligen Feuerwehr in Weinsberg und im Landkreis (8. März 1963)
  • Karl Weinbrenner (* 5. Oktober 1888; † 10. Mai 1968), BĂĽrgermeister 1924–1945, Erwerber des Weinsberger Stadtwaldes auf Markung Gemmingen (5. Oktober 1963)
  • Ernst Klenk (* 6. Januar 1905; † 19. Juli 1996), Direktor und Leiter der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt fĂĽr Wein- und Obstbau (6. Januar 1970)
  • Erwin Heim (* 15. Februar 1910; † 17. März 1987), BĂĽrgermeister 1948–1972 (24. März 1972)
  • Jakob Ringhof (* 6. Juli 1911; † 27. August 1993), langjähriges Gemeinderats- und Kreistagsmitglied, 1. Stellvertretender BĂĽrgermeister 1965–1984 (4. Dezember 1984)
  • Helmut Läpple (* 4. April 1916; † 23. September 2005), langjähriger Gesellschafter und GeschäftsfĂĽhrer (1940 bis 2004) der Läpple-Firmengruppe (11. Dezember 1992)
  • JĂĽrgen Klatte (* 23. August 1942), BĂĽrgermeister 1972–1996 (29. März 1996)
  • Gerhard Scherr (* 23. September 1933), langjähriges Gemeinderats- und Ortschaftsratsmitglied in Wimmental und Weinsberg, 1. Stellvertretender BĂĽrgermeister 1984–2004 (23. September 2004)

EhrenbĂĽrger Gellmersbachs

  • Ludwig Bauer (* 16. November 1919), 1946–1974 BĂĽrgermeister, 1975–1989 Ortvorsteher Gellmersbachs (11. Dezember 1974)

Söhne und Töchter der Stadt

  • Hans Schweiner (* um 1473; † ca. 1534), Baumeister , Erbauer des Westturms der Heilbronner Kilianskirche
  • Johannes Oekolampadius (* 1482 ; † 23. November 1531 ), Theologe, Reformator von Basel
  • Carl Krayl (* 17. April 1890; † 1. April 1947), Architekt
  • Lutz HĂĽbner (* 1964), Dramatiker, Schauspieler und Regisseur

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Justinus Kerner (Altersbild)
Justinus Kerner (Altersbild)
  • Michael Beheim (* 27. September 1416; † ca. 1474), in SĂĽlzbach bei Weinsberg geborener Meistersinger mit dem Beinamen Poeta Weinsbergensis, ab 1439 in Diensten des Reichserbkämmerers Konrad (IX.) von Weinsberg
  • Justinus Kerner (* 18. September 1786; † 21. Februar 1862), Dichter und Arzt , der von 1819 an in der Stadt lebte. Das 1822 von ihm erbaute Wohnhaus, seinerzeit ein beliebter Treffpunkt von Dichtern und Denkern, kann heute noch besichtigt werden. Er setzte sich auch fĂĽr die Erhaltung der Burgruine Weibertreu ein und verhinderte ihren weiteren Abbruch. Mit der Pflege dieses kulturellen Erbes beschäftigt sich heute der Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein.
  • Theobald Kerner (* 14. Juni 1817; † 11. August 1907), Arzt und Dichter, Sohn Justinus Kerners, pflegte das Erbe seines Vaters
  • Friederike Hauffe geb. Wanner (geb. 1801 in Prevorst (heute Ortsteil der Gemeinde Oberstenfeld), gest. 1829 in Löwenstein), die sogenannte Seherin von Prevorst, war die bekannteste Patientin Justinus Kerners, der ĂĽber sie ein berĂĽhmtes Buch verfasste (Die Seherin von Prevorst)
  • Hermann Essig (* 28. August 1878; † 21. Juni 1918), Dramatiker und Dichter, ging in Weinsberg zur Schule und veröffentlichte 1909 das satirische Lustspiel Die Weiber von Weinsberg
  • Otto Mörike (* 7. April 1897; † 9. Juli 1978), evangelischer Dekan Weinsbergs von 1953 bis Januar 1959, Gerechter unter den Völkern
  • August Herold (* 7. August 1902; † 8. Januar 1973), bedeutender RebenzĂĽchter

Weinsberg, Ohio

In Ohio , USA, gab es eine Kleinstadt namens Weinsberg, die im frühen 19. Jahrhundert gegründet und nach ihrem deutschen Vorbild benannt wurde. 1833 wurde sie in Winesburg umbenannt, als dort ein Postamt eröffnet wurde. Unter diesem Namen existiert sie heute noch. „Winesburg, Ohio“ ist auch der Titel eines Romans von Sherwood Anderson aus dem Jahr 1919.

Literatur

  • Simon M. Haag: Römer – Salier – Staufer – Weinsberger : kleine Geschichte von Burg und Stadt Weinsberg. Hg. v. Stadtarchiv Weinsberg. Verl. Nachrichtenblatt der Stadt Weinsberg, Weinsberg 1996, ISBN 3-9802689-9-3
    Knapper Ăśberblick auf 74 Seiten im Taschenformat.
  • Simon M. Haag: Zur Baugeschichte der Oberamtsstadt Weinsberg. Verl. Nachrichtenblatt der Stadt Weinsberg, Weinsberg 1995, ISBN 3-9802689-8-5
    Umfangreiches, reich illustriertes Geschichtswerk, das auf viele Bauten einzeln eingeht.
  • Jahrbuch fĂĽr die Stadt Weinsberg. Jahrbuch-Verl., Weinsberg 1956 –
    Erscheint jährlich. Mit ausführlichem Jahresrückblick, Einwohnerverzeichnis, Angaben zu Vereinen, Verwaltung und Institutionen.

Weblinks

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