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Letzte Änderung für Artikel Kloster Reichenau: 24.01.2006 03:06

Kloster Reichenau

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Das Kloster Reichenau war ein Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau im Bodensee. Es wurde 724 gegrĂĽndet und war ab 1540 Priorat des Konstanzer Bischofs. 1803 wurde das Kloster aufgehoben.

Inhaltsverzeichnis

Klostergeschichte

Modernes Standbild des Heiligen Pirmin am Zugangsdamm zur Reichenau
Modernes Standbild des Heiligen Pirmin am Zugangsdamm zur Reichenau

Das Kloster wurde 724 vom Missionsbischof Pirmin im damals weitgehend heidnischen Alamannien gegründet und genoss seit dieser Zeit die Unterstützung der fränkischen Hausmeier und Könige. So fällt eine erste Blütezeit der für die Christianisierung Alamanniens wichtigen Mönchsgemeinschaft in das ausgehende 8. und 9. Jahrhundert . Abt Waldo ( 786 – 806 ) war der Gründer der Reichenauer Gelehrtenschule, Abt Hatto I. ( 806 – 823 ) der Erbauer des ersten Münsters in Mittelzell. Das Reichenauer Verbrüderungsbuch und der auf der Bodenseeinsel erarbeitete St. Galler Klosterplan entstammen dem 9. Jahrhundert, an dessen Ende der politisch sehr wirksame Abt und Mainzer Erzbischof Hatto III. ( 888 – 913 ) die Georgskirche in Oberzell errichten ließ.

In die Zeit der ottonischen Könige um die Jahrtausendwende fällt die zweite kulturelle Glanzzeit der Reichenau, repräsentiert durch den „goldenen“ Abt Witigowo ( 985 – 997 ) und durch die Reformäbte Immo ( 1006 – 1008 ) und Berno ( 1008 – 1048 ). Die berühmte Reichenauer Schreibschule gehört hierher, ebenso die Wandmalereien in der Oberzeller Georgskirche oder die Geschichtsschreibung eines Hermann von Reichenau († 1054 ). Eine Art Nachglanz des Inselklosters ist für die Regierungszeit des Abts Diethelm von Krenklingen ( 1169 – 1206 ) festzustellen. Danach begann der geistige und materielle Niedergang der Mönchsgemeinschaft in einer sich stark verändernden sozialen und wirtschaftlichen Umwelt des ausgehenden hohen Mittelalters. Reformversuche scheiterten wiederholt. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts war zeitweise der ganze Klosterbesitz verpfändet. Im Jahre 1402 gab es neben dem Abt nur noch zwei hochadlige Konventsherren als „Mönche“.

Am Ausgang des Mittelalters fasste das benediktinische Mönchsideal noch einmal Tritt, das Münster in Mittelzell wurde durch den spätgotischen Chor erweitert, der Radolfzeller Chronist Gallus Öhem schrieb eine Klostergeschichte. 1540 verzichtete Abt Markus von Knöringen auf die Klosterleitung, die er an den Bischof von Konstanz abtrat. In der Folgezeit war die Reichenau als Priorat mit zwölf Mönchen nur mehr eine Verwaltungsstelle des Bistums (Obervogteiamt). Selbstständigkeitsbestrebungen der geistlichen Gemeinschaft auf der Bodenseeinsel endeten mit der Auflösung des Klosters im Jahr 1757 . 1803 wurde das Kloster im Rahmen der Säkularisation nach dem Reichsdeputationshauptschluss aufgehoben. Seit 2001 lebt wieder eine kleine Gemeinschaft von Benediktinern auf der Insel.

GrĂĽndungssage

Die Insel Reichenau gehörte in den Einflussbereich eines alamannischen Adligen namens Sintlas, der auf der nahen Burg Sandeck, auf dem heutigen Gemeindegebiet des gegenüberliegenden Salenstein am Schweizer Ufer, wohnte. Deshalb hieß die Insel früher auch Sintlas-Au oder Sindleozesauua. Als 724 der Heilige Pirmin an den Untersee kam, bat ihn Sintlas, in der Gegend eine Kapelle zu bauen. Pirmin wählte als Platz die Insel Reichenau. Sie war von einem unwirtlichen Urwald bewachsen und voll von Schlangen, Kröten und Insekten. Dort, wo Pirmin zuerst Fuß auf die Insel setzte, bildete sich eine Quelle. Das Ungeziefer aber floh während drei Tagen von der Insel und schwamm über den See. Pirmin und seine Begleiter rodeten nun das Gebiet und machten die Insel für Menschen bewohnbar und gründeten ein Kloster.

Kultur

Kirche St. Peter und Paul in Niederzell
Kirche St. Peter und Paul in Niederzell

Das Kloster war eines der wichtigen kulturellen und wissenschaftlichen Zentren des Reichs der Karolinger und Ottonen im Frühmittelalter . Unter anderem war die Reichenau auch Wirkungsstätte des Abts Walahfrid Strabo , der dort im Jahre 824 die Visio Wettini und 827 das frühe botanische Werk Liber de cultura hortorum (Von der Pflege der Gärten) schrieb. Der wohl bedeutendste Abt der Reichenau war von 888 bis 913 Hatto III., Erzbischof von Mainz ( 891 – 913 ), Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches . Im Gefolge Arnulfs von Kärnten, der sich vom Papst zum Kaiser krönen ließ, ging Hatto I. 895 nach Rom und erhielt dort von Papst Formosus die Georgsreliquie. Aller Wahrscheinlichkeit nach war das der Anlass zum Bau von St. Georg. Nach dem Tod Arnulfs 899 war Hatto I. Vormund des sechsjährigen Thronfolgers Ludwig IV. . 911 krönte er Konrad I. zum König des ostfränkischen Reiches . Speziell durch die Manuskripte aus dem 10. und 11. Jahrhundert , die in herausragender Weise die ottonische Buchmalerei Deutschlands repräsentieren, hat das Kloster eine weitreichende Bekanntheit erreicht. Die alte Buchmalerei des Bodensee-Klosters Reichenau wurde im Jahre 2003 in das Weltdokumentenerbe der Weltkulturorganisation UNESCO aufgenommen. Die Bodensee-Insel Reichenau ist von der UNESCO bereits 2001 zum Welterbe erklärt worden.

Insel Reichenau 1929
Insel Reichenau 1929

Ă„bte der Reichenau

  • Pirmin (Abt) (724-727)
  • Heddo (727-734)
  • Keba (734-736)
  • Arnefrid (Bischof von Konstanz)
  • Sidonius (Bischof von Konstanz)
  • Johannes (Bischof von Konstanz, Abt von St. Gallen) (760-782)
  • Petrus (782-786)
  • Waldo (786-806)
  • Haito (Bischof von Basel), (806-823)
  • Erlebald (823-838)
  • Ruadhelm (838?-842)
  • Walahfrid Strabo (838, 842-849)
  • Folkwin (849-858)
  • Walter (858-864)
  • Hatto II. (864-871)
  • Ruodho (871-888)
  • Hatto I. (Erzbischof von Mainz, Abt von Ellwangen, Lorsch, WeiĂźenburg) (888-913)
  • Hugo (913)
  • Thieting (913-916)
  • Heribrecht (916-926)
  • Liuthard (926-934)
  • Alawich I. (934-958)
  • Ekkehard I. (958-972)
  • Ruodmann (972-985)
  • Witigowo (985-997)
  • Alawich II. (997-1000)
  • Werinher (1000-1006)
  • Immo (1006-1008)
  • Berno (1008-1048)
  • Ulrich I. (1048-1069)
  • Meginwart (1069-1070)
  • Ruopert (1071)
  • Ekkehard II. von Nellenburg (1071-1088)
  • Ulrich II. von Dapfen (1088-1123)
  • Rudolf von Böttstein (1123-1131)
  • Ludwig von Pfullendorf (1131-1135)
  • Ulrich III. von Zollern (1135-1136)
  • Otto von Böttstein (1136-1139)
  • Frideloh von Heidegg (1139-1159)
  • Ulrich IV. von Heidegg (1159-1169)
  • Diethelm von Krenkingen (1169-1206)
  • Hermann von Spaichingen (1206)
  • Heinrich von Karpfen (1206-1234)
  • Konrad von Zimmern (1234-1253?)
  • Burkhard von Hewen (1253?-1259)
  • Berthold von Falkenstein (Koadjutor, Abt von St. Gallen) (1258-1259)
  • Albrecht von Ramstein (1260-1294)
  • Markward von Veringen (1294-1296)
  • Heinrich von Klingenberg (Bischof von Konstanz) (1296-1306)
  • Diethbelm von Kastel (Abt von Petershausen) (1306-1343)
  • Eberhard von Brandis (1343-1379)
  • Heinrich von Stöffeln (1379-1383)
  • Mangold von Brandis (1383-1385)
  • Werner von Rosenegg (1385-1402)
  • Friedrich von Zollern (1402-1427)
  • Heinrich von Hornberg (Abt von St. Peter) (1427)
  • Friedrich von Wartenberg (1427-1453)
  • Johann von Hundweil (1454-1464)
  • Johann Pfuser v. Nordstetten (1464-1492)
  • Martin von WeiĂźenburg (1492-1508)
  • Markus von Knöringen (1508-1516)
  • Georg Fischer (Abt von Zwiefalten) (1516-1519)
  • Gallus Kalb (1519)
  • Markus von Knöringen (2. Mal) (1523-1540)
  • Johann TruchseĂź von Waldburg-Zeil (1628-1644)
  • (Prioren der frĂĽhen Neuzeit)

Persönlichkeiten

  • Hatto III. war von 888 bis 913 Abt des Klosters Reichenau, als Hatto I. Erzbischof von Mainz (891 - 913) und Erzkanzler war.

Literatur

  • Arno Borst : Mönche am Bodensee 610-1525 (= Bodensee-Bibliothek, Bd. 5). Sigmaringen, 1978
  • Helmut Maurer (Hrsg.): Die Abtei Reichenau. Neue Beiträge zur Geschichte und Kultur des Inselklosters (= Bodensee-Bibliothek, Bd. 20). Sigmaringen, 1974
  • Reichenau, bearb. v. Franz Quarthal u.a., in: Die Benediktinerklöster in Baden-WĂĽrttemberg, bearb. v. Franz Quarthal (= Germania Beneditctina, Bd. 5), Ottobeuren 1976, S. 503-548
  • Walter Berschin (Hrsg.): Reichenauer Texte und Bilder
    • Nr. 2: Walter Berschin, Theodor KlĂĽppel: Die Legende vom Reichenauer Kana-Krug. Die Lebensbeschreibung des Griechen Symeon. Sigmaringen, 1992
    • Nr. 3: Walter Berschin, Johannes Staub (Hrsg.): Die Taten des Abtes Witigowo (985-997). Eine zeitgenössische Biographie des Purchart von der Reichenau. Sigmaringen, 1992
    • Nr. 4: Walter Berschin, Theodor KlĂĽppel: Der Evangelist Markus auf der Reichenau. Sigmaringen, 1994
    • Nr. 5: Harald Drös: Das Wappenbuch des Gallus Ă–hem. Sigmaringen, 1994
    • Nr. 6: Bernd Konrad, Gertrud Weimar: Heilige am Bodensee. Der spätgotische FlĂĽgelaltar im Reichenauer MĂĽnster (1498). Sigmaringen, 1997
    • Nr. 7: Walahfrid Strabo , Zwei Legenden (Blathmac, der Märtyrer von Iona (HY), Mammes, der christliche Orpheus), hrsg. v. Mechthild Pörnbacher, Sigmaringen, 1997
    • Nr. 8: Walter Berschin, Alfons Zettler: Egino von Verona. Der GrĂĽnder von Reichenau-Niederzell (799). Sigmaringen, 1999
    • Nr. 9: Richard Antoni: Leben und Taten des Bischofs Pirmin. Eine karolingische Vita. Stuttgart, 2002
  • Monika Spiecker-Beck, Theo Keller: Klosterinsel Reichenau. Kultur und Erbe, Stuttgart, 2001
  • Alfons Zettler: Die frĂĽhen Klosterbauten der Reichenau. Ausgrabungen - Schriftquellen - St. Galler Klosterplan (= Archäologie und Geschichte, Bd. 3). Sigmaringen, 1988

Weblinks

Commons: Reichenau – Bilder, Videos oder Audiodateien

Wikipedia

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