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Letzte Änderung für Artikel Abtei Hersfeld: 22.01.2006 17:03

Abtei Hersfeld

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Die Reichsabtei Hersfeld, auch Kloster Hersfeld, bestand 837 Jahre ( 769 bis 1606 ) und hatte während dieser Zeit 66 Äbte. Die Abtei lag in der nordhessischen Stadt (Bad) Hersfeld. Den Kern des Klosterlebens bildete die Stiftskirche, die heute nur noch als Ruine besteht. Die Geschichte der Abtei ist eng mit der Geschichte der Stadt Bad Hersfeld verbunden.

Altstadt von Bad Hersfeld
Altstadt von Bad Hersfeld

Inhaltsverzeichnis

GrĂĽndung und FrĂĽhmittelalter

Standbild von Lullus auf Lullusbrunnen am Rathausplatz in Bad Hersfeld
Standbild von Lullus auf Lullusbrunnen am Rathausplatz in Bad Hersfeld

Im Jahre 769 gründet Lullus ein Benediktinerkloster in Hersfeld. Es wurde auf einer Einsiedelei gebaut, die der Mönch Sturmius bereits im Jahr 736 angelegt hatte. Anstelle der Kapelle von Sturmius erbaute Lullus eine Kirche. Das Kloster und die Kirche wurden den Heiligen Simon der Zelot und Judas Thaddäus geweiht.

Lullus gründete das Kloster nachdem er das Kloster Fulda, gegründet durch Sturmius 744 , nicht in das Bistum Mainz eingliedern konnte (Trutzfulda). Er entsprach mit dieser Klostergründung den Plänen des Königs Karl (später Karl der Große). Beide betrieben von Hersfeld aus, die Unterwerfung und Christianisierung der Thüringer und der Sachsen. Das Hersfelder Kloster wurde so zum Missionszentrum, das vom Kaiser viel Macht und Einfluss erhalten hat.

Lullus war von 769 bis 786 in Personalunion, Bischof (ab 782 Erzbischof) von Mainz und erster Abt von Hersfeld. Im Jahre 775 erhebt Karl der Große das Kloster zur abbatia regalis, der Reichsabtei und stattet sie mit Schenkungen aus. Es folgen im 8. und 9. Jahrhundert Schenkungen im ganzen Reichsgebiet, diese vergrößern die Macht und den Einfluss des Klosters. Besonders in Thüringen bestanden große Besitzkomplexe. Lullus lässt 780 die Gebeine de heiligen Wigbert nach Hersfeld überführen. Das Kloster wird so zum Wallfahrtsort . 782 lebten im Kloster bereits 150 Mönche . Am 16. Oktober 786 wird Lullus neben seinem Wegbegleiter Bischof Witta , in seiner Klosterkirche begraben.

Die Fundamente der Kapelle von Sturmius und die Lulluskirche fand man bei Ausgrabungen im 20. Jahrhundert unter dem SĂĽdflĂĽgel des Querhauses der Stiftsruine. Dabei fand man auch die Grabnische von Bischof Witta von BĂĽraburg bei Fritzlar. Das Grab von Lullus wurde nicht gefunden.

Abt Bun (820 – 840) veranlasste einen neuen Kirchenbau anstelle der Lulluskirche. Sie wurde zwischen 831 bis 850 erbaut. 852 fand unter Abt Brunwart II. (840 – 875) die Weihe dieser karolingischen Kirche und die Umbettung der Gebeine von Lullus in die Brun-Kirche statt. Seit dem wird das Lullusfest gefeiert. Von 870 existiert das erste Abts- und Klostersiegel. Seit der Zeit von Abt Bun steht die Klosterschule in hohem Ruf. Der Vorsteher war damals Haimo , der später Bischof von Halberstadt wurde. Man vermutet, dass zu dieser Zeit der unbekannte Dichter des "Heliand" (ein altsächsisches Epos des 9. Jahrhunderts, das Jesus als Herzog mit seinen Gefolgsleuten in die Welt der damaligen Zeit stellt) seine theologische Ausbildung in Hersfeld erhielt.

Während der Amtszeit von Abt Druogo (875 – 892), wird 880 das erste noch bekannte Zehntverzeichnis der Reichsabtei Hersfeld geschrieben. Ein weiters Zehntverzeichnis stammt von 899 , was in die Amtszeit von Abt Harderat fällt.

Das SĂĽdtor, ein Tor in der Befestigung des Klosterbezirkes
Das SĂĽdtor, ein Tor in der Befestigung des Klosterbezirkes

Unter Abt Diethart I. (912 – 927) werden 925 zum Schutz vor Überfällen der Ungarn , steinerne Befestigungsanlagen um das Kloster gebaut. Ein Tor aus dieser Zeit war das Südtor, es wurde vermutlich im Mittelalter, im Zuge der Stadtbefestigung geschlossen. Während der Ausgrabungen durch das Landesamt für Denkmalpflege zwischen 1979 und 1981 wurde das Tor freigelegt und ist seit dem für Fußgänger wieder offen. In der Nähe des Tores wurde auch eine Salzsiederei aus dem 9. Jahrhundert gefunden. Daher ist anzunehmen, dass die Mönche eigene Werkstätten innerhalb des Klosters hatten.

Aus dem späten 9. Jahrhundert bzw. dem beginnenden 10. Jahrhundert stammen auch die Pfalzbauten . Ein 60 m langer Steinbau östlich der Stiftskirche, dessen Grundmauern man im Jahr 1976 beim Bau des Altenzentrums "Hospital Bad Hersfeld" fand, wird als eine Aula der Pfalz interpretiert. Die dazugehörige Pfalzburg (bzw. Fliehburg) wird unter dem Marktplatz (früher Ebenheit genannt), nördlich der Aula, vermutet. Diese Annahme ergibt sich aus auch aus der ungewöhnlichen Größe des Platzes, die in der Region untypisch ist.

Abt Megingoz (932 - 935) lässt die Wachsenburg (bei Arnstadt) bauen, um den thüringischen Besitz des Hersfelder Klosters zu schützen. Die Burg ist eine der drei Gleichen [1] , [2] . Weiterhin wurde nach diesem Abt auch das Dorf Mengshausen (heute Ortsteil von Niederaula) benannt.

Hochmittelalter - Die Hochzeit der Abtei

Während der Amtszeit von Abt Egilolf von 963 bis 970 erreichte dieser mit einem Papstdekret 966 , dass die Abtei direkt dem päpstlichen Stuhl unterstellt wird. Dies geschah durch unmittelbaren Einfluss von Kaiser Otto I., dessen Freund und Ratgeber Egilolf war. Die Abtei war dadurch auch nicht mehr vom Mainzer Bistum abhängig. Die Klosterbibliothek wird unter Abt Gotzbert ( 970 – 985 ) gegründet und Abt Bernhard ( 985 - 1005 ) gründete 1003 eine Benediktinerpropstei auf dem Petersberg, die dem heiligen Petrus geweiht wurde.

Noch während Abt Bernhard amtierte verlieh Kaiser Heinrich II. am 30. Mai 1003 , der Abtei den Wildbann im Reichsforst Eherinevirst (Knüllgebirge und Seulingswald). Somit erhielt die Abtei ein geschlossenes Gebiet um Hersfeld zugesprochen. Es entstand damit auch ein zusammenhängendes Gebiet mit den thüringischen Besitzungen der Abtei. Diese Schenkung führte gleichzeitig zur Teilung des Eherinevirst (im heutigen Seulingswald) zwischen den Abteien Hersfeld und Fulda Die Grenze verlief die Herfa (Fluss bei Friedewald, mündet in die Werra) hinauf bis nach Wölf (heute Ortsteil von Eiterfeld), von da zur Eitra und zur Haun (beides Nebenflüsse der Fulda), dann über Odensachsen, Rhina (heute Ortsteile von Haunetal) und Mengshausen (heute Ortsteil von Niederaula) bis zur Mündung der Aula in die Fulda. Diese Linie stellte die Südgrenze der Abtei Hersfeld dar, sie änderte sich über die Jahrhunderte nur wenig. Sie war in diesem Bereich die Südgrenze des Altkreises Hersfeld und ist bis heute die Südgrenze des Landkreises Hersfeld-Rotenburg .

Die oben erwähnten Abte Gotzbert und Bernhard ließen die harten benediktinischen Klosterregeln verkommen. Sie leben wie Kanoniker in eigenen Häusern und mit Privatvermögen. Dies hatte zur Folge, dass Kaiser Heinrich II. unter Missachtung der freien Abtswahl 1005 Abt Godehard als Abt einsetzte. Er kam vom Kloster Niederalteich und blieb bis 1012 als Abt in Hersfeld. Er reformierte das Klosterleben und setzte die Regeln Benedikts wieder durch. Er stellt die Mönche vor die Wahl die Regeln zu befolgen oder das Kloster zu verlassen; dadurch gingen 50 Mönche. Godehards Nachfolger war Abt Arnold ( 1012 – 1031 ), der ebenfalls als ehemaliger Mönch aus dem Kloster Niederalteich kam. Er gründete eine weitere Benediktinerpropstei, die er von 1012 bis 1024 auf dem Johannesberg erbauen ließ. Sie wurde dem heiligen Johannes ( Apostel Johannes und Evangelist Johannes ) geweiht. Von der Klosterkirche und dem Brüderhaus (Dormitorium) sind heute noch Ruinen zu sehen, in dem ehemaligen Amtshaus sind heute Wohnungen. Weiterhin gab es während der Amtszeit von Abt Arnold 1015 und 1016 weitere Schenkungen von Kaiser Heinrich II. an das Kloster, was die wirtschaftliche Grundlage und ihre Bedeutung der Abtei weiter steigerte.

Das Innere der Stiftsruine Bad Hersfeld

Im Jahre 1038 zerstörte ein Brand die Stiftskirche. Abt Meginher ( 1036 – 1059 ) veranlasste sofort den Wiederaufbau. Schon 1040 wird der Chor und die Krypta erneut geweiht. Der Abt schenkt Kaiser Heinrich III. die Hersfelder Hauptreliquien der Apostel Simon der Zelot und Judas Thaddäus für die Gründung einer Stiftskirche in Goslar (der Goslarer Dom, von dem heute nur noch die nördliche Vorhalle erhalten ist). Die heute älteste datierte Glocke Deutschlands ließ Abt Meginher 1038 gießen. Es ist die Lullusglocke im Katharinenturm, sie läutet nur noch ein Mal jährlich, am 16. Oktober um 12:00 Uhr, zum Todestag von Lullus . Ebenfalls unter Abt Meginher gibt es erste Münzprägungen. Die ehemalige Münze steht noch heute auf dem Martplatz. Auf den zweiseitigen Pfennigen wurde der heilige Wigbert dargestellt. Weiterhin tritt der Mönch Lambert 1058 unter Meginher in das Kloster ein. Später wird er als Lampert von Hersfeld ein berühmter Geschichtsschreiber seiner Zeit. Vermutlich war er unter den Äbten Ruthardt und Hartwig Leiter der Hersfelder Klosterschule. Weiterhin dürfte er zwischen 1063 und 1073 die Vita Lulli, die Biografie des Lullus geschrieben haben.

Katharinenturm des Klosters Hersfeld
Katharinenturm des Klosters Hersfeld

Zwischen 1073 und 1074 zog König Heinrich IV. sein Heer bei Bebra-Breitenbach zusammen um den Aufstand der Sachsen und Thüringer nieder zu schlagen. In diese Zeit wurde sein erster Sohn Konrad am 12. Februar 1074 im Hersfelder Kloster geboren. Seine vergoldete Wiege soll noch lange in einem Bogen des Querschiffes gehangen haben. Diese Auseinandersetzungen erschütterten die Stellung Hersfelds in Thüringen. Um diese wieder her zu stellen findet man Abt Friedrich ( 1091 – 1100 ) hauptsächlich auf der Wachsenburg (bei Arnstadt), wo er auch gestorben ist. Unter Abt Adelmann ( 1114 – 1127 ) wird der Katharinenturm gebaut, ein Glockenturm mit einer kleinen Kapelle im Erdgeschoss. Er steht noch heute am Eingang zum Stiftsbezirk, auf der stadtzugewandten Seite. Die Lullusglocke ist zu dieser Zeit in dem Turm beurkundet.

Unter Abt Heinrich I. von Bingarten ( 1127 – 1155 ) war die Abtei auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte. König Konrad III. befindet sich oft in Hersfeld und der Abt besucht Reichs- und Hoftage. Konrad III. sammelt 1139 in der Nähe von Hersfeld sein Heer, das gegen den aufständischen Herzog Heinrich den Stolzen zog (Hie Welf! – Hie Waiblingen !). Kurzzeitig war Abt Heinrich auch Abt des Klosters in Fulda.
Die neue romanische Stiftskirche wird 1144 geweiht. Der anwesende König Konrad III. schenkt dem Kloster zu diesem Anlass ein Weinzehnten von den Reichsgütern in Ingelheim am Rhein. Zwei Jahre später 1146 stirbt Gertrud von Sulzbach, die Frau von Konrad III. in Hersfeld. Um 1150 kommen zur Stiftskirche noch neue Klausurengebäude im Kreuzganghof hinzu. Die Bauzeit nach dem Brand erstreckte sich somit auf etwa 112 Jahre. Dies lässt sich stilistisch an der Stiftsruine noch heute erkennen.

Während der Amtszeit von Abt Siegfried von 1180 bis 1200 , stritt sich dieser mit Landgraf Ludwig III. von Thüringen über Vogteirechte (Vogt als Vertreter der Äbte in Gerichtssachen, meist durch König oder Kaiser eingesetzt). Siegfried hatte jedoch am Hofe Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) und dessen Nachfolger Heinrich VI. hohes Ansehen und konnte somit Einfluss auf deren Politik nehmen. Er begleitete Barbarossa nach Italien und führte im Auftrag des Kaisers Verhandlungen mit dem Papst. Mit Siegfried erlangte die Reichsabtei somit den Höhepunkt ihrer reichspolitischen Bedeutung und er verstand es dadurch auch die Rechte der Abtei gegenüber den Landgrafen von Thüringen durchzusetzen.

Durch mehrere Dekrete 1220 , 1231 und 1232 von Kaiser Friedrich II. erhält die Abtei unter Abt Ludwig I. landeshoheitliche Rechte. Der Abt war damit Landesoberhaupt. Als Fürstabt stand er nun dem geistlichen Fürstentum Hersfeld vor. ´

Im Jahre 1239 stiftete Abt Ludwig I. das Hospital am Johannestor für Arme, Alte und Kranke. Mit den Franziskanerkloster wurde in Hersfeld ein zweites Kloster gebaut. Es wurde 1269 das erste Mal urkundlich am Neumarkt 33 erwähnt und wurde vermutlich im späten 15. Jahrhundert wieder aufgegeben. Hier steht heute der Nachfolgebau der Konrad-Duden-Schule. Im Mittelbau sollen wesentliche Mauerwerksteile des Klosters verwendet worden sein und im Keller gibt es noch zwei Gewölbe des Klosters. Unter dem heutigen Pausenhof werden die Fundamente der Klosterkirche vermutet.

Spätmittelalter und endgültiges Ende mit der Reformation

Nach den Staufern sank die Königsmacht im Heiligen Reich deutscher Nationen. Die Reichsabtei, die sich traditionell auf die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches stützte um ihren Streubesitz gegen äußere Bedrohungen zu sichern, stand nun ohne ihre machtpolitische Basis da. Der aufstrebende Landadel und das aufkeimende Bürgertum in der Stadt taten ihr Übriges, so dass die folgenden Jahrhunderte der Abtei vom ständigen Versuch geprägt waren, Besitz- und Herrschaftsrechte zu erhalten.

Zunächst begann jedoch Abt Ludwig II. von Mansbach (1324 – 1343) im Jahre 1328 mit dem Bau des Schlosses zu den Eichen in der Fuldaaue. Doch bereits sein Nachfolger Abt Johann II.von Elben (1343 – 1367), musste wegen andauernder Finanzprobleme viel hersfeldischen Besitz veräußern. Er verkauft unter anderem das Hospital an die Stadt. Zu dieser Zeit wurde die Abtei jedoch noch vom König unterstützt, so erlaubte Karl IV. 1347 dem Abt zu eigenem Nutzen das Reichslehen Juden zu halten (das so genannte Judenrecht ).

Im Jahre 1372 unter Abt Berthold II. von Völkershausen (1367 – 1387) wurde das stark befestigte Wasserschloss zu den Eichen fertig gestellt und 1378 wurde in die Stiftskirche die erste Orgel eingebaut. Abt Berthold steht in seiner Regentschaft, einem immer stärker werdenden Einfluss der Landgrafschaften von Thüringen und Hessen auf das Fürstentum gegenüber, als die Stadt Hersfeld am 28. Januar 1373 ein Schutzbündnis mit dem Landgrafen von Hessen schloss. Der Abt stellte sich daraufhin an die Seite des Erzbistums Mainz, die schon in den vergangenen Jahrzehnten gegen den Landgrafen zu Felde zogen. Abt Berthold verbündete sich in der Folge mit dem Sternerbund (ein hessischer Ritterbund der sich 1370 aufgrund der zunehmenden Macht der hessischen Landgrafen bildete) und versuchte daraufhin 1378 in der Vitalisnacht mit Hilfe der Sterner seine Vormachtstellung in der Stadt wieder herzustellen. Dies misslang jedoch und das Fürstentum Hersfeld war damit gezwungen 1383 ein Schutzbündnis mit den Landgrafen von Hessen zu schließen. Dennoch folgten weitere Auseinandersetzungen mit Hessen. So erbaute zum Beispiel Landgraf Ludwig I. im Jahre 1416 die Burg Ludwigseck auf Hersfelder Gebiet (es gehörte zum Wildbannbezirk, das der Abtei 1003 von Kaiser Heinrich II. zugesbrochen wurde). Abt Hermann II. von Altenburg (1398 - 1418) waren die Hände gebunden und er konnte nur noch resignierend feststellen, dass der Landgraf diese Burg "uff unsers stiffts grunth unnd eigenthum" gebaut hat. Diese Auseinandersetzungen stärkten in der Folge den Einfluss des Bistums in Mainz, das unter Erzbischof Adolf von Mainz (ab 1385 ) und seinem Nachfolger Konrad von Mainz (ab 1420 ), Schirmherr und Vermittler zwischen Hersfeld und Hessen war. Im Jahre 1427 siegte Hessen endgültig über das Erzbistum Mainz und die Stadt Hersfeld erneuerte ihr Bündnis mit Landgraf Ludwig den Friedfertigen . Somit stand das Fürstentum ohne Verbündete gegen Hessen. Um die weitere Existenz der Abtei zu sichern ernannte Abt Albrecht von Buchenau im Jahre 1432 den Landgrafen zum erblichen Schirmherrn des Stiftes. Dieser Erbschutzvertrag wurde 1458 und 1490 erneuert. Das Fürstentum gehörte damit ab 1432 zu Hessen.

Um die der Abtei noch verbliebenen Gebiete gegen die Hessischen Landgrafen zu sichern und wegen erheblicher finanzieller Probleme versuchte der Abt 1513 die Abtei mit der von Fulda zu vereinigen, die so genannte Hersfelder Affäre. Im Vorfeld verlor die Abtei einen Prozess am Reichskammergericht gegen die Stadt, was die Abtei zu noch höheren Schulden nötigte. In dieser Situation resignierte Abt Volpert Riedesel von Bellersheim (1493 - 1513) zugunsten von Abt Hartmann, dem Abt von Fulda. Der Abt von Hersfeld übernahm im Gegenzug die fuldische Probstei Andreasberg. Das Hersfelder Kapitel stimmte gegenüber dem fuldischen Kanzler Philipp von Schweinsberg dieser Vereinigung zu. Am 10. September 1513 wurde im Schloss Eichhof (außerhalb des Klosters), der Anschluss der Reichsabtei von Abt Hartmann verkündet. Lediglich Kraft Myle, der spätere Abt Karto, widersetzte sich diesem Vorgehen. Dies galt auch für die Stadt, die unterstützt von der hessischen Landgräfin Anna von Mecklenburg-Schwerin (ihr Sohn war Schirmvogt der Abtei), den Gehorsam gegenüber Abt Hartmann verweigerte. Anna konnte erreichen, dass Ludwig von Hanstein (Abt des Klosters Helmarshausen) zum Verwalter der Abtei gewählt wurde. Am 15. September 1515 wurde er vom hersfeldischen Konvent zum Gegenabt gewählt (der hessischen Kanzler Johann Feige führte dabei den Vorsitz). Diese Situation war für die Abtei Fulda nicht lange tragbar, so dass Abt Hartmann 1516 auf die Abtei verzichtete.

Sein Nachfolger Abt Krato (1516 - 1556), erster bürgerlicher Abt von Hersfeld, erneuerte 1517 zusammen mit Dechant und Konvent den Erbschutzvertrag mit dem Landgrafen Philipp. In diesem Vertrag wurde der Reichsabtei untersagt sich einer anderen Abtei anzuschließen und festgeschrieben, dass künftige Äbte die Zustimmung des Hauses Hessen benötigten. Auf Einladung des Abtes predigt Luther 1523 in der Stiftskirche, damit beginnt die Reformation in Hersfeld. Zwei Jahre darauf gehörten bereits viele aus dem Machtbereich der Abtei dem protestantischen Glauben an, als es im Jahre 1525 im Bauernkrieg zur Plünderung des Stiftsbezirks kam. Landgraf Philipp kam dem in Bedrängnis geratenen Abt zu Hilfe und schlug den Aufstand nieder. Der Landgraf nutzte dies zu seinem Vorteil und nahm sich, zur Deckung seiner Kosten, große Teile der Reichsabtei zum Beispiel Berka und das Landecker Amt (das Amt umfasste im wesentlichen das Gebiet der heutigen Gemeinde Schenklengsfeld). Durch Verträge 1550 und 1558 mit Abt Karto und seinem Nachfolger Abt Michael (1556 – 1571) nahm sich der Landgraf auch die Hälfte von Hersfeld, damit war das Stift unter unmittelbaren Einfluss der Landgrafschaft Hessen geraten.

Die religiösen und politischen Verhältnisse der Abtei wurden durch diese Ereignisse so kompliziert, dass es immer schwieriger wurde einen Abt zu finden, der den verschiedenen Interessen gerecht werden konnte. Schon zur Amtszeit von Abt Karto stellte sich die Situation innerhalb der Abtei so dar, dass der Abt katholisch, der Dekan protestantisch gesinnt und das Kapitel gemischt war, während die Bevölkerung weitgehend evangelisch geworden war. Dazu kam, dass der Schutzherr des katholischen Abtes, die hessischen Landgrafen, eifrige Verteidiger des Protestantismus waren. Diese Situation bestand ohne Erlaubnis des Kaisers und widersprach den Kirchengesetzen und den Willen des Papstes . Somit hatte ein katholischer Abt die Aufgabe dem evangelischen Landgrafen zu Diensten zu sein und auf der anderen Seite den Papst und den Kaiser nicht zu verärgern. Zusätzlich wurden die Verhältnisse im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges komplizierter, da sich die Gegensätze zwischen den Konfessionen verschärften.

Abt Michael gründet dennoch 1570 in den Gebäuden des ehemaligen Franziskanerklosters in eine Klosterschule (heute befindet sich am gleichen Ort die Konrad-Duden-Schule in einem Nachfolgebau). Ludwig Landau, der ehemalige Koadjutor von Abt Michael, wurde als Abt Ludwig V. (1571 - 1588) dessen Nachfolger. Er stritt sich in seiner Amtszeit mit Kursachsen um die Lehnsherrschaft in thüringischen Amtsbezirken und versprach dem Landgrafen Wilhelm die zukünftige Administration in Hersfeld. Seine Amtszeit war geprägt von der letzten Baublüte, die Abt Ludwig V. entfachte. Der Stiftsbezirk, die städtische Abtsresidenz und das Schloss Eichhof, wurden im Renaissancestiel umgebaut. Dies mutet im Rückblick wie ein letztes Aufstemmen gegen das drohende Ende an.

Der vorletzte Abt Kraft Weiffenbach (1588 – 1592), erhielt schon nicht mehr die Anerkennung des Papstes und der einzige Katholik im Kapitel, Joachim Röll, verweigert diesem Abt seine Anerkennung.

Landgraf Moritz von Hessen setzte im Jahre 1592 seinen persönlichen Freund, den letzten Abt Joachim (Joachim Röll) (1592 - 1606) in sein Amt ein. Er war der letzte Katholik im Kloster und die wenigen noch verbliebenen Mönche waren evangelisch. Abt Röll machte 1604 den ältesten Sohn von Landgraf Moritz, Erbprinz Otto von Hessen (* 24 Dezember 1594; † 7. August 1617) zum Koadjutor des Stiftes und damit zu seinem Nachfolger. Am 24.Februar 1606 starb der Abt und der 12-jährige Otto von Hessen übernahm am 4. März 1606 als Administrator die Verwaltung der Abtei und war dadurch der erste weltliche Herrscher des Fürstentums Hersfeld. Otto starb schon 1617, somit ging das Fürstentum und der Fürstentitel an das Haus Hessen-Kassel.

Das Kloster wurde schon unter Abt Joachim Roell aufgegeben, die Stiftskirche wurde schon seit dem Bauernkrieg nur noch für evangelische Gottesdienste genutzt. Im Gefolge von Tilly , im Dreißigjährigen Krieg , zogen noch einmal kurzzeitig Mönche in das Kloster ein, zu einem geregelten Klosterbetrieb kam es jedoch nicht mehr. Im Siebenjährigen Krieg 1761 wurde die als Kornspeicher genutzte Stiftskirche von abziehenden französischen Truppen in Brand gesteckt und gilt seitdem als die "Stiftsruine".

Propsteien und Priorate

Diese Liste gibt einen Überblick über die Besitzverhältnisse der Abtei, dazu kamen noch zahlreiche Patronatskirchen und inkorporierte Kirchen die sich meistens, wie auch die unten genannten Klöster und Propsteien in Hessen oder Thüringen befanden. Es sind aber auch einige Kirchen in Moselgebiet und dem Rheinland nachweisbar.

Propsteien

  • Benediktinerpropstei Johannesberg bei Hersfeld (gegrĂĽndet um 1024 )
  • Benediktinerpropstei Sankt Peter auf dem hersfelder Petersberg (gegrĂĽndet um 1000 )
  • Benediktinerkloster Sankt Maria im Memleben (seit 1015 Propstei von Hersfeld, gegrĂĽndet im 10. Jahrhundert)

Priorate

  • Benediktinerinnenkloster Sankt Walburgis in Arnstadt
  • Augustinerchorfrauenstift Sankt Maria in Frauenbreitungen (gegrĂĽndet um 1150 )
  • Benediktinerkloster Sankt Maria in Herrenbreitungen (gegrĂĽndet im 11. Jahrhundert und seit dem 12. Jahrhundert hersfeldisch)
  • Benediktinerinnenkloster Sankt Maria in Cornberg (gegrĂĽndet im 13. Jahrhundert)
  • Zisterzienserinnenkloster Sankt Maria in Frauensee (gegrĂĽndet um 1200 )
  • Benediktinerkloster Sankt Wigbert in Göllingen (gegrĂĽndet im 10. Jahrhundert)
  • Zisterzienserinnenkloster Sankt Maria auf dem Kreuzberg bei Hersfeld (gegrĂĽndet 1191 )
  • Franziskanerkloster Sankt Elisabeth in Hersfeld (bachweisbar seit 1269 )
  • Nonnenkloster Sankt Maria und Johannes in Aua ( 1229 nach Blankenheim verlegt, gegrĂĽndet 1190 )
  • Chorherrenstift Sankt Peter in Ohrdruf (gegrĂĽndet im 8. Jahrhundert)
  • Zisterzienserinnen- oder Benediktinerinnenkloster Sankt Maria und Johannes Baptist in Kreuzberg (gegrĂĽndet im 13. Jahrhundert)

Liste der Ă„bte von Hersfeld

Wappen von Abt Ludwig V. (1571 - 1588) im Eingangsbereich von Schloss Eichhof
Wappen von Abt Ludwig V. (1571 - 1588) im Eingangsbereich von Schloss Eichhof
Name von bis
Abt Lullus ca. 769 786
Abt Richulf vermutlich 786 813
Abt Balthart 798 -
Abt Brunwart I. vermutlich 813 820
Abt Bun vermutlich 820 840
Abt Brunwart II 840 875
Abt Drogo 875 892
Abt Harderat 892 901
Herzog Otto ( Liudolfinger , Laienabt) 902 912
Abt Diethart I. 912 927
Diethart II. 927 928
Abt Burchard 928 932
Abt Megingoz 932 935
Abt Hagano 935 959
Gunther 959 963
Abt Agilulf (Egilolf) 963 970
Abt Gozbert 970 984 / 985
Abt Bernhard 984 / 985 1005
Abt Godehard 1005 1012
Abt Arnold 1012 1031
Abt Bardo 1031 -
Abt Rudolf 1031 1036
Abt Meginher 1036 1059
Abt Ruthardt 1059 1072
Abt Hartwig 1072 1090
Abt Friedrich 1090 1100
Abt GĂĽnther II. 1100 1002
Abt Reginhard 1102 1114
Abt Adelmann 1114 1127
Abt Heinrich I. von Bingarten 1127 1155
Abt Willibold I. 1155 1162
Abt Hermann I. 1162 1165
Abt Burchard II. von NĂĽrings 1165 1168
Abt Willibold I. 1168 1175
Abt Adolf 1175 1180
Abt Siegfried 1180 1200
Abt Johannes I. 1200 1214
Abt Heinrich II. 1214 1217
Abt Ludwig I. 1217 1239
Abt Werner 1240 1252
Abt Heinrich von Erthal (Abt von Fulda) 1252 1254
Abt Werner 1255 1258
Abt Heinrich von Erthal (Abt von Fulda) 1258 1260 / 1261
Abt Heinrich III. von Boyneburg 1260 / 1261 1278
Abt Heinrich IV. 1278 1300
Abt Berthold I. 1300 1302 / 1305
Abt Simon I. von Buchenau 1302 / 1305 1315
Abt Heinrich V. 1315 1316
Abt Andreas von Heiningen 1316 1320
Abt Heinrich VI. von Romrod 1320 1323 / 1324
Abt Ludwig II. von Mansbach 1324 1343
Abt Johann II.von Elben 1343 1367
Abt Berthold II.von Völkershausen 1367 1387
Abt Reinhard von Boyneburg-Hohenstein 1387 1393
Abt Reinhard von Boyneburg-Hohenstein 1396 1398
Abt Hermann II.von Altenburg 1398 1418
Abt Albrecht von Buchenau 1418 1438
Abt Konrad von Herzenrode 1438 1454
Abt Ludwig III. Vizthum von Eckstädt 1454 1481
Abt Damian von Knoblauch 1481 1483
Abt Wilhelm 1483 1493
Abt Volpert von Riedesel 1493 1513
Abt Hartmann von Kirchberg 1513 1515
Abt Ludwig IV. von Hanstein 1515 1516
Abt Krato, Kraft Myle 1516 1556
Abt Michael Landgraf 1556 1571
Abt Ludwig V., Ludwig Landau 1571 1588
Abt Kraft von Weiffenbach 1588 1592
Abt Joachim, Joachim Roell 1592 1606

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