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Letzte Änderung für Artikel Chinesisches Haus (Potsdam): 31.10.2005 15:39

Chinesisches Haus (Potsdam)

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Chinesisches Haus
Chinesisches Haus

Das Chinesische Haus ist ein Gartenpavillon im Park Sanssouci in Potsdam. Friedrich der Große ließ das GebĂ€ude zur AusschmĂŒckung seines Zier- und Nutzgartens etwa siebenhundert Meter sĂŒdwestlich des Sommerschlosses Sanssouci errichten. Mit der Planung wurde der Baumeister Johann Gottfried BĂŒring beauftragt, der nach Skizzen des Königs in den Jahren 1755 - 1764 einen Pavillon im Zeitgeschmack der Chinoiserie schuf, eine Mischung von ornamentalen Stilelementen des Rokokos und Teilen ostasiatischer Bauformen.

Die ungewöhnlich lange Bauzeit von neun Jahren ist auf den SiebenjĂ€hrigen Krieg zurĂŒckzufĂŒhren, unter dem die wirtschaftliche und finanzielle Lage Preußens erheblich litt. Erst nach dem Ende des Krieges, 1763 , wurden die Kabinette im Innern des Gartenpavillons ausgestattet. Da das GebĂ€ude neben seiner Funktion als schmĂŒckende Gartenarchitektur gelegentlich auch als exotische Kulisse fĂŒr kleinere Festlichkeiten diente, gab Friedrich der Große Order zum Bau einer Chinesischen KĂŒche, wenige Meter sĂŒdöstlich des Chinesischen Hauses. Nach einem Umbau 1789 , erinnern nur noch die sechseckigen Fenster an den ostasiatischen Charakter des ehemaligen WirtschaftsgebĂ€udes. Ebenfalls unter dem Einfluss der Chinoiserie entstand einige Jahre spĂ€ter, auf dem am nördlichen Rand des Parks Sanssouci angrenzenden Klausberg, das Drachenhaus in der Form einer chinesischen Pagode. Mit diesen GebĂ€uden folgte Friedrich der Große der Chinamode des 18. Jahrhunderts , die sich zuerst in Frankreich, dann in England und Deutschland ausbreitete.

Die ehemalige Chinesische KĂŒche nach dem Umbau
Die ehemalige Chinesische KĂŒche nach dem Umbau

Inhaltsverzeichnis

Die Chinoiserie

Durch den Überseehandel der HollĂ€nder mit China kam Ende des 17. Jahrhunderts Kunsthandwerk aus Perlmutt und mit Lackmalerei, Seidenstoffe und Porzellane nach Europa. An den FĂŒrstenhöfen des Barocks entwickelte sich ein Interesse an der ostasiatischen Kunst, die in der Zeit des Rokokos eine wahre Chinamode, die Chinoiserie, entstehen ließ. Neben der Begeisterung fĂŒr asiatische LuxusgĂŒter, die mit den subtilen Formen des Rokokos harmonierten, wurde durch Reisebeschreibungen und Zeichnungen das Bild eines heiter verspielten Lebensstils der Menschen in China wiedergegeben, das den Wertvorstellungen der gelockerten LebensfĂŒhrung an den europĂ€ischen Höfen entsprach.

Mit Wandbemalungen, die eine vermeintlich heile Welt der Chinesen darstellten, Porzellanen auf Wandkonsolen und kleinen Möbeln im chinesischen Stil, wurden ganze RĂ€ume in den Schlossbauten ausgeschmĂŒckt. In den Gartenanlagen entstanden Pavillons und Pagoden , die nicht unbedingt ein bestimmtes chinesisches GebĂ€ude zum Vorbild hatten, sondern oft nur durch geschwungene Dachformen und Figuren aus der chinesischen Kultur ostasiatische Bauweise suggerierten.

Architektur

FĂŒr das Chinesische Haus nahm Friedrich der Große den kleeblattförmigen Grundriss eines 1738 erbauten Gartenpavillons, dem Maison du trefle, im Schlosspark von LunĂ©ville (Frankreich) zum Vorbild. Dieses GebĂ€ude entwarf der französische Architekt Emmanuel HĂ©rĂ© de Corny fĂŒr den Herzog von Lothringen, Stanislaus I. Leszczynski , dem König von Polen, der in Frankreich im Exil lebte. Ein Exemplar eines von HĂ©rĂ© 1753 veröffentlichten Kupferstichwerks ĂŒber dessen Bauten war im Besitz Friedrichs des Großen.

Äußere Gestaltung

Eingangsbereich des Chinesischen Hauses auf der Nordseite
Eingangsbereich des Chinesischen Hauses auf der Nordseite

Das Chinesische Haus hat den Grundriss eines Kleeblatts. An den kreisrunden Zentralbau schließen sich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden drei Kabinette im Wechsel mit FreirĂ€umen an. Fast bodentiefe, rundbogige Fenster und FenstertĂŒren lassen viel Licht in das Innere des Pavillons. Das geschwungene zeltartige Kupferdach wird in den FreirĂ€umen von je vier vergoldeten PalmsĂ€ulen aus Sandstein gestĂŒtzt. Sie sind Arbeiten des schweizer Zierratenbildhauers Johann Melchior Kambly , der ab 1746 im Auftrag Friedrichs des Großen tĂ€tig war.

Die vergoldeten Sandsteinplastiken, am Fuß der SĂ€ulen sitzend und an den WĂ€nden der Kabinette stehend, stammen aus den WerkstĂ€tten der Bildhauer Johann Gottlieb HeymĂŒller und Johann Peter Benckert . Den EntwĂŒrfen fĂŒr das Figurenensemble der essenden, trinkenden und musizierenden Chinesen standen den Bildhauern Menschen aus der Region Modell, woraus sich die europĂ€ischen GesichtszĂŒge der Figuren erklĂ€ren.

Der Tambour , der dem Dach aufgesetzt wurde, wird von einer vergoldeten Chinesenfigur mit einem aufgespannten Schirm bekrönt. Nach einem Entwurf des Bildhauers Benjamin Giese erstellte sie Friedrich Jury in Kupfer. Durch die lÀngsovalen Fensteröffnungen des Tambours fÀllt, wie durch die Fenster in der Fassade, Licht in den Zentralraum.

Die Innenraumgestaltung

Die Wand des kreisrunden Hauptraums, der von der Nordseite betreten wird, ist mit grĂŒnem Stuck marmor ĂŒberzogen. In Stuck gearbeitete Affen mit Musikinstrumenten ĂŒber den FenstertĂŒren, Konsolen auf denen Porzellan platziert ist und Kerzenhalter, so genannte Wandbranchen, zwischen den Fenstern, sind allesamt mit Blattgold ĂŒberzogen. Ebenfalls vergoldet ist ein reich verzierter, mit Kerzen bestĂŒckter Kronleuchter, der von der Kuppel herab hĂ€ngt.

Das Deckenbild im oberen Rund des Raums wurde 1756 von Thomas Huber geschaffen. Von ihm stammen auch die Deckenmalereien ĂŒber den FreirĂ€umen im Außenbereich. Als Vorlage im Innern diente eine Entwurfszeichnung des französischen KĂŒnstlers Blaise Nicolas Le Sueur , der als Zeichenlehrer an der Berliner Kunstakademie unterrichtete. Die Deckenmalerei zeigt hinter einer Balustrade teils in den Raum schauende, teils miteinander plaudernde asiatische Menschen. Sie sind umgeben von Papageien, Affen und auf Pfosten sitzenden Buddha figuren.

Die WĂ€nde der an den Hauptraum angrenzenden Kabinette erhielten hellgrundige, seidene Wandbespannungen mit gemalten Blumenmustern, eine in dieser Zeit beliebte und preiswerte Wandtextilie aus einheimischer Produktion, die so genannte "Pekings". Wie auch hier, verwendete Friedrich der Große fĂŒr die Raumausstattung seiner GebĂ€ude fast nur Stoffe verschiedenster QualitĂ€t aus preußischen Seidenfabriken. Kleine erhaltene Reste dieser Wandbespannung dienten bei der Restaurierung 1990 - 1993 als Vorlage fĂŒr eine Rekonstruktion des Originals.

Literatur

  • Gert Streidt, Klaus Frahm. Potsdam. Die Schlösser und GĂ€rten der Hohenzollern. Könemann VG mbH, Köln 1996. ISBN 3-89508-238-4
  • Generaldirektion der Stiftung Schlösser und GĂ€rten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Potsdamer Schlösser und GĂ€rten. Bau- und Gartenkunst vom 17. bis 20. Jahrhundert. UNZE VGmbH, Potsdam 1993 ISBN 3-910196-14-4


Koordinaten: 52°24â€Č1″ N 13°1â€Č55″ O

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