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Letzte Änderung für Artikel Linzgau: 31.01.2006 00:09

Linzgau

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Der Linzgau am Bodensee
Der Linzgau am Bodensee

Der Linzgau ist eine Landschaft im SĂŒden Baden-WĂŒrttembergs. Sie wird im SĂŒden vom Bodensee und im Osten von der Schussen begrenzt und reicht im Westen etwa bis Überlingen und nördlich bis nach Pfullendorf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Name geht ursprĂŒnglich auf eine lateinische Ableitung des keltischen Flussnamens *Lentia zurĂŒck, der spĂ€ter durch den deutschen Namen Aach (Linzer oder Seefelder Aach) verdrĂ€ngt worden ist. Der vorgermanische Name besteht noch im Ortsnamen Linz (heute zu Aach-Linz , Stadt Pfullendorf), einem Ort nahe der Quelle der Aach.

Vor- und FrĂŒhgeschichte

Die Ă€lteste nachweisbare Besiedlung des Linzgau gehört ins Mesolithikum (8000-5500 v.Chr.). Sehr bekannt und archĂ€ologisch bedeutend sind die jungsteinzeitlichen Pfahlbauten am Ufer des Bodensees, aber auch im Egelsee bei Ruhestetten, die auch in der Bronzezeit (2200-800 v.Chr.) immer wieder errichtet wurden. Seit der spĂ€ten Hallstattzeit im 6. Jahrhundert v.Chr. kann die Bevölkerung des Linzgau sicher als keltisch bezeichnet werden ( GrabhĂŒgel bei Hödingen, Salem und Stetten ). In spĂ€tkeltischer Zeit (1. Jahrhundert v.Chr.), von der z.B. eine Viereckschanze bei Aach-Linz zeugt, geriet der heutige Linzgau in den Einflussbereich des Römischen Reiches , zu dem er bis zum Ende des 3. Jahrhunderts n.Chr. gehörte. Römische Siedlungen bestanden u.a. bei Bambergen, Meersburg und Mettenbuch.

Nach dem Abzug der Römer hinter den Rhein begannen germanische Gruppen, sich auch im Linzgau niederzulassen. Der alte keltische Flussname gab dem alamannischen Teilstamm der Lentienser , die im 4. Jahrhundert n.Chr. vom römischen Historiker Ammianus Marcellinus erwĂ€hnt werden, seinen Namen. Die Ausdehnung ihres Stammesgebietes in der Völkerwanderungszeit ist nicht rekonstruierbar, es war vermutlich grĂ¶ĂŸer als die spĂ€ter mit dem Namen Linzgau bezeichneten Gebiete. ArchĂ€ologische Funde der frĂŒhen Alamannen sind im Linzgau selten. Lediglich eine Nachbestattung in einem hallstattzeitlichen GrabhĂŒgel von Salem und ein Frauengrab bei Bruckfelden kann bisher hier angefĂŒhrt werden. Nicht viel dichter scheint die Besiedlung des frĂŒhen Mittelalters (im 6. Jahrhundert Eroberung durch die Franken ) gewesen zu sein, da Hinweise auf die typischen ReihengrĂ€berfelder , wie auch im westlich angrenzenden Oberschwaben, bisher nur selten gefunden werden konnten.

Mittelalter

Mit der Einteilung des FrĂ€nkischen Reiches in Grafschaften im FrĂŒhmittelalter erscheint der Linzgau als Gaugrafschaft nördlich des Bodensees zwischen Hegau und Argengau (771 in pago Linzgauvia, St.Galler Urkundenbuch 1,59). Im Jahr 764 ist in einer St.Galler Urkunde bereits ein Graf Warin genannt.

Der Umfang im Mittelalter wird z.B. in einem Lehensbrief König Wenzels von 1382 fĂŒr Graf Albrecht von Werdenberg beschrieben: Die Grenze verlief von der RheinbrĂŒcke bei Petershausen (Stadt Konstanz), zur Linde in Dingelsdorf , ĂŒber den See nach Ludwigshafen , von dort ĂŒber Nesselwangen zum Grauen Stein an der Landstraße zwischen Ruhestetten und Aach-Linz . Weiter von einer MĂŒhle bei Pfullendorf ĂŒber einen Grenzstein bei Ostrach und den Brunnen von Riedhausen in die Schussen bei Berg. Von dort bilden Schussen und Bodensee die Grenze bis zurĂŒck nach Petershausen.

In der Kirchenorganisation hieß das Dekanat nördlich des Bodensees Landkapitel Linzgau (1324 capitulum decanatus Lintzgöye)

Im Jahr 1135 erhielten die Grafen von Heiligenberg die Landgrafschaft Linzgau, von denen sie 1277 an die Grafen von Werdenberg und 1535 an die FĂŒrstenberger ĂŒberging. Im Lauf des Mittelalters ging der Name des Grafensitzes Heiligenberg auf die ganze Grafschaft ĂŒber, so dass der Name Linzgau durch den Begriff Grafschaft Heiligenberg verdrĂ€ngt wurde.

Neuzeit

Im Zug der Mediatisierung Anfang des 19. Jahrhunderts fiel ein Großteil des ehemaligen Linzgau an das Großherzogtum Baden, so dass der Name hĂ€ufig als Synonym fĂŒr den badischen Landkreis Überlingen benutzt wurde. Heute liegt der ehemalige Linzgau im Bodenseekreis und im SĂŒden des Landkreises Sigmaringen.

Der Linzgau heute

Außer dem katholischen Dekanat Linzgau ist der Linzgau bis heute eine nicht offiziell gebrauchte Landschaftsbezeichnung und weniger bekannt als z.B. der angrenzende Hegau. Sie ist jedoch immer gebrĂ€uchlich geblieben und gewinnt in den letzten Jahren wieder an PopularitĂ€t, wie z.B. die Benennung des um 1990 errichteten Einkaufzentrums in Pfullendorf als Linzgau-Center zeigt. Auch ein regionaler Tourismusverband nennt sich "Bodensee-Linzgau".

Die Teillandschaft oberer Linzgau umfasst die höher gelegenen Gemeinden ungefÀhr von Pfullendorf bis Illmensee.

Landschaft

Der ganze Linzgau ist eiszeitlich ĂŒberprĂ€gt. Die an den Bodensee angrenzenden tiefer gelegenen Landschaften sind klimatisch begĂŒnstigt und daher Obst- und Weinbaugebiete. Die Landschaft ist flachwellig, stellenweise aber durch runde HĂŒgelfelder ( Drumlins ) gekennzeichnet, die durch die Einwirkung des Rheingletschers in der letzten Eiszeit herausgeschliffen worden sind.

Der obere Linzgau ist durch stellenweise steile GelĂ€ndestufen vom Bodenseeraum abgesetzt und klimatisch deutlich rauer. Charakteristisch sind hier langgezogene MorĂ€nenrĂŒcken aus alpinem Gesteinsmaterial, das am Ende des Gletschers abgelagert wurde. Weite Moor- und Riedgebiete und einzelne Seen bestimmen vor allem im Nordosten das Landschaftsbild.

Der Linzgau ist grĂ¶ĂŸtenteils lĂ€ndlich geprĂ€gt, lediglich am Bodenseeufer ist die Besiedlung dichter und hier gibt es auch bedeutende Industriebetriebe. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind Überlingen, Pfullendorf, Meersburg und Markdorf. Die west-östlich am See entlang fĂŒhrende B31neu und die parallel verlaufende Eisenbahnlinie sind die einzigen ĂŒberregionalen Verkehrsverbindungen, die durch den Linzgau fĂŒhren.

Literatur

  • Hermann Eris Busse (Hrsg.), Überlingersee und Linzgau. In: Badische Heimat 23, 1936
  • Herbert Liedtke, Namen und Abgrenzungen von Landschaften in der Bundesrepublik Deutschland. 3.Aufl. Dt. Akad. fĂŒr Landeskunde, Flensburg 2002 (Forschungen zur deutschen Landeskunde 239)
  • H. Schleuning (Hrsg.), Überlingen und der Linzgau am Bodensee. Stuttgart/Aalen 1972 (Heimat und Arbeit)
  • Charlotte Zoller, Unterwegs im oberen Linzgau. LiebeserklĂ€rung an eine Landschaft. J.Schmid Verlag, Pfullendorf 1993

Weblinks

Wikipedia

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