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Letzte Änderung für Artikel Kloster Gengenbach: 07.01.2006 14:16

Kloster Gengenbach

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Das Kloster Gengenbach war ein Benediktinerkloster in der freien Reichsstadt Gengenbach im heutigen Ortenaukreis im Bundesland Baden-W├╝rttemberg.

Geschichte

Am Rande des Schwarzwaldes, am Ausgang des Kinzigtales gr├╝ndete der Abtbischof Pirmin (ÔÇá753) irgendwann nach seiner Vertreibung von der Reichenau (727) mit Unterst├╝tzung des fr├Ąnkischen Grafen Ruthard auch auf Reichsgut das Kloster Gengenbach. Besiedelt mit M├Ânchen aus dem lothringischen Gorze , wuchs der Konvent im 9. Jahrhundert bis auf 100 Mitglieder an. Die Beziehungen zu den karolingischen Herrschern sicherten dem Kloster den Status einer Reichsabtei. 1007 schenkte K├Ânig Heinrich II. (1002-1024) Gengenbach seinem neu gegr├╝ndeten Bistum Bamberg, die M├Ânchsgemeinschaft wurde bisch├Âfliches Eigenkloster, das laut einer Urkunde Papst InnozenzÔÇÖ II. (1130-1143) ├╝ber freie Abts- und Vogtwahl sowie ├╝ber k├Ânigliche ÔÇ×FreiheitÔÇť (libertas) verf├╝gte ( 1139 ). Im Investiturstreit stand Gengenbach auf der Seite der deutschen Herrscher, mit dem Bamberger Reformkloster Michelsberg war es ├╝ber seine ├äbte Poppo (ÔÇá1071), Ruotpert (ÔÇá1075) und Willo (ÔÇá1085) verbunden. Willo wurde von Anh├Ąngern der gregorianischen Reformpartei zeitweise aus Gengenbach vertrieben, dasselbe geschah mit seinem Nachfolger Hugo I. (1080/90er-Jahre). Gegen 1117 veranlassten der St. Georgener Abt Theoger (1088-1119) und Bischof Otto I. von Bamberg (1102-1139) in Gengenbach eine Klosterreform im Hirsauer bzw. St. Georgener Sinne. Dem entsprach es, dass 1120 nach dem Abbruch der alten eine neue Klosterkirche entstand, die sich an der Hirsauer Bauschule orientierte: eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, einem Haupt- und je zwei Nebench├Âren und -konchen. Der Chorraum wurde 1398/1415 gotisch umgebaut, ein Westturm kam im sp├Ąten Mittelalter hinzu, 1690 / 1722 wurde die Kirche barock umgebaut und instandgesetzt, 1892/1906 neuromanisch umgestaltet.

Im Umfeld der M├Ânchsgemeinschaft formte sich im hohen Mittelalter der Klosterort Gengenbach zur Stadt (opidum; 1231) aus. Unter Abt Lambert von Brunn (1354-1374), dem Kanzler Kaiser Karls IV. (1347-1378), wurde Gengenbach Reichsstadt ( 1360 ), wobei der Reichsschulthei├č vom Klosterleiter zu ernennen war. Lambert, der Bischof von Speyer (1363-1371), Stra├čburg (1371-1374) und Bamberg (1374-1399) war, reorganisierte die Wirtschaftsverh├Ąltnisse der Abtei, setzte sich gegen die benachbarten Herren von Geroldseck durch und f├╝hrte in der Stadt die Zunftverfassung ein. Obwohl die geistliche Gemeinschaft der benediktinischen Ordensprovinz Mainz-Bamberg angegliedert war, erreichten in der Folgezeit Reformimpulse Gengenbach nicht. Im Kloster des 15. Jahrhunderts herrschte eine weltlich-stiftische Lebensweise adliger Konventualen vor, der Zugang zur Gemeinschaft wurde Nichtadligen verwehrt ( 1461 ). Doch scheiterte die Umwandlung in ein Chorherrenstift ebenso wie die Einf├╝hrung der Bursfelder Reform zu Beginn des 16. Jahrhunderts. In der Folge des ├ťbertritts der Stadt Gengenbach zum lutherischen Glauben ( 1525 ) geriet auch das Kloster in Gefahr, protestantisch zu werden. Im Zuge des Augsburger Interims ( 1548 ) blieb die M├Ânchsgemeinschaft indes katholisch, und auch die Stadt kehrte zum alten Glauben zur├╝ck. Das Kloster sollte noch bis zu seiner S├Ąkularisierung bestehen bleiben; 1803 / 1807 wurde Gengenbach, Stadt und (Reichs-) Abtei, badisch.

Aufbauend auf Gr├╝ndungsgut im Kinzigtal, entstand im Verlauf des fr├╝hen und hohen Mittelalters die Grundherrschaft des Klosters Gengenbach, die sich entlang der unteren und mittleren Kinzig, in der Ortenau , aber auch im Neckargebiet ausdehnte und auf Eigenwirtschaft und Fronhofsverwaltung (Dinghofverfassung) ausgerichtet war. Siedlungen einer ersten Rodungsstufe (bis 1139) entlang des Kinzigtals besitzen seit dem hohen Mittelalter die Dreifelderwirtschaft, Orte einer zweiten Rodungsphase (bis 1287 ) liegen in den Seitent├Ąlern des Kinzigtals und zeichnen sich durch eine geschlossene Hofwirtschaft aus. Patronatsrechte an der Martinskirche in Gengenbach, an den Pfarrkirchen in Biberach, Steinach, aber auch in Niedereschach u.a. kamen hinzu, ebenso die Wallfahrtskapelle St. Jakob auf dem Bergle bei Gengenbach, die 1294 geweiht wurde. Die Kirchen sind teilweise dem Kloster inkorporiert worden. P├Ąpstliche (1139, 1235, 1252, 1287) und kaiserliche Besitzbest├Ątigungen (1309, 1331, 1516) sollten der Abtei G├╝ter und Rechte sichern helfen.

Die Stellung als Reichsabtei verdankte das sp├Ątmittelalterliche und fr├╝hneuzeitliche Gengenbacher Kloster der Schirmvogtei der deutschen Herrscher, die ein wichtiger Bestandteil der Ortenauer Reichslandvogtei, eingerichtet unter K├Ânig Rudolf von Habsburg (1273-1291), gewesen war. Doch blieb die Reichslandvogtei zumeist (bis 1551/56) an angrenzende Landesherren verpf├Ąndet. Zuvor waren die Herz├Âge von Z├Ąhringen Gengenbacher Klosterv├Âgte gewesen, dann ( 1218 ) die staufischen K├Ânige, schlie├člich ( 1245 ) die Stra├čburger Bisch├Âfe.

Das Kloster besa├č im hohen und sp├Ąten Mittelalter ein Skriptorium und eine Buchbinderei, das ber├╝hmte Gengenbacher Evangeliar stammt aus der 1. H├Ąlfte des 12. Jahrhunderts. Fr├╝hneuzeitlich ist die Gengenbacher Lateinschule .

Äbte von Gengenbach

Stadtkirche von Gengenbach
Stadtkirche von Gengenbach
  • Rustenus (Abt) (8.Jh.)
  • Burkhard, Leutfried, Cosman, Anselm, Gauthier, Volmar, Otho, Benno, Rado, Ammilo (?)
  • Alfram (-ca.820)
  • Germunt (ca.826)
  • Lando (ca.840)
  • Dietrich I., Dietrich II., Gottfried I., Walther I., Walther II. u.a. (?)
  • Reginald (v.1016-1028)
  • Rusten (1028-1034)
  • Berthold I. (-1052)
  • Bruning (-1065)
  • Poppo (-1071
  • Acelinus (-1074)
  • Ruotpert (-1075)
  • Willo (-1085)
  • Hugo I. (1089, 1096)
  • Friedrich I. (v.1109-1120)
  • Gottfried II. (v.1140-1162)
  • Anselm (-1147?)
  • N.N. (-1173)
  • Friedrich II. (-1182)
  • Landofrid (-1196)
  • Salomon (-1208)
  • Gerbold (1210)
  • Eggenhard (-1218)
  • Gottfried III. (1218-1237
  • Walther III. (1237-1248)
  • Dietrich III. (1248-1263?)
  • Hugo II. (1263?-1270?)
  • Gottfried IV. (1270?-1276)
  • Berthold II. (1276-1297)
  • Gottfried V. (1296)
  • Berthold III. (1297-1300)
  • Dietrich IV. (1300-1323)
  • Albero (1323-1324)
  • Walther IV. (1324-1345)
  • Berthold IV. (1345-1354)
  • Lambert v. Brunn (1354-1374)
  • Stephan v. Wilsberg (1374-1398)
  • Konrad v. Blumberg (1398-1415)
  • Berthold V. Mangolt-Venser (1416-1424)
  • Egenolf v. Wartenberg (1424-1453)
  • Volzo v. Neuneck (1454-1461)
  • Sigismund v. Neuhausen (1461-1475)
  • Jakob v. Bern (1475-1493)
  • Beatus II. v. Schauenburg (1493-1500)
  • Konrad v. M├╝lnheim (1500-1507)
  • Philipp v. Eselsberg (1507-1531)
  • Melchior Horneck v. Hornberg (1531-1540)
  • Friedrich von Keppenbach (1540-1555)
  • Gisbert Agricola (1556-1586)
  • Johann Ludiwig Sorg (1586-1605)
  • Georg Breuning (1605-1617)
  • [Johann Caspar Liesch (1617)]
  • Johann Demler (1617-1626)
  • Jakob Petri (1626-1636)
  • Erhard Marx (1636-1638)
  • Columban Meyer (1638-1660)
  • Roman Suttler (1660-1680)
  • Placidus Thalmann (1680-1696)
  • Augustinus M├╝ller (1696-1726)
  • Paulus Seeger (1726-1743)
  • Benedikt Rischer (1743-1763)
  • Jakob Trautwein (1763-1792)
  • Bernhard Maria Schw├Ârer (1792-1803/07)

Literatur

  • BUHLMANN, MICHAEL, Benediktinisches M├Ânchtum im mittelalterlichen Schwarzwald. Ein Lexikon. Vortrag beim Schwarzwaldverein St. Georgen e.V., beim Verein f├╝r Heimatgeschichte St. Georgen und bei den St. Georgener Klosterspuren 2004. St. Georgen im Schwarzwald, 10. November 2004 (= Vertex Alemanniae, H.10), [erscheint 2004]
  • Gengenbach, bearb. v. OTTO K├äHNI u. HERWIG JOHN, in: Handbuch der historischen St├Ątten Deutschlands, Bd.6: Baden-W├╝rttemberg, hg. v. MAX MILLER u. GERHARD TADDEY (= Kr├Âner Tb 276), Stuttgart 2. Aufl. 1980, S.247f
  • Gengenbach, bearb. v. KARLLEOPOLD HITZFELD, in: Die Benediktinerkl├Âster in Baden-W├╝rttemberg, bearb. v. FRANZ QUARTHAL (= Germania Benedictina, Bd.5), Ottobeuren 1976, S.228-242

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