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Letzte Änderung für Artikel Wilhelm I. (Deutsches Reich): 17.02.2006 20:06

Wilhelm I. (Deutsches Reich)

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Wilhelm I., auch vor allem im späten Kaiserreich gezielt als Wilhelm der Große bezeichnet (was sich nicht durchsetzte), (* 22. März 1797 , Berlin; † 9. März 1888 , Berlin) war Deutscher Kaiser und König von Preußen .

In der Revolution von 1848 erhielt er den Beinamen Kart√§tschenprinz . Nachdem er f√ľr seinen kranken Bruder Friedrich Wilhelm IV. 1858 die Regentschaft √ľbernommen hatte, wurde er 1861 preu√üischer K√∂nig. Am 18. Januar 1871 wurde er nach siegreicher Beendigung des Deutsch-Franz√∂sischen Krieges im Spiegelsaal zu Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen, Reichskanzler wurde Otto von Bismarck .

König Wilhelm I. v.Preußen in großer Generalsuniform; nach 1870
König Wilhelm I. v.Preußen in großer Generalsuniform; nach 1870

Inhaltsverzeichnis

Fr√ľhe Jahre

Wilhelm war der zweite Sohn Friedrich Wilhelms III. ( 1770 - 1840 ) und der K√∂nigin Luise , Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz. Seine Erziehung wurde durch Johann Friedrich Gottlieb Delbr√ľck √ľbernommen, der zuvor Rektor des Magdeburger P√§dagogiums gewesen war.

Am 1. Januar 1807 , Preu√üen hatte bei Jena und Auerstedt gerade eine schwere Niederlage gegen Napoleon hinnehmen m√ľssen, ernannte sein Vater den zehnj√§hrigen Wilhelm zum Offizier . Trotz dieser fr√ľh beginnenden milit√§rischen Karriere zeichnete sich Wilhelm durch eine f√ľr einen Monarchen bemerkenswerte Bescheidenheit und Selbsterkenntnis aus. ‚ÄěW√§re ich nicht als Sohn eines K√∂nigs geboren worden, w√§re ich wohl Unteroffizier geworden.‚Äú

1814 begleitete er, zum Hauptmann ernannt, seinen Vater auf den Feldzug in Frankreich , erwarb sich bei Bar sur Aube am 26. Februar das Eiserne Kreuz , zog am 31. M√§rz mit in Paris ein, folgte seinem Vater auch beim Besuch in England und f√ľhrte, am 8. Juni 1815 konfirmiert und zum Major bef√∂rdert, ein Bataillon des 1. Garderegiments von neuem nach Frankreich , wo indes der Krieg schon zu Ende war. Am 1. Januar 1816 erhielt er das Kommando des Stettiner Gardelandwehrbataillons, 1818 als Generalmajor das Kommando einer Gardeinfanteriebrigade, am 1. Mai 1820 den Oberbefehl √ľber die 1. Gardedivision und 1825 , als Generalleutnant , die F√ľhrung des Gardekorps.

Auch in Staatsangelegenheiten wurde er vom König zur Beratung herangezogen. Wiederholt wurde er in Staats- und Familienangelegenheiten an den Petersburger Hof gesandt.

Ehe und Kinder

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Bruder Kaiser Wilhelms I., als Kronprinz, Lithographie von Clarot um 1830
König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Bruder Kaiser Wilhelms I., als Kronprinz, Lithographie von Clarot um 1830
Auguste von Sachsen Weimar als Kronprinzessin, Lithographie um 1830
Auguste von Sachsen Weimar als Kronprinzessin, Lithographie um 1830

Nachdem er 1826 auf die Heirat mit der Prinzessin Elisa Radziwill verzichtet hatte, weil sie Streit √ľber die Erbfolge in der Dynastie hervorzurufen drohte, verm√§hlte er sich am 11. Juni 1829 mit der Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar , der Tochter des Gro√üherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach (genannt "Augusta"), deren Schwester Maria die Gemahlin seines j√ľngeren Bruders Karl war. Die Ehe kam allein auf Betreiben seines Vaters zustande und wurde nicht sonderlich gl√ľcklich. Die intelligente, musisch begabte und am Weimarer Hof liberal erzogene Augusta war ihrem Mann intellektuell √ľberlegen und f√ľhlte sich am steifen und n√ľchternen Berliner Hof nicht wohl; Wilhelm f√ľhlte sich dagegen von seiner Frau auch sexuell nicht angezogen. Ihm gelang es jedoch, seine Liebschaften sowohl vor seiner Frau als auch vor der √Ėffentlichkeit verborgen zu halten. Aus der Ehe gingen lediglich zwei Kinder hervor:

  • Friedrich, (* 18. Oktober 1831 ; ‚Ć 15. Juni 1888 ), den sp√§teren Deutschen Kaiser und
  • Luise, (* 3. Dezember 1838 ; ‚Ć 23. April 1923 ) - verheiratet mit Friedrich I. , Gro√üherzog von Baden.

Augusta war dar√ľberhinaus auch politisch interessiert; sie versuchte zeitlebens ihren Mann zu einer liberaleren Haltung zu beeinflussen, was weder bei ihrem Mann noch in seinem Ministerrat Wohlwollen erregte. Otto von Bismarck schrieb viele Jahre sp√§ter in seiner Autobiographie Gedanken und Erinnerungen √ľber Wilhelms eigenwillige Gemahlin, dass sie zwar von hohem Pflichtgef√ľhl getragen sei, aber auf Grund ihres k√∂niglichen Empfindens keine Autorit√§t als ihre eigene gelten lie√üe.

Prinz von Preußen

Ausritt des Prinzen Wilhelm von Preu√üen in Begleitung des Malers, Franz Kr√ľger, 1836
Ausritt des Prinzen Wilhelm von Preu√üen in Begleitung des Malers, Franz Kr√ľger , 1836

Nach dem Tod seines Vaters (1840) erhielt er als präsumtiver Thronfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. den Titel "Prinz von Preußen" und wurde bald darauf zum General der Infanterie befördert.

Im M√§rz 1848 setzte sich Prinz Wilhelm unter dem Druck der Ereignisse der M√§rzrevolution zwar f√ľr die Bewilligung einer konstitutionellen Verfassung ein, wollte aber dennoch die Barrikadenrevolution vom 18. M√§rz 1848 in Berlin mit milit√§rischer Gewalt niederschlagen lassen. Er pl√§dierte daf√ľr, das Milit√§r aus der Stadt abzuziehen und diese von au√üen mit Kanonen (Kart√§tschen) sturmreif zu schie√üen. Deswegen wurde er "Kart√§tschenprinz" genannt. Nach den Forschungen von R√ľdiger Hachtmann von 1997 blieb dem preu√üischen Milit√§r am 19. M√§rz angesichts der heftigen Barrikadenk√§mpfe nur der Weg des R√ľckzugs, wollte es unter dem zerm√ľrbenden Stra√üenkampf nicht nach und nach aufgerieben, politisiert oder nervlich zerr√ľttet werden. Prinz Wilhelm war wegen seines Pl√§doyers f√ľr eine milit√§rische L√∂sung bei den Anh√§ngern der Revolution derart verhasst, dass er vom klug taktierenden K√∂nig den Befehl erhielt, umgehend nach London zu reisen. Am 20. M√§rz wurde das Berliner Palais des Prinzen durch einen einfachen Mann vor Brandstiftung und Zerst√∂rung gerettet, der auf die Wand die Worte "National-Eigentum" schrieb.

Der Prinz floh aus Berlin und reiste nun unter dem Pseudonym Lehmann am 21. März nach London , wo er mit dem Prinzen Albert , Robert Peel , John Russell , Henry John Palmerston und anderen Staatsmännern verkehrte und seine politischen Anschauungen klärte. An den deutschen Einheitsbestrebungen nahm er lebhaften Anteil. Die Berliner sangen derweil Spottlieder auf ihn:

Schlächtermeister Prinz von Preußen
komm doch, komm doch nach Berlin!
Wir wollen Dich mit Steinen schmeißen
und die Barrikaden ziehn.

Prinzessin Augusta weilte derweil mit den zwei Kindern in Potsdam. Anfang Juni kehrte Wilhelm nach Berlin zur√ľck. Am 30. Mai hatte sich der Prinz in Br√ľssel √∂ffentlich und schriftlich zur konstitutionellen Regierungsform f√ľr Preu√üen bekannt und so auf die Demonstration von 10.000 Berlinern gegen seine R√ľckkehr reagiert. Zum Abgeordneten in die preu√üische Nationalversammlung gew√§hlt, nahm er zwar das Mandat an, aber, nachdem er in einer kurzen Rede seine konstitutionellen Grunds√§tze dargelegt hatte, k√ľndigte er die Niederlegung seines Abgeordnetenmandats an und kehrte nach Potsdam zur√ľck. Im September ernannte der K√∂nig auf seinen Vorschlag einige Minister des neuen gegenrevolution√§ren Ministeriums des Generals von Pfuel .

Am 8. Juni 1849 wurde Wilhelm zum Kommandierenden der "Operationsarmee in Baden und in der Pfalz " ernannt. Nachdem er bei Ingelheim einem Attentat gl√ľcklich entgangen war, unterwarf er in wenigen Wochen die Truppen der Aufst√§ndischen in der Pfalz und in Baden (vergleiche Badische Revolution ). Mit der Einnahme Rastatts, der letzten Bastion der Revolution√§re, durch Truppen unter seiner F√ľhrung, wurde zugleich auch die M√§rzrevolution in Deutschland endg√ľltig niedergeschlagen. Am 19. August zog er zusammen mit dem Gro√üherzog von Baden feierlich in Karlsruhe ein.

Am 12. Oktober zog er an der Spitze von Truppen, die in Baden gekämpft hatten, in Berlin ein, wurde zum Militärgouverneur am Rhein und in Westfalen ernannt und nahm seinen Wohnsitz in Koblenz; 1854 wurde er zugleich Generaloberst der Infanterie mit dem Rang eines Feldmarschalls und Gouverneurs der Festung Mainz.

Die Koblenzer Jahre

Augusta und Wilhelm von Preu√üen residierten gemeinsam im Kurf√ľrstlichen Schloss in Koblenz von 1850 bis 1858. Insbesondere Prinzessin Augusta f√ľhlte sich in Koblenz wohl; hier hatte sie endlich die Gelegenheit, ein Hofleben zu gestalten, wie sie es aus ihrer Kindheit am Weimarer Hof gew√∂hnt war. Ihr Sohn Friedrich studierte im nahen Bonn Rechtswissenschaften und war damit der erste preu√üische Thronfolger, der eine akademischen Ausbildung erhielt. Auch daran war Augustas Einfluss ma√ügeblich beteiligt.

Am Koblenzer Hof verkehrten insbesondere auf das Betreiben von Prinzessin Augusta hin liberale Menschen wie der Historiker Max Dunker , die Rechtsprofessoren August Moritz von Bethmann-Hollweg und Clemens Theodor Pertes sowie Alexander von Schleinitz . Auch Wilhelm nahm unter dem Eindruck der 1848er Revolte eine politisch gem√§√üigtere Haltung an, die bei seinem regierenden Bruder auf Unwillen stie√ü. Kritisch wurde Prinzessin Augustas tolerante Haltung gegen√ľber dem Katholizismus beobachtet, die in der Koblenzer Zeit besonders offensichtlich wurde - eine Haltung, die man in einer Zeit, als die religi√∂se Konfession noch eine gro√üe Bedeutung hatte, bei einer preu√üisch-protestantischen Prinzessin unpassend empfand.

Die Neue √Ąra

Die fr√ľher dem Prinzen ung√ľnstige Stimmung war infolge seiner Zur√ľckhaltung gegen√ľber den extremen Positionen der politischen und kirchlichen Reaktion und des Junkertums so sehr in das Gegenteil umgeschlagen, dass er, besonders seit den Verwicklungen mit √Ėsterreich und seit dem Krimkrieg , als Hauptvertreter der Machtstellung Preu√üens galt, und dass alle Hoffnungen der patriotischen und liberalen Partei sich ihm zuwandten, als er w√§hrend der psychischen Erkrankung des K√∂nigs am 23. Oktober 1857 als dessen Stellvertreter und ab 7. Oktober 1858 als Regent an die Spitze der Regierung trat. Nachdem er am 26. Oktober den Eid auf die Verfassung geleistet hatte, berief er am 5. November das liberale Ministerium Hohenzollern ("Neue √Ąra") und legte am 8. November in einem Erlass an dieses seine Regierungsgrunds√§tze und Ziele dar.

Zwar betonte er, dass von einem Bruch mit der Vergangenheit nicht die Rede sein k√∂nne; er erkl√§rte sich aber entschieden gegen alle Scheinheiligkeit und Heuchelei; ebenso sprach er sich dagegen aus, dass Preu√üen sich in der ausw√§rtigen Politik fremden Einfl√ľssen hingebe, vielmehr m√ľsse es durch eine weise Gesetzgebung, Hebung aller sittlichen Elemente und Ergreifung von Einigungsmomenten in Deutschland Eroberungen zu machen suchen. Diese Aussagen fanden im Volk und bei dem neu gew√§hlten, √ľberwiegend liberalen Abgeordnetenhaus Beifall, da vor allem der Einfluss der kirchlichen Reaktion und die russische Politik Friedrich Wilhelms IV. Unwillen hervorgerufen hatten, und wurden fast allein beachtet; viel zu wenig dagegen die Worte des Prinzen, in denen er von der notwendigen Heeresreform und den dazu erforderlichen Geldmitteln sprach, da Preu√üens Heer m√§chtig und angesehen sein m√ľsse, wenn Preu√üen seine Aufgabe erf√ľllen solle.

Dies sah der Prinz in der Tat als seine Hauptaufgabe an, und der Verlauf der Ereignisse von 1859, als die Mobilmachung auf große Schwierigkeiten stieß und bedeutende Mängel im Heerwesen aufdeckte, konnte ihn nur darin bestärken. Die Majorität des Abgeordnetenhauses war jedoch nicht bereit, im Vertrauen auf des Prinzen konstitutionelle und deutsch-nationale Gesinnung und Politik die Mehrkosten der 1860 eingebrachten durchgreifenden Heeresreorganisation definitiv zu bewilligen.

König von Preußen

Erstes Attentat

Am 14. Juli 1861 ver√ľbte der Student Oskar Becker in Baden-Baden ein Attentat auf Wilhelm, der nach Friedrich Wilhelms Tod am 2. Januar 1861 K√∂nig geworden war, verwundete ihn aber nur leicht.

Krönung

Nach dem Tod seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. bestieg Wilhelm den preu√üischen Thron. Am 18. Oktober 1861 fand die prachtvolle Kr√∂nungsversammlung in K√∂nigsberg statt. Wilhelm setzte sich selbst die Krone aufs Haupt und nahm das Zepter, den Reichsapfel und das Reichsschwert vom Altar, danach kr√∂nte er seine Frau zur K√∂nigin und sagte: "Von Gottes Gnaden tragen Preu√üens K√∂nige seit 160 Jahren die Krone. Nachdem durch zeitgem√§√üe Einrichtung der Thron umgeben ist, besteige ich ihn als K√∂nig. Aber eingedenk, dass die Krone nur von Gott kommt, habe ich durch die Kr√∂nung an geheiligter St√§tte bekundet, dass ich sie in Demut aus freien H√§nden empfangen habe." Die Kr√∂nung stellte einen Kompromiss zwischen der von Wilhelm bevorzugten Erbhuldigung und der von der Verfassung vorgeschriebenen Eidesleistung des K√∂nig im Parlament dar und verst√§rkte das Misstrauen gegen die konstitutionellen Ansichten des K√∂nigs; die Neuwahlen am 6. Dezember 1861 fielen fortschrittlich aus, und mit dem R√ľcktritt des Ministeriums der Neuen √Ąra (17. M√§rz 1862), das der K√∂nig fallen lie√ü, weil es im Abgeordnetenhaus die Bewilligung der Mittel f√ľr die tats√§chlich bereits durchgef√ľhrte Heeresreorganisation nicht erreichen konnte, begann der Verfassungskonflikt . Der K√∂nig hielt z√§h an der Heeresreform fest, auch weil er die staatsrechtliche Grundsatzfrage des Verh√§ltnisses von K√∂nig und Parlament ber√ľhrt sah. Da er sich in seinen Machtbefugnissen als souver√§ner Herrscher in Frage gestellt sah, dachte er zeitweise sogar an Abdankung, als sich Otto von Bismarck bereit erkl√§rte, als Ministerpr√§sident ohne genehmigten Haushalt, d. h. unter Bruch der Verfassung zu regieren und die Heeresreform durchzusetzen. Durch die Ernennung Bismarcks zum preu√üischen Ministerpr√§sidenten am 23. September 1862 und die Unterst√ľtzung seines Ministeriums gegen das Abgeordnetenhaus verlor der K√∂nig seine fr√ľhere Popularit√§t, wie sich besonders bei den 50j√§hrigen Erinnerungsfesten an die Befreiungskriege 1863 und an die Vereinigung verschiedener Provinzen mit Preu√üen 1865 zeigte. W√§hrend unter diesen Umst√§nden die Reformen im Innern v√∂llig stockten, ja vielfach ein schroffes Polizeiregiment zur Herrschaft kam, lie√ü sich der K√∂nig von Bismarck zu einer entschiedenen Politik in der deutschen Frage bestimmen.

Kapitulation Kaiser Napoleon III. bei Sedan am 2. September 1870: Er √ľbergibt seinen Degen an K√∂nig Wilhelm von Preu√üen und begibt sich in preu√üische Gefangenschaft
Kapitulation Kaiser Napoleon III. bei Sedan am 2. September 1870: Er √ľbergibt seinen Degen an K√∂nig Wilhelm von Preu√üen und begibt sich in preu√üische Gefangenschaft

Obwohl er zun√§chst nur widerstrebend Bismarcks Politik gefolgt war, eine kriegerische Entscheidung gegen √Ėsterreich zu suchen, √ľbernahm er im preu√üisch-√∂sterreichischen Krieg von 1866 selbst den Oberbefehl √ľber das Heer und errang dank der √ľberlegenen strategischen Planung des Generalstabschefs Helmuth von Moltke den kriegsentscheidenden Sieg bei K√∂niggr√§tz . Bei den Friedensverhandlungen folgte er wiederum Bismarcks Rat und verzichtete, wenn auch ungern, auf die Annexion Sachsens , um Bismarcks deutsche Einigungspl√§ne nicht zu durchkreuzen. Die durch den gewonnenen Krieg ausgel√∂ste patriotische Begeisterung bot eine g√ľnstige Gelegenheit zur Beendigung des Verfassungskonflikts. Durch die Indemnit√§tsvorlage von 1866 genehmigte der preu√üische Landtag nachtr√§glich die Staatshaushalte seit 1862.

Mit der Gr√ľndung des Norddeutschen Bundes vom 1. Juli 1867 wurde Wilhelm dessen Pr√§sident. Im Innern lenkte er wieder st√§rker in liberale Bahnen ein. Die verhassten Minister der Konfliktsperiode wurden entlassen und machten Anh√§ngern einer freisinnigen Reform Platz. Im Deutsch-Franz√∂sischen Krieg von 1870/71 √ľbernahm Wilhelm wieder den Oberbefehl √ľber die gesamte in Frankreich einr√ľckende Armee, befehligte selbst bei Gravelotte und bei der Schlacht bei Sedan ; zudem leitete er von Oktober 1870 bis M√§rz 1871 von Versailles aus die milit√§rischen Operationen und die politischen Verhandlungen √ľber die Herstellung des Deutschen Reichs. Anders als bei den Friedensverhandlungen von 1866 setzte sich Wilhelm diesmal mit seinem Wunsch nach Annexion von Elsass-Lothringen durch, eine Entscheidung, die zur St√§rkung des franz√∂sischen Revanchismus beitrug.

Deutscher Kaiser

Proklamation zum Deutschen Kaiser; Gemälde von Anton von Werner
Proklamation zum Deutschen Kaiser; Gemälde von Anton von Werner

Durch die Kaiserproklamation, welche am 18. Januar 1871 im Versailler Schloss stattfand, nahm Wilhelm f√ľr sich und seine Nachfolger an der Krone Preu√üen den Titel eines "Deutschen Kaisers" an (vgl. Einzelheiten unter " Kaiser ") und versprach, "allzeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den G√ľtern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung". Am 16. Juni 1871 hielt er seinen gl√§nzenden Einzug in Berlin. Der Kr√∂nung ging ein erbitterter Streit um den Titel zwischen Bismarck und K√∂nig Wilhelm voraus. Wilhelm hatte schon an sich wenig Lust, Kaiser zu werden; er achtete den Titel des preu√üischen K√∂nigs h√∂her. Ob er nun "Deutscher Kaiser" oder "Kaiser von Deutschland" hei√üen sollte, blieb unentschieden. Der badische Gro√üherzog Friedrich II. l√∂ste das Problem, das noch am Morgen der Proklamation ungekl√§rt war, indem er einfach ein Hoch auf "Kaiser Wilhelm" ausbrachte und die heikle Titelfrage umging. Letztlich blieb es bei der von Bismarck mit R√ľcksicht auf die deutschen F√ľrsten gew√§hlten Bezeichnung "Deutscher Kaiser". Der Kaiser war so erbittert, dass er Bismarck nicht einmal die Hand gab.

Wilhelm akzeptierte aber letztlich, dass die Politik des neuen Deutschen Reiches von Bismarck bestimmt wurde. Das zeigen Ausspr√ľche wie ‚ÄěBismarck ist wichtiger f√ľr das Reich als ich‚Äú und ‚Äěes ist nicht leicht, unter diesem Kanzler Kaiser zu sein‚Äú. In √úbereinstimmung mit Bismarck war er bem√ľht, den √§u√üeren Frieden durch B√ľndnisse mit den Nachbarm√§chten (au√üer Frankreich) zu sichern. Zu diesem Zweck brachte er im September 1872 in Berlin im sogenannten Dreikaisertreffen den Dreikaiserbund zwischen Deutschland , Russland und √Ėsterreich zu Stande, welcher die beiden letzteren M√§chte einander ann√§herte und Frankreich politisch isolierte. Besuche des Kaisers in St. Petersburg und Wien 1873 und in Mailand 1875 dienten der weiteren Unterst√ľtzung dieser au√üenpolitischen Ann√§herung.

Zweites Attentat

Der Leipziger Klempnergeselle Max H√∂del , Mitglied der Sozialdemokraten, gab am 11. Mai 1878, als der Kaiser mit seiner Tochter, der Gro√üherzogin von Baden, in offenem Wagen durch die Stra√üe Unter den Linden fuhr, mit einem Revolver mehrere Sch√ľsse auf ihn ab, die aber ihr Ziel verfehlten.

Drittes Attentat

Wilhelm I. 1880 an seinem Schreibtisch Unter den Linden, Photographie
Wilhelm I. 1880 an seinem Schreibtisch Unter den Linden, Photographie

Noch war die Aufregung √ľber das zweite Attentat nicht abgeklungen, als drei Wochen sp√§ter, am 2. Juni, einem Sonntag, der Kaiser allein in den Tiergarten fuhr. An fast gleicher Stelle feuerte ein Sch√ľtze aus einem Fenster des Hauses Unter den Linden Nr. 18 zwei Sch√ľsse auf den Kaiser, die ihn mit drei√üig Schrotk√∂rnern in Kopf und Armen schwer verwundeten; er √ľberlebte nur Dank seiner Pickelhaube. Der T√§ter, Dr. Karl Eduard Nobiling , ein junger promovierter Landwirt, wurde, durch einen Selbstmordversuch schwer verletzt, gefasst. Die Verletzungen Wilhelms waren so schwer, dass der Kaiser am 4. Juni den Kronprinzen zum Stellvertreter ernennen musste. Die Emp√∂rung √ľber die beiden Attentate nutzte Bismarck dazu, im Reichstag das Sozialistengesetz durchzusetzen, indem er wider besseres Wissen verbreiten lie√ü, Nobiling sei Sozialdemokrat gewesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nobiling verr√ľckt war, wird von vielen als hoch befunden. Laut eigenen Angaben ging es ihm um den Ruhm des Herostratos , jenes Mannes aus Ephesos, der den ber√ľhmten Tempel der G√∂ttin Artemis in Brand steckte, damit sein Name, wie er aussagte, der Nachwelt √ľberliefert werde.

N√ľrnberg, Egidienplatz, Reiterstandbild Wilhelm I., 1905 von Wilhelm von Ruemann (ca. 2003-12-17)
N√ľrnberg, Egidienplatz, Reiterstandbild Wilhelm I., 1905 von Wilhelm von Ruemann (ca. 2003-12-17)

Wilhelm I. erholte sich allm√§hlich von der schweren Verwundung und kehrte nach l√§ngerem Aufenthalt in Baden und Wiesbaden am 5. Dezember nach Berlin zur√ľck, wo er die Regierung wieder √ľbernahm. Im Juli wurde dann im ganzen Reich die sogenannte Wilhelmsspende aus kleinen Gaben gesammelt; sie ergab 1,8 Millionen Mark von 12 Millionen Spendern.

Paradoxerweise √ľbte der Schock des Attentats auf die schw√§chelnde Gesundheit des Kaisers einen positiven Einfluss aus. Wilhelm selbst hat sp√§ter Nobiling als seinen besten Arzt bezeichnet. Bismarck selbst hat sich angeblich erst nach der Gesundheit seines Kaisers erkundigt, nachdem er, um die Liberalen zu sch√§digen, das Einbringen des Sozialistengesetzes vorbereitet hatte.

Viertes Attentat

Bei der Einweihung des Niederwalddenkmals in R√ľdesheim 1883 bereiteten Anarchisten um August Reinsdorf einen Anschlag mit Dynamit auf Wilhelm I. vor. Wegen des feuchten Wetters versagte aber der Z√ľnder.

Wachsende Popularität und Tod

Wilhelm, der im hohen Alter - durch seine Charaktereigenschaften der Unaufdringlichkeit und Treue - gr√∂√üte Popularit√§t genoss und f√ľr viele das "alte Preu√üen" verk√∂rperte (Mehr sein als scheinen), starb nach kurzer Krankheit im Dreikaiserjahr am 9. M√§rz 1888 und wurde am 16. M√§rz im Mausoleum im Schlosspark von Charlottenburg beigesetzt.

Bei seiner Beerdigung kam es zu einem Eklat . Als sich der Leichenzug durch Berlin bewegte, rief ein anonymer Zuschauer aus der Menge in Anspielung auf Wilhelms Pseudonym von 1848 bei der Flucht vor den Revolutionären: "Da kommt Lehmann!"

Aus Sympathie der Deutschen zu Kaiser Wilhelm wurde die Zeile ‚ÄěWir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben‚Äú zur Melodie des 1893 von Richard Henrion komponierten "Fehrbelliner Reitermarschs" [1] gesungen.

Denkmäler, Ehrungen und Wirkungsgeschichte

Nach 1888 wurden zahlreiche Denkm√§ler zu Ehren des Verstorbenen errichtet. Zumeist handelte es sich dabei um Reiterstandbilder . Am bekanntesten sind das 81 m hohe Kyffh√§userdenkmal (erbaut 1890 bis 1896, das 1896 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und das 1897 errichtete Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz. Das bedeutendste Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das Berliner Nationaldenkmal, stand seit 1898 westlich des Stadtschlosses und wurde 1950 auf Betreiben Walter Ulbrichts demontiert und eingeschmolzen. Heinrich Mann hat in seinem 1918 erschienenen Roman "Der Untertan" den servilen obrigkeitsstaatlichen Kaiserkult gegei√üelt und mit satirischen Mitteln den Denkmalskult verspottet. Der Versuch des Enkels und Nachfolgers Wilhelm II., Wilhelm I. den Titel ‚ÄĚder Gro√üe" beizugeben, fand in der Bev√∂lkerung ebenso wenig Widerhall wie in der Historiographie.

Stammbaum

Stammbaum Kaiser Wilhelm I. von Deutschland
Großeltern

Friedrich Wilhelm II.
x 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt

Karl II. von Mecklenburg-Strelitz
x 1768
Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt

Eltern

Friedrich Wilhelm III. von Preußen
x 1793
Königin Luise

Kaiser Wilhelm I.

Siehe auch

  • Liste der Herrscher namens Wilhelm
  • Wilhelmshaven
  • Kaiser-Wilhelm-Br√ľcke
  • Wilhelm-Gymnasium Hamburg

Weblinks

Wikiquote: Wilhelm I. ‚Äď Zitate
Vorgänger
Friedrich Wilhelm IV.
Liste der Könige von Preußen Nachfolger
Friedrich III.
Vorgänger
Reichsgr√ľndung 18. Januar 1871
Liste der Staatsoberhäupter des Deutschen Reiches Nachfolger
Friedrich III.

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