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Letzte Änderung für Artikel Reichsabtei Salem: 15.02.2006 21:27

Reichsabtei Salem

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Die Reichsabtei Salem in der heutigen Gemeinde Salem im Linzgau (Baden-WĂŒrttemberg) war ein Kloster des Zisterzienserordens und eine der wohlhabendsten und bedeutendsten reichsunmittelbaren Abteien des Bodenseeraums. Das 1137 / 1138 gegrĂŒndete Kloster konnte im spĂ€ten Mittelalter seine Privilegien und die Stellung innerhalb des Ordens weit ausbauen. Im 17. Jahrhundert von Kriegen bedrĂ€ngt und durch einen Brand fast vollstĂ€ndig zerstört, erlebte es im 18. Jahrhundert seine zweite BlĂŒtezeit als Zentrum des sĂŒdwestdeutschen Rokoko mit dem Bau der Wallfahrtskirche Birnau und der GrĂŒndung der ersten Sparkasse Deutschlands. Die weitlĂ€ufige barocke Klosteranlage (erbaut 1697 - 1706 von Franz Beer ) mit dem hochgotischen Salemer MĂŒnster (ca. 1285 - 1414 ) ging 1804 durch SĂ€kularisation in den Besitz der Markgrafen von Baden ĂŒber. Seither trĂ€gt die Anlage den Namen „Schloss Salem“ und dient als Wohnsitz der markgrĂ€flichen Familie sowie seit 1920 als Sitz des Internats Schule Schloss Salem .

Schloss Salem heute
Schloss Salem heute
Die Reichsabtei Salem im Jahr 1798
Die Reichsabtei Salem im Jahr 1798

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Siehe auch: Liste der Äbte von Salem

Mittelalter

GrĂŒndung

Wappen des Bernhard von Clairvaux (links) und des Abtes Johannes Stantenat (Amtszeit 1471-1494) aus einem Salemer Manuskript
Wappen des Bernhard von Clairvaux (links) und des Abtes Johannes Stantenat (Amtszeit 1471-1494) aus einem Salemer Manuskript

Die GrĂŒndung Salems fĂ€llt in die Wirkungszeit des Bernhard von Clairvaux (* um 1090; †1153), dem es binnen weniger Jahrzehnte gelang, den Orden der Zisterzienser ĂŒber ganz Mitteleuropa auszubreiten. (Bernhard von Clairvaux hat Salem selbst nie besucht; Frowin, der erste Abt von Salem, soll Bernhard jedoch bereits gekannt und ihn 1146 als Dolmetscher auf der Werbungsreise fĂŒr den Zweiten Kreuzzug begleitet haben.) Die Zisterzienser waren in fĂŒnf Primarabteien zentral organisiert und besiedelten von Frankreich aus systematisch und fast flĂ€chendeckend das Römische Reich und die angrenzenden LĂ€nder. Salem entstand durch Filiation aus dem Kloster LĂŒtzel im Elsass (gegrĂŒndet 1123/1124), das wiederum indirekt von der Primarabtei Morimond abstammte. Salem war damit die erste Niederlassung der Zisterzienser im nördlichen Bodenseeraum und eine der ersten GrĂŒndungen im Römischen Reich, die von Morimond abstammten.

Die Chroniken des Klosters berichten, dass sich der Freiherr und Ritter Guntram von Adelsreute (heute zu Taldorf, Ravensburg) im Jahr 1134 an den Abt von LĂŒtzel wandte, um einen Teil seiner GĂŒter zur GrĂŒndung eines Klosters zu stiften. Guntrams Schenkung umfasste einige verstreute GrundstĂŒcke von insgesamt etwa 200 Hektar FlĂ€che, die teilweise bereits besiedelt oder als Felder bestellt waren. Das LandstĂŒck, auf dem das Kloster erbaut wurde, lag sechs Kilometer landeinwĂ€rts vom Ufer des Bodensees in der Talsenke der Linzer Aach. Dort befand sich bereits die frĂ€nkische Siedlung Salemanneswilare (spĂ€ter: Salmannsweiler) mit einer kleinen Kapelle . Das Kloster lag also nicht in abgeschiedener Wildnis, wie es der Orden fĂŒr NeugrĂŒndungen eigentlich vorschrieb, sondern inmitten eines kleinteiligen und weitverzweigten Systems von besitzrechtlich aufgeteilten Gebieten. Dennoch bot das sumpfige Land noch Möglichkeiten, den kolonisatorischen Ehrgeiz zu befriedigen. Das Kloster LĂŒtzel hatte zunĂ€chst Bedenken wegen der geringen GrĂ¶ĂŸe und der weiten Streuung der gestifteten GrundstĂŒcke. Schließlich entsandte man 1137 den erforderlichen GrĂŒndungskonvent von zwölf Mönchen und einigen LaienbrĂŒdern unter dem designierten Abt Frowin nach Salmannsweiler, um UnterkĂŒnfte und WerkstĂ€tten zu errichten.

Im Jahr 1137 oder 1138 wurde Salem zur Abtei erhoben. Bis heute gibt es unterschiedliche Auffassungen ĂŒber das tatsĂ€chliche GrĂŒndungsjahr Salems. Sowohl die Datierung der Stiftung (1134) wie auch der Erhebung zur Abtei sind nicht in Urkunden ĂŒberliefert, sondern nur in einer Chronik des 13. Jahrhunderts. Neuere Forschungen nennen den 15. Mai 1138, den Sonntag nach Christi Himmelfahrt , als GrĂŒndungstag Litauen Litauen . In der Klostertradition wurde 1134 (aber teilweise auch 1137) als GrĂŒndungsjahr bezeichnet, so dass das 850jĂ€hrige JubilĂ€um der Abtei 1984 begangen wurde. Diese Frage ist nicht nur fĂŒr die Geschichtsschreibung interessant, sondern war auch fĂŒr das Kloster selbst von Bedeutung, da das Alter der Abtei die ordensinterne Rangfolge der Klöster bestimmte.

Der Name „Salem“

Das Kloster in Salemanneswilare erhielt den geistlichen Namen „ Salem “ nach dem biblischen „Ort des Friedens“, der im Alten Testament als Sitz des Königs Melchisedech genannt wird ( 1. Mose 14,18; Ps. 76,2). Das biblische Salem wurde im Mittelalter als Ă€lterer Name von Jerusalem gedeutet. Das Kloster Salem wurde daher in kĂŒnstlerischen Allegorien immer mit dem Himmlischen Jerusalem in Verbindung gebracht.

Die Namen Salem und Salmannsweiler wurden bis ins 18. Jahrhundert gleichwertig nebeneinander benutzt. Ausgerechnet die SĂ€kularisation ließ 1804 den weltlichen Namen in Vergessenheit geraten und machte den geistlichen Namen zum Ortsnamen der Gemeinde.

Salem und die Staufer

BestÀtigungsurkunde Konrads III. von 1142
BestÀtigungsurkunde Konrads III. von 1142

Guntrams Stiftung war politisch motiviert: Durch ihn war Salem wie das Mutterkloster in LĂŒtzel den Staufern verbunden. Im Machtkampf zwischen Staufern und Welfen sorgte die GrĂŒndung dafĂŒr, dass erstere, die im Bodenseeumland in Altdorf , Ravensburg, Buchhorn , Insel Reichenau und Kreuzlingen bereits wichtige StĂŒtzpunkte ihrer Macht besaßen, ihren Einfluss ĂŒber das nordwestliche Bodenseegebiet ausdehnen konnten. Rasch folgte daher die rechtliche Konsolidierung: 1142 wurde Salem vom Stauferkönig Konrad III. zur Reichsabtei erhoben; dessen Thronfolger Friedrich Barbarossa bestĂ€tigte die Privilegien. Die unmittelbaren Nachbarn des Klosters billigten die GrĂŒndung, bot sie doch UnterstĂŒtzung gegen die welfischen Grafen von Pfullendorf. Durch die urkundlich verbrieften Rechte war Salem von anderen Vogteien freigestellt und hatte den König des Römischen Reiches als direkten Schutzherrn – eine Position, die die Salemer Äbte zu sichern und im Laufe der Zeit auszubauen wussten.

Als im Jahr 1198 der Staufer Philipp von Schwaben und der Welf Otto von Braunschweig von ihren jeweiligen Fraktionen zu konkurrierenden Königen des Heiligen Römischen Reichs gewĂ€hlt wurden, schlug sich Salem auf die Seite des Staufers. Papst Innozenz III. bestĂ€tigte jedoch 1201 Otto IV. als neuen König. Abt Eberhard von Rohrdorf suchte daher UnterstĂŒtzung bei Eberhard II., dem Erzbischof von Salzburg . Gemeinsam versuchten sie, Papst Innozenz III. zur Anerkennung der staufischen Nachfolge zu bewegen, was jedoch nicht gelang. Als Philipp von Schwaben 1208 ermordet wurde, bekannte sich auch Salem offiziell zu Otto IV., der im Gegenzug die Abtei in ihren Rechten bestĂ€tigte. Dennoch hielt Salem weiterhin insgeheim Kontakt zum staufischen Thronfolger Friedrich II. . Die Treue zahlte sich aus: Der Staufer, 1211 in Bamberg zum Kaiser gewĂ€hlt und 1219 schließlich auch von den Welfen anerkannt, dankte Salem die Treue durch eine FĂŒlle von Schutzurkunden.

Der Salemer Pfleghof in der ehemaligen Reichsstadt Esslingen am Neckar stammt aus der ersten BlĂŒtezeit des Klosters und wurde erstmals 1229 urkundlich erwĂ€hnt.
Der Salemer Pfleghof in der ehemaligen Reichsstadt Esslingen am Neckar stammt aus der ersten BlĂŒtezeit des Klosters und wurde erstmals 1229 urkundlich erwĂ€hnt.

Der Schutz der Staufer verhalf Salem unter Abt Eberhard von Rohrdorf (1191-1240) zu einer erstaunlichen wirtschaftlichen BlĂŒte. Eberhard gelang es, den vorhandenen Streubesitz in klösterlich verwaltete Grangien zusammenzufĂŒhren. Zum ersten Mal erwirtschaftete das Kloster große ÜberschĂŒsse, die wieder in Grundbesitz investiert wurden. Die Überproduktion an Obst, Getreide und Fischen wurde in abgabenfreien Stadthöfen unter anderem in Konstanz, Überlingen, Ehingen und Esslingen abgesetzt. Mit dem Gut Maurach, direkt am Ufer des Bodensees gelegen, sicherte sich Salem auch einen Zugang zur GĂŒterschifffahrt und Handelswege, um die produzierten Waren abzusetzen. Zahlreiche Adelige ĂŒberschrieben dem Kloster einen Teil ihres Besitzes. Darunter war eine Saline bei Hallein, die Erzbischof Eberhard II. von Salzburg im Jahr 1201 dem Kloster schenkte und zugleich den zollfreien Transport des geförderten Salzes garantierte, womit eine wichtige Einkommensquelle erschlossen war. Gut ausgebildete Salemer LaienbrĂŒder ĂŒbernahmen nach und nach die Verwaltung der gesamten erzbischöflichen Salinen. Im Gegenzug eröffneten sich fĂŒr die Salzförderung neue AbsatzmĂ€rkte im Westen des Reichs.

Salem als Konsistorialabtei

In kirchenrechtlicher Hinsicht lag das neu gegrĂŒndete Kloster Salem in der Diözese des Bischofs von Konstanz. Nachdem Papst Innozenz II. das Kloster bereits 1140 anerkannt hatte, erhob es Papst Alexander III. im Jahr 1178 zur Konsistorialabtei , womit es direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt war und neu gewĂ€hlte Äbte nicht mehr vom örtlichen Bischof, sondern nur vom Papst bestĂ€tigt werden mussten.

Abt Eberhard von Rohrdorf sicherte sein Kloster weiter gegen AnsprĂŒche des Konstanzer Bischofs ab, indem er ein BĂŒndnis mit dem Erzbistum Salzburg schloss und ihm den Grund und Boden des Klosters ĂŒbertrug. Im Jahr 1201 wurde Salzburg daher „Mutter und Herrin“ von Salem. Es ist jedoch fraglich, worin die kirchenrechtliche Änderung bestand, da Salem weiterhin die Rechte als Konsistorialabtei wahrte. Der wahre Nutzen bestand vor allem in politischem Beistand und gegenseitiger wirtschaftlicher Förderung. Eberhard II. trat auch die inoffizielle Nachfolge der Stifterfamilie an, deren letzte Nachfahrin Mathilde von Adelsreute im Jahr 1192 gestorben war. In der Folge wurde er daher in Salem als „zweiter Stifter“ verehrt.

Die guten Beziehungen des Klosters zum Heiligen Stuhl verhalfen dem Kloster 1384 zu dem selten vergebenen Privileg, die Pontifikalinsignien Mitra , Brustkreuz und Papstring in das Wappen des Klosters und seiner Filiationen aufzunehmen.

TochtergrĂŒndungen

Binnen der ersten anderthalb Jahrhunderte der Klostergeschichte besiedelten Salemer Delegationen drei Filiationen : Die erste war das 1143 gestiftete bayerische Kloster Raitenhaslach, dessen Besiedelung durch Salemer Mönche zwar nicht direkt dokumentiert, doch durch das unangefochtene Visitationsrecht ausreichend belegt ist. Das um 1158 vom Kloster Frienisberg besiedelte Kloster Tennenbach bei Freiburg im Breisgau wurde Salem 1182 als „unechte“ Tochter inkorporiert. Die zweite eigene GrĂŒndung war das 1227 gegrĂŒndete Wettingen in der Nordschweiz. Die große Ausbreitungswelle des Ordens hatte bereits stark nachgelassen, als der Habsburger Albrecht I. im Jahr 1303 das Kloster Königsbronn stiftete und Salem zur Besiedelung anbot, um die Kirchenpolitik Rudolfs I. fortzufĂŒhren.

Besonders Abt Eberhard von Rohrdorf machte sich auch um die Anerkennung der Zisterzienserinnen verdient. Der zisterziensischen Ordensleitung fiel die Akzeptanz von Frauenklöstern in den Jahren um 1200 noch schwer, so dass sogar Verbote fĂŒr NeugrĂŒndungen ausgesprochen wurden. Abt Eberhard leistete hier Pionierarbeit und nahm 1217 das fĂŒnf Jahre zuvor gegrĂŒndete Frauenkloster Wald in seine Obhut. Im Laufe des 13. Jahrhunderts folgten weitere Frauenklöster in RottenmĂŒnster , Baindt, Heiligkreuztal , Heggbach und Gutenzell in Oberschwaben sowie die Thurgauer Konvente Feldbach und Kalchrain . Das Visitationsrecht ĂŒber diese Klöster behielt Salem, sofern diese nicht zuvor aufgelöst wurden, bis zu seiner eigenen Schließung. Im SchwĂ€bischen ReichsprĂ€latenkollegium sollten einige der Frauenklöster spĂ€ter sogar politisches Gewicht bekommen.

Salem und die Habsburger

Erste bekannte Darstellung des Salemer MĂŒnsters (1536), mit dessen Bau unter Habsburger Protektion begonnen wurde
Erste bekannte Darstellung des Salemer MĂŒnsters (1536), mit dessen Bau unter Habsburger Protektion begonnen wurde

Nach dem Niedergang der Staufer begann das politische Chaos des Interregnums (1254-1273), in dem Salem auf Selbstschutz angewiesen war und herbe wirtschaftliche Einbußen erlitt. Der regionale Adel focht einstige Schenkungen an oder beschlagnahmte sie einfach. Bereits kurz nach der Wahl von König Rudolf I. im Jahr 1273, die zumindest vorĂŒbergehend Frieden ins Reich bringen sollte, knĂŒpfte Salem daher enge Beziehungen zum Hause Habsburg . Rudolf bot seinen Schutz an, da die Reichsklöster eine wichtige Rolle in seinem politischen Plan spielten, das Herzogtum Schwaben wieder herzustellen. FĂŒr Salem wiederum war diese Verbindung die gebotene Möglichkeit, das Überleben der Abtei zu sichern.

Unter Habsburger Protektion begann ab 1275 eine zweite Epoche der ProsperitĂ€t, die bis etwa 1320 anhielt. Um 1300 gehörte Salem zu den grĂ¶ĂŸten und reichsten Klöstern in weitem Umkreis; es besaß Fischrechte im Bodensee sowie GĂŒter in ĂŒber 100 km Umkreis, unter anderem bei Ulm, Biberach an der Riß, Saulgau und Meersburg. Die im Interregnum verloren gegangenen BesitztĂŒmer wurden weitgehend wieder dem Kloster ĂŒberschrieben und urkundlich abgesichert. Um 1285 wurde dank der neu erreichten Finanzkraft mit dem Bau des Salemer MĂŒnsters begonnen, das jedoch, nach einem durch Geldmangel und Pestepidemien ausgelösten Baustopp, erst um 1425 vollendet werden konnte.

FĂŒr das Kloster bedeutete die enge Bindung an das Reich zumindest theoretisch StabilitĂ€t und Schutz gegen AnsprĂŒche des örtlichen Adels und die anderen ReichsstĂ€nde . Die verbriefte Sicherheit war jedoch in der Praxis wenig verlĂ€sslich. WĂ€hrend der Regentschaft des Papstgegners Ludwig des Bayern von 1314-1347 war Salem sogar ganz auf Selbstschutz angewiesen. Die Angebote regionaler Adeliger, die Vogtei ĂŒber Salem zu ĂŒbernehmen, lehnte das Kloster stets ab, waren solche Offerten doch mit Besitz- und HerrschaftsansprĂŒchen verbunden. Besonders hartnĂ€ckig waren die benachbarten Grafen von Heiligenberg, die bis ins 17. Jahrhundert immer wieder versuchten, rechtliche AnsprĂŒche auf Salemer Besitz geltend zu machen, Salemer Untertanen zu pfĂ€nden oder gefangen zu nehmen und ihnen ihre Gerichtsbarkeit aufzuzwingen.

Ludwigs Nachfolger König Karl IV. versuchte 1347 sogar das Kloster vollstĂ€ndig den Heiligenbergern zu ĂŒberschreiben, musste diesen Schritt jedoch nach Protest aus Salem im folgenden Jahr rĂŒckgĂ€ngig machen. Karl IV. nahm aber nicht nur diese Überschreibung zurĂŒck, sondern garantierte Salem noch weitere Privilegien: Eine Urkunde von 1354 verpflichtete die umliegenden StĂ€dte und den Adel zum Schutz des Klosters und gewĂ€hrte diesem die niedere Gerichtsbarkeit ĂŒber seine BĂŒrger. Die Hohe Gerichtsbarkeit blieb bei der Landvogtei Oberschwaben, bis ein Vertrag zwischen Salem und Heiligenberg 1637 die LĂ€ndereien besitzrechtlich neu aufteilte und Salem die volle Rechtsgewalt ĂŒber die meisten seiner Gebiete zusprach.

Reformation und FrĂŒhe Neuzeit

Politische Rolle um 1500

Salem diente als Reichskloster auch den reisenden Kaisern gelegentlich als Unterkunft, was wiederum den politisch ehrgeizigen Äbten den Kontakt zu den MĂ€chtigen erleichterte. So besuchte am 20. August 1485 Kaiser Friedrich III. das Kloster Salem. Wohl bei diesem Besuch gelang es dem Abt Johannes Stantenat, wichtige Privilegien auszuhandeln: Ein kaiserlicher Freibrief vom 26. Mai 1487 gestattete dem Kloster, fortan von seinen Untertanen Steuern zu erheben und sĂ€umige Zahler selbst zu bestrafen. ZusĂ€tzlich durfte Salem nun seinen Schutzvogt selbst wĂ€hlen und wieder absetzen. Damit hatte Salem die volle Reichsunmittelbarkeit mit den meisten Privilegien eines Reichsstands erlangt. Hatte das Kloster nach seiner GrĂŒndung noch als politisches Instrument gedient, war es ihm nun gelungen, durch seine Privilegien die grĂ¶ĂŸtmögliche Autonomie zu erreichen.

Kaiser Karl V. bestĂ€tigte auf dem Reichstag zu Worms 1521 noch einmal die Privilegien und den Schutz durch das Reich. Die reichspolitische Bedeutung Salems erreichte in diesen Jahren ihren Höhepunkt: In den Jahren 1500 und 1521 wurden die Salemer Äbte in das zwanzigköpfige Reichsregiment berufen, das unter Vorsitz des Königs die stĂ€ndige Reichsregierung fĂŒhren sollte. Seit etwa 1470 nahmen auch die Salemer Äbte erstmals regelmĂ€ĂŸig an Reichstagen teil. WĂ€hrend andere Orden weit mehr ReichsprĂ€laten stellten, erlangte unter den deutschen Zisterzienserklöstern neben Kaisheim nur Salem die unbestrittene Reichsstandschaft. Die Erhebung zur FĂŒrstabtei gelang dabei keiner deutschen Zisterze. Salem war im ReichsfĂŒrstenrat des Reichstages nur durch die Stimme des SchwĂ€bischen ReichsprĂ€latenkollegiums vertreten. Dabei stand Salem an der Spitze der Rangfolge, konnte jedoch (mit einer Ausnahme: Abt Anselm II.) nie den Direktor dieses Kollegiums stellen.

Die kaiserliche Protektion half zur selben Zeit, Übergriffe des mĂ€chtigsten Nachbarn zu verhindern: Der machtbewusste Johann von Weeze versuchte mehrfach, die Abtei zu entmachten und als Kommende dem Bistum Konstanz unterzuordnen. Die Eingliederung der altehrwĂŒrdigen Abtei Reichenau war Weeze im Jahr 1540 bereits gelungen, wĂ€hrend Salem seine UnabhĂ€ngigkeit gleich zwei Mal (1540 und 1562) mit kaiserlicher Hilfe bewahren konnte.

Der tatsĂ€chliche Einfluss der Abtei auf die Reichspolitik war jedoch gering, so sehr man sich auch bemĂŒhte. Salems Beitrag bestand hauptsĂ€chlich aus der Zahlung von Kontributionen fĂŒr die KriegsfĂŒhrung des Reichs ( Römermonat ), zu der es als Reichsstand verpflichtet war. Nach der Zisterze Kaisheim leistete Salem gewöhnlich die höchsten BeitrĂ€ge aller deutschen Abteien. Im DreißigjĂ€hrigen Krieg unterstĂŒtzte Salem die Katholische Liga ; spĂ€ter musste es BeitrĂ€ge unter anderem fĂŒr die TĂŒrkenkriege , den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) und den PfĂ€lzer Erbfolgekrieg (1788-1797) aufbringen. Als Reichsstand hatte Salem zudem die Verpflichtung, ein Truppenkontingent zu unterhalten, das in Kriegszeiten dem Reich zur VerfĂŒgung stand. Möglicherweise gab es bereits im frĂŒhen 14. Jahrhundert eine solche Truppe; ab 1422 ist sie urkundlich belegt. Im 18. Jahrhundert umfasste sie etwa 60-80 einfache Soldaten sowie einige Offiziere, wĂ€hrend in Kriegszeiten auch Reservisten zur VerfĂŒgung standen.

BauernaufstÀnde

Die kaiserliche Schirmherrschaft war dem Kloster gegen die eigenen Untertanen wenig von Nutzen. Die Klosterleitung hatte im 15. Jahrhundert in weit grĂ¶ĂŸerem Maße, als dies bei anderen Klöstern der Fall war, die Grundherrschaft ĂŒber ihre Gebiete in eine umfassende Landesherrschaft umgewandelt und seinen Leibeigenen hohe Abgaben abverlangt. Weit strengere Auflagen als in anderen sĂŒddeutschen Territorien sollten wahrscheinlich die Bildung von Vermögen in der Bevölkerung verhindern. Die strengen Bestimmungen beschworen Konflikte herauf: Schon 1473 musste eine Auflehnung durch einen Vertrag zugunsten der Bevölkerung geschlichtet werden; 1515 wurde in Bermatingen sogar ein Mönch von Bauern erschlagen. Als 1524 der Deutsche Bauernkrieg ausbrach, ließen sich die aufstĂ€ndischen Bauern des Seehaufens vom Kloster verpflegen; nur das friedliche Ende der AufstĂ€nde im Linzgau verhinderte grĂ¶ĂŸere PlĂŒnderungen. Umgehend senkte das Kloster die Steuern, um kĂŒnftigen AufstĂ€nden vorzubeugen.

GrĂŒndung der Oberdeutschen Kongregation

Die Reformation und die Ausbreitung des Protestantismus im 16. Jahrhundert war ein harter Schlag gegen den Zisterzienserorden. Von 109 deutschen Klöstern wurden rund 50 aufgelöst, darunter auch die salemitanische TochtergrĂŒndung Königsbronn. Salem lag auf katholischem Territorium und blieb daher bestehen. Umso mehr wuchs seine Bedeutung in der kleiner gewordenen deutschen Klosterlandschaft. Der Generalabt von Morimond bestimmte den Abt von Salem 1596 zum Generalvikar der Ordensprovinz Oberdeutschland mit dem Recht, selbst Äbte zu weihen.

Im Bewusstsein dieser Vorreiterrolle unter den oberdeutschen Zisterzen betrieb Abt Thomas I. Wunn (1615–1647) die GrĂŒndung der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation . In den romanischen LĂ€ndern waren Ă€hnliche ZusammenschlĂŒsse bereits im 16. Jahrhundert entstanden. Im November 1617 einigten sich im Salem die Äbte von Salem, Wettingen, Tennenbach, St. Urban und Neuburg (bei Haguenau ) sowie der Kommissar von Hauterive auf die Statuten der oberdeutschen Kongregation. Am 22. Januar 1619 wurden sie vom Generalkapitel in CĂźteaux bestĂ€tigt. Salem wurde als Sitzungsort des Provinzialkapitels festgelegt; als erster PrĂ€ses (Vicarius generalis Germanieae Superioris) wurde sein Salemer Initiator Thomas Wunn gewĂ€hlt. Die in den Statuten vorgesehene philosophisch-theologische Akademie fĂŒr Novizen nahm am 1. Januar 1625 in Salem den Studienbetrieb auf. So wurde Salem nicht nur zum organisatorischen Zentrum, sondern auch zur AusbildungsstĂ€tte fĂŒr die Novizen aller Abteien der Kongregation.

Neubau trotz schlechter Wirtschaftslage

Salem um 1681
Salem um 1681

Die SteuerausfĂ€lle und die PlĂŒnderungen in den Kriegen des 16. Jahrhunderts hatten die Finanzen der Abtei in eine Notlage gebracht. GrĂ¶ĂŸerer finanzieller Schaden entstand dem Kloster etwa im Schmalkaldischen Krieg (1546-1547), als durchziehende Truppen Schutzgelder erpressten oder sich von den Klöstern Unterkunft und Verpflegung stellen ließen. Die Verschuldung und hohe Reichssteuern zwangen das Kloster zum Verkauf ganzer Dörfer und Zehntrechte weit unter Preis. Die Wirtschaftslage der Abtei sollte sich erst im 18. Jahrhundert wieder erholen.

Trotz der schwierigen Finanzlage und der Kriegshandlungen im Reich entschloss sich Abt Thomas I. Wunn direkt nach seinem Amtsantritt 1615 zu ausgedehnten Neubauten. Er dokumentierte nicht nur den Ehrgeiz des Abtes, sondern auch das gestiegene Selbstbewusstsein des Klosters. Der Wunn'sche Klosterkomplex war zu seiner Zeit eines der grĂ¶ĂŸten Bauprojekte der Bodenseeregion und orientierte sich in seiner Ă€ußeren Gestaltung an den feudalen Schlössern der umliegenden Grafschaften. Die großzĂŒgige Anlage ersetzte die alten, ĂŒber Jahrhunderte gewachsenen und ausgebesserten Klosterbauten durch einen neuen, einheitlichen Gesamtbau, der in den folgenden Kriegsjahren allerdings schwere SchĂ€den davontrug.

DreißigjĂ€hriger Krieg

Im DreißigjĂ€hrigen Krieg (1618-1648) geriet das Kloster zwischen die Fronten. Bereits im Vorfeld des Krieges mussten Truppen einquartiert und verpflegt werden, wobei die durchziehenden Soldaten oft plĂŒnderten und stahlen. 1610 wurde den Einwohnern der zum Kloster gehörenden Gebiete gestattet, eine „Volkswehr“ von 1500 Mann zu bilden und zu bewaffnen; im Jahr des eigentlichen Kriegsbeginns 1618 wurde sie jedoch wieder aufgelöst. Salem war 1609 der Katholischen Liga beigetreten, sperrte jedoch ab 1623 die Beitragszahlungen, weil Truppen der Liga wiederholt von Salem Kontributionen erpresst hatten und weil man fĂŒrchtete, dass das protestantische WĂŒrttemberg bei einem Sieg mit einem Mitglied der Katholischen Liga kurzen Prozess machen wĂŒrde.

Die Schwedenkriege, die SĂŒddeutschland 1632 erreichten, trafen Salem schwer. Der befĂŒrchtete Überfall der schwedischen Truppen am 26. April 1632 verlief glimpflich; weit schwerer setzten Salem die kaiserlichen Regimenter zu. In den Jahren 1632-1647 wurde Salem mehrfach geplĂŒndert und als Truppenunterkunft benutzt. Die durchziehenden Truppen erpressten Schutzgelder, drangsalierten oder ermordeten die Bevölkerung, plĂŒnderten ihre HĂ€user und steckten sie in Brand. Im FrĂŒhjahr 1634 ließ der kaiserliche Feldmarschall Horn das Kloster plĂŒndern; im August desselben Jahres zerstörten Soldaten Teile des MĂŒnsters und stahlen einige Kirchenglocken. Mehrfach musste der Abt mit den verbliebenen Patres nach Konstanz fliehen. Im Herbst 1641 sah sich der Abt gezwungen, den Konvent aufzulösen und die Mönche in andere Klöster zu verschicken.

Erst mit dem Waffenstillstand zwischen Bayern, Schweden und Frankreich im MĂ€rz 1647 kehrte in Salem wieder Frieden ein; die verstreuten Mönche, soweit sie noch am Leben waren, konnten zurĂŒckkehren. Die Abtei hatte zu diesem Zeitpunkt Schulden von rund 190.000 Gulden und stand vor dem Ruin. Der 1647 gewĂ€hlte Abt Thomas II. Schwab wurde erst zehn Jahre spĂ€ter vom Vatikan bestĂ€tigt, weil Salem die geforderten Annaten nicht bezahlen konnte. Zur Schuldentilgung mussten HofgĂŒter, Zehntrechte und weiterer Besitz an Privatleute oder andere Klöster verkauft wurden. Salem blieb jedoch ĂŒber Jahrzehnte hoch verschuldet und vermochte kaum die notwendigen Reparaturen der KlostergebĂ€ude zu bezahlen.

Klosterbrand und Neubau

Der Brand des Salemer Klosters 1697. Supraporte von Andreas Brugger
Der Brand des Salemer Klosters 1697. Supraporte von Andreas Brugger

In der Nacht vom 9. auf den 10. MĂ€rz 1697 ereilte das Kloster eine Brandkatastrophe, in der die meisten GebĂ€ude zerstört wurden. Von einem schadhaften Ofen in der Wachstube im Nordosten des KlostergebĂ€udes breitete sich das Feuer aus, erreichte bald den hölzernen Dachstuhl und griff von dort auf die ĂŒbrigen KonventsgebĂ€ude, die Abtei und das Krankenhaus ĂŒber. LöschzĂŒge der umliegenden Gemeinden vermochten nur das MĂŒnster und den WestflĂŒgel des KonventsgebĂ€udes zu retten. Der Brand vernichtete einen Großteil der KunstschĂ€tze und die wertvolle Handbibliothek des Abtes, wĂ€hrend die Bibliothek und das Klosterarchiv erhalten blieben.

Nur wenige Wochen nach dem Brand wurde beschlossen, das Kloster von Grund auf neu zu errichten. Als Baumeister wurde der Vorarlberger Franz Beer berufen, der am Bau der Klosterkirche von Obermarchtal beteiligt gewesen war. Die neue Anlage sollte nach einem großzĂŒgigen Gesamtplan entstehen. Abt Stephan I. Jung gelang es trotz der nach wie vor hohen Verschuldung des Klosters, rund 350.000 Gulden fĂŒr den Bau aufzubringen; es wird vermutet, dass alte KlosterschĂ€tze dafĂŒr aufkamen, die im DreißigjĂ€hrigen Krieg rechtzeitig weggeschafft worden waren (Siewek 1984; S. 264). Innerhalb eines Jahrzehnts errichte Beer die Neubauten. Bereits im Jahr 1706 konnten sie zum Teil bezogen werden.

Das 18. Jahrhundert

Barocke Prachtentfaltung

Salem um 1765 mit dem monumentalen Turm des Abt Anselm; im Vordergrund dessen sechsspÀnnige Kutsche
Salem um 1765 mit dem monumentalen Turm des Abt Anselm; im Vordergrund dessen sechsspÀnnige Kutsche

Der großzĂŒgige Neubau der Klosteranlage lĂ€utete in Salem ein neues Zeitalter der BlĂŒte ein. Unter den Äbten Konstantin Miller (1725-1745), Anselm Schwab (1746-1778) und Robert Schlecht (1778-1802) gelangte das Kloster im 18. Jahrhundert zum Gipfel seines Reichtums und seiner Pracht. Steuererleichterungen fĂŒr die Abtei stellten den Wohlstand wieder her, der im 17. Jahrhundert verloren gegangen war. An Bedeutung im Reich kam die wohlhabende Abtei lĂ€ngst einem kleinen FĂŒrstentum gleich.

Man war sich in Salem der weltlichen ReprĂ€sentationspflichten eines Reichsstands durchaus bewusst und vertrat dieses Bewusstsein auch nach außen. Abt Anselm ließ sich sogar von Kaiser Franz I. zum Kaiserlichen Geheimrat ernennen; zu seinem Bedauern gelang es ihm jedoch wie seinen VorgĂ€ngern nicht, das Kloster in den Rang einer FĂŒrstabtei zu bringen. Von den Armutsgeboten des Ordens hatte man sich nach außen hin weit entfernt, wĂ€hrend innerhalb des Konvents nach wie vor strenge Zucht herrschte.

Salem als Zentrum der Rokokokunst

Was die Salemer Äbte an politischer Macht nicht erreichen konnten, machten sie als MĂ€zene wieder wett. Im Zuge der Gegenreformation hatte die Katholische Kirche im 17. Jahrhundert begonnen, in Sakralbauten ĂŒberwĂ€ltigende Bilderwelten zu entfalten, um ihre Macht zu demonstrieren und mit großem Pathos die GlĂ€ubigen vom Glanz Gottes zu ĂŒberzeugen. Den Zisterziensern lief solche Pracht eigentlich zuwider, widersprach sie doch den Regeln des Heiligen Bernhard, der ĂŒber die vom Konvent benutzten RĂ€ume ein Bilderverbot verhĂ€ngte. Jedoch machte schon Bernhard eine Ausnahme in seinen Regeln: Bescheidenheit galt nur fĂŒr die Klostermitglieder, die von zuviel Bilderwerk von der rechten Andacht abgelenkt wĂŒrden, wĂ€hrend die Laien durch Prunk leichter vom Glauben zu ĂŒberzeugen seien.

Abt Anselm II. Schwab deutet auf die Wallfahrtskirche Birnau im Hintergrund
Abt Anselm II. Schwab deutet auf die Wallfahrtskirche Birnau im Hintergrund

Mit dieser RĂŒckendeckung und im Bewusstsein ihrer ReprĂ€sentationspflichten als Reichsabtei machten die kunstbeflissenen Äbte des 18. Jahrhunderts Salem zum Zentrum des Rokoko . Zahlreiche Maler , Bildhauer und Baumeister wurden nach Salem gerufen, um fĂŒr die AusschmĂŒckung der Klosterbauten und die weitere Entfaltung sichtbarer Schönheit zu sorgen. Mehrere Mitglieder der Wessobrunner Schule arbeiteten zeitweilig fĂŒr Salem; die Bildhauerfamilie Feuchtmayer und ihre Mitarbeiter lebten vor Ort und standen ĂŒber Generationen im Dienst des Klosters.

Das grĂ¶ĂŸte Bauprojekt der Jahrhundertmitte war die Wallfahrtskirche Birnau, die der Vorarlberger Baumeister Peter Thumb von 1746–1750 weithin sichtbar auf einem HĂŒgelvorsprung am Bodensee errichtete. Als reine Laienkirche waren ihre Fresken und ihre Raumaufteilung ganz auf theatralische Wirkung ausgelegt. Im gleichen Geist entstand auch der riesige Glockenturm auf dem MĂŒnster, den Johann Caspar Bagnato , Baumeister des Deutschordens von 1753–57 plante und ausfĂŒhrte. Von außen zog er vor allem bewundernde Blicke an, wĂ€hrend er innerhalb des Klosters heftig umstritten war und Abt Anselm sogar eine Untersuchung wegen Verschwendungssucht einbrachte. Anselm förderte jedoch nicht nur die KĂŒnstler des Rokoko , sondern lernte bei einem Aufenthalt in Paris auch den französischen FrĂŒhklassizismus zu schĂ€tzen; die von ihm in Auftrag gegebene klassizistische Ausstattung des MĂŒnsters gilt als einzigartig in der sĂŒddeutschen Sakralkunst.

GrĂŒndung der Waisenkasse

Rechnungsbuch der Spar- und Waisenkasse Salem von 1882
Rechnungsbuch der Spar- und Waisenkasse Salem von 1882

Soziale FĂŒrsorge war zu jeder Zeit eine Hauptaufgabe des Klosters. Neben Krankenpflege und UnterstĂŒtzung der Armen gehörte hierzu auch die Versorgung von Waisen . Da deren Vermögen gewöhnlich den Stiefeltern oder „Waisen-Vögten“ zur freien, oft missbrĂ€uchlichen VerfĂŒgung stand, grĂŒndete Abt Anselm II. 1749 die „Ordentliche Waisenkassa“ zur zinstragenden Verwaltung dieser Gelder. 1775 ist sie erstmals urkundlich dokumentiert.

Die Salemer Waisenkasse gilt als erste Sparkasse Deutschlands, weil sie kein privates Kreditinstitut fĂŒr Kaufleute war, sondern von der „öffentlichen Hand“ betrieben wurde und das Geld von Kleinsparern verwaltete. Nach ihrem Vorbild wurden die Waisenkassen in Bonndorf (1765) und Heiligenberg (1784) eröffnet. Aus der Salemer Waisenkasse ging 1806 die Großherzogliche MarkgrĂ€flich Badische Waisenkasse hervor; die heutige Sparkasse Salem-Heiligenberg beruft sich auf diese Tradition und konnte somit im Jahr 1999 ihr 250jĂ€hriges Bestehen feiern.

Von 1800 bis zur Gegenwart

SĂ€kularisation

Das Konstanzer Bistum wurde am Ende des 18. Jahrhunderts von dem Josephinisten Ignaz Heinrich von Wessenberg verwaltet. Die aufklĂ€rerische Stimmung im Bischofssitz richtete sich vor allem gegen die umliegenden Abteien, konnte gegen Salem jedoch wenig ausrichten. Die französischen Primarabteien der Zisterzienser wurden im Zuge der Französischen Revolution 1792 aufgelöst, womit die deutschen Zisterzen auf sich allein gestellt waren. Die französischen Truppen, die im Zuge der Koalitionskriege 1795 ins Bodenseegebiet einmarschierten, trugen die antiklerikale Stimmung ins Land und zwangen den Konvent mehrfach, in die Schweizer Klöster Wettingen und St. Gallen zu fliehen. Sowohl die französischen Soldaten wie die russischen Truppen, die 1799 einmarschierten, ließen sich von Salem Schutzgelder ausbezahlen.

Salem zur Zeit der SĂ€kularisation: Österreichisches MilitĂ€r lagert vor dem Kloster
Salem zur Zeit der SĂ€kularisation: Österreichisches MilitĂ€r lagert vor dem Kloster

So war der Konvent bereits von der Ordensstruktur isoliert und durch Kriegswirren verunsichert, als am 24. August 1802 die außerordentliche Reichsdeputation zusammentrat, um die Auflösung der geistlichen ReichsstĂ€nde zu beschließen. Die BesitztĂŒmer der Klöster sollten sĂ€kularisiert werden, um die deutschen FĂŒrstentĂŒmer fĂŒr den Verlust ihrer BesitztĂŒmer in den Koalitionskriegen zu entschĂ€digen. Viele Regenten ließen die Klöster auf ihren Territorien noch im Herbst desselben Jahres beschlagnahmen, so auch Markgraf Karl Friedrich von Baden , der das Kloster Salem am 1. Oktober provisorisch und am 4. Dezember 1802 offiziell fĂŒr die Markgrafschaft Baden in Besitz nahm. Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. MĂ€rz 1803 ratifizierte den Beschluss und besiegelte so auch das Schicksal von Salem. Karl Friedrich ĂŒberantwortete das Kloster seinen Söhnen Ludwig und Friedrich, die sich zunĂ€chst aus sentimentalen GrĂŒnden einen Fortbestand des Konvents wĂŒnschten; als dies nicht machbar erschien, beschlossen sie wenig spĂ€ter, ihn doch vollstĂ€ndig zu zerschlagen.

Am 23. November 1804 wurde Salem geschlossen. Die meisten der 61 geistlichen Konventsmitglieder verließen das Kloster; viele ließen sich als Geistliche in umliegenden Ortschaften nieder. Im Unterschied zu anderen SĂ€kularisationen wurde Salem jedoch nicht gewaltsam zerschlagen. Die Aufhebung wurde vielmehr vertraglich geregelt und die Patres wurden mit Pensionen entschĂ€digt. Die Klosterbibliothek wurde grĂ¶ĂŸtenteils in die UniversitĂ€tsbibliothek Heidelberg verbracht, wogegen die MĂŒnzsammlung und viele KunstgegenstĂ€nde bis heute verschollen sind. Viele KirchenschĂ€tze und Liegenschaften wurden verkauft, um die drĂŒckenden Kriegslasten zu tilgen.

Zum Zeitpunkt der Aufhebung hatte Salem enorme jĂ€hrliche EinkĂŒnfte und besaß Vermögenswerte von rund drei Millionen Gulden, darunter 330 Quadratkilometer Land mit etwa 6000 Einwohnern. Dazu gehörten unter anderem die OberĂ€mter Salem, Ostrach und Schemmerberg , die ObervogteiĂ€mter Stetten am kalten Markt und die MĂŒnchhöfe sowie die PflegĂ€mter Ehingen und Unterelchingen .

Einrichtung des Internats

Die Anlage blieb fĂŒr etwa ein Jahrhundert weitgehend ungenutzt, bis nach dem Ende des Ersten Weltkriegs der entmachtete Reichskanzler Prinz Max von Baden dort seinen Wohnsitz einrichtete. Das umgetaufte „Schloss Salem“ diente nun den Nachkommen der Großherzöge von Baden als „Exilwohnung“ im ehemals eigenen Land. Auch heute wird ein Teil des GebĂ€udes als Wohnraum genutzt.

Max von Baden lud 1920 den PĂ€dagogen Kurt Hahn ein, im KlostergebĂ€ude eine Reformschule zu eröffnen. Seine eigenen Kinder sollten dort ungefĂ€hrdet zur Schule gehen können; darĂŒber hinaus sah sich der Prinz als Förderer der ReformpĂ€dagogik . Das Internat Schule Schloss Salem zĂ€hlt heute zu den renommiertesten Privatschulen Deutschlands und hat nach wie vor im Westteil des Schlosses ihren Hauptsitz. Im Schloss selbst werden allerdings nur noch die SchĂŒler der Mittelstufe unterrichtet.

Tourismus

Bereits im 19. Jahrhundert zogen MĂŒnster und Schloss Kunstinteressierte an. Heute hat Schloss Salem als Touristenattraktion ĂŒberregionale Bedeutung. Da Besucher nur einen kleinen Teil des eigentlichen KlostergebĂ€udes besichtigen können, wurden zusĂ€tzliche SehenswĂŒrdigkeiten eingerichtet, darunter ein Feuerwehrmuseum, ein KĂŒfereimuseum und SchauwerkstĂ€tten verschiedener Kunsthandwerksbetriebe. Die Besichtigung des MĂŒnsters und der KlosterrĂ€ume ist derzeit nur gegen eine GebĂŒhr und in gefĂŒhrten Gruppen möglich.

Architektur

Salem im frĂŒhen 19. Jahrhundert. Romantisches Landschaftsbild von Carl Ludwig Frommel
Salem im frĂŒhen 19. Jahrhundert. Romantisches Landschaftsbild von Carl Ludwig Frommel

Die Salemer Klosteranlage, seit 1804 Schloss der Markgrafen von Baden, liegt am Hang eines HĂŒgels in der EndmorĂ€nenlandschaft des Linzgau im sĂŒdlichen Baden-WĂŒrttemberg, sechs Kilometer vom Ufer des Bodensees entfernt. Die nĂ€chsten NachbarstĂ€dte sind im Westen die einstige freie Reichsstadt Überlingen und im SĂŒden Meersburg, ehemals Residenz der FĂŒrstbischöfe von Konstanz . Im Nordosten Salems liegt Heiligenberg, heute eine Kleinstadt, zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches jedoch eine Residenz des FĂŒrstenhauses FĂŒrstenberg und ein streitbarer Nachbar des Klosters. Mit diesen drei Nachbarn konkurrierte das Kloster nicht nur in politischer und wirtschaftlicher, sondern auch in baulicher Hinsicht.

Bis heute ist das Salemer Umland agrarisch geprĂ€gt und wenig besiedelt, so dass sich von den HĂŒgeln der Umgebung aus auch heute noch ein imposanter Gesamteindruck der ehemaligen Klosterbauten ergibt. Das von einer Mauer umzĂ€unte GelĂ€nde erstreckt sich auf einer FlĂ€che von annĂ€hernd 500 x 400 Metern, womit es zu den grĂ¶ĂŸten Klosteranlagen der Zisterzienser im deutschsprachigen Raum gehört. Im Zentrum des GelĂ€ndes steht der mĂ€chtige barocke Komplex des Konvents- und AbteigebĂ€udes mit dem MĂŒnster. Der nördlich davon gelegene Wirtschaftstrakt ist Ă€lteren Datums, aber dennoch ebenfalls von imposanter GrĂ¶ĂŸe. Weitere WirtschaftsgebĂ€ude sind ĂŒber das weitlĂ€ufige GelĂ€nde mit seinen Gartenanlagen und WiesenflĂ€chen verstreut.

MĂŒnster

Grundriss des MĂŒnsters
Grundriss des MĂŒnsters

Siehe hierzu auch den ausfĂŒhrlichen Artikel Salemer MĂŒnster.

Salems erste Klosterkirche, um 1150 begonnen und 1179 geweiht, war wahrscheinlich eine dreischiffige Basilika mit Querschiff, das in sechs Kapellen aufgeteilt war. Weil sie fĂŒr den gewachsenen Konvent zu klein wurde, wurde sie etwa hundert Jahre nach ihrer Vollendung abgerissen, um einem großzĂŒgigeren Neubau zu weichen.

Die zweite Klosterkirche, das hochgotische MĂŒnster , ist als Baukörper in das Klostergeviert integriert. Die strengen, hoch aufragenden Formen der Kirche kontrastieren mit dessen ausladendem barockem Baustil. Neuesten Bauuntersuchungen zufolge wurde der Bau um 1285 begonnen und um 1425 abgeschlossen. Der Baukörper entspricht bis auf einige Details an der Fassade noch der ursprĂŒnglichen Form.

Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit nicht vorspringendem Querhaus und Umgangschor auf einer rechteckigen GrundflĂ€che von 67x28 m. Auffallend sind die monumentalen Harfengiebel ( Wimperge ) an den Frontseiten des Langhauses und des Querschiffes. Zusammen mit den Lanzettfenstern verleihen sie dem Ă€ußerlich eher grobschlĂ€chtigen Bau eine gewisse FiligranitĂ€t.

Der Innenraum wurde nach 1750 architektonisch vereinfacht, indem man die Binnengliederung des Chorraums teilweise entfernte und dadurch das Chormittelschiff verlĂ€ngerte. Der zwischen 1720 und 1765 im Stil des Rokoko ausgestattete Innenraum wurde von 1769-1783 nach klassizistischem Stilempfinden umgestaltet. Zur Ausstattung gehört ein klassizistisches ChorgestĂŒhl aus der Werkstatt von Josef Anton Feuchtmayer , frĂŒhbarocke Holzskulpturen der zwölf Apostel und ein spĂ€tgotisches Sakramentshaus .

Von etwa 1756-1807 trug das MĂŒnsterdach einen hohen Glockenturm aus Holz, der das MĂŒnster um ĂŒber 50 Meter ĂŒberragte. Weil er baufĂ€llig war, musste er abgerissen und wieder durch einen niedrigen Dachreiter ersetzt werden. Der Turm verdankte sich der ReprĂ€sentationslust Abt Anselms II. und sorgte innerhalb des Klosters fĂŒr heftige Kritik.

Von der SĂ€kularisation bis 1909 diente das MĂŒnster als Pfarrkirche der Katholischen Gemeinde . Heute ist es Touristen gegen GebĂŒhr zugĂ€nglich.

KlostergebÀude: VorgÀngerbauten

Erste Anlage: Die ersten Klosterbauten wurden nach 1137 errichtet. Mit großer Wahrscheinlichkeit folgten sie dem Idealplan, den Bernhard von Clairvaux von 1133-1145 in Clairvaux baulich umsetzen ließ und der in der Folge fĂŒr die Zisterzienserklöster des Mittelalters verbindlich wurde. Er sieht ein rechteckiges GebĂ€udegeviert vor, das das Kloster symbolisch als gegen die Welt abgeschlossenen Ort kennzeichnet. Eine Seite des Gevierts wird von der Kirche eingenommen, die als dreischiffige Basilika mit kreuzförmigem Grundriss angelegt sein sollte. Die Kirche war vom KlausurgebĂ€ude wie vom Kreuzgang des Innenhofs aus durch TĂŒren zugĂ€nglich. Östlich an das Klausurgeviert waren das AbteigebĂ€ude und das Krankenhaus angeschlossen.

Die gesamte Anlage war von einer Wehrmauer und teilweise von einem Wassergraben umschlossen, die Abt Ulrich II. von Seelfingen (1282-1311) anlegen ließ. Dieser Etter sollte nicht nur PlĂŒnderer abhalten, sondern auch die EigenstĂ€ndigkeit des Rechtsprechungs -Bezirks bekrĂ€ftigen. Des Weiteren ließ Ulrich Nutzbauten und WohnhĂ€user fĂŒr die Handwerker errichten sowie die Bibliothek und die Kunstsammlung erweitern. Nordwestlich der Anlage entstand wohl Ende des 13. Jahrhunderts eine Pfarrkirche , die den Heiligen Leonhard von Limoges und Bernhard von Clairvaux geweiht war. Eine Anzahl von GebĂ€uden wurde im Laufe des 13. - 16. Jahrhunderts renoviert oder abgerissen und neu errichtet. Besonders fĂŒr die Jahrzehnte von 1470-1530, als die Abtei den Zenit ihrer reichspolitischen Bedeutung erreicht hatte, ist eine rege BautĂ€tigkeit dokumentiert, bei der nach und nach fast alle vom Konvent benutzten Bauten neu errichtet wurden. Von sĂ€mtlichen Bauwerken dieser Zeit sind allerdings bis auf das MĂŒnster keine sichtbaren Reste erhalten.

Salem mit der neu errichteten Klosteranlage um 1665. Die Zeichnung dokumentiert nur grob den damaligen Baubestand.
Salem mit der neu errichteten Klosteranlage um 1665. Die Zeichnung dokumentiert nur grob den damaligen Baubestand.

Zweite Anlage: Von 1615-1630 ließ Abt Thomas Wunn die kompletten Konvents- und Abteibauten und einige WirtschaftsgebĂ€ude durch den Baumeister Balthasar Seuff aus Kempten neu errichten. Teile des GebĂ€udes wurden auch von Salemer Werkmeistern geplant und ausgefĂŒhrt. Im Gesamtbild erschien der Komplex wesentlich geschlossener als das nach fast fĂŒnf Jahrhunderten der ErgĂ€nzungen und Umbauten vermutlich recht heterogene Ensemble der VorgĂ€ngerbauten. Detaillierte Ansichten und PlĂ€ne dieser GebĂ€ude sind leider nicht ĂŒberliefert; die Anordnung der RĂ€ume lĂ€sst sich aber aus den erhaltenen Dokumenten weitgehend rekonstruieren.

Das GebĂ€ude besaß drei Höfe, deren grĂ¶ĂŸter, der quadratische Innenhof des Konventsbaus, ein vollstĂ€ndig verglaster Kreuzgang umringte. Das große Geviert mit einer GrundflĂ€che von 78x78 m beherbergte die WohnrĂ€ume der Mönche, im OstflĂŒgel die Sakristei , die Reliquienkammer , den Kapitelsaal und eine WĂ€rmestube, im SĂŒden die KĂŒche und den Speisesaal ( Refektorium ); im WestflĂŒgel das Sommerrefektorium und das Priorat . Den NordflĂŒgel des dreistöckigen Gevierts bildete das MĂŒnster. Im Osten schlossen sich hufeisenförmig die AbteirĂ€ume, das Krankenhaus, die Novizenschule und die Haus- oder Krankenkapelle an. Im Obergeschoss ĂŒber der Kapelle war die Bibliothek untergebracht. Die Fassaden waren in einheitlichem Weiß gehalten und mit großen Staffelgiebeln versehen.

Das ehrgeizige Projekt hatte wohl die feudalen Residenzbauten der oberschwĂ€bischen Grafschaften zum Vorbild: Das Heiligenberger Schloss wurde 1559 errichtet; die Residenz in Messkirch 1557, das Schloss der FĂŒrsten zu Wolfegg zwischen 1578 und 1583. Die Seuff'sche Anlage wurde neben dem großen internationalen Modell des Escorial zum Vorbild fĂŒr die barocken Klosterbauten Österreichs wie dem Stift Schlierbach (1672 neu errichtet) oder dem Kloster Lambach (1678-1702). Von dem Wunn'schen Bau ist heute lediglich ein Teil der ÖkonomiegebĂ€ude, der Obere Langbau, erhalten, indem sich heute das KĂŒfereimuseum befindet; der Rest wurde beim Brand von 1697 zerstört oder kurz danach im Zuge des Neubaus abgetragen.

KlostergebÀude: Heutige Anlage

MĂŒnster und KonventsgebĂ€ude von Westen
MĂŒnster und KonventsgebĂ€ude von Westen

Der barocke Komplex des heute bestehenden Abtei- und KonventsgebĂ€udes zĂ€hlt mit einer GrundflĂ€che von 180 x 90 m zu den grĂ¶ĂŸten dieser Art im sĂŒddeutschen Raum. Der Bau wurde nach dem verheerenden Klosterbrand von 1697 von dem Vorarlberger Baumeister Franz Beer geplant und binnen eines Jahrzehnts errichtet. Beer orientierte sich bei dem Neubau sowohl an den Seuff'schen VorgĂ€ngerbauten wie auch an den sĂŒddeutschen Barockschlössern. Vorbilder lassen sich auch unter den Illustrationen des spanischen Jesuiten Juan Bautista Villalpando (1552-1608) finden Litauen Litauen . Die Beersche Anlage wurde selbst richtungsweisend: 1702 ĂŒbernahm das Kloster Einsiedeln einige Bauelemente des Salemer Entwurfs; Beer selbst errichtete fĂŒr die Reichsabtei Kaisheim ab 1716 ein Ă€hnliches GebĂ€ude.

Der Komplex besteht aus zwei oblongen vierstöckigen Gevierten, die im SĂŒden durch einen langen QuerflĂŒgel, im Norden durch das MĂŒnster verbunden sind. Die spiegelsymmetrische Anlage ist durch vorspringende, um ein halbes Stockwerk erhöhte Eck- und Mittelrisalite gegliedert. Das westliche Geviert war das KonventsgebĂ€ude mit dem Kreuzgang und dem Konventsgarten der an der Nordseite durch das MĂŒnster abgeschlossen wird. Das östliche Geviert war das AbteigebĂ€ude mit dem so genannten PrĂ€latenhof; der mittlere Hof wurde Novizengarten genannt.

Trompe-l'oeil-Fensterrahmen im Novizengarten
Trompe-l'oeil -Fensterrahmen im Novizengarten

Die Außenfassaden und ihre mit Voluten geschmĂŒckten Scheingiebel wurden von Johann Georg Wieland am Ende des 18. Jahrhunderts in klassizistischem Stil mit ockergelbem Bossenwerk , gelben Fensterrahmen und FensterlĂ€den dekoriert. In den Innenhöfen sind heute wieder die ursprĂŒnglichen barocken Trompe-l'oeil -Zierrahmen zu sehen. An der Nordseite des AbteigebĂ€udes ist die Anlehnung an höfische Architektur am deutlichsten sichtbar. Hier wurde mit dem großen Portal ein wĂŒrdiger Rahmen fĂŒr höfische Empfangszeremonielle geschaffen, wie ihn in dieser Weise keine andere schwĂ€bische Abtei besaß.

Viele der RĂ€umlichkeiten besitzen eine prachtvolle Ausstattung mit Stuck , GemĂ€lden und KunstgegenstĂ€nden aus der Zeit des Barock , Rokoko und des Klassizismus . Die Stuckateure Michael Wiedemann , Johann Schmuzer und seine Söhne Franz und Joseph , die zur Wessobrunner Schule gezĂ€hlt werden, fertigten von 1707-1710 den Stuck unter anderem in der Sakristei , im Priorat , im Refektorium , in der Reliquienkammer und im Bernhardusgang. Ab 1706 war Franz Joseph Feuchtmayer in Salem tĂ€tig. Er stattete unter anderem den Kaisersaal sowie das Audienzzimmer des Abtes (heute MĂŒnzkabinett) mit Standbildern, BĂŒsten und Reliefszenen aus. Mit Feuchtmayers Sohn Joseph Anton Feuchtmayer , der 1718 nach dem Tod des Vaters dessen Werkstatt ĂŒbernahm, wurde Salem zum sĂŒdwestdeutschen Zentrum des Rokoko . Weitere Dekorationen stammen von Feuchtmayers Teilhaber Johann Georg Dirr , dessen Bruder Franz Anton Dirr und seinem Schwiegersohn Johann Georg Wieland, die den Stilwechsel zum Klassizismus in Salem einfĂŒhrten.

KonventsgebÀude

Bernhardusgang im KonventsgebÀude
Bernhardusgang im KonventsgebÀude

Das KonventsgebĂ€ude (westliches Geviert) beherbergte einst die WohnrĂ€ume der Patres, LaienbrĂŒder und Novizen, die DienstrĂ€ume des Priors und Subpriors, den Disputationssaal und den Kapitelsaal. Im sĂŒdlichen QuerflĂŒgel, der beide GebĂ€udeteile verbindet, befand sich das Refektorium , die KĂŒchen, die Buchbinder- und Schneiderwerkstatt. Die meisten RĂ€ume werden heute von der Schule Schloss Salem genutzt und sind der Öffentlichkeit nicht zugĂ€nglich.

Eine kĂŒnstlerische Meisterleistung ist der Bernhardusgang, der zum Kreuzgang des Innenhofs gehört und das MĂŒnster mit dem KonventsgebĂ€ude verbindet. Hier finden sich die frĂŒhesten Stuckaturen der Familie Schmuzer. Ein GemĂ€ldezyklus von Andreas Brugger stellt das Leben des Ordensheiligen Bernhard von Clairvaux dar. Im SĂŒd- und Westteil des Kreuzgangs finden sich Stuckaturen von Joseph Anton Feuchtmayer sowie eine Reihe von PortrĂ€tbildern der Salemer Äbte. Der Kreuzgang umschloss den Innenhof ursprĂŒnglich an vier Seiten; der Nordteil wurde jedoch im 19. Jahrhundert abgebrochen, um dem MĂŒnster mehr Licht zu verschaffen.

Das Sommerrefektorium diente als Speisesaal der Mönche, wenn das eigentliche Refektorium nicht benutzt wurde. Der prachtvoll ausgestattete Raum besitzt eine Stuckdecke von Wiedemann und ein marmoriertes Eingangsportal von Kaspar BuechmĂŒller. GemĂ€lde von Joseph Anton Hersche , Jakob Carl Stauder und Johann Michael Feuchtmayer sowie ein Zyklus mit 14 Ordensheiligen von Jacopo Pellandella (1725/26) zieren die WĂ€nde. Die Decke schmĂŒckt eine monumentale Darstellung des Letzten Abendmahls nebst weiteren biblischen Motiven, die sich auf das Thema „geistige und materielle Speisung“ beziehen. Der großer Kachelofen , der einst den Raum beheizte, zeigt auf den farbig glasierten Kacheln biblische Motive und Darstellungen der Mönche bei der Arbeit in Handwerk und Landwirtschaft. Seit 1854 nutzt die örtliche Evangelische Gemeinde den Raum fĂŒr Gottesdienste.

AbteigebÀude

Der Bibliothekssaal um 1880
Der Bibliothekssaal um 1880

Im AbteigebĂ€ude (östliches Geviert) befanden sich ursprĂŒnglich das Krankenhaus, die Bibliothek, das Klosterarchiv und die Wohn- und AmtsrĂ€ume des Abtes. Hohe GĂ€ste wurden ebenfalls hier untergebracht. Besonders prachtvoll ausgestattet sind die Empfangs- und DienstrĂ€ume der Abtei; die PrivatrĂ€ume und Privatkapelle des Abtes sind dagegen sehr nĂŒchtern und einfach gehalten.

Im zweigeschossigen Bibliothekssaal im WestflĂŒgel finden sich Deckenstuckaturen von Franz Joseph Feuchtmayer und eine klassizistische Ausstattung aus Johann Georg Wielands Werkstatt. Ein umfangreicher Zyklus von Fresken , die Motive aus dem Alten und Neuen Testament sowie der Geschichte der Abtei darstellten, schmĂŒckte einst die WĂ€nde; sie wurden bei der Umdekoration teilweise ĂŒbermalt.

Üppig ausgestattet mit barocken Stuckaturen und Bildwerken aus der Zeit um 1707 ist der Kaisersaal, der Standbilder von 16 Römisch-deutschen Kaisern und BĂŒsten von 16 PĂ€psten versammelt, in welchen das Kloster seine wichtigsten Gönner sah. Die Gestaltung des Raumes folgte der frĂŒhneuzeitlicher KaisersĂ€le in feudalen Residenzen und sollte Salems Anspruch auf die Reichsunmittelbarkeit und die UnterstĂŒtzung der Reichsidee betonen. Die Reihe der PĂ€pste beginnt mit Stephan IX. und endet mit Clemens XI. . Die Reihe der Kaiser beginnt mit dem Staufer Lothar III., dessen letztes Amtsjahr 1137 als GrĂŒndungsjahr der Abtei in Frage kommt, und endet mit dem Habsburger Leopold I. (1658-1705). Um das Vorrecht der Kirche vor dem Reich zu demonstrieren, ließ das Kloster die PapstbĂŒsten allerdings etwas höher anordnen als die Figuren der Kaiser.

GÀrten und WirtschaftsgebÀude

Neue Schule, erbaut 1791
Neue Schule, erbaut 1791

Das KlostergelĂ€nde ist von einer Mauer umschlossen und war frĂŒher im Westen durch das Obere Tor (erbaut 1778/79), im Norden durch das Untere Tor (1705/07) zugĂ€nglich. Die Mauer diente ursprĂŒnglich als Schutz des Klostergebiets und als Grenzmarkierung des Rechtsgebiets des Klosters ( Etter ) im Mittelalter. Im Osten des GelĂ€ndes liegt eine weitlĂ€ufige barockisierte Gartenanlage, im SĂŒden eine große Obstbaumwiese.

Im Norden und Westen des GelĂ€ndes liegen die WirtschaftsgebĂ€ude: StĂ€lle, Weinpresse und Kellerei befinden sich im Oberen Langbau, einem lang gezogenen GebĂ€udetrakt, dessen einzelne Abschnitte aus verschiedenen Epochen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert stammen. Auch die Gerichtsstube und das GefĂ€ngnis waren hier untergebracht, denn das Kloster besaß die niedere und ab 1637 auch die Hohe Gerichtsbarkeit ĂŒber seine Gebiete. Auf einem nahe gelegenen HĂŒgel gab es daher auch eine GalgenstĂ€tte . In den anderen ehemaligen WirtschaftsgebĂ€uden sind heute SchulrĂ€ume, SchauwerkstĂ€tten und Museen untergebracht.

SĂŒdlich des KlostergebĂ€udes liegen verstreut weitere WerkstĂ€tten wie die Druckerei und die Zimmerei . Die so genannte Neue Schule wurde 1791 mit einem damals modernen Mansarddach als Novizenschule errichtet; sie diente spĂ€ter als markgrĂ€fliches Rentamt und heute als VerwaltungsgebĂ€ude. Im Westen, wo das GelĂ€nde leicht ansteigt, steht das Obere Tor, das um 1778/79 erbaut und von Johann Georg Dirr klassizistisch gestaltet wurde. Das Untere Tor an der Nordostecke des GelĂ€ndes nahe dem heutigen Eingangsbereich fĂŒr Touristen ist Ă€lteren Datums; es wurde durch Franz Beer 1705-07 im Zuge des Klosterneubaus errichtet, brannte jedoch 1732 ab und wurde drei Jahre spĂ€ter nach EntwĂŒrfen von Josef Anton Feuchtmayer neu gebaut. Ab 1739 diente es als Apotheke . Der einstige Figurenschmuck aus Feuchtmayers Werkstatt fiel 1961 einem Brand zum Opfer. Durch die beiden Tore verlief ursprĂŒnglich der Hauptverkehrsweg quer ĂŒber das GelĂ€nde.

Denkmalpflege

Das Westportal des MĂŒnsters vor 1885
Das Westportal des MĂŒnsters vor 1885

Nach der Beschlagnahmung des KlostergelĂ€ndes durch das Herzogtum Baden wurde zwischen 1807 und 1858 eine Reihe von GebĂ€uden abgerissen, darunter der riesige MĂŒnsterturm. Auch die Pfarrkirche St. Leonhard neben dem Oberen Tor, das so genannte Mittlere Tor und einige weitere GebĂ€ude fielen der Sparsamkeit und den kurzfristigen BedĂŒrfnissen der Bewohner zum Opfer.

Der „von Obrigkeits wegen gebilligte Denkmalsfrevel“ ( Georg Dehio ) endete erst unter der Regentschaft von Friedrich I. , von 1852 bis 1907 Landesherr von Baden. Nach langwierigen Auseinandersetzungen um die Finanzierung wurde zunĂ€chst von 1883-1892 das MĂŒnster renoviert; 1889 begann die Renovierung der schadhaften Klosterfassade. Die Wiederherstellung ging einher mit einer fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse vorbildlichen Auffassung von Denkmalschutz : Es wurde versucht, möglichst viel von der historischen Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die GebĂ€ude gegen Witterung und weiteren Verfall zu schĂŒtzen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das SchulgebĂ€ude modernisiert, da die Zahl der SchĂŒler gestiegen war. Der Obere Langbau wurde zu InternatswohnrĂ€umen umgebaut. Die Nutzbauten wurden instand gesetzt und als historischer Bestand wieder entdeckt. 1962 wurde eine Umgehungsstraße angelegt – bis dahin verlief die Verkehrsverbindung zwischen Überlingen und Salem quer ĂŒber das KlostergelĂ€nde durch das Untere und Obere Tor.

Eine zweite Restaurierung des KlostergebĂ€udes leitete 1979 das Landesdenkmalamt Baden-WĂŒrttemberg in die Wege. Die Reparatur der Fassaden und der etwa 3,6 Hektar DachflĂ€che des KonventgebĂ€udes wurde 1990 abgeschlossen. Von 1997 bis 2002 wurde der Baukörper des MĂŒnsters bestandsgesichert, wĂ€hrend eine umfassende Restaurierung des Innenraums noch aussteht.

Weitere Bauten des Klosters

  • Die Wallfahrtskirche Birnau wurde 1747-1750 von dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb errichtet. Sie liegt einige Kilometer sĂŒdlich von Salem auf einem HĂŒgelvorsprung ĂŒber dem Bodensee. Die „Birnau“ ersetzte eine kleine Wallfahrtskirche unweit von Überlingen, die ĂŒber Jahrhunderte hinweg ein Streitfall mit der Stadt gewesen war. Im Gegensatz zum schlichten MĂŒnster wurde sie mit prunkvollen Fresken ausgestattet, die im Zuge der Gegenreformation die Laien von der GrĂ¶ĂŸe Gottes ĂŒberzeugen sollten. Heute gehört die „Birnau“ zur österreichischen Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau und ist eine der meistbesuchten SehenswĂŒrdigkeiten und Wallfahrtsorte am Bodensee.
  • Das barocke Schloss Maurach am Bodenseeufer unterhalb der Wallfahrtskirche Birnau war ursprĂŒnglich ein Gutshof mit Schiffslandestelle und diente spĂ€ter auch als Sommersitz der Äbte.
  • Die Stefansfeld-Kapelle im klosternahen Ortsteil Stefansfeld errichtete Franz Beer , der Architekt des KlostergebĂ€udes, von 1707-1710. Sie fĂ€llt durch einen ungewöhnlichen Zentralbau mit Kuppeldach auf. Neben der Kirche lag ursprĂŒnglich der Laienfriedhof der Pfarrgemeinde. Hier liegen Josef Anton Feuchtmayer und Johann Georg Dirr begraben, Schöpfer zahlreicher Kunstwerke im Kloster Salem.

Exkurse

Personelle Organisation des Klosters

Entwicklung des Klosters
Mönche Konversen
1282 100 100
1311 130 180
1323 125 160
1377 100 80
15. Jh. 60 30
1573/74 56 12
1599 53 3
1683 37 8
1720 49 10
1754 44 15
1804 61 17

Die Salemer Äbte und Mönche stammten zum Teil aus dem Hochadel und dem wohlhabenden BĂŒrgertum . Ein betrĂ€chtlicher Anteil rekrutierte sich jedoch auch aus bĂ€uerlichen Familien der umliegenden Dörfer; so stammte beispielsweise etwa ein Drittel der Äbte seit der Wende zum 16. Jahrhundert aus der Untertanenschaft des Klosters. Diese große soziale MobilitĂ€t war im Vergleich zur rigiden Gesellschaftsstruktur der Zeit recht ungewöhnlich: Ein Mann aus der einfachen Bevölkerung wie Abt Johannes II. Scharpfer (1494-1510) konnte so sogar zum Mitglied des Reichsregiments aufsteigen.

Zahlreiche LaienbrĂŒder (auch Konversen genannt) waren, wie bei den Zisterziensern ĂŒblich, Teil des Klosterpersonals. Sie lebten getrennt von den Mönchen und trugen im Gegensatz zu diesen einen Bart, weshalb sie auch fratres barbati genannt wurden. Unter ihnen fanden sich MĂŒller, BĂ€cker, Weber, Tischler, Landarbeiter, aber auch hoch qualifizierte Architekten, Bildhauer und Ingenieure. LaienbrĂŒder bestellten die Äcker und bewirtschafteten die GĂŒter, die Handwerker arbeiteten in den klostereigenen WerkstĂ€tten. Ab dem 15. Jahrhundert ging ihr Anteil immer weiter zurĂŒck. FĂŒr grĂ¶ĂŸere Arbeiten wurden dann gewöhnlich Handwerker von außerhalb verpflichtet; fĂŒr kleinere Instandhaltungen und liturgische Utensilien konnte das Kloster jedoch selbst sorgen. Das Uhrwerk der Wallfahrtskirche Birnau etwa wurde wahrscheinlich um 1750 von einem klostereigenen Uhrmacher gefertigt.

Die grĂ¶ĂŸte Zahl an Bewohnern – 310 Mönche und LaienbrĂŒder – hatte das Kloster zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Die zahlreichen Kriege, aber auch die schwindende AttraktivitĂ€t des Klosterlebens ließen die Zahl der Mönche ĂŒber die Jahrhunderte hinweg schrumpfen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts ließ die klösterliche Disziplin mehr und mehr nach. Die EindĂ€mmung des Vagantentums wurde zu einem Hauptproblem der Klosterverwaltungen. Insbesondere Mönche aus adeligen Familien sahen im Eintritt in das Klosterleben nicht mehr religiöse ErfĂŒllung, sondern bequeme Sicherung der Grundversorgung. Neue Vollmachten, die Papst Paul II. 1468 dem Abt des Klosters gewĂ€hrte, erlaubten die Bestrafung pflichtvergessener Mönche und die allmĂ€hliche Wiederherstellung der Klosterordnung. Dennoch schrumpfte die Zahl der Mönche weiter, bis Salem gegen Ende des DreißigjĂ€hrigen Krieges zeitweilig ganz entvölkert war. In der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts erlebte das Kloster wieder einen Aufschwung, so dass bei seiner Schließung 1804 wieder 78 Bewohner gezĂ€hlt wurden.

Schrifttum

Seite aus einem Salemer Abtsbrevier von 1494; unten ist der Abt Johannes Stantenat bei einer Bootsfahrt auf dem Bodensee zu sehen
Seite aus einem Salemer Abtsbrevier von 1494; unten ist der Abt Johannes Stantenat bei einer Bootsfahrt auf dem Bodensee zu sehen

Wie jede Zisterzienserabtei hatte auch Salem im Mittelalter ein eigenes Skriptorium . Eine bedeutende Buchproduktion setzte in der Amtszeit von Abt Eberhard von Rohrdorf (1191-1240) ein. Eine Hauptaufgabe der Skriptoren war es, die liturgischen BĂŒcher zu kopieren, die die Ordensleitung als verbindlich ansah. Von den in Salem hergestellten Handschriften aus dem 13.–16. Jahrhundert ist eine beachtliche Anzahl erhalten, darunter Predigten im Dialekt der Salemer Gegend aus der Zeit um 1450. FĂŒr die Salemer Buchmalereien der FrĂŒhzeit sind grĂŒnes, rotes und blaues Rankenwerk sowie der dekorative Einsatz von Polypenblumen typisch; eher selten sind figĂŒrliche Illustrationen.

Über die Jahrhunderte kamen BuchkĂ€ufe von außerhalb hinzu, wobei besonders die Äbte des 18. Jahrhunderts die Bibliothek durch HandschriftenkĂ€ufe ergĂ€nzten. Ab 1611 besaß Salem als eines der ersten deutschen Zisterzienserklöster eine eigene Druckpresse , die zunĂ€chst kleine liturgische Drucksachen herstellte und spĂ€ter auch AuftrĂ€ge von außerhalb annahm. Viele Antiphonare und andere liturgische Werke wurden dennoch weiterhin in manuellen Abschriften verwendet.

Der Klosterbrand von 1697 verschonte das Klosterarchiv und die Bibliothek, die in feuersicheren Gewölben untergebracht waren. Vernichtet wurde allerdings die wertvolle Handbibliothek des Abtes, wo

„ein nahmhafter theyl allerhand gueter BĂŒcher, darunter auch das schöne original manuscriptum Concili constantiensis, welche man aus der in höchster gefahr gestandene Bibliothec hat salviren wollen, damit aber vom Feuer ĂŒbereylt und in Rauch aufgang.“

Bei dem verbrannten „original manuscriptum“ handelte es sich um eine offizielle Aktensammlung des Konstanzer Konzils samt der Konzilschronik von Ulrich Richental , die in Salem in der frĂŒhen Neuzeit als Dokumentenschatz von internationaler Bedeutung galt.

Die UniversitĂ€t Heidelberg kaufte 1826/27 die Bibliotheken von Salem und Petershausen als Grundstock fĂŒr den Wiederaufbau der UniversitĂ€tsbibliothek, die in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts stark dezimiert worden war. Etwa 60.000 BĂŒcher, 495 HandschriftenbĂ€nde aus dem 9. – 18. Jahrhundert und 30.000 Drucke wechselten den Besitzer. Die Salemer Handschriftensammlung findet sich seither unter dem Sigel Cod.(ices) Sal.(emitani) in der UniversitĂ€tsbibliothek Heidelberg.

Das Klosterarchiv wurde ĂŒber Jahrhunderte hinweg gepflegt und gilt als eines der umfangreichsten erhaltenen Klosterarchive SĂŒddeutschlands. Bereits im Mittelalter galt es als so vertrauenswĂŒrdig, dass ihm auch Reichsdokumente anvertraut wurden. Das Archiv befindet sich seit 1889 zum grĂ¶ĂŸten Teil im Generallandesarchiv in Karlsruhe und umfasst dort etwa 8000 Urkunden, 1000 BĂ€nde mit Rechnungen, 350 BĂ€nde mit Protokollen und große Mengen weitere Akten und Handschriften. Ein kleiner Teil des Archivs verblieb im Schloss Salem und im Pfarrarchiv der Gemeinde. Aufgrund des großen Umfangs ist es bis heute nur teilweise durch Forschungsarbeiten erschlossen.

Landwirtschaft und Weinbau

Salemer Landbesitz um 1765 mit eingezeichneten landwirtschaftlichen NutzflÀchen
Salemer Landbesitz um 1765 mit eingezeichneten landwirtschaftlichen NutzflÀchen

Der wirtschaftliche Anspruch zisterziensischer Klöster war zunĂ€chst die landwirtschaftliche Selbstversorgung. Wie viele Klöster produzierte Salem jedoch durch den Feldbau rasch ÜberschĂŒsse, die dann in den umliegenden StĂ€dten verkauft werden konnten. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts wurden fĂŒr Salem zunehmend die Geldwirtschaft, der Handel mit Immobilien und die Steuereinnahmen von Untertanen zu tragenden Einkommensquellen. Dennoch blieb die Landwirtschaft , die anfangs von Salemer Mönchen und LaienbrĂŒdern, zunehmend jedoch von Pachtbauern getragen wurde, ein wichtiger Faktor.

Das Kloster besaß Grangien in weitem Umkreis, die von LaienbrĂŒdern geleitet wurden. Sie bauten unter anderem Getreide an und betrieben Viehzucht . Dem Klima und der geographischen Lage entsprechend betrieb Salem auch Obstbau – teilweise mit Obstwiesen innerhalb des KlostergelĂ€ndes –, Forstwirtschaft und Fischfang im Bodensee sowie in eigens angelegten Fischteichen im Umland, die teilweise heute noch existieren. In ĂŒber 31 StĂ€dten im Umland besaß Salem bereits im 14. Jahrhundert Stadthöfe, ĂŒber die die Waren vertrieben wurden. Als wichtigste Stadthöfe gelten der Salmannsweiler Hof in Konstanz, der bald auch zur Herberge fĂŒr hohe GĂ€ste ausgebaut wurde (König Sigismund soll wĂ€hrend des Konstanzer Konzils dort gewohnt haben) sowie die Höfe in Biberach an der Riß, Ehingen, Messkirch und Pfullendorf. Die Stadthöfe waren zumeist von Steuern befreit und bildeten so einen wichtigen StĂŒtzpunkt der klösterlichen Wirtschaft.

Eine wichtige Rolle spielte fĂŒr Salem vor allem der Weinbau , der im Bodenseegebiet schon im 9. Jahrhundert nachweisbar ist. Das Kloster erweiterte systematisch seinen Besitz und besaß schließlich Weinberge am ganzen Nordufer des Bodensees, von Sipplingen im Westen bis zur Gegend von Friedrichshafen im Osten, in Bermatingen, Markdorf und sogar im wĂŒrttembergischen NĂŒrtingen. Um 1500 besaß Salem rund 2500 Hektar RebflĂ€che; vor dem verheerenden DreißigjĂ€hrigen Krieg produzierten die Salemer WeingĂŒter an die 512.000 Liter Wein pro Jahr. Der Wein , im Mittelalter meist von sehr schlechter QualitĂ€t, war auch das TischgetrĂ€nk der Mönche. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Wein geschmacklich verbessert und damit als Genussmittel auch zum Handelsfaktor; die Salemer Weine verkauften sich im gesamten sĂŒddeutschen Raum. Im KĂŒfereimuseum des Schlosses Salem lĂ€sst sich heute noch eine mĂ€chtige Weinpresse besichtigen.

ArmenfĂŒrsorge

Am Unteren Tor wurden Almosen an die Armen verteilt
Am Unteren Tor wurden Almosen an die Armen verteilt

Die FĂŒrsorge fĂŒr die Armen in der Bevölkerung war zu jeder Zeit eine wichtige soziale Aufgabe des Klosters. Im Mittelalter ging es dabei nicht um die Umverteilung von ReichtĂŒmern, da man die StĂ€ndeordnung als gottgewollt ansah. Vielmehr gehörten Barmherzigkeit und NĂ€chstenliebe zu den geistlichen Aufgaben der Mönche. Ein- bis zweimal in der Woche wurden daher in Salem Brot und andere Lebensmittel am Unteren Tor an die Armen in der Bevölkerung verteilt. UnterstĂŒtzt wurden auch Bettelorden wie die Kapuziner in Überlingen.

WĂ€hrend das Kloster in Macht und Ansehen wuchs, wurde die Armut im Land jedoch mehr und mehr als soziales Problem wahrgenommen, das gezielt bekĂ€mpft werden musste. Zahlreiche entlassene Soldaten, Waisen, Landsknechte und andere Vaganten zogen umher und ernĂ€hrten sich von den Almosen der Klöster oder durch DiebstĂ€hle und ÜberfĂ€lle. Notwendig war daher eine „gute Policey“ zur EindĂ€mmung und Kontrolle des Problems. In Zusammenarbeit mit den Nachbarterritorien erließ Salem daher ab der Mitte des 16. Jahrhunderts Bettel- und Almosenverordnungen, ohne jedoch das Betteln selbst zu verbieten. Feste Dorfwachen kontrollierten ihre Einhaltung. Erst 1722 erließ das Kloster ein Bettelverbot, mit dem es sich jedoch selbst zur UnterstĂŒtzung der BedĂŒrftigen verpflichtete. Vagierende Bettler, die nicht aus dem Salemer Territorium stammten, konnten ausgewiesen werden. Im nahen Wespach wurde 1783 fĂŒr die einheimischen BedĂŒrftigen ein Armenhaus eingerichtet. RegelmĂ€ĂŸig wurden daher die Almosenberechtigten statistisch erfasst. Um 1600 war etwa ein Viertel der Bevölkerung in den umliegenden Orten unterstĂŒtzungsbedĂŒrftig, wĂ€hrend es um 1800 – zweifellos auch durch die enorme Besserung der Wirtschaftslage – nur noch etwa fĂŒnf Prozent waren. Litauen Litauen

Literatur

Quellensammlungen

  • Apiarium Salemitanum, Oder Salmanßweylischer Bienen=Stock (...). Prag 1708. (Urkundensammlung)
  • Codex diplomaticus Salemitanus. Urkundenbuch der Cistercienser-Abtei Salem (1134-1498). Hrsg. von Friedrich von Weech (3 Bde.). Karlsruhe 1883-1895.

Allgemeine Geschichte

  • Staiger, Xaver: Salem oder Salmansweiler. Ehemaliges Reichskloster Cistercienser-Ordens jetzt Großh. MarkgrĂ€fl. Bad. Schloß (...). Stadler, Konstanz 1863.
  • Werner Rösener: Reichsabtei Salem. Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte des Zisterzienserklosters von der GrĂŒndung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts.Thorbecke, Sigmaringen 1974.
  • Claudia Schott: ArmenfĂŒrsorge, Bettelwesen und VagantenbekĂ€mpfung in der Reichsabtei Salem. Konkordia, BĂŒhl 1978. ISBN 3-7826-0041-X
  • Reinhard Schneider (Hrsg.): Salem. 850 Jahre Reichsabtei und Schloss. Stadler, Konstanz 1984. (Standardwerk)
  • Alberich Siewek (Hrsg.): Die Zisterzienserabtei Salem. Der Orden, das Kloster, seine Äbte. Thorbecke, Sigmaringen 1984. (Biografien aller Äbte; umfangreiche, jedoch teilweise unzuverlĂ€ssige Sammlung historischer Fakten)

Architektur und Kunst

Schrifttum

Weblinks

Commons: Reichsabtei Salem – Bilder, Videos oder Audiodateien


Koordinaten: 47° 46â€Č 34″ N 9° 16â€Č 38,2″ O

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